Wenn Fehling I und Fehling II bei der ( ihr habts erraten) Fehlingprobe einen Komplex bildet, dann bildet sich dieser aus dem Kupfer und dem Segniettesalz (K-Na-Tatrat). Soweit ich weiß handelt es sich dabei um einen Chelatkomplex. Meine Frage wäre daher, ob K-Na-Tatrat ein zwei- oder dreizähniger Ligand ist. Ich habe bereits beides in Büchern gefunden.
Im Vorraus schonmal Danke für die Antworten.
minutemen
24.04.2001, 08:57
weinsäure besitzt zwei OH & zwei COOH-gruppen, die als liganden fungieren können - ist mithin vierzähnig. ob er im cu-komplex auch als vierzähniger ligand auftritt, ist eine andere frage, deren antwort ich so spontan leider nicht aus dem hut zaubern kann.
nobody
24.04.2001, 11:43
Ich dachte bei der Fehlingprobe geht Cu einen hydroxy-komplex ein; zuerst bildet sich mit den Hydoxidionen das schwerlösliche Cu(OH)2 welches durch stärkere Hydroxidionen Zugabe in das Dunkelblaue, leichtlösliche Cu(OH)42- umlagert das aufgrund seiner negativen Ladung mit dem Tartrat keinen Komplex mehr eingehen kann............
Grüße
Thomas
FK
24.04.2001, 16:40
Hi!
Tetrahydroxocuprat bildet sich nur bei extrem hohen OH- -Konzentrationen (ohne Tartrat!). Tartrat ist ein wesentlich besserer Komplexbildner, dagegen hat OH- keine Chance.
Zur Zähnigkeit: ich habe gerade mit dem Minit-Baukasten ein Tartration gebastelt.
Man kriegt nur zwei Bindungsstellen gut an das Zentralion. Dann gibt's einen planaren Chelatring. Versucht man's mit dreien oder vieren, wird es arg verzerrt, sehr schiefe Winkel und große Abstände. Kupfer-(II) bevorzugt ja eine quadratisch-planare Anordnung der Liganden. Oktaedrische Komplexe sind auch möglich, aber wenig stabil, da das Oktaeder sehr in die Länge gezogen ist (wenn's Dich interessiert, warum: schau mal unter "Jahn-Teller-Effekt" nach).
Gruß,
Franz
nobody
24.04.2001, 18:43
Aha, danke;
aber das was am anfang so wolkige Schlieren bildet ist Kupferhydroxid, das dann den Tatrat-komplex eingeht, oder?
Grüße
Thomas
FK
24.04.2001, 19:02
Hi!
Könnte sein, dass beim Mischen der Lösungen, bevor Alles homogen ist, kurzzeitig etwas Kupferhydroxid ausfällt. Übrigens, auch ohne Tatrat bekommt man eine klare, tiefblaue Mischung, vorausgesetzt, es ist genug Zucker vorhanden (fungiert selbst als Chelatbildner).
Versetze mal Kupfersulfat + Glycerin mit NaOH und sieh zu, was passiert....
Gruß,
Franz
Duke
24.04.2001, 20:41
Ersteinmal Daumen hoch für die vielen Antworten. eine Frage hätte ich noch an FK: Was versteht man unter einem Minit-Baukasten ? Ist das einfach son Teil, aus dem man sich die Moleküle zusammenschrauben kann?
Thx & Cu
hippie
24.04.2001, 21:06
ja, mit einem minit-baukasten kann man sich moleküle zusammen stecken.
die atome sind kleine kugeln mit "stacheln", für jede mögliche bindung eine, und die bindungen kleine güne röhrchen oder flexible gummiröhren.
FK
25.04.2001, 16:28
Ja, das Ding ist sehr hilfreich....gab's beim Verlag Chemie, Weinheim/Bergstraße. Die heißen zwar jetzt Wiley-VCH, aber ich denke, den Kasten gibt es immer noch dort.
Gruß,
Franz
No Regrets
25.04.2001, 16:54
Ja sie gibt es hier (http://www.wiley-vch.de/books/tis/ger/3-527-10010-5.html) und bei Amazon (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3527100105/chemieonline)
Hier (http://www.wiley-vch.de/cgi-bin/BD/bd.pl?bdno=vch_g&p=3&pid=988214468_46559&sf=fu&lan=ger&a1=KW:_Anorganische_Chemie&hit=/books/tis/ger/3-527-10078-4.html) noch der Grossbaukasten Organische und Anorganische Chemie :
Allerdings find ich die Teile viel zu teuer für ein paar Strohhalme und Plastiknöppel http://www.studenten-city.de/forum/smilies/madanimate.gif außerdem gehen die Bindungen schnell kaputt http://www.studenten-city.de/forum/smilies/frown.gif
N00b
14.08.2002, 18:15
Warum ist die Fehling-Lösg. blau?
Hinweis: Wir habe gerade über Salze von Carbonsäuren gesprochen und dazu gehören auch die Salz der Weinsäure
(Kaliumnatriumtartrat->Fehling1).
Was das mit der Farbe der Fehling-Lösg. zu tun hat weiß ich auch noch nicht, aber damit haben wir unsere letzten Unterrichtstunden verbracht ( und da sich HAn i.d.R. auf den behandelten Stoff beziehen...). Ich glaube also, eine Antwort in Richtung Absorptionsvorgänge würde zu weit gehen, eher so etwas wie, "... absorbiert gelb."
FK
14.08.2002, 18:20
Originalnachricht erstellt von
Warum ist die Fehling-Lösg. blau?
Sieh Dir mal die Zusammensetzung an (oder lies einfach mal die Postings da oben), dann kommst Du schon dahinter...
Gruß,
Franz
N00b
14.08.2002, 18:32
Übrigens, auch ohne Tatrat bekommt man eine klare, tiefblaue Mischung, vorausgesetzt, es ist genug Zucker vorhanden (fungiert selbst als Chelatbildner).
Chelate sind blau?
Dunkelblaue, leichtlösliche Cu(OH)42-
Bestimmte Kupfverbindungen sind blau?
Sieh Dir mal die Zusammensetzung
Also duch blosse Kenntnis der Struktur kann ich leider keine Aussagen über die Farbe eines Stoffes treffen !
buba
14.08.2002, 18:46
Nicht alle Chelate sind blau, aber die meisten Kupfersalze sind blau oder grünlich.
Adam
14.08.2002, 19:34
Ich glaube also, eine Antwort in Richtung Absorptionsvorgänge würde zu weit gehen, eher so etwas wie, "... absorbiert gelb."
Diese Aussage, das speziell in der Fehlingschen Lösung das Zentralatom an zwei dreizahnige Liganden gebunden (an je zwei Hydroxyl- und je eine Carboxylgruppe) wird habe ich im übrigen auch gefunden, dann aber mit Lektüre dieses Threads verworfen.
nobody
15.08.2002, 11:18
Auf S. 172 im neuesten Kunze ist das Ditartratocuprat-II eingezeichent. KZ:6 ...2 Liganden die jeweils über 2 Hydroxylgruppen und über eine Carboxylgruppe gebunden sind.
Das Tartrat dient tatsächlich zur Komplexierung des Kupfers...habe auch schon mehrmals gelesen das es die Ausfällung von Cu(OH)2 verhindern soll.
Tatsächlich verstärkt sich aber die blaue farbe bei zugabe von "Fehling II" zu "Fehling I + Zuckerlösung". Bei Zugabe von "fehling II" zu "Fehling I und ethanal" tritt sie sogar erst auf.
Zumindest habe ich mir das mal notiert.
Das würde natürlich gegen einen stabilen Tartrat Komplex sprechen falls dieser farblos ist..ich vermute aber mal das der komplex höchstwahrscheinlich ebenfalls blau ist.
Die Frage warum Tartrat überhaupt so wichtig ist wurde bereits mal in einem anderen thread in diesem forum gestellt.
Ich hatte da die theorie das die Cu2+ Ionen verminderung durch komplexbildung die reduktion erschwert und damit das Cu2+ nur bis zum roten Cu2O reduziert wird.
Könnte das richtig sein ?
Zur Farbigkeit der Komplexe...aus der Struktur alleine lässt sich nie eine aussage über die farbigkeit machen...Zentralatom und Ligand müssen natürlich auch analysiert werden.
Das [Cu(OH)4]2- sollte aufgrund eines d-d Überganges farbig sein....oder haben wir da vielleicht eine Metall-Ligand CT Absorption ? Auf jeden Fall wird energiearmes gelbes Licht absorbiert, da die Aufspaltung durch den Pi Donator OH- nur klein ist.