Salve! Wir waren heute in so nem Bergwerks-Museum. In einer Vitrine lag so ein größerer NaCl-Kristall, indem deutlich zu erkennende blaue Stellen waren. Einer meiner Komilitonen meinte, dass käme durch Elektronen, die an Stelle von Anionen im Kristallgitter sitzen? Kann das?:suspect:
nobody
19.07.2001, 07:40
Hallo Last of the Sane,
Halit bzw. Steinsalzkristalle (NaCl) können selten auch blau bis violett gefärbt sein!
Diese schlierige Verfärbung wird durch schwach radioaktive Strahlung verursacht; hierbei bildet sich dann kolloidal verteiltes, metallisches Natrium.
Natrium ist übrigens für die Blaufärbung von noch vielen anderen Mineralien verantwortlich!
Ich selbst besitze in meiner Sammlung auch ein schönes Belegstück von blauem Steinsalz. Dieses stammt vom Kaliwerk Wintershall bei Heringen an der Werra. Die Kristalle kommen fast ausschließlich als Spaltstücke vor, bis Dezimetergröße!
Gruß Peter
mp67
19.07.2001, 08:44
...werden diese Fehlstellen genannt, und sie sind tatsaechlich durch Anionenvakanzen und darin getrapte Elektronen verursacht. Dazu findest Du naeheres hier. (http://www.chemie.uni-marburg.de/~butenuth/636.pdf) oder aber im EPR-Buch Deines Vertrauens. Der 'Kittel' FK-Physik gibt sicher ebenfalls Auskunft.
Quantenmechanisch laesst sich das e- als das gefuerchtete Teilchen im Kasten beschreiben. Da sich auch Alkalihalogenide mit zunehmender Temp. ausdehnen, steigt die Gitterkonstante, die Laenge des Kastenseiten waechst und man beobachtet eine Zunahme von lambdamax. Zudem liefert die Theorie Emax~1/a2, was an unterschiedlichsten Alkalihalogeniden bestaetigt gefunden wurde.
nobody
19.07.2001, 11:12
Yo, danke für die Antworten. Hab inzwischen mal im Römpp nachgelesen, da steht auch, dass blaues Steinsalz durch Einwirkung radioaktiver Strahlung ensteht. Das würde Mineralmans Theorie bestätigen, was soll ich jetzt glauben?:confused:
minutemen
19.07.2001, 12:59
die natürlich im steinsalz vorkommenden blauen stellen sind radioaktiven ursprungs, und mineralman hat recht (wobei wir das mit dem kolloidalen natrium streichen müssen - kolloid ist kein begriff für dieses phänomen der physik der festkörper) & mp67 hats dann nochmal auf den punkt gebracht - die sache mit den fehlstellen. zu glauben brauchst du nichts, denn du weisst's jetzt.
Godwael
19.07.2001, 13:38
Überleg doch mal: Wenn ein β-Teichen (e-) von Na+ absorbiert wird, daß metallisches Natrium entsteht, ist dem Kristall ein zusätzliches Elektron zugeführt worden, das ja auch irgendwo bleiben muß.
hippie
19.07.2001, 14:20
darin getrapte Elektronen verursacht
wird zeit, dass du wieder mehr deutsch speakst :D
hippie
nobody
19.07.2001, 16:03
Ok, aber reintheoretisch ist der Kristall dann doch nicht mehr elektrisch neutral, wenn da zusätzliche Elektronen drin sind oder?
mp67
19.07.2001, 18:24
Fuer jedes "zusaetzliche" e fehlt ja ein Anion, also bleibt Neutralitaet bestehen.
Micha.
nobody
19.07.2001, 18:52
Achso, ok.
nobody
19.07.2001, 18:59
Festskörperphysik ist nicht gleichbedeutend mit der kompletten Mineralogie! Diese Disziplin ist anzahlmäßig in viel mehr Teilgebiete aufgeteilt als hier jemand vermuten würde! Das Gegenteil will uns mp67 aber anscheinend hier suggerieren! Wenn ich von Kolloiden spreche, dann spreche ich von einem Gel und das kommt sehr wohl im Reich der Mineralogie vor! Und meine komplette Antwort war richtig auch bezüglich des Natriums oder Ihr müßt das langsam mit zich Fachleuten - Mineralogen per Definition - ausdiskutieren, wenn Ihr meine Antworten ständig anzweifelt bzw. mir nicht glaubt! Natürlich habe ich Recht!
QUELLE: LAPIS 92/11, SEITE 10 (STECKBRIEF ÜBER STEINSALZ) Diese Zeitschrift wird rund um den Globus gelesen bis hin zu den Aborigines in Australien! Das bitte ich auch mal zur Kenntnis zu nehmen!
Mit Eurem 'abgehobenen Niveau' hier kann ich allerdings wirklich nicht mehr mithalten -..' getrapt und lambda ', etc.. Sorry!
In diesem Sinne ...
Gruß Peter
minutemen
20.07.2001, 01:18
fehlstellen in kristallen sind keine kolloide & wenn sie noch so heftig auftauchen. und der lapis-lesende mineraliensammler, egal ob aborigin oder zulu, möchte offensichtlich nichts von frenkel- oder schottky-fehlstellen lesen - das sei ihm ja auch gegönnt. ein kolloid umfasst aber nunmal aggregate eines stoffes feinverteilt in einen anderen, beide mögen dabei fest, flüssig oder gasförmig sein. atomare verteilungen aber sind keine kolloide, sonst wären salzlösungen, legierungen oder x-beliebige stoffgemische auch kolloide. und natürlich gibt es in der mineralogie auch kolloide.
mineralman, ich finde es doch ok, das du hier für beiträge sorgst & sie zeugen doch von grossem interesse, enthusiasmus & wissen. aber weder wir noch du noch lapis haben den stein der weisen. der natürlich recht hat, heisst jahwe, elohim, allah, shiva, krshna oder ist mathematiker. also vorsicht mit absolutismen. ausserdem ist das hier ein diskussionsforum. also reden wir doch darüber. und wenn du das kolloid-argument vertreten willst, dann verteidige es, aber nicht mit der prämisse "ich habe recht". meine argumente siehst du oben. ok?
nobody
20.07.2001, 08:42
Ich habe nie behauptet bzw. geschrieben, daß Kolloide = Fehlstellen sind, sondern Gele. Fehlstellen im Kristallgitter sind auf Fehler während des Kristallwachstums zurückzuführen. In welcher Art und Weise sich nun Fremdbeimengungen des Kristalls während des Wachstumsprozesses 'bemächtigt' haben, lassen wir mal dahingestellt. CrO2 'verwandelt' den 'Gemeinen Korund' z.B. in einen Rubin. Hierbei werden dann Aluminiumatome durch Chromatome ersetzt. Das setzt natürlich auch Fehlstellen im Kristallgitter voraus. Manchmal wird ein Kristall aber auch einfach durch andere Ursachen als Fehlstellen, die besetzt werden, verfärbt. -
z.B. kapillare Einwachsungen, dünne Oxidationshäutchen (z.B. beim Bornit), Lamellen, sedimentierte Kugelpackungen (Opal), etc..
Ich habe auch nie behauptet die Weisheit für alle Themen 'mit Löffeln gefressen' zu haben. Nur im Bereich Mineralogie meine ich mich doch ein wenig auszukennen - unabhängig davon, daß ich selbst bereits ziemlich oft in Lapis und auch in anderen Fachzeitschriften als Autor oder Foto-Publizierer vertreten war.
Ich habe hier nur eben manchmal den Eindruck, daß es umgekehrt ist und bestimmte Leute hier auf alles eben die richtige Antwort haben und gleich mit Formeln um sich schmeißen, die einen zugegeben etwas blaß aussehen lassen und die ich auch nicht überprüfen kann, weil mir dazu die Möglichkeiten bzw. Quellenangaben fehlen. Daher mußte ich diesen Eindruck haben und das meinte ich dann auch mit 'abgehobenem Niveau' obwohl ich wirklich selbt schon für Exaktheit von Aussgaen in der Wissenschaft bin. Ich bin aber auch kein Naturwissenschaftler sondern betreibe die Mineralogie ja nur als Hobby. Da darf ich ja wohl auch eher mal einen Fehler machen als ein Chemiker und Mathematiker Eures hohen Profi-Niveaus (?)...
minutemen
20.07.2001, 11:38
na, klingt doch schon besser. die sache zu hinterfragen ist doch schöner, als gleich loszupoltern. und stichworte liegen auch vor, zb. frenkel- und schottky-fehlordnung. unter diesen stichworten findet man genügend material im netz, wo erläutert wird, um was es sich dabei handelt. ua. auch die seite, die micha gefunden hat - dort ist auch ein sehr passendes experiment beschrieben: ein NaCl-kristall wird erhitzt und seine leitfähigkeit vermessen, die mit wachsender T in folge zunahme der ionenleitfähigkeit rapide zunimmt. was nicht beschrieben wird - leider - ist eine erscheinung, die man dabei beobachten kann, wenn strom durch einen NaCl-kristall fliesst: er färbt sich blau. andere ursache, gleiches ergebnis: eine ausreichende anzahl an fehlstellen bedingt diese färbung. im natürlichen steinsalz hatten halt radioaktive verunreinigungen dazu über 200 mio jahre (die meisten deutschen steinsalzlager entstammen dem zechstein).
ps: ich würde es gerne sehen, wenn du auch weiterhin postest. es ist doch garnicht so, dass jeder deiner beiträge verrissen wird. wenn jemand meint, etwas korrigieren zu müssen, dann ist das doch ok, und sich daraus eventuell ergebende differenzen lassen sich auch ohne probleme ausdiskutieren, dazu ist ja dieses forum gedacht. fass doch das bitte nicht jedesmal als persönlichen angriff auf, bzw. wenn's dich nervt: tief einatmen, an was schönes denken und ein liedchen summen... so mach ichs auch.
gruss
minutemen
nobody
21.07.2001, 20:18
@minuteman
Ja, danke.
Habe jetzt zu der Frenky und Schottky-Fehlordnung auch noch einiges im Netz gelesen..