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Alt 13.12.2007, 10:04   #3   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.444
AW: Hüalfäää: Betriebsanweisungen

Relevant wären mal einige Parameter zum Betrieb zu erfahren:
Anzahl der Mitarbeiter, Standorte, Branche?
Anhand dieser Rahmenbedingungen kann man sich dann überlegen, wie man die rechtlichen Vorgaben umsetzen möchte. Das kann vom handgeschriebenen Blatt, über Excel Listen bis zur SAP gekoppelten Datenbank reichen. Die Kosten hierfür können sich in sehr weiten Bereichen bewegen, daher sind die Rahmenbedingungen unabdingbar, um eine entsprechende Empfehlung auszusprechen.

Jetzt noch kurz zum Gefahrstoffrecht und seinen Vorgaben:
Jeder Arbeitgeber hat zu allen gefährlichen Stoffen, welche in seinem Betrieb gehandhabt werden Sicherheitsdatenblätter (SDB) vorzuhalten.
Anhand der SDB und dem Umgang (Dauer, Menge, Exposition usw.) hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen (und natürlich zu dokumentieren).
Für Gefahrstoffe, ab Schutzstufe 2 (siehe Gefahrstoffverordnung) muß eine stoff- und tätigkeitsbezogene Betriebsanweisung (BA) erstellt werden, wobei es durchaus erlaubt ist mehrere Stoffe mit ähnlicher Gefährdung zu einer BA zusammen zu fassen.
Der Arbeitgeber (AG) wird eine solche umfassende Dokumentation natürlich nicht selbst durchführen, sondern selbige im Zuge seines Delegationsrechts an die entsprechenden Führungspersonen delegieren. Die Arbeitssicherheit hat hierbei beratende und unterstützende Funktion, zumal ja die Fachkräfte für Arbeitssicherheit als fachkundig zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung (siehe GefStoffV §7, Abs. 7) angesehen werden.

Jetzt zur Umsetzung bei uns.
Rahmenbedingungen: 6000 Mitarbeiter, 4 Standorte, Gesundheitswesen; >4000 Gefahrstoffe.

1 Mitarbeiter hat die Funktion des Gefahrstoffbeauftragten (das bin ich) und führt das zentrale Gefahrstoffverzeichnis, sowie das Archiv der SDB. Er erstellt Muster BA, welche von den Bereichsvorgesetzten an den Umgang vor Ort anzupassen sind (mit entsprechender Rückmeldung). Von den Bereichsvorgesetzten sind auch alle neuen Produkte zu melden und mindestens jährlich Bestandslisten abzuliefern. Anhand dieser Daten liefert der Gefahrstoffbeauftragte dann aktuelle Auszüge des Gefahrstoffverzeichnisses sowie die dazu notwendigen BA an den Bereich. Als Software verwenden wir hierzu das GeSi der Firma Feitsch. Es hat vieles, was wir benötigen zum akzeptablen Preis. Natürlich gibt es noch weitere Hersteller. Oftmals kann man Demoinstallationen bekommen.
Soweit zur Theorie, jetzt zur Praxis. Die Bereichsvorgesetzten kümmern sich in der Regel nicht um diese Thematik, bis z.B. ein Audit ansteht, dann ist das Gejammere groß. Die Muster-BA werden unverändert übernommen und abgelegt. Gelesen werden sie wohl nicht und wenn, dann werden weniger inhaltliche Fehler oder Abweichungen bemängelt sondern höchstens Rechtschreibfehler mokiert. Mit einer Person ist es nicht möglich die SDB, BA und das Gefahrstoffverzeichnis auf aktuellem Stand zu halten, es kommt zu einem "Überarbeitungsstau". Die ständig fortschreitende Änderung im Gefahrstoffrecht führt auch nicht zur Verbesserung. Es wird viel Papier gedruckt, welches dann schön archiviert wird (Beschäftigungstherapie).
Allerdings halte ich die Beschäftigung mit der Thematik nicht für Überflüssig, sondern für durchaus sinnvoll. Unter http://www.hvbg.de/d/bia/pub/rep/rep05/pdf_datei/arbeitsschutzloesungen/arbeitsschutzloesungen1.pdf gibt es eine gute Broschüre, welche Lösungsvorschläge z.B. für den Laborbereich unterbreitet. Somit ist man, wenn man bestimmte Mengengrenzen unterschreitet recht schnell fertig mit der Dokumentation und trotzdem weitgehend auf der rechtssicheren Seite. Über die Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin kann man auch recht gute Informationen und alle derzeit geltenden Vorschriften erhalten www.baua.de
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Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
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