Hab gerade folgenden Spiegel-Artikel gelesen:
"Deutsche horten Markmünzen im Wert von 3,6 Milliarden Euro" (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,271898,00.html)
Was mich interessieren würde: Was hat dieses Nichtherausrücken eigentlich für Auswirkungen auf die Wirtschaft? Wirkt das inflationär oder deflationär oder noch ganz anders? Ist das vielleicht der Grund für die schlechte wirtschaftliche Lage? ;)
Sind BWLer hier, die mir das erklären könnten?
Danke jetzt schon :-)
nobody
30.10.2003, 15:23
Das Nicht-Verwenden von Geld ist immer deflationär !
Wenn dadurch die Nachfrage abnimmt, so gleicht die Wirtschaft das aus, indem sie die Preise senkt. (Oder in dem Beispiel wohl nicht so steigern, wie sie es eigentlich vor hatte).
Aufgrund der sinkenden Einnahmen koennen die Unternehmen auch weniger Lohn auszahlen. Der Teufelskreis kann beginnen. Leute werden entlassen, da ja eine Überkapazität vorhanden ist.
Besser ist die Inflation !
hippie
30.10.2003, 15:30
Eine Deflation senkt auch die Kaufkraft.
Scheinbar Paradox, aber wenn etwas ständig billiger wird, warten die Leute länger bevor sie etwas kaufen und somit ist das Kaufverhalten zögerlicher und die Kaufkraft wird geringer.
bm
30.10.2003, 15:35
Das ist den Teufel mit dem Belzebub austreiben.
Deflation : Preise sinken. Der Käufer hält sich zurück, weil er damit rechnen muss, das gewünschte Produkt morgen billiger zu bekommen, und übermorgen noch billiger.
Umsatz/Produktion/Kaufkraft gehen zurück.
Inflation : (besonders Hyperinflation) Geld als Währungsmittel verliert seinen Sinn. Ein Gut, das ich heute gegen Geld "tausche" (=verkaufe), muss ich morgen zum nominal höheren Geldbetrag "zurücktauschen". -> Flucht in "Sachwährungen" (Zigaretten, Gold, etc.). Auch das bringt die Wirtschaft zum Erliegen.
Am besten ist immer noch die Stabilität, deshalb auch die Stabilitätsklausel im EU-Vertrag, auf die besonders Deutschland gedrungen hat.
Das funktioniert aber nur, wenn man mittel-/langfristig die Ausgaben den Einnahmen anpasst (und nicht umgekehrt, wie heute vielfach praktiziert). Dem "Schuldner" kommt die Inflation natürlich entgegen.
nobody
30.10.2003, 15:36
Originalnachricht erstellt von REM
Das Nicht-Verwenden von Geld ist immer deflationär !
Wenn dadurch die Nachfrage abnimmt, so gleicht die Wirtschaft das aus, indem sie die Preise senkt. (Oder in dem Beispiel wohl nicht so steigern, wie sie es eigentlich vor hatte).
Aufgrund der sinkenden Einnahmen koennen die Unternehmen auch weniger Lohn auszahlen. Der Teufelskreis kann beginnen. Leute werden entlassen, da ja eine Überkapazität vorhanden ist.
Besser ist die Inflation !
Klingt einleuchtend. Einen ähnlichen Schluss kann man aber auch für die Inflation ziehen: Das Geld ist weniger wert, also können die Leute weniger kaufen, die Industrie nimmt weniger ein und schließlich müssen wieder Leute entlassen werden.
Demnach kann das Ziel nur eine möglichst stabile Wirtschaft sein, ohne Schwankungen?!
nobody
30.10.2003, 15:39
Originalnachricht erstellt von bm
Inflation : (besonders Hyperinflation) Geld als Währungsmittel verliert seinen Sinn. Ein Gut, das ich heute gegen Geld "tausche" (=verkaufe), muss ich morgen zum nominal höheren Geldbetrag "zurücktauschen". -> Flucht in "Sachwährungen" (Zigaretten, Gold, etc.). Auch das bringt die Wirtschaft zum Erliegen.
Den Punkt verstehe ich nicht, wieso bringt das die Wirtschaft zum Erliegen?
Diese 'Flucht' ist doch nichts anderes als Konsumrausch, oder nicht? Es wird massenhaft gekauft, und das, wird jedenfalls immer gern behauptet, soll 'die Wirtschaft ankurbeln'.
nobody
30.10.2003, 15:42
In der Situation, wo die Nachfrage anzieht, wir die Wirtschaft auf jeden Fall zuerst versuchen, mehr zu produzieren. Wenn's nicht anders möglich ist, dann ziehen die Preise an.
Natuerlich gebe ich bm Recht, dass eine Überhitzung schlecht ist. Aber mir ist eine Inflation, verbunden mit Aktionen der Industrie, Leute einzustellen, lieber als Stabilität.
Was Stabilität im schlimmsten Fall bedeutet, sah man lange Zeit an den gekoppelten Währungen.
Und immer wichtig: Heute kommt zur Inlands-Nachfrage auch die Auslandsnachfrage dazu.
Leider wie schon mehrfach erwähnt, pfuscht eines ständig rein: die Psychologie !
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Ich möchte noch erwähnen, dass die Geldmenge sich steuern lässt !
Also wenn 3.6 Milliarden "vorenthalten" werden (egal ob Euro oder DMark), lässt sich das Geld innerhalb von wenigen Tagen in Umlauf bringen, indem die Zinsen gesenkt werden (dann wird das Sparen und Horten wenig attraktiv). 1% in den USA.
Dass auch dieses Mittel teilweise nicht fruchtet, sieht man in Japan.
FK
30.10.2003, 17:03
Ich schätze mal, dass eine Zinserniedrigung sich nicht auf den Bestand an gehorteten DM-Münzen auswirkt, da es ja auf Markstücke, die im Schrank liegen, ohnehin keine Zinsen gibt...
Gruß,
Franz
4hooves
30.10.2003, 17:29
Den Punkt verstehe ich nicht, wieso bringt das die Wirtschaft zum Erliegen?
Weil das kein eben kein Konsum ist. Wenn alle in Gummibärchen sind und alles gegen Gummibärchen statt Euro getauscht wird, werden die Leute sie nicht essen (Es heizt auch keiner mit Euroscheinen). Damit verliert die Wirtschaft alle Vorteile, die sie mit der Einführung des Geldes erworben hatte: Schnelle Transformation in beliebige Güter; günstige Lagerung (man stelle sich vor, ein Mercedes würde in Gummibärchen bezahlt) etc...
nobody
04.11.2003, 08:51
Okay, danke erstmal. Ich hab' diese ganzen Zusammenhänge mit Geldverkehr und Marktwirtschaft noch nicht so richtig durchschaut, aber ich bemühe mich irgendwie... :-)
anacondra
04.11.2003, 17:02
Originalnachricht erstellt von 4hooves
man stelle sich vor, ein Mercedes würde in Gummibärchen bezahlt etc...
?
[=was willst du damit sagen?]
4hooves
04.11.2003, 20:28
Nur ein Beispiel dafür, wie praktisch es für Mercedes ist, gegen Geld zu tauschen, statt gegen irgendwelche anderen Güter. Wenn ein Auto 50.000 € kostet und 300g Gummibärchen 1 €, dann könnte man doch auch 15 Tonnen Süßkram gegen das Auto tauschen. Wird keiner machen, weil 15 Tonnen Gummibärchen nicht auf Konten gezahlt und gelagert werden können, weil der Zulieferer nicht in Gummibärchen bezahlt werden will und die Arbeiter auch nicht.
(Je länger Ich schreibe, desto mehr habe Ich den Eindruck es ist umsonst, weil Ich aufgezogen werden soll)
4h sc.
anacondra
04.11.2003, 23:29
Originalnachricht erstellt von 4hooves
Nur ein Beispiel dafür, wie praktisch es für Mercedes ist, gegen Geld zu tauschen, statt gegen irgendwelche anderen Güter. Wenn ein Auto 50.000 € kostet und 300g Gummibärchen 1 €, dann könnte man doch auch 15 Tonnen Süßkram gegen das Auto tauschen. Wird keiner machen, weil 15 Tonnen Gummibärchen nicht auf Konten gezahlt und gelagert werden können, weil der Zulieferer nicht in Gummibärchen bezahlt werden will und die Arbeiter auch nicht.
mh. vielleicht war das der grund für die erfindung des geldes? :rolleyes:
der versuch dich aufzuziehen war das nicht, ich hab eher versucht dahinterzukommen, was du damit sagen willst...
ork
05.11.2003, 08:01
Originalnachricht erstellt von 4hooves
300g Gummibärchen 1 €
Geil! Wo? :p
Für bedeutender als die D-Markhortung erscheint mir die Eurohortung.
Ich zum Beispiel gebe nur einen recht geringen Teil der nichtdeutschen Münzen aus; ist schon ein ganz schöner Bertag, den ich aus dem Umlauf gezogen habe. Bin ich damit der einzige?
Marvek
05.11.2003, 16:40
Originalnachricht erstellt von ork
Für bedeutender als die D-Markhortung erscheint mir die Eurohortung.
Ich zum Beispiel gebe nur einen recht geringen Teil der nichtdeutschen Münzen aus; ist schon ein ganz schöner Bertag, den ich aus dem Umlauf gezogen habe. Bin ich damit der einzige?
Die Sammler gabs früher aber auch schon, in jedem Lande.
ork
05.11.2003, 18:13
Originalnachricht erstellt von Marvek
Die Sammler gabs früher aber auch schon, in jedem Lande.
Rischtisch.
Aber ich könnte wetten, dass durch den Euro (neue Währung) und die sehr viel breitere Verfügbarbeit des Sammelguts die Zahl der (Hobby)sammler in den Euroländern enorm gestiegen ist.
Marvek
05.11.2003, 18:20
Originalnachricht erstellt von ork
Rischtisch.
Aber ich könnte wetten, dass durch den Euro (neue Währung) und die sehr viel breitere Verfügbarbeit des Sammelguts die Zahl der (Hobby)sammler in den Euroländern enorm gestiegen ist.
Richtig, und nun bricht der Münzhandel förmlich zusammen, weil die Zahl wieder stark absinkt.
Man merkt es also kaum, und die anfängliche Europhorie fällt unter die "Eingewöhnungszeit", dass unterm Strich nichts auffälliges rauskommt.
pleindespoir
02.04.2009, 00:25
...mal ganz lustig so einen historischen Thread zu lesen - heute bei Euro und "leichter" Verminderung des Wirtschaftswachstums.
Und Deutschland, einstiger Verfechter der Stabilitätsklausel, hat es nur knapp geschafft, der EU-Strafe zu entgehen, indem die MWSt. "moderat" um 18,75% erhöht wurde. Und jetzt werden funktionierende Autos eingestampft, um die Industrie zu retten. Da frage ich mich ob da überhaupt noch wer (oder was) zu retten ist....