Hallo!
Derzeit beschäftige ich mich gerade mit Kristallstrukturen und finde einfach nicht heraus, was jetzt wirklich der Unterschied zwischen Rutil und Anatas ist.
Bei beiden bildet doch O2- hexagonal dichteste Packungen und Ti2+ besetzt alle Oktaederlücken, oder hab ich da was falsch verstanden? Demnach müsste Titan KZ 6 und Sauerstoff KZ 3 haben stimmt das?
Danke für eure Hilfe
mfg
mednos
30.03.2005, 12:33
Ich denke es hängt mit der Modifikation zusammen, nee, das ist quatch, keine Ahnung.
nobody
30.03.2005, 13:17
Laut meiner Mitschrieft sind die Oktaeder unterschiedlich verknüpft. Wie genau, kann ich dir jetzt auch nicht sagen.
Noradrenalin
30.03.2005, 13:59
Ich denke es hängt mit der Modifikation zusammen, nee, das ist quatch, keine Ahnung.
Nix Quatsch, laut Römpp isses in der Tat so.
Auch, wenn nicht viel mehr zum Thema drinsteht, als ohnehin schon gemutmaßt wurde, habe ich meine Fünde mal angehängt.
teefix
26.05.2005, 01:24
Hallo!
Ich versuche das Rätsel nun von der mineralogischen Seite her zu klären:
Anatas:
Härte: 5,5 - 6
Dichte: 3,8 - 3,9
Strich: weiß
Spaltbarkeit: meist nicht sichtbar
Bruch: uneben
Tenazität: spröde
Kristallform: spitze bis flache Bipyramiden, tafelig, praktisch nur aufgewachsen
Besonders die Strichfarbe, aber auch die Dichte und natürlich die kristalline Erscheinungsform, wenn auch im gleichen System sind augenfällige Unterscheidungsmerkmale
Anatas:
Härte: 6
Dichte: 4,2 - 4,3
Strich: gelblichbraun
Spaltbarkeit: vollkommen nach dem Prisma
Bruch: muschelig
Tenazität: spröde
Kristallform: tetragonal, prismatisch bis nadelig, haarförmig, knieförmige Zwillinge, regelrechte Gitter
Wenn das nun auch keine hochwissenschaftliche Erklärung ist, hoffe ich doch eine Hilfe gestellt zu haben.
Tino71
30.05.2005, 11:38
Vom Titandioxid gibt's drei Modifikationen: Rutil, Anatas und Brookit. Alle kristallisieren in unterschiedlichen Kristallgittern. Der Unterschied liegt in der jeweiligen Verknüpfung von [TiO6]-Oktaedern. Die Koordinationszahl der Oxidionen gegenüber Ti-Kationen ist immer 3.
Rutil:
Die Hälfte aller Oktaederlücken einer leicht verzerrten hexagonal dichtesten Kugelpackung aus Oxidionen wird derart mit Titan-Kationen besetzt, daß die Oktaeder über zwei gegenüberliegenden Kanten zu Ketten verknüpft sind. Diese Ketten sind über gemeinsame Ecken weiter zu einem Gerüst verbunden.
Wäre die hexagonal dichteste Packung der Oxidionen ideal (also unverzerrt), hätte man den CaCl2-Typ.
Rutil ist die bei Normalbedingungen thermodynamisch stabile Modifikation von TiO2.
Brookit:
Die Oxidionen bilden auch hier leicht gewellte hexagonale Schichten, deren Stapelfolge ...ABAC... ist. Die Hälfte der Oktaederlücken ist dergestalt von Ti-Kationen besetzt, daß diese über drei gemeinsame Kanten und weiter über gemeinsame Ecken verknüpft sind.
Anatas:
Die Oxidionen bilden eine verzerrte kubisch dichteste Packung, in der die Hälfte der Oktaederlücken so besetzt ist, daß jedes Oktaeder mit seinen Nachbarn über vier gemeinsame Kanten, nicht aber über gemeinsame Ecken verknüpft ist.