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Thema: Selen
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Alt 09.03.2003, 20:49   #3   Druckbare Version zeigen
buba Männlich
Mitglied
Beiträge: 18.460
Aus einem Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie (Name leider nicht mitkopiert, vermutl. "Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie", Forth/Henschler/Rummel):

Zitat:
34.5.12 Selen und Tellur

Die beiden Metalloide ähneln sich in ihren toxikologischen Eigenschaften.

Selen

Selen (Se) ist ein essentielles Spurenelement [...] mit geringer therapeutischer Breite. Bei einer Erhöhung der täglichen Zufuhr um den Faktor 10 (von 80 µg/Tag auf 800 µg/Tag) treten bereits toxische Wirkungen auf. Die gelegentlich propagierte hochdosierte Selentherapie zur Behandlung von "Umwelterkrankungen" ist daher wenig sinnvoll. Selen ist in Glutathionperoxidase enthalten. Selenmangel erzeugt eine Kardiomyopathie. Lebensmittel sind die wichtigste Selenquelle; die tägliche Zufuhrmenge beträgt 20-60 µg Selen. Salze der selenigen Säure (Selenite) und der Selensäure (Selenate) sind gut resorbierbar und stark toxisch; im Organismus wird Selenit zu Selenat aufoxidiert. Der Menchanismus von Selenwirkungen ist unbekannt. Nicht Selen selbst, sondern Selenocystein und -thionin sind möglicherweise die wirksamen Metabolite. Vitamin E wirkt antagonistisch. Se wird als Selenat-Ion und in Form des Methylselenium-Ions im Harn ausgeschieden; das flüchtige Dimethylselenid, Se(CH3)2, erscheint in der Atemluft und verleiht dieser einen knoblauchartigen Geruch. Die Halbwertszeit von Selen beträgt 1-2 Wochen.

Verlauf der Vergiftung

Akute Vergiftung


Selenite und Selenate lösen bei oraler Aufnahme Magen- und Darmschleimhautentzündungen aus, in hohen Dosen auch Leberschäden bis zum Leberkoma. Aufnahme von Selen bei Kindern aus bestimmten Nüssen oder aus Präparaten für die Landwirtschaft führt zu Erbrechen, Durchfall und Muskelspasmen. Selenwasserstoff, H2Se, kann ein toxisches Lungenödem erzeugen, daneben gibt es auch resorptive Selenvergiftungen.

Chronische Vergiftung

Pustulöse Dermatitiden durch Hautkontakt sind beschrieben worden. Die systemische Vergiftung ist beim Menschen uncharakteristisch: Diarrhö und Obstipation, Hepatopathie, zentralnervöse Reizzustände, Porphyrinurie. In USA sind bei Pferden, die Pflanzen von selenreichen Böden aufgenommen hatten, als charakteristische Erkrankungen "alkali disease" und "blind stagger" aufgetreten: Sehstörungen, Lähmungen, Gelenksteife, struppiges Fell und Haarausfall, Anämie. Hautveränderungen traten auch bei den Menschen in diesen Gebieten auf.
Selendisulfid, SeS2, ist nicht wasserlöslich, wird nicht resorbiert und ist nur wenig toxisch. Die Verbindung wird extern gegen Kopfschuppen und Seborrhö verwendet.

Tellur

Tellur und seine Verbindungen sind weniger toxisch als die Selenanaloga. Die Halbwertszeit ist mit ca. 50 Tagen erheblich länger. Bei Verschlucken von Tellurdioxid kommt es - neben vorübergehenden enteralen Reizerscheinungen - zu monatelangem Knoblauchgeruch der Atemluft durch Abscheidung von Te(CH3)2.

Die MAK-Werte betragen für Selenstaub und Rauch 0,1 mg/m3, für SeH2 0,05 ml/m3 und für Tellurstaub 0,1 mg/m3.
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