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Alt 16.11.2007, 18:40   #3   Druckbare Version zeigen
Paleiko Männlich
Mitglied
Beiträge: 2.210
AW: Lerne ich falsche Chemie?

Ich finde manche Stellen durchaus kritikwürdig. Ich halte es z.b. nicht für richtig (und unnötig), direkt beim Schalenmodell von Quantenzahlen zu reden, zumal später im Abschnitt über Bindungen keinerlei Orbitale verwendet werden. Das schmeißt das ganze historisch und vom "Modellinhalt" her durcheinander. Viele Sätze sind für jemanden, der sich in die Materie gerade erst einarbeitet auch missverständlich.

Beispiel: "Die Elektronen bilden immer paarweise eine solche Ladungswolke, die man auch als Orbital bezeichnet."

Das ist schlicht falsch.

Die Ausführung "Aus geometrischen Gründen sind für den s-Zustand eine, für den p-Zustand drei, für den d-Zustand fünf und für den f-Zustand sieben räumliche Ausrichtungen möglich. Sie können somit auch nur eine bestimmte Anzahl von Elektronen aufnehmen" halte ich auch für nicht sonderlich geglückt, weil die Geometrie wohl eher energetischen Gründen folgt und aus sich selbst heraus (meiner Meinung nach) keinen Zwang aufbaut.

Nächster Punkt: Ein Spin ist *keine* Eigendrehbewegung, man kann es sich vom mathematischen Verhalten her nur wie eine Eigendrehbewegung vorstellen.

Eine chemische Bindung würde ich nicht als "Kraft" definieren. Halte ich physikalisch für missverständlich.

Auch diese Einteilung: "Je kleiner der Atomradius eines Elements ist und je mehr Valenzelektronen es besitzt, umso besser kann es seine Elektronen festhalten und weitere anlagern. Es besitzt eine grosse EN und nimmt leicht Elektronen auf. Solche Elemente gehören zu den Nichtmetallen.

Halte ich für unglücklich. Es mag im Periodensystem phänomenolgisch halbwegs korrekt sein, aber es gibt falsche bzw. gar keine "Ursachen" an. Man kann nicht über das Festhalten von Elektronen sprechen, ohne sich auch auf den Kern zu beziehen. Das ist physikalisch unsinnig.

Viele Begriffe werden nicht erwähnt. Man könnte ruhig erwähnen, dass die Elektronenstriche auch "Lewis-Schreibweise" heißen.

Bei den Reaktionen: Atomarer Sauerstoff, atomares Chlor. In einer Einführung mMn ungünstig. Die Tabelle ist auch falsch. Was ist mit molekularen Ionen?

Den Ausführungen zur chemischen Bindung nach würde man auf die Frage, wie Kohlenstoff vorliegt, vermutlich mit "C2 mit 4-facher Bindung" antworten.

Molekülverbindungen sind nicht ausnahmslos flüchtig. Intermolekulare Wechselwirkungen sind nicht schwach. Massenanziehung ist ein denkbar schlechtes Beispiel für intermolekulare Wechselwirkungen.

Formalladungen oder Elektronenpaare fehlen in vielen Bildern.

Die Verwendung der etablierten Begriffe scheint dem guten Mann schwerzufallen. Oder kennt ihr einen "Elektronen-Nebel"? Die etablierten Begriffe sind "Elektronengas" oder "Elektronensee".

Den Begriff Nebenvalenzbindung für vdW-WW hab ich noch nie gehört, finde ihn auch seltsam... Scheint es laut Google aber öfter zu geben

Die Anomalie des Wasser hat nichts mit einer ungewöhnlich hohen Dichte zu tun, sondern mit der Temperaturabhängigkeit der Dichte und dem Verlauf der Phasengrenzlinien im p(T)-Phasendiagramm.

Das Zentralteilchen in der Komplexchemie alle die Oktettregel erfüllen ist mir neu. d6 ist eine Oktettkonfiguration? Perchlorat als Koordinationsverbindung aufzufassen ist auch relativ eigenwillig.




Ich hör jetzt mal auf. Wirklich unschön. Mit Bauchschmerzen halbwegs okay, aber weiß Gott nicht als alleinige Lerngrundlage geeignet.
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