Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Supersäuren
nobody
30.11.2000, 16:24
Einen wunderschönen guten Tag an alle Chemiker... (besonders an die, die mir helfen können)...
Ich bin ein armer kleiner Biostudent und momentan schlag ich mich mit meinem Chemiepraktikum rum (?), didum. Ich soll für nächste Woche ein Referat über Supersäuren halten. Nun stellt sich mir jedoch die Frage: was ist das überhaubt. In den mir zugäglichen Büchern hab ich nichts gefunden. Ich wäre super-froh wenn mir irgendjemand helfen könnte.http://www.chemieonline.com/forum/smilies/confused.gif
Yoyo83
30.11.2000, 16:38
Hi!
Ich hoffe dir helfen zu können, wenn ich dir sage, dass die stärkste Säure, die ich kenne, ein Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure ist. Das ganze wird im Verhältnis ein Teil Salpetersäure (HNO3) und 3 Teile Salzsäure (HCL) gemischt. Das ganze nennt man auch Königswasser, weil man damit fast alles kaputt bekommt (sogar Gold oder Platin). Andere starke Säuren sind noch Schwefelsäure (H2SO4) und die Säuren von oben. Natürlich gibt´s noch mehr, aber die weiß ich net alle.
Hoffe dir geholfen zu haben.
Yoyo
nobody
30.11.2000, 16:57
Als "Supersäuren" bezeichnet man Säuren, deren Acidität größer ist, als die der 100%-igen Schwefelsäure.
Im Holleman/Wiberg gibts da glaub ich ein (kleines) Kapitel drüber...
<FONT COLOR="#ffffff" SIZE="1" FACE="Verdana, Arial, Geneva, Helvetica">[Dieser Beitrag wurde von Moritz am 30.11.2000 editiert.]</font>
buba
30.11.2000, 19:36
Vielleicht steht hier was interessantes drin:
http://forkat.anorg.chemie.tu-muenchen.de/1/fora2.htm
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"Der Geist ist wie ein Fallschirm, er funktioniert nur, wenn er offen ist" (X-Tension, EGOSOFT)
DirtyHarry
01.12.2000, 23:57
Moritz hat recht, Supersäuren sind stärker als 100%ige Schwefelsäure. Darunter fallen z.B. Dischwefelsäure, Fluoroschwefelsäure und Perchlorsäure. Eine weitere Aciditätssteigerung selbst dieser Supersäuren kann durch Zugabe von sehr starken Lewis-Säuren wie Schwefeltrioxid, Antimonpentafluorid (für Fluoroschwefelsäure, es entsteht dann die "Zaubersäure") oder Bortrifluorid erfolgen, so daß diese Supersäure-Gemische dann sogar extrem schwache Basen wie Kohlensäure protonieren können!
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Dirty Harry
nobody
04.12.2000, 15:50
Kleine Zwischenfrage: Was genau ist mit Acidität gemeint? Wie sagt Ihr voraus, ob eine Säure stärker als 100%ige Schwefelsäure ist? Lässt man sie dazu mit Wasser reagieren (pKs - Wert) oder mit derselben schwachen Base? Man braucht doch ein einheitliches Kriterium?
Gute Frage Amino. Das mit der "Supersäure" habe ich auch nicht so ganz verstanden, oder doch? Eine Supersäure wie HCl z.B. bildet nicht mehr Protonen in einem schlechter protonierbaren Lsgmittel wie Eisessig als in Wasser wenn ich das richtig verstanden habe. Somit ist die Acidität im Wasser immer noch am höchsten? Warum dann noch eine Unterscheidung der "Supersäuren", da man ja in der Regel eh eine Säure haben möchte, welche ihre gesamte Acidität entfaltet. Die gesamten pKs-Werte beziehen sich doch auf Wasser da sich der Dissoziationsgrad je nach Lsgmittel unterscheiden.
Nebenbei gefragt wie protoniert den Eisessig mit HCl und Salpetersäure mit HCl?
bm
16.09.2003, 14:10
Frage vom : 04.12.2000 14:50
Antwort am : 16.09.2003 13:05
Macht ein <font class="serif">δ</font>t von 1016 Tagen.
Ob der Fragesteller soviel Geduld hatte?
Mc Gyver
16.09.2003, 14:42
@bm: Mir ist das aber auch schon passiert,-das ein Thema auf der Startseite ganz oben stand, aber der letzte Eintrag schon Monate zurückliegt (Sehr häufig bei den Umfragen) Aber da man nicht immer auf das datum unten achtet....
Alichimist
16.09.2003, 14:46
Originalnachricht erstellt von Moritz
Als "Supersäuren" bezeichnet man Säuren, deren Acidität größer ist, als die der 100%-igen Schwefelsäure.
Im Holleman/Wiberg gibts da glaub ich ein (kleines) Kapitel drüber...
ganz korrekt, und ihr "Entdecker/erfinder" ist Tanabe. Also mal in die Fachjournale gucken od. einfach ein bischen rumgooglen.
Grüsse
Adam
16.09.2003, 16:43
Oder einfach mal die Suchfunktion des Forums bemühen:
Ein bestimmtes Gemisch von HSO3F und SbF5 ist bis zu 1010 mal saurer als reine Schwefelsäure.
Gruß
Adam
FK
16.09.2003, 17:29
Nun, da wir den Thread wieder aufgewärmt haben, einige Anmerkungen zu obigen Postings:
Nitriersäure oder Königswasser zählt man nicht zu den Supersäuren.
Dass sich Gold in Königswasser löst, liegt nicht an der Acidität, sondern daran, dass freies Chlor vorhanden ist, das mit Gold den sehr stabilen Tetrachloroaurat(III)komplex bildet. Wesentlich stärkere, aber nicht oxidierende bzw. komplexierende Säuren tun dem Gold nichts.
Gruß,
Franz
Micha
16.09.2003, 17:36
Originalnachricht erstellt von FK
Dass sich Gold in Königswasser löst, liegt nicht an der Acidität, sondern daran, dass freies Chlor vorhanden ist, das mit Gold den sehr stabilen Tetrachloroaurat(III)komplex bildet.
statt der mischung aus HNO3 und HCl-Lsg nehme man einfach Iodtinktur aus der Hausapotheke - ist auch recht effektiv ;)
Gruß
Micha
FK
16.09.2003, 17:58
Originalnachricht erstellt von Michi
statt der mischung aus HNO3 und HCl-Lsg nehme man einfach Iodtinktur aus der Hausapotheke - ist auch recht effektiv ;)
Gruß
Micha
Schon ausprobiert?
Gruß,
Franz
Micha
16.09.2003, 18:10
Originalnachricht erstellt von FK
Schon ausprobiert?
nein, hatte leider weder die Tinktur, noch Gold übrig.. :(
habe nur dem "Huheey" vertraut. und der beruft sich auf " Y. Nakao, J. Chem. Soc. Chem. Commun. 1992, 426".
... die Legende vom "aqua regia" scheint sich selbst zu halten, wenn Studierende gar keinen Konakt mehr mit diesem kräftigen Elixier haben. Die Bewunderung für die Reaktivität von Königswasser ist jedoch im allgemeinen fehl am Platze. Thermodynamisch kann die Mischung aus HNO3 und HCl kein stärkeres Okidationsmittel als Salpetersäure selbst sein. Es ist vor allem die Komplexbildung zwischen den weichen Chloridionen und den ebenfalls weichen Gold(III)-Ionen, die die Reaktion Au <font class="serif">→</font> AuCl4- bei E0=-1,00 V möglich macht. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass das sehr weiche Iodidion I- dafür sorgt, dass die relativ harmlose Iodtinktur (die man in vielen Hausapotheken findet) in der Lage ist, metallisches Gold rasch aufzulösen.
(Huheey & Keiter, Anorg. Chemie, 1995, S. 1030)
und was macht das Iod mit dem Gold dann? liegen da dann I3- vor? Iodid-Ionen alleine könnten ja nicht viel ausrichten... :(
Gruß
Micha
Marvek
16.09.2003, 18:20
Falls noch nicht aufgeführt:
HI
Iodwasserstoffsäure dürfte sicherlich auch dazu gehören.
FK
16.09.2003, 18:23
Gold reagiert sich mit Iod zu AuI; dieses setzt sich mit Iodidionen zu [AuI2]- um, und weg ist das Gold...
Geht also tatsächlich.
Gruß,
Franz
Micha
16.09.2003, 18:32
Originalnachricht erstellt von Marvek
Iodwasserstoffsäure dürfte sicherlich auch dazu gehören.
Sicher :rolleyes: :rolleyes:
Originalnachricht erstellt von FK
Geht also tatsächlich.
Soso. und du hast's schon probiert? :D ich werd's net machen ;)
Gruß
Micha
FK
16.09.2003, 18:51
Originalnachricht erstellt von Marvek
Iodwasserstoffsäure dürfte sicherlich auch dazu gehören.
HI ist jedenfalls eine sehr starke Säure (ca. Perchlorsäure) mit einem pKs von etwa -10.
Zu den Supersäuren zählt man HI afaik normalerweise trotzdem nicht.
Vermutlich, weil flüssiger wasserfreier Iodwasserstoff nicht so extrem sauer ist wie wasserfreie Schwefelsäure.
Anmerkung hierzu: die Säurestärke ist lösemittelabhängig; beim Wchsel des Lösemittels können extreme Unterschiede auftreten.
Gruß,
Franz
Marvek
16.09.2003, 19:09
Originalnachricht erstellt von FK
Anmerkung hierzu: die Säurestärke ist lösemittelabhängig; beim Wchsel des Lösemittels können extreme Unterschiede auftreten.
Gruß,
Franz
Dazu ne Zwischenfrage, gibt es über die Ph-Fenster der Lösungsmittel irgentwo eine Tabelle oder Übersicht ?
FK
16.09.2003, 19:15
Habe keine Liste parat; einige wenige Werte mag man in der folgenden Tabelle finden:
http://www.chemieonline.de/links/link.php?id=4
Werde aber mal pKs-Werte von protonierten Lösemitteln suchen gehen und einfügen.
Gruß,
Franz
Adam
16.09.2003, 19:45
Wenn wird schon bei Gold sind :D
Interessant sind Auridaurate in welchen Au+ und Au- nebeneinander existieren.
Das mit der Iodtinktur...
Sollte es mit Brom auch gehen...
Gruß
Adam
FK
16.09.2003, 20:35
Originalnachricht erstellt von Adam
Das mit der Iodtinktur...
Sollte es mit Brom auch gehen...
Geht auch, es bildet sich Tetrabromoaurat(III).
Mit Iodtinktur kann sich z. T. auch Tetraiodoaurat(III) bilden (in Abhängigkeit von der Iodkonzentration).
Hat mir der HoWi erzählt...
Gruß,
Franz
rettich
16.09.2003, 22:03
Hallo, wenn Ihr schon Gold auflösen wollt, hier mal eine Säure-
freie Methode : Man nehme ein Sn / Pb - Bad bei geeigneter
Betriebstemperarur und werfe das Au hinein. Weg ist es.
Gruß : rettich
buba
16.09.2003, 22:11
Iod und Brom sind auch keine Säuren.
Originalnachricht erstellt von Adam
Das mit der Iodtinktur...
Sollte es mit Brom auch gehen...
Schickt MIR mal eine Probe, nicht immer bm! :hmpf:
FK
17.09.2003, 19:12
Originalnachricht erstellt von rettich
Hallo, wenn Ihr schon Gold auflösen wollt, hier mal eine Säure-
freie Methode : Man nehme ein Sn / Pb - Bad bei geeigneter
Betriebstemperarur und werfe das Au hinein. Weg ist es.
Gruß : rettich
Quecksilber geht auch, braucht man nichtmal heiß zu machen.
Siehe das Amalgamverfahren zur Goldgewinnung (beliebt wegen seiner Umweltfreundlichkeit :rolleyes: ).
Gruß,
Franz
Henry
24.02.2006, 13:02
so, mal wieder alten fred aktiviert.:)
habe was gefunden was hier reinpasst. thema stärkste brönstedt-säure.
habe noch nie was davon gehört und möchte mein nichtwissen mit euch teilen..:pHmm, schon das zugrunde liegende(?) closo-Dodekaboran ist sehr stark sauer; das Monoanion hat noch einen pKs-Wert von Null. (Holleman-Wiberg). Ob das eigentliche Boran überhaupt existiert, scheint mir fraglich, allerdings lässt sich das Di-Oxoniumsalz isolieren.
Gruß,
Franz
neshny
08.03.2006, 13:24
Der Borkomplex ist so neu nun auch wieder nicht. Es ist die inzwischen berühmte Reed´sche Säure (etwa 1998). Koppel und Mitarbeiter haben die Gasphasenacidität berechnet (JACS, etwa 2000/2001). Die Methode war allerdings semiempirisch. Ich denke aber, mit einem Wert von etwa 1000 kJ/mol ist zu rechnen. Für Schwefelsäure gibt es Werte um 1260 kJ/mol, für Salpetersäure hat man recht sichere Daten (1330 kJ/mol).
Man sieht, dass gewaltige Energiemengen notwendig sind, um das Proton abzulösen. Der größte Teil in wässriger Lösung wird durch die Hydratationsenergie des Protons kompensiert (-1050 - -1100 kJ/mol, witzigerweise gibt es dafür keinen zuverlässigen Wert). Eine weitere Kompensation erfährt der Prozess durch die Hydratationsenergie des Anions (höchstens einige -100 kJ/mol, mit zunehmender Teilchengröße kleiner werdend). Die Hydrationsenergie der undissoziierten Säure ist in der Größenordnung von 10 bis 30 KJ/mol und wirkt der Aciditätserhöhung im Lösemittel entgegen.
So gesprochen ist eine Säure bereits stark, wenn sie in Lösung mit ein paar kJ/mol im negativen Bereich liegt (deltaG = -RTlnK und pKa = -lgK; G freie Energie der Deprotonierung, R Gaskonstante, T Temperatur (gewöhnlich 298 K), K Gleichgewichtskonstante der Deprotonierung).
Der Begriff "Supersäure" stammt von Conant, nicht Tanabe. Dass sie stärker als H2SO4 (konz.) ist, hilft häufig nicht, da es auch Gase (HCl) und Festkörper (Nafion-50, das ist fixiertes CF3SO3H) gibt. Die pKa - Werte hängen vom Lösemittel ab, die Hammet-Funktion ist abhängig von den Referenzbasen. Die einzige sinnvolle (wenn auch praktisch nicht gerade nutzbringende Skale bleibt die der Gasphaseaciditäten. Lias u. a. veröffentlichen von Zeit zu Zeit gewaltige Riesenklopper in the Journal of Physical Chemestry Reference Data. Glücklicherweise ist es so, dass die Gasphasenacidität von HI die letzte ist, die über der von H2SO4 liegt. Somit ist HI keine "Supersäure". HClO4 ist sehr wohl eine. Ihre Gasphasenacidität kann man quantenchemisch sehr zuverlässig bestimmen, sie liegt unter der von H2SO4. Experimentell gibt es nur einen Wert von Marcus (ca. 1987), der katastrophal fehlerbehaftet ist.
Je geringer die Dielektrizitätskonstante des Lösungsmittels ist, um so geringer wird der Einfluss des Lösungsmittels auf die Acidität und es wird immer sinnfälliger, die Gasphasenwerte miteinander zu vergleichen.
Eine sinnvolle Definition für Supersäure ist das Kriterium, ob sie fähig ist, mit (gesättigten) Kohlenwasserstoffe (z. B. Hexan) unter Bildung eines Carbeniumions und unter Wasserstoffaustritt zu reagieren. Das machen Olah und Mitarbeiter schon seit 40 Jahren bei der Bewertung ihrer Experimente.