Ein Problem, das eigentlich gar keins sein sollte, mit dem ich im Moment stark zu tun habe, ist die Tatsache dass ich in meinem Studium die Angewohnheit habe aus jedem Fach/aus jeder Prüfung 100% rauszuholen. Oft lerne ich für eine Prüfung dann 1 Monat und mehr und absolviere sie dann auch recht gut, doch während dieser Zeit absolvieren andere 2,3 Prüfungen bei welchen sie sich durch Spekulation, nur Lernen von alten Prüfungsfragen, Schummeln, eine postitive Note ergattern.
Ist in der jetzigen Zeit wo das Leben doch ziemlich "schnell" verläuft das Streben nach Perfektion nicht der richtige Weg ?
Kurzschluss
26.07.2011, 13:50
Wie lange willst du denn studieren?
Ich bin in Mindestzeit unterwegs und stehe kurz vor meinem Master Abschluss.
Ich bin gerade erst 24 geworden. Musste aber auch noch 8 Monate dienen, bevor ich zu Studieren beginnen konnte. Ich denke, dass es wichtiger ist, eher schnell zu studiere und vor allem häufig bei Forschungsprojekten involviert zu sein, als sich Zeit zu lassen und dafuer nur ausgezeichnete Noten zu haben. Im Studium erhälts du ja sowieso nur einen Ueberblick - richtig mit der Materie befasst du dich ohnehin erst wenn du an Forschungsprojekten mitarbeitest.
Ausserdem: Ich habe mich gerade fuer einen PhD beworben - die haben nicht mal nach einem Zeugnis oder einen Transcript of Records gefragt.
Deswegen: Noten sind nicht unwichtig - gute Referenzen hingegen Gold wert. Und die bekommt man nur ueber die Mitarbeit bei Projekten von Profs.
PCR
26.07.2011, 14:02
Wie lange willst du denn studieren?
Natürlich nicht länger als MZ + max 1 Jahr. Das Problem sind aber die Erwartungen an einen Absolventen der vielleicht mehr erreichen will als das Studium eigentlich zu bieten hätte. Sollte man sich nicht lieber im Laufe des Studiums auf ein Gebiet fixieren, dort gute Leistungen bringen und auch später etwas in die Richtung machen. Sind in Zukunft eher Spezialisten gefragt oder doch Universalgelehrte ?
PS: Ich bin 21, Semester 6, Pharmazie Wien
Friedrich Karl Schmidt
26.07.2011, 14:18
Ist in der jetzigen Zeit wo das Leben doch ziemlich "schnell" verläuft das Streben nach Perfektion nicht der richtige Weg ? Es ist nun mal so, dass die die Einen möglichst alles zu verstehen versuchen , während andere vor allen daran interessiert sind, das Studium möglichst schnell hinter sich zu bringen und Karriere zu machen. Zwar bin ich überzeugt, dass die zweite Gruppe die klar besseren Karrierechancen hat. Aber um dorhin zu wechseln, müsste man ja erst einmal aus seiner Haut heraus können.
Gruß FKS
PCR
26.07.2011, 14:30
... während andere vor allen daran interessiert sind, das Studium möglichst schnell hinter sich zu bringen und Karriere zu machen.
Ich kenne Personen die zwar sehr schnell mit dem Studium sind, aber kaum gute Worte drüber verlieren. Eher verärgert sind wenn mal was zum Lernen ist und Professoren sind schnell mal die Idioten wenn mal nicht alles nach Plan läuft. Kann man sich von solchen Leuten überhaupt erwarten, dass sie Karriere machen ? Ich finde sowas ist Selbstbetrug. Wenn mein Studium meine Profession ist dann muss es mir doch (bis zu einem gewissen Grad) Spaß machen. Aber immer mehr Absolventen mit so einer Einstellung sitzen dann später im Arbeitsamt. Das Geheimrezept ist wohl eine Mischung aus Interesse, Wissen und Glück.
chemiewolf
26.07.2011, 14:45
Interesse, Wissen und Glück.
und Beharrlichkeit.
Allerdings kann man ein Chemiestudium kaum absolvieren, ohne wesentliche Dinge verstanden zu haben (jedenfalls glaube ich das).
Friedrich Karl Schmidt
26.07.2011, 14:48
Kann man sich von solchen Leuten überhaupt erwarten, dass sie Karriere machen ? Ich finde sowas ist Selbstbetrug. Vielleicht nicht gerade bei den Extremfällen. Aber ansonsten schon. Allein schon deshalb, weil diejenigen, die später über Einstellung und Beförderung zu entscheiden haben, selbst auch eher im Ausnahme- denn im Regelfall zu den großen "Verstehern" gehören.
Gruß FKS
PCR
26.07.2011, 14:52
Allein schon deshalb, weil diejenigen, die später über Einstellung und Beförderung zu entscheiden haben, selbst auch eher im Ausnahme- denn im Regelfall zu den großen "Verstehern" gehören.
Einleuchtend und schockierend zugleich.
Thamadi
26.07.2011, 15:09
Soll das nun heißen, dass Personen, die gute Noten in der Regelstudienzeit haben, schlechtere Karrierechancen haben, als welche, die mittelmäßige Noten haben, dafür aber schneller fertig sind?
PCR
26.07.2011, 15:17
Soll das nun heißen, dass Personen, die gute Noten in der Regelstudienzeit haben, schlechtere Karrierechancen haben, als welche, die mittelmäßige Noten haben, dafür aber schneller fertig sind?
Es gibt ja auch noch den dritten Fall. Lange Studienzeit, schlechte Noten, aber dafür jede Menge Lebenserfahrung, viele Bekanntschaften geschlossen. Denen fehlt vielleicht das Wissen, haben aber dafür das Gespür zB ein Produkt unter die Leute zu bringen.
chemiewolf
26.07.2011, 15:27
weil diejenigen, die später über Einstellung und Beförderung zu entscheiden haben, selbst auch eher im Ausnahme- denn im Regelfall zu den großen "Verstehern" gehören.
diese Meinung kann ich nicht teilen. In der Regel machen die besten, ein vernünftiges Mass an Empathie voeausgesetzt, Karriere. Sie haben an der uni durchaus zu den Verstehern gehört. Blender mogeln sich zwar oft irgendwo hin, aber das hat irgendwo seine Grenzen.
Kurzschluss
27.07.2011, 11:09
Es ist ja nicht so, dass wenn man ein ordentlicher Student ist, ewig braucht und noch schlechte Noten hat.
Meiner Erfahrung nach ist es oft so, dass diejenigen, die sehr schnell bzw. schnell studieren auch durchwegs die besseren Noten haben als die Sandler (österreichisch fuer Obdachlose oder langsame Personen). Und natuerlich kenne ich eine handvoll, die lange braucht und deswegen nur ausgezeichnete Noten haben. Die sind aber eher die Ausnahme.
Ich denke man sollte ein gutes Mittelmass finden.
Wenn ich ein Beispiel von mir bringen darf: Anorganische Chemie hat mich nie besonders interessiert, deswegen habe ich dort im Bachelor durchwegs nur schlechte Noten. Die eher biochemischen Fächer hingegen habe ich immer sehr gut abgeschlossen. Deswegen habe ich nach dem Bachelor Chemie den Master Biochemie gewählt - jetzt studier ich schnell und hab gute Noten.
Friedrich Karl Schmidt
27.07.2011, 12:27
diese Meinung kann ich nicht teilen. In der Regel machen die besten, ein vernünftiges Mass an Empathie voeausgesetzt, Karriere. Sie haben an der uni durchaus zu den Verstehern gehört. Blender mogeln sich zwar oft irgendwo hin, aber das hat irgendwo seine Grenzen. Fast könnte man meinen, Sie wären neu hier im Forum.
Gruß FKS
chemiewolf
27.07.2011, 13:06
Fast könnte man meinen, Sie wären neu hier im Forum. Gruß FKS
ich bin doch neu hier, gerade mal 1,5 Jahre...
Thamadi
27.07.2011, 14:24
Eine Frage habe ich noch:
Was versteht ihr unter schnell: Absolvieren des Studiums unter der Regelstudienzeit?
Kurzschluss
27.07.2011, 14:28
Mindestzeit + 1 Semester.
chemiewolf
27.07.2011, 14:37
Absolvieren des Studiums unter der Regelstudienzeit
ja,
normal ist die Regelstudienzeit und langsam, was darüber liegt.
Calico1
19.08.2011, 15:25
Ich bin genau in der Regelstudienzeit (fuer Chemie von 10 Semestern) geblieben, weil ich im Ausland war. Waere ich nicht gegangen, waere ich nach 6 Semestern Schein-frei und nach 8 Semester fertig gewesen. Bessere Karrierechancen haette ich aber mit Sicherheit nicht gehabt. Wenn Bewerber (26J) mit nem 1,0 Diplom vor mir als chef sitzen wuerde neben nem Bewerber mit 2,0 (24J), wuerde ich denken, dass VLLT mal gefragt wird, warum da jemand langsamer war, letztlich aber wahrscheinlich den 1,0er nehmen.
Kurzschluss
22.08.2011, 12:15
Mag sein, nur macht man ja meist noch einen PhD: Dann siehts so aus (angenommen man braucht 3 Jahre fuern PhD):
der eine ist 27. hat den MSc mit 2,0 schnitt abgeschlossen und den Phd super in 3 Jahren beendet.
der andere ist 29. hat den MSc mit 1,0 schnitt abgeschlossen und Phd super in 3 Jahren beendet.
Da interessiert sich dann niemand mehr fuer das MSc Zeugnis. Ausserdem - ich hab mich gerade fuer PhD Positionen beworben - dort haben sie auch nicht nach einem Transcript of Records gefragt.
Ich finde sowieso dass Noten ueberbewertet werden. Wichtiger ist es zu publizieren.
chemiewolf
22.08.2011, 13:12
Wichtiger ist es zu publizieren.
für eine Stelle in der Industrie ist das nebensächlich.
Kurzschluss
22.08.2011, 14:23
Stimm auch wieder - um eine PhD Stelle zu bekommen ist es hingegen schon sehr wichtig.
Natuerlich kann man auch ohne PhD in die Industrie aber ich kenn keinen der ohne Doktor in die Industrie ist. Die Ausnahmefälle die bei einer Firma ihren PhD machen klammere ich jetzt mal aus. Liegt vielleicht auch daran, dass ich eher in den Biowissenschaften daheim bin...
chemiewolf
22.08.2011, 15:03
Stimm auch wieder - um eine PhD Stelle zu bekommen ist es hingegen schon sehr wichtig.
wer hat denn vorher schon publiziert? Wichtig sind Publikationen hauptsächlich für akademische Laufbahnen nach dem PhD.
Da man es mit der Zählerei aber übertrieb, werden heute oft nur die 10 relevantesten Publikationen eines Applikanten zu seiner Beurteilung herangezogen.
Kurzschluss
23.08.2011, 09:06
Ich, aber nicht als Hauptautor. Wenn man in die richtigen Arbeitsgruppen reinkommt, ist es kein Problem Papers mit der Bachelorarbeit und Masterarbeit abzustauben. Und egal wie mans dreht und wendet - mir bedeutet die Co-Autorenschaft da 100mal mehr als ein "sehr gut" auf irgendeine Vorlesung oder Laborkurs.
chemiewolf
23.08.2011, 11:30
mir bedeutet die Co-Autorenschaft da 100mal mehr als ein "sehr gut" auf irgendeine Vorlesung oder Laborkurs.
das bedingt aber nicht, dass sie auch für eine Doktorandenstelle maßgeblich sind.
Pfefferminztee
23.08.2011, 12:02
Ich frage mich eher wie man sich anstellen muss um sein Studium NICHT in Regelstudienzeit hinzubekommen?
Ich habe während meistes Biostudiums 20 Stunden die Woche gearbeitet und locker alles in 10 Semester reinbekommen.
Ich finde Noten sehr wichtig, wenn es damals keine 1,0-1,3 (1,7 gerade noch mit Schmerzen ok) gab dann fühlt ich mich schon wie der total Versager.
Man konnte viele Klausuren aber mit 1,0 abschließen wenn man nur das script auswendig gelernt und altklausuren gemacht hat. Mir scheint es, ich war eine totale Ausnahme weil ich mir dutzende Bücher gekauft habe und die sogar zum Großteil gelesen habe....
Überhaupt warum kaufen so wenig studenten Bücher? Ich finde nach seinem Abschluss sollte man schon eine kleine Bibliothek mit den wichtigsten Standardwerken daheim haben..... Nicht viele aber so 30-50 Stück sollten es schon sein....
nobody
23.08.2011, 12:27
@Pfefferminztee, bitte lass das Sarkasmus sein. Ich hoff du bist nicht 20h in der Woche arbeiten gegangen um dir 50 Lehrbücher zu je 100 Euro zu kaufen, wenn man sich die gratis in der Bibliothek holen kann. ;)
Pfefferminztee
23.08.2011, 13:08
Da war kein Sarkasmus in meiner Aussage, das war mein Ernst.
Ich bin arbeiten gegangen um mir meinen Lebensstandard zu erhalten (Weggehen, Markenklamotten, Heimkino, Taxifahren, Cocktails, mein Hobbylabor, mein PC usw.) Das Geld fürs Studium hatte ich auch so schon.
Nur bin ich ein gieriger Mensch der seine Ansprüche nicht zurückschrauben wollte. Wer will kann auch mit 600 Euro im Monat auskommen aber ich brauche mindestens 1200...
wenn man sich die gratis in der Bibliothek holen kann
Ich bin mehr der Typ der Dinge besitzen will... Verlei ist was für Arme.