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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Harnstoff Synthese


Kutti
05.08.2000, 13:54
Hallo Leute, wie schon angekündigt bin ich ja neu. Ich habe da mal eine Frage: Kann mir irgendjemand mal eine Anleitung zur Synthese von Harnstoff mailen oder schreiben.

Würde mich echt freuen !
Vielen Dank im voraus

nobody
05.08.2000, 19:32
Am einfachsten läßt sich Harnstoff aus Phosgen und Ammoniak herstellen. Ich vermute aber, dass Du nicht an Phosgen herankommst, oder?

Wäre aber sehr einfach durchzuführen (bei -7°C, Gaseinleitung). Ich würde aber lieber nicht mit Phosgen arbeiten (sehr giftig), vielleicht kennt jemand eine bessere Methode?

Harnstoff ist übrigens die erste "organische" Verbindung, die hergestellt wurde. Es gelang 1828 dem Chemiker Wöhler und er war darüber sehr erstaunt, dass es ihm gelungen war, eine organische Substanz ohne die geheimnisvolle "Lebenskraft" herzustellen, die - nach damaliger Meinung - organische Substanzen brauchen. Er verwendete dazu das Salz Ammoniumcyanat.

Kutti
06.08.2000, 09:26
Danke Dirk, das mit dem Phosgen habe ich auch schon mal gehört aber das geht nicht, weil ich 1. keinen Abzug habe und zweitens an das Zeug nicht rankomme. Es müsste doch aber noch eine andere Möglichkeit geben ?
Wißt ihr noch eine Alternative Herstellungsmöglichkeit ?

Vielen Dank mal

MfG
C. Kuttruff

CO-Mertens
06.08.2000, 10:00
Du könntest den gleichen Weg gehen wie Wöhler.

Versuch 1: Harnstoffsynthese nach Wöhler

Geräte:
Bunsenbrenner, Dreifuß, Keramikdrahtnetz, Porzellanschale (Durchmesser etwa 10 cm), Becherglas (50 ml), Reagenzgläser, Waage.

Chemikalien:
Kaliumcyanat (Xn), Ammoniumchlorid (Xi), dest. Wasser.

Durchführung (Schutzbrille):
Hinweis: Bei dem folgenden Versuch darfst du die Mischung nicht völlig zur Trockne eindampfen, da sich sonst anstelle von Harnstoff ausschließlich Biuret bildet!

Löse in dem kleinen Becherglas 1,5 g Kaliumcyanat und 1 g Ammoniumchlorid in 10 ml destilliertem Wasser. Die Lösung gibst du in das Porzellanschälchen und dampfst sie langsam ein. Achtung, zum Schluß (kurz vor der Trockne) fängt die Mischung an zu spritzen, deshalb Schutzbrille tragen. Wenn die Mischung anfängt zu spritzen, stellst du den Brenner zur Seite und rührst den Kristallbrei noch etwas um. Die Masse darf nicht völlig trocken werden! Lasse danach abkühlen.


Zu diesem Thema habe ich noch einen Auszug eines Briefes von Wöhler an Berzelius:

Berlin, 28 Februar 1828

Lieber Herr Professor!

Obgleich ich sicher hoffe, daß mein Brief vom 12. Januar und das Postskript vom 1. Februar bey Ihnen angelangt sind und ich täglich oder vielmehr stündlich in der gespannten Hoffnung lebe, einen Brief von Ihnen zu erhalten, so will ich in doch nicht abwarten, sondern schon wieder schreiben, denn ich kann, so zu sagen, mein chemisches Wasser nicht halten und muß Ihnen sagen, daß ich Harnstoff machen kann, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein Thier, sey es Mensch oder Hund, nöthig zu haben. Das cyansaure Ammoniak ist Harnstoff. Vielleicht erinnern Sie sich noch der Versuche, die ich in der glücklichen Zeit, als ich noch bey Ihnen arbeitete, anstellte, wo ich fand, daß immer, wenn man Cyansäure mit Ammoniak zu verbinden sucht, eine krystallisirte Ssubstanz entsteht, die sich indifferent verhielt und weder auf Cyansäure noch Ammoniak reagierte. Beim Durchblättern meines Journals fiel mir dies wieder auf, und ich hielt es für möglich, daß durch die Vereinigung von Cyansäure und Ammoniak die Elemente, zwar in derselben Proportion, aber auf eine andere Art zusammentreten könnten und hierbey vielleicht z.B. eine vegetabilische Salzbase oder etwas Ähnliches gebildet werden könnte.
...
Das vermeintlich cyansaure Ammoniak erhielt ish sehr leicht durch Behandlung von cyansaurem Bley mit kaustischem Ammoniak. Man erhält es auch mit cyansaurem Silber und Salmiak. Ich bekam es in Menge schön krystallisiert, und zwar in klaren, rechtwinklig 4seitigen Säulen. Mit Säuren entwickelte es keine Kohlensäure oder Cyansäure und mit Kali keine Spur von Ammoniak. Aber mit Salpetersäure gab es eine in glänzenden Blättern leicht kristalliesierende Verbindung, mit sehr sauren Charakteren, die ich schon für eine neue Säure zu halten geneigt war, da sie beym Erhitzen keine Salpeter- oder salpetrichte Säure, sondern viel Ammoniak enwickelte, als ich fand, daß sie beym Sättigen mit Basen salpetersaure Salze und das ursprüngliche sogenannte cyansaure Ammoniak wieder gab, das sich durch Alkohol ausziehen ließ. Nun war ich au perfait, und es bedurfte nun weiter Nichts als einer vergleichenden Untersuchung mit Pisse-Harnstoff, den ich in jeder Hinsicht selbst gemacht hatte, und dem Cyan-Harnstoff. Wenn nun, wie ich nicht anders sehen konnte, bey der Zersetzung von cyansaurem Blei durch Ammoniak kein anderes Produkt als Harnstoff, entstanden war, so mußte endlich, zur völligen Bestätigung dieser paradoxen Geschichte, der Pisse-Harstoff genau diesselbe Zusammensetzung haben, wie das cyansaure Ammoniak. Und dies ist in der That, nach Prouis Analyse der Fall, nach welcher Harnstoff ist 4 N + 2 C + 8 H + 2 O das heißt, cyansaures Ammoniak mit einem Atom Wasser.
...
Dies wäre also ein unbestreitbares Beispiel, daß zwei ganz verschiedene Körper dieselbe Proportion von denselben Elementen enthalten können, und daß nur die ungleiche Art der Vereinigung die Verschiedenartigkeit in den Eigenschaften hervorbringt.
...
Diese künstliche Bildung von Harnstoff, kann man sie als ein Beispiel von Bildung einer organischen Substanz aus unorganischen Stoffen betrachten ?


Den kompletten Brief und die Antwort findest Du bei http://www.chemieunterricht.de/dc2/tip/brief.htm


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Sascha Mertens
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