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Alt 05.05.2004, 08:49   #7   Druckbare Version zeigen
Tiefflieger Männlich
Moderator
Beiträge: 5.445
AW: Schwangerschaft und Laborarbeit

Zitat:
Zitat von Edgar
Sobald eine Mitarbeiterin schwanger ist, darf sie keinerlei gefährdende Arbeiten mehr durchführen, das ist ganz einfach Gesetz und das wird auch in der Privatwirtschaft eingehalten, denn die Folgen wären für den Arbeitgeber fatal.
Ist Laborarbeit grundsätzlich gefährdende Arbeit?

Meiner Meinung nach nicht. Weiterhin verweise ich auf die Mutterschutz-Richtlinienverordnung

§ 5 Besondere Beschäftigungsbeschränkungen

(1) Nicht beschäftigt werden dürfen

werdende oder stillende Mütter mit sehr giftigen, giftigen, gesundheitsschädlichen oder in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen, wenn der Grenzwert überschritten wird;
werdende oder stillende Mütter mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, die ihrer Art nach erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, wenn sie den Krankheitserregern ausgesetzt sind;
werdende Mütter mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen;
stillende Mütter mit Gefahrstoffen nach Nummer 3, wenn der Grenzwert überschritten wird;
gebärfähige Arbeitnehmerinnen beim Umgang mit Gefahrstoffen, die Blei oder Quecksilberalkyle enthalten, wenn der Grenzwert überschritten wird;
werdende oder stillende Mütter in Druckluft (Luft mit einem Überdruck von mehr als 0,1 bar).
In Nummer 2 bleibt § 4 Abs. 2 Nr. 6 des Mutterschutzgesetzes unberührt.
Nummer 3 gilt nicht, wenn die werdenden Mütter bei bestimmungsgemäßem Umgang den Gefahrstoffen nicht ausgesetzt sind.

Hier hat der Arbeitgeber einiges an Handlungsspielraum. Im großen Chemiebetrieb wird eine schwangere Arbeitnehmerin wohl aus dem Laborbetrieb genommen werden, in einem Kleinbetrieb nicht unbedingt. Rechtlich muß man sie nicht aus dem Labor entfernen, wenn man obige Regelungen einhält. Ach ja, noch was; für viele schädliche Stoffe gibt es überhaupt keine Grenzwerte .
Übrigens, die Zellteilungsrate ist in den ersten Tagen der Schwangerschaft am höchsten. Somit auch das Schadpotential. Nur, die Frau weiß zu diesem Zeitpunkt in der Regel nicht, dass sie schwanger ist. Weiterhin verschwinden Schadstoffe auch nicht über Nacht, wenn man eine Person aus dem Labor entfernt.

Hier ist also immer eine Einzelfallbetrachtung erforderlich, wie dies auch in der Mutterschutz-Richtlinienverordnung gefordert ist.
Bei uns arbeiten auch schwangere Frauen weiterhin im Labor, nachdem ihr Arbeitsplatz entsprechend bewertet wurde. Sogar mit CMR Substanzen, allerdings im geschlossenen System, somit rechtskonform.

PS: an Tankstellen besteht Beschäftigungsverbot für werdende Mütter.
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Vernünftig ist, dass die politischen Spitzen, wenn sie miteinander sprechen, darüber sprechen, wie mit der Sache umzugehen ist, wie ernst Vorwürfe zu nehmen sind und wie man damit umgeht, Vorwürfe zu besprechen, zu klären, zu verifizieren oder aus der Welt zu schaffen. (2013 Regierungssprecher Seibert)
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