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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachweisreaktionen duch Komplexbildung


nobody
18.10.2003, 21:23
Hallo,
ich muss diesmal nachweisreaktionen zusammenstellen, die auf der Bildung von Komplexen beruhen.

Ein paar hab ich schon gefunden, bin mir aber nicht sicher ob diese auch stimmen.

Cu2+:
wird mit NH3 blau

Pb2+:
mit HCL entsteht Bleichlrid, welches in feinen Nadeln ausfällt

Fe2+:
wird mit K3[Fe(CN)6] blau

Fe3+:
mit 3SCN tiefrot
oder mit K3[Fe(CN)6]rot

NO2-:
Lunge Reagenz, Ringprobe <-- was ist das?

NO3-:
mit FeSO4 violett - brauner Ring

NH4+ :
noch nix


Kann mir bitte jmd sagen, ob meine gefunden Möglichkeiten richtig sind. Und evtl. eine dazu passende Reaktionsgl. formulieren :rolleyes:
Und zu denen die falsch oder wo noch nix steht mir Lsg. geben.
Ich bin mir auch bewusst, das nicht alle Lsg. von mir auch Komplexe sind, aber ich eben nix anderes gefunden.

Danke

Grüße Schrotti

Eyken
18.10.2003, 21:25
Fe3+:
mit 3SCN tiefrot
oder mit K3[Fe(CN)6]rot

Die sind beide richtig, habe die mit dem Kaliumhexacyanoferrat(II) auch ausprobiert, es entsteht das bekannte "Berliner Blau"

nobody
18.10.2003, 21:33
Warum heißt es "Berliner Blau", wenn es doch rot wird?

Eyken
18.10.2003, 21:37
Kaliumhexcyanoferrat(II) ist: K4[Fe(CN)6]
Dieses ist aber auch ein Nachweis für Fe3+ und ist eine Komplexverbindung!
Und was für eine Verbindung hast du dort?

FK
18.10.2003, 21:52
Originalnachricht erstellt von Eyken
Fe3+:

oder mit K3[Fe(CN)6]rot


Gibt (laut Jander) eine braune Färbung, ist aber keine übliche Nachweisreaktion.

Lunges Reagenz ist eine Mischung aus <font class="serif">&alpha;</font>-Naphthylamin und Sulfanilsäure; reagiert mit Nitrit zu einem roten Azofarbstoff.

Ammoniumionen kann man mit Nessles Reagenz nachweisen (Kaliumtetraiodomercurat + NaOH). Gibt eine orangebraune Färbung.

--> [NHg2]I

Oder einfach das Ammoniumsalz mit etwas NaOH mischen und den Ammoniak am Geruch und an der Blaufärbung von Universalindikator identifizieren.

Gruß,
Franz

buba
18.10.2003, 21:56
K3[Fe(CN)6] gibt mit Fe2+ eine tiefblaue Fällung von Turnbulls Blau Fe4III[FeII(CN)6]3. Bei vollständigem Luftausschluss fällt weißes Fe2II[FeII(CN)6]. Mit Fe3+ entsteht eine braune Fällung FeIII[FeIII(CN)6].

K3[Fe(CN)6] gibt mit Fe3+ Berliner Blau. Beim Stoffmengenverhältnis 1:1 bildet sich kolloidal gelöstes "lösliches Berliner Blau" K[FeIIIFeII(CN)6], ansonsten "unlösliches Berliner Blau", das dieselbe Formel wie unlösliches Turnbulls Blau aufweist [es besteht ein Gleichgewicht zwischen Fe2+/Hexacyanoferrat(III) und Fe3+/Hexacyanoferrat(II)].


Pb2+:
mit HCL entsteht Bleichlrid, welches in feinen Nadeln ausfällt
Das ist keine Komplexbildungsreaktion.

Blei lässt sich mehr oder weniger gut als K2CuPb(NO2)6 nachweisen.

Ein einfacher Ammoniaknachweis besteht darin, dass man die Probe mit Natronlauge versetzt und ein feuchtes Indikatorpapier drüber hält.

NO2-:
Lunge Reagenz, Ringprobe <-- was ist das?

NO3-:
mit FeSO4 violett - brauner Ring
Der Nachweis mit Lunge (der auch mit Nitrat funktioniert, wenn man Zinkpulver zufügt; reduzierende Ionen können falsch positive Reaktionen geben) beruht auf einer Azofarbstoffbildung, also auch keine Komplexbildungsreaktion.

Ringprobe:
Probelösung + FeSO4 wird langsam mit konz. Schwefelsäure unterschichtet. Ein brauner Ring an der Grenzfläche weist auf Nitrat hin, das zu NO reduziert wurde und den braunen Komplex [Fe(H2O)5NO]2+ bildet.

FK
18.10.2003, 22:13
Bei sehr geringen Bleikonzentrationen klappt das mit dem Chlorid nicht (löst sich zu etwa 1% in Wasser).
Statt dessen das Iodid ausfällen (gelb); löst sich in überschüssigem Iodid unter Komplexbildung.

Oder als Chromat fällen: sattgelber Niederschlag. Andere Ionen, die schwerlösliche Chromate bilden, stören.

Gruß,
Franz

nobody
18.10.2003, 22:27
Iodid ausfällen

Was ist damit gemeint?
Iodid in die Bleilsg geben?

Grüße Schrotti

buba
18.10.2003, 22:31
Ja, dann fällt erst PbI2 aus, das sich im Iodid-Überschuss unter Komplexbildung wieder löst.

nobody
19.10.2003, 12:13
Also ich hab mal versucht zu einigen Ionen die Reaktionsgl. aufzustellen.

2Cu2+ + K4[Fe(CN)6] --> Cu2[Fe(CN)6] + 4K2+ (brauner Nied.)

Pb2+ + 2NaOH --> Pb(OH)2 + 2Na- (weiß Nied.)
Pb(OH)2 + OH- --> [Pb(OH)4]2-

2Fe2+ + K4[Fe(CN)6] --> Fe2 [Fe(CN)6] + 4K2+ (weißlicher - hellblauer Nied.)

4Fe3+ + 3K4[Fe(CN)6] --> Fe4[Fe(CN)6]3 + 12K2+ (blauer Nied.)

NH4+ + 2K2[HgI4 ] + 4NaOH --> [Hg2N]]I*H2O +3H2O +4Na+ + 7I- + 4K2+ (orange - brauner Nied.)

Ist das soweit richtig?

FK
19.10.2003, 13:18
Originalnachricht erstellt von Schrottbike
Also ich hab mal versucht zu einigen Ionen die Reaktionsgl. aufzustellen.

2Cu2+ + K4[Fe(CN)6] --> Cu2[Fe(CN)6] + 4K2+ (brauner Nied.)

Pb2+ + 2NaOH --> Pb(OH)2 + 2Na- (weiß Nied.)
Pb(OH)2 + OH- --> [Pb(OH)4]2-

2Fe2+ + K4[Fe(CN)6] --> Fe2 [Fe(CN)6] + 4K2+ (weißlicher - hellblauer Nied.)

4Fe3+ + 3K4[Fe(CN)6] --> Fe4[Fe(CN)6]3 + 12K2+ (blauer Nied.)

NH4+ + 2K2[HgI4 ] + 4NaOH --> [Hg2N]]I*H2O +3H2O +4Na+ + 7I- + 4K2+ (orange - brauner Nied.)


Ich habe das, was mir nicht gefällt, rot markiert.

Kalium ist nur einfach positiv geladen; Natrium positiv und nicht negativ; beim Hydroxoplumbat kommen zwei Hydroxidionen dazu und nicht nur eines.

Gruß,
Franz

nobody
19.10.2003, 13:36
Danke für die Korrektur!
(Ich und die Schusselfehler :rolleyes: )

Hab dann jetzt noch den Nachweis mittels Ringprobe für NO3-:

2HNO3 --> H2O + 2NO + 3O
6FeSO4 + 3H2SO4 + 3O --> 3Fe2 (SO4)3 +3H2O
----------------------------------------------
6FeSO4 + 3H2SO4 + 2HNO3 --> 3Fe2 (SO4)3 +4H2O + 2NO

Fe2+ + NO --> [Fe(NO)]2+ (violett - brauner Ring)

Nun brauch ich nur noch einen Nachweis für NO2-.

Danke für die hilfen bis hier her!

Grüße Schrotti

buba
19.10.2003, 13:39
Originalnachricht erstellt von Schrottbike
Hab dann jetzt noch den Nachweis mittels Ringprobe für NO32-:

2HNO3 --> H2O + 2NO + 3O
6FeSO4 + 3H2SO4 + 3O --> 3Fe2 (SO4)3 +3H2O
----------------------------------------------
6FeSO4 + 3H2SO4 + 2HNO3 --> 3Fe2 (SO4)3 +4H2O + 2NO

Fe2+ + NO --> [Fe(NO)]2+ (violett - brauner Ring)
Lass die unbeteiligten Ionen weg und lass keine O-Radikale entstehen... und [Fe(NO)]2+ sieht auch schrecklich aus (obwohl es im Link unten auch so steht).


Lunge-Probe:
http://www.uni-giessen.de/~ge1016/skripte/ac2/ac2_kapitel1.pdf
S. 4

nobody
19.10.2003, 14:28
Mhhh,
also das Weglassen der unbeteiligten Ionen ist also eher ein Schönheitseffekt?
Weil wir solln die Reaktion ja herleiten!

Wenn man jetzt vom rein sachlichen her geht ist die Reaktion richtig!?!

Und kann man den Nachweis für NO2- auch mit der Ringprobe durchführen und sich halt auf das braunfärben ohne H2SO4 berufen?

Grüße Schrotti

buba
19.10.2003, 15:03
Originalnachricht erstellt von Schrottbike
Mhhh,
also das Weglassen der unbeteiligten Ionen ist also eher ein Schönheitseffekt?
Es ist der Übersichtlichkeit sehr förderlich.

Weil wir solln die Reaktion ja herleiten!
Und? Sulfat z.B. nimmt an der Reaktion nicht teil, also muss man es in der Reaktionsgleichung auch nicht mitschleppen.

Wenn man jetzt vom rein sachlichen her geht ist die Reaktion richtig!?!
Nein. Die O-Radikale stören, und es sind auch keine Redox-Teilgleichungen. (Wo sind die Elektronen? Was wird oxidiert, was reduziert?)

FK
19.10.2003, 15:06
Originalnachricht erstellt von Schrottbike
Mhhh,
also das Weglassen der unbeteiligten Ionen ist also eher ein Schönheitseffekt?
Weil wir solln die Reaktion ja herleiten!

Wenn man jetzt vom rein sachlichen her geht ist die Reaktion richtig!?!

Und kann man den Nachweis für NO2- auch mit der Ringprobe durchführen und sich halt auf das braunfärben ohne H2SO4 berufen?

Grüße Schrotti
Allgemein ist es besser, nur die an der Reaktion beteiligten Ionen in die Gleichung zu schreiben.

2HNO3 --> H2O + 2NO + 3O passiert hier nicht (sondern bei 600 °C, geschätzt), und einzelne O-Atome lässt man auch nicht entstehen.
Weglassen.

Die Salpetersäure wird direkt durch Fe2+-Ionen zu NO reduziert:
6FeSO4 + 3H2SO4 + 2HNO3 --> 3Fe2 (SO4)3 +4H2O + 2NO

Nitrite zerfallen schon im schwach Sauren über das Zwischenprodukt Salpetrige Säure zu NO und NO2; daher geht die Farbreaktion mit Eisen(II) auch ohne konz. Schwefelsäure. Einen Ring sieht man dabei natürlich nicht; die Lösung färbt sich braun.

Gruß,
Franz

nobody
19.10.2003, 18:15
Das versteh ich jetzt nicht so ganz.

HNO2- ist doch schon Salpetrige Säure.

Zek
19.10.2003, 18:24
Du meinst doch sicher FeSO4...

Kann es außerdem sein, dass du auf die Ringprobe für Nitrate hinaus willst?

nobody
19.10.2003, 18:27
Ja meinte ich und wollte ich ^^
Hatte den Post von FK aber übersehen... :rolleyes:

Adam
19.10.2003, 18:33
Man kann auch Nitrit Ionen mit der "Ringprobe" nachweisen (eher braune Lösung). Man kann aber nicht Nitrit neben Nitrat mit der Ringrobe nachweisen. Dazu verkocht man meistens die Nitrit Ionen mit Harnstoff.


Gruß
Adam

nobody
19.10.2003, 18:43
Also

NO2- + FeSO4 --> HNO2- + ?

Aber wo kommt das H her? Und warum sollten Nitrite über HNO2- wieder zu NO2- zerfallen?

Irgendwie steig ich da jetzt nicht hinter.

Micha
19.10.2003, 18:51
Originalnachricht erstellt von Schrottbike
Also

NO2- + FeSO4 --> HNO2- + ?

Aber wo kommt das H her? Und warum sollten Nitrite über HNO2- wieder zu NO2- zerfallen?

Irgendwie steig ich da jetzt nicht hinter.

Die Rgl. für den Nitrit-Nachweis lautet (lt. Jander):

[Fe(H2O)6]2+ + NO2- + 2 H+ <font class="serif">&rarr;</font> [Fe(H2O)6]3+ + NO + H2O
NO + [Fe(H2O)6]2+ <font class="serif">&rarr;</font> [Fe(H2O)5NO]2+ + H2O


was "HNO2-" sein soll, weiß ich nicht.. Tippfehler? HNO2 wäre die Salpetrige Säure..

Man kann aber nicht Nitrit neben Nitrat mit der Ringrobe nachweisen. Dazu verkocht man meistens die Nitrit Ionen mit Harnstoff.


auch Amidoschwefelsäure hilft da bestens...

Gruß
Micha

Adam
19.10.2003, 18:56
Irgendwie steig ich da jetzt nicht hinter.


Nun mal langsam...

Was Franz sicher meinte ist:

[Fe(H2O)6]2+ + NO2- + 2H+ -> [Fe(H2O)6]3+ +NO + H2O

Das NO reagiert weiter zu Pentaaquanitrosyleisen(III).

Die Reaktion läuft bereits in schwach sauerer Lösung ab.

-----

Ja, ja die Jugend ich werde auch immer langsamer ;)


Gruß
Adam

buba
19.10.2003, 19:00
Originalnachricht erstellt von Adam
Das NO reagiert weiter zu Pentaaquanitrosyleisen(III).
Sicher? Ich bin für Fe(II), und Micha auch.

Micha
19.10.2003, 19:23
Originalnachricht erstellt von buba
Sicher? Ich bin für Fe(II), und Micha auch.

Unser Analytik-Prof meinte, dass sich da die Geister scheiden. Es gibt die Theorie, dass NO neutral und Fe(II) bei seiner Ox.Stufe bleibt, andere sagen, dass NO- ensteht und sich somit Fe(III) bildet...

buba
19.10.2003, 19:38
Als MLCT oder "echte" Redoxreaktion?

Micha
19.10.2003, 20:08
Originalnachricht erstellt von buba
Als MLCT oder "echte" Redoxreaktion?
da meine Aufzeichnung dazu nichts hergeben, möchte ich die Frage ans Publikum weiterleiten... :( :rolleyes:
wenn ich mich recht erinnere, war das jedoch als "richtige" Redox an der Tafel.. aber angesichts der Tatsache, dass keine Klarheit besteht, wird wohl kein vollständiger Übergang stattfinden... (war allerdings irgendwann in 01/03, als wir das gehört haben. vielleicht gibt's ja neuere Erkenntnisse) :(

Adam
19.10.2003, 20:29
Sicher? Ich bin für Fe(II), und Micha auch.


Eigentlich sicher. Habe es schon mal in einem anderem Thread erwähnt:

http://www.studenten-city.de/forum/showthread.php?s=&threadid=15887&highlight=Ringprobe


Gruß
Adam

Micha
19.10.2003, 20:35
fein! :jump_mirror:
dann nehmen wir das mal so zur Kenntnis ;)

Gruß

FK
19.10.2003, 21:07
Originalnachricht erstellt von Schrottbike

Aber wo kommt das H her? Und warum sollten Nitrite über HNO2- wieder zu NO2- zerfallen?


Tun sie doch nicht...

2 HNO2 --> NO + NO2 + H2O

Das NO lagert sich an das Fe2+-Ion an. Über die Oxidationszahl des Eisens im Komplex streiten sich die Gelehrten schon seit langem...

Gruß,
Franz

nobody
19.10.2003, 22:52
Erstmal hab ich das was ich brauche ^^

Danke für eure Hilfe!

Grüße Schrotti

nobody
12.11.2003, 12:25
bei der ganzen geschichte musst du auch berücksichtigen, das sowohl cu als auch fe im gemisch vorkommen; ergo cyanoferrat nutzt herzlich wenig, auch wenn es schöne komplexe bildet - besser ammoniak und thiocyant

Easyquantum
15.12.2003, 19:21
Hallo,

hab da noch ne andere Frage zum Nitratnachweis.

Warum wird das Nitrat eigentlich erst an der Phasengrenzfläche reduziert.

Meine Vermutung: Nur an der Phasengrenzfläche wird das Nitrat zur Salpetersäure protoniert, welche sich leichter reduzieren lässt als das negativ geladene Nitration.

Welchen Einfluß hat die wasserentziehende Wirkung der Schefelsäure?

Danke und lieben Gruß

FK
15.12.2003, 19:41
Deine Annahme ist richtig, Salpetersäure lässt sich viel leichter reduzieren als das Nitration.
Das Redoxpotential für Nitrat zu Salpetriger Säure liegt im Sauren bei +0,934 V, im Neutralen (hier gehts zum Nitrit) bei +0,015 V. Von Nitrat zu NO (im Sauren) bei +0,957 V.

Die wasserentziehende Wirkung der Schwefelsäure spielt hier keine große Rolle, würde ich sagen, da die Redoxreaktion praktisch nicht reversibel ist.

Gruß,
Franz