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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unterschiede Polymerisation, Polyaddition, Polykondensation


nobody
13.10.2000, 06:51
Hallo ,

Kann mir jemand die Begriffe kurz erklären, bzw. gibt es ein Schema wann welche Reaktion abläuft ?

Im voraus vielen Dank.

Matthias

nobody
13.10.2000, 10:32
Polymerisation: Überbegriff für alle polymerisierenden Reaktionen.
Addition: Organischer Ausdruck für Aufhebung einer Doppelbindung-->Polyaddition: Polymerisation unter Aufhebung der Doppelbindungen.
Kondensation: Organischer Ausdruck einer Synthese mit Restbildung--> Polykondensation: Polymerisierung unter Abspaltung eines Restprodukts.
Bsp: Nylon (+HCl)

Nightflyer

nobody
13.10.2000, 23:17
Nightflyer hat es gut umrissen.
Nur ein paar Ergänzungen:

Nomenklatur und Einteilung der Begriffe zur POLYMERISATION:

A) Additionspolymerisation = Polymerisation ohne Abspaltung niedermolekularer Produkte.
Bsp.: Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol (PS)usw..

A1) Additionspolymerisation als Kettenreaktion.
Verfahren zur Verknüpfung einer Vielzahl (gleicher) monomerer Moleküle mittels Aufspalten von Doppelbindungen, ohne Abspaltung von niedermolekularen Produkten und ohne Wasserstoffwanderung. Bedingung: Die Monomere müssen entweder aus ungesättigten Stoffen mit C=C-Doppelbindungen oder aus Heterocyclen bestehen. Dazu gibt es folgende Untergruppen:
A1a) Radikalische Polymerisation
A1b) Anionische Polymerisation
A1c) Kationische Polymerisation
A1d) Stereospezifische Polymerisation


A2) Additionspolymerisation als Stufenreaktion (Polyaddition, veralteter Ausdruck). Bsp.: Epoxidharz (EP), Polyurethan (PUR) usw..
Es werden mind. 2 unterschiedliche Monomere angewendet. Bei jedem Reaktionsschritt wandert ein aktives H-Atom von einem zum anderen Reaktionspartner ohne Abspaltung von Nebenprodukten.

---
B) Kondensationspolymerisation (Polykondensation, veralteter Ausdruck). Bsp.: Polyamid (PA), Polycarbonat (PC), Phenolformaldehyd (PF)=Duroplast usw..
Es werden (meist 2 verschiedene) Monomere unter Abspaltung eines niedermolekularen Stoffes miteinander verknüpft. Monomere mit 2 funktionellen Gruppen bilden kettenförmige, solche mit drei oder mehr funktionellen Gruppen räumlich vernetzte Kondensationspolymere=Duroplaste. Jede einzelne Verknüpfungsreaktion geschieht unabhängig von den anderen; genauso wie die Additionspolymerisation als Stufenreaktion ist die Kondensationspolymerisation eine Stufenreaktion.

Mehr Infos ?

nobody
16.10.2000, 12:02
Aber immer doch.......http://www.chemieonline.de/forum/smilies/smile.gif

hippie
16.10.2000, 16:53
Das ganze kann man auch etwas einfacher erklären:

bei einer polymerisation werden monomere mit C=C zweifachbindung unter aufspaltung der zweifachbindung zu einem makromolekül verknüpft:

...= + = + = + =... ->...------------...


bei einer polykondensation werden monomere unter abspaltung von wassermolekülen zu einem makromolekül verbunden:

...H[]H + HO[]OH + H[]H + HO[]OH... ->
...[][][][][][][][]... + H2O

bei einer polyaddition werden monomere unter verschiebung von wasserstoffatomen zu einem makromolekül verknüpft:

...[] + H[]H + [] + H[]H... -> ...H[][][]HH[][][]HH[]...

------------------
Es gibt Probleme, die löst man am besten in HCl

[This message has been edited by hippie (edited 16-10-2000).]

nobody
16.10.2000, 21:25
Hippie's gute Vorlage umgesetzt an Kunststoffbeispielen und gleichzeitig etwas mehr Information für Nightflyer:

Die POLYMERISATIONSREAKTIONEN an praktischen Kunststoffbeispielen:

I) ADDITIONSPOLYMERISATION ALS KETTENREAKTION:
(früher Polymerisation genannt)

Viele CH2=CH2 -----> -[-CH2-CH2-]-n
(Ethylen) -----> (Polyethylen)

II) KONDENSATIONSPOLYMERISATION:
(früher Polykondensation genannt)

Viele NH2-C6-NH2 + viele HOOC-C4-COOH
("Diamine") + ("Disäuren")


-----> -[-NH-C6-NH--CO-C4-CO-]-n + H2O n
(Polyamid) (Wasser)


III) ADDITIONSPOLYMERISATION ALS STUFENREAKTION
(früher Polyaddition genannt)


O=C=N-Isocyanat-N=C=O O=C=N-Isocyanat-N=C=O
HO-Dialkohol-OH
(Je ein H-Atom vom Dialkohol wandert jeweils zum N eines Isocyanats)

Daraus entsteht dann:

-[-CO=N-Isocyanat-NH-CO-O-Dialkohol-O-CO-NH-Isocyanat-N=CO-]-
Polyurethan

nobody
06.11.2000, 14:32
Hier noch ein Link zum Thema:
http://www.chemieunterricht.de/dc2/wsu-teok/kap_0512.htm

nobody
10.01.2004, 16:11
Ich habe mal eine Frage bzgl. des Mechanismus der Addition, da mir dieser nicht ganz klar ist. In meinem Buch steht folgendes:

Die Bildung der Polymermoleküle erfolgt, wie bei der Polimerisation, durch fortgesetzte Addition. Im Gegensatz zu der vorherigen Kondensation entstehen aber keinerlei Nebenprodukte. Bei einer Polyaddition werden keine gleichen, sondern verschiedenartige Moleküle umgesetzt. Diese haben zumindestens Bifunktionell zu sein.
Kennzeichnend für diese Art der Reaktionen ist die Übertragung von Protonen im entstehenden Polymermolekül von der einen Monomerart zur Anderen.

--

An sich ist dieser Text ja halbwegs verständlich, nun soll diese Reaktion am Beispiel eines Polyurethans erklärt werden, ich versuche einmal die Zeichnungen wiederzugeben, so gut es halt geht.

Bildung eines Polyurethans

a) Diisocyanat

O=C=N-[CH2]n-N=C=O

2x H-O-[CH2]n-O-H

->

O=C-N[CH2]n-N-C=O
| | | |
O-[CH2]n-O H H O-[CH2]n-O

b) Wasserzugabe führt zur Schaumbildung

R-NCO+H2O -> R-NH2 + CO2

Frage:

Mir ist nicht klar, WESHALB die Protonen des Diols nun an den Stickstoff angelagert werden. Dass der Kohlenstoff nun eine Bindung zum Sauerstoff ausbildet ist ja klar, wäre er nicht 4-bindig, dann würde der Kohlenstoff eine positive Ladung aufweisen.
Somit bliebe nur noch die Frage nach den Protonen über, damit ich diesen Mechanismus in meinen Kopf kriege.

Pauni
10.01.2004, 18:02
Schau mal auf www.ictos.tugraz.at . Dort findest du unter Students ein Skript zum Thema Polymersynthese, das deine Fragen sehr ausführlich beantwortet.

nobody
10.01.2004, 19:59
Danke für den Tipp, ich werde mich da mal umschauen und mir das richtige Script raussuchen. Scheint ja einiges an Infos zu beinhalten :)

nobody
16.12.2004, 10:52
Hallo!

Ich hatte genau die gleiche Frage, warum sich die Protonen bei der Addition von Diol an Isocyanat ans N bindet und nicht ans O, das könnte doch genauso gut sein. Von den EN-Werten her, doch sogar noch wahrscheinlicher.
Das habe ich in den Skripten auf www.ictos.tugraz.at auch nicht gefunden.
Weiß da jemand etwas drüber

Gruß Manuel