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Alt 15.04.2004, 13:24   #1   Druckbare Version zeigen
dodecan  
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Beiträge: 37
Verärgert Low Cost Fulleren-Synthese ?

In der Broschüre "Fullerene" aus der Naturwissenschaftlichen Reihe des Klett-Verlages Ausg. 1996 kann man u.a. folgendes lesen:

"Neben den schon lange existierenden Fullerenen in Gesteinen konnten sie jetzt auch in kleinsten Mengen in einer Kerzenflamme nachgewiesen werden. In einer rußenden Benzolflamme kann ihr Anteil bis auf 7% ansteigen, was für die Industrie vielleicht eine weitere Möglichkeit zur Fullerenherstellung eröfnnet. Außerdem ist es ein interessanter Gedanke, dass schon seit der Entdeckung des Benzols im Jahre 1825 Fullerene in den Laboratorien der Wissenschaftler unbemerkt ´herumgeistern´." [S. 29]

"... jedoch mussten sie dazu die Fullerene erst einmal vom Ruß trennen, um beispielsweise UV-Spektren aufnehmen zu können. Nach einigen missglückten Versuchen fiel ihnen eine Grundregel der Chemie ein: `Gleiches löst sich in Gleichem`.Nun mussten sie nur noch das Lösungsmittel finden, das chemisch dem C60 am ähnlichsten ist. Das naheliegendste war Benzol, denn es besteht aus einem Sechserring mit delokalisierten Elektronen, wie es das C60 auch besitzt. Als sich das Benzol mit dem Ruß färbte, stand fest, dass es Fullerene waren, da Ruß sich normalerweise nicht lösen lässt. Somit waren sie die ersten, die Fullerene bewußt zu Gesicht bekamen." [S. 17]

"Physiker berechneten quantenphysikalisch, dass eine Lösung von Fullerenen gelb sei, woraufhin man die Bemühungen der Herstellung von makroskopischen Mengen an Fullerenen `die Suche nach der gelben Phiole` nannte." [S. 17]

"Dünne Kristallplättchen von Rohfullerenen besitzen eine braune Farbe, während größere und dickere Kristalle metallisch glänzen." [S. 28]

Gelesen, kombiniert und getan!

Wenige ml C6H6 reinst p.A. in Porzellan-Abdampfschale entzündet, über die stark rußende Flamme eine größere Glasplatte gehalten (dabei kreisend bewegen; Abstand etwas variieren) - im Anschluss den Ruß abschaben und im Schliff-Erlenmeyer mit 10...15 ml C6H6 kräftig schütteln - einfache Filtration mit feinporigem Rundfilter - Ergebnis eine gelb-bräunliche Lösung - die Lösg. in Petrischale oder wg. Kontrast in weißer flacher Porzellanschale eindunsten lassen oder mit dem Fön `etwas nachhelfen` - Ergebnis brauner Feststoff - dieser kann bei Bedarf wieder mit Benzol aufgenommen und weiter untersucht werden = bequeme Aufbewahrung (da die kleine Menge fest am Schalenboden haftet und schlecht umgefüllt werden kann).

Man kann statt Benzol auch Toluol zur Extraktion nehmen - die Extraktion kann durch Erwärmen unterstützt werden, aber der braune Feststoff ist auch in der Kälte gut löslich.

Mit normalem käuflichem Flammruß (z.B. aus Acetylenflamme) erhält man logischerweise keine irgendwie gefärbte Lösung nach versuchter Extraktion und Filtration.

Anscheinend lassen sich mit diesem fast schon SUPER LOW COST Experiment tatsächlich Rohfullerene im RG herstellen.
Der Ruß, auf den sich das obige 2. Zitat [S. 17] bezieht, wurde dazu im Gegensatz durch unterschiedlichste HIGH TECH Verfahren mühsam gewonnen (wie Clusterstrahlgenerator, Kohlenstoffaufdampfanlage, Lichtbogenheizung, Hochfrequenzofen ...).

Motiviert haben mich die immer ausverschämter werdenden Lehrmittelanbieter - sie verlangen für kleinste Proben einer Rohfullerenlösung horrende Summen ... nicht nur dafür

Wer hat Lust, das Experiment nachzuvollziehen und das Produkt weiter zu untersuchen (Chromatographische Trennung, Spektroskopie ...)? Sicher nix für Benzol-Allergiker und Leute mit für meine Begriffe übertriebener `Benzolphobie`.

Faraday lebte nach seiner Entdeckung immerhin noch 42 Jahre und segnete erst mit 76 J. das Zeitliche. Kekule lebte noch über 30 Jahre nach seiner bestimmt nicht nur theoretischen Beschäftigung mit der aromatischen Substanz. Beide haben bestimmt nicht mit Hanschuhen, Gasmaske, Abzug u. dgl. gearbeitet.

Überhaupt wurden überdurchschnittlich viele Chemiker der letzten Jahrhunderte ziemlich alt - eigentlich mehr als erstaunlich trotz ihres häufig sehr sorglosen Umgangs mit den gefährlichsten Chemikalien.
Liesegang wurde 78, experimentierte jahrelang seit 1896 mit K2Cr2O7 und lebte nach seiner Entdeckung der nach ihm benannten Ringe noch 51 vergnügliche Jahre ...
C. S. Hermann lebte noch 29 Jahre nach seiner Entdeckung des Cd 1817 und wurde insgesamt stolze 81!
Weitere: Liebig wurde 70, Baeyer 82, Bunsen 88, Cannizzaro 84, Ostwald 79, Crookes 87 (trotz Tl), Le Chatelier 86, Landolt 79, Solvay 85, Stahl 75, Theènard 80, Williamson 80, Mitscherlisch 82, Mendelejew nur 73, Baekeland 81 (HCHO bis zum Abwinken), Cavendish 79, Klaproth 74 (U), Erlenmeyer, Lunge und Dumas alle 84, Wöhler 82 und den Vogel schießt Selinski mit 92 ab
Da muss es ja den für die Rente verantwortlichen Politikern eiskalt den Rücken runterlaufen ...
Alles die reinsten Frohnaturen oder alle ihr halbes Leben im Schutzanzug verbracht?

Sicher sollte man Benzol nicht als Duftöl oder Raumspray benutzen , aber paar ml verbrennen schadet bestimmt niemandem ...

Wenn es allerdings keine Fullerene sein sollten, die sich in meiner Schale bzw. mit gelber Farbe gelöst in meiner Flasche befinden - was bitte dann?

Bin mal gespannt ...
__________________
dod

Geändert von dodecan (15.04.2004 um 13:32 Uhr)
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