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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wiederholung Säuren-Basen


FabianH
29.04.2006, 18:52
Hi,

im Rahmen meiner Examensarbeit habe ich 2 mal 90 Minuten in einem Chemieprofilkurs der 11 Klasse mit 14 Schülern.
(Zur Erläuterung: Noch gibt es in Berlin 13 Schuljahre, die 11 Klasse wird als Einführungphase bezeichnet, in der die Schüler unter anderem ihre zukünftigen Leistungskurse antesten sollen. Dies geschieht in Profilkursen, die 2 Stunden die Woche stattfinden. Der Rahmenplan für diese Kurse ist sehr locker, ein grobes Ziel ist, dass der Schüler einen umfassenden Überblick über das Fach bekommen.)
Nach ein Einschätzung des Lehrers (und einer Freundin die auch in dieser Klasse unterrichtet hat) ist die Klasse zwar sehr willig zu lernen, jedoch nicht immer fähig.
Wie der Titel andeutet habe ich vor eine Wiederholung zur Säure-Base-Thematik zu machen.
Arbeitsform (Einzel-/Partnerarbeit) und Medieneinsatz (digitale, verzweigte Texte, sogenannte Hypertexte) stehen aufgrund des Themas meiner Arbeit fest, jedoch nicht die exakten Inhalte.
Als Einstiegsaufgabe schwebte mir ungefähr vor:

Den Schülern werden die Säure-Base-Definitionen nach


Arrhenius

Brönstedt

Lewis (oder eventuell eine ganz andere, z.B. O2- oder F--Übertragung)


vorgegeben. Ihre Aufgabe ist es nun Begründungen zu finden, die erklären warum überhaupt verschiedene Definitionen exisiteren. Welche Vorteile die eine gegenüber der anderen hat.

Der Hypertext der ihnen dabei als Informationsgrundlage dienen soll, enthält grundlegende Texte zur Säure-Base-Thematik mit dem Schwerpunkt auf Brönstedt. Diese Texte sind von mir aus einem anderen, größeren kommerziellen Hypertext ausgewählt und neu angeordnet worden.
Lernziele sind nicht nur die Wiederholung des Themas, sondern auch der Umstand, dass Säure-Base-Definitionen keine Frage der Richtigkeit, sondern der Zweckmäßigkeit sind.

Meine Frage nun an euch:
Was haltet ihr von dieser Aufgabe? Erfüllt sie diese Lernziele?
Ich betone: Das Medium der Bearbeitung steht fest, daran lässt sich nichts ändern, sollte also auch nicht Diskussionsgegenstand werden.

Ich muss zugeben, dass mir beim Schreiben dieses Textes aufgefallen ist, dass die Aufgabe so noch nicht ganz stimmig ist. Vielleicht sind einige konkrete Unteraufgaben nötig. Aber gerade dafür hoffe ich auf Anregung von eurer Seite.

Und noch was:
Ruhig meckern! Lob ist zwar gut, bringt mich an dieser Stelle aber nicht unbedingt weiter.

Danke im Voraus!

MfG

Fabian

BU
30.04.2006, 17:25
Meine Frage nun an euch:
Was haltet ihr von dieser Aufgabe? Erfüllt sie diese Lernziele?
Ich betone: Das Medium der Bearbeitung steht fest, daran lässt sich nichts ändern, sollte also auch nicht Diskussionsgegenstand werden.

Ich muss zugeben, dass mir beim Schreiben dieses Textes aufgefallen ist, dass die Aufgabe so noch nicht ganz stimmig ist. Vielleicht sind einige konkrete Unteraufgaben nötig. Aber gerade dafür hoffe ich auf Anregung von eurer Seite.

Und noch was:
Ruhig meckern! Lob ist zwar gut, bringt mich an dieser Stelle aber nicht unbedingt weiter.

Danke im Voraus!

Die Aufgabe ist mit Arrhenius, Brönsted-Lowry und Lewis schon stimmend.
Immerhin sind die praktisch wesentlichen SB-Theorien vertreten.

Ein historische Übersicht mit zahllosen Beispielen gibt es z.B.
bei Reuber/Wellens/Gruss, Chemikon, Chemie in Übersichten, III/6,
Umschau-Verlag Frankfurt/Main (1972)

Zu Lewis könnte man z.B. die Bjerrum-Ergänzungen erwähnen:
Säuren sind Protonen-Donatoren (Brönsted-Säuren),
Basen sind Elektronenpaar-Donatoren oder Protonenakzeptoren,
Antibasen sind Elektronenpaar-Akzeptoren oder Basen-Akzeptoren.

Die Ausweitung auf z.B. Ussanowitsch ("Übertragung von O2-") bzw. Pearson ist für
den Schulunterricht wenig sinnvoll.

Es bietet sich vielleicht eine Ausdehnung der Diskussion
auf alchemistische und klassische Vorstellungen an
(Libavius, Boyle, Lemery, Stahl, Lavoisier, von Liebig) an.

FabianH
30.04.2006, 17:56
Hi,

erstmal danke.
Soweit stimme ich schonmal zu. Andere Konzepte wollte ich mit einbringen, um die Frage der Zweckmäßigkeit deutlicher zu machen. Trotzdem nicht sinnvoll?

Am Dienstag werde ich einige Konkretisierungen zur Aufgabenstellung und so einbringen (nach einem Termin mit meinem Dozenten).

Hier mal zwei Beispiele, was Hypertexte sind, denn eine prägnante Definition existiert eigentlich nicht, so denke ich, ist es vielleicht am besten es über Beispiele zu erklären:

Ein sogenannter nicht-linearer Hypertext zum Thema "Seifen und Waschmittel":

http://www.uni-essen.de/chemiedidaktik/S+WM/Index/Index.htm

Ein sogenannter linearer Hypertext zum Thema "Ozon":

http://www.uni-essen.de/chemiedidaktik/DigitVero/ozon_lu/anfang.html

Die Begriffe (nicht)-linear beziehen sich auf den Grad der Vernetzung der Seiten untereinander.

MfG

Fabian

nobody
30.04.2006, 19:11
Ich gebe morgen meinen Senf dazu. Aber eins ist ja schon vorher klar: Auf das Arrhenius-Konzept kommt es an ;)

nobody
30.04.2006, 19:47
So, ich habe es doch schon geschafft, nun kommen die Anmerkungen und auch ein paar Fragen:

Ist der Hypertext linear oder verzweigt? Auch wenn die Methodik nicht diskutiert werden soll ein Anregung: wenn man das Medium Computer einsetzt, dann sollte man es m.E. tun, weil es Vorteile bietet. Wenn das Gleiche auch mit einem Lehrbuch möglich ist, dann würde ich das Lehrbuch vorziehen. In diesem Zusammenhang bedeutet das für mich, dass der Hypertext nicht linear sein sollte, weil man damit viele Möglichkeiten der SchülerInnen verschenkt. Und es sollten Medien verwendet werden, die das Buch nicht hergibt, d. h. z. B. Animationen oder Filme von Versuchen.

Du schreibst, dass es sich um eine Wiederholung handeln soll. Ist denn das LEWIS-Konzept wirklich Bestandteil der Mittelstufen-Chemie in Berlin? Nach meinen Erfahrungen kommt LEWIS in der Mittelstufe nicht vor (zumindest nicht in RP). Man kann es dann sicherlich in der 11 machen, aber eine Wiederholung ist es nicht mehr und braucht dann sicherlich auch mehr Zeit.

Aus diesem Grund würde ich auch keine weitergehenden Theorien aufgreifen, sie sind nämlich m. E. auch für die Oberstufe vollkommen entbehrlich.

Wenn der Kurs nicht allzu leistungsstark ist, dann haben die wahrscheinlich nur eine sehr begrenzte Stoffkenntnis. Wenn man die von dir angestrebte Aufgabe lösen will, also die Grenzen der Theorien ableiten will, dann braucht man aber v. a. einen ausreichenden Fundus an Reaktionen, um sich das klar zu machen. Die müsste man sicherlich vorgeben. Außerdem würde ich die SchülerInnen eine Menge Beispielreaktionen dazu machen lassen, denn das wiedergeben einer Theorie ist das eine, die Anwendung eine ganz andere Sache.
Dabei kann man dann z. B. das B.-Konzept auf Calciumoxid anwenden und merkt dabei dann erst, dass das mit Arrhenius eben nicht mehr geht.

Ich finde die Frage der Zweckmäßigkeit von Theorien oder Modellen sehr spannend, man muss dabei aber aufpassen, dass man nicht bei den SchülerInnen die Haltung erzeugt, dass die alte Theorie Müll ist. Das passiert sehr leicht „Dann war das falsch, was sie uns da erzählt haben?“. Bedeutsam in diesem Zusammenhang finde ich, dass LEWIS und BRÖNSTED ihre Theorie im gleichen Jahr entwickelt oder zumindest publiziert haben. Da lässt es nämlich wirklich fragen, warum sich BRÖNSTED zumindest im Chemiealltag durchgesetzt hat und bei der Lösung von Redoxgleichungen i. d. R. die ARRHENIUS-Theorie genutzt wird, wenn man mit H+ arbeitet.

Deshalb noch eine Frage: was soll denn das Ergebnis sein, d. h. welche Vor- und Nachteile erwartest du denn für die einzelnen Theorien?

Gruß

arrhenius

FabianH
02.05.2006, 22:39
Hi,



Ist der Hypertext linear oder verzweigt? Auch wenn die Methodik nicht diskutiert werden soll ein Anregung: wenn man das Medium Computer einsetzt, dann sollte man es m.E. tun, weil es Vorteile bietet. Wenn das Gleiche auch mit einem Lehrbuch möglich ist, dann würde ich das Lehrbuch vorziehen. In diesem Zusammenhang bedeutet das für mich, dass der Hypertext nicht linear sein sollte, weil man damit viele Möglichkeiten der SchülerInnen verschenkt. Und es sollten Medien verwendet werden, die das Buch nicht hergibt, d. h. z. B. Animationen oder Filme von Versuchen.


Ganz so war das mit dem Nichtdiskutieren nicht gemeint. Ich habe das nur geschrieben, weil ich mir vorstellen konnte, dass manch einer sagt: "Computer wozu, kann man gleich sein lassen."

Zur Struktur und den Eigenschaften komme ich gleich.


Du schreibst, dass es sich um eine Wiederholung handeln soll. Ist denn das LEWIS-Konzept wirklich Bestandteil der Mittelstufen-Chemie in Berlin? Nach meinen Erfahrungen kommt LEWIS in der Mittelstufe nicht vor (zumindest nicht in RP). Man kann es dann sicherlich in der 11 machen, aber eine Wiederholung ist es nicht mehr und braucht dann sicherlich auch mehr Zeit.


Meine Idee war eben, ein bischen mehr als eine Wiederholung zu machen und die Frage der Zweckmäßigkeit so zu verdeutlichen. Vor allem deine Info, dass Lewis und Brönstedt ihre Konzepte in einem Jahr entwickelt haben, finde ich in diesem Zusammenhang sehr interessant.


Aus diesem Grund würde ich auch keine weitergehenden Theorien aufgreifen, sie sind nämlich m. E. auch für die Oberstufe vollkommen entbehrlich.


Ja, da gebe ich dir schon recht, ich hatte Lewis auch erst im Leistungskurs, als es um Komplexe ging.


Wenn der Kurs nicht allzu leistungsstark ist, dann haben die wahrscheinlich nur eine sehr begrenzte Stoffkenntnis. Wenn man die von dir angestrebte Aufgabe lösen will, also die Grenzen der Theorien ableiten will, dann braucht man aber v. a. einen ausreichenden Fundus an Reaktionen, um sich das klar zu machen. Die müsste man sicherlich vorgeben. Außerdem würde ich die SchülerInnen eine Menge Beispielreaktionen dazu machen lassen, denn das wiedergeben einer Theorie ist das eine, die Anwendung eine ganz andere Sache.
Dabei kann man dann z. B. das B.-Konzept auf Calciumoxid anwenden und merkt dabei dann erst, dass das mit Arrhenius eben nicht mehr geht.


Halte ich für eine gute Idee. Auch wenn ich sie aus unten aufgeführten Gründen wahrscheinlich eher nicht aufnehmen werde.



Ich finde die Frage der Zweckmäßigkeit von Theorien oder Modellen sehr spannend, man muss dabei aber aufpassen, dass man nicht bei den SchülerInnen die Haltung erzeugt, dass die alte Theorie Müll ist. Das passiert sehr leicht „Dann war das falsch, was sie uns da erzählt haben?“. Bedeutsam in diesem Zusammenhang finde ich, dass LEWIS und BRÖNSTED ihre Theorie im gleichen Jahr entwickelt oder zumindest publiziert haben. Da lässt es nämlich wirklich fragen, warum sich BRÖNSTED zumindest im Chemiealltag durchgesetzt hat und bei der Lösung von Redoxgleichungen i. d. R. die ARRHENIUS-Theorie genutzt wird, wenn man mit H+ arbeitet.


Das habe ich echt nicht bedacht, da muss ich auf alle Fälle dran denken.


Deshalb noch eine Frage: was soll denn das Ergebnis sein, d. h. welche Vor- und Nachteile erwartest du denn für die einzelnen Theorien?


Ja ja, das waren genau die Dinge die ich noch nicht so durchdacht hatte.


So, nun hatte ich ja heute den Termin mit meinem Dozenten. Wir sind übereingekommen, dass so wie ich mir das bis jetzt vorgestellt habe zu aufwändig ist (für eine viermonatige Examensarbeit). Da ja nicht nur der Hypertext erstellt werden muss, sondern auch die Instrumente(Fragebögen), die den Erfolg des Textes messen sollen. Sowie die entsprechende Aufgabenstellunng. Soll dies alles theoretisch fundiert geschehen, sind dies schon drei Arbeiten.
Also machen wir folgendes:
Ich nehme die CD-Rom zu dem Buch "Basiswissen Schule Chemie Abitur" aus dem Duden-Paetec-Verlag und stelle den Schülern eine Aufgabe, die sie bearbeiten sollen. Gemessen wird dabei im wesentlichen die Darstellung der Inhalte verküpft mit einem Leistungstest.
Die Darstellung gibt insofern viel herr, da sie in gewissen Punkten nicht unbedingt gut gelungen ist, in anderen aber doch. So lässt sich in jedem Fall etwas gutes/fundiertes/interessantes sagen.

Jetzt kommt es natürlich (wie zuvor auch schon) auf die Konstruktion der Aufgabe an. Ich dachte, etwas konkreter, an:

Stelle ausführlich die dir bekannten S/B-Definition dar, und erläutere eventuelle andere wichtige Begriffe die dabei auftreten. Beachte die Stichworte ...

Und was denkt ihr?

Kurzum: Ich mache soetwas wie eine Schulbesuchanalyse mit einer Aufgabe, die die Schüler mithilfe des "Schulbuches" bearbeiten sollen.

MfG

Fabian

BU
02.05.2006, 22:54
Stelle ausführlich die dir bekannten S/B-Definition dar, und erläutere eventuelle andere wichtige Begriffe die dabei auftreten. Beachte die Stichworte ...
Und was denkt ihr?
MfG Fabian

Möglicherweise wäre eine konkrete Frage zu Arrhenius bzw. Brönsted
sinnvoller. Das dient (eher) der Leistungskontrolle.
Die allgemeine Formulierung mit Auswahlmöglichkeiten ähnelt
Fleißaufgaben aus Abiturklausuren bzw. mündlichen Prüfungen.

Muli
09.05.2006, 07:42
Moin Moin...
Ich hab ja meine Examensarbeit über (hausgemachte) Fehlvorstellungen im Bereich der Säuren und Basen geschrieben (diejenigen mit dem Brönstedt/Lowry-Konzept schneiden im Übrigen tendenziell besser an als die mit dem Arrhenius-Konzept) ... und in NDS wurde an einigen Schulen durchaus auch Lewis gelehrt...

Aber was ich eigentlich wollte: Dieses Gegenüberstellen der verschiedenen Theorien fordert u.A. der niederländische Didaktiker de Vos. Könnte ganz interessant werden das zu evaluieren...
Guckst du mal hier:

de vos, Wobbe: "Kontextanalyse der Säuren und BAsenbegriffe", in: chimica didactica, 3/1999, S. 222 - 241

Falls du noch was zum historischen Gang oder zusammengefasst zum theoretischen Hintergrund brauchst, schreib mal ne Mail... dann kann ich dir Ausschnitte aus der Arbeit inkl. Literatur schicken...


LG Muli