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1-Raphi-Ethanol
13.12.2001, 19:42
Kann mir einer von euch weiterhelfen, wenn es um Bestandteile von Antibeschlagmitteln für Auto-/ Fensterscheiben, (Taucher-) Brillen geht?
No Regrets
13.12.2001, 20:05
Originalnachricht erstellt von 1-Raphi-Ethanol
Kann mir einer von euch weiterhelfen, wenn es um Bestandteile von Antibeschlagmitteln für Auto-/ Fensterscheiben, (Taucher-) Brillen geht?
bei Taucher-Brillen empfehle ich Spucke ;) was da so drin ist müsste ich erst selber nachschlagen
aber ich glaub... schädlich isses nicht :yes:
für meinen Helm nehm ich Klar-Pilot
leider steht auf der packung nicht drauf was drin ist :no:
CO-Küchler
13.12.2001, 20:32
Es sind Polymerbildende Verbindungen, du überziehst die Oberfläche mit einem dünnen Kunststofffilm... Diese verhindern die Anlagerung von Wassertröpfchen...
FK
13.12.2001, 20:34
Da ist nichts Besonderes drin. Ein bisschen Tensid, das ist Alles, was man braucht.
Funktionieren tut's so: beim "normalen" Beschlagen hat man eine Unzahl feiner Wassertröpfchen, die wegen ihrer Streuwirkung den Blick trüben. Mit etwas oberflächenaktiver Substanz bekommt man einen dünnen, geschlossenen Wasserfilm, durch den sich's prächtig blicken lässt.
Meine Rezeptur für Brillen, Helmvisiere etc.: Ethanol oder Isopropanol mit einem Schuss (ein, zwei Prozent) Gschirrspülmittel.
Dünn auf der Oberfläche verteilen. Wenn es schmiert, Anteil des Spülmittels verringern.
Beim Anhauchen der präparierten Oberfläche sieht man dann Interferenzfarben statt Trübe...
Gruß,
Franz
CO-Küchler
13.12.2001, 20:45
...die Tensid-Variante hält aber sicher nicht über einen längeren Zeitraum... Ein Produkt mit Polymeren dürfte auch über längere Zeit Anti-Beschlag garantieren...
1-Raphi-Ethanol
15.12.2001, 21:25
dass das so einfach mit Spülmittel und Isopropanol geht! Vielen Dank für die super Tipps. :D
Habt ihr auch noch ein Rezept für ein "im Heimlabor herstellbares" Antibeschlagmittel auf Polymerbasis?
minutemen
16.12.2001, 10:42
die gasmasken-gucklöcher hatten zu meiner armeezeit gelatine-plättchen zum einlegen, die das wasser einfach absorbiert haben. auch eine art antibeschlag.
so, jetzt hat das auch berechtigung, unter lebensmittelchemie zu stehen. könnte man das trotzdem mal nach allgemeine fragen verschieben?
FK
16.12.2001, 11:54
Polymer oder Tensid....
Natürlich hält so eine Spülmittelschicht nicht ewig, dafür ist das eine sehr billige Methode.
Das mit dem hydrophilen Polymer ist eher was für die Dauer, allerdings muss man das Zeug in gleichmäßiger Schicht aufbringen, anschließend darf es aber nicht wasserlöslich sein, sonst tropft es bei höherem Feuchtigkeitsanfall ebenfalls ab. Die mechanische Stabilität wird auch nicht so berauschend sein.....
Gruß,
Franz
nobody
16.12.2001, 18:40
Wer es noch billiger als Antibeschlagspray haben will:
Bei Taucherbrillen, ganz normale Zahnpasta nehmen.
Einfach innen auf die Gläser einreiben ca. eine Nacht liegen lassen und dann auswaschen. Vor jedem Tauchgang, bevor die Brille mit Wasser in Kontakt tritt in die Brille spucken, Spucke verteilen und erst dann mit Wasser ausspülen.
Gruß und immer g.L.
Tobias
FK
16.12.2001, 20:30
Zahnpasta enthält auch Tenside, ist aber per se eine eher undurchsichtige Sache.....das Ausspülen entfernt zwar die trübenden Schleifkörper, aber auch die den Durchblick verschaffenden Tenside....
Spucke geht so in Richtung "Polymer"; ein altbewährtes Mittel, doch mit schwankender Zusammensetzung; bleibt einem manchmal auch weg...
Gruß,
Franz
1-Raphi-Ethanol
16.12.2001, 20:32
Wisst ihr denn auch den (chemischen) Grund, warum Zahnpasta und Speichel auch eine Antibeschlag-Wirkung haben?
Vielen Dank!
1-Raphi-Ethanol
16.12.2001, 20:35
@ FK
Was hat denn unsere Spucke mit Polymeren zu tun?
FK
16.12.2001, 20:38
Beim Antibeschlageffekt geht es darum, die vielen kleinen und undurchsichtigen Wassertröpfchen in einen durchsichtigen Wasserfilm umzuwandeln. Das geht durch Herabsetzen der Oberflächenspannung (Tenside) oder durch Aufnahme des Wassers in die Oberfläche/einen schon vorhandenen Film (Polymer). Bei Spucke könnte beides eine Rolle spielen.
Gruß,
Franz
1-Raphi-Ethanol
16.12.2001, 20:45
macht denn nun bei der Spucke den Effekt aus?
FK
16.12.2001, 20:54
Spucke ist eine Mischung aus diversen Substanzen, darunter Enzyme, Salze und Glycoproteide. In letzteren, die für die schleimige Konsistenz zuständig sind, vermute ich die wirksamen Substanzen. Wenn's anders ist, habe ich Pech gehabt :D
Gruß,
Franz
Blue Crystal
17.12.2001, 15:46
Ist ja witzig: über genau das gleiche thema hab ich mir am wochenende auch gedanken gemacht, als ich meine scheibe mit meinem antibeschlagzeugs einrieb, damit mein haustier auch was sehen kann :) an polymere hatte ich dabei auch gedacht.
ich hab sogar den hersteller noch drauf stehen:Fa. I. Ulrich, Rosensteinstrasse 11, D-73614 Schorndorf, Tel. 07181 - 69373. falls jmd mal anrufen und fragen möchte. bei mir steht sonst nur silikonfrei drauf - und das zeug riecht wie waschmittel :D hilft und hält aber. ist in einem glastiegel und reicht ganz schön lange.
badcip
17.12.2001, 16:05
Zitronensaft wirkt gut als Frostschutz. Wenn man aber Pech hat, gibts Zitroneneis :-).
hippie
17.12.2001, 16:24
Und was hat das bitte mit Antibeschlagsmitteln zu tun??
minutemen
18.12.2001, 12:01
heute hab ich praktikumsbetreuung. was kann man da anderes machen, als ein bischen über den sinn des lebens sinnieren oder sich den kopf zum thema antibeschlagmittel zerbrechen. und da ist mir folgendes in den sinn gekommen:
zwei dinge spielen beim beschlagen die entscheidende rolle: die oberflächenspannung bei der nukleation und die grenzflächenspannung material-wassertropfen.
zur letzteren: hält man sie niedrig, so ist eine tropfenbildung ganz sicher nicht bevorzugt, weil sich ein flüssigkeitsfilm auf der oberfläche bildet. das kann man aber nur erreichen, wenn man gegenüber den tropfen eine hydrophile grenzfläche zeigt. eine beschichtung mit polyethylenglykolen, die an die oberfläche gebunden sind, wäre zb. denkbar. allerdings dürfte diese beschichtung nur wenig haltbar sein.
die schon häufig angesprochene tensidgeschichte kommt mir zweischneidig vor. nach der benetzung erhalten wir zunächst eine hydrophobe oberfläche, weil der hydrophile teil der tensidmoleküle zur wand zeigt. nur in gegenwart überschüssigen tensids wird sich eine doppelschicht bilden können, deren oberfläche hydrophil ist. stabil dürfte diese aber schon gar nicht sein.
anderer fall: wir halten die grenzflächenspannung hoch. dann müsste man die kelvingleichung mit ins spiel bringen:
pT/pF = exp(2σVm / rRT).
pT ist der dampfdruck der tropfenphase, pF der dampfdruck einer freien, flachen oberfläche, σ die oberflächenspannung, r der radius des tropfens. das gilt für einen tropfen in der dampfphase. ist die grenzflächenspannung jedoch sehr gross, wird sich der tropfen dort ähnlich wie in der freien dampfphase verhalten. dh. wiederum, dass sich uu. sehr hohe übersättigungen einstellen müssen, ehe eine nukleation eintritt (theoretisch tritt sie nach der kelvin-gleichung gar nicht auf, da für r->0 pT gegen unendlich geht). dh. das beschlagen wird im keime erstickt ;).
dritte methode: bau eine heizung ins fenster ein ;)
soviel vielleicht als ansatz zum weiterdenken. vielleicht ist das aber auch alles mist.
badcip
18.12.2001, 12:06
Es wirkt auch.
FK
18.12.2001, 17:49
@minutemen
Erfahrungen mit anionischen Tensiden auf Glas- und auch auf Kunststoffscheiben (Helmvisier, unbekanntes Material) zeigen, dass es einwandfrei funktioniert. Sicher richtig: die Benetzung des Untergrundes wird verbessert.
Ein Versuch mit einem kationischen Tensid (Benzalkoniumchlorid, soweit ich mich erinnere) auf Glas brachte übrigens den umgekehrten Effekt: die Benetzbarkeit wurde herab gesetzt.
Sehr gute Resultate auf Glas habe ich übrigens mit einem Silicontensid (nichtionisch) erzielt.
Gruß,
Franz
DirtyHarry
18.12.2001, 21:00
Am besten müßte eine Mischung aus anionischen Tensiden und Niotensiden, evt. unter Zusatz von PEG wirken. Dann noch Tenside mit verschiedenen Längen der Kohlenstoffkette (des hydrophoben Restes) wählen und wir sind saniert, da sich dann auch bei unterschiedlichen "Konzentrationen" des niederschlagenden Wassers die von euch so heißgeliebten Doppelschichten bilden können. :)
Dies allerdings nicht unbedingt an der Glaswandung, sondern in Form von Micellen auf dem Glas, die eben nun mal Wasser einschließen => wir haben ne Mikroemulsion und die ist durchsichtig :eek:
1-Raphi-Ethanol
18.12.2001, 21:14
Also ich bin mit euren Beiträgen überaus zufrieden ;) ...es scheint ja vielen so wie mir zu gehen mit diesem Problem. Das man da (vielleicht) sogar etwas mit Formeln erklären kann, hätte ich aber nun wirklich nicht gedacht - wobei es trotz des Ergebnisses aus dr Gleichung funktioniert.
@ DirtyHarry
Kannst du mir mal ein paar Beispiele für deine ...Tenside nennen. Ich habe keinen Schimmer, was Niotenside sind. Und was ist eigentlich PEG? Hab ich mit PolyEthylenGlycol recht?
FK
18.12.2001, 21:22
Originalnachricht erstellt von 1-Raphi-Ethanol
Ich habe keinen Schimmer, was Niotenside sind. Und was ist eigentlich PEG? Hab ich mit PolyEthylenGlycol recht?
Da hast Du Recht, und Niotenside sind nichtionische Tenside, etwa Polyglykolalkylether oder Polyethylenglykol-polypropylenglykol-Blockcopolymere oder Alkylglucoside oder, oder...
Gruß,
Franz
1-Raphi-Ethanol
18.12.2001, 21:31
Merci beaucoup!
Hätte ich mir eigentlich denken können - aber ich habs eben nicht ;)
nobody
19.12.2001, 19:03
Also, ich benetze im Winter meine Brille immer mit Silberflourid, das ich in meinen Labor selbst herstelle, das verbindet sich dann mit den kondensierenden Wasser, wodurch dessen Siedetemperatur heruntergesetzt wird und es verdampft, durch diesen Vorgang wird auserdem der Kunststoff schnell erwärmt, wodurch überhaupt kein wasser mehr an der Brille kondensiert, probierts aus, ich habs noch nie versucht ;) wär aber ne gute idee... IHR EXZENTRIKER!
FK
19.12.2001, 20:07
Originalnachricht erstellt von Nighthunter
durch diesen Vorgang wird auserdem der Kunststoff schnell erwärmt, wodurch überhaupt kein wasser mehr an der Brille kondensiert,