PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bildende Bücher


nobody
27.09.2001, 00:08
hi,
ich weiss passt nicht so ganz ins forum aber ich wollt mal eure meinung hören:
Warum gilt es als bildend Bücher zu lesen die ähh z.B. von Dante sind.
Gibt es da überhaupt einen Unterschied zu Westernromanen o.ä.
Oder gibt es einen Unterschied zwischen Goethes Faust und einem RTL TV Roman - :rolleyes: ich meine nicht,





:jump_mirror:

zarathustra
27.09.2001, 00:13
Das kommt sicher darauf an, was Du ließt, und vor allem wie.
Wenn Du ein Buch - beispielsweise Goethes Faust - ließt, um es gelesen zu haben, bringt es Dir sicher nicht mehr als irgend ein Fernsehfilm. Anders sieht es aus, wenn Du Dir entsprechend Gedanken zu den Szenen und Situationen machst, in denen sich die Personen während des Geschehens befinden.

minutemen
27.09.2001, 10:13
eine solche frage kann nur stellen, der eines von beiden nicht kennt oder sich kraft seiner wassersuppe vermeintlich in der lage sieht, alles als wurscht abzutun.

rtl tv-romane haben mit goethe soviel zu tun wie knorr & maggi mit paul bocuse' nouvelle cuisine.

und einen zusammenhang zw. dante (wie kommst du gerade auf den?) & westernromanen gibts nicht. aber einen auch den des lesens ungeübten auge sofort ins selbige fallenden deutlichen unterschied: dante bekommst du nicht in groschenheft-format. warum wohl?

Godwael
27.09.2001, 16:48
Sehr wahr. Der Unterschied ist der, daß eine Person ihrer Geschichte Bedeutung gibt, wo der Groschenroman nur unterhalten will. Betrachte zum Beispiel "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" mit einer GZSZ-Folge: Der Plot ist zwar vergleichbar (Tussi poppt mit Typ und hat mächtig Ärger davon), aber die Form der Erzählung und natürlich die politischen und gesellschaftlichen Bezüge machen einen gigantischen Unterschied.

Die Titanic hat's einst auf den Punkt gebracht:
"Manches Bier macht dich besoffen, Böllstoff nur macht dich betroffen"
:D :D

nobody
27.09.2001, 19:12
Ich finde das Soaps irgendwie die Wirklichkeit total übertrieben darstellen! Vergleichbar mit guter alter Literatur von Goethe oder Fontane sind die Plots schon, aber die Ausdrucksweise ist auf jeden Fall anders! Was wohl den Wandel der Zeit liegt!
Doch übertrieben wird in "alter Literatur" nicht!
Ich ziehe eher ein gutes Buch vor, als eine Soap mir im TV anzusehen!
Wo ich eher meist Fachliteratur lese!

Kes

Mike140
27.09.2001, 22:06
Da fragt sich wer hat von wem abgekupfert ...

Goethe von den Soaps ...

oder ...

die Soaps von Goethe

nobody
27.09.2001, 22:36
@mike
Keiner das ganze ist gar nicht in Frage zu stellen...das ganze zeigt einen nur das sich an den Themen mit den sich Autoren im Laufe der Zeit beschäftigen nicht großartig geändert haben!
Mehr nicht...amn kann nicht von abkupfern sprechen..was schon eine beleidigung an die literarische Kunst ist!

Kes

Markus H.
27.09.2001, 23:15
man muss schon differenzieren, zwischen unterhaltungsliteratur und trivialliteratur und "qualtitativen" werken!

in der 2ten hälfte des 18ten Jh. stand die unterhaltungsliteratur in voller blüte (sentimentale Liebesromane, Abenteurromane). Solche bücher hatten schon damals eine weit größere leserschaft als die so genannte hohe Literatur. (z.B. verhalf die räubergeschichte "Rinaldo Rinaldini" Vulpius zu einer popularität, die jene seines schwagers Goethe übertraf!)
der durchbruch zur massenunterhaltung gelang jedoch erst nach 1830 in form des Zeitungsromans. (pariser verleger boten sie als "feuilleton" einen roman in fortsetzung, der bald die polit nachrichten von der titelseite verdrängte. zeitungsroman vervielfachte das leserpublikum, verleger hohe gewinne und die erfolgreichen autoren verkauften sich immer teurer; z.B. Alexandre Dumas ("Der graf von monte christo") und Eugene Sue (geheimnisse von paris). Der produktion eines kapitels folgte sofort die veröffentlichung, sodass die autoren oft selbst nicht wussten, wie die handlung weiter verlaufen und enden würde. --> es entwickelte sich für den zeitungsroman eine neue bauform: der tägliche beitrag musste so gestaltet sein, dass er einen in sich geschlossenen teil bildete, der den dafür vorgesehenen raum genau ausfüllte und durch immer neue gefährdungen der hpt. figur die leser in spannung hielt.

--> zeitlicher druck und große nachfrage zwangen autoren, ihre romane zu standardisieren, also handlungsabläufe und figurenkonstellationen leicht variiert wieder zu verwenden.

autor konnte gar nicht so viel schreiben, wie verleger ihm abnötigten.
Alexandre Dumas beschäftigte 73 Lohnschreiber! Es begann eine art industrieller Literaturproduktion, deren merkmale die normierung, serienanfertigung und arbeitsteilung waren.

Der zeitungsroman des 19. Jh. weist merkmale auf, die dem unterhaltungsroman bis heute geblieben sind: wendet sich an breites publikum, das literarisch nicht vorgebildet ist. denn nicht die literarische qualität ist ausschlaggebend, sondern der unterhaltungswert.

man könnte jetzt viel über den trivialen liebesroman (vgl. Heftchenroman), den krimi (amerikanische gangsterkrimi, siozialkritische krimi)und den warencharakter massenhaft verbreiteter literatur schreiben. aber ich will ja nicht zu weit ausschweifen.

seit H. v. Kleist ist an unterhaltungs- und trivialliteratur viel kritik geübt worden. als sprachlich minderwertig abgeurteilt: als zu primitiv im stil oder zu überladen. ihre inhalte als unwirkliche traumwelt abgetan, ihre leser der realität des lebens entfremdet. man hat sie als betrug an der ungebildeten masse bezeichnet, die glaubt, sich die bürgerliche bildung anzueignen, während sie nur kitsch und pseudoliteratur aufnimmt. man hat die unterhaltungs- und trivialliteratur ideologiekritisch untersucht und behauptet, sie stelle den versuch des bürgerlich-kapitalistischen wirtschaftssystems dar, in massen ein flasches bewusstsein zu erzeugen und zu nähren, ein bewusstsein, das die menschen von der kritik an den sozialen und politischen missständen abhält.
geblieben ist trotz der angriffe das vergnügen am trivialen liebesroman und am krimi.


soviel zu trivialliteratur.

Markus H.
28.09.2001, 19:48
Politik und Gesellschaft??

warum hier?? ist wenn eher off-topic (oder bei bücher).....hmmm na egal!

danke für's "d" ;)