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Alt 10.09.2004, 18:05   #7   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
Beiträge: 6.935
Blog-Einträge: 41
AW: Kristallographie

Die Physiker stellen mit Kristallen verdammt viel an. Da gehts um Eigenschaften, wie z.B. Frequenzverdopplung (immer noch n heißes Thema), Lichtleiter, neuartige Halbleiter aber auch Bandstrukturen im Allgemeinen, Phononenspektroskopie (aua-aua, extremstens abgefahren), Realbau von Kristallen, pfff... tausend mehr oder minder spannende / kapierbare Sachen. Optische und Elektronische Eigenschaften stehen im Vordergrund. Laß Dich nicht schrecken - Dinge wie der reziproke Raum, Fouriertransformationen, Matrizenrechnereien und so gehören zum Werkzeug, wird einem aber alles Stück für Stück erklärt. Dafür gibts Vorlesungen und Übungen. Mitzubringen ist lediglich Spaß an Kristallen und ein einigermaßen ausgebildetes 3D-Vorstellungsvermögen, außerdem eine angemessene Bewunderung des graphischen Weks von M.C.Escher (kommt in jeder kristallographischen Vorlesung vor). Natürlich gibts Leute, die sich nicht mehr aus einem sechsdimensionales Raum nach Hause rücktransformieren konnten, aber das kann einem in anderen Bereichen der Chemie genauso gehen.
Und was Lupovski da beschreibt, is n bißchen arg lapidar. Wenn man auf diese Weise die Organik erklären möchte, käm so in etwa folgendes raus:
Ja, die eine Hälfte vom Tag stehen die am Abzug und rühren farblose, stark riechende Dinge zusammen, produzieren schwarzbraune Rückstände und machen Glas dreckig. Die andere Hälfte vom Tag putzen sie dann die Glasgeräte. Und wenn sie was gekocht haben, säulen sie's und halten es ins NMR und ins IR. Dann kochen sie mit dem neuen Zeug weiter - nächste Stufe. Und wenn sie nur noch so viel Zeug übrig haben, daß es nur noch für exakt ein NMR reicht, dann schreiben sie zusammen. Immer leicht neben dem thermodynamischen Gleichgewicht...
Also.
Etwas unausgewogen.
Wenn Du willst, kannste ja vielleicht mal auf dem Server
http://ruby.chemie.uni-freiburg.de/
durch die diversen Vorlesungen schmökern, um was es da so geht. Ist nicht allegemeingültig, aber viele der Themen eben dann doch.

Noch eins, was ich beachtenswert finde:
Ein kristallographisches Institut ist von Hause aus ein kleines Institut, was zur Folge hat, daß die Leute sich alle kennen und die Betreuung und die Dienstwege entsprechend gut organisiert sind. Ein weiterer Vorteil ist (ich weiß nicht, ob das auf Euch in F zutrifft), wenn die Profs jung sind. Dann haben sie noch Elan und Schwung und die Themen sind nicht von Generationen vorangegangener Promotions- und Diplomarbeiten ausgelutscht. Da kann man noch was reißen.
Kuck Dir den Laden an. Ist er sympathisch, dann nix wie los!
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Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau

Geändert von Tino71 (10.09.2004 um 18:13 Uhr)
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