Gestern war ich beim Zahnarzt um mir einen Zahn ziehen zu lassen. Natürlich habe ich davor eine lokale Betäubung bekommen. Nun interessiert mich als neugieriger Mensch natürlich, was da so bei einer lokalen Betäubung passiert. Ich habe zwar ein Buch, das sich mit Biochemie im Alltag beschäftigt (Kaffee, Käse, Karies) aber über obiges steht leider nichts drin. Mich würde deshalb interessieren, ob es vielleicht ein ähnliches Buch gibt, in dem solche Alltagsdinge aus biochemischer Sicht beschrieben sind !
Danke im voraus für eure Antworten...
minutemen
21.09.2001, 11:28
die wirkung erfolgt über eine blockade der Na-kanäle. das lokalanästhetikum dringt als freie base durch die nervenmembran und & geht (dann protoniert als kation) an einen rezeptor am Na-kanal & blockiert diesen. dadurch kann keine depolarisation erfolgen, das aktionspotential kann nicht wiederaufgebaut werden, es kommt zur leitungsblockade. schwach kann ich mich noch an einige struktur-wirkungs-beziehungen erinnern: eine lipophile, meist aromatische gruppe, die über einen ester- oder amidlink an einer hydrophilen gruppe (amin) hing. über sie substitutionen des arom. rings konnte man die hydrolysebeständigkeit der ester/amid-gruppe regeln und damit die wirkungsdauer. ausserdem regelte die liphphilie auch die penetration im gewebe. die formeln von procain, lidocain oder xylocain und wie sie alle heissen, findet man ja ohne probleme im netz.
hoffe, geholfen zu haben
minutemen
ps: ich mag diese hustendrops sehr, die so sowas enthalten & immer den mund so schön taub machen.
Kutti
21.09.2001, 11:31
Vielen Dank für deine Antwort minuteman ! :D
Gibt´s sowas auch schriftlich in irgendeinem verständlichen Buch (siehe Beitrag oben) ?
FK
21.09.2001, 17:31
Hi!
Gibt's natürlich mengenweise schriftlich, so in Pharmakologie- und Toxikologiebüchern. Ob man sich allerdings nur wegen dieses Themas ein ganzes Buch kaufen sollte, möchte ich mal dahin gestellt lassen.
Wenn Dich der restliche Kram auch interessiert: gut ist z. B. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie (Herausgegeben v. W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, B.I. Wissenschaftsverlag). Ich hoffe nur, das es das Buch noch gibt (meines ist von 1983).
Gruß,
Franz
Kutti
21.09.2001, 18:02
Originalnachricht erstellt von FK
Hi!
Gibt's natürlich mengenweise schriftlich, so in Pharmakologie- und Toxikologiebüchern. Ob man sich allerdings nur wegen dieses Themas ein ganzes Buch kaufen sollte, möchte ich mal dahin gestellt lassen.
Wenn Dich der restliche Kram auch interessiert: gut ist z. B. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie (Herausgegeben v. W. Forth, D. Henschler, W. Rummel, B.I. Wissenschaftsverlag). Ich hoffe nur, das es das Buch noch gibt (meines ist von 1983).
Gruß,
Franz
Nein, nein, deswegen werde ich mir nicht gleich ein Pharmakologie oder Toxikologie Buch kaufen :D :D
Ich suche eher nach einem vergleichbaren Werk zu Kaffee, Käse, Karies - Biochemie im Alltag . ;)
minutemen
21.09.2001, 22:06
kaufen musst du es ja nicht gleich - obwohl es sich lohnt. ich hab die 1992iger ausgabe daheim (völlige neubearbeitung), da sind die seiten 225-231 den lokalanästhetika gewidmet. das kann man auch getrost kopieren.
davon ab: das oben gesagte zur wirkung ist auch nach der lektüre noch gültig.
sibro
21.07.2008, 20:04
...alle lokalnarcotika wie die zahnärztl. ....caine hemmen den Na-Ioneneinstrom in/ durch die Permeabilitätsmembran von Nervenzellen und damit die schmerzsensibilisierung/ -fortleitung in der nervenfaser (wurde ja schon beantwortet), man bekommt ein gefühl, als wäre das zahnfleisch ein stück "holz", obwohl druck, schnitt b. behandlung durchaus "fühlbar" sind. Für gute betäubung muß genügend tief und mehrfach um den zahnhals und in wurzeltiefe gespritzt werden, nur der allererste "Pick" sticht anfangs, dann keiner mehr...für einfachste (Schnell)-eingriffe/ -schnitte an extremitäten gibts noch mitunter noch die Vereisung mit kältesprays..., muß aber geschickt angewendet werden...
Die chem. Strukturformeln der ...caine sind heutzutage zb. bei wikipedia einsehbar (gabs früher nur in Pharmakologie-fachbüchern ! wie hier mein alter Kuschinsky/ Lüllmann, Gg.Thieme-Vlg. Ausg.1984), Beispiel: articain als wesentl. ultracain-bestandteil ist komplett beschrieben, --ein großes lob den präparativen chemikern, den pharmakologen (tierversuche ?!), neurologen, schließlich auch den physiologie-medizinern, die sowas in abbauprodukten untersuchen und freigeben...
PS. Tiefere, bewußtseinnehmende narcotica können inhalatorisch (isofluoran), intravenös (evipan) angewendet werden, je nach größe, tiefe des eingriffs, nach physe, gewicht des patienten,-- lumbalnarcose geht in rückenmarksbereich, wobei bewußtsein erhalten bleibt,-- Heute alles nur vom Anästhesie-arzt zu verabreichen und ständig zu kontrollieren...---insgesamt ein großes Spezialgebiet mit unwahrscheinlichen Fortschritten in den letzten 30/ 40 jahren (Diäthyl-Äther pro narcosi-Anwendung ist schon lange vorbei)-- mfg, sb
laborleiter
21.07.2008, 20:10
vielen dank für den hinweis. war ja auch bitterst nötig nach 7 langen jahren vollkommener unwissenheit hier im forum :rolleyes: