PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : beilsteinprobe


nobody
11.04.2002, 20:10
Hallo

was ist die Beilsteinprobe?

FK
11.04.2002, 20:20
Wir glühen ein Stück Kupfer (Draht oder Blech) aus, geben ein wenig Substanz darauf und halten das Ganze in den Bunsenbrenner. Wenn die Substanz Halogene enthält, reagieren diese mit dem Kupfer zu flüchtigen Kupferhalogeniden, die die Flamme blaugrün färben.

Wird gern benutzt, um Halogene in organischen Verbindungen nach zu weisen. Da der Nachweis sehr empfindlich ist, gibt's schon mal falsch positive Reaktionen.

Gruß,
Franz

schlumpf
22.04.2002, 14:30
und entwickelt bei der Gelegenheit massenhaft giftige Dioxine (da gibt es ein Paper von Hopf, ca. 1992, in der Angewandten Chemie)

ist vielleicht nicht mehr ganz up to date, diese Art Analytik ... und nicht unbedingt empfehlenswert

Langfingerli
22.04.2002, 14:35
Die Beilsteinprobe ist in der Schule noch das Normale. Wird jedoch bei einmaligem Vorführen noch keine große Auswirkungen zeigen ;)

Diese Probe wurde schon so manches Mal von Schülern in ihrer Unwissenheit als Hackbeilprobe bezeichnet, so unser Lehrer :rolleyes: :p

schlumpf
22.04.2002, 14:47
Wird jedoch bei einmaligem Vorführen noch keine große Auswirkungen zeigen

wenn du dich da mal nicht täuschst ...

die bei einem Mal freigesetzte Dioxinmenge ist deutlich höher als die erlaubte Jahresdosis. Dies von einem der stärksten bekannten synthetischen Gifte mit starkem Krebsverdacht.


Die Beilsteinprobe ist in der Schule noch das Normale.

Vielleicht, weil die Leute die Literatur nicht kennen oder die Giftigkeit unterschätzen. Unverantwortlich (weil ja vermeidbar) ist es trotzdem.

Die Literaturstellen noch, zum Nachlesen:

The Beilstein Test: An Unintentional Dioxin Source in Analytical and Research Laboratories.
B. M. Scholz-Böttcher, M. Bahadir, H. Hopf
Angew. Chem. 104 (1992) 477-478; Angew. Chem. Int. Ed. Engl. 31 (1992) 443-444

Does the Beilstein Test Generate Dioxins? Yes!
B. M. Scholz-Böttcher, M. Bahadir, H. Hopf
Fresenius Envir. Bull. 1 (1992) 221-225

Adam
22.04.2002, 15:11
Gebe @schlumpf vollkommen recht. Sicherheit und Gesundheit gehen immer vor!


Zitat:
"Beilsteinprobe als Dioxinquelle

Dioxine entstehen am häufigsten dadurch, daß organische Chlorverbindungen bei nicht zu hohen Temperaturen in Gegenwart von Schwermetallen, die als Katalysatoren wirken, zersetzt werden. Diese Bedingungen sind aber auch gegeben, wenn in der üblichen Beilstein-Probe im Chemieunterricht Halogene in organischen Verbindungen nachgewiesen werden sollen. Entstehen auch bei dieser Probe Dioxine?

Im April 1992 wurde erstmalig über entsprechende Untersuchungen berichtet, die an der Universität Braunschweig stattgefunden haben. Die Braunschweiger Chemiker konnten die Vermutung bestätigen. Unabhängig davon, ob sie PVC, Trichlorethen oder Chlorbenzol auf einem Kupferblech verbrannten, in allen Fällen entstanden polychlorierte Dioxine (PCDD's) und Furane (PCDF's) in erheblichen Mengen. Bereits eine einzige durchgeführte Beilstein-Probe kann dazu führen, daß der tägliche Toleranzwert für PCDD/PCDF überschritten wird. Die Forscher empfehlen daher, die Beilstein-Probe in der Laborpraxis ganz zu ersetzen oder sie zumindest immer im Abzug durchzuführen."

Quelle:http://www.chemievorlesung.uni-kiel.de/1992_umweltbelastung/dioxin3.htm

schlumpf
22.04.2002, 15:21
hm ... Tagesdosis? Jahresdosis?

naja, giftig ist es jedenfalls!

FK
22.04.2002, 17:39
Die Beilstein-Probe sollte man schon wegen der "Düfte" im Abzug machen.

Entstehen chlorierte Dioxine nicht auch beim Grillen von Würstchen?


Gruß,
Franz

Adam
23.04.2002, 23:35
Entstehen chlorierte Dioxine nicht auch beim Grillen von Würstchen?

Blos nicht, will dieses WE grillen wenn das Wetter passt :D


.

nobody
24.04.2002, 04:55
Zur Beilsteinprobe als Vorprobe:
nur solange am ausgeglühten Kupfer keine grüne Flammenfärbung zu beobachten ist,kann bei richtiger Durchführung Halogen ausgeschlossen werden.aufgrund der Empfindlichkeit oder bei Anwesenheit von Stickstoffverbindungen muss ein Natriumaufschluß erfolgen und Nachweis der Halogene mit Silbernitrat.
Zum Dioxin:
chlorierte Dioxine und Dibenzofurane scheinen sich wirklich überall gern zu bilden.Aber die Beilstein
-Probe sollte auf jeden Fall im Abzug durchgeführt werden,da meist einiges der Analysensubstanz verdampft.
Beim Grillen kannte ich nur die Benzpyrene als Würzkomponente,aber nicht auszuschliessen,dass Dioxin auch dabein entsteht.
Trotzdem gutes Grillen!
Janus!

crazy_budgie
24.04.2002, 09:13
Beim Grillen kannte ich nur die Benzpyrene als Würzkomponente

Ja, ja, die geben immer so einen netten Beigeschmack, vor allem wenn man sich die Folgen vorstellt... :silly:

Viel Spaß bein Grillen, @Adam :D

MfG CB

schlumpf
24.04.2002, 09:16
Dioxine entstehen immer dann, wenn Chlorid vorhanden ist. Auch bei der Verbrennung von Polyethylen (von wegen: in der Müllverbrennung unschädlich: das ist totaler Unsinn). Ganz besonders gefährlich ist ein Feuerchen mit Treibholz am Strand, vielleicht noch was drin grillen?! hmmmm, lecker ...