buba
21.08.2001, 00:38
===== TEIL A ========================================================
Am 20.02.2001 kam die Meldung, dass der weltgrößte Zigarettenhersteller Philip-Morris in Deutschland Jugendliche mit neuen Werbespots vom Rauchen abhalten wolle:
Von März an sollen kurze Filme in 4000 deutschen Kinos anlaufen, in denen ein 14-Jähriger sagt: "Ich rauche nicht". Wie der Konzern am Dienstag in München sagte, handele es sich keinesfalls um einen Werbegag, sondern um ein ehrliches Anliegen.
Kritiker sprechen dagegen von einer neuen Form der "Werbung durch die Hintertür" und von einem "schäbigen Trick".
In dem Kinospot wird ein 14-Jähriger in "seinem normalen Umfeld mit Freunden, hipper Musik, kultigen Klamotten und in einer Discothek zu sehen sein", sagt Philip Morris-Sprecherin Astrid Köhler. In Deutschland dürften Jugendliche zwar erst ab 16 Jahren rauchen, das Alter des Protagonisten sei aber bewusst gewählt, weil viele ja trotzdem bereits früher zur Zigarette griffen, sagte Köhler.
"Der Kino-Werbespot von Philip Morris (...) ist nichts anderes als ein schäbiger Trick", schimpft die Nichtraucher-Initiative Deutschlands e.V. in München. (...)
"Perfide" nennt Dr. Bettina Schmidt von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld die Kampagne. "Die Hersteller hoffen, dass die Grenzen zwischen Anti- und Pro- Tabakwerbung verwischen und nicht mehr bewusst wahrgenommen werden", sagt Schmidt. Kinder und Jugendliche seien für die Konzerne nach wie vor eine wichtige Fokusgruppe. (...)
Kritiker glauben dennoch nicht an den guten Willen der Konzerne. Bettina Schmidt: "Wenn die wirklich was Gutes tun wollten, sollten sie wirklich effektive Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel einige der 800 000 Zigarettenautomaten in Deutschland demontieren".
Der ganze Artikel ist nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/boulevard/2001-0220/malboro.html
Habt ihr diesen Spot gesehen? -- Ich nicht.
Läuft er weiterhin in Kinos? -- Ich denke nicht.
Hat's was gebracht -- Herzlich wenig.
===== TEIL B ========================================================
Am 28.02.2001 kam die Meldung, dass der Streit innerhalb der Europäischen Union um schärfere Warnhinweise über Gesundheitsrisiken auf Zigarettenschachteln vorerst beigelegt sei:
Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments einigten sich in Brüssel in einem Vermittlungsverfahren auf einen Kompromiss, nachdem von September nächsten Jahres an größere und inhaltlich weitergehende Warnhinweise auf die Packungen gedruckt werden können.
Die Einigung muss von Ministerrat und Parlament aber noch verabschiedet werden. Beide Seiten begrüßten die Einigung am Mittwoch.
Nach der Vereinbarung müssten auch die Maximalmengen von Nikotin und Teer in einer Zigarette reduziert werden. Die Warnhinweise könnten insgesamt 40 Prozent der Packungsfläche einnehmen. Die konkrete Umsetzung soll den Mitgliedstaaten überlassen bleiben. Möglich wäre künftig dann auch, auf den Packungen das Bild einer Raucherlunge abzubilden. Zudem würden Bezeichnungen wie "Light" oder "Mild" auf den Packungen verboten, weil diese irreführend seien.
Der schwedische Gesundheitsminister und amtierende Ratspräsident Lars Engqvist nannte die Einigung einen "großen Schritt". Mehr als eine halbe Million Menschen stürben in Europa jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Deshalb müsse jeder über die Konsequenzen des Rauchens informiert werden. Nach Angaben des niederländischen Abgeordneten Jules Maaten hat die Industrie bereits signalisiert, die Regelungen umzusetzen.
Die künftige maximal zugelassene Menge an Teer würde von derzeit zwölf auf zehn Milligramm reduziert, die Menge an Nikotin dürfte ein Milligramm nicht überschreiten. Wenn die Vorlage von Ministerrat und Parlament verabschiedet wird, tritt sie zum 30. September 2002 in Kraft. Die Hersteller haben dann ein Jahr Zeit, die Richtlinie umzusetzen. Zudem müsste die Industrie von 2004 gegenüber den Regierungen offen legen, welche Stoffe in Zigaretten enthalten sind. Dann wäre die EU befugt, einzelne Bestandteile zu verbieten.
Dem Kompromiss war ein monatelanger Streit in der EU vorausgegangen. Das Parlament hatte ursprünglich weitergehende Maßnahmen bei den Warnhinweisen gefordert und sich auf der anderen Seite für Übergangszeiten bei der Reduzierung von Teer und Nikotin für Tabakwaren ausgesprochen, die für den Export bestimmt sind.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0228/warnung.html
Am 15.05.2001 dann der Beschluss:
Das EU-Parlament hat am Dienstag in zweiter und abschließender Lesung die Verschärfung der EU-Tabak-Richtlinie gebilligt. Das Gesetz tritt Ende September 2002 in Kraft und regelt die zulässigen Höchstwerte für Nikotin sowie Teer und Kohlenmonoxid in Zigaretten.
Auf die neue EU-Tabakrichtlinie hatten sich nach fast einjährigem Tauziehen Parlament und Ministerrat im Vermittlungsauschuß geeinigt. Demnach sind Bezeichnungen wie "Leicht" oder "Mild" ein Jahr nach in Kraft treten der Richtlinie, also Ende September 2003, als Irreführung der Verbraucher verboten. Das gilt auch, wenn "Leicht" Bestandteil einer bestimmten Zigarettenmarke ist.
Bereits vor der Einigung im Vermittlungsausschuss waren sich Parlament und der EU-Ministerrat einig darüber, dass alle in der EU hergestellten oder auf den Markt gebrachten Zigaretten ab 2004 nicht mehr als 10 Milligramm Teer pro Stück enthalten sollen. Bisher waren zwölf Milligramm erlaubt. Der Nikotingehalt wird auf ein Milligramm begrenzt. Erstmals wird der Kohlenmonoxidgehalt auf höchstens zehn Milligramm festgelegt.
Bis zu 30 Prozent der Packungsoberfläche müssen künftig für Warnungen vor den Gefahren des Rauchens verwendet werden. Pflicht sind Hinweise wie "Rauchen ist tödlich oder "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu." Auf der anderen Seite muss ein ergänzender Warnhinweis aufgedruckt sein, der mindestens 40 Prozent der Fläche einnehmen muss. Außerdem können Mitgliedsstaaten auf freiwilliger Basis drastische Farbillustrationen auf den Verpackungen platzieren, etwas Fotos von Raucherbeinen.
In der EU hergestellte Zigaretten, die der neuen Tabak-Richtlinie nicht entsprechen, dürfen spätestens von 2007 an auch nicht mehr in Drittstaaten exportiert werden. Ab 31. Dezember 2002 muss die Tabakindustrie ferner jährlich eine Liste der Inhaltsstoffe ihrer Produkte vorlegen und öffentlich zugänglich machen.
In der Debatte im Straßburger EU-Parlament kritisierten jedoch zahlreiche Abgeordnete die widersprüchliche Haltung der EU, die jährlich eine Milliarde Euro (1,95 Milliarden Mark) Beihilfen für den Tabakanbau vergibt. In der EU sind nach Angaben der EU-Kommission eine Millionen Menschen in der Zigarettenindustrie beschäftigt. Die staatlichen Einnahmen aus der Tabak- und Mehrwertsteuer leiben bei jährlich etwa 70 Milliarden Euro (136 Milliarden Mark).
Der für Gesundheit und Verbraucherfragen zuständige EU-Kommissar David Byrne hatte bei der Debatte erneut die Notwendigkeit einer europaweiten Regelung betont. "Mehr als 500 000 EU-Bürgerinnen und Bürger sterben jährlich unnötigerweise an Raucher-bedingten Krankheiten", sagte Byrne. Er kündigte an, auch eine neue Richtlinie für die Werbung und das Sponsoring von Tabakprodukten vorzulegen.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0515/tabak.html
Da bin ich mal gespannt, was aus dieser längst überfälligen Verordnung wird...
Ob das wirklich den Zigarettenkonsum einschränken können wird? -- Wahrscheinlich nicht.
===== TEIL C ========================================================
Am 21.04.2001 war zu lesen, dass Glückliche, gut aussehende Menschen, die gerne rauchen, auch weiterhin das Stadtbild in Solingen prägen würden. Einen Bürgerantrag von Hartmut Mosebach, Tabakwerbung in der Klingenstadt zu verbieten, wird die Unterkommission zur Vorberatung von Beschwerden und Anregungen am Donnerstag wohl ablehnen:
Die Stadt Solingen steht in der Abhängigkeit der Deutschen Städte-Medien GmbH (DSM), wo sie Mitgesellschafterin ist. Mosebach, Mitglied der Nichtraucher Initiative Deutschlands (NID), überrascht das nicht.
"Andere Städte in der Republik, zum Beispiel Karlsruhe, können auf Zigarettenwerbung verzichten", betont Mosebach im Gespräch mit der Morgenpost. Ihn und die übrigen Mitglieder der NID stört vor allem, dass Jugendliche durch die Plakate zum Rauchen verführt werden. "Die Zeit ist überreif, dass auch wir als Bürger der Stadt Solingen uns aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor der Tabakwerbung einsetzen", begründet Mosebach den Bürgerantrag.
Wer Flächen zur Tabakwerbung vermiete, mache sich mitschuldig an der Verführung von Kindern und Jugendlichen zum Gebrauch der Droge Nikotin, die dem Suchtpotenzial von Heroin in nichts nachstehe. Und die Werbespots sprechen gezielt auch Jugendliche an, ist Mosebach überzeugt. Seinen Bürgerantrag haben auch einige und ein Suchtberater unterzeichnet.
Für den Standpunkt Mosebachs hat die Verwaltung durchaus Verständnis. Schon mehrfach habe sich der Rat mit einem freiwilligen Verzicht auf Tabakwerbung befasst - aber nie einen konkreten Beschluss gefasst. Zwar ist die Verwaltung nicht süchtig nach Nikotin, aber dennoch hochgradig abhängig - von der Deutsche Städte-Medien. Dort ist die Stadt Solingen, Mitgesellschafterin: Sie muss also der DSM geeignete Flächen zur Werbung zur Verfügung stellen, für was auch immer. Und so lange die Stadt Mitgesellschafterin ist, kann sie die Verträge nicht kündigen.
Wirtschaftlicher Schaden
Was nicht so deutlich in der Verwaltungsvorlage steht: Die Stadt verdient auch ganz gut an der Werbung für den blauen Dunst. Würde die DSM auf Tabakwerbung verzichten "würden private Mitbewerber sofort das Marktsegment besetzten. Die Stadt hätte einen wirtschaftlichen Schaden", wird dann doch versteckt zugegebene.
Europa soll entscheiden
Um dem Bürgerwillen Genüge zu tun, hofft die Stadt Solingen auf ein Europa weites Verbot von Tabakwerbung. Es sei davon auszugehen, dass das in absehbarer Zeit erlassen wird und dann die Werbenutzungsverträge modifiziert werden.
Nachzulesen auf http://rp-online.de/news/lokales/solingen/2001-0421/so20000007_11001.html
Wäre ein bundesweites Werbeverbot für Zigaretten angebracht? Zweifelsohne.
Ist der wirtschaftliche Schaden höher zu bemessen als der gesundheitlich-gesellschaftliche? Anscheinend.
===== TEIL D ========================================================
Am 29.05.2001 eine auf den ersten Blick erfreuliche Meldung: Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, wird es in deutschen Zeitungen und Zeitschriften bald keine Zigaretten-Werbung mehr geben.
Am Mittwoch wagt die EU einen zweiten Vorstoß, um europaweit Werbung für Tabak zu verbieten.
Aus Kreisen der Brüsseler Behörde wurden bereits vorab Einzelheiten der Vorschläge des für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissars David Byrne bekannt. Von dem Reklameverbot wären danach nur Zeitungen und Zeitschriften betroffen, die grenzüberschreitend vertrieben werden. Lokal- oder Regionalzeitungen könnten also wie bisher Werbeanzeigen für Glimmstängel schalten, wenn nationale Gesetze dies nicht verbieten.
Dieser nationale Ansatz soll auch auf Tabakreklame im Radio und Internet, in Magazinen oder für das Sponsoring von Veranstaltungen gelten. "Das Verbot gilt nur für Medien mit grenzüberschreitender Wirkung", hieß es informierten Kreisen der EU-Kommission. "Wir wollen keine Poster- oder Kinowerbung verbieten." Bei Formel-1-Rennen hingegen dürften Tabakkonzerne nicht mehr für ihre Produkte die Trommel rühren.
Im ersten und viel weitergehenden Versuch zu einer EU-weiten Regelung war Byrne im vergangenen Herbst an einer Klage der deutschen Regierung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg gescheitert. Die Richter hatten das bereits von allen europäischen Institutionen gebilligte Reklameverbot mit der Begründung aufgehoben, der EU-Gesetzgeber habe die Richtlinie auf eine falsche Rechtsgrundlage gestellt.
Byrne versichert nun, sein erneuter Vorstoß werde den Einwänden des Gerichts Rechnung tragen. "Der Gerichtshof hat der EU sehr wohl eine Kompetenz zugestanden, die grenzüberschreitende Tabakwerbung zu verbieten", heißt es aus dem Umfeld Byrnes zur Luxemburger Rechtsprechung. Tatsächlich gibt es in einer Reihe von EU- Mitgliedsländern seit Jahren ein Tabak-Reklameverbot: Grund genug für eine Harmonisierung der unterschiedlichen nationalen Regeln, meint die Kommission. Außerdem fordere der EU-Vertrag ein hohes Niveau beim Gesundheitsschutz.
Byrne will das Werbeverbot auch gegen den möglichen Widerstand der Regierung in Berlin durchsetzen. Die Belege dafür, dass Reklame zum Rauchen animiere, seien überwältigend, ein Verbot deswegen dringend geboten. "Wie kann man dagegen sein?", fragte Byrne kürzlich rhetorisch.
Aus den Reihen des Europäischen Parlaments wird bereits Zustimmung für den erneuten Vorstoß des EU-Kommissars laut. Der gesundheits- und verbraucherpolitische Sprecher der konservativen Europäischen Volkspartei, Karl-Heinz Florenz, weist darauf hin, dass Deutschland in der Frage des Tabakwerbeverbots nahezu allein dastehe und fast alle Mitgliedstaaten der Union den Kommissions-Vorschlag unterstützen.
"Dass sich Herr (Bundeskanzler Gerhard) Schröder weiterhin für die Tabakkonzerne und nicht für die Gesundheit vor allem unserer Jugend einsetzt, ist für mich aus gesundheitspolitischen Gründen völlig schleierhaft", sagt Florenz. Nach seinen Worten sterben allein in Deutschland jährlich zehntausende Menschen an den Folgen des Rauchens, in der EU nach Angaben aus Brüssel jährlich 500 000, das ist ein Mensch pro Minute. "Wenn sich daher nun die rechtliche Möglichkeit für ein Werbeverbot auf EU-Ebene ergibt, dann werden wir das auch durchsetzen", sagt Florenz.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0529/zigarettten.html
Gleich am nächsten Tag ist heftige Kritik zu lesen -- war ja klar:
Das von der EU-Kommission geplante Tabakwerbeverbot ist bei Verlegern und Werbewirtschaft auf scharfe Ablehnung gestoßen.
Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) forderte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf, den Vorschlag für ein entsprechendes EU-Gesetz zurückzuweisen. Das geht aus einer am Mittwoch in Brüssel verbreiteten Erklärung des ZAW hervor, dem 39 Verbände der werbenden Wirtschaft, der Medien und der Werbeagenturen angehören.
Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne will an diesem Mittwoch einen Richtlinienvorschlag zum Verbot von Tabakwerbung in der Europäischen Union vorlegen. Wie bereits vorab bekannt wurde, soll das Reklameverbot nur für Medien mit grenzüberschreitender Wirkung gelten. Danach könnten beispielsweise deutsche Lokal- oder Regionalzeitungen weiter Werbeanzeigen für Zigaretten enthalten.
"Grenzüberschreitende Wettbewerbsverzerrungen gibt es im Handel mit Presseprodukten nicht", sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen. Deutsche Zeitungen, die auch im Ausland verkauft würden, richteten sich fast ausschließlich an deutschsprachige Leser wie Urlauber und Geschäftsreisende. Aus Sicht des BDZV sei es nicht hinnehmbar, dass Produkte, die legal hergestellt und vertrieben werden, nicht auch ebenso legal beworben werden dürfen.
Mit einem Vorschlag für ein weitergehendes Tabakwerbeverbot war der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne im Herbst vergangenen Jahres an einer Klage der Bundesregierung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gescheitert. Der neue Entwurf soll nun die Einwände berücksichtigen, die das Gericht in Luxemburg gegen die alte Tabakwerberichtlinie vorgebracht hatte.
Nach Ansicht des ZAW erhebt sich die Kommission über das Urteil des EuGH, "indem sie zum zweiten Mal das umfassende Tabakwerbeverbot mit Wettbewerbsverzerrungen im EU-Binnenmarkt begründe, tatsächlich aber Regelungskompetenz im Gesundheitsschutz erschleichen wolle".
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0530/tabakwerbung_kritik.html
Was lernen wir daraus? -- Die Industrie wird sich nicht so leicht den Geldfluss stoppen lassen.
===== TEIL E ========================================================
Am 02.06.2001 schließlich war die Stellungnahme eines Psychologen zu lesen: "Es ist ein totales Unding, dass ein Produkt, das täglich über 300 Menschen tötet, an jeder Straßenecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit unkontrolliert zu bekommen ist." Peter Lindinger, Psychologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, schwillt der Kamm.
Während Politiker noch darüber diskutieren, ob man Zigaretten am Automaten nicht doch besser nur mit Chipkarten kaufen sollte, möchte er die Automaten gleich ganz abschaffen. Und die Zigaretten dazu.
18 Millionen Menschen in Deutschland rauchen regelmäßig. Aufhören? Wenn das so einfach ginge. Denn Rauchen macht süchtig und Nikotin steht mit seinem Suchtpotenzial den Drogen Kokain und Heroin oder Amphetaminen in nichts nach. Die Gefahr von Zigaretten werde in der Gesellschaft nicht erkannt - weil keiner wissen wolle, was für ein starker Suchtstoff Nikotin ist, erzählt Lindinger. Wie die Nikotinsucht entsteht, erläutert der Fachmann so: "Nikotin, beim Rauchen inhaliert, stimuliert das dopaminerge System - die Belohnungsstrecke im Hirn, die von allen Suchtmitteln bedient wird - und löst dort euphorische Gefühle aus." Der Dauerkonsum von Nikotin führe dazu, dass sich bestimmte Nervenzellen im Hirn (nikotinergen Acetylcholin-Rezeptoren nennt sie der Fachmann) innerhalb kurzer Zeit vermehrten. "Diese haben sich auf die Aufnahme von Nikotin spezialisiert und schreien nach dem Stoff, sobald sie nicht mehr versorgt werden", erklärt Lindinger.
Das ist die eine Seite der Sucht, die pharmakologische. Die andere, schwerer zu bekämpfende Seite, ist die psychologische. "Wer mit dem Rauchen aufhört, wird in den ersten zehn Tagen mit Entzugserscheinungen rechnen müssen, wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, größerem Appetit, Anspannung und Schwitzen, erläutert Lindinger, der vor langer Zeit selbst einmal das Rauchen aufgegeben hat.
"Mit der psychologischen Abhängigkeit hat der Ex-Raucher länger zu kämpfen. Denn diese Seite der Sucht wird immer wieder reaktiviert durch die Umgebung und seine eigenen Routinen. Gebäude, Tageszeiten, Situationen wirken als Schlüsselreiz, der zur Zigaretten greifen lässt. Der Raucher hat sich eben konditioniert."
Die Gefahr eines Rückfalls sei in angenehmen Situationen besonders hoch; dann sind meistens andere Raucher und Alkohol mit im Spiel. Die Sucht lauere andererseits auch in kritischen Situationen; in privaten Krisen, bei Problemen am Arbeitsplatz oder wenn der Betreffende schlechte Nachrichten bekommen habe.
Eine Krise kann der Raucher auch dann bekommen, wenn er erfährt, was die Zigarettenkonzerne neben nikotinhaltigem Tabak noch so alles in den Glimmstängel mischen: "Insgesamt sind noch etwa 4000 andere Inhaltsstoffe in einer Zigarette, von denen ein Großteil schädigend und suchterregend ist. Zugesetzt werden Aromen, Glycerol zum Feuchthalten, Konservierungsstoffe, Lakritz und Ammoniak", zählt Lindinger auf, "letzteres weitet die Bronchien und sorgt dafür, das das Nikotin noch schneller wirkt."
Nachzulesen auf http://rp-online.de/news/wissenschaft/2001-0602/nikotin.html
Was lernen wir aus diesem Artikel? -- Ein Werbeverbot für Zigaretten reicht nicht. Auch Tabakprodukte selbst müssen verboten werden. DAS wäre ein erster Schritt nach Vorne.
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Was will ich mit diesem Thread zum Ausdruck bringen?
Gute Frage. Ich weiß es selber nicht. Ich sehe mit Entsezen, dass immer mehr Kinder (!) und Jugendliche mehr oder weniger regelmäßig zum Glimmstengel greifen -- und mit größerem Entsetzen sehe ich, wie sehr sowohl wir Bürger als auch die Politik uns von der Industrie und Wirtschaft in einem nicht akzeptablem Maße leiten lassen!
Verordnungen und Gesetze bewirken nicht oft das, was sie bewirken sollten. Wenn etwas verboten ist, reizt es noch mehr, es zu tun. Vor allem bei Jugendlichen.
<font color=red>Es bedarf also mühsamer und umfassender Aufklärungsarbeit unter den Menschen.</font>
Seit Ewigkeiten sind die gesundheitlichen Schäden, die durch Rauchen entstehen, bekannt, doch keinen scheint das zu interessieren.
<font color=red>Aber es geht uns verdammt noch mal was an!</font> Wir haben nicht nur unseren Mitmenschen gegenüber eine Verantwortung, sondern auch den folgenden Generationen gegenüber! Es gibt so unendlich viele Probleme, die anzupacken sind! Aber keiner will sich die Mühe machen!
<font color=red>Überbevölkerung, Hungersnöte, Energieproblem, Wasserknappheit, Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit,...</font> und eben auch die gravierenden gesundheiltichen Schäden, die durch die <font color=red>legalen Drogen Alkohol und Nikotin</font> verursacht werden!
Wohin soll das führen, wenn sich jeder einredet: "Das geht mich nichts an. Ich sterbe eh in ein paar Jahrzehnten." oder "Unsere Nachkommen können sich ja mit diesen Problemen beschäftigen." ?!
Es muss gehandelt werden! <font color=red><u>JETZT!</u></font>
Am 20.02.2001 kam die Meldung, dass der weltgrößte Zigarettenhersteller Philip-Morris in Deutschland Jugendliche mit neuen Werbespots vom Rauchen abhalten wolle:
Von März an sollen kurze Filme in 4000 deutschen Kinos anlaufen, in denen ein 14-Jähriger sagt: "Ich rauche nicht". Wie der Konzern am Dienstag in München sagte, handele es sich keinesfalls um einen Werbegag, sondern um ein ehrliches Anliegen.
Kritiker sprechen dagegen von einer neuen Form der "Werbung durch die Hintertür" und von einem "schäbigen Trick".
In dem Kinospot wird ein 14-Jähriger in "seinem normalen Umfeld mit Freunden, hipper Musik, kultigen Klamotten und in einer Discothek zu sehen sein", sagt Philip Morris-Sprecherin Astrid Köhler. In Deutschland dürften Jugendliche zwar erst ab 16 Jahren rauchen, das Alter des Protagonisten sei aber bewusst gewählt, weil viele ja trotzdem bereits früher zur Zigarette griffen, sagte Köhler.
"Der Kino-Werbespot von Philip Morris (...) ist nichts anderes als ein schäbiger Trick", schimpft die Nichtraucher-Initiative Deutschlands e.V. in München. (...)
"Perfide" nennt Dr. Bettina Schmidt von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld die Kampagne. "Die Hersteller hoffen, dass die Grenzen zwischen Anti- und Pro- Tabakwerbung verwischen und nicht mehr bewusst wahrgenommen werden", sagt Schmidt. Kinder und Jugendliche seien für die Konzerne nach wie vor eine wichtige Fokusgruppe. (...)
Kritiker glauben dennoch nicht an den guten Willen der Konzerne. Bettina Schmidt: "Wenn die wirklich was Gutes tun wollten, sollten sie wirklich effektive Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel einige der 800 000 Zigarettenautomaten in Deutschland demontieren".
Der ganze Artikel ist nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/boulevard/2001-0220/malboro.html
Habt ihr diesen Spot gesehen? -- Ich nicht.
Läuft er weiterhin in Kinos? -- Ich denke nicht.
Hat's was gebracht -- Herzlich wenig.
===== TEIL B ========================================================
Am 28.02.2001 kam die Meldung, dass der Streit innerhalb der Europäischen Union um schärfere Warnhinweise über Gesundheitsrisiken auf Zigarettenschachteln vorerst beigelegt sei:
Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europaparlaments einigten sich in Brüssel in einem Vermittlungsverfahren auf einen Kompromiss, nachdem von September nächsten Jahres an größere und inhaltlich weitergehende Warnhinweise auf die Packungen gedruckt werden können.
Die Einigung muss von Ministerrat und Parlament aber noch verabschiedet werden. Beide Seiten begrüßten die Einigung am Mittwoch.
Nach der Vereinbarung müssten auch die Maximalmengen von Nikotin und Teer in einer Zigarette reduziert werden. Die Warnhinweise könnten insgesamt 40 Prozent der Packungsfläche einnehmen. Die konkrete Umsetzung soll den Mitgliedstaaten überlassen bleiben. Möglich wäre künftig dann auch, auf den Packungen das Bild einer Raucherlunge abzubilden. Zudem würden Bezeichnungen wie "Light" oder "Mild" auf den Packungen verboten, weil diese irreführend seien.
Der schwedische Gesundheitsminister und amtierende Ratspräsident Lars Engqvist nannte die Einigung einen "großen Schritt". Mehr als eine halbe Million Menschen stürben in Europa jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Deshalb müsse jeder über die Konsequenzen des Rauchens informiert werden. Nach Angaben des niederländischen Abgeordneten Jules Maaten hat die Industrie bereits signalisiert, die Regelungen umzusetzen.
Die künftige maximal zugelassene Menge an Teer würde von derzeit zwölf auf zehn Milligramm reduziert, die Menge an Nikotin dürfte ein Milligramm nicht überschreiten. Wenn die Vorlage von Ministerrat und Parlament verabschiedet wird, tritt sie zum 30. September 2002 in Kraft. Die Hersteller haben dann ein Jahr Zeit, die Richtlinie umzusetzen. Zudem müsste die Industrie von 2004 gegenüber den Regierungen offen legen, welche Stoffe in Zigaretten enthalten sind. Dann wäre die EU befugt, einzelne Bestandteile zu verbieten.
Dem Kompromiss war ein monatelanger Streit in der EU vorausgegangen. Das Parlament hatte ursprünglich weitergehende Maßnahmen bei den Warnhinweisen gefordert und sich auf der anderen Seite für Übergangszeiten bei der Reduzierung von Teer und Nikotin für Tabakwaren ausgesprochen, die für den Export bestimmt sind.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0228/warnung.html
Am 15.05.2001 dann der Beschluss:
Das EU-Parlament hat am Dienstag in zweiter und abschließender Lesung die Verschärfung der EU-Tabak-Richtlinie gebilligt. Das Gesetz tritt Ende September 2002 in Kraft und regelt die zulässigen Höchstwerte für Nikotin sowie Teer und Kohlenmonoxid in Zigaretten.
Auf die neue EU-Tabakrichtlinie hatten sich nach fast einjährigem Tauziehen Parlament und Ministerrat im Vermittlungsauschuß geeinigt. Demnach sind Bezeichnungen wie "Leicht" oder "Mild" ein Jahr nach in Kraft treten der Richtlinie, also Ende September 2003, als Irreführung der Verbraucher verboten. Das gilt auch, wenn "Leicht" Bestandteil einer bestimmten Zigarettenmarke ist.
Bereits vor der Einigung im Vermittlungsausschuss waren sich Parlament und der EU-Ministerrat einig darüber, dass alle in der EU hergestellten oder auf den Markt gebrachten Zigaretten ab 2004 nicht mehr als 10 Milligramm Teer pro Stück enthalten sollen. Bisher waren zwölf Milligramm erlaubt. Der Nikotingehalt wird auf ein Milligramm begrenzt. Erstmals wird der Kohlenmonoxidgehalt auf höchstens zehn Milligramm festgelegt.
Bis zu 30 Prozent der Packungsoberfläche müssen künftig für Warnungen vor den Gefahren des Rauchens verwendet werden. Pflicht sind Hinweise wie "Rauchen ist tödlich oder "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu." Auf der anderen Seite muss ein ergänzender Warnhinweis aufgedruckt sein, der mindestens 40 Prozent der Fläche einnehmen muss. Außerdem können Mitgliedsstaaten auf freiwilliger Basis drastische Farbillustrationen auf den Verpackungen platzieren, etwas Fotos von Raucherbeinen.
In der EU hergestellte Zigaretten, die der neuen Tabak-Richtlinie nicht entsprechen, dürfen spätestens von 2007 an auch nicht mehr in Drittstaaten exportiert werden. Ab 31. Dezember 2002 muss die Tabakindustrie ferner jährlich eine Liste der Inhaltsstoffe ihrer Produkte vorlegen und öffentlich zugänglich machen.
In der Debatte im Straßburger EU-Parlament kritisierten jedoch zahlreiche Abgeordnete die widersprüchliche Haltung der EU, die jährlich eine Milliarde Euro (1,95 Milliarden Mark) Beihilfen für den Tabakanbau vergibt. In der EU sind nach Angaben der EU-Kommission eine Millionen Menschen in der Zigarettenindustrie beschäftigt. Die staatlichen Einnahmen aus der Tabak- und Mehrwertsteuer leiben bei jährlich etwa 70 Milliarden Euro (136 Milliarden Mark).
Der für Gesundheit und Verbraucherfragen zuständige EU-Kommissar David Byrne hatte bei der Debatte erneut die Notwendigkeit einer europaweiten Regelung betont. "Mehr als 500 000 EU-Bürgerinnen und Bürger sterben jährlich unnötigerweise an Raucher-bedingten Krankheiten", sagte Byrne. Er kündigte an, auch eine neue Richtlinie für die Werbung und das Sponsoring von Tabakprodukten vorzulegen.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0515/tabak.html
Da bin ich mal gespannt, was aus dieser längst überfälligen Verordnung wird...
Ob das wirklich den Zigarettenkonsum einschränken können wird? -- Wahrscheinlich nicht.
===== TEIL C ========================================================
Am 21.04.2001 war zu lesen, dass Glückliche, gut aussehende Menschen, die gerne rauchen, auch weiterhin das Stadtbild in Solingen prägen würden. Einen Bürgerantrag von Hartmut Mosebach, Tabakwerbung in der Klingenstadt zu verbieten, wird die Unterkommission zur Vorberatung von Beschwerden und Anregungen am Donnerstag wohl ablehnen:
Die Stadt Solingen steht in der Abhängigkeit der Deutschen Städte-Medien GmbH (DSM), wo sie Mitgesellschafterin ist. Mosebach, Mitglied der Nichtraucher Initiative Deutschlands (NID), überrascht das nicht.
"Andere Städte in der Republik, zum Beispiel Karlsruhe, können auf Zigarettenwerbung verzichten", betont Mosebach im Gespräch mit der Morgenpost. Ihn und die übrigen Mitglieder der NID stört vor allem, dass Jugendliche durch die Plakate zum Rauchen verführt werden. "Die Zeit ist überreif, dass auch wir als Bürger der Stadt Solingen uns aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor der Tabakwerbung einsetzen", begründet Mosebach den Bürgerantrag.
Wer Flächen zur Tabakwerbung vermiete, mache sich mitschuldig an der Verführung von Kindern und Jugendlichen zum Gebrauch der Droge Nikotin, die dem Suchtpotenzial von Heroin in nichts nachstehe. Und die Werbespots sprechen gezielt auch Jugendliche an, ist Mosebach überzeugt. Seinen Bürgerantrag haben auch einige und ein Suchtberater unterzeichnet.
Für den Standpunkt Mosebachs hat die Verwaltung durchaus Verständnis. Schon mehrfach habe sich der Rat mit einem freiwilligen Verzicht auf Tabakwerbung befasst - aber nie einen konkreten Beschluss gefasst. Zwar ist die Verwaltung nicht süchtig nach Nikotin, aber dennoch hochgradig abhängig - von der Deutsche Städte-Medien. Dort ist die Stadt Solingen, Mitgesellschafterin: Sie muss also der DSM geeignete Flächen zur Werbung zur Verfügung stellen, für was auch immer. Und so lange die Stadt Mitgesellschafterin ist, kann sie die Verträge nicht kündigen.
Wirtschaftlicher Schaden
Was nicht so deutlich in der Verwaltungsvorlage steht: Die Stadt verdient auch ganz gut an der Werbung für den blauen Dunst. Würde die DSM auf Tabakwerbung verzichten "würden private Mitbewerber sofort das Marktsegment besetzten. Die Stadt hätte einen wirtschaftlichen Schaden", wird dann doch versteckt zugegebene.
Europa soll entscheiden
Um dem Bürgerwillen Genüge zu tun, hofft die Stadt Solingen auf ein Europa weites Verbot von Tabakwerbung. Es sei davon auszugehen, dass das in absehbarer Zeit erlassen wird und dann die Werbenutzungsverträge modifiziert werden.
Nachzulesen auf http://rp-online.de/news/lokales/solingen/2001-0421/so20000007_11001.html
Wäre ein bundesweites Werbeverbot für Zigaretten angebracht? Zweifelsohne.
Ist der wirtschaftliche Schaden höher zu bemessen als der gesundheitlich-gesellschaftliche? Anscheinend.
===== TEIL D ========================================================
Am 29.05.2001 eine auf den ersten Blick erfreuliche Meldung: Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, wird es in deutschen Zeitungen und Zeitschriften bald keine Zigaretten-Werbung mehr geben.
Am Mittwoch wagt die EU einen zweiten Vorstoß, um europaweit Werbung für Tabak zu verbieten.
Aus Kreisen der Brüsseler Behörde wurden bereits vorab Einzelheiten der Vorschläge des für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständigen EU-Kommissars David Byrne bekannt. Von dem Reklameverbot wären danach nur Zeitungen und Zeitschriften betroffen, die grenzüberschreitend vertrieben werden. Lokal- oder Regionalzeitungen könnten also wie bisher Werbeanzeigen für Glimmstängel schalten, wenn nationale Gesetze dies nicht verbieten.
Dieser nationale Ansatz soll auch auf Tabakreklame im Radio und Internet, in Magazinen oder für das Sponsoring von Veranstaltungen gelten. "Das Verbot gilt nur für Medien mit grenzüberschreitender Wirkung", hieß es informierten Kreisen der EU-Kommission. "Wir wollen keine Poster- oder Kinowerbung verbieten." Bei Formel-1-Rennen hingegen dürften Tabakkonzerne nicht mehr für ihre Produkte die Trommel rühren.
Im ersten und viel weitergehenden Versuch zu einer EU-weiten Regelung war Byrne im vergangenen Herbst an einer Klage der deutschen Regierung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg gescheitert. Die Richter hatten das bereits von allen europäischen Institutionen gebilligte Reklameverbot mit der Begründung aufgehoben, der EU-Gesetzgeber habe die Richtlinie auf eine falsche Rechtsgrundlage gestellt.
Byrne versichert nun, sein erneuter Vorstoß werde den Einwänden des Gerichts Rechnung tragen. "Der Gerichtshof hat der EU sehr wohl eine Kompetenz zugestanden, die grenzüberschreitende Tabakwerbung zu verbieten", heißt es aus dem Umfeld Byrnes zur Luxemburger Rechtsprechung. Tatsächlich gibt es in einer Reihe von EU- Mitgliedsländern seit Jahren ein Tabak-Reklameverbot: Grund genug für eine Harmonisierung der unterschiedlichen nationalen Regeln, meint die Kommission. Außerdem fordere der EU-Vertrag ein hohes Niveau beim Gesundheitsschutz.
Byrne will das Werbeverbot auch gegen den möglichen Widerstand der Regierung in Berlin durchsetzen. Die Belege dafür, dass Reklame zum Rauchen animiere, seien überwältigend, ein Verbot deswegen dringend geboten. "Wie kann man dagegen sein?", fragte Byrne kürzlich rhetorisch.
Aus den Reihen des Europäischen Parlaments wird bereits Zustimmung für den erneuten Vorstoß des EU-Kommissars laut. Der gesundheits- und verbraucherpolitische Sprecher der konservativen Europäischen Volkspartei, Karl-Heinz Florenz, weist darauf hin, dass Deutschland in der Frage des Tabakwerbeverbots nahezu allein dastehe und fast alle Mitgliedstaaten der Union den Kommissions-Vorschlag unterstützen.
"Dass sich Herr (Bundeskanzler Gerhard) Schröder weiterhin für die Tabakkonzerne und nicht für die Gesundheit vor allem unserer Jugend einsetzt, ist für mich aus gesundheitspolitischen Gründen völlig schleierhaft", sagt Florenz. Nach seinen Worten sterben allein in Deutschland jährlich zehntausende Menschen an den Folgen des Rauchens, in der EU nach Angaben aus Brüssel jährlich 500 000, das ist ein Mensch pro Minute. "Wenn sich daher nun die rechtliche Möglichkeit für ein Werbeverbot auf EU-Ebene ergibt, dann werden wir das auch durchsetzen", sagt Florenz.
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0529/zigarettten.html
Gleich am nächsten Tag ist heftige Kritik zu lesen -- war ja klar:
Das von der EU-Kommission geplante Tabakwerbeverbot ist bei Verlegern und Werbewirtschaft auf scharfe Ablehnung gestoßen.
Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) forderte die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf, den Vorschlag für ein entsprechendes EU-Gesetz zurückzuweisen. Das geht aus einer am Mittwoch in Brüssel verbreiteten Erklärung des ZAW hervor, dem 39 Verbände der werbenden Wirtschaft, der Medien und der Werbeagenturen angehören.
Der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne will an diesem Mittwoch einen Richtlinienvorschlag zum Verbot von Tabakwerbung in der Europäischen Union vorlegen. Wie bereits vorab bekannt wurde, soll das Reklameverbot nur für Medien mit grenzüberschreitender Wirkung gelten. Danach könnten beispielsweise deutsche Lokal- oder Regionalzeitungen weiter Werbeanzeigen für Zigaretten enthalten.
"Grenzüberschreitende Wettbewerbsverzerrungen gibt es im Handel mit Presseprodukten nicht", sagte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen. Deutsche Zeitungen, die auch im Ausland verkauft würden, richteten sich fast ausschließlich an deutschsprachige Leser wie Urlauber und Geschäftsreisende. Aus Sicht des BDZV sei es nicht hinnehmbar, dass Produkte, die legal hergestellt und vertrieben werden, nicht auch ebenso legal beworben werden dürfen.
Mit einem Vorschlag für ein weitergehendes Tabakwerbeverbot war der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar David Byrne im Herbst vergangenen Jahres an einer Klage der Bundesregierung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gescheitert. Der neue Entwurf soll nun die Einwände berücksichtigen, die das Gericht in Luxemburg gegen die alte Tabakwerberichtlinie vorgebracht hatte.
Nach Ansicht des ZAW erhebt sich die Kommission über das Urteil des EuGH, "indem sie zum zweiten Mal das umfassende Tabakwerbeverbot mit Wettbewerbsverzerrungen im EU-Binnenmarkt begründe, tatsächlich aber Regelungskompetenz im Gesundheitsschutz erschleichen wolle".
Nachzulesen auf http://www.rp-online.de/news/politik/2001-0530/tabakwerbung_kritik.html
Was lernen wir daraus? -- Die Industrie wird sich nicht so leicht den Geldfluss stoppen lassen.
===== TEIL E ========================================================
Am 02.06.2001 schließlich war die Stellungnahme eines Psychologen zu lesen: "Es ist ein totales Unding, dass ein Produkt, das täglich über 300 Menschen tötet, an jeder Straßenecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit unkontrolliert zu bekommen ist." Peter Lindinger, Psychologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, schwillt der Kamm.
Während Politiker noch darüber diskutieren, ob man Zigaretten am Automaten nicht doch besser nur mit Chipkarten kaufen sollte, möchte er die Automaten gleich ganz abschaffen. Und die Zigaretten dazu.
18 Millionen Menschen in Deutschland rauchen regelmäßig. Aufhören? Wenn das so einfach ginge. Denn Rauchen macht süchtig und Nikotin steht mit seinem Suchtpotenzial den Drogen Kokain und Heroin oder Amphetaminen in nichts nach. Die Gefahr von Zigaretten werde in der Gesellschaft nicht erkannt - weil keiner wissen wolle, was für ein starker Suchtstoff Nikotin ist, erzählt Lindinger. Wie die Nikotinsucht entsteht, erläutert der Fachmann so: "Nikotin, beim Rauchen inhaliert, stimuliert das dopaminerge System - die Belohnungsstrecke im Hirn, die von allen Suchtmitteln bedient wird - und löst dort euphorische Gefühle aus." Der Dauerkonsum von Nikotin führe dazu, dass sich bestimmte Nervenzellen im Hirn (nikotinergen Acetylcholin-Rezeptoren nennt sie der Fachmann) innerhalb kurzer Zeit vermehrten. "Diese haben sich auf die Aufnahme von Nikotin spezialisiert und schreien nach dem Stoff, sobald sie nicht mehr versorgt werden", erklärt Lindinger.
Das ist die eine Seite der Sucht, die pharmakologische. Die andere, schwerer zu bekämpfende Seite, ist die psychologische. "Wer mit dem Rauchen aufhört, wird in den ersten zehn Tagen mit Entzugserscheinungen rechnen müssen, wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, größerem Appetit, Anspannung und Schwitzen, erläutert Lindinger, der vor langer Zeit selbst einmal das Rauchen aufgegeben hat.
"Mit der psychologischen Abhängigkeit hat der Ex-Raucher länger zu kämpfen. Denn diese Seite der Sucht wird immer wieder reaktiviert durch die Umgebung und seine eigenen Routinen. Gebäude, Tageszeiten, Situationen wirken als Schlüsselreiz, der zur Zigaretten greifen lässt. Der Raucher hat sich eben konditioniert."
Die Gefahr eines Rückfalls sei in angenehmen Situationen besonders hoch; dann sind meistens andere Raucher und Alkohol mit im Spiel. Die Sucht lauere andererseits auch in kritischen Situationen; in privaten Krisen, bei Problemen am Arbeitsplatz oder wenn der Betreffende schlechte Nachrichten bekommen habe.
Eine Krise kann der Raucher auch dann bekommen, wenn er erfährt, was die Zigarettenkonzerne neben nikotinhaltigem Tabak noch so alles in den Glimmstängel mischen: "Insgesamt sind noch etwa 4000 andere Inhaltsstoffe in einer Zigarette, von denen ein Großteil schädigend und suchterregend ist. Zugesetzt werden Aromen, Glycerol zum Feuchthalten, Konservierungsstoffe, Lakritz und Ammoniak", zählt Lindinger auf, "letzteres weitet die Bronchien und sorgt dafür, das das Nikotin noch schneller wirkt."
Nachzulesen auf http://rp-online.de/news/wissenschaft/2001-0602/nikotin.html
Was lernen wir aus diesem Artikel? -- Ein Werbeverbot für Zigaretten reicht nicht. Auch Tabakprodukte selbst müssen verboten werden. DAS wäre ein erster Schritt nach Vorne.
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Was will ich mit diesem Thread zum Ausdruck bringen?
Gute Frage. Ich weiß es selber nicht. Ich sehe mit Entsezen, dass immer mehr Kinder (!) und Jugendliche mehr oder weniger regelmäßig zum Glimmstengel greifen -- und mit größerem Entsetzen sehe ich, wie sehr sowohl wir Bürger als auch die Politik uns von der Industrie und Wirtschaft in einem nicht akzeptablem Maße leiten lassen!
Verordnungen und Gesetze bewirken nicht oft das, was sie bewirken sollten. Wenn etwas verboten ist, reizt es noch mehr, es zu tun. Vor allem bei Jugendlichen.
<font color=red>Es bedarf also mühsamer und umfassender Aufklärungsarbeit unter den Menschen.</font>
Seit Ewigkeiten sind die gesundheitlichen Schäden, die durch Rauchen entstehen, bekannt, doch keinen scheint das zu interessieren.
<font color=red>Aber es geht uns verdammt noch mal was an!</font> Wir haben nicht nur unseren Mitmenschen gegenüber eine Verantwortung, sondern auch den folgenden Generationen gegenüber! Es gibt so unendlich viele Probleme, die anzupacken sind! Aber keiner will sich die Mühe machen!
<font color=red>Überbevölkerung, Hungersnöte, Energieproblem, Wasserknappheit, Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung, Arbeitslosigkeit,...</font> und eben auch die gravierenden gesundheiltichen Schäden, die durch die <font color=red>legalen Drogen Alkohol und Nikotin</font> verursacht werden!
Wohin soll das führen, wenn sich jeder einredet: "Das geht mich nichts an. Ich sterbe eh in ein paar Jahrzehnten." oder "Unsere Nachkommen können sich ja mit diesen Problemen beschäftigen." ?!
Es muss gehandelt werden! <font color=red><u>JETZT!</u></font>