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Alt 08.02.2008, 08:48   #13   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.445
AW: Chemikalienschutzhandschuhe - woher?

Zitat:
Zitat von Akkordeon1987 Beitrag anzeigen
wie ist das zu verstehen? im Prinzip bekommt man doch nur mit, dass je mehr Handschuhe man benötigt das Praktikum umso teurer ist. Anstatt dann auf passend sauberes Arbeiten zu achten belassen es die meisten dann doch dabei die versifften Handschuhe nicht sofort auszuziehen ...
Ich denke so manch einer wird durch die finanzielle Beteiligung dazu animiert, Handschuhe nur dann anzuziehen, wenn sie auch benötigt werden. Weiterhin wird man zu sauberer Arbeitsweise angespornt
Kosten Handschuhe nichts und sind frei verfügbar, wird in der Regel auch sehr großzügig damit umgegangen. Da nimmt man statt eines Stopfens eben den behandschuhten Daumen um das Reagenzglas/den Meßkolben zu verschließen und kurz umzuschütteln. Es gibt nach dem Chemikalienrecht eine klare Regelung der Rangfolge der Schutzmaßnahmen
1. Technische Maßnahmen z.B. geschlossenes System
2. organisatorische Maßnahme (reduzierung der betroffenen MitarbeiterInnen)
3. persönliche Schutzausrüstung.
Somit ist PSA erst zulässig, wenn technische und organisatorische Maßnahmen keinen ausreichenden Schutz bieten.

Übrigens werden Chemikalienschutzhandschuhe in der Regel nur an Reinstoffen geprüft. Wie sie sich bei Gemischen verhalten ist nicht bekannt. Die Prüfnorm schreibt keinerlei mechanische Belastung vor, obwohl dies im Praxisfall durchaus üblich ist. Die Meßtemperatur ist deutlich unterhalb der üblichen Hauttemperatur, was natürlich auch einen Einfluß auf die Reaktivität hat. Die maximale Prüfdauer ist 8 Stunden. Somit müßte ein Chemikalienschutzhandschuh nach Kontamination spätestens nach 8 Stunden ausgetauscht werden. In der Praxis kommt dies nur selten vor, da werden Chemikalienschutzhandschuhe über Wochen verwendet.
Jetzt noch kurz zu den Einweghandschuhen. Übliche "Untersuchungshandschuhe" haben den Qualitätslevel (AQL) von 2,5. Dies bedeutet, dass bei einer Chargengröße von 10000 Handschuhen 200 einem Luft/Wasser Test (Penetration) unterzogen werden und davon 10 Handschuhe fehlerhaft sein dürfen, trotzdem ist die Prüfung bestanden. Sprich, es dürfen vor Verpackung der Handschuhe 5% fehlerhaft, also mit Loch sein!
Mei medizinischen OP-Handschuhen gilt AQL 1,5, was auch noch 3,5% Fehlerquote erlaubt.

Wer länger als 2 Stunden/Tag flüssigkeitsdichte Handschuhe trägt, begeht Feuchtarbeit und schädigt seine Haut, ganz ohne Kontakt zu weiteren Chemikalien. Daher sollten Handschuhe nur solange wie nötig getragen werden.
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Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
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