Cyberlink
06.09.2000, 21:27
Wissenschaftler stellen einen Zusammenhang zwischen längerer Schulausbildung und schrumpfenden Gehirnen im Alter fest.
Es ist natürlich erst einmal eine schöne Meldung, die irgendwie paradox erscheint: Je gebildeter ein Mensch ist, desto mehr schrumpft sein Gehirn im Alter. Das wollen Wissenschaftler von der Psychiatrischen Abteilung des Henry Ford Health System herausgefunden haben.
Zunächst würde man wohl ja davon ausgehen, daß gebildete Menschen, das heißt in diesem Fall solche mit einer längeren Ausbildungskarriere, mehr Gehirnzellen benötigen. Unlängst hat man beispielsweise am Gehirn von Einstein entdeckt, daß ein Bereich des Vorderhirns wesentlich größer war als bei normalen Menschen ( Das Gehirn des Genies). Möglicherweise aber verschleißen die Gebildeten der höheren Stände eben mehr Gehirnzellen durch angestrengte kognitive Tätigkeit als jene, die sie eher schonen. Erfreulich ist für die lange und lebenslang Lernenden, die wir ja alle in der flexiblen Wissensgesellschaft werden sollen, daß die Schrumpfung des Gehirns sich nicht direkt auf das Gedächtnis oder auf das Denken auswirken soll, ja daß sie - dadurch? - gar einen größeren Schutz vor altersbedingten Schädigungen und Altersdemenz bietet. Das ist offenbar ein Beleg für die "reserve hypthesis", die hier erstmals empirisch bestätigt worden sei.
Mit dem Magnetresonanzbild-Verfahren (MRI) wurde bei den 320 untersuchten Menschen im Alter von 66 bis 90 Jahren die Gehirngröße gemessen. Dabei stellte sich heraus, daß das Gehirn bei Menschen mit einer höheren Ausbildungslaufbahn "signifikant" stärker geschrumpft war, was man an der Zunahme der Cerebrospinalflüssigkeit feststellte, die das Gehirn umgibt. Der Schrumpfungsgrad läßt sich sogar nach Ausbildungsjahren erfassen. Pro Ausbildungsjahr fand man 1,77 ml mehr Flüssigkeit. Beispielsweise hatten Personen desselben Alters und Geschlechts und mit derselben Schädelgröße, die 16 Ausbildungsjahre absolviert haben, 8 bis 10 Prozent mehr Cerebrospinalflüssigkeit als solche, die nur vier Jahre zur Schule gingen, was allerdings selbst bei 90jährigen etwas wenig zu sein scheint. Ausbildung also verwässert das Gehirn, aber hält es geschmeidig.
Vermutlich aber sollte man nicht zu dem Schluß kommen, daß derjenige desto klüger ist, je mehr sein Gehirn im Alter schrumpft. Längere Ausbildung spricht ja nicht unbedingt für mehr Intelligenz oder ähnliches, sondern eher für eine längere Schonungszeit, bevor man ins Berufsleben eintritt. Vielleicht also schon die lange Ausbildung gerade die Gehirnzellen, so daß man weniger benötigt, die gebrauchten aber dafür länger halten. Überdies ist längere Schulausbildung meist auch mit geringerer körperlicher Beanspruchung und vielleicht mit beruflichen Tätigkeiten verbunden, die weniger monoton und eher abwechslungsreicher sind als solche, die man mit wenigen Schuljahren ausüben kann.
Eine Erklärung für die Schrumpfung bieten die Wissenschaftler jedenfalls nicht, also warum das Gehirn mehr im Wasser schwimmt, wenn man länger zur Schule oder auf die Universität gegangen ist.
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Michael Pfister
Moderator
Es ist natürlich erst einmal eine schöne Meldung, die irgendwie paradox erscheint: Je gebildeter ein Mensch ist, desto mehr schrumpft sein Gehirn im Alter. Das wollen Wissenschaftler von der Psychiatrischen Abteilung des Henry Ford Health System herausgefunden haben.
Zunächst würde man wohl ja davon ausgehen, daß gebildete Menschen, das heißt in diesem Fall solche mit einer längeren Ausbildungskarriere, mehr Gehirnzellen benötigen. Unlängst hat man beispielsweise am Gehirn von Einstein entdeckt, daß ein Bereich des Vorderhirns wesentlich größer war als bei normalen Menschen ( Das Gehirn des Genies). Möglicherweise aber verschleißen die Gebildeten der höheren Stände eben mehr Gehirnzellen durch angestrengte kognitive Tätigkeit als jene, die sie eher schonen. Erfreulich ist für die lange und lebenslang Lernenden, die wir ja alle in der flexiblen Wissensgesellschaft werden sollen, daß die Schrumpfung des Gehirns sich nicht direkt auf das Gedächtnis oder auf das Denken auswirken soll, ja daß sie - dadurch? - gar einen größeren Schutz vor altersbedingten Schädigungen und Altersdemenz bietet. Das ist offenbar ein Beleg für die "reserve hypthesis", die hier erstmals empirisch bestätigt worden sei.
Mit dem Magnetresonanzbild-Verfahren (MRI) wurde bei den 320 untersuchten Menschen im Alter von 66 bis 90 Jahren die Gehirngröße gemessen. Dabei stellte sich heraus, daß das Gehirn bei Menschen mit einer höheren Ausbildungslaufbahn "signifikant" stärker geschrumpft war, was man an der Zunahme der Cerebrospinalflüssigkeit feststellte, die das Gehirn umgibt. Der Schrumpfungsgrad läßt sich sogar nach Ausbildungsjahren erfassen. Pro Ausbildungsjahr fand man 1,77 ml mehr Flüssigkeit. Beispielsweise hatten Personen desselben Alters und Geschlechts und mit derselben Schädelgröße, die 16 Ausbildungsjahre absolviert haben, 8 bis 10 Prozent mehr Cerebrospinalflüssigkeit als solche, die nur vier Jahre zur Schule gingen, was allerdings selbst bei 90jährigen etwas wenig zu sein scheint. Ausbildung also verwässert das Gehirn, aber hält es geschmeidig.
Vermutlich aber sollte man nicht zu dem Schluß kommen, daß derjenige desto klüger ist, je mehr sein Gehirn im Alter schrumpft. Längere Ausbildung spricht ja nicht unbedingt für mehr Intelligenz oder ähnliches, sondern eher für eine längere Schonungszeit, bevor man ins Berufsleben eintritt. Vielleicht also schon die lange Ausbildung gerade die Gehirnzellen, so daß man weniger benötigt, die gebrauchten aber dafür länger halten. Überdies ist längere Schulausbildung meist auch mit geringerer körperlicher Beanspruchung und vielleicht mit beruflichen Tätigkeiten verbunden, die weniger monoton und eher abwechslungsreicher sind als solche, die man mit wenigen Schuljahren ausüben kann.
Eine Erklärung für die Schrumpfung bieten die Wissenschaftler jedenfalls nicht, also warum das Gehirn mehr im Wasser schwimmt, wenn man länger zur Schule oder auf die Universität gegangen ist.
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Michael Pfister
Moderator