No Regrets
24.10.2001, 23:54
...durch eine aufblasbare Puppe
von E. Kleist Krankenhaus Nanortalik, Nanortalik, Grönland und H. Moi Postfach 1001, Venereaklinikken, 3900 Nuuk, Grönland
Ellen Kleist und Harald Moi erhielten 1996 für diese Zuschrift, die in Genitourinary Medicine, Bd. 69, 1993, S. 322 erschien, den IgNobelpreis für Öffentliche Gesundheitspflege. Der Nachdruck ist autorisiert. Die Literaturangaben entsprechen denen des Originals.
Eine nichtsexuelle Übertragung von Gonorrhöe kommt offenbar extrem selten vor. So ist nur ein Fall einer solchen nichtsexuellen Übertragung von Neisseria gonorrhoeae bei Erwachsenen belegt [1]. Betroffen waren zwei Patienten eines Militärhospitals, die ein Urinal gemeinsam benutzten. Erwiesen ist, dass N. gonorrhoeae in infizierten Absonderungen auf Hand- und Taschentüchern 20 beziehungsweise 24 Stunden überlebt [2]. In Kulturen von Toilettenbrillen öffentlicher Toiletten und in Kliniken für Geschlechtskrankheiten traten keine N. gonorrhoeae in Erscheinung[3] [4]. Der Kapitän eines Fischtrawlers, der drei Monate auf See gewesen war, suchte die Klinik wegen eines Ausflusses aus der Harnröhre auf. Seine Symptome bestanden seit zwei Wochen. Ein Urethralabstrich ergab die typischen intrazellulären, gramnegativen Diplokokken, eine Kultur war positiv für N. gonorrhoeae . Es war keine Frau an Bord gewesen, und der Kapitän verneinte auch homosexuelle Kontakte; es bestand jedoch kein Zweifel, dass die Symptome mehr als zwei Monate nach Verlassen des Hafens eingesetzt hatten. Nach einigem Zögern rückte er mit der Vorgeschichte heraus. Einige Tage vor dem Einsetzen seiner Symptome hatte er wegen Problemen mit der Maschine den Ingenieur in dessen Kabine geweckt. Nachdem dieser die Kabine verlassen hatte, entdeckte der Kapitän in dessen Bett eine aufblasbare Puppe mit künstlicher Vagina und gab der Versuchung nach, den ”Verkehr” mit der Puppe zu vollziehen. Seine Beschwerden begannen wenige Tage nach dieser Episode. Der Ingenieur wurde untersucht und eine Gonorrhöe wurde diagnostiziert. Ihm war seit der Abfahrt aus dem Hafen ein leichter Ausfluss aus der Harnröhre aufgefallen, er war jedoch nicht mit Antibiotika behandelt worden. Er gab zu, unmittelbar bevor der Skipper ihn rief, in die ”Vagina” der Puppe ejakuliert und die Puppe danach nicht gewaschen zu haben. Er gab auch zu, einige Tage, bevor sie in See gestochen waren, in einer anderen Stadt mit einem Mädchen Verkehr gehabt zu haben. Dieses Mädchen konnte ermittelt werden, doch das Ergebnis ihrer Untersuchung ist nicht bekannt. Unseres Wissens ist bislang noch nie über einen Fall von Gonokokkenübertragung durch eine aufblasbare Puppe berichtet worden.
ANMERKUNGEN
[1]. Neinstein, L. S., Goldenring, J., Carpenter, S. Nonsexual transmission of sexually transmitted diseases: an infrequent occurrence. Pediatrics, 1984, 74, S. 67 – 76.
[2]. Srivastava, A. C. Survival of gonococci in urethral secretions with reference to the nonsexual transmission of go nococcal infection. L Med. Microbiol., 1980, 13, S. 593- 596
[3]. Gilbaugh, J. H., Juchs, P. C. The gonococcus and the toile seat. N. Engl. L Med., 1979, 301, S. 91-93.
[4]. Rein, M. F. Nonsexual acquisition of gonococcal infectior (Brief). N. Engl. J. Med., 1979, 301, S. 1347.
von E. Kleist Krankenhaus Nanortalik, Nanortalik, Grönland und H. Moi Postfach 1001, Venereaklinikken, 3900 Nuuk, Grönland
Ellen Kleist und Harald Moi erhielten 1996 für diese Zuschrift, die in Genitourinary Medicine, Bd. 69, 1993, S. 322 erschien, den IgNobelpreis für Öffentliche Gesundheitspflege. Der Nachdruck ist autorisiert. Die Literaturangaben entsprechen denen des Originals.
Eine nichtsexuelle Übertragung von Gonorrhöe kommt offenbar extrem selten vor. So ist nur ein Fall einer solchen nichtsexuellen Übertragung von Neisseria gonorrhoeae bei Erwachsenen belegt [1]. Betroffen waren zwei Patienten eines Militärhospitals, die ein Urinal gemeinsam benutzten. Erwiesen ist, dass N. gonorrhoeae in infizierten Absonderungen auf Hand- und Taschentüchern 20 beziehungsweise 24 Stunden überlebt [2]. In Kulturen von Toilettenbrillen öffentlicher Toiletten und in Kliniken für Geschlechtskrankheiten traten keine N. gonorrhoeae in Erscheinung[3] [4]. Der Kapitän eines Fischtrawlers, der drei Monate auf See gewesen war, suchte die Klinik wegen eines Ausflusses aus der Harnröhre auf. Seine Symptome bestanden seit zwei Wochen. Ein Urethralabstrich ergab die typischen intrazellulären, gramnegativen Diplokokken, eine Kultur war positiv für N. gonorrhoeae . Es war keine Frau an Bord gewesen, und der Kapitän verneinte auch homosexuelle Kontakte; es bestand jedoch kein Zweifel, dass die Symptome mehr als zwei Monate nach Verlassen des Hafens eingesetzt hatten. Nach einigem Zögern rückte er mit der Vorgeschichte heraus. Einige Tage vor dem Einsetzen seiner Symptome hatte er wegen Problemen mit der Maschine den Ingenieur in dessen Kabine geweckt. Nachdem dieser die Kabine verlassen hatte, entdeckte der Kapitän in dessen Bett eine aufblasbare Puppe mit künstlicher Vagina und gab der Versuchung nach, den ”Verkehr” mit der Puppe zu vollziehen. Seine Beschwerden begannen wenige Tage nach dieser Episode. Der Ingenieur wurde untersucht und eine Gonorrhöe wurde diagnostiziert. Ihm war seit der Abfahrt aus dem Hafen ein leichter Ausfluss aus der Harnröhre aufgefallen, er war jedoch nicht mit Antibiotika behandelt worden. Er gab zu, unmittelbar bevor der Skipper ihn rief, in die ”Vagina” der Puppe ejakuliert und die Puppe danach nicht gewaschen zu haben. Er gab auch zu, einige Tage, bevor sie in See gestochen waren, in einer anderen Stadt mit einem Mädchen Verkehr gehabt zu haben. Dieses Mädchen konnte ermittelt werden, doch das Ergebnis ihrer Untersuchung ist nicht bekannt. Unseres Wissens ist bislang noch nie über einen Fall von Gonokokkenübertragung durch eine aufblasbare Puppe berichtet worden.
ANMERKUNGEN
[1]. Neinstein, L. S., Goldenring, J., Carpenter, S. Nonsexual transmission of sexually transmitted diseases: an infrequent occurrence. Pediatrics, 1984, 74, S. 67 – 76.
[2]. Srivastava, A. C. Survival of gonococci in urethral secretions with reference to the nonsexual transmission of go nococcal infection. L Med. Microbiol., 1980, 13, S. 593- 596
[3]. Gilbaugh, J. H., Juchs, P. C. The gonococcus and the toile seat. N. Engl. L Med., 1979, 301, S. 91-93.
[4]. Rein, M. F. Nonsexual acquisition of gonococcal infectior (Brief). N. Engl. J. Med., 1979, 301, S. 1347.