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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Interpretationen schreiben


D@nny
13.06.2004, 10:49
Wusste nicht so recht, wo der Thread nun hingehört, ihr habt ja kein Deutsch/Kunst-Forum.

Es geht im Allgemeinen um die Interpretation, und wie man sie schreibt. Folgende Probleme habe ich:

a)Deutsch
Ich zitiere einfach mal aus meiner letzten Arbeit:
"Daniel, bei der Interpretation stellt man zunächst einmal die Aussagen des Dichters in der logischen Entwicklung dar, erst danach deutet man sie.
Du bewertest teilweise. bzw. sagst, was für einen Gedanken der Dichter entwickelt- einzelnen Aussagen zuerst, dadurch geht der Zusammenhang der Gedanken verloren und du galoppierst in falsche Richtungen! ""

Normalerweise sind zumindest die Ansätze gut, bei dieser Arbeit habe ich aber die Fragestellung übersehen. Ich sollte von "das Leben ist wie ein Theater" ausgehen, und ich habe die ganze von "Schachspiel" geredet.

Es geht nicht darum, die Ansätze zu erkennen und sie zu deuten, das habe ich eigentlich gut drauf.
Vielmehr habe ich Probleme, das Gesamtwerk zu schreiben. Was muss wo hin, wie ordne ich das, wann folgt denn meine Interpretation etc.?

Kennt jemand dazu eine geschickte Seite? Mein Deutschbuch ist da nicht wirklich zu gebrauchen. Würde ich es nach denen machen, würde ne Arbeit locker 10 Stunden annehmen.

b)Kunst

Ähnlich wie Deutsch, allerdings habe ich hier keine Ansätze.

Sprich, ich bräuchte Seiten, die Farben und Formen deuten und auflisten, das fehlt bei uns total. Über die einzelnen Stipepochen weiß ich eigentlich gut Bescheid, der zeitliche Aspekt kann man also vernachlässigen.

Und dann wieder das Problem mit dem Verfassen...

Rolando
13.06.2004, 11:07
Eine Seite dazu kenne ich leider nicht, hier mal mein (persönliches und sehr erfolgreiches) Schema:

zu a): Ich ordne meine Interpretationen immer so:

1. Kurzer (!) Einleitungssatz mit einem Erlebnishorizont. (Was habe ich gedacht, als ich dieses Textstück zum ersten Mal gelesen habe.)

2. Eine ebenfalls kurze Inhaltsangabe, wichtig ist, dass die im Konjunktiv ist.

3. Analyse des Textes:

Je nach Textart kommt natürlich nicht alle vor:
- Stil
- Reimschema
- sprachliche Auffälligkeiten
- rhetorische Mittel (inkl. Deutung ihrer Wirkungsabsicht)
- Parataxe/Hypotaxe
- Argumentationstypen
- points of view (nur in Englisch verlangt)
- und noch so andere Kleinigkeiten

4. Interpretation:

Was will der Autor / die Autorin mit dem Text aussagen?
Wie passt es in die Zeit hinein?

5. Bewertung des Ganzen, oft komme ich da wieder auf Punkt 1. zurück.

Alichimist
13.06.2004, 11:09
Eine ebenfalls kurze Inhaltsangabe, wichtig ist, dass die im Konjunktiv ist.

was will der "Dichter" uns denn damit sagen ...(Bsp.?)

D@nny
27.06.2004, 11:18
Kurze Frage, kann ich das schreiben:

Schließlich beginnt zu philosophieren. Seine Abneigung gegen die Natur, als auch sein fast schon panisch wirkender Ekel, kristallisieren sich eindeutig heraus.

Es geht um das herauskristallisieren. Würde man das als Ausdruck unterstreichen?

Rolando
27.06.2004, 11:25
Das würde ich nicht unbedingt unterstreichen, wohl aber etwas anderes:
Schließlich beginnt (er) zu philosophieren. Seine Abneigung gegen die Natur(,) als auch sein fast schon panisch wirkender Ekel(,) kristallisieren sich eindeutig heraus.

D@nny
27.06.2004, 12:49
Komisch, beim Kopieren verschwinden anscheinend die Kommas.
Gut, ich stelle jetzt mal meine Interpretation von heute rein.
Freu mich über Tipps.

Der aus der Schweiz stammende Autor Max Frisch beschreibt uns in seinem Roman „Homo Faber“ (lat. Der arbeitende Mensch) einen westlichen, rationaldenkenden Ingenieur, der sein Leben und diverse Probleme aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Form eines Berichtes verarbeitet.



Walter Faber, der Ich-Erzähler des Romans, befindet sich mit Marcel, einer Zufallsbekanntschaft, gerade auf dem Rückweg nach Hause. Da sie noch immer im dichten Dschungel Guatemalas feststecken, müssen sie über sich ein Wechselspiel der Natur ergehen lassen. Während die beiden vom Regen erdrückt werden, ist Faber teilweise in Joachims Suizid vertieft.

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Schließlich beginnt er zu philosophieren. Seine Abneigung gegen die Natur, als auch sein fast schon panisch wirkender Ekel, kristallisieren sich durch den ganzen Romanauszug eindeutig heraus. Er kann diesem Schauspiel zwischen Erde und Regen nichts Positives abgewinnen, vergleicht dieses Ereignis viel mehr mit einem zähen Stoffwechselprozess, „Tümpel von schmutzigen Blut, Monatsblut“ (S.68 Z.33-34), „zuckende Schwänchen, wie ein Gewimmel von Spermatozoen“ (S.68 Z.35-36). Gewächse „glänzten wie Eingeweide“ (S.69 Z.9) und die Sonne schien „schleimiger denn je“ (S.69 Z.18). Sogar das sonst so reine Wasser ist mit „fauligen Bläschen“ (S.69 Z.23) durchzogen.

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Es ist vor allem dieser Ekel, der in Faber ein tiefes Angstgefühl hervorruft. Er sieht sich gegenüber der geballten Macht der Natur hilflos ausgesetzt, der „schwere Regen“(S.69 Z.6) scheint ihn zu erdrücken, die „dampfende Erde“ (S.69 Z.5) und die heiße Luft zu erschlagen. Er „hockte wie in einer Sauna“ (S.69 Z.12). Die Natur lässt sich nicht in einer Wahrscheinlichkeitsformel zusammenfassen, man kann sie nicht berechnen wie den Energieverbrauch eines Roboters. Sie ist „glitschig wie Vaseline“(S.68 Z.33), wie „Schlamm“ (S.68 Z.32), „schmierig wie Neugeborene“(S.69 Z.20) eine unkalkulierbare Größe in seinem rationalen Weltbild, einfach nicht greifbar. Um durch diese Einsicht nicht völlig „hysterisch und weibisch“ zu werden versucht er sich hoffnungsvoll einzureden, dass „sachlich betrachtet“(S.69 Z.10) alles in Ordnung ist. „Obschon eigentlich keinerlei Gefahr“ (S.96 Z.10) bestand, ist der sonst so menschenscheue Walter Faber durch die Anwesenheit Marcels sichtlich erleichtert.

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Noch viel größer, scheint jedoch, die Angst vor dem Tod, der ihn überall umgibt. Zuerst der Suizid seines besten Freundes Joachim, nun die „Verwesung voller Keime“ (S.68 Z.32), abgestorbene, ausgeschiedene Eizellen im Monatsblut, eine alles ertränkende „Sintflut“ (S.69 Z.5). Walter Faber sieht sich und sein Leben durch die ungezähmte Natur bedroht. Ginge man nach seinen Schilderungen, wie „grauenhaft“, „finster“, „unerträglich“, „heiß und dampfig“ könnte man denken, dass sich überall, nur nicht im Dschungel Guatemalas befinde. Dem Leser ergibt sich doch eher das Bild einer dem Tod nahe liegenden, qualvollen Hölle.

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Im Weiteren erkennt man Fabers Probleme mit Sexualität und Frauen, setzt dieser sie oft mit dem Tod gleich. Stimm er am Ende mit Marcel sogar überein, dass der Tod und die Erde eine Frau sind (S.69 Z.26 ff.). Fabers Bild von Frauen ist durchgehend negativ besetzt, sieht er sie doch traditionell als Haufrauen, als hysterisch und weibisch. Was ihn aber am meisten beunruhigt ist das Klammern des weiblichen Geschlechts, die Gefahr eine feste Beziehung eingehen zu müssen.

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Die Phobien, die in diesem Auszug, auftreten sind allesamt eines Ursprungs. Seine Abneigung gegenüber der Natur, den Ekel den er dabei empfindet, die Angst die er dabei spürt , als auch Zeit als Werkzeug des Todes und die Bindungsängste mit Frauen, alles sind Größen, die sich der Mathematik und den Naturwissenschaften nicht exakt bedeuten. Sie passen nicht in das perfekt geschaffene, rationale Weltbild von Walter Faber. Sie sind praktisch gesehen, dass exakte Gegenteil, von dem, was Faber als Ingenieur verkörpert. Die Unberechenbarkeit dieser Komponenten ist es, die bei Walter Faber immer zu Angstattacken führen.

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