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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Auflösen" von Wolken


Langfingerli
15.12.2001, 19:57
Hallo,
ich habe vor kurzem über einen Menschen gelesen, der mit seinem Flugzeug über die Wolken fliegt und diese "auflöst". Könnte mir vielleicht jmnd. sagen, welche chemische Verbindung Wolken auflöst :confused:
Ich hoffe, die Frage ist klar

mfG

Konstantin

bm
15.12.2001, 20:28
mit Silbernitrat angeimpft.

MFJ
15.12.2001, 21:56
Hat man auch schon mit Trockeneis probiert. In beiden Fällen fängt es natürlich zu Regnen an...

No Regrets
15.12.2001, 22:06
Originalnachricht erstellt von bm
mit Silbernitrat angeimpft.

ich hatte Silberiodid in erinnerung

hippie
15.12.2001, 22:56
Also mein TIMELIFE Meteorologiebuch von 1965 sagt auch Silberiodid.

bm
15.12.2001, 23:46
AgJ wars.

nobody
16.12.2001, 01:43
Warum gerade Silberiodid?

nobody
16.12.2001, 04:23
habe unlaengst einen bericht gesehn wo ein pulver verwendet wurde, das hygroskopisch ist, geliert und enorm an volumen zunimmt.

die wolke batzt dann sozusagen als pudding auf die erde =)

was das allerdings genau fuer eine verbindung war wurde natuerlich nicht preisgegeben.

FK
16.12.2001, 12:00
Originalnachricht erstellt von D4vE
die wolke batzt dann sozusagen als pudding auf die erde


Das würde ich mir sehr gerne mal aus sicherer Entfernung ansehen...
am Besten noch etwas grünen Lebensmittelfarbstoff zufügen....am nächsten Tag steht's in der BILD-Zeitung "Riesen-Waldmeisterpudding vom Himmel gefallen" :D



Übrigens: Sinn des "Auflösens" von Wolken könnte auch sein, die Wolken OHNE Regen verschwinden zu lassen. Wie würde man das machen?



Gruß,
Franz

No Regrets
16.12.2001, 15:53
Aus: Zittergas und Schräges Wasser; David E.H. Jones; Verlag Harri Deutsch

Laser gegen Wolken
Das Wetter, insbesondere der Regen, ist ärgerlicherweise noch nicht unter menschlicher Kontrolle. Selbst mit der sorgfältigsten Wolkenimpftechnik kann man den Regen nicht an einen präzisen Ort lenken. Daedalus gedenkt, diesen technologischen Mangel zu beheben und merkt an, daß, wenn man ein Elektron aus einem Wolkentröpfchen entfernt, dieses mit einer positiven Ladung zurückbleiben würde. Das frei gewordene Elektron dringt schnell in ein benachbartes Tröpfchen ein, das eine entsprechende negative Ladung erhielte. Die zwei Tröpfchen rasen aufgrund ihrer elektrostatischen Anziehung aufeinander zu und verschmelzen miteinander. Wird dieser Vorgang inner- halb einer Wolke andauernd wiederholt, werden die Tröpfchen durch den Verschmelzungsprozess nach und nach größer, bis sie als Regen aus der Wolke fallen. Eine naheliegende Methode, Elektronen aus den Wolkentröpfchen zu entfernen, ist der Gebrauch des Photoeffekts; Daedalus schätzt, daß ultraviolettes Licht von 100 nm Wellenlänge oder weniger für diesen Vorgang energetisch ausreichen sollte. Außerdem sind (verglichen mit der Anzahl der Photonen in einem UV-Strahl) nur wenige Tröpfchen in einer Wolke, so daß schon etwa ein Watt Strahlungsleistung ausreichen sollte. Damit ist die DREADCO-Präzisions-Wettermaschine einfach ein gegen den Himmel gerichteter, kleiner, lenkbarer UV-Laser. Schließlich sollte das düstere englische Klima gezähmt werden. Von geschlossener Wolkendecke bis zu vereinzelter Bewölkung, immer wird es den Bauern möglich sein, den Himmelsabschnitt freizuhalten, der genau über ihren Feldern liegt. Besonders bei feierlichen Versammlungen oder bedrohten Gartenparties könnte die betroffene Gegend von einem nahenden Sturm freigehalten werden; er würde zu einem geeigneten Kanal oder Reservoir gelenkt, und die Party bliebe knochentrocken: das Unwetter tobt durch die weitere Umgebung. Ein zweiter auf die Sonne gerichteter Laser bohrt ein Loch mit genau dem richtigen Durchmesser durch die dunkle Wolkendecke, um die Zeremonie in einem exakten Sonnenspot zu baden. Auf diese Weise in die Wolkendecke geschnitzte Kreise und Rechtecke sähen reichlich eigentümlich aus, aber Turbulenzen werden sie schnell verwirbeln, so daß die Wettergesellschaften, die im Windschatten liegen, den- selben Trick von neuem anwenden können. Diese neue Form einer Himmelsschrift würde es sogar möglich machen, Bekanntmachungen, politische Parolen und Texte aller Art vorübergehend in die tiefhängenden Wolken zu gravieren. Aber die sintflutartigen Regengüsse, die auf den unweiten Beobachter einstürzen, mögen seinen Enthusiasmus für so auffällig angepriesene Produkte und Einsichten entscheidend dämpfen.
(New Scientist, 4. Dezember 1980)


Aus Daedalus Notizbuch:
Ein Photon dieser Strahlung sollte nach der Theorie des Photoeffekts ein Elektron aus einem Tröpfchen entfernen. Praktisch funktioniert das auch – z.B. bei Milikans klassischer Bestimmung von e mit Tröpfchen, die durch Strahlung aufgeladen wurden. Die erste Ionisierungsenergie von Wasser ist 12.56 eV, d.h. I = 12.56e = 2.0 * 10–18 J, daher können Elektronen aus dem Wassermolekül durch eine Strahlung mit genau der Frequenz µ= l/h = 3 x 1015 Hz entfernt werden, das entspricht einer Wellenlänge <font class="serif">&lambda;</font> = c/µ= 100 nm, also im UV-Bereich.

Welche Intensität einer solchen UV-Strahlung braucht man, um eine Wolke zu kondensieren?

Gehen wir davon aus, daß eine typische Wolke durch Abkühlen wassergesättigter Luft von 20°C (dabei kann sie etwa 0.017 kg/m3 Wasserdampf aufnehmen) entsteht. Das überschüssige Wasser, das zu den Wolkentröpfchen kondensiert, beträgt dann M = (0.017 – 0.009) = 0.008 kg/m3 . Wenn die Tröpfchen (sagen wir) 3 µm groß sind (d.h. r = 1.5 x 103 m) und eine Dichte von p = 1000 kg/m3 haben, dann hat jedes Tröpfchen m = 4 r3 <font class="serif">&pi;</font> /3, und die Anzahl der Tröpfchen pro Kubikmeter innerhalb der Wolke ist:


n = M/m
= 3 M/4<font class="serif">&pi;</font> r3 <font class="serif">&rho;</font>
= 3 x 0.008/(4 * <font class="serif">&pi;</font> * (1.5 * 10-6 )3 * 1000
<font class="serif">≈</font> 5 * 10-11 l/m3 .



Jedes ultraviolette Photon, das ein Tröpfchen trifft, schießt ein Elektron auf ein anderes Tröpfchen, was eine Fusion der beiden Tröpfchen zur Folge hat. Damit wird die Anzahl der Tröpfchen in der Wolke um 1 verringert. n Photonen pro Kubikmeter werden daher alle Tröpfchen vereinen und die Wolke vollständig auflösen. Bei einem Strahlungsfluß von Cn Photonen in der Sekunde werden in jeder Sekunde C Kubikmeter Wolke verflüssigt. Wenn jedes Photon die Energie I hat, dann ist die erforderliche Strahlungsleistung für dieses Kunststück:


P = CnI
= 105 * 5 * 1011 * 2 * 10-18
= 0.18 W !



Selbst wenn man geringere Ausbeuten annimmt, werden schon ein paar Watt enorme Wolkenmengen verflüssigen.


http://mod.chemieonline.de/no_regrets/Zittergas_335.jpg

Welche Regenmenge kommt heraus?
Angenommen, wir richten unser Laserlicht als Flächenstrahl mit einer Weite von l00 m aufwärts, und die 100 m breite Wolke zieht mit einer Geschwindigkeit v=10 m/s vorbei. Dann erreicht der Strahl nach obigen Annahmen C = 105 m3 /s an Wolkenmasse und verflüssigt sie zu einem 100 m langen Regenstreifen von (sagen wir) 1 m Breite, d.h. der stimulierte Regenfall ist auf eine Fläche von A=100 * 1=100 m2 begrenzt. Der Regen, der auf die Fläche fällt, hat ein Volumen V = CM/r, d.h. bei gleichmäßiger Verteilung ist:



x = V/A
= 105 * 0.008/(1000 * 100)
= 0.008 m/s
= 8 mm/s.



Ein ganz schöner Wolkenbruch! Mit Sicherheit kann diese Technik zum Auffüllen von Reservoirs, Kanälen usw. angewandt werden. Mit exakter servogesteuerter Zielvorrichtung kann man auch die Feuerbekämpfung um vieles vereinfachen.

No Regrets meint dazu: sollte man mal ausprobieren ;)

MFJ
16.12.2001, 17:12
Ist sicher auch für die Kriegsführung recht praktisch, man kann jede Wolke vor dem Feindesland abregnen lassen, oder eine "Sintflut" produzieren...Ob diese Überlegungen also wirklich so toll sind, bleibe dahingestellt... :rolleyes:

FK
16.12.2001, 17:16
Mir scheint, der unglaubliche Geschäftserfolg, den die beschriebene Maschine seit der Veröffentlichung erzielt hat, spricht für sich... :D

@No Regrets
Kannst Du "Zittergas und Schräges Wasser" empfehlen? Hört sich witzig an...

Gruß,
Franz

No Regrets
16.12.2001, 17:47
@FK
sicher kann ich das :D

das Buch gibes hier bei Amazon (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3871447684/chemieonline)

Zittergas und schräges Wasser. Die phantastischen Erfindungen des modernen Daedalus. von David E. H. Jones

upsidedown
16.12.2001, 18:10
@No Regrets: Weisst du, was eine Milchmädchenrechnung ist? :D :D :D

Du kennst doch sicherlich das Experiment aus der Physik mit dieser Nebelkammer, oder? Da wird mit noch ganz anderen Strahlungsdichten rangegangen - hast du schon mal gesehen, das es in so einer Kammer anfängt zu regnen??

Nehmen wir das Problem mal auseinander:

1. Wenn man mit deinen Zahlen rechnet, ergibt sich, das gerade einmal
0,01 Promille des Volumens der Wolke wirklich mit Wassertröpfchen ausgefüllt sind. Und diese Zahl ist schon aufgerundet, was man aber durchaus mit Unsicherheiten (Worst-Case-Annahme) und einem eventuell etwas vergrößertem Streuradius begründen könnte. Den Streuradius eines Photons kann man wohl vernachlässigen. Ich kann das zwar jetzt nicht genau quantifizieren, aber die "Trefferquote" dürfte arg dürftig ausfallen. Das der Strahl dennoch nicht einfach durchgeht, ist auf Streueffekte zurückzuführen.

2. Wenn sich Tropfen agglomerieren, bedeutet das im Umkehrschluss auch, das sich in der mikroskopischen Umgebung dieses Vorgangs die relative Luftfeuchtigkeit erniedrigen wird. Der neue größere Tropfen hat ein deutlich kleineres Volumen als die Summe der beiden Ausgangstropfen betrug. Es wird also eine trotz der geringeren Oberfläche höhere Verdunstung einsetzten um ein höheres Gleichgewicht zu erreichen. Wenn man annimmt, das diese Vorgänge in der ganzen Wolke gleichmäßig verteilt stattfinden (starke flächige Bestrahlung) kann man Diffusionsvorgänge aus der Umgebung aus der Rechnung ausnehmen, da sich diese über alle Richtungen gegenseitig aufheben müssten. Es liegt also ein kompensierender Vorgang vor.

3. Wer sagt dem Elektron eigentlich, das es sich nicht schon im Ursprungstropfen wieder "niederlassen" darf? Man sollte hier nicht vergessen, das die Energiebilanz so aussieht: h*f=WIonisierung + me /2 v²
Und ein Ladungsausgleich innerhalb eines Tropfens trägt auch nicht gerade zum herbeigebeteten Regeneffekt bei.

4. Dieser Ionisierte Zustand ist mit Sicherheit nicht stabil und die resultierenden Kräfte sind gegenüber den ansonsten in so einer Wolke auf die Tropfen einwirkenden Kräfte (s.5.) ohnehin schon vernachlässigbar - beides spricht dafür, das der Effekt keine Rolle spielen kann. Millikan funktioniert auch nur unter ganz speziellen Bedingungen.

5. So eine Wolke ist kein ruhendes Gebilde, die vorliegenden Strömungen sind nicht unerheblich. In der Folge kommt es ständig zu Kollisionen von Tropfen - die Wolke knetet sich dennoch nicht zu einem grossen Wasserball zusammen. Diese Effekte sind um Größenordnungen größer als alles, was man durch Strahlungsionisierung erreichen kann. Wieso sollte das auf einmal den Ausschlag geben und das Verhalten der Wolke massgeblich beeinflussen?

6. Die Kollision von Flüssigkeitstropfen führt aus Gründen der Impuls und Energieerhalung in den seltensten Fällen zu einer Vereinigung. Vielmehr ist es wahrscheinlicher, dass dadurch durch andere Stossprozesse oder andere Effekte entstandene "zu grosse" Tropfen wieder "zerschossen" werden.

Man kann mit Sicherheit noch ohne Probleme ein weiteres Dutzend Gründe dafür aufbringen, das diese Aktion völliger Schwachsinn ist. Das war jetzt nur das, was mir spontan dazu so aus den Fingern geflossen ist.

Is aber ein schönes Beispiel dafür, was für einen völligen Schwachsinn man mit so einem 'oversimplified model' so alles an Wundern vorhersagen kann. :p :p :p


Gruß,
UpsideDown