Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Didaktik bei Kindern
Mr. T
04.02.2011, 22:11
Hi!
Meine kleine Nichte ist an Chemie interessiert. Sie ist in der 4. Klasse und wollte bald anfangen, sie mit Chemie vertraut zu machen.
Studiere es nicht auf Lehramt und weiß daher nicht, wie ich anfangen sollte.
Mein Ansatz:
Aggregatzustände, pH-Werte, Atom-Bestandteile und evtl Bohr'sches Atommodell.
Was habt ihr für Ideen?
nobody
04.02.2011, 22:19
Was habt ihr für Ideen?
Lass den Unsinn.
Gruß
arrhenius
Mr. T
04.02.2011, 22:21
Hmmm weil es zu früh ist oder weil ich keine qualifizierte Lehrkraft bin?
nobody
04.02.2011, 22:25
Weil sie es m. E. nach nicht versteht, es ist zu abstrakt. Sie kann natürlich etwas nachplappern, aber das ist es wahrscheinlich nicht, was du erreichen willst.
Gruß
arrhenius
Mr. T
04.02.2011, 22:35
Ich wollte ihr keine abstrakten Methoden und Sachen beibringen. Auch kein Aufstellen von Reaktionsgleichungen oder derartiges.
Aggregatzustände, pH sauer, neutral, alkalisch (basisch), Proton, Neutron, Elektron sollten nicht zu abstrakt sein. Es wäre ja letzendlich auf dem Niveau des Sachkundeunterrichts in der Grundschule. Sie sollte nur wissen, dass es sowas gibt und teilweise, warum es so ist.
Btw: Wann fangen die Kinder eigentlich an mit Chemie? Immernoch in der 7.?
Biohazard88
04.02.2011, 22:51
Ja, 7. Klasse, manchmal auch früher, dann wird das mit Bio zusammen gemacht. Ich würde jetzt auch nichts unternehmen, warte bis sie in der Schule ist, bevor du-sorry-aber es versaust und das Kind nachher gar keine Lust mehr an Chemie hat.
MfG
pleindespoir
04.02.2011, 22:51
Kosmos-Chemiekasten zu Ostern/Weihnachten/Namenstag/Geburtstag/Karneval kaufen und einfach ein wenig zur Seite stehen dabei.
Ich empfehle zunächst eher den einfachsten Kasten zu erwerben und dann mal sehen, ob es interessant bleibt.
Abgeschlossenes Lehramtsstudiums ist dazu glaube ich nicht nötig.
Wichtig und das vergessen Eltern und vergleichbare nichtausgebildete Zwangspädagogen: Das Kind bestimmt die Geschwindigkeit !
Und es reicht ein Versuch pro Tag - nicht willenlos weiterpanschen, weils grad soviel Spass macht.
Viel Vergnügen jedenfalls!
Mr. T
04.02.2011, 23:19
@ Biohazzard
Das könnte gut möglich sein, aber sie will es ja selbst lernen und hat mich gefragt, ob ich ihr das beibringe. Natürlich ist es schwer einem Kind einen Lehrweg darzubieten, der Erfolg bringt. Einen Verusch wäre es wert.
@ pleindespoir
Das mit dem Chemiebaukasten ist eine sehr gute Idee. Die ist mir jetzt gar nicht eingefallen. Vielen dank!
pleindespoir
04.02.2011, 23:36
Weitere Anregung:
Falls ihr in der Nähe einer grösseren Stadt wohnen solltet, sind Veranstaltungen wie "Nacht der Museen" oder "Nacht der Wissenschaften" auch mit Programmen für jüngere ausgestaltet. Vorher in der jeweiligen Internetpräsenz gucken und genau raussuchen, welche Veranstaltung wann wo stattfindet und wie man dahinkommt.
;) Für chronische Autofahrer bergen solche Veranstaltungen, die sich auf den ÖPNV stützen, oft unüberwindliche Hürden. ;)
Üblicherweise sind mindestens zwei Veranstaltungen pro Abend in die Kategorie "Chemieshow" einzuordnen und machen den Kids Riesenlaune. Unter Umständen kommt man auch dabei in Kontakt mit den Instituten - manche machen gelegentlich spezielle "Kinderprogramme". Davon bekommt man als Normalsterblicher sogut wie nie etwas mit, weil das nicht so grossartig beworben wird.
Viel Spass jedenfalls.
Biohazard88
04.02.2011, 23:58
Im Grunde finde ich deine Idee ja sehr löblich, will meinen Cousin auch immer über biologische Dinge aufklären, er ist 7 Jahre und saugt das auf wien trockener Schwamm. Nur Chemie ist in dem Alter wirklich noch etwas zu abstrakt, antürlich kannst du es mal versuchen, aber sei nicht enttäuscht, wenns nicht klappt. Die Idee mit dem Chemiebaukasten ist wirklich gut so einen hatte ich auch mal als Kind und jetzt studiere ich Chemie :D also vllt hilfts ja ;-)
MfG
Mr. T
05.02.2011, 01:28
Das mit den Chemieshows wäre auch ne gute Möglichkeit. Die Kleine hatte war seitdem für Chemie begeistert, als sie meinen im Labor hergestellen Flummi gesehen hat. Leider ist die Realität mehr als ein Flummi. Mal gucken, wie weit wir kommen :).
Ja, manche bekommen einen Basketball, manche einen Chemiebaukasten. Ich werd' mein bestes geben.
Vielen Dank für die Anregungen
nobody
05.02.2011, 09:15
Ich wollte ihr keine abstrakten Methoden und Sachen beibringen. Auch kein Aufstellen von Reaktionsgleichungen oder derartiges.
Aggregatzustände, pH sauer, neutral, alkalisch (basisch), Proton, Neutron, Elektron sollten nicht zu abstrakt sein. Es wäre ja letzendlich auf dem Niveau des Sachkundeunterrichts in der Grundschule. Sie sollte nur wissen, dass es sowas gibt und teilweise, warum es so ist.
Btw: Wann fangen die Kinder eigentlich an mit Chemie? Immernoch in der 7.?
Was soll denn das konkret heißen?
- Aggregatzustände: Nur fest, flüssig und gasförmig oder Teilchenmodell?
- pH-Skala als Orientierung oder 10fache KOnzentration je Stufe?
- Proton, Neutron udn Elektron als Begriff, oder mit Ladung und Lokalisierung im Atom?
Selbst meine einfache Variante ist nicht ohne (für Kinder in diesem Alter sind Eis, Wasser und Wasserdampf drei verschiedene Sachen!) und das Kompliziertere ist abstrakt. Da gibt es nichts Anschauliches und deshalb versteht ein 4.-Klässler es halt auch nicht.
Wenn du wirklich , was machen willst, dann untersuche mit der Lupe Brausepulver (->Gemenge, Reinstoff), nimm Rotkohlsaft und untersuche Haushaltsstoffe, mach ein Papier-Chromatogramm von braunen Filzstiften oder trenne Schlammwasser. Oder kaufe ein Mikroskop und eine Was-ist-was-Buch für zusammen 100 Euro; damit kann man wirklich eine Menge untersuchen und die Kinder sind dabei nicht überfordert.
Aber unterlass bitte alle theoretischen "Belehrungen", die nur dazu führen, dass deine Nichte etwas nachplappert, was sie nicht verstanden hat. Es hat seinen Grund, dass die Dinge erst in späteren Schuljahren Gegenstand des Unterrichts sind.
Gruß
arrhenius
pleindespoir
05.02.2011, 12:30
Es hat seinen Grund, dass die Dinge erst in späteren Schuljahren Gegenstand des Unterrichts sind.
Es hat auch seinen Grund, weshalb sehr viele hochintelligente Kinder in den Schulen zu völligen Versagern werden.
Das aktuelle Interesse wird nicht gestillt und anstelle Anspruch wird stupides Abarbeiten von Vorgängen trainiert.
Bis es dann endlich einigermassen interessant wird, ist die Schule an sich schon völlig uninteressant geworden.
nobody
05.02.2011, 12:50
Es hat auch seinen Grund, weshalb sehr viele hochintelligente Kinder in den Schulen zu völligen Versagern werden.
Die Kleine hatte war seitdem für Chemie begeistert, als sie meinen im Labor hergestellen Flummi gesehen hat.
Ich bekam in Chemie eine 2, weil ich den Prof (Gym) oft korrigiert habe.
Kleine CHemiekästen gibts ab 6 Euro... kauf nacheinander, je nach Interesse MIT ihr ein.
Sollte sich dauerhaftes Interesse einstellen, ab zu Kosmos C1000-3000.
Praktische Versuche mit AHA-Effekt bringen 1000mal mehr als Theorie.
Schmeiss bitte Anleitung für den Flummi hier rein, würde ich gerne nachmachen.
LG KLaus
magician4
05.02.2011, 13:47
mit den zensuren in oesterreich net vertraut: ist die zwei "gut" oder "schlecht"?
--> hat der prof. positiv oder arrogant-negativ reagiert?
fragt sich
ingo
nobody
05.02.2011, 14:13
mit den zensuren in oesterreich net vertraut: ist die zwei "gut" oder "schlecht"?
--> hat der prof. positiv oder arrogant-negativ reagiert?
fragt sich
ingo
Wie bei Euch.. nur 1-5 in Ö, 1-6 in D.
2 = Gut
Der Prof sprach mich an, ich würde seine Autorität untergraben. :D
LG Klaus
Friedrich Karl Schmidt
05.02.2011, 15:09
Mr. T
Was habt ihr für Ideen?
Lass den Unsinn. Dem kann ich nur zustimmen.
Gruß FKS
Mr. T
05.02.2011, 16:08
Es hängt von ihr ab, ob sie das lernen will oder nicht. Ich werde es ihr nicht zwingend in ihren Kopf reinhauen. Man weiß nie, ob etwas funktioniert, bevor man es ausprobiert.
Man hat mir abgeraten, Latein zu wählen, weil ich es nicht schaffen würde. Es war letzendlich mein bestes Fach.
Meine Lehrerin auf der Realschule hat mir abgeraten, Chemie im Abi schriftlich zu nehmen, weil ich es nicht schaffen würde. Heute studiere ich es und bislang mit Erfolg.
Macht der Erfahrung sagt: Lass dich nicht abhalten. ;)
Aber natürlich wird alles von ihr abhängen und der Lehrvorgang wird abgebrochen, wenn ich sehe, dass es kontraproduktiv wird.
- Aggregatzustände: Nur fest, flüssig und gasförmig oder Teilchenmodell?
- pH-Skala als Orientierung oder 10fache KOnzentration je Stufe?
- Proton, Neutron udn Elektron als Begriff, oder mit Ladung und Lokalisierung im Atom?
Das Aggregatdreieck mit Schmelzen, Erstarren etc
pH unter 7 sauer, über 7 basisch, 7 neutral. Zitronensaft sauer, Seife alkalisch. Einfache Beispiele.
Protonen positiv, mit Neutronen im Kern, Elektronen negativ, außerhalb des Kerns. Protonenzahl = Elektronenzahl.
Es sollte wohl nicht zu abstrakt sein, hm?
Schmeiss bitte Anleitung für den Flummi hier rein, würde ich gerne nachmachen.
Ich hab es gescannt und schick es dir als mail, ja?
Friedrich Karl Schmidt
05.02.2011, 16:30
Man hat mir abgeraten, Latein zu wählen, weil ich es nicht schaffen würde. Es war letzendlich mein bestes Fach. Dass es unabhängig vom individuellen Notenergebnis sehr gute Gründe gibt, von Latein abzuraten, liegt ja wohl auf der Hand. Mich hat man seinerzeit in dieses Fach gedrängt. Ein Fach , mit dem man praktisch nichts anfangen kann.
Macht der Erfahrung sagt: Lass dich nicht abhalten. Weshalb fragen Sie dann überhaupt um Rat ?
Gruß FKS
Biohazard88
05.02.2011, 16:41
Er hat gefragt, WIE er anfangen soll, anscheinend statt schon von Anfang an fest, dass er anfängt. Es ging dem Themenersteller nur darum, mit welchen Themen er anfangen sollte.
MfG
Mr. T
05.02.2011, 17:22
Biohazzard hat es getroffen, ich wollte nur Ansätze für die Themen haben.
Mit Latein kann man einiges anfangen, das hängt aber von der Person ab. Naja, das ist jetzt hier nicht die Thematik.
nobody
05.02.2011, 18:33
Ich hab es gescannt und schick es dir als mail, ja?
Habe eine PM bekommen (eigentlich unmöglich) aber keinerlei Link/Grafik,..
bitte direkt an kernenergie(ÄT)gmx.net senden. DANKE!
LG Klaus
nobody
05.02.2011, 18:48
Protonen positiv, mit Neutronen im Kern, Elektronen negativ, außerhalb des Kerns. Protonenzahl = Elektronenzahl.
Es sollte wohl nicht zu abstrakt sein, hm?
Für ein 10jähriges Kind ist das vollkommen abstrakt Warum gerade das, was soll sie damit anfangen?
Schau dir mal ein Buch zur Entwicklungspsychologie an, dann weißt du, was ich meine.
Gruß
arrhenius
Mr. T
05.02.2011, 18:50
Merkwürdig, aber nu ist es versendet.
Shmoikel
05.02.2011, 18:51
Lehrstoff vorzugreifen ist problematisch, vor allem bei Kindern. Die Lehrmethoden privat und in der Schule sind i.d.R. verschieden, wodurch das Kind verwirrt wird und die Lust am Lernen verliert.
In der 4. Klasse mit Chemie anzufangen ist vertretbar denke ich. Wie man das am Besten anstellen sollte, kann ich pauschal nicht sagen.
Es kommt darauf an, was man dem Kind vermitteln möchte. Soll Wissen vermittelt werden, würde ich empfehlen, mit den Aggregatzuständen anzufangen (ohne Plasma). Das kann man auch schön zeigen z.B. Eis schmelzen und wieder einfrieren, eine kalte Scheibe in Wasserdampf halten...
Säure-Base ist auch ok, denke ich. Ebenfalls schön zu zeigen: Lakmuspapier an eine Zitrone und an Seife halten...
Atommodelle würde ich lieber lassen, denn sowas einer Viertklässlerin zu veranschaulichen dürfte sich als äußerst schwierig erweisen.
Eine andere Möglichkeit ist, das Interesse des Kindes aufrecht zu halten, bis es alt genug ist, die Dinge verstehen zu können. Ich würde dabei zum Chemiekasten raten. Da sind sehr schöne Experimente drin, die Kindern viel Spass machen. Allerdings haben sie keine Chance zu verstehen, was da passiert. Bitte dann nicht versuchen zu erklären.
nobody
05.02.2011, 18:54
Es hat auch seinen Grund, weshalb sehr viele hochintelligente Kinder in den Schulen zu völligen Versagern werden.
Das aktuelle Interesse wird nicht gestillt und anstelle Anspruch wird stupides Abarbeiten von Vorgängen trainiert.
Bis es dann endlich einigermassen interessant wird, ist die Schule an sich schon völlig uninteressant geworden.
Diese Meinung mag ja im Moment en Vogue sein, aber die Zahl der Hochbegaten, deren Talent in der Schule verkannt wird, ist marginal. Die meisten sind einfach auch gute Schüler und das Hauptproblem sind - trotz aller hier immer wieder aufkommenden Wiederholungen - nicht die sehr begabten.
Wobei ich nicht mal bestreite, dass man sie zusätzlich fördern könnte, aber zahlenmäßig ist die Gruppe derjenigen, die nicht mitkommen, das Hauptproblem.
Im Übrigen fördert der TES ja nur noch diesen Prozess: er nimmt einige Dinge vorweg, vielleicht sogar die, die den UNterricht so richtig interessant machen, "vermittelt" Dinge, die nicht verstanden werden, sugerriert aber dem Kind, dass es schon ganz viel kann.
Wenn das keine Voraussetzung für die zukünftige Langeweile in der Schule ist. Und wenn es dann nicht klappt, dann ist die Schule schuld.
Um nicht falsch verstanden zu werden: man sollte einem fragenden Kind natürlich ein Antwort auf seine Fragen geben und es anregen, sich mit neuen Dingen zu befassen. Aber es muss altersgerecht sein, und in diesem Fall ist es das aus meiner Perspektive nicht.
Im Übrigen käme auch (hoffentlich) keiner auf die Idee, einem Kind von 10 Jahren, welches Interesse an der Orbitaltheorie zeigt, weil es das vielleicht irgendwo gelesen hat, diese erklären zu wollen.
Gruß
arrhenius
Biohazard88
05.02.2011, 19:36
Ich finde wichtig, dass man am Anfang phänomenologisch vorgeht. Die Theorien dahinter lernt man später oder im Selbstsudium ;-)
Mr. T
05.02.2011, 19:46
Das mit der Orbitaltheorie ist ein schönes Beispiel - Gott bewahre Kinder in dem Alter vor so etwas.
er nimmt einige Dinge vorweg, vielleicht sogar die, die den UNterricht so richtig interessant machen, "vermittelt" Dinge, die nicht verstanden werden, sugerriert aber dem Kind, dass es schon ganz viel kann.
Ich würde schon vorsichtig damit sein, wenn es nichts verstehen würde. Aber wenn die Interesse und der Wille da ist, warum nicht unterstützen?
Der Chemiebaukasten ist schon eine sehr gute Methode, die ich in den Anspruch nehmen werde. Aggregatzustände und pH könnte man durchaus erklären. Atome wären wohl hier etwas vorgegriffen, da geb ich euch Recht.
Mal sehen, wie sich die Interesse entiwckelt, nachdem sie mit dem Baukasten experimentiert.
Alles andere folgt danach.
Ich war am Anfang etwas übereifrig, aber nun hab ich letzendlich eine bessere Planung erworben.
pleindespoir
05.02.2011, 22:23
Diese Meinung mag ja im Moment en Vogue sein, aber die Zahl der Hochbegaten, deren Talent in der Schule verkannt wird, ist marginal.
Es ist einfach persönliche Erfahrung von mir und meiner Söhne.
Natürlich kaum verallgemeinerbar, aber dadurch bin ich dafür etwas sensibel.
Inzwischen ist es nicht mal mehr nötig, besonders begabt zu sein, um keinerlei Reiz betreffs Wissensaufnahme im staatlichen Regelschulbetrieb zu empfinden.
Wer wirklich Hochbegabt ist, kapiert auch, dass er damit nicht hausieren geht, sondern sich besser unauffällig in der Masse untermischt.
So einfach kann auch einem etwas überdurchschnittlich Begabten ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer werden, der für die geschulten Fachpädagogen lediglich ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer bleibt und sonst nichts.
nobody
06.02.2011, 09:21
Aggregatzustände und pH könnte man durchaus erklären. Atome wären wohl hier etwas vorgegriffen, da geb ich euch Recht.
Aggregatzustände und pH benennen kann man machen, erklären wird scheitern.
Noch ein Tipp am Rande und dann will ich es auch sein lassen, weil ich nicht den Eindruck habe, dass du von deiner grundsätzlichen Haltung "Frühe Förderung in Chemie ist gut, wenn es das Kind will" ablässt: Lass deine Nichte etwas praktisch machen (ich habe dazu ein paar Dinge beschrieben, die auch 5. und 6.-Klässler noch gerne machen) aber verzichte auf den größten Teil der Theorie. Es bringt nichts.
Und die Chemiebaukästen halte ich auch nur für bedingt geeignet für diese Altersstufe, denn was kommt dabei heraus: man kippt etwas zusammen, ohne jedoch meistens etwas erklären zu können.
Dazu ein Beispiel, um dir die Problematik etwas zu erläutern: In der Klasse 8 geht es um die chemische Reaktion, z. B. bei der Reaktion von Kupfer und Schwefel. Dann sagen die Schüler: "Das Kupfer ist blau-schwarz geworden". Die Vorstellung, dass hier ein neuer Stoff entstanden ist, muss für die meisten erst erarbeitet werden, indem man sorgfältig herausarbeitet, dass Stoffe durch ihre Eigenschaften charakterisiert sind und folglich der schwarze Stoff nicht mehr das Kupfer sein kann. Erst nach einiger Zeit haben die meisten dies verstanden und für einen nicht unerheblichen Teil der Schüler bleibt eine Säure auch dann noch gefährlich, wenn sie neutralisiert wurde, einfach weil es ja eine saure Lösung war, die am Anfang vorlag.
Was ich damit sagen will ist, dass Kinder mitnichten so einfach etwas verstehen, auch wenn sie dir nickend zustimmen.
Mit vielen unverstandenen Versuchen erreichst du das Gegenteil von dem, was du willst: Chemie ist Zauberei, in der alles möglich ist.
Gruß
arrhenius
nobody
06.02.2011, 09:29
Natürlich kaum verallgemeinerbar, aber dadurch bin ich dafür etwas sensibel.
Das kann ich verstehen.
Inzwischen ist es nicht mal mehr nötig, besonders begabt zu sein, um keinerlei Reiz betreffs Wissensaufnahme im staatlichen Regelschulbetrieb zu empfinden.
Und da bin ich eben sensibel, weil mich solche Verallgemeinerungen und Verunglimpfungen einfach ankotzen.
So einfach kann auch einem etwas überdurchschnittlich Begabten ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer werden, der für die geschulten Fachpädagogen lediglich ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer bleibt und sonst nichts.
Oder er ist einfach ein desinteressierter Faulenzer.
Und man sollte nicht den falschen Schluss ziehen, dass ein desinteressierter Faulenzer dann auch hochbegabt ist, wie ich es mittlerweile schon ein paar mal selbst in Elterngesprächen erlebt habe.
Gruß
arrhenius
chemiewolf
06.02.2011, 09:43
Was habt ihr für Ideen?
Die Küche bietet sehr viele Möglichkeiten für chemische Experimente, z.B. Backpulver, Indikatoren (Farbe von Rotkohlsaft unter basischen , neutralen und sauren Bedingungen). Da findet sich viel, was man kindgerecht erklären kann.
nobody
06.02.2011, 09:53
Danke, habe Flummi.jpg erhalten!
Mal schauen wo ich Dichlordimethylsilan herbekomme.
LG Klaus
Friedrich Karl Schmidt
06.02.2011, 16:22
So einfach kann auch einem etwas überdurchschnittlich Begabten ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer werden, der für die geschulten Fachpädagogen lediglich ein desinteressierter hoffnungsloser Faulenzer bleibt und sonst nichts. Wieso dieses ? Ein wirklich Hochbegabter sollte doch wohl die geforderten Leistungen "mit links" erbringen. Und wenn er das tut, wird ein Lehrer nicht zu einem solchen Urteil kommen.
Sollten aber die geforderten Leistungen nicht erbracht werden, dann liegt m.E. keine Hochbegabung vor . Allenfalls die Variante, bei der die Hochbegabung durch arrogante Hochnäsigkeit blockiert ist. Ein Problem also, das wohl eher zu Lasten der Eltern geht.
Gruß FKS
Biohazard88
06.02.2011, 20:14
Nein, das stimmt nicht. Es gibt nicht viele hochbegate Kinder ( den genauen prozentuallen Anteil kenn ich nicht), aber es gibt viele unter den hochbegaten Kindern, die durch Unterforderung einfach irgendwann abschalten, dies aber nicht "extra" machen, sondern dazu gedrängt werden. Sie bnötigen ein Lern und Lehrumfeld, welches genau auf diese Kinder zurechtgeschnitten ist, fehlt dies kommt es zu ihren beschrieben subjektiven "Aussagen" Das Kind ist doof, es ist hochnäsig, etc. Diese Kinder müssen gesondert gefördert und gefordert werden, sonst wird das nichts.
pleindespoir
06.02.2011, 22:36
Ein wirklich Hochbegabter sollte doch wohl die geforderten Leistungen "mit links" erbringen.
Ein Vorschulkind hat auch wenn es überdurchschnittlich begabt ist, noch keine ausgeprägtes Karrierebewusstsein, sondern versucht mit seiner Umgebung - speziell den Kameraden gut zurechtzukommen. Es lernt dabei sehr schnell, dass schnelles Begreifen und Umsetzen hilfreich sein kann, aber einen fürchterlichen Störfaktor im sozialen Miteinander darstellt, wenn es öffentlich zur Schau gestellt und man damit aus dem Umfeld besonders herausgehoben wird.
Hervorragende Leistungen und besonders gute Noten stellen diese "störende Eigenschaft" besonders stark dar und sind daher für das Kind absolut unerwünscht. Das Lob aufgrund herausragender Superleistungen seitens Lehrer und Eltern ist eher peinlich, als aufbauend.
Ich erinnere mich noch an ein Schlüsselerlebnis im Kindergarten, als gefragt wurde, aus was eigentlich Holz ist. Mit meiner Antwort: "aus Zellulose" stellte ich mich in eine ziemlich exponierte Ecke - zumal die domptierende Nonne nun mal garnicht wusste, was das für ein Wort ist und meine Aussage korrigierte: "Holz ist aus Bäumen".
Nachdem ein weiterer Versuch, meiner damaligen Umgebung den Effekt des Durchbrechens der Schallmauer zu erläutern, ähnlich fehl schlug, war für mich Zurückhaltung im anschliessenden Schulbetrieb höchstes Gebot.
So wurde ich zu einem desinteressierten Faulenzer ...
Daos
07.02.2011, 07:15
Ich habe im Alter von 4 Jahren beschlossen, ich möchte im Labor arbeiten. Ich habe meine Eltern zwar oft und lang gelöchert, aber die wollten mir nicht sonderlich viel über Eigenschaften von Chemikalien und den Aufbau von Molekülen erzählen. Sie meinten, es wäre besser, wenn ich es in der Schule lerne. Und wenn ich mir die Beiträge hier so durchlese, weiss ich, sie hatten recht...
nobody
07.02.2011, 13:43
Ein Vorschulkind hat auch wenn es überdurchschnittlich begabt ist, noch keine ausgeprägtes Karrierebewusstsein, sondern versucht mit seiner Umgebung - speziell den Kameraden gut zurechtzukommen. Es lernt dabei sehr schnell, dass schnelles Begreifen und Umsetzen hilfreich sein kann, aber einen fürchterlichen Störfaktor im sozialen Miteinander darstellt, wenn es öffentlich zur Schau gestellt und man damit aus dem Umfeld besonders herausgehoben wird.
Hervorragende Leistungen und besonders gute Noten stellen diese "störende Eigenschaft" besonders stark dar und sind daher für das Kind absolut unerwünscht. Das Lob aufgrund herausragender Superleistungen seitens Lehrer und Eltern ist eher peinlich, als aufbauend.
Das kann passieren, aber daraus eine Verallgemeinerung abzuleiten halte ich für wenig sinnvoll, denn ich erlebe täglich Kinder, die ihr Wissen gerne anbringen und dafür von ihren Mitschülern hoch anerkannt sind.
So wurde ich zu einem desinteressierten Faulenzer ...
Bedauerlich, aber doch - zumindest nach meiner Wahrnehmung - nicht die Regel.
Gruß
arrhenius
Friedrich Karl Schmidt
07.02.2011, 14:11
Das kann passieren, aber daraus eine Verallgemeinerung abzuleiten halte ich für wenig sinnvoll, denn ich erlebe täglich Kinder, die ihr Wissen gerne anbringen und dafür von ihren Mitschülern hoch anerkannt sind. Ich gehe noch einen Schritt weiter : "Könner" werden fast ausnahmslos auch von ihren Mitschülern geschätzt. Nur bestimmte Typen von "Strebern" haben bisweilen Probleme. Und Lehrer die bestimmte Schüler ständig und "über den grünen Klee" loben, sind die Ausnahme und merken bald, dass derartiges Tun schlicht unpädagogisch ist.
Und selbst, wenn diese Position zu relativieren wäre, so ist dennoch nicht nachzuvollziehen, warum ein Schüler vom Überflieger zum Leistungsverweigerer und Versager wird. Jedenfalls wäre er dann offenbar ja nicht einmal begabt genug, um zu erkennen, welches Maß an Einsatz für in persönlich das Richtige ist.
Im Übrigen : Wie hoch ist eigentlich der Anteil an "Hochbegabten" ? Denn ich habe weder als Schüler, noch als Lehrer, noch irgendwo sonst jemals auch nur einen einzigen Hochbegabten persönlich kennengelernt.
Gruß FKS
chemiewolf
07.02.2011, 14:29
Denn ich habe weder als Schüler, noch als Lehrer, noch irgendwo sonst jemals auch nur einen einzigen Hochbegabten persönlich kennengelernt.
wie hätten sich diese denn outen sollen? Ansehen tut man es ihnen gewöhnlich nicht.
Da ihre Zahl aber wirklich überschaubar ist, werden sie tatsächlich oft nicht erkannt. Im übrigen hat die Gleichmachereipolitik in unserem Land jahrzehntelang eine systematische Bgabtenförderung leider erfolgreich verhindert.
Friedrich Karl Schmidt
07.02.2011, 15:17
wie hätten sich diese denn outen sollen? Ansehen tut man es ihnen gewöhnlich nicht. Ich selbst bin zwar weit weg davon , hochbegabt zu sein, aber andererseits auch nicht so biederen Geistes, dass ich nicht in der Lage wäre, um spätestens nach einiger Zeit zu erkennen, was einer auf dem Kasten hat.
Gruß FKS
chemiewolf
07.02.2011, 15:23
was einer auf dem Kasten hat.
oft werden Hochbegabungen bei Kindern oder Jugendlichen erst sehr spät entdeckt obwohl sie nicht nur biederen Geisten begegnen.
Friedrich Karl Schmidt
08.02.2011, 15:28
oft werden Hochbegabungen bei Kindern oder Jugendlichen erst sehr spät entdeckt obwohl sie nicht nur biederen Geisten begegnen. In diesen Fällen dürfte es sich um selektive Hochbegabungen, z.b für Musik handeln.
Im Übrigen : Was heißt hier oft ? Es geht hier ja solche Hochbegabungen , deren Intelligenz die der anderen so weit überragt, dass sie es als Zumutung empfinden dürfen , an "normalem" Unterricht teilnehmen zu müssen . Und dies ja nach Meinung einiger sogar als Rechtfertigung für asoziales Verhalten gesehen wird.
Über Hochbegabte, die keine Defizite im Sozialverhalten aufweisen und auch in dieser Beziehung hinreichend begabt sind, um zu erkennen, dass man sich sinnvoller Weise in eine Klassengemeinschaft integriert , über die braucht man ja nicht zu reden.
Auch würde mich schon einmal interessieren, woran Sie diese Behauptung konkret festmachen :Im übrigen hat die Gleichmachereipolitik in unserem Land jahrzehntelang eine systematische Bgabtenförderung leider erfolgreich verhindert. Was hätte man denn Ihrer Meinung nach tun sollen . Und von welche Personenzahl pro Jahr gehen Sie etwa aus ?
Gruß FKS
pleindespoir
08.02.2011, 23:58
Und von welche Personenzahl pro Jahr gehen Sie etwa aus ?
Wenn man davon ausgeht, dass sich die Verteilung der Intelligenz bzw. Begabung etwa mit der Gaussschen Normalverteilung darstellen lässt, dürfte es ungefähr so viele Kinder geben, die über der Standardabweichung liegen, wie solche, die darunter sind.
Jetzt kann man bestimmt auf der Homepage des entsprechenden Ministeriums nachlesen, wieviel tausend Schulplätze für Minderbegabte unterhalten werden und diese Anzahl mit den ich vermute mal nicht ganz sovielen für Hochbegabte vergleichen.
Ich weise nochmals darauf hin, dass eine Begabung ausserhalb der üblichen Bandbreite (egal in welcher Richtung) leicht zu Problemstellungen bezüglich der Sozialkompetenz führen kann. Es ist übrigens nicht besonders intelligent, sich positiv in eine Klassengemeinschaft einzubringen - wobei das positiv aus der Sicht des Lehrers betrachtet lediglich für ihn eine Bequemlichkeit bedeutet.
Naturgemäss sind Menschen instinktiv stark egoistisch orientiert und dazu noch entwicklungsgeschichtlich gesehen gerne bequem.
Wer also sehr arbeitsam und gemeinschaftsorientiert fleissig ist, ist vielmehr als ein kompletter Vollidiot einzustufen.
Wer also Hochbegabte mit diesen Eigenschaften sucht, kann möglicherweise fündig werden - wer Hochbegabung mit diesen Eigenschaften unbedingt verknüpft, muss sich nicht wundern, dass ihm noch niemals welche begegnet sind.
Pfefferminztee
09.02.2011, 00:01
Wie hoch ist eigentlich der Anteil an "Hochbegabten" ?Soweit ich weiss ist die offizielle Definition von Hochbegabt lediglich IQ > XY und mehr nicht.
So handhaben es jedenfalls Mensa und co. (habe ich mir von betroffenen sagen lassen).
Wenn man davon ausgeht, dass sich die Verteilung der Intelligenz bzw. Begabung etwa mit der Gaussschen Normalverteilung darstellen lässt,
Warum meinen eigentlich alle jedes X beliebige System erstmal mit einer Gauskurve einteilen zu können?
Genausogut kann die Verteilung ungleichmäßig sein.
pleindespoir
09.02.2011, 00:14
Warum meinen eigentlich alle jedes X beliebige System erstmal mit einer Gauskurve einteilen zu können?
Genausogut kann die Verteilung ungleichmäßig sein.
http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenzquotient
Hier wird er als normalverteilt dargestellt - muss nicht stimmen - ist ja wikipedia.
DoktorSowieso
09.02.2011, 01:04
Also ich würde auch mit einem Chemiekasten anfangen.
Bei mir gings auch in der 4. Klasse los, wobei ich im Sachkundeunterricht noch nichts damit zu tun hatte.
Und alles war ein Zufall, ich habe bei meinen Großeltern in der Werkstatt rumgewühlt und siehe da, Papas "Alten Chemiekasten" und Fläschen mit Totenköppen drauf gefunden.
Allerdings wurde mir erstmal verboten damit rumzuhantieren, bis mein Vater dann langsam wieder reinkam was er so alles damit machte.
Und joa, habe dann 2 Chemiekästen noch dazubekommen, den guten alten " Kosmos C 4000" gleich und noch son anderen.
Und dann experimentiert wie ein Irrer und habe mich damals schon mit dem Abibuch meines Vaters vertraut gemacht, wobei ich ganz ehrlich offen gestehe , das ich vielleicht 10% davon verstanden habe, hat es mich dennoch fasziniert.
Aber ich denke mal ein kleinerer Chemiekasten langt erstmal.
chemiewolf
09.02.2011, 11:55
Genausogut kann die Verteilung ungleichmäßig sein.
Wie soll das gehen?
chemiewolf
09.02.2011, 12:01
Was hätte man denn Ihrer Meinung nach tun sollen .
Man hätte z.B. wesentlich früher Elite-Unis benennen können. Seit einigen Jahren tut sich da ja endlich was.
Zu meiner Studienzeit (90er Jahre) sind sehr viele gute Profs ausgewandert. Wenn ich es richtig verfolgt habe, ist dieser Trend nicht mehr so ausgeprägt, bzw. rückläufig.
chemiewolf
09.02.2011, 12:08
Über Hochbegabte, die keine Defizite im Sozialverhalten aufweisen und auch in dieser Beziehung hinreichend begabt sind, um zu erkennen, dass man sich sinnvoller Weise in eine Klassengemeinschaft integriert , über die braucht man ja nicht zu reden.
das ist doch völlig ok. Die Gesellschaft sollte sich immer um die Aussenseiter kümmern. Und wenn es sich um Hochbegabte handelt, die sich dadurch entfalten können, werden sie die in sie getätigten Anstrengungen höchstwahrscheinlich vielfach an die Gesellschaft zurückgeben können.