Hallo,
ich habe folgendes Problem:
Ich habe einen Drehstomgenerator (120 kVA), mit dem ich Strom ins Netz einspeisen will. Jede meiner einzelnen Phasen (L1-L3) ist mit 100A abgesichert! Nun dachte ich mir, das ich die drei Phasen mit dem Netz verbinde und so.......
Nun hat mir jemand gesagt, dass diese drei Phasen nicht reichen. Er sagte mir, dass ich insgesamt 6 Leiter brauche (jeweils zwei parallel L1+L2 , L3+L4,....)!
Was stimmt denn nun? Drei Phasen dürften doch reichen, oder (300A*400V=120kVA)
Kann mir da mal jemand weiterhelfen!
upsidedown
19.11.2001, 15:08
In was für ein Netz willst du denn einspeisen? In ein geschlossenes, oder etwa ins allgemeine Versorgungsnetz?
Beim Versorgungsnetz solltest du ohnehin jemanden fragen, der davon speziell Ahnung hat - wenn du aber dein eigenes Netz irgendwo aufbaust, weiss ich nicht, was dir da einer erzählt hat. Vom Generator gehen da einfach die drei Leiter L1-L3, der N- und der PE-Leiter ab. Wichtig ist nur, das du alle Verbraucher parallel an diese Leiter anschliesst. Bei Drehstromgeräten einfach so, wies am Klemmbrett steht, und sog. einphasige Verbraucher (230V) zwischen einem der Leiter und dem N-Leiter anklemmen. Das das mit den Parallelleitern Unsinn ist, wird dir auch schnell klarwerden, wenn du das Schaltbild dafür mal aufzeichnest.
Wenn du dein problem etwas genauer beschreibst, kann ich dir vielleicht auch noch ein paar Tips geben, aber alle möglichen Fälle hier durchzudiskutieren wäre doch etwas Arbeit.
Gruß,
UpsideDown
nobody
19.11.2001, 15:46
Also ich will in ein öffentliches Netz einspeisen (kein Inselbetrieb!).
Das Problem ist folgendes: Ich klemme meine 5 Leiter an und synchronisiere und bla bla bla.....
Da durch jede Phase 100A gehen, müste ich so auf meine 120kVA kommen.
Dieser Jemand hat mir dann aber folgende Rechnung gezeigt:
P=U*I *1,7-> P/(U*1,7)=I -> 120000/(400*1,7)=176A (1,7= Wurzel 3)
Er meinte, diese 176A würden durch jede Phase fließen........
bm
19.11.2001, 16:44
vergessen, dass die Phasen eine "Phasenverschiebung" von 120° haben?
nobody
19.11.2001, 17:37
Das ist mir schon klar, dass die Ströme phasenverschoben (120 Grad) sind. Nur leider blick ich den Zusammenhang da nicht so ganz (bin ein kleiner armer Schüler, der nicht so viel von Drehstrom versteht!).
Erklär doch mal....
schlumpf
19.11.2001, 17:50
ist das nur eine theoretische Berechnung oder hast du wirklich vor, Strom einzuspeisen?
Den Umgang mit Starkstrom sollte man vielleicht denen ueberlassen, die was davon verstehen (schonmal was vom VDE gehoert?). Die Fragen lassen das nicht gerade vermuten ... . Zumal da man im oeffentlichen Netz ziemliche Kurzschluesse und Stromausfaelle generieren kann ... und das wird teuer!
upsidedown
19.11.2001, 18:56
Das denk ich aber auch...
Wenn du das wirklich vorhast, lass das um Gottes Willen von einem Fachmann machen! Mal abgesehen davon, dass man für so was in Teufels Küche kommen kann, ist es auch mordsgefährlich ohne genau zu wissen was man tut an so was rumzubasteln. Drehstrom ist keine 12V-Batterie, mit der man einfach mal drauflosexperimentieren kann.
Und wie du selber zugibts - die Ahnung hast du (offensichtlich) nicht. Genauso wie man auch mit Chemikalien genau wissen sollte was man tut, sollte man bei Strom das ab einer gewissen Größenordnung auch - und da hast du im Maßstab deutlich zu hoch gegriffen. Und dann noch im Versorgungsnetz? Das würde auch ich mich nicht so trauen, ohne mich noch mal genauer erkundigt zu haben - und ich denke, ich hab von E-Technik doch deutlich mehr Ahnung als du.
Übrigens: Was soll das ganze überhaupt? Habt ihr noch altes Heizöl im Keller oder was?
Gruß und :nono:
UpsideDown
nobody
19.11.2001, 19:32
Ich schätze, ich klär hier mal die Situation auf.
Ich bin beim THW in der Fachgruppe Elektoversorgung.
Bei einer Übung nahm man beim Einspeisen wie gesagt zwei parallele Kabel (ingesamt also 6 Phasen). Nur niemand konnte es mir vernünftig erklären, warum man es so macht und so kam es zu der Begründung "Das ist nun mal so!". Damit will ich mich aber nicht zufrieden geben und will das jetzt wissen!!
Lasst mich nicht dumm sterben (Ahnung von Physik habe ich, so ist es ja nicht)
NACHTRAG:
Das Problem hat sich nun endlich gelöst. Es hat nichts mit der Phasenverschiebung der Ströme zu tun....
Die 120kVA teilen sich auf die drei Stränge auf: P1-3=40kVA
USTR,1,2,3 =230V
ALSO:
40000/(230*0.8)=217A (Pro Phase) cos(phi)=0.8 (mehr kriegen wir nicht hin)
Daraus folgt, dass man ungefähr zwei parallele Kabel brauch....
PS.: Keine Angst, ich werde es privat nicht ausprobieren :-)
upsidedown
22.11.2001, 21:06
Ach so.. Ich hab schon Angst um dich gehabt.
Ihr benutzt also blos parallele Kabel um die Strombelastung der Kabel beherrschen zu können.
Den cos <font class="serif">φ</font> kannst du aber aus der Rechnung rausschmeissen - Blindstrom ist auch Strom. Damit kommst du dann auf 173 A pro Generatorstrang und hast so noch etwas Luft gegen die Sicherungen.
Habt ihr beim THW eigentlich keine Kondensatorbatterien zur cos <font class="serif">φ</font> - Kompensation? (reine Neugierde)
Gruß,
UpsideDown
nobody
25.11.2001, 11:35
Hmmm, stimmt eigentlich. Aber der Leistungsfaktor ist für die Berechnung der Leistung notwendig?!? Jetzt bin ich schon wieder total verwirrt.....
Blindstromkompensation betreiben wir nicht, weil dies in den meisten Fällen nicht notwendig ist (nahezu jeder größere Betrieb macht von sich aus, bzw. wird vom EVU vorgeschrieben).
Eigentlich wäre es ganz sinnvoll, Kompensations-Kondensatoren zu haben, aber irgendwer (Bund?) hielt es für nicht nötig. Denn wann kommt es schon mal vor, dass wir eine riesige Halle mit Leuchtstoffröhren versorgen sollen?
upsidedown
25.11.2001, 12:49
Der Leistungsfaktor sagt dir, wieviel von der abgeforderten Leistung (Scheinleistung) wirklich 'nützlich' ist (Wirkleistung) und wieviel ihren Zweck praktisch um 90° verfehlt (Blindleistung).
Der Witz an den Kondensatorbatterien ist, das sie zwar auch reine Blindleistung umsetzten, das aber genau andersrum als induktive Widerstände (Spulen, Motoren usw.) - sie also kompensieren.
Dem Generator ist das aber Jacke wie Hose, was da draussen mit der Leistung die er zustande kriegt gemacht wird - bereitstellen muss es alles - also die Scheinleistung. Du hast oben die Leistungsangabe (120kVA) auch in VA angegeben - damit kennzeichnet man Scheinleistungen. Wirkleistungen werden üblicherweise in W angegeben, Blindleistungen in VAr oder var (Volt Ampere reaktiv heisst das). Daran kann man ganz gut sehen, was gerade gemeint ist.
Gruß,
UpsideDown
nobody
25.11.2001, 18:24
Ist mir schon klar was cos(phi) ist und wie man Blindleistung kompensiert!
Wenn ich das richtig verstehe, interessiert man sich bei der Leistungsberechnng nur für die Scheinleistung, oder was?
In einem Schlauen Buch steht nämlich genau das gegenteil:
P=U1 *I1 *cos(phi)+U2 *I2 *cos(phi)+...
upsidedown
25.11.2001, 21:22
Was du da anführst, ist die Berechnung der Wirkleistung P . Das ist überspitzt ausgedrückt, das was hinten rauskommt. Dich interessiert aber für deinen Generator das was du vorne reinstecken musst, und das ist nunmal die Scheinleistung S, manchmal auch mit Z bezeichnet. Um das Trio komplett zu machen fehlt noch die Blindleistung Q. Ebend weil es so wichtig ist, das man die drei nicht durcheinanderwürfelt, haben die drei verschiedene Buchstaben und die Einheit wird auch anders bezeichnet (s.o.).
Damit du nicht nochmal in dein schlaues Buch gucken musst, auch noch mal als Formeln:
PStrang = U Strang I Strang cos <font class="serif">φ</font>
QStrang = U Strang I Strang sin <font class="serif">φ</font>
SStrang = U Strang I Strang
Am Rande noch ein rein praktisches Argument: Wenn deine Rechnung richtig wäre, hättet ihr euren Generator unter max. Nennlast abgesichert...
Fazit: Nur weil etwas in Büchern steht, muss es noch lange nicht die Antwort auf deine Frage sein ;)
Gruß,
UpsideDown
nobody
26.11.2001, 14:32
Danke,
ich denke ich habe es jetzt verstanden....
Tja soweit die Theorie! Hoffentlich klappt das in der Praxis auch so gut. :-)