Wenn dimeres Acetonperoxid (oder Acetylperoxid, ich weiß es nicht genau!!) detoniert, dann entstehen Gase!
Kennt jemand die passende Reaktionsgleichung dafür??
Hallo Fabio!
Da das Peroxoaceton sehr energiereich ist und viel Sauerstoff enthält würde ich vermuten, dass nur Kohlenstoffdioxid und Wasser übrigbleiben.
Oder vielleicht zerfällt es erst zu Radikalen?!
Würde mich auch interessieren, wie es wirklich ist. (Laut Kreißl/Krätz: "Feuer und Flamme, Schall und Rauch" ist die Struktur von Peroxoacetn aber nicht vollständig/sicher bekannt.)
Moritz
buba
05.08.2000, 18:13
Ich denke mal, dass Wasserdampf und CO2 entstehen.
nobody
05.08.2000, 21:26
Der Zerfall von Peroxiden verläuft radikalisch.
Ich habe allerdings keine Ahnung, was mit "Peroxyaceton" gemeint ist. Kennt niemand die Formel?
Da aber eine Carbonylgruppe beteiligt ist, wird vermutlich Kohlendioxid entstehen und zwei Alkylradikale werden zu einem kurzkettigen Alkan kombinieren.
Ist mit "Peroxoaceton" vielleicht CH3-CO-O-O-CO-CH3 gemeint? Dann würde es zu zwei Kohlendioxid und einem Ethan zerfallen.
Dirk
[This message has been edited by Dirk (edited 05-08-2000).]
nobody
07.08.2000, 09:46
Kreißl/Krätz bezeichnen das Produkt der Umsetztung von Aceton mit Wasserstoffperoxid in salzsaurem Milieu als Peroxoaceton.
Sie schreiben auch, dass die Struktur des bei dieser Reaktion gebildeten Ketoperoxids nicht eindeutig geklärt ist.
Moritz
nobody
29.08.2000, 18:19
Ich habe die Formel jetzt gefunden.
Acetonperoxid hat die Summenformel C9O6H18
Es ist ein Dreieck. An jeder Ecke des Rings ist eine C(CH3)2 - Gruppe (das Aceton-Grundgerüst). Die Ecken sind durch -O-O- Brücken miteinander verbunden.
Vermutlich wird es also entweder in Sauerstoff und Aceton zerfallen oder in Sauerstoff und irgendein Alkan.
[This message has been edited by Dirk (edited 29-08-2000).]
meine Chemielehrerin will, dass ich herausfinde warum Acetonperoxid so reaktiv ist und warum es mit Wasser unreaktiv und harmlos wird. Bräuchte quasi alles üder diesen Stoff.Wäre sehr dankbar darüber auch über links wo ich Infos finde.
Danke
buba
08.09.2001, 16:26
Was die Lehrer heutzutage nicht alles wissen wollen.... :rolleyes:
FK
08.09.2001, 18:15
Hi!
Von der Synthese würde ich aber mal die Finger lassen (solange sie noch dran sind).
Es sind zwei "Acetonperoxide" bekannt, eines ist ein Sechsring, das andere ein Neunring, die beide durch Di- bzw. Trimerisierung aus
(CH3 )2 C(OOH)OH (unter Wasserabspaltung natürlich) entstehen.
Wer sich die Summenformel ansieht, wird schnell erkennen, dass ein Zerfall nur in H2O und CO2 nicht drin ist - viel zu wenig Sauerstoff vorhanden....
Schaun wir mal...
R-O-O-C(CH3 )2 -O-O-C(CH3 )2 -R
(R ist der Rest vom Ring)
Primär wird eine O-O-Bindung getrennt, nehmen wir mal die in der Mitte.
Es entstehen zwei Radikale:
R-O-O-C(CH3 )2 -O. + .O-C(CH3 )2 -R
Davon nehmen wir uns eines und sehen, was weiter passieren kann....
R-O-O-C(CH3 )2 -O. kann jetzt eine Methylgruppe abspalten unter Bildung einer C=O-Doppelbindung:
R-O-O-COCH3 + .CH3
Die Methylgruppe kann mit einer weiteren Methylgruppe zu Ethan zusammentreten oder ein H-Atom vom nächsten Molekül entfernen und Methan bilden.
Und wenn wir hier die zweite Peroxidbrücke aufbrechen
R-O-O-COCH3 --> R-O. + .O-COCH3
und dieses kann jetzt nach:
.O-COCH3 --> CO2 + CH3 . bilden.
Zum Schicksal der Methylradikale siehe weiter oben....
Und jetzt die Preisfrage: warum wohl ist ein Sprengstoff, schön in Wasser aufgeschlämmt, nicht mehr so explosiv wie im trockenen Zustand?
Gruß,
Franz
DirtyHarry
09.09.2001, 20:47
Die Produkte, die beim Zerfall eines Explosivstoffs entstehen, lassen sich mit den Kistiakowsky-Wilson-Regln vorraussagen, egal auf welche Weise der Zerfall erfolgt, da die endgültigen Produkte auf jeden Fall bei "normalen" Temperaturen" ja thermodynamisch stabil sein müssen. Diese Regeln gelten allerdings nur streng wenn die explosive Verbindung eine Sauerstoffbilanz grösser -40% aufweist und ein sogenannter CHNO-Sprengstoff ist, also ein Explosivstoff, der aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff besteht. Sie lassen sich allerdings auch auf Peroxide mit gutem erfolg anwenden, vorausgesetzt dass diese die Bedingungen der Sauerstoffbilanz > -40 % erfüllen.
Die Regeln:
1) Alle Kohlenstoffatome im Explosivstoffmolekül werden zu Kohlenmonoxid oxidiert
2) Jedes dann noch übrige Sauerstoffatome verbindet sich mit 2 Wasserstoffatomen aus dem Explosivstoff zu Wasser
3) Jedes dann noch verbleibende Sauerstoffatom oxidiert ein Kohlenmonoxidmolekül zu Kohlenmonoxid
4) Jedes in der Verbindung enthaltene Stickstoffatom verbindet sich mit einem anderen zu einem - thermodynamisch äusserst stabilen - Stickstoffmolekül.
Trimeres Acetonperoxid ( Formel C9 H18 O6 hat eine Sauerstoffbilanz von -151, 3 % - die Zerfallsprodukte können also nicht nach Kistiakowskay und Wilson berechnet werden!
Also bleibt nur das (etwas mühsame) von FK vorgeschlagene Verfahren, wobei allerdings zu beachten ist, dass bei Verbindungen derartig negativer Sauerstoffbilanz nicht immer die gleichen Endprodukte entstehen müssen - und schon gar nicht in immer gleich bleibenden Propaortionen. Das ist abhängig von Einschluss des Explosivstoffs, der Ladedichte, der Art der Zündung, der Untermischung der Detonationsgase mit Luftsauerstoff usw. usw. :rolleyes:
FK
10.09.2001, 17:10
Hi, Dirty Harry!
Das ist sehr interessant......mir scheint, Du bist aus der Branche...
Wie gesagt, ist das bei Acetonperoxid EINE denkbare Reaktionsfolge. Weitere Reaktionsketten werden sicher von den Methylradikalen ausgehen, die ja entweder dimerisieren, wenn sie sich finden, oder irgendwo H-Atome abstrahieren....
Gibt dann ein lustiges Durcheinander....
Gruß,
Franz
DirtyHarry
10.09.2001, 18:12
..ist bei Peroxiden sicherlich richtig! :D
Allerdings nicht nur beim Reaktionsweg des Zerfalls.
Das lässt sich grade beim Acetonperoxid manchmal sehr schön beobachten, noch schöner beim Dibenzoylperoxid. Lässt man die Stoffe an der Luft nur Verpuffen, erhält man bei beiden ausser Detonationsgasen noch Ruß => unvollständige Verbrennung
Detonieren die beiden Stoffe hingegen, so erhält man bei Acetonperoxid nur gasförmige Produkte, bei Dibenzoylperoxid deutliich weniger Ruß als bei der explosiven Verbrennung (Verpuffung).
Dies kann einerseits daran liegen, dass die detonative Umsetzung auf einem anderen Weg erfolgt als die Verpuffung, andererseits aus einer Durchmischung der sehr heissen Detonationsprodukte mit Luftsauerstoff und einer daraus resultierenden Sekundärexplosion, die im Prinzip ne Gasexplosion darstellt (bzw. Staubexplosion falls elementarer Kohlenstoff vorhanden).
Leider tritt meist beides ein - genaue Vorhersagen sind daher schwierig, daher diese Einschränkungen der Kistiakowsky-Wilson-Regeln!
Sprengstoffchemiker und -physiker haben halt kein leichtes Leben.... :burn:
nobody
11.09.2001, 08:28
Ich habe einige Informationen zu Acetonperoxid
Das Zeug ist sehr unberechenbar.
Acetonperoxid lässt sich mit Aceton, nicht mit Wasser phlegmatisieren.
In wässrigem Medium soll das dann wohl noch halbwegs handhabbar sein (Kratzer in Glasgefäßen sollen aber auch in diesem Medium bereits Detonationen auslösen). Je mehr Wasser, je unproblematischer der Umgang.
Aber, das Zeug ist nicht wasserlöslich, lässt sich also mit Wasser nicht phlegmatisieren. Trocknet das Material, ist es wieder äußerst brisant.
Außerdem neigt Acetonperoxid zur Sublimation. Resublimiertes Acetonperoxid ist dann äußerst brisant. Bei verschlossenen Gefäßen kann sich das resublimierte Acetonperoxid auch an dem Verschluss bilden. (Da freut sich derjenige, der das Gefäß öffnet!)
Wie stabil allerdings Acetonperoxid ist, weiß ich nicht. Alle organischen Peroxide altern und zerfallen mit der Zeit allmählich. Wie das mit Acetonperoxid ist, weiß ist nicht.
Wer meine gesammelten Infos benötigt, bitte per eMail an mich wenden.
Gruß
Mark
minutemen
11.09.2001, 10:55
kürzt mal bitte jemand den obigen beitrag um den synthesevorschlag!
junger mann! sicher weiss hier im forum die hälfte aller user, wie man das mistzeug macht. man behält es aber hier für sich, da solche beiträge nicht erwünscht sind! comprende?
FK
11.09.2001, 18:04
Originalnachricht erstellt von minutemen
kürzt mal bitte jemand den obigen beitrag um den synthesevorschlag!
@minutemen
Dein Wunsch ist, scheint's, in Erfüllung gegangen....
Ich sah übrigens mal, man soll es nicht glauben, mal in einer Chemikaliensammlung eine Glasflasche mit eingeschliffenem Stopfen, darinnen weißes Pulver und farblose Kristalle, die die Innenfläche bedeckten....auf dem Etikett stand "Acetonperoxid"......
Gruß,
Franz
DirtyHarry
11.09.2001, 19:59
@ FK:
Ein Wunder dass sich das Zeugs so lange in der Glasflasche gehalten hat, denn sooo stabil isses nicht. Auf alle Fälle bleibts ne Harausforderung für das arme Schwein das den Humpen voll Sprengstoff entsorgen darf :mad:
Grosse Kristalle eines jeglichen Initialsprengstoffs sind handhabungsunsicher => so was lässt sich eigentlich nur durch nen sehr mutigen (bzw. sehr dummen) Menschen entsorgen oder durch ne gezielte Sprengung!
@ Mark:
Stimmt nicht, auch Wasser phlegmatisiert bis zu nem gewissen Maße, hängt eben von Faktoren wie Alter, Ladungsdichte, Kristallgrösse etc. ab! Heisses Wasser macht Acetonperoxid allerdings kaputt.
Mit der Resublimation, das ist so ne Sache...
Üblicherweise resublimiert das Acetonperoxid erst mal in Kristallzwischenräumen der restlichen Kristalle. Somit wird ein Produkt relativ hoher Ladedichte mit nochmehr Reibungspunkten erhalten - nicht zu verwechseln mit Pressen auf ne bestimmte Ladedichte, hierbei ändert sich die Anzahl der Kristalle nämlich fast nicht, das gepresste Produkt ist meistens unempfindlicher als das ungepresste. Ein Acetonperoxid, das resublimierte Kleinstkristalle enthält, kann bei irgendwelchen äusseren Anreizen leichter und heftiger detonieren, das ist das ganze Geheimnis!
gast
22.12.2004, 20:29
Zur Abschreckung: Von dem Zeug kann ich nur warnen: Ich komme es aus dem Raum Heidelberg und hier hat sich vorgestern ein 14-jähriger mit Triacetonperoxid beide Hände weggesprengt. :rolleyes: Wenn er Glück hat und die Ärtze gute Arbeit machen wird er 2-3 Finger an der einen Hand behalten können... wollt ich noch erwähnen.
nobody
22.12.2004, 20:39
alles soweit richtig, bloß dimerisieren diese Methylradikale höchst ungern, wenn überhaupt. Viel lieber reagieren Sie mit irgendwas anderem, z.B. durch H-Abstraktion zum Methan. Es dimerisieren praktisch nur die "stabilisierten Radikale", z.B. Benzylradikale. Das bloß so am Rande ....
FK
22.12.2004, 20:42
Zur Abschreckung: Von dem Zeug kann ich nur warnen: Ich komme es aus dem Raum Heidelberg und hier hat sich vorgestern ein 14-jähriger mit Triacetonperoxid beide Hände weggesprengt. :rolleyes: Wenn er Glück hat und die Ärtze gute Arbeit machen wird er 2-3 Finger an der einen Hand behalten können... wollt ich noch erwähnen.
Danke - man kann es gar nicht oft genug sagen.
Gruß,
Franz
Tiefflieger
23.12.2004, 07:44
Zur Abschreckung: Von dem Zeug kann ich nur warnen: Ich komme es aus dem Raum Heidelberg ....
Komisch, irgendwie scheinen sich die Acetonperoxid Chemiker in Heidelberg zu konzentrieren, siehe http://www.zuv.uni-heidelberg.de/sw/buschtrommel/bt-17.pdf
Nachtrag: Für alle diejenigen, die es nicht lassen können. Bitte einen Zettel mit den Koordinaten um den Hals hängen, welche bei meinem Beitrag als Ort genannt werden. Dort findet der Pilot des Rettungshubschraubers eine zugelassene Landefläche vor, 2 Etagen tiefer (Fahrstuhl für Liegendtransport vorhanden) ein gut ausgerüsteter OP Bereich. Für solche Fälle halten wir dann auch einen unserer 10 OP Räume frei.
flobli
23.12.2004, 09:10
Komisch, irgendwie scheinen sich die Acetonperoxid Chemiker in Heidelberg zu konzentrieren, siehe http://www.zuv.uni-heidelberg.de/sw/buschtrommel/bt-17.pdf ...
Ist ja der Hammer, was da steht! Da packt man sich eigentlich an den Kopf...
bm
23.12.2004, 13:31
@tiefflieger :
Das war nicht in Heidelberg. Die Fassbombe stand in Bonn.
meine Chemielehrerin will, dass ich herausfinde warum Acetonperoxid so reaktiv ist und warum es mit Wasser unreaktiv und harmlos wird. Bräuchte quasi alles üder diesen Stoff.
Mein Chemielehrer will ein 1 kg N3I :o
Methylethylketonperoxid ist doch ziemlich pfuipfui, laut Google wird es allerdings dafür verwendet:
Formteile, die nicht vergilben dürfen (Gelcoats, transparente Laminate) empfiehlt
sich die Verwendung eines Härters auf Basis Methylethylketonperoxid (MEKP)
Wieso MEKP? Adsorbiert das das Licht, damit das Plastikzeugs nicht vergilbt?
MEKP ist doch in Reinstform explosiv (oder?), in welcher Form ist es dann als Härter?
polysom
23.02.2005, 13:25
Bei uns an der Uni gabs auch mal nen Vorfall mit Acetonperoxid.
Im org. Grundpraktikum hätte jemand mit Permanganat Aceton oxidieren sollen.
Da hat er sich gedacht, mit Wasserstoffperoxid müsste das doch schneller gehen und hat das anstatt dem Permangant genommen.
Die Wirkung war eine ungeheure und hinterließ ein großes Loch im Labortisch.
Was mit dem Studenten passiert ist weiß ich nicht, nur dass er ins Krankenhaus musste.
FK
23.02.2005, 21:16
Wieso MEKP? Adsorbiert das das Licht, damit das Plastikzeugs nicht vergilbt?
MEKP ist doch in Reinstform explosiv (oder?), in welcher Form ist es dann als Härter?
MEKP wird als 50proz. Lösung (in Weichmacher z. B.) verkauft und in Kombination mit Cobaltoctoat als Härter für Polyesterharze verwendet.
Gruß,
Franz
kaliumcyanid
23.02.2005, 22:23
Cobaltoctoat....Cobalt is klar, aber Octoat? Wie heissen denn da Pappi und Mami? Octosäure?
zarathustra
23.02.2005, 22:46
Octansäure
FK
24.02.2005, 07:00
Octansäure
:up:
Wobei hier in Wirklichkeit ein Isomer der Octansäure gemeint ist, nämlich 2-Ethylhexansäure.
Natürlich funktioniert MEKP auch mit anderen organischen Cobaltsalzen.
Gruß,
Franz
nobody
28.02.2005, 16:27
Hallo leute,hab acetonperoxid hergestellt und kann von nachahmung abraten.
Höchst brisant!
0,5g zerfezten eine Fotodose ( ohne Deckel!)
kaliumcyanid
28.02.2005, 16:32
Wieso wird einem erst geglaubt, wenn man die Folgen am eigenen Leib erfahren hat? "Nein, das ist nicht gefährlich", "Ich kenn mich aus", "Mir passiert nichts", "ich bin vorsichtig". Und dann fehlen halt mal ein paar Finger. :rolleyes:
FK
28.02.2005, 16:53
Hallo leute,hab acetonperoxid hergestellt und kann von nachahmung abraten.
Höchst brisant!
0,5g zerfezten eine Fotodose ( ohne Deckel!)
Freut mich, dass Du heil davongekommen bist...
Ansonsten:
Das ist hier kein Pyromanen- oder Knall-bumm-Forum.
Gruß,
Franz
nobody
28.02.2005, 17:19
Ich bei Kein dummer pyromane sondern ein 16jähriger Hobbychemicker
War in Freie Presse!
kaliumcyanid
28.02.2005, 18:18
>War in Freie Presse!
Wieso schreibst dus dann in der Ich-Form?
FK
28.02.2005, 18:23
Ich bei Kein dummer pyromane sondern ein 16jähriger Hobbychemicker
Von "dumm" war nicht die Rede...
"Hobbychemiker" und "Pyromane" überschneiden sich manchmal ein bisschen... ;)
War in Freie Presse!
Was war da?
Das Kochrezept?
Gruß,
Franz
nobody
28.02.2005, 18:48
Endschuldigung, war vieleicht etwas überheblich. Freie Presse ist eine Tageszeitung in Sachsen.
nobody
16.08.2005, 01:17
moin,
ich bin nicht vom fach und das zeug ist nun kürzlich leider wieder berühmt geworden. im deutschlandfunk hatten sie dazu ein kleines feature.
in diesem wurde gesagt, dass bei der detonation keine energie als wärme frei wird. ist das korrekt ? wirkt dieser sprengstoff "nur" über die druckentwicklung der frei werdenden gase ?
ich bin leider (h)bollywood geschädigt und für mich entsteht bei einer detonation immer wärme. ist das ne echte laienvorstellung ?
FK
16.08.2005, 11:56
Willkommen bei uns!
moin,
ich bin nicht vom fach und das zeug ist nun kürzlich leider wieder berühmt geworden. im deutschlandfunk hatten sie dazu ein kleines feature.
in diesem wurde gesagt, dass bei der detonation keine energie als wärme frei wird. ist das korrekt ? wirkt dieser sprengstoff "nur" über die druckentwicklung der frei werdenden gase ?
Das ist vollkommener Quatsch.
Es gibt keine Sprengstoffe, die ohne Freisetzung von Wärme funktionieren, und es kann sie nicht geben.
Die Sache geht so: wir haben hier ein Molekül, das bei geringer Energiezufuhr zerfällt und dabei mehr Energie freisetzt, als wir vorher reingesteckt haben. Außerdem entstehen gasförmige Zersetzungsprodukte.
Die freigesetzte Energie bringt weitere Moleküle zum Zerfallen, wobei noch mehr Energie abgegeben wird --> Kettenreaktion, bumm.
Ohne Energieabgabe kann das nicht klappen, wie man (ein)sieht.
btw: in den Medien wird dermaßen viel Unfug verbreitet, dass es einen graust. :silly:
Gruß,
Franz
rhodium
18.08.2005, 17:30
@ polysom
Aceton reinigt man durch versetzen mit KMnO4, kann mir nicht vorstellen das es dabei oxidiert wird.
mfg rhodium
FK
18.08.2005, 17:35
Aceton reinigt man durch versetzen mit KMnO4, kann mir nicht vorstellen das es dabei oxidiert wird.
Richtig; Aceton reagiert nicht mit Permanganat.
btw: da gab es mal einen Spezialisten, der im Rahmen seiner Diplomarbeit irgend so ein Arsin mit H2O2 oxidieren wollte. Er löste es also in Aceton...
(3 Wochen Krankenhaus) :rolleyes:
Gruß,
Franz
Godwael
18.08.2005, 19:24
3 Wochen Krankenhaus
Das waren noch Zeiten... Heutzutage kriegt man dafür drei Jahre Folterurlaub in Guantanamo...
FK
18.08.2005, 19:37
Das waren noch Zeiten... Heutzutage kriegt man dafür drei Jahre Folterurlaub in Guantanamo...Hmm...
Zahlt das die Krankenkasse? :rolleyes:
Gruß,
Franz
Physiker-MR
25.08.2005, 15:02
Hallo erstmal, ich bin hier neu. Sehr interessantes Forum. :) Ich bin 37, Diplom-Physiker und seit jeher chemisch interessiert. So bis 20 hatte ich mein Hobbylabor und habe gerne und viel experimentiert, auch mit Acetonperoxiden, was ich aber niemandem empfehle. :rolleyes: Dadurch bin ich auf diesen Thread aufmerksam geworden. Einen gewissen Hang zu pyromanischen Experimenten in meiner Jugend kann ich leider nicht verleugnen, es ist aber nie etwas Ernsthaftes passiert. Mich schauert es aber noch im Nachhinein. :D
So mit 15 hatte irgendein Bekannter die Idee der Herstellung dimeren Acetonperoxides. Wir wußten eigentlich fast nichts darüber, außer, dass es schön knallt. Wir haben bestimmt 2-3 Jahre immer größere Mengen davon hergestellt, ich hatte damals immer Ansätze mit 200 ml Reaktionsvolumen. :eek: Das Produkt habe ich sogar im Exicator getrocknet bis zum geht nicht mehr. Wir waren eigentlich der Meinung, aus unserer damaligen Erfahrung, dass das Zeug zwar sehr brisant und hitze- und funkenempfindlich ist, aber nicht schlagempfindlich oder gar reibungsempfindlich. Ich habe das damals sogar mit Fallgewichten bis 500 g getestet und Fallwegen von einem halben Meter, keine Reaktion. Ferner haben wir es auch in Alufolie zu kleinen Kügelchen (vielleicht so ein halbes Gramm) verrollt, die ins Feuer geworfen schön knallten. :rolleyes:
Also, entweder haben wir (so 4 Leute, die das regelmäßig hergestellt haben) alle schweinemäßiges Glück gehabt, was statistisch nach jahrelangem Umgang unwahrscheinlich ist, oder das dimere Produkt ist deutlich weniger schlag- reibungsempfindlich als das trimere Produkt. Das würde mich rein wissenschaftlich mal interessieren, ich empfehle aber niemandem, das auszuprobieren. :o
Ich habe aber auch ernsthafte Experimente damit durchgeführt, z.B. es in Benzin gelöst und sehr langsam auskristallisieren lassen. Dabei bildete sich interessanterweise ein regelmäßiger quaderförmiger Kristall leicht gelblich-weißer Färbung von beachtlicher Größe. Ist das ein bekannter Effekt? :confused:
Gruß Olaf
rhodium
25.08.2005, 16:01
@ Physiker MR
Eine schöne Beschreibung das Ganze. Mich hat es als ich noch jünger war auch öfters gejuckt solch Blödsinn zu probieren und ich bin auch heilfroh das alles unverletzt überstanden zu haben.
mfg rhodium
Physiker-MR
25.08.2005, 16:38
Ja, da kann man froh sein, dass man so glimpflich davongekommen ist damals. Aber irgendwie war man in der Jugend sehr unverkrampft im Umgang mit Gefahrstoffen. :rolleyes: Übrigens fällt mir gerade ein, ein Vorfall gab es doch mit dem dimeren Acetonperoxid. Der Versuch, es kristallin im heißen Wasserbad zur Reaktion mit irgendwas, das mir entfallen ist, zu bringen, ging unschön aus. :D Der Knall war ohrenbetäubend und die Splitter des Reangenzglases steckten in meiner Stirn. Dank Schutzbrille und sehr kleiner verwendeter Menge gab es aber keine gravierenden Verletzungen. :D
Legendär auch der Versuch, die Chlorat-Phosphor Mischung mit einem Stein zu zünden. War vielleicht so ein Gramm, vielleicht etwas mehr. Aus 10 m hab ich den Haufen nicht getroffen mit dem Stein, dann 5 m, wieder nix, dann ungeduldig geworden, direkt davor gestanden und den Stein draufgeschleudert. Ein Teersplitter vom Asphalt steckte dann in meiner Hand. Irgendwie war man komisch drauf damals. Heute mache ich sowas längst nicht mehr, sondern versuche, möglichst hohe Spannungen mit selbstgebastelten Apparaturen zu erzeugen. Wenn einem mal so ein 1 MV- Blitz durch den Körper gefahren ist, wird man aber auch damit vorsichtiger. :p
Gruß Olaf
gemm
25.08.2005, 17:50
einem kollegen hat es zu schulzeiten beim experimentieren mit acetonperoxid die halbe hand weggerissen. weder das noch die 15 operationen haben ihm aber das interesse am chemiestudium nehmen koennen. heute weiss er allerdings, was er tut; damals hat er nur eine reaktionsvorschrift befolgt.... :rolleyes:
uebrigens: 300g loses (trocknendes) acetonperoxid durchschlagen eine 30cm betondecke (und das hausdach fliegt weg). heutzutage haette man damit allerdings vermutlich das sek am hacken. :eek:
Physiker-MR
25.08.2005, 18:46
So weit mir bekannt ist, benutzen es die Amerikaner, um die zerstörerische Wirkung der Druckwellen von Kernwaffen zu simulieren. Das sagt schon alles.
Die Hauptwirkung kommt in der Tat von der Druckwelle, nicht etwa durch Hitze zustande. In der Tat erzeugt es bei Verpuffung keine Verbrennungen, selbst wenn man in der Nähe steht, allerdings spürt man förmlich die Gasexpansion. :rolleyes:
Gruß Olaf
Amargon
13.08.2006, 22:51
Also zunächst einmal sollte man sagen, dass die Darstellung von "Triacetontriperoxid" sehr einfach ist, ganz im Sinne "leicht herzustellen aber schwierig in der Handhabung". Ich kann hiervon nur mit Nachdruck warnen, denn das schwierige ist nicht, den Sprengstoff zu zünden, sondern nicht dabeizusein, wenn er detoniert :)).
Die Kühltemperatur muss stimmen, da sonst das höchst instabile Diacetondiperoxid entsteht (sieht optisch genauso aus). Dieses kann in seltenen Fällen bereits während der Synthese durchdetonieren.
Aber auch in Analogie zur Herstellung von Blei- oder Silberazid (noch einfacher als TATP) erfordert Einhaltung bestimmter Umgebungen wie Kühlung, langsame Vereinigung der Reaktionspartner unter gutem Rühren (aber auch nicht zu stark), dann noch der Zusatz von Gelatine oder ähnlichem. Die Hauptgefahr ist nämlich das Wachstum grosser Kristalle, von denen bereits das Durchbrechen (bei Reibung)eines Kristalls ausreicht, um die gesamte Menge zu zünden.
Desweiteren ist der Dampfdruck der Substanz so hoch, das ein Filmdöschen voll locker geschüttetes TATP (so um 3-5 Gramm je nach Korngrösse innerhalb eines halben Jahres "weg" ist.
Deshalb hat es auch im Sprengwesen als Initialsprengstoff keine Verwendung gefunden - also selbst denen ist dad Zeug einfach zu unsicher...
Wer sich unbedingt an einer Synthese versucht, sollte also wissen, dass unter Umständen bereitst Mengen von unter 5 Gramm schwerste Verletzungen insbesondere durch Splitter verursachen, an den Händen zum Beispiel. Trügerisch ist auch der Glaube, daß bei Kunststoffgefäßen keine Gefahr besteht: Bei den freigesetzten Energiemengen durchschlägt ein kleines Stückchen Filmdose trotzdem locker die Hand...oder dringt zumindest tief ein.
kaliumcyanid
13.08.2006, 22:57
Die Kühltemperatur muss stimmen, da sonst das höchst instabile Diacetondiperoxid entsteht (sieht optisch genauso aus). Dieses kann in seltenen Fällen bereits während der Synthese durchdetonieren.
Didi hin oder her, die Synthese bleibt gefährlich genug. Die Kristalle sind auch nass ziemlich undankbar...
Desweiteren ist der Dampfdruck der Substanz so hoch, das ein Filmdöschen voll locker geschüttetes TATP (so um 3-5 Gramm je nach Korngrösse innerhalb eines halben Jahres "weg" ist.
Das schöne ist das sich die Kristalle dann woanders im Gefäß befinden. Deckel aufdrehen - rummms.
Wer sich unbedingt an einer Synthese versucht, sollte also wissen, dass unter Umständen bereitst Mengen von unter 5 Gramm schwerste Verletzungen insbesondere durch Splitter verursachen, an den Händen zum Beispiel. Trügerisch ist auch der Glaube, daß bei Kunststoffgefäßen keine Gefahr besteht: Bei den freigesetzten Energiemengen durchschlägt ein kleines Stückchen Filmdose trotzdem locker die Hand...oder dringt zumindest tief ein.
5gr, doch so optimistisch? Um Finger/Hände loszuwerden reicht schon weitaus weniger. Die Gefahr liegt in der Sprengwirkung ansich, Kunststoff hin oder her.
kammerjäger
13.08.2006, 23:19
laut Presse wollten die Terroristen in London doch die Flugzeuge mit Acetonperoxid sprengen. Um den Flüssigsprengstoff (gelöst in irgendwas?) zu aktivieren, muss noch ein Stoff was dazugegeben werden.
Wenn ich mir das hier aber durchlese, erübrigt sich das wohl :p
Bei uns an der Uni gabs auch mal nen Vorfall mit Acetonperoxid.
Im org. Grundpraktikum hätte jemand mit Permanganat Aceton oxidieren sollen.
Da hat er sich gedacht, mit Wasserstoffperoxid müsste das doch schneller gehen und hat das anstatt dem Permangant genommen.
Die Wirkung war eine ungeheure und hinterließ ein großes Loch im Labortisch.
Was mit dem Studenten passiert ist weiß ich nicht, nur dass er ins Krankenhaus musste.
noch mal für Dumme: was entsteht da zunächst? (CH3)2C(OH)(OOH) ?
ich persönlich hab mal Kaliumpermanganatpulver mit konz. Schwefelsäure versetzt und etwas Oxalsäure zugegeben. War auch sehr imposant...
Maetze
16.08.2006, 08:26
Hallo Fabio!
Da das Peroxoaceton sehr energiereich ist und viel Sauerstoff enthält würde ich vermuten, dass nur Kohlenstoffdioxid und Wasser übrigbleiben.
Oder vielleicht zerfällt es erst zu Radikalen?!
Würde mich auch interessieren, wie es wirklich ist. (Laut Kreißl/Krätz: "Feuer und Flamme, Schall und Rauch" ist die Struktur von Peroxoacetn aber nicht vollständig/sicher bekannt.)
Moritz
in lehrbüchern stehts auch nicht drin. ist auch besser so, das zeug ist teuflisch! aber schau mal unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Acetonperoxid
macht zumindest sinn, oder?
gruss,
Maetze
Burnout
24.02.2009, 08:16
Kleine Anmerkung am Rande:
Der Anschlag in (London (http://en.wikipedia.org/wiki/7_July_2005_London_bombings) wurde auch mit TATP begangen, allerdings wollte der Terrorist bis in die U-Bahn, er schaffte es aber nur bis in den Bus...Bumm
Zur Reaktivität von TATP:
Wenn man getrocknetes TATP nochmal in Wasser gibt wird es nochmal ein ganzes Stück instabieler. Warum das so ist weiss ich selber nicht genau.