PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Malaria - "stand by" oder Prophylaxe?


Lunaris
23.03.2002, 15:14
Hallo...

Will das obige Thema mal zur Diskussion stellen. Prophylaxe heißt ja, man nimmt während der ganzen Zeit, während man exponiert ist und eben auch noch drei bis sechs Wochen danach, Tabletten - meist einmal in der Woche. Man nimmt damit aber auch Nebenwirkungen in Kauf und eine Belastung des Körpers mit Chemikalien, die doch ganz schön heftig sind und vielleicht auch die richtigen Anzeichen verschleppen könnten und damit eine richtige Therapie verzögern. :rolleyes:
Mit "stand by" ist gemeint, man hat die Tabletten mit und nimmt sie dann, wenn man Anzeichen von Malaria hat - sprich Fieberschübe und ähnlich unangenehmen Krams. Was natürlich nicht den Arztbesuch ersetzen soll! Diese Tabletten nimmt man dann über drei Tage hinweg in hoher Konzentration (3x, 2x und 1x)... Vorausgesetzt natürlich man schützt sich anderweitig vor der Mücke (lange Klamotten, Zitronengrascreme oder Autan usw.). :rolleyes:

Nun will ich gerne von Euch wissen, welche Methode ihr vorziehen würdet, unter der Prämisse, daß das Gebiet, in dem ihr seit, nicht hochgradiges Anophelesgebiet ist und damit jede Mücke Überträger ist!

Fröhliches Diskutieren! :D

Lunaris

bm
23.03.2002, 15:37
Nun will ich gerne von Euch wissen, welche Methode ihr vorziehen würdet, unter der Prämisse, daß das Gebiet, in dem ihr seit, nicht hochgradiges Anophelesgebiet ist und damit jede Mücke Überträger ist!

Das Basler Tropeninstitut rät zur "stand by"-Methode.

Astat
23.03.2002, 17:58
Hm, das ist eine schwierige Frage und solltest Du mit einem kompetenten Mediziner diskutieren, falls Du in ein Malaria gefährdetes Gebiet reisen möchtest.
Es kommt sehr speziell bei der Wahl der Medikamente auch darauf an, inwieweit die Chloroquin - oder Mefloquinresistenz (Malariamittel der Wahl) in dem betreffenden Gebiet bereits vorangeschritten ist.

No Regrets
23.03.2002, 18:00
als ich 3 wochen in der DomRep war musste ich täglich Tabletten und zusätzlich einmal die woche eine tablette einnehmen. Zu dem ganzen: Null nebenwirkungen und verträgt sich auch mit Alkohol :angel:

ich war auch in der nähe eines sumpfgebietes untergebracht :D

bm
23.03.2002, 19:46
verträgt sich auch mit Alkohol

seid ja offenbar öfters "versumpft" :

ich war auch in der nähe eines sumpfgebietes untergebracht

Silara
24.03.2002, 11:59
Die "stand-by-Therapie" finde ich persönlich für den Otto-Normal-Verbraucher weniger günstig.
Für diese Art der Medikation ist nämlich erforderlich, dass der Betroffene seine Infektion rechtzeitig bemerkt und seine Arzneimittel zum Einsatz kommen lässt.
Wenn die Fieberschübe jedoch schon da sind, ist es meist für eine Selbstbehandlung schon zu spät (also stationäre Behanlung!)
und den Urlaub kann man dann ja auch vergessen :sad:

P.S.: Die modernen Malariamittel, wie z.B. Malarone haben meines Wissens nach nicht so akute Nebenwirkunen!

nobody
22.04.2002, 18:51
Nach Berichten von Einheimischen in Malaysia und Thailand ist die Stand by lösung am Besten.
Jedoch sollte man darauf achten, dass man sobald man Fieber bekommt ins Krankenhaus geht. Dann kann nichts passieren. Wartet man allerdings einen Tag so klingt das Fieber meist ab und man macht sich keine Sorgen, geht nicht zum Arzt und hat dann den Horror!

Also----->Abwarten u. bei Fieber ins Krankenhaus.


MfG

Halebong.

Lunaris
22.04.2002, 20:58
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist ja eigentlich, daß das Gebiet, wo ich hin will, wahrscheinlich nicht ausgesprochenes Malaria-Gebiet ist. Obwohl sich das ja ganz schnell ändern kann. Ich will aber eventuell in ein Gebiet, das malariagefährdet ist (rotes Gebiet) und das aber dann auch nur für maximal drei Tage! Wegen dieser drei Tage will ich aber nicht ohne Ende Chemikalien futtern :rolleyes: . Deswegen die Frage :)!

Lunaris

ork
22.04.2002, 21:34
Was hast Du gegen Chemikalien?
Wo sind wir denn hier? ;)

Lunaris
22.04.2002, 21:39
Originalnachricht erstellt von ork
Was hast Du gegen Chemikalien?
Wo sind wir denn hier? ;)

:D :D :D ... aber nicht auf Kosten meiner Gesundheit ... :p

Lunaris
02.09.2005, 17:21
Hallo allerseits,

der Countdown zum großen Abenteuer läuft. Für alles ist gesorgt, die Kleinigkeiten werden jetzt erledigt.

Aber eine Frage hab ich doch noch: wenn ich mich einer Malariaprophylaxe unterziehe (übrigens mit Doxycyclin, falls das wen interessiert), sollte ich dann noch für den Fall der Fälle ne Packung Malarone oder Lariam als Notfallmedikament mitnehmen, falls es mich doch erwischt? Oder ist das Nonsense und doppelt-gemoppelt?

Meinungen bitte :) und nicht falsch verstehen: ich nehme auf jeden Fall ne Prophylaxe, bin nur etwas panisch, da das ja nie ne 100% Sicherheit geben kann ;).

Danke,
Lunaris

Godwael
02.09.2005, 20:02
Soweit ich weiß wirkt Lariam nicht wirklich, wenn man schon krank ist. Generell ist es sicher keine schlechte Idee, irgendwas zur Akutbehandlung mitzunehmen. Schaden kanns jedenfalls nicht...

Nesquik
02.09.2005, 20:49
Ich war mal ne weile in Thailand. Vorher war ich beim Arzt, dessen Vater, "TropenArzt", vertrat folgende Meinung:

1. Die Prophylaxe kann Nebenwirkungen hervorrufen die schlimmer sein können, wie Malaria, wenn

2. Malaria direkt diagnostiziert wird, was

3. in diesen Gebieten von den dort ansässigen Ärzten eine "Routinekrankheit" ist.

Fazit: Ist man nicht abseits jeglicher Zivikisation und geht bei den ersten Fieber/Erkältungsähnlichen Anzeichen zu einem Arzt sollte das ganze Malariagetue nicht überbewertewt werden


ODER: Mein Arzt, und sein Vater, waren nicht ganz sauber bzw. chronisch krank, aufgrund ihrer unwissenheit


Mir gehts nach wie vor gut

Siglinde
04.09.2005, 09:42
Hallo Lunaris!
Wohin soll die große Reise gehen?
Wenn du in den sonnigen Süden fliegst, achte bitte darauf, dass Doxycyclin lichtempfindlich macht und du dich der Sonne nicht exponierst.
Die Kapseln oder Tabletten darfst du nie im Liegen einnehmen, weil die Speiseröhre geschädigt werden kann und immer was dazu trinken. Hier darfst du sogar Milch trinken, was normalerweise bei den Tetracyclinen für Wirkungsabschwächung bzw. -aufhebung führt. Bedenke halt, ob du ein paar Wochen lang ein Antibioticum einnehmen möchtest.

Wenn du dich sicherer fühlst, nimm das Loriam (Mefloquin)vorsichtshalber mit.
Sofortige Einnahme bei Fieber (>38,3°) nach der 1. Woche unabdingbar.Nicht abwarten!
Dosierung 15mg/kg!
Ein Problem ist die starke Übelkeit bei oraler Einnahme und die Wahrscheinlichkeit von Neuropsychischen Nebenwirkungen ( 1 : 150 - 200 )
Alpträume, Depressionen, Aggression (bei kleinen Reisegruppen als Prophylaxe z.Bsp. Schiff abzuraten - ...)
Allerdings hat Mefloquin, wenns drauf an kommt ein ziemlich weites Wirkspektrum.

buba
04.09.2005, 13:45
Hier darfst du sogar Milch trinken, was normalerweise bei den Tetracyclinen für Wirkungsabschwächung bzw. -aufhebung führt.
Woher hast du diese Information? Dass ausgerechnet Doxycyclin eine Ausnahme darstellen soll, ist für mich auch aufgrund der chemischen Struktur nicht nachvollziehbar, und in den Fachinfos steht auch ausdrücklich, dass man auf Milch und Milchprodukte 2-3 h vor und nach Einnahme der Tbl. verzichten sollte.



Ich zitiere die Leitlinien der WHO für die Malaria-Prophylaxe und -Therapie (Stand 2001):

* allgemeine Vorbeugungsmaßnahmen:
abdeckende Kleidung, mückensicherer Schlafraum, Anwendung von Repellentien (z.B. Diethyltoluamid)

* Chemoprophylaxe der Malaria-Infektion:
- Gebiete ohne Chloroquinresistenz von Plasmodium falciparum
5 mg/kg Chloroquin (Base) einmal wöchentlich

- bei Chloroquinresistenz von P. falciparum
5 mg/kg Chloroquin wöchentlich + 200 mg Proguanil täglich

- bei hochgradiger Chloroquinresistenz von P. falciparum
250 mg Mefloquin einmal wöchentlich

- bei Chloroquin- und Mefloquinresistenz von P. falciparum
100 mg Doxycyclin täglich

Zeitraum: beginnend 1 Woche vor Einreise in das Endemiegebiet und fortzusetzen bis 4 Wochen nach der Rückkehr

Eine Prophylaxe ist nur bei kurzem Aufenthalt in einem Endemiegebiet möglich. Bei einer längeren Verweildauer empfiehlt sich die Durchführung einer Notfall-Selbsttherapie (Stand-by-Therapie) mittels gut verträglicher Malariamittel. Diese ist bei Verdacht auf eine Malaria-Infektion vorzunehmen, wenn nicht sofort ein Arzt erreichbar ist.

Malaria-Therapie:
- keine Chloroquinresistenz von P. falciparum
Chloroquin 25 mg/kg, verteilt auf vier Einzeldosen innerhalb von 2-3 Tagen

- bei Chloroquinresistenz von P. falciparum
Mefloquin 1,25 (-1,5) g innerhalb von 8 (-16) Stunden (auch als Stand-by-Therapie)
oder
Chinin 0,5 g dreimal täglich für 5 Tage + Doxycyclin 0,1 g zweimal täglich für 7 Tage
oder
Atovaquon 1 g + Proguanil 0,4 g an drei Tagen
oder
Halofantrin 1,5 g mehrere Einzeldosen innerhalb von 12 Stunden

Lunaris
04.09.2005, 14:46
Moin,

Indonesien ist das Ziel und hier auch 2 Monate - also keine Urlaubsreise mit "an-den-Strand-packen-und-nix-tun", daher ist Doxy und Lichtempfindlichkeit eher weniger ein Problem. Meinte auch der Tropenmediziner. Der meinte auch, dass Doxy von Soldaten und AA´lern genommen wird, wenn sie länger in gefährdeten Gebieten unterwegs sind. Weil a) billiger und b) weniger Nebenwirkungen als bei Lariam und Co.
Letztendlich kommt es auf eine sinnvolle Expositionsprophylaxe an und da ist entsprechend vorgesorgt. Wo kein Stich, da auch keine Malaria. Aber so ganz ohne Schutz will ich in ein Hochrisikogebiet doch nicht fahren und nehme dafür auch zwei Monate Antibiotikaschlucken in Kauf. Wenn´s mir damit nicht so gut geht und ich merke, dass eh Trockenzeit ist und ich keine Mücke sehe, dann kann ich das auch eigenverantwortlich absetzen, denke ich.

Naja, mal gucken. Ich werde dann berichten, wenn ich wieder da bin. Bin sehr gespannt!

Gruß,
Lunaris

Siglinde
04.09.2005, 14:52
Hallo buba!
Aus nicht bekannten Gründen sind beim Doxycyclin die Metall-Chelatkomplexe wesentlich weniger stabil als bei den anderen Tetracyclinen: Milch beeinträchtigt die Resorption nicht, kann aber durch ihren Fettgehalt die Resorption sogar fördern. Die therapeutische Anwendung des Ca-Chelats (stabiler!) ist sogar möglich!
Das ist total paradox, aber dies ist eine oft gestellte Prüfungsfrage in der pharm. Chemie und wird hier so gelehrt.
Ich hab im Beipack aber auch gelesen, dass 2 wertige Metalle generell zu vermeiden sind.
Ich werde versuchen, eine seriöse Quelle zu finden.

buba
06.09.2005, 19:58
Hallo Siglinde,
im Kommentar zum Ph. Eur. steht, dass die Resorption von Doxycyclin nicht so stark durch Milch beeinflusst werde wie die anderer Tetracycline. Der Inaktivierungsgrad durch Calciumionen betrage 19-22%. Das scheint mir aber immer noch hoch genug, um gegen eine gleichzeitige Einnahme mit Milch(produkten) zu sein.

Lunaris
07.09.2005, 09:56
zudem steht auf dem Waschzettel vom Doxy, dass man das tunlichst nicht machen sollte. Also die Pillen mit Milch einwerfen... von daher kann ich das locker vermeiden :).

Freitag geht´s los...

Luni, die Flügel gespannt :)

Godwael
07.09.2005, 18:52
:D
Viel Glück. Und wenn du dir trotzdem ne Malaria einfangen solltest: Keine Panik, bei uns wohlgenährten und krankenversicherten Westlern alles halb so schlimm. :D Man sieht auch schöne bunte Lichter, und der Muezzin der Moschee nebenan klingt im Fieberwahn auch sehr lustig...

Lunaris
08.09.2005, 10:34
Hmm, im Hochland von West-Papua von Malaria überfallen zu werden, ist glaub ich trotzdem nicht lustig ;). Ganz abgesehen von anderen Dingen, die man sich wegholen kann. Naja, ich geh mal davon aus, dass mir nix weiter passieren wird :D. Optimistisch wie ich bin...

Luni, schon ein wenig nervös...

buba
08.09.2005, 12:39
Ich wünsch dir eine gute Reise! Komm gesund und munter zurück! ;)