Hi!
ich habe gestern meine erste chemie-lk klausur geschrieben...das war die hölle!!!also, voll die katastrophe...:mad: :eek: :confused: :( :sad: GRRRRRRRRRRR
unser LEHRPLAN lautet:
-Spektren
-Quantenzahlen
-Hundsche Regel, Pauliprinzip
-Unschärferelation
-sp3 Hybridisierung, sigma Bindung, Tetraeder
-radikalische Substitution
DAS haben wir seit September besprochen....
DIE KLAUSUR ABER LAUTETE:
1. Bilde alle möglichen Isomere der Summenformel C4H10 (also Butan) und benenne sie.
2. Ordne die Isomere aus Aufgabe 1. in aufsteigender Reihenfolge ihrer Siedepunkte und begründe deine Antwort.
3. Gib die räumliche Anordnung der Wasserstoffatome im Ammoniakmolekül an. Begründe deine Antwort ausführlich und erläutere durch welche Orbitale die Verbindungen gebildet werden.
4. Gib die räumliche Anordnung der Wasserstoffatome im Ethenmolekül an (das wäre aber eine sp2!!Und sp2 haben wir noch nicht gemacht!!siehe Lehrplan). Begründe deine Antwort....etc etc wie Aufg.3...
Also jetzt bitte sagt mir, welche von den Aufgaben der Klausur ein Thema des Lehrplans enthielt...also bin ich dumm, oder waren es total andere Themen??Wir hatten nie über sp2, über AMMONIAK!(also bitte.....), oder über Isomere gesprochen, auch nicht mal oberflächlich...:sad:
Mit einem Wissen, der sich NUR auf die Themen des Lehrplans bezieht, wäre es möglich gewesen in einer solchen Klausur eine gute Note zu schreiben?:eek: :confused: :eek:
Ich bin neugierig und erwarte viele Antworten...:)
ciao ciao
trilly
Kekzus
18.10.2006, 14:24
1. sicher Möglich da ihr Hybridisierung sicherlich die Bingundsmöglichkeiten angeguckt habt
2. falls ihr die zwischenmolekulären Kräfte noch nicht durchgenommen habt eher nicht möglich
3. -sp3 Hybridisierung, sigma Bindung, Tetraeder <= genau das:)
4. falls sp2 noch nicht dran war auch eher nicht möglich
NilsM
18.10.2006, 16:00
Nur anhand des Lehrplans ist es sicherlich schwierig zu sagen, welche Aufgaben gerechtfertigt sind. Ich kann ja nicht beurteilen, inwiefern der Lehrer z.B. Hybrdisierung allgmein besprochen hat und die sp3-Hybr. nur als Beispiel genutzt hat.
Was für mich aber eindeutig ist, ist, dass man (im LK) wenn man über bereits org. Reaktionsmechanismen wie die radikalische Substitution redet, auch in der Lage sein müsste Isomere von C4H10 zu benennen.
Auch die Zusammenhänge zwischen Strukur und Siedepunkt sollten bereits klar sein.
Ich kann mir auch beim Besten Willen nicht vorstellen, dass das im LK nicht besprochen wurde.
Darüberhinaus kann man im LK evtl. auch erwarten, dass die Schüler sich über Hybridisierung auch mal etwas mehr als Heft steht anlesen.
Aber wie bereits erwähnt ist es sicherlich als Aussenstehender schwer die Rechtfertigung einer Frage zu beurteilen.
Tobee
18.10.2006, 16:20
Nicht böse sein, aber ich finde die Fragen sind im Vergleich zu dem Lehrplan einfach.
Isomerie macht man im 9. Schuljahr Realschule, und die räumliche Anordnung ist IMO einfacher als zB Spektren oder Quantenzahlen.
Man kommt im Endeffekt nicht weit wenn man den Stoff "seit September" auswendig lernt und keine Zusammenhänge sieht.
Aber alles Ansichtssache! Ich hab mich auch immer über aufgeregt ohne Ende. Irgendwann fällt der Groschen das es doch meistens an einem selber liegt.
gruß Tobi
trilly
18.10.2006, 17:18
@ Tobee: "Isomerie macht man im 9. Schuljahr Realschule, und die räumliche Anordnung ist IMO einfacher als zB Spektren oder Quantenzahlen."
Unser Lehrplan ist anders als das von vielen Bundeslàndern, da ich eine deutsche Schule im Ausland besuche. Deshalb kann es sein, besser, es IST so, dass wir Isomerie noch nicht gemacht haben...:rolleyes: Du musst dann auch bedenken, dass ich nicht Muttersprache Deutsch bin und dass ich dazu auch noch das "Problem" Sprache habe...
@ Nils: "Darüberhinaus kann man im LK evtl. auch erwarten, dass die Schüler sich über Hybridisierung auch mal etwas mehr als Heft steht anlesen."
Die LKs fangen in der 12. Klasse an; alle erwarten sich von Schùler, die LK Chemie z.B. gewàhlt haben, dass sie Genien im Fach sind...aber das ist doch nicht so (nicht immer)!Meiner Meinung nach kann man feststellen, dass die Schùler, die Chemie als LK gewàhlt haben, besser als die vom GK vorbereitet sind NUR AM ENDE DER 13. Klasse...da haben sie ein Vorteil!Aber am Anfang der 12. Klasse, bei der ersten Chemie LK Klausur, kann man noch nicht erwarten, dass Schùler alles kònnen, auch was im Unterricht nicht besprochen wurde, nur weil sie LK gewàhlt haben!
Vielleicht irre ich mich, aber wisst ihr, es ist schwierig wenn alle immer behaupten: Du bist jetzt Chemie LK, man erwartet von dir, dass du das und das und das kannst, das solltest du kònnen, das ist fuer Chemie LK pipileicht usw...:comforting: :no:
Und ausserdem, also ich meine, ihr seid ja alle Chemiker, Chemielaboranten oder Chemiestudenten an der Uni...aber ich bin eine 16-jàhrige italienische Schùlerin die gerade mit Chemie LK angefangen hat...also...von meiner Sicht aus sind diese Aufgaben nicht sooo leicht...
naja danke fuer eure Meinungen...
NilsM
18.10.2006, 17:55
Die LKs fangen in der 12. Klasse an; alle erwarten sich von Schùler, die LK Chemie z.B. gewàhlt haben, dass sie Genien im Fach sind...aber das ist doch nicht so (nicht immer)!Meiner Meinung nach kann man feststellen, dass die Schùler, die Chemie als LK gewàhlt haben, besser als die vom GK vorbereitet sind NUR AM ENDE DER 13. Klasse...da haben sie ein Vorteil!Aber am Anfang der 12. Klasse, bei der ersten Chemie LK Klausur, kann man noch nicht erwarten, dass Schùler alles kònnen, auch was im Unterricht nicht besprochen wurde, nur weil sie LK gewàhlt haben!
Es ging mir nich darum zu sagen, dass alle Schüler eines LKs Genies sein sollten. Aber man kann doch eigentlich davon ausgehen, dass jeder der Chemie in der Oberstufe gewählt hat, auch schon im GK aber doch besonders im LK, eigentlich dieses Fach gerne macht - was nicht bedeutet, dass es leicht wird. Und wenn man das Kapitel über Hybdridisierung im Buch nachliest, z.B. als Vorbereitung auf eine Klausur, dann wird da doch auch bestimmt was über sp2 drinstehen.
Niemand erwartet, dass den LK-Schülern alles leicht fällt - das erwartet man auch nicht von Chemiestudenten. Eigentlich das Gegenteil ist richtig. Jemandem der freiwillig Chemie LK wählt, kann man auch Dinge zumuten, die etwas schwieriger zu erfassen sind und mehr Zeit beantspruchen.
Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Lehrer eine Frage zu sp2-Geometrie stellt, ohne dass diese Thematik jemals in Hausaufgaben, Referaten, Exkursen oder anderen Zusammenhängen zumindest namentlich erwähnt wurde.
trilly
18.10.2006, 18:25
ich kanns dir schwòren...
was die sp2 betrifft:
NIE darùber geredet,
NIE besprochen
und nicht einmal erwàhnt...
also...entweder bin ich blòd, oder der Lehrer ist ein bisschen zu streng...
ausserdem hatte ich vermutet, er wuerde uns Fragen ùber neue Themen, die noch nicht besprochen wurden, stellen. D
eshalb hab ich auch tatsàchlich etwas ùber sp2 gelesen und konnte die Frage mehr oder wenig beantworten...aber mir ging es nicht um das...ich wollte wissen, ob es normal oder "moralisch" richtig sei, dass ein Lehrer, in der ersten Chemie LK Klausur, mehr als eine Frage ùber noch nicht behandelten Themen stellt...:confused:
Tobee
19.10.2006, 08:35
Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Lehrer eine Frage zu sp2-Geometrie stellt, ohne dass diese Thematik jemals in Hausaufgaben, Referaten, Exkursen oder anderen Zusammenhängen zumindest namentlich erwähnt wurde.
Könnte mir vorstellen das er nur wissen wollte das es ein "flaches" Molekül ist!?
Gruß
NilsM
19.10.2006, 08:45
Könnte mir vorstellen das er nur wissen wollte das es ein "flaches" Molekül ist!?
Ja das wär durchaus möglich. Finde ich dann aber, wenn
ich kanns dir schwòren...
was die sp2 betrifft:
NIE darùber geredet,
NIE besprochen
und nicht einmal erwàhnt...
stimmt, trotzdem noch etwas gewagt diese Aufgabe. Obwohl, er gibt ja an, dass es sich ums Ethenmolekül handelt. Daraus könnte über die 2 Wasserstoffatome durchaus drauf schließen, das es trigonal planar ist. Mmh. Mich würde auch mal der Stellenwert interessieren, den diese Aufgabe in der Benotung einnimmt.
Friedrich Karl Schmidt
19.10.2006, 12:04
Die LKs fangen in der 12. Klasse an; alle erwarten sich von Schùler, die LK Chemie z.B. gewàhlt haben, dass sie Genien im Fach sind...
Die Aufgaben sind meiner Ansicht nach vollkommen in Ordnung. Auch die Aufgabe zum Ethen. Man braucht nicht einmal die Hybridisierung , um die " räumliche Anordnung der Wasserstoffatome im Ethen" zu finden.
Den oben zitierten Satz als Argument zu strapazieren gegen die angeblich zu schwierigen Aufgaben, finde ich maßlos. Auf jeden Fall maßlos im Vergleich zu dem m.E. sehr maßvollen Schwierigkeitsgrad der beanstandeten Aufgaben.
Ich würde die Aufgaben nicht einmal beanstanden, wenn diese in einem Grundkurs gestellt worden wären.
Beanstanden würde ich aber den Lehrplan. Dann jedenfalls, wenn dort nur die Behandlung der sp3 Hybridisierung vorgesehen sein sollte. Ich würde sogar sagen, dass bei der verantwortlichen Lehrplankommission nicht alle Tassen im Schrank gewesen sein können.
Gruß FKS
upsidedown
19.10.2006, 13:47
Verschoben in die Didaktik und mit einer etwas aussagekräftigeren Überschrift versehen.
Godwael
19.10.2006, 14:15
Aber am Anfang der 12. Klasse, bei der ersten Chemie LK Klausur, kann man noch nicht erwarten, dass Schùler alles kònnen, auch was im Unterricht nicht besprochen wurde, nur weil sie LK gewàhlt haben!
In einem gewissen Rahmen kann man das sehr wohl; deswegen heißt es ja auch Leistungskurs.
Ich kann nicht wirklich beurteilen, was in welcher Weise im Unterricht drangekommen ist, aber so generell finde ich es schon normal, dass Klausuraufgaben im LK deutlich über die bloße Reproduktion von Unterrichtsstoff hinausgehen.
Naitsich
19.10.2006, 14:43
HI
Also ich muss auch leider sagen, dass diese Themen eigntlich zum Stoff gehören und wir auch solche Aufgaben in unserer Klausur hatten, als wir dies letztes Jahr durchgenommen hatten.
Allerdings kenn ich es selber von Lehrern, die einfach unfähig sind einen Unterricht zu halten und sowas irgendwann mal in nem Nebensatz erwähnt haben, und dann einen schwierige Aufgaben reindrücken. Kenn sowas leider von meinem Mathe-LK.... in wieweit das jetzt hier zutrifft kann ich nciht sagen.
Aber was ich dir sagen kann ist: Kauf dir das Buch Abitur Training Chemie 1 vom Stark-Verlag. Unser Lehrer richtet sogar seinen Unterricht nach diesem Buch und hat damit die alten Bücher der Schule mehr oder weniger abgelöst. Ich kanns nur empfehlen;)
lg Naitsich
Friedrich Karl Schmidt
19.10.2006, 15:17
Allerdings kenn ich es selber von Lehrern, die einfach unfähig sind einen Unterricht zu halten und sowas irgendwann mal in nem Nebensatz erwähnt haben, und dann einen schwierige Aufgaben reindrücken. Mich würde interessieren, worin sich die "Unfähigkeit" der Lehrer konkret gezeigt hat. Wenn Sie Beispiele haben, dürfen diese gern auch aus der Mathematik oder der Physik sein.
Gruß FKS
trilly
19.10.2006, 17:44
Die "Unfàhigkeit" der Lehrer zeigt sich normalerweise so:
Eine Klasse ist eigentlich ganz gut in Chemie, sobald der neue Lehrer kommt, schreibt plòtzlich die ganze Klasse schlechte Noten in der Klausur.
Oder: Ein Lehrer schreibt ùberhaupt nix an die Tafel und benutzt nur Internet und Buch fuer sein Unterricht und kann selber nix erklàren, keine Fragen beantworten.
Ich mein, meine Schule ist eine private Schule, kostet schon eine Menge Geld, dazu soll ich mir noch eine ganze Biblioetkh fuer Sekundàrliteratur kaufen, Abi-Hilfen, Internet bezahlen, Sachen aus den Internet herunterladen und ausdrucken (mit meinem Drucker)...nur weil der Lehrer uns kein Material gibt und nix erklàrt?Das finde ich ein bisschen ùbertrieben...:thinking:
Jedcoh muss ich zugeben, dass ich eigentlich in letzter Zeit immer mehr fuer die Methode "lernt x, ich frag y und z ab" bin...man lernt eine Menge und ist auch bereit, Fragen zu beantworten, die Themen betreffen, die im Lehrplan vielleicht ùberhaupt nicht erwàhnt werden...vielleicht ist es doch eine gute Mehtode und man soll sich einfach daran gewòhnen...:read:
No Regrets
19.10.2006, 17:57
So wird man richtig auf eine Chemiestudium vorbereitet ;) :rolleyes:
Friedrich Karl Schmidt
19.10.2006, 18:19
Oder: Ein Lehrer schreibt ùberhaupt nix an die Tafel und benutzt nur Internet und Buch fuer sein Unterricht und kann selber nix erklàren, keine Fragen beantworten.
Das deckt sich im Wesentlichen mit meiner Kritik, die da lautet : Es wird einfach nicht richtig erklärt. Wenn überhaupt, dann sind es meist wohlfeile Pseudoerklärungen, die gnadenlos auf die Bereitwilligkeit von Schülern setzen, alles für gut zu finden, was bei oberflächlicher Betrachtung einleuchtend erscheint.
Wie finden Sie eigentlich die zunehmend praktizierte Lehrmethode, dass Lehrer Schüler beauftragen , noch nicht behandelten Unterrichtsstoff sich selbst anzueignen und dann per Referat von einzelnen Schülern vortragen zu lassen.
Zum Beispiel den Erstuntericht von Schülern halten zu lassen zu Themen wie "Quadratische Gleichungen" oder "chemisches Gleichgewicht", " Lösungsverhalten von Alkoholen), "Siedepunkte innerhalb einer homologen Reihe", "Aluminiumherstellung" , HABER-BOSCH- Verfahren ?
Gruß FKS
lachsack
19.10.2006, 18:30
Ich geb jetzt auch mein Senf dazu, wie gesagt es ist nur meine persönliche Meinung:
Wie oft begegne ich solche Situationen, die Klasse war doch eigentlich gut doch als ein neuer unkompotenter Lehrer kam, der nicht das passende macht , ist die Klasse einmal total schlecht geworden .
In English hatten wir auch mal so einen Lehrer, bei dem hatten wir wirklich konstant einen guten Durchschnitt. Am folgenden Schuljahr bekamen wir dann so einen neuen.Bei dem hatte sich bei uns das Blatt gewendet, auf einmal waren einige sogar wegen English gefährdet. Die Klausuren oder die Arbeiten(ist ja egal ) waren manchmal recht schwer und da wurden auch Sachen abgefragt, die halt im Unterricht nur so nebenbei oder gar nicht erwähnt wurden. Man musste sich wirklich auf den Hintern setzen, falls man eine gute Note wollte.
Es kamen dann sogar noch Beschwerden wegen "Ungerechtigkeit" und so. Doch durch diese Art von Unterricht, wo man viel selber "nachforschen" musste, stellte viele von uns am Ende des Jahres fest, dass sie sich um Vielfaches verbessert hatten.Auch wenn man von den Noten das Gegenteil sah.
Fazit:Es ist zwar praktisch wenn ein Lehrer nicht so viel verlangt, aber am Ende hat man doch eigentlich mehr gelernt und ist auf das spätere Leben besser vorbereitet.
Meine Meinung
Friedrich Karl Schmidt
19.10.2006, 19:10
Die Klausuren oder die Arbeiten(ist ja egal ) waren manchmal recht schwer und da wurden auch Sachen abgefragt, die halt im Unterricht nur so nebenbei oder gar nicht erwähnt wurden. Ich verstehe jetzt nicht, was es im Zusammenhang mit Sprachunterricht bedeutet, dass "etwas nur nebenbei oder gar nicht erwähnt wurde." Wenn man in einer Fremdsprache die Grammatik intus hat, kann ich mir vorstellen, dass man zum Weiterlernen nicht unbedingt einen Lehrer braucht.
In Mathematik, Physik und Chemie ist das m.E. anders. Bestimmte Dinge kann man sich nur schwer alleine aneignen. Man kommt oft nicht weiter, weil man irgend etwas einfach nicht versteht.
Wenn hier der Lehrer nicht als kompetenter "Erklärer" fungiert, so bleibt dem Schüler m.E. nichts anderes übrig, als sich andernorts einen "Erklärer" zu suchen.
Das so genannte " eigenständige Recherchieren der Schüler" läuft - auf die "Knackpunkte" der Themen bezogen - m.E. doch darauf hinaus, jemanden zu finden, der dem Schüler das erklärt, was ihm der Lehrer schuldig geblieben ist.
So jedenfalls sehe ich das nicht nur aus früherer Erfahrung sondern auch nach einem Jahr Tätigkeit in diesem Forum.
Fazit:Es ist zwar praktisch wenn ein Lehrer nicht so viel verlangt, aber am Ende hat man doch eigentlich mehr gelernt und ist auf das spätere Leben besser vorbereitet.
Auch ich bin der Meinung, dass man Schülern langfristig nicht hilft, wenn man zu wenig von Ihnen verlangt. Ich halte es aber nicht für richtig, in Klassenarbeiten etwas zu verlangen, was ich nicht selbst im Unterricht behandelt und in Bezug auf die "Knackpunkte" mehrfach von vorn nach hinten und wieder zurück erklärt habe.
Gruß FKS
NilsM
19.10.2006, 19:23
Wie finden Sie eigentlich die zunehmend praktizierte Lehrmethode, dass Lehrer Schüler beauftragen , noch nicht behandelten Unterrichtsstoff sich selbst anzueignen und dann per Referat von einzelnen Schülern vortragen zu lassen.
Zum Beispiel den Erstuntericht von Schülern halten zu lassen zu Themen wie "Quadratische Gleichungen" oder "chemisches Gleichgewicht", " Lösungsverhalten von Alkoholen), "Siedepunkte innerhalb einer homologen Reihe", "Aluminiumherstellung" , HABER-BOSCH- Verfahren ?
Ich muss sagen, dass ich diese Art der Themeneinführung fallabhängig beurteile.
Bei Themen wie dem Haber-Bosch-Verfahren halte ein einführendes Referat für unproblematisch.
Bei komplexeren Themen wie "Chemisches Gleichgewicht" ist es sicherlich besser, dass man auf solche Referate verzichtet. Es ist wichtig, dass diese Zusammenhänge korrekt verstanden werden ohne dass sich eventuelle Fehler zu tief ins Gedächtnis der Schüler einpflanzen.
Friedrich Karl Schmidt
19.10.2006, 19:52
Ich muss sagen, dass ich diese Art der Themeneinführung fallabhängig beurteile.
Bei Themen wie dem Haber-Bosch-Verfahren halte ein einführendes Referat für unproblematisch. Dem würde ich im Grunde zustimmen : Anwendungen eher ja, Grundlagenerarbeitung in der Regel nein.
Beim HABER-BOSCH- Verfahren erschent es mir eine Frage der Behandlungstiefe. Für mich bedeutet die Behandlung eines technischen Verfahrens die ständige Aueinandersetzung mit der Frage : "Warum macht man das gerade so und warum nicht anders."
Nur das Formale und ein wenig "Le Chatelier" und Reaktionsgeschwindigkeit kann ein Schüler durchaus bringen.
Das steht aber dann in jedem Schulbuch zumindest nicht schlechter.
Und ich meine schon, dass der Lehrer pädagogisch wie fachlich mehr bieten sollte als ein Schulbuch, das mit wenig Raum auskommen muss.
Vor allem aber hat der Schülervortrag zwei Seiten : Ich will nicht in Abrede stellen, dass er dem Vortagenden etwas bringt. In Bezug auf die Zuhörer bin ich ( möglicherweise berufsbedingt zwangsläufig !) skeptisch.
Als Lehrer sehe ich meine Existenzberechtigung in Frage gestellt, wenn ich zu der Überzeugung käme, dass die zuhörenden Schüler beim Schülervortrag besser verstehen und lernen als beim (mittlerweile schon als berüchtigt geltenden )" fragend- entwickelnden - Lehrgespräch" zwischen mir als Lehrer und den Schülern. Desöfteren kam es mir in der Schulzeit auch so vor, dass manche Lehrer die Besprechung solcher Tehmen gerne in Form von Referaten an die Schüler abgeben, um sich z.T. aus der Situation herauszuziehen, Fragen beantworten zu müssen, auf die sie u.U. kein direkten Antworten wissen. Den Eindruck habe ich auch. Und er verstärkt sich mit zunehmender Erfahrung hier im Forum.
Gruß FKS
trilly
19.10.2006, 20:12
Ich verstehe jetzt nicht, was es im Zusammenhang mit Sprachunterricht bedeutet, dass "etwas nur nebenbei oder gar nicht erwähnt wurde." Wenn man in einer Fremdsprache die Grammatik intus hat, kann ich mir vorstellen, dass man zum Weiterlernen nicht unbedingt einen Lehrer braucht.
In Mathematik, Physik und Chemie ist das m.E. anders. Bestimmte Dinge kann man sich nur schwer alleine aneignen. Man kommt oft nicht weiter, weil man irgend etwas einfach nicht versteht.
Wenn hier der Lehrer nicht als kompetenter "Erklärer" fungiert, so bleibt dem Schüler m.E. nichts anderes übrig, als sich andernorts einen "Erklärer" zu suchen.
Das so genannte " eigenständige Recherchieren der Schüler" läuft - auf die "Knackpunkte" der Themen bezogen - m.E. doch darauf hinaus, jemanden zu finden, der dem Schüler das erklärt, was ihm der Lehrer schuldig geblieben ist.
So jedenfalls sehe ich das nicht nur aus früherer Erfahrung sondern auch nach einem Jahr Tätigkeit in diesem Forum.
Auch ich bin der Meinung, dass man Schülern langfristig nicht hilft, wenn man zu wenig von Ihnen verlangt. Ich halte es aber nicht für richtig, in Klassenarbeiten etwas zu verlangen, was ich nicht selbst im Unterricht behandelt und in Bezug auf die "Knackpunkte" mehrfach von vorn nach hinten und wieder zurück erklärt habe.
Gruß FKS
Ich bin eiverstanden mit all das, was Sie hier sagen. Ich wollte ja auch nur sagen, dass es meiner Meinung nach nicht gerecht ist, "die "Knackpunkte" mehrfach von vorn nach hinten und wieder zurück zu erklären", als ob es SEHR wichtiger Stoff fuer die Klausur sei, und in der Klausur, total andere Aufgaben und Fragen zu stellen!
BSP: Wir sind ein Kombinationskurs, d.h. wir haben 6 Std. Chemie pro Woche, 3 mit dem GK zusammen, und 3 nur wir vom LK, weil es zu wenig Leute gab, die Chemie LK gewàhlt haben. Wir haben ein Experiment ùber die radikalische Substitution mindestens 3 Mal wiederholt, einmal der Lehrer, einmal LK-Schùler und einmal LK-Schùler mit GK-Schùler: wir sollten es dem GK erklàren...
was wird wohl ein normaler Schùler nach 3-Mal radikalische Substitution denken? --> DAS KOMMT BESTIMMT IN DER KLAUSUR VOR!
--> FALSCH!!:confused:
Ich finde es einfach nicht gerecht, obwohl es vielleicht wahr ist, dass man so die Schùler darauf fòrdert, sich ein allgemeines chemisches Wissen zu bilden...
mit den Sprachen ist es einfach anders!Nehmen wir Englisch, z.B.: man fàhrt in den Sommerferien 2 Monate lang nach London z.B., man besucht eine Schule, Sommerkurse, man lebt in einer Gastfamilie, man verbessert deutlich die Sprache, die Grammatik, die Aussprache und lernt eine Menge Vokabeln und das Problem ist dann gelòst!!
Bei den Naturwissenschaften ist das anders...auch wenn ich z.B. das Programm alleine vorbereite, oder im Internet recherchiere, hilft mir das nix, wenn ich die meisten Themen nicht verstehe!Meistens brauche ich extra Erklàrungen und Erlàuterungen, die sollten eigentlich von Lehrer kommen, wenn die Themen besonders schwierig sind...
trilly
nobody
21.10.2006, 09:40
Eine sehr interessante Diskussion, wie ich finde, deshalb auch meinen Senf dazu.
Um zur Ausgangsfrage zurück zu kehren: die Aufgaben erscheinen mir nicht zu schwer und für einen LK eher leicht. Man kann allerdings den Schwierigkeitsgrad eigentlich nur beurteilen, wenn man die Voraussetzung des Unterrichts kennt. Wenn die Themen also nicht behandelt wurden, wie trilly sagt, dann können sie natürlich sehr schwer sein, denn man muss schon ehrlich sein, dass nur die wenigsten SchülerInnen in der 12 alles noch wissen, was sie in der Mittelstufe gemacht haben.
Ich halte es als Lehrer so, dass ich meine SchülerInnen über das, was für die Kursarbeit notwendig ist, nicht im Unklaren lasse, indem ich ihnen zur Klausurvorbereitung meine Lernziele für den Unterricht gebe, also z. B.
"Die SchülerInnen sollen
- Alkane korrekt benennen können.
- den SR-Mechanismus für ein beliebiges Alkan angeben und die auftretenden Zwischenprodukte und Reaktionsschritte korrekt benennen können. ..."
So kann kein Schüler sagen, er habe nicht gewusst, was dran komme.
Die Abarbeitung von Stoff in der Kursarbeit, der erst noch behandelt werden wird, halte ich für unsinnig; man belohnt diejenigen, die im Chemiebuch einige Seiten weiter gelesen haben. Welchen Zweck soll das erfüllen?
Das heißt aber nicht, dass in einer Kursarbeit nicht auch Dinge dran kommen, die die SchülerInnen nicht kennen. Entscheidend ist aber, dass sie diese mit den ihnen bekannten Grundlagen lösen können, dass sie also ihr Handwerkszeug dazu verwenden.
So verstehe ich auch Friedrich Karl Schmidt, denn ansonsten dürften die Arbeiten auf stumpfsinnige Reproduktion hinauslaufen und auch nicht den formalen Ansprüchen genügen, die im Anforderungsbereich II Transfer verlangen.
Nicht konform gehe ich mit der pauschalen Lehrerschelte, dass Lehrer Referate vergeben, um sich selbst vor Erklärungssituationen zu drücken. Diese Frage haben wir ja hier schon ausreichend diskutiert und man sollte andere Lehrer nicht pauschal verurteilen, weil sie in einer Art unterrrichten, die man selbst ablehnt (selbst wenn sie dabei mal Unterricht in die Hand von SchülerInnen gebnen.)
Was mich daran stört ist v. a. die Darstellung der SchülerInnen: die sind so beschränkt, dass sie ohne mich als Lehrer nicht weiter kommen. Da habe ich andere Erfahrungen.
Möglicherweise sieht der fachdidaktische Mainstream den fragend-entwickelnden Unterricht als Problem ("berüchtigt"), wenn es die einzige (!) Unterrichtsform ist, die ein Lehrer verwendet. Doch sehe ich da kein Problem, denn er ist in der alltäglichen Arbeit in der Schule sicher die mit Abstand am häufigsten verwendete Unterrichtsform.
Gruß
arrhenius
HF
21.10.2006, 11:29
Hmm ich will hier auch ein Beispiel bringen von meinem Mathe LK.
Der erste Satz unserer Lehrer bei beginn war:" Er ist kein erklärer, er lehrt das lernen." Das kam uns zu anfang allen komisch vor und die Klausuren von 12.1 waren bei allen durch die Bank durch nicht besser wie 0(!) - bis 7 Punkte. Wir waren natürlich genervt davon, dass der Unterricht nicht erklärend war und haben das auch mit unserem Lehrer diskutiert aber er beharrte auf seinem Standpunkt. Und so kam das Abi und der Schnitt war besch...eiden, 5 Punkte.
Dann kam die Uni. Im nachhinein bin ich meinen Lehrer dankbar auch wenn meine Noten nicht unbedingt die besten in Mathe waren. Ich tat mich an der Uni am Anfang viel einfacher wie die meisten meiner Mitstudenten und einige haben wegen Mathe sogar das Chemiestudium geschmissen. Falls ich ihn nochmal sehen sollte, werd ich mich dafür noch bedanken :eek:, obwohl ich zur Schulzeit ziemlich sauer war.
FabianH
21.10.2006, 12:28
Er ist kein erklärer, er lehrt das lernen.
Find ich gut! Ist auch meine Zielsetzung. Nichtsdestotrotz halte ich auch deinen Ärger in der Schulzeit für berechtigt, da kann was nicht stimmen bei diesem Schnitt.
Ne fachliche Frage:
Ich war bis jetzt zu faul im Buch nachzugucken und hab immer nur nebenbei drüber nachgeguckt, aber: Was ist an sp2- soo anders als an sp3-Hybridisierung? Meines erachtens: Nichts! Das verdient doch nicht mal den Begriff Transfer, oder fehlt mir da jetzt irgendwas?
MfG
Fabian
Friedrich Karl Schmidt
21.10.2006, 12:35
" Er ist kein erklärer, er lehrt das lernen."Diesen Spruch sehe ich angesiedelt zwischen Einfalt und Dummheit.
Dass man das Lernen lehrt, schließt doch nicht aus, dass man als Lehrer auch erklären muss. Es ist doch absurd anzunehmen, dass Schüler in der Lage sein könnte, sich alles selbst zu erklären.
Was machen wir eigentlich hier? Wir sind ständig dabei, Schülern und Studenten Dinge zu erklären, die sie sich selbst nicht erklären können und auch keine Erklärung von ihrem Lehrer bekommen haben, weil dieser sich nicht als "Erklärer" sieht oder selbst fachlich so unterbelichtet ist, dass er nicht erklären kann, oder vielleicht auch nur zu phantasielos ist, um das das fachlich Korrekte schülergemäß in Bezug auf Richtigkeit und Verständlichkeit zu optimieren.
[/QUOTE]Dann kam die Uni. Im nachhinein bin ich meinen Lehrer dankbar auch wenn meine Noten nicht unbedingt die besten in Mathe waren. Ich tat mich an der Uni am Anfang viel einfacher wie die meisten meiner Mitstudenten und einige haben wegen Mathe sogar das Chemiestudium geschmissen.[/QUOTE] Unser (letzter) Mathelehrer hat über die drei Oberstufenjahre hinweg soviel wie möglich erklärt. Und sein Kollege in der Parallelklasse auch. Von unserem Abiturjahrgang hat keiner wegen Mathe ein Studium geschmissen. Schon gar nicht wegen der eher lächerlichen Mathematik für Chemiker. Dennoch haben auch einige von meinen Kommilitonen den Schein nicht bekommen.
Aber all das beweist doch nichts in Bezug auf die Frage , ob ein Lehrer erklären oder ob er nur " das Lernen lehren" sollte in dem Sinn, dass die Schüler die Erklärungen selbst irgendwie finden müssen.
Die Masse der Schüler findet doch ( vom Lehrer unterlassene ) Erklärungen eben nicht durch eingenes Nachdenken, sondern bei anderen "Erklärern". Soweit diese "Anderen" Mitschüler sind, so sind auch diese meistens nur Multiplikatoren von Erkenntnissen, die nicht "auf ihrem eigenen Mist gewachsen " sind.
Im Übrigen : Dass Sie sich wacker durch die Mathematik durchgebissen haben, ist allein Ihr Verdienst. Nicht das eines Lehrers.
Gruß FKS
HF
21.10.2006, 12:59
Naja ok ich muss auch zugeben, dass mir die Mathematik etwas leichter gefallen ist. Hier auf der Uni hab ich mittlerweile fast kein Problem mehr damit, mit dem was ich hier brauche. Aber was ich meine war, dass mein alter Mathelehrer schon sowas wie eine "Unimentalität" praktiziert hat. Aus meiner damaligen Sicht war das falsch. Ich will das jetzt nicht beurteilen ob das richtig ist, davon hab ich keine Ahnung. Aber aus der jetzigen Sicht war es eine gute Vorbereitung auf die Uni, dort wird einem ja auch nur selten was erklärt und die Erklärungen muss man sich selbst erarbeiten. Ich habe hier wenig Vorlesungen wo vom Dozenten der Stoff so vermittelt wird, dass er gleich einleuchtet. Eine der wenigen Vorlesungen ist die theoretische Chemie, die ja auch viel auf Mathematik aufbaut.
aber über den Sinn oder Unsinn dieses Lehrerverhaltens kann ich nichts sagen, da ich die Praktiken des Unterrichtens nicht kenne und beurteilen kann.
FabianH
21.10.2006, 13:20
Der Spruch
Er ist kein erklärer, er lehrt das lernen.
schließt das Erklären NICHT aus. Er setzt den Schwerpunkt nur anders, dass es einige Lehrer gibt, die dies so falsch verstehen wie Sie und überdies so falsch umsetzten (wie Sie es ja anscheinend NICHT tun), ist sicherlich zu bedauern, aber keine Rechtfertigung diesen Spruch als Einfälltig und Dumm zu bezeichnen.
MfG
Fabian
Friedrich Karl Schmidt
21.10.2006, 14:09
Ich muss jetzt einmal vorausschicken, dass auch ich wie viele andere an der Uni in Bezug auf das Erlernen des Stoffes praktisch allein auf mich selbst gestellt war. Und ich weiß auch, dass dieser Umstand "härtet" für den lebenslangen Lernprozess.
Naja ok ich muss auch zugeben, dass mir die Mathematik etwas leichter gefallen ist. Hier auf der Uni hab ich mittlerweile fast kein Problem mehr damit, mit dem was ich hier brauche. Meine Erfahrungen mit der Mathematik sind recht vielfältig.
Bei der Mathematik für Chemiker habe ich sowohl bei den Übungsblättern, wie auch bei den Klausuren so gut wie nie einen Fehler gehabt. Das würde ich auf das Konto meiner Schulmathematik buchen.
Dann habe ich mich in der Grundvorlesung Analysis für Mathematiker versucht. Dort musste ich ständig Lösungen bei anderen abschreiben, um die Aufgabenblätter einigermaßen vollständig abgeben zu können. ( Die meisten der anderen sogar noch mehr als ich).
Ich habe an der Uni keine Vorlesung so regelmäßig besucht wie besagte GVL für Mathematiker. Mit Ach und Krach und mit äußerst wenig "Verstandenem" habe ich die Scheine bekommen.
Mir hätte man sehr viel mehr richtig erklären müssen. Die Erklärungen des Profs. habe ich nicht verstanden und die der Assistenten in den Übungsgruppen waren (für mich jedenfalls) auch nicht hinreichend.
Soll ich nun dem Professor dankbar sein, dass ich zehn Jahre später das Ganze mit Hilfe der Fernuni Hagen dann endlich ( mit riesigem Zeitaufwand!) dann doch noch gelernt habe ?
Dass ich mich dort ( auch fast auschließlich "autodidaktisch" ) durchgebissen habe, ist sicher nicht das Verdienst derjenigen, die es vorher an Erklärungen hatten fehlen lassen.
Nicht nur in Mathematik hätte ich mir an der Uni schon ein paar Erklärer/Erklärungen mehr gewünscht. Schließlich ist alles auch eine Frage der Zeit.
Die Vorstellung, dass man auch schwierige Sachverhalte ( auch der Physik und der physikalischen Chemie ) in akzeptabler Zeit sich ohne "Erklärer" , allein auf sich gestellt erarbeiten könnte, halte ich für abwegig. Dies jedenfalls in Bezug auf die Mehrheit der Studierenden.
Und für Schüler gilt dies in zumindest nicht geringeren Maße.
Möglicherweise lässt sich das " auf sich gestellte Lernen" noch für ein einzelnes Fach realisieren. Und in einer Sprache eher als im Bereich Mathematik/Naturwissenschaften/Technik. Auf keinen Fall aber ist dies ein Modell für das parallele Lernen in allen Fächer ganzen Fächerkanons . Allein schon wegen des damit verbundenen Zeitaufwands.
Gruß FKS
nobody
22.10.2006, 09:16
Ich glaube nicht, dass man hier so klar trennen kann: auf der einen Seite der Lehrer, der alles sorgfältig und gut erklärt, auf der anderen Seite einer, der seine Schüler allein lässt und das auch noch als Programm verkaufen will.
Kein guter Lehrer kann und wird darauf verzichten, seinen Schülern das Verstehen eines neuen Stoffes durch sorgfältige und umfassende Erklärungen, durch ausgewählte Übungen und Lernhilfen zu erleichtern. Das macht einen guten Lehrer aus und sollte auch seine Berufsauffassung sein.
Daneben wird er aber auch versuchen, seine Schüler zunehmend selbst zu befähigen, sich ein neues Thema zu erarbeiten.Dies sollte er tun, weil
- es das Ziel jeder Erziehung sein muss, einen Schüler zur Selbständigket zu erziehen. Es ist doch ein Grad an Unmündigkeit, wenn jemand nichts allein kann, sondern für alles Neue immer wieder einen Erklärer braucht.
- von Schülern ein bestimmter Grad an Selbständigkeit von der Gesellschaft erwartet wird, sei es bei einer Ausbildung, an der Uni oder im ganz normalen Alltag.
Schüler sich selbst zu überlassen und sie mal machen zu lassen, ist nicht das, was ich unter „Selbständig machen“ verstehe. Dies ist ein Prozess, der wie alle Fähigkeiten auch geübt werden muss, beginnend bei leichten Fragestellungen, angeleitet vom Lehrer, mit vielen Hilfen zu Beginn, dann aber an zunehmend komplexeren Fragestellungen mit weniger Hilfen und weniger Einmischung des Lehrers sondern mehr Eigeninitiative und auch Selbststeuerung. Das Ganze ist schwerig und von Schülern auch häufig nicht sehr geliebt; es ist halt schwierig, aber wohl das, was manche hier als für den späterenWeg an der Uni sehr sinnvoll erachtet haben.
Dazu gehört m. E. z. B. das Erschließen eines Textes, auch schwerer Fachtexte, das Wissen um die Strukturierung von Erlerntem, das Kennen von Strategien, um ein Problem zu lösen.
Gerade das Lehren an der Uni ist m. E. ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte, denn in Vorlesungen wird man doch i. d. R. mit Fachwissen zugeschüttet und man soll es dann selbst „nacharbeiten“, was häufig eben erarbeiten bedeutet, weil es zu viel war und zu schnell ging.. Natürlich helfen dabei Übungen, aber auch die sind nicht ohne. Hier wird von Studenten etwas erwartet, nämlich Eigenständigkeit, weil doch niemand ernsthaft erwarten kann, dass jeder Student Professoren oder Assistenten fragen kann, wenn er etwas nicht verstanden hat. Es ist deshalb meiner Meinung nach absolut notwendig, Schüler auf diese Situation vorzubereiten und das kann eben nur in der Schule erfolgen.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass die vielen Schülerfragen in diesem Forum gegen diese Methode sprechen, wie das Friedrich Karl Schmidt andeutet. Niemand von uns weiß, warum die Schüler etwas nicht verstanden haben und die Annahme, dass es daran läge, dass der Lehrer es nicht richtig erklärt habe, ist doch reine Spekulation. Genauso wahrscheinlich ist es doch, dass der Betreffende im Unterricht einfach gepennt hat oder zu bequem ist, sein Heft oder Schulbuch aufzuschlagen.
Ein großer Teil der Schülerfragen in diesem Forum zeigt m. E. gerade, dass diese Schüler vollkommen unselbständig oder unwillig sind: einfachste Sachverhalte werden hier gefragt, die sich mit einem kurzen Zuhandnehmen des Schülerbuches klären würden, wenn denn die Bereitschaft dazu da wäre. Es ist aber leichter, eine Frage zu stellen und zumeist findet sich auch ein Erklärer, der einem die Mühe abnimmt, selbst zu denken und zu arbeiten. Aus diesem Grund stehe ich dem Forum z. T. auch skeptisch gegenüber, auch wenn zumeist betont wird, dass es eben keine Hausaufgabenhilfe ist. Man lernt halt dabei häufig nicht, sondern plappert etwas nach, denn etwas verstehen und etwas nachplappern zu können sind eben doch zwei Dinge.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: natürlich gibt es hier viele Fragen, die Schüler oder Studenten stellen, nachdem sie sich ausführlich mit der Thematik beschäftigt haben und eben allein nicht weiterkommen. Und das ist es eine feine Sache, wenn man Hilfe bekommt von anderen, die helfen können. Aber es gibt eben auch die Schüler, die ihre Hausaufgaben hochladen und meinen, jetzt können mal die anderen (und häufig genug tun die anderen auch).