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Alt 20.11.2007, 10:57   #4   Druckbare Version zeigen
Tino71 Männlich
Moderator
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AW: Blei Gewinnung!

In der Natur findet man Blei meistens als PbS, also Bleisulfid. Das erhitzt man an der Luft (diesen Vorgang nennt man eben "Rösten", ist so n Begriff aus der Hüttentechnik), wobei das Bleisulfid zu Bleioxid wird (der Schwefel haut als Schwefeldioxid ab):

PbS + O2 ----> PbO + SO2

Mit dem entstandenen PbO macht man dann weiter. Wenn man das Bleioxid mit Koks (= Kohlenstoff) erhitzt, dann reagiert der Kohlenstoff mit dem im PbO enthaltenen Sauerstoff zu Kohlenmonoxid und das Blei bleibt übrig. Das ist die Reduktion.

PbO + C ----> Pb + CO

Das Rösten und die Reduktion laufen hier getrennt, in zwei Schritten, ab.

Die "Röstreduktion" ist ein einstufiger Prozess, bei dem ein Teil des Sulfids (durch geeignete Prozessführung, also Temperatur- und Luftzutrittskontrolle) mit Sauerstoff zum Sulfat oxidiert wird, und dieses dann mit dem restlichen Sulfid zu Blei und Schwefeldioxid reagiert.

PbS + PbSO4 ----> 2 Pb + 2 SO2

Beides sind gängige, jahrhundertealte Verfahren, um Metalle, die in der Natur als Sulfide vorkommen, herzustellen. Welches nun angewendet wird, hängt vor allem von der Zusammensetzung des Erzes ab. Findet man sehr reiche Bleierze, kann man die Röstreduktion durchführen, ist das Erz nicht ganz so toll, muß man den zweistufigen und damit umständlicheren Weg des Röstens und Reduzierens mit Koks wählen.

Auf diese Weise erhält man rohes Blei, das es durch Verunreinigungen (Kupfer, Silber, Zink, Arsen, Antimon, Bismut, Zinn, andere Metalle) auf einen Reinheitsgrad nicht über ca. 80% bringt. Das nennt man dann "Werkblei". Die Aufreinigung erfolgt über das sogenannte "oxidierende Schmelzen", das ist einfach das Schmelzen in einem Flammofen unter Luftzutritt. Die meisten Verunreinigungen oxidieren dabei (natürlich auch einiges des recht unedlen Bleis selbst ---> "Verkrätzung") und bilden oben auf der Schmelze eine Schlacke aus so Dingern wie Bleiarsenat, Bleistannat, Bleiantimonat und so. Man streicht diese Schlacke einfach ab.

Das Silber wird nach einem ganz eigenen Verfahren abgetrennt (such mal nach dem Begriff "Silberblick"!)

Braucht man richtig sauberes Blei, macht man das elektrolytisch. Rohblei wird als Anode in eine Schmelze von Bleifluorosilicat gehängt und elektrolysiert. An der Kathode hat man dann Blei mit einer Reinheit von mindestens 99,99%. Was edler ist als Blei (Silber, Antimon) fällt als "Anodenschlamm" runter und wird weiterverarbeitet, was unedler ist als Blei geht in die Lösung und bleibt da. Praktisch, aber energieintensiv.
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Vor dem Gesetz sind alle Katzen grau

Geändert von Tino71 (20.11.2007 um 11:20 Uhr)
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