Also ich beabsichtige scho seit längerem nach meinem Zivildienst (nur noch 5 1/2 monate...) Chemie zu studieren...deshalb hab ich damals in der 12. auch Chemie-Lk gewählt, um noch tiefer in die Materie einzusteigen. Meine Begeisterung für diese Naturwissenschaft ist in den letzten Jahren auf der Schule auch keineswegs in Mitleidenschaft gezogen worden, aber mir ist in den all monatlichen Praktika aufgefallen, dass ich dem Großteil der Versuche keine Begeisterung abgewinnen konnte...wen interessiert die ph-messung von waschmitteln oder die ach so spektakuläre titration von Phosphorsäure? Sowas mag essentiell für die Chemie sein, aber solche Versuche sin doch fad...
Dazu kommt noch, dass ich manchmal über 2 rechte Hände verfüge (bin Linkshänder!). Etliche Spritzer von HCl sin mir schon auf die Hände gekommen oder ich bin am Morgen mit schwarzer Hand aufgewacht(AgNO3!), Glasbruch gabs dann auch schon mal! Na ja des gehört wahrscheinlich zum Berufsrisiko!
Kurzum:Ich frage mich ob es mehreren Leuten so geht, oder ob die meisten Chemiestudenten wie man hört eher im Labor so richtig aufblühen...bei mir ist es nämlich nicht so! Ich finde die Theorie fast schon interessanter, wirklich spektakuläre Versuche mal ausgenommen...
Deshalb frage ich euch, ob es sich für mich "Praxismuffel" wirklich lohnt das Unternehmen Chemiestudium in Angriff zu nehmen! Oder gabs bei mehreren einen Praxisschock zu Studienbeginn? Darüber hinaus würde mich auch interessieren, wie die Praktikumsnoten zustande kommen? Durch Versuchsprotokolle oder etwa durch Aufsicht während eigens durchgeführter Versuche??
Schon mal danke für eure Antworten!
nobody
05.01.2004, 11:31
Hallo,
Darüber hinaus würde mich auch interessieren, wie die Praktikumsnoten zustande kommen? Durch Versuchsprotokolle oder etwa durch Aufsicht während eigens durchgeführter Versuche??
Hallo, Willkommen im Forum!
Originalnachricht erstellt von Elektrolyt
wen interessiert die ph-messung von waschmitteln oder die ach so spektakuläre titration von Phosphorsäure? Sowas mag essentiell für die Chemie sein, aber solche Versuche sin doch fad...
Schon, aber als Chemiker muss man sowas halt mal gemacht haben.
Dazu kommt noch, dass ich manchmal über 2 rechte Hände verfüge (bin Linkshänder!). Etliche Spritzer von HCl sin mir schon auf die Hände gekommen oder ich bin am Morgen mit schwarzer Hand aufgewacht(AgNO3!), Glasbruch gabs dann auch schon mal!
Nun ja, wenn man mit ätzenden Stoffen arbeitet, sollte man Handschuhe in Erwägung ziehen. :rolleyes: Was Glasbruch angeht: das geht anderen doch genauso. Manchen halt mehr, manchen weniger. Je mehr man Erfahrung sammelt, umso seltener werden die Missgeschicke (sagt man ;)).
Kurzum:Ich frage mich ob es mehreren Leuten so geht, oder ob die meisten Chemiestudenten wie man hört eher im Labor so richtig aufblühen...bei mir ist es nämlich nicht so! Ich finde die Theorie fast schon interessanter, wirklich spektakuläre Versuche mal ausgenommen...
Du kannst dich ja ab dem Hauptstudium in theoretische Chemie vertiefen -- aber durch die Grundpraktika musst du durch. Ich bin auch schon vollkommen entnervt vom OC-Praktikum, aber ich sag mir: bald ist es vorbei, und nächstes Semester hab ich kein OC (ich bin eher der AC geneigt)! ;)
Deshalb frage ich euch, ob es sich für mich "Praxismuffel" wirklich lohnt das Unternehmen Chemiestudium in Angriff zu nehmen! Oder gabs bei mehreren einen Praxisschock zu Studienbeginn? Darüber hinaus würde mich auch interessieren, wie die Praktikumsnoten zustande kommen? Durch Versuchsprotokolle oder etwa durch Aufsicht während eigens durchgeführter Versuche??
Also die meisten von uns (ich eingeschlossen) waren schon im ersten Semester vom Grundpraktikum (Titrieren ohne Ende) angeödet, und einige haben das Chemiestudium deswegen abgebrochen.
Die Praktikumsnote kommt meistens durch Protokolle und Kolloquien zustande, manchmal von Klausuren begleitet. Bei Analysen auch von der Fehlerzahl. Das hängt immer von Praktikumsart und Uni ab, aber zu Praktikumsanfang solltet ihr über die Notenbildung informiert werden.
Marvek
05.01.2004, 12:04
Auch ich bin den Praktika eigentlich eher abgeneigt, sicherlich muss man alles mal gemacht haben. Aber die Punkte zusammenzubekommen steht meistens bei den Praktika im Vordergrund, zu Lasten des didaktischen Wertes. Insbesondere das AC0 ist im Grunde dazu, dass man den Umgang mit den ganzen Laborzeugs lernt. Besonders idiotisch sind diese Notensysteme, das würde ich schonmal gar nicht als Spiegel der wahren Fähigkeiten betrachten (Ionenlotto :rolleyes: )
Aber wenn man sich dem bewusst ist und nicht alles zu verbissen sieht in den Praktika, dann kann man auch als Praktikumsmuffel das Chemiestudium meistern.
nobody
06.01.2004, 21:50
Also mal ernsthaft, es ist völlig wurscht was du machst, ob Studium oder Ausbildung oder was auch immer, du wirst immer wieder an gewisse Punkte kommen, die du im einen oder anderen Bereich nicht magst, die langweilig und unspannend sind. Du kannst davon ausgehen, das ca. 40-50% dienes späteren Jobs Routine ist. Egal um welchen Job es sich handelt. Die Frage ist doch: Was willst du denn später machen, mit deinem Studium?? Hast du dich das schonmal gefragt? Willst du in die Forschung? Willst du in die Routine-Analytik? Qualitätssicherung? oder an der Uni gleich bleiben?... Die Chemie ist nunmal eigentlich ein praktischer Beruf. Natürlich kann man auch z.B. sowas wie Labor- oder Kontroll-Leiter werden, aber wenn du keinen Spass daran hast Klafter-weise Papier zu unterschreiben und abzustempeln, dann würd ich mir das überlegen. Nunja, Kopf-hoch: Alle unangenehmen Dinge gehen auch mal vorbei!!
nobody
21.01.2004, 17:03
Mir gehts genauso wie Elektrolyt es beschrieben hat. Zwar bin ich nicht übermäßig dappig, aber die praktische Arbeit macht mir nicht wirklich Spass. Ich absolviere gerade mein Berufpraktikum an einer Universität als Biochemiker. Momentan bin ich in der 11. Klasse. Die Dinge, zum Beispiel DNA Sequenzierung, hören sich gesprochen vielleicth interessant an, aber praktisch sind sie wirklich langweilig. Ich frage mich deshalb , ob die Chemie/Biochemie überhaupt etwas für mich ist. Wie kann ich das herausbekommen?
Lia83
21.01.2004, 17:45
Unser Professor sagt immer, dass es sowohl Leute gibt, die die Theorie supergut können, dafür aber im Labor zwei linke Hände haben, als auch Leute, die so gut wie jeden Versuch auf Anhieb können, aber Probleme mit der Theorie haben.
Am besten haben es die, die beides "mögen", aber nur weil du dich "nur" für die Theorie mehr begeistert, würde ich dir nicht vom Chemiestudium abraten. So wie in der Schule hat man auch in der Chemie Bereiche die man mag und solche, die man total öde findet (PC Vorlesungen sind soooo spannend, finde ich - eine Formel nach der anderen :sleep: ).
Versuch es doch einfach mal, umentscheiden kannst du dich immer noch.
@MacroX: Probier doch auch noch andere Praktika (in den Ferien vielleicht) in Bereichen aus, die dich interessieren. Dann wirst du schon feststellen, was dir Spaß macht.
lg
Lia
FK
21.01.2004, 21:01
Im Zweifelsfall lernt man dabei, Dinge richtig zu tun, obwohl sie einem keinen Spaß machen.
Das ist doch die wirkliche Herausforderung: Aufgaben ordentlich zu erledigen, die man nicht wirklich mag - daran wird man später meist im Job gemessen.
Die Wenigsten haben das Glück, gern Auto zu fahren und dann höchstbezahlter Formel-1-Rennfahrer zu werden... ;)
Mach Deine Titrationen und sieh zu, dass ein Erfolgserlebnis daraus wird...
Gruß,
Franz
bm
21.01.2004, 21:40
Originalnachricht erstellt von FK
Das ist doch die wirkliche Herausforderung: Aufgaben ordentlich zu erledigen, die man nicht wirklich mag - daran wird man später meist im Job gemessen.
Die Wenigsten haben das Glück, gern Auto zu fahren und dann höchstbezahlter Formel-1-Rennfahrer zu werden... ;)
Gruß,
Franz
Dieser Ansicht kann ich nur zustimmen. Wenn auch zum Teil nur eingeschränkt :
Mit einer ordentlichen Ausbildung bist Du in der Lage das Verhältnis "nicht beliebte Aufgaben" : "Wunschaufgaben" einigermassen selbst zu bestimmen. Einigermassen.
retour zum Zitat :
Die Wenigsten haben das Glück, gern Auto zu fahren und dann höchstbezahlter Formel-1-Rennfahrer zu werden... ;)
Hauptsache ist doch einem gefällt es und man hat sein Auskommen damit. Von dem, was am Ende übrig bleibt, hat noch keiner was mitgenommen.
nobody
25.01.2004, 16:32
Hm... wer Experimente nicht mag, wird es in Chemie wahrscheinlich wirklich schwer haben. Ein paar Leute aus meinem Studiengang haben deswegen im ersten Semester abgebrochen (oder vielleicht doch eher wegen dem bei Erstis übermäßig strengen Praktikumsleiter/Prüfer *hüstel*). Allerdings sind es für mich eher die Praktika, die mich bei der Stange halten, während mich die Theorie abwechselnd zum Einschlafen oder zum Verzweifeln bringt. Es gibt halt so'ne und solche... Trotzdem denke ich nicht daran, das Studium aufzugeben. Es gibt immer irgend etwas, daß einem nicht gefällt. Man muß nur etwas anderes finden, daß einem wirklich Spaß macht, um das auszugleichen. :)
Zum Thema Ungeschick: Klar, für Titrationen und ähnliches braucht man ein "Händchen", aber das kommt mit der Zeit von allein - dafür sind die Praktika ja da. Glasbruch gehört einfach dazu und so teuer sind die Geräte nun auch wieder nicht - selbst eine "Katastrophenchemikerin" wie ich hatte pro Semester nur eine Rechnung von 15-20 Euro. Gerade am Anfang werden (zumindest bei uns) derartig strenge Verhaltensregeln eingeführt, daß wirklich nichts schlimmes passieren kann. Außerdem verliert man schnell die Angst vor Säuren/Basen, wenn einem in der Enge des Praktikumssaals häufiger mal das Experiment seines Gegenübers entgegenkommt. Und auch an die gelben Salpetersäureflecken an den Fingern gewöhnt man sich schnell... :D
(und wer keinen "Chemikerstolz" besitzt, kann ja Handschuhe tragen ;) )
Praktikumsnoten (die bei uns übliche Praxis):
1. theoretisches Antestat, sonst wird man gar nicht erst an den Versuch gelassen
2. Note auf das Ergebnis (d.h. die an dem Tag gefundenen Ionen bzw. Konzentrationen - teilweise wirklich glücksabhängig...)
3. zumindest ein umfangreiches Protokoll zu einem aufwendigeren Versuch mit ungewissem Ausgang (Naturstoffanalyse)
4. mehrere mündliche Testate im Semester über die Versuchstheorie
5. pro Semester eine oder zwei Klausuren zur Vorlesung
... am Ende wurde das Alles noch mit den Noten aus der allgemeinen anorg. Chemie (Klausuren, Testate) und dem Abschlussprüfungsgespräch verrechnet. Die Theorie hat im Endeffekt erheblich mehr Gewicht als die Praktika.
Aber damit, daß dir ein gestrenger Praktikumsleiter beim Experiment ab und zu über die Schulter schaut, mußt du schon rechnen. :eek:
:D
Hans-Dieter
25.07.2005, 20:15
Also kurz ich habe rund 20 Jahres meines chemischen Lebens andere Versuche machen lassen, da spielen linke oder rechte Hände später wirklich keine Rolle mehr.In der Chemie gibt es neben Titrationen auch Präparate und anderes, das Glas stirbt auch an der Uni allmählich aus, Glasblasen das ich noch gelernt habe spielt nicht mehr die Wichtigkeit, andere Dinge kommen im Berufsleben zu Tragen, Sicherheitsdaten, Jura und anderes also nicht stoppen lassen. Viel Erfolg
Hans-Dieter
CleanupStar
12.01.2006, 17:47
Für mich ist der Praktikumstag immer der schönste in der Woche. Ich werkel gerne im Labor herum. Die vielen Titrationen sind immer schnell gemacht. Zur Zeit machen wir Potentiometrie von Phosphorsäure und Konduktometrie von einem Essigsäure/Acetat Puffer.
Wer nicht gerne im Labor arbeitet für den ist sicher die Theoretische Chemie das richtige Aufgabengebiet. Da sitzt man nur am PC herum.
Gruß
Alex
DeFianT
12.01.2006, 20:25
[...]Die Dinge, zum Beispiel DNA Sequenzierung, hören sich gesprochen vielleicth interessant an, aber praktisch sind sie wirklich langweilig. Ich frage mich deshalb , ob die Chemie/Biochemie überhaupt etwas für mich ist. Wie kann ich das herausbekommen?Da vergleichst du Äpfel mit Birnen. "Geplante Demonstrationspraktika" sind natürlich langweilig, da du weißt, was rauskommen soll. Was glaubst du, was für einen Heidenspaß es ist Gelfiltration mit einer (3ml Bettvolumen) Säule durchzuführen und jeden 5. Tropfen das nächste Eppi drunter zu schieben... und dann Tage oder Wochen??
Aber der spannende Aspekt ist das Resultat. Das Praktikum wird dadurch interessant, dass man dazu angehalten wird genau zu arbeiten - auch wenn die Note eigentlich nichts zählt und zudem auch noch egal ist. Aber dies gibt einem den Anreiz genau zu arbeiten und eigene Resultate zu hinterfragen! Das verstärkt sich natürlich noch, wenn man selbst forscht!
Für mich ist der Praktikumstag immer der schönste in der Woche. Ich werkel gerne im Labor herum. Die vielen Titrationen sind immer schnell gemacht. Zur Zeit machen wir Potentiometrie von Phosphorsäure und Konduktometrie von einem Essigsäure/Acetat Puffer.Ihr habt nur einmal die Woche Praktikum?? Sonst wären so ja bei mir 4 von 7 Tage die Woche schön (das ist ja über 50% Optimismus :D)