Hallo an alle!
als organiker beschäftigt man sich heutzutage fast ausschliesslich mit chiralen verbindungen. zwangsläufig stellt sich die frage:
woher kommt eigentlich die chirale info?
nun sie kommt bei uns auf der erde von den enzymen (in der natur) oder von chiralen katalysatoren (die auch aus naturstoffen abgeleitet sind, z.B: chirale oxazoline werden ausgehend von aminosäuren synthetisiert).
doch woher kommt das ursprungsmolekül, dessen chirale info z.b. auf enzyme im verlauf des evolutionsprozesses übertragen wurde??
ich habe letztens eine theorie gelesen, das neutronensterne mit ihrem gerichteten magnetfeld in der lage wären, bevorzugt nur ein enantiomer einer chiralen verbindung zu bilden, welche dann durch meteoriten oder ähnliches auf die erde gelangte.....stimmt das??
was haltet ihr davon??
gruß henry
bm
24.01.2002, 14:18
http://www.wort-und-wissen.de/sij/sij81-10.html
Schlussfazit :
"Die Frage nach dem Ursprung der Homochiralität ist weit davon entfernt, beantwortet zu sein."
Die Frage ähnlet jener :
Warum ist in unserem Universum nur Materie, keine Antimaterie zu finden?
Vielleicht ist alles Antimaterie? Und es gibt keine Materie?
Godwael
24.01.2002, 14:43
doch woher kommt das ursprungsmolekül, dessen chirale info z.b. auf enzyme im verlauf des evolutionsprozesses übertragen wurde??
Naja, RNA ist chiral, weil in sich "racemische" RNA nicht zuverlässig repliziert werden könnte. Dasselbe gilt für DNA. Was nicht zuverlässig repliziert wird, stirbt aus.
Die Entscheidung zwischen D- und L-Form halte ich für eine historische fifty-fifty-Chance.
Das ist - meiner Meinung nach - wesentlich weniger esoterisch als die ganzen Zusatzannahmen, die man braucht, um einen deutlichen präbiotischen Enantiomerenüberschuß zu erklären...
nobody
24.01.2002, 14:48
@Henry: Zufällig habe ich vor ca. einer Woche einen GdCh-Vortrag zum Thema Chiralität gehört, Referent war Prof. Dr. Henri Brunner (Schüler von E. O. Fischer) von der Uni Regensburg. Er hat auch ein Buch über Chiralität in Kunst, Natur, Technik und Chemie veröffentlicht. Auf der Homepage (http://www.chemie.uni-regensburg.de/Anorganische_Chemie/index.html) seines Arbeitskreises befindet sich auch eine chirale Galerie.
Die Ursachen, warum z. B. Aminosäuren (fast) nur linksdrehend in der Natur vorkommen ist nicht geklärt. Chiralität im All ist noch nicht untersucht, aber die GC-Anlage in der neuesten Sonde soll wohl dazu in der Lage sein. Wir dürfen also gespannt sein.
Letztendlich sind ja alle stabilen Kerne Endprodukte irgendwelcher Zerfallsreihen, von daher wird auch ein Zusammenhang zwischen Chiralität und dem Spin von <font class="serif">β</font>-Teilchen und Antineutrinos diskutiert. Irgendwo in Norditalien sitzen wohl ein paar Physiker in den Bergen und versuchen irgendwelche Teilchen einzufangen...
Mehr kann ich Dir auch nicht erzählen, aber Prof. Brunner freut sich mit Sicherheit über Korrespondenz zum Thema Chiralität (hat er sogar gesagt).
minutemen
24.01.2002, 14:51
wenn ich mich noch richtig erinnere, habe ich in der angewandten mal einen artikel dazu gelesen, der dies mit chiraler induktion & verstärkung bzw. einem winzigen energetischen unterschied der R- zur S-konformation erklärt. im lit.-anhang zu bm's link ist ein artikel verzeichnet (Feringa & van Delden, absolute asymmetrische synthese: ursprung, beeinflussung und verstärkung von chiralität. Angew. Chem. 111 (1999), 3624-3645), der klingt mir ganz nach diesem artikel. schau mal nach!