Hallo
Durch einen Beitrag von hw101 ist mir dieses Thema wieder eingefallen.
Ich habe öfter meine Eltern beneidet, die in der Schule noch Kochen lernen durften.
Wir haben glaube ich in der Grundschule 2 mal oder so gekocht. Uns wurden auch nie Dinge wie z.B "wie führe ich Bankgeschäfte" oder so etwas erklärt.
Mir ist schon öfter aufgefallen, dass nicht jeder es schafft, diese Dinge selbstständig zu erlernen. Natürlich kann meine Mutter mir zeigen, wie man einzelne Gerichte kocht oder einen Überweisungsträger ausfüllt. Aber wäre es nicht schöner, wenn man soetwas zumindest in den Grundlagen an der Schule lernen würde?
Was meint ihr? War es sinnvoll, dass Kinder früher in der Schule kochen lernen durften/mussten oder ist das Aufgabe der Eltern?
kjetil
11.05.2010, 13:42
Also ich würde sagen, dass einfach die Zeit für solce Dinge fehlt
FK
11.05.2010, 13:56
Ich fände es sehr sinnvoll, Kindern praktische Dinge beizubringen.
Davon haben sie meisten sehr viel mehr Nutzen als von der Kenntnis antiker Dichter (beispielsweise).
Gruß,
Franz
Irrlicht
11.05.2010, 14:05
Und ich finde, die Eltern sollten nicht gänzlich und vollständig die Erziehung der Kinder abgeben.
Das stände Rufen nach dem Staat ist doch grotesk. Wobei eine Schnibbelei in kleinem Rahmen und gemeinsames Essen natürlich den Zusammenhalt fördert, 1-2 Mal im Jahr.
Wer nutzt heutzutage noch Überweisungsträger?
nobody
11.05.2010, 14:27
...
Wer nutzt heutzutage noch Überweisungsträger?
Ich - allerdings die elektronische Variante, weil nur ich selbst über mein Konto verfüge und mich von den modernen Raubrittern nicht bevormunden lassen und selbst entscheide, wann und wie ich meinen Zahlungsverpflichtungen nachkomme.
Gekocht wurde bei uns nur in der 7. Klasse wöchentlich und da 4 Stunden am Nachmittag mit finaler regulärer Zeugnisnote.
Meine Frau besuchte die HLW (http://www.hlw-dl.at/index.php?option=com_content&view=article&id=1&Itemid=25) - alias 'Knödel-Akademie, da gab es die letzten 2 Jahre bis zur Matura (Abitur) am Nachmittag verpflichtend 4 Stunden Kochunterricht (neben Physik + Chemie, Rechnungswesen + Buchführung - weil hier an anderer Stelle diskutiert wird).
Friedrich Karl Schmidt
11.05.2010, 14:33
Aber wäre es nicht schöner, wenn man soetwas zumindest in den Grundlagen an der Schule lernen würde? Ja, es wäre "schöner". Aber die Schule kann im Rahmen der verfügbaren Unterrichtszeit nun einmal nicht alles "Wünschenswerte " vermitteln , und deshalb sollte die Vermittlung von "Alltagsfähigkeiten" auch weiterhin Aufgabe der Erziehungsberechtigten bleiben.
Gruß FKS
tine
11.05.2010, 14:49
Ich habe die Hauptschüler damals vom Gebäude nebenan immer darum beneided, dass sie Kochen und Werken als Fächer hatten.. :) Aber ich seh leider auch nicht, wo sowas in den Alltag von z.B. eines Gymnasiasten reinpasst. Während meiner Ausbildung zur BTA hatte ich 'Wirtschatfslehre' als Fach, wobei dort eher über Dinge gesprochen wurde, die fürs spätere Berufsleben nützlich sein könnten (Steuereklärung, Versicherungen, etc.).
FK
11.05.2010, 14:59
Und ich finde, die Eltern sollten nicht gänzlich und vollständig die Erziehung der Kinder abgeben.Das stände Rufen nach dem Staat ist doch grotesk. Erziehung? Rufen nach dem Staat?:confused:
An ordentlicher Erziehung mangelt es diversen Kindern, das hat aber nichts mit der Kenntnis von Essen kochen oder Schrauben festdrehen zu tun...
non scholae, sed vitae discimus...
Gruß,
Franz
Alchymist
11.05.2010, 14:59
Kochen in der Schule: IMHO wäre das mehr als wünschenswert - es wäre dringend notwendig. Nicht nur die Fähigkeit zu kochen, schon die Kenntnis der wesentlichen Grund-Lebensmittel ist bei Vielen ausgesprochen schwach ausgeprägt. Das betrifft nicht nur die Schulkinder, sondern auch und gerade deren Eltern. Manchen wissen gerade einmal, wie man eine Mikrowelle einschaltet. Manche "moderne" Wohnungen haben gar keine Küche mehr, die die Möglichkeit bietet, mehr als Fertiggerichte darin warmzumachen (4 m2, ohne Fenster und Backofen).
Dies ist IMHO eine Ursache für viele ernährungsbedingte Krankheiten in unserer Gesellschaft - die Leute wissen einfach nichts über das Essen (ok, nicht alle und es ist auch etwas schichtspezifisch...). Wer selbst nix weiss, kann auch seinen Kindern nix weitergeben.
In Frankrecih gibt es (sofern eine Fernsehbericht stimmt, den ich mal gesehen habe, hab' gerade keine andere Quelle) ein Regierungsprogramm, dass Sterneköche in die Schulen schickt, um den Kindern Spaß am Essen und natürlich Kenntnis über das Essen nahezubringen. Befürchtung war, dass sonst die Fast-Food-Generation einen Bogen um die Sterne-Restaurants macht und ein Stück französischer Kultur damit den Bach runtergeht.
Ich selbst habe in der Schule Hauswirtschaft gehabt, ich habe es sogar als Leistungskurs bis zum Abitur belegt. Es war vom Inhalt her das, was als Fachrichtung "Ökotrophologie" heisst. Also Ernährungslehre in alles Facetten, von der Chemie der Nährstoffe, über Ernährung in verschiedenen Lebensumständen, über Technologie der Lebensmittel bis zu medzinischen Aspekten. Von jeweils 5 Unterrichtsstunden wurden 4 Stunden Theorie unterrichtet und 1 Stunde "Fachpraxis", also Kochen. Die Fachpraxis wurde dann monatlich im Block in der Lehrküche der Schule durchgeführt. Auch hier natürlich nicht als reine Spaßveranstaltung, sondern mit dem entsprechenden theoretischen "Background" (Spaß gemacht hat es trotzdem).
Für mich war es das wertvollste Fach in meiner ganzen Schulzeit. Von dem dort Gelernten habe ich lange Jahre profitiert. Das war Lernen fürs Leben.
Mit dem Argument von FKS kann man auch Kunst, Werken oder Sport dem Vater übertragen. Soll er doch seinem Sohn (nur dem!) zeigen, wie man Fußball spielt oder Holzmännchen schnitzt.
Ernährungslehre/Kochen ist eine so wichtige Mischung aus naturwissenschaftlicher und kultureller Bildung, dass es Pflicht an allen Schultypen, möglichst sogar schon im Kindergarten, sein sollte. Meine Meinung!
nobody
11.05.2010, 15:08
Ja, es wäre "schöner". Aber die Schule kann im Rahmen der verfügbaren Unterrichtszeit nun einmal nicht alles "Wünschenswerte " vermitteln , und deshalb sollte die Vermittlung von "Alltagsfähigkeiten" auch weiterhin Aufgabe der Erziehungsberechtigten bleiben.
Gruß FKS
Verstehe ich Sie richtig, dass Sie heute den Besuch einer AHS derer gegenüber einer BHS als sinnvoller erachten?
Mit einer BHS, m.E. haben die Abgänger doch mehr Chancen im Berufsleben Fuß zu fassen als ein AHS-Absolvent. Damit, dass die BHS-Absolventen zwar etwas länger zur Schule gehen, zwischendurch in Berufspraktika auch gleich einmal sehen was es heißt mit Arbeit Geld zu verdienen und schon etwas in den Sozialtopf fällt, gehen die bestimmt reifer und mit etwas mehr Ernsthaftigkeit ins Studium.
Falls das Studium dann nach wenigen Semestern abgebrochen wird, haben diese Leute wenigstens einen Beruf und können somit mehr als AHS-Abgänger.
Für das Studium ist ein AHS-Abgänger sicher befähigter als sein Kollege von der BHS - nur praktisch wird heute meist Abitur gemacht, und dann sehen wir einmal weiter... Man beginnt mit Jus, oder BWL - quasi schauen wir einmal wie's so läuft und obs 'schmeckt'...
Bis dahin haben die auch noch keinen Cent in den Sozialtopf gezahlt, sondern langen sogar noch auf Kosten der BHS-Kollegen zu!
Irrlicht
11.05.2010, 15:19
Ich - allerdings die elektronische Variante
Das meinte ich damit, bzw. eben genau nicht. Ich tätige auch alle Überweisungen online. Mit Überweisungsträgern meinte ich die Variante auf Zellstoffbasis.
non scholae, sed vitae discimus...
Also für mich war vieles, was ich gelernt habe, auch für's Leben wichtig. Und das auch, aber nicht nur, weil ich später auch einen anspruchsvollen Beruf gelernt habe. In Deutsch, mich passabel auszudrücken. In Geschichte, aus dieser zu lernen etc.
Aber wo soll man die Grenze ziehen? Irgendwann wird gefordert, dass die Kinder in der Schule Dinge lernen müssen wie Schuhe zubinden, Haushaltsgeräte kaufen, Kaffee kochen. Jeder Schritt in eine Richtung zieht automatisch andere nach sich, da muss man rechtzeitig und schnell einen Riegel vorschieben. Das Problem ist, dass diese Abwälzung der Erziehungsverantwortung in ein zentralistisches System ja von einigen tonangebenden politischen Kreisen geradezu herbeigesehnt wird unter dem Deckmäntelchen von Chancengleichheit oder ähnlich pervertierten Kampfbegriffen.
kjetil
11.05.2010, 15:43
Im grunde genommen hätte ich nichts dagegen, aber ich denke, dass es an einem Gymnasium eher fehl am platz ist, da diese Schule eher geistige und weniger praktische Bildung vermitteln soll.
nobody
11.05.2010, 16:20
Und ich finde, die Eltern sollten nicht gänzlich und vollständig die Erziehung der Kinder abgeben.
Ja, das ist eine schöne Forderung. Was macht man (der Staat) aber, wenn es nicht so ist?
Gruß
arrhenius
Irrlicht
11.05.2010, 16:45
Ja, das ist eine schöne Forderung. Was macht man (der Staat) aber, wenn es nicht so ist?
Nichts.
Füllwort
nobody
11.05.2010, 17:03
Nichts.
Füllwort
Und das ist auch die Antwort, wenn wir das Versagen von immer mehr Eltern in anderen Bereichen feststellen?
Gruß
arrhenius
S0S
11.05.2010, 17:24
Ich fände es gut, wenn ich in der Schule Dinge wie Kochen gelernt hätte, denn nicht alle Eltern sind überhaupt in der Lage, den Kindern so etwas beizubringen. Außerdem wird doch verlangt, dass Kinder den ganzen Tag in der Schule sind. Trotzdem sollen aber die Eltern sich immer noch um die wichtigsten Erziehungsangelegenheiten wie Benehmen und Alltagskompetenz kümmern. Das ist, finde ich, ein Widerspruch in sich.
Alchymist
11.05.2010, 17:26
In gewissen Kreisen ist das Mistrauen gegenüber staatlichen Erzeiehungseinrichtungen so ausgeprägt, dass sie am liebsten ihre Kinder zu Hause unterrichten würden.
In anderen ist der Wille und das Vermögen die eigenen Kinder zu erziehen so gering entwickelt, dass praktisch die gesamte Erziehungsverantwortung der staatlichen Erziehung zugeschoben wird.
Wie soll sich eine Gesellschaft da verhalten? Nichtstun ist deutlich zu teuer. Wer soll denn die ganzen Sozialfälle hinterher durchfüttern?
S0S
11.05.2010, 17:47
Ich finde, man sollte - unter gewissen Voraussetzungen - Kindern und Eltern so viel Freiheit wie möglich gewähren.
Eine gewisse Grundbildung muss verpflichtend sein. Doch wenn regelmäßige Überprüfungen stattfinden, ob das der Entwicklung des Kindes nicht schadet, warum sollte diese dann nicht im Heimunterricht vermittelt werden dürfen?
Im Normalfall wird ein Kind aber natürlich die Schule besuchen, um diese Algemeinbildung zu bekommen. Hier sollte dann unterschieden werden zwischen Pflichtfächern wie Mathe oder Deutsch, die vormittags stattfinden, und Wahlfächern sowie anderen Aktivitäten wie Kochen, Sport... Die Teilnahme an diesen sollte nicht verpflichtend (auch keine Anmeldung, außer einer Übersicht, für was genug Interesse besteht), aber kostenlos sein, sodass jedes Kind, das Lust hat, (auch die mit Heimunterricht) daran teilnehmen kann.
Das wäre meine Idealvorstellung. Mir ist klar, dass sich das nur schwer umsetzen lassen wird, aber ich halte es für Schwachsinn, jeden zum absolut gleichen zu zwingen, egal, ob es sinnvoll ist oder nicht.
Irrlicht
11.05.2010, 17:49
Gäbe es die Sozialfälle überhaupt, wenn man sie größtenteils sich selbst überlassen würde? Anderswo funktioniert das doch auch: Hilft zur Selbsthilfe, zeitlich begrenzt und an deutliche Auflagen verbunden.
Auf diesem Kontinent hingegen kann man es sich leisten, von der Wiege bis zur Bahre nicht einen Finger für die Allgemeinheit zu krümmen, sei es in einem Beruf oder bei der Kindererziehung.
"Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und könnten. "
Alchymist
11.05.2010, 17:58
Eine gewisse Grundbildung muss verpflichtend sein. Doch wenn regelmäßige Überprüfungen stattfinden, ob das der Entwicklung des Kindes nicht schadet, warum sollte diese dann nicht im Heimunterricht vermittelt werden dürfen?
Dafür gibt es mehrere Gründe.
1. Sozialkompetenz lernt man weder an Mamas Rockzipfel noch in Papas Arbeitszimmer.
2. Warum möchten Eltern ihre Kinder von den Einflüssen der Außenwelt abschirmen? Ist das, was sie für die richtige Bildung ihrer Kinder halten, auch unter objektiven Gesichtspunkten das richtige? Warum möchten insbesondere religiöse Extremisten (fundamentalistische Muslime, evangelikale Christen) so gerne ihre Kinder zu Hause unterrichten? Möchte die Gesellschaft das?
Ich bin schon ganz froh, dass es eine allgemeine Schulpflicht gibt. Was im Rahmen dieser öffentlichen Schule unterrichtet wird, und in wiefern z.B. die Eltern an der Gestaltung der Lerninhalte und -formen beteiligt werden können ist eine ganz andere Diskussion. Auch eine Wahlfreiheit bezüglich verschiedener Schultypen ist grundsätzlich positiv. Wenn sichergestellt ist, dass ein freiheitlich-demokratisches Weltbild die Grundlage der Erziehung ist. Und keine Indoktrination durch faschistoide Heilslehren.
S0S
11.05.2010, 18:02
Dafür gibt es mehrere Gründe.
1. Sozialkompetenz lernt man weder an Mamas Rockzipfel noch in Papas Arbeitszimmer.
2. Warum möchten Eltern ihre Kinder von den Einflüssen der Außenwelt abschirmen? Ist das, was sie für die richtige Bildung ihrer Kinder halten, auch unter objektiven Gesichtspunkten das richtige? Warum möchten insbesondere religiöse Extremisten (fundamentalistische Muslime, evangelikale Christen) so gerne ihre Kinder zu Hause unterrichten? Möchte die Gesellschaft das?
Das sind die Dinge, die ich mit "unter gewissen Voraussetzungen" und "ob es der Entwicklung des Kindes nicht schadet" zusammegefasst habe. Nur weil ein Kind nicht in die Schule geht, heißt das ja nicht, dass es keinen Kontakt mit Gleichaltrigen hat. Mit diesem Argument müsste der Besuch eines Kindergartens viel eher verpflichtend sein als der der Schule, da im Kindergartenalter die wichtigste Phase der menschlichen Sozialisation ist.
Alchymist
11.05.2010, 18:06
Mit diesem Argument müsste der Besuch eines Kindergartens viel eher verpflichtend sein als der der Schule, da im Kindergartenalter die wichtigste Phase der menschlichen Sozialisation ist.
Das ist keine ganz neue Erkenntnis, deshalb wird ja auch oft gefordert (und in einigen Bundesländern umgesetzt), wenigstens das letzte Kindergartenjahr kostenlos anzubieten.
Zwang ist ja immer so eine Sache, aber ich würde vollkommen zustimmen, dass es so weit wie möglich gefördert werden sollte, dass Kinder den KiGa besuchen.
FK
11.05.2010, 18:08
"Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und könnten. "Die Lehrer sollen den Kindern ja nicht lebenslang das Essen kochen oder Kleinreparaturen durchführen oder deren Überweisung tätigen. Aber wie man es prinzipiell macht, könnte man schon in der Schule lehren. Dafür könnte man zum Beispiel auf das Auswendiglernen sämtlicher Schlachten Alexanders des Großen verzichten. Das nützt nämlich im täglichen Leben nur denen, die bei Leuten mitreden wollen, die sämtliche Schlachten Alexanders des Großen auswendig können...:D
Und umgekehrt argumentiert: warum erwartet man nicht von den Eltern, dass sie ihren Sprösslingen die Grundrechenarten beibringen? Das können wohl alle (im Gegensatz zu Kochen).
Gruß,
Franz
nobody
11.05.2010, 19:13
Gäbe es die Sozialfälle überhaupt, wenn man sie größtenteils sich selbst überlassen würde? Anderswo funktioniert das doch auch: Hilft zur Selbsthilfe, zeitlich begrenzt und an deutliche Auflagen verbunden.
Was soll das denn konkret bedeuten?
Gruß
arrhenius
Irrlicht
11.05.2010, 19:33
Und umgekehrt argumentiert: warum erwartet man nicht von den Eltern, dass sie ihren Sprösslingen die Grundrechenarten beibringen? Das können wohl alle (im Gegensatz zu Kochen).
Das ist eine gute Frage. Ich konnte lesen und schreiben, bevor ich eingeschult wurde.
Die passende Antwort ist aber: Weil Mathematik nun mal ein Grundfach ist, auf dessen vier Grundrechenarten alles im weiteren Schulverlauf aufbaut. Aber will man automatisch mit dem Abitur auch Sternekoch sein?
Was soll das denn konkret bedeuten?
Dass man nicht überall, wo einzelne Familien versagen, sofort großflächig staatlicherseits gegensteuert, und so weitere Familien geradezu dazu anspornt, sich ebenfalls zurückzuziehen, da der Staat es ja schon regele.
Was diesem Land ganz besonders fehlt ist die "ich kümmer mich selbst drum"-Einstellung. Hierzulande kann jeder den größten Mist verzapfen, die Gemeinschaft wird es schon richten.
FK
11.05.2010, 19:40
Aber will man automatisch mit dem Abitur auch Sternekoch sein?
Es will auch keiner automatisch Mathematiker sein.
Zwischen Sternekoch sein und zu wissen, wie man sich aus Rohmaterial etwas halbwegs Essbares bereitet, liegen Welten.
Ebenso zwischen Mathematiker und der Kenntnis der zum täglichen Leben erforderlichen Rechen"künste".
Aber muss ich das extra erwähnen?
Ich konnte auch halbwegs lesen, als ich in die Schule kam. Hat mich halt schon vorher interessiert.
Gruß,
Franz
zarathustra
11.05.2010, 20:07
Kochen in der Schule: IMHO wäre das mehr als wünschenswert - es wäre dringend notwendig. Nicht nur die Fähigkeit zu kochen, schon die Kenntnis der wesentlichen Grund-Lebensmittel ist bei Vielen ausgesprochen schwach ausgeprägt. Das betrifft nicht nur die Schulkinder, sondern auch und gerade deren Eltern. Manchen wissen gerade einmal, wie man eine Mikrowelle einschaltet. Manche "moderne" Wohnungen haben gar keine Küche mehr, die die Möglichkeit bietet, mehr als Fertiggerichte darin warmzumachen (4 m2, ohne Fenster und Backofen).
Dies ist IMHO eine Ursache für viele ernährungsbedingte Krankheiten in unserer Gesellschaft - die Leute wissen einfach nichts über das Essen (ok, nicht alle und es ist auch etwas schichtspezifisch...). Wer selbst nix weiss, kann auch seinen Kindern nix weitergeben.Ich finde es schade, dass genau dieser Aspekt in der Diskussion etwas untergegangen ist. Ich habe es selbst in den USA erlebt, dass meine Mitbewohner nicht nur nichts gekocht haben, sondern das auch nicht mal konnten. Selbst sowas einfaches wie ein Auflauf war ihnen nicht bekannt. Statt dessen gab es wahweise fertig gekaufe Sandwiches, fertig gekaufte Pizza oder - welch Anwechslung - selbst in den Ofen geschobene TK-Pizza. Gut, faiererweise muss man gestehen, dass es auch manchmal TK-Fertiggerichte mit Gemüse hab, die selbst aufgewärmt wurden, oder "macaroni and cheese" aus der Mikrowelle. :rolleyes:
Eine gewisse Grundbildung was Ernährung und Kochen angeht, sollte es daher schon in der Schule geben. Nicht nur stumpfes Lernen von Nahrungsmittelbestandteilen oder Zahlenwerten für den Energiebedarf, sondern ein Verständnis für Nahrungsmittel und deren Zubereitung zu bekommen, sollte das Ziel sein.
Damit geht für mich auch einher, dass jede nach der Schulzeit auch mit Nährwertangaben auf Verpackungen umgehen kann. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie bspw. Frückstücksprodukte für Kinder angepriesen werden. Da sind dann "viele wertvolle Vitamine" enthalten, aber es verschwiegen, dass sie ein Drittel des Zucker- und Fettbedarfs für den ganzen Tag abdecken - für einen erwachsenen Menschen wohlgemerkt... Oder vermeintlich gesunde Milchgetränke, die nur "0,1%" Fett enthalten, mit den enthaltenen 11% Zucker wird natürlich nicht geworben!
Ein solches Verständnis ist meines Erachtens extrem wichtig, um überhaupt als "mündiger" Bürger bewerten und handeln zu können. Wie kann man meinen, dass sowas nicht wichtig sei?
kjetil
11.05.2010, 20:31
Eine gewisse Grundbildung was Ernährung und Kochen angeht, sollte es daher schon in der Schule geben. Nicht nur stumpfes Lernen von Nahrungsmittelbestandteilen oder Zahlenwerten für den Energiebedarf, sondern ein Verständnis für Nahrungsmittel und deren Zubereitung zu bekommen, sollte das Ziel sein.
Ich finde, sowas sollte man eher in der Grundschule als auf der weiterführenden lernen.
Alchymist
12.05.2010, 08:55
Ich finde es schade, dass genau dieser Aspekt in der Diskussion etwas untergegangen ist. Ich habe es selbst in den USA erlebt, dass meine Mitbewohner nicht nur nichts gekocht haben, sondern das auch nicht mal konnten. Selbst sowas einfaches wie ein Auflauf war ihnen nicht bekannt. Statt dessen gab es wahweise fertig gekaufe Sandwiches, fertig gekaufte Pizza oder - welch Anwechslung - selbst in den Ofen geschobene TK-Pizza. Gut, faiererweise muss man gestehen, dass es auch manchmal TK-Fertiggerichte mit Gemüse hab, die selbst aufgewärmt wurden, oder "macaroni and cheese" aus der Mikrowelle. :rolleyes:
Ich hatte schon einen Satz über unseren "Großen Bruder" in meinem Beitrag stehen, habe ihn dann aber wieder gelöscht, da wir mittlerweile in DL fast genauso weit sind, was den kulinarischen Analphabetismus angeht.
Eine gewisse Grundbildung was Ernährung und Kochen angeht, sollte es daher schon in der Schule geben. Nicht nur stumpfes Lernen von Nahrungsmittelbestandteilen oder Zahlenwerten für den Energiebedarf, sondern ein Verständnis für Nahrungsmittel und deren Zubereitung zu bekommen, sollte das Ziel sein.
Nicht nur eine gweisse Grundbildung. Ein Verständnis für
- Lebensmittel und deren Technologie
- Techniken der Zubereitung, chemische Vorgänge bei der Zubereitung
- Chemie der Nahrungsinhaltsstoffe und Zusatzstoffe
- Stoffwechsel, Biochemie der Nährstoffe
- pathologische Stoffwechselsituationen und darauf abgestimmte Ernährung (aka Diätetik)
Das geht weit über das hinaus, was man einem Grundschüler vermitteln kann, aber man kann nicht früh genug damit anfangen - am besten schon im Kindergarten.
Und höchstwahrscheinlich werden so geschulte Kinder auch ihren Eltern etwas beibringen, wenn es schon umgekehrt nicht geht.
Ich verstehe eigentlich nicht, warum nicht die Krankenkassen einen Ernährungslehre-Unterricht sponsern. Die möglichen Einsparungen bei ernährungsbedingten Krankheiten (Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, Hyperlipämie, etc, etc) sollten die Kosten mehr als aufwiegen....
Damit geht für mich auch einher, dass jede nach der Schulzeit auch mit Nährwertangaben auf Verpackungen umgehen kann. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie bspw. Frückstücksprodukte für Kinder angepriesen werden. Da sind dann "viele wertvolle Vitamine" enthalten, aber es verschwiegen, dass sie ein Drittel des Zucker- und Fettbedarfs für den ganzen Tag abdecken - für einen erwachsenen Menschen wohlgemerkt... Oder vermeintlich gesunde Milchgetränke, die nur "0,1%" Fett enthalten, mit den enthaltenen 11% Zucker wird natürlich nicht geworben!
Ein solches Verständnis ist meines Erachtens extrem wichtig, um überhaupt als "mündiger" Bürger bewerten und handeln zu können. Wie kann man meinen, dass sowas nicht wichtig sei?
Ich sehe das absolut genauso. Und dazu kommt der sinnliche Aspekt. Man sollte den Kindern zeigen, dass der Genuss beim Verzehr eines gut zubereiteten Menüs an einem schön gedeckten Tisch größer und nachhaltiger ist, als der schnelle Kick beim Verschlingen eines Döners.
Alchymist
12.05.2010, 09:08
Mal eine Meinung von dritter Seite zum Thema:
http://www.schulkochclub.de/philosophie.html
Das Vorbild
Die PISA Studie erschreckte im Jahr 2000 Deutschland mit ihrem Ergebnis. Die Deutschen Schüler schnitten im internationalen Vergleich nicht gut ab. Alle Blicke wendeten sich den Skandinavischen Siegern zu. Besonders Finnland scheint uns einen Schritt voraus. Nicht nur was die Unterrichtsmethodik angeht sondern auch den Lehrplan. Es wird auf Natur- und Geisteswissenschaften wert gelegt und auch auf sehr alltägliche Fertigkeiten, wie einem Kochunterricht. Mit mindestens drei Wochenstunden und einer Zeugnisnote am Schuljahresende ist er für Siebtklässler in finnischen Schulen Pflicht. Die Kinder lernen dort, wie man sich gesund ernährt und was auf's Pausenbrot gehört, damit man den ganzen Tag fit bleibt und sich ordentlich auf den Unterricht konzentrieren kann -ganz ohne allzu rasches Magenknurren oder Völlegefühl.
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Damit sind wir bei einem weiteren Aspekt des Themas - nicht nur Kochen lernen in der Schule, sondern dort auch etwas anständiges zu Essen bekommen! Ein subventioniertes Mittagessen für alle Schulkinder ist mit Sicherheit billiger (und von größerem Nutzen) als Milliarden für Banken und Eurofonds!
nobody
12.05.2010, 09:09
Leider konnte ich gestern an der Diskussion nicht weiter teilnehmen, staune aber über so manche Wortmeldungen hier - durchwegs positiv. :)
Ich finde, sowas sollte man eher in der Grundschule als auf der weiterführenden lernen.
Du hast da eine etwas falsche Vorstellung was das 'Kochen' in Deinem Verständnis eigentlich ist. Wie ich schon eingangs angemerkt habe, finde ich, volkswirtschaftlich betrachtet, eine BHS weit sinnvoller.
Was macht man mit einem 'Gymnasienabgänger' der schlicht nur sein Abitur in der Tasche vorweisen kann. Der kann doch noch so gut wie nichts, was für den Berufsalltag halbwegs brauchbar wäre.
Gut als Schreibkraft alias Sekretär, in der Verwaltung eines Büros wäre der wohl nach Einschulung einsetzbar. Ansonsten hat der keine praktisch verwertbaren Kenntnisse weil der bislang nur für eine weitere Ausbildung nach einem vorgegebenen Schema instruiert wurde.
Ein Abitur z.B. auf diesem Weg zu machen (lies Dich einmal ein): http://www.tourismusschule.com/cms/, bietet für später schon echte Berufschancen am Arbeitsmarkt - der Weg zur Uni ist damit ebenso möglich.
Übrigens als 'Sternekoch' kann man keine Schule verlassen, dafür reicht ein schlichter Lehrberuf oder z.B. auch obige Schule... ;) Dies wird man ausschließlich nur durch langjährige Berufserfahrung und honorige Gönner in der Szene, die einem in ihre Töpfe blicken lassen und den Weg durch ständiges schleifen und formen eines 'willigen Schützlings' ebnen...
Tiefflieger
12.05.2010, 09:52
Und ich finde, die Eltern sollten nicht gänzlich und vollständig die Erziehung der Kinder abgeben....
Unsere Staatsorgane sind da wohl anderer Meinung, wenn ich mir die Entwicklung in den letzten Jahren so ansehe. Krippenplätze ab dem 2ten Lebensjahr, Trend zur Ganztagesschule usw. Wo bleibt da noch die Zeit, in der die Eltern ihren Kindern Erziehung zukommen lassen können und meiner Meinung nach nicht weniger wichtig, wo bleibt der Freiraum der Kinder, ihr Kindsein ausleben zu können?
...Im grunde genommen hätte ich nichts dagegen, aber ich denke, dass es an einem Gymnasium eher fehl am platz ist, da diese Schule eher geistige und weniger praktische Bildung vermitteln soll....
Gerade das halte ich für eine weitere Fehlentwicklung. Was nützt es, wenn ich jemanden mit Wissen vollstopfe, dieser dann aber bei den einfachsten Dingen des Lebens und sei es nur, wie hier aufgeführt, der Zubereitung einer Mahlzeit, versagt.
Die Lösung von komplexen mathematischen Gleichungen ist nicht lebensnotwendig, die Nahrungsaufnahme aber schon.
FK
12.05.2010, 10:01
Die Lösung von komplexen mathematischen Gleichungen ist nicht lebensnotwendig, die Nahrungsaufnahme aber schon.:up:
Gruß,
Franz
ricinus
12.05.2010, 10:47
Zum Bildungbegriff gehören mMn aber die "antiken Dichter" von FK und die "komplexen Gleichungen" von Tiefflieger und noch viel mehr. Ich mag nicht die utilitaristische Auffassung von Schule, der zufolge nur praktisch verwertbares Wissen und Können vermittelt werden soll. Die geistige Dimension des Menschen muss angesprochen und möglichst vielfältig gefördert werden, dazu sind Gymnasien da und es ist gut, dass dort Latein, Griechisch, Philosophie und Kunstgeschichte unterrichtet werden - Dinge, die man im alltäglichen Leben vielleicht nicht braucht, die aber das Leben und Denken des Menschen ungemein bereichern.
Übrigens bin ich ein ganz passabler Koch (auch wenn es nicht reichen würde, um ein Restaurant zu eröffnen), ohne das Kochen auf dem Gymnasium gelernt zu haben. In meiner Jugend konnte ich auch aus zwei kaputten Fernsehern vom Schrottplatz wieder ein Gerät machen, das läuft, und so mein Taschengeld aufbessern...ohne eine Elektronikausbildung genossen zu haben. Was ich damit sagen will, ist dass man viel neben der Schule lernen kann, indem man zuhause Mutter und Vater zuschaut oder sich in Sachen einliest.
nobody
12.05.2010, 11:27
Zum Bildungbegriff gehören mMn aber die "antiken Dichter" von FK und die "komplexen Gleichungen" von Tiefflieger und noch viel mehr. Ich mag nicht die utilitaristische Auffassung von Schule, der zufolge nur praktisch verwertbares Wissen und Können vermittelt werden soll. Die geistige Dimension des Menschen muss angesprochen und möglichst vielfältig gefördert werden, dazu sind Gymnasien da und es ist gut, dass dort Latein, Griechisch, Philosophie und Kunstgeschichte unterrichtet werden - Dinge, die man im alltäglichen Leben vielleicht nicht braucht, die aber das Leben und Denken des Menschen ungemein bereichern...
...hat FK nicht einen Teil des Zitates von Seneca 'unterschlagen'? :D
Nämlich: Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: Non vitae, sed scholae discimus.
Was soll ich als kleiner Gastwirt in dieser Liga da mitreden, obwohl ich Geschichte damals sehr mochte, und neben den Fächern Physik/Chemie und Biologie u.a. mit 'Sehr gut' abging...: Quod supra nos, nihil ad nos.
FK
12.05.2010, 11:59
@ricinus: Immer diese Schwarz-Weiß-Malerei...:rolleyes:
Bildung soll sein. Nun versteht man unter Bildung hauptsächlich Kenntnisse, die für das tägliche Leben nicht erforderlich sind. Ein wenig von Letzteren in der Schule zu lehren, dürfte dem meisten Schülern mehr nützen als Daten antiker Schlachten auswendig zu können.
Und ich habe keineswegs gefordert, dass in der Schule nur praktisches Wissen vermittelt werden soll. Wie käme ich auch dazu?
Dass man sich bei Interesse selbst eine Menge beibringen kann, weiß ich auch.
Gruß,
Franz
Alchymist
12.05.2010, 13:00
Ich bewundere Herberts humanistische Bildung - obwohl ich auch das kleine Latinum habe, kann ich keine Zitate von Seneca rezitieren und ihr Sinn erschließt sich mir auch nicht ohne weiteres ;)
Daher habe ich mal nach einer Übersetzung und Interpretation gesucht und fand dies hier:
Spielsteine sind es, die wir da herumschieben. An überflüssigen Fragen stumpft sich unser Scharfsinn ab; derlei Dinge helfen uns nicht, vernünftig zu leben, sondern allenfalls, gelehrt zu reden. Eine leichter zugängliche Sache ist Lebensweisheit, ja eine leichter verständliche: Wenig Gelehrsamkeit braucht es zu einer vernünftigen Geisteshaltung. Aber wie wir alles Übrige an Überflüssiges verschwenden, so auch unser Bestes, die Philosophie. Geradeso wie an der Sucht nach allem anderen, so kranken wir an einer masslosen Sucht auch nach Gelehrsamkeit: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.
Sieht ganz so aus, als würde der gute alte Seneca die Meinung von FK, Tiefflieger und anderen stützen....
Achso, die Quelle ist die gewöhnlich vertrauenswürdige NZZ (http://www.nzz.ch/2002/07/27/wz/article88ymq_1.412176.html).
nobody
12.05.2010, 13:26
Ehe es hier zu Missverständnissen kommt - ich habe keine humanistische Bildung, lese aber sehr gerne und halte einige Bücher in meiner Sammlung, die ich dann als meinen 'Krückstock' hier nutzen kann, weil ich daraus weiß wo, bzw. wonach ich bei 'welchem Knaben' suchen soll. :)
Eine 'gesunde Lebenseinstellung' mit der nötigen 'Bodenhaftung' (wie ich es immer nenne), steht dem auch nicht entgegen.
Sollte ich damit einen Fehltritt gemacht haben, so war dies nicht meine Absicht. Es ist einfach nett hier auf diesem Board zu plaudern, zu lernen und oft unbürokratisch an fundierte Antworten von Fachleuten zu kommen - für mich ist dies nebenbei auch noch ein willkommener Ausgleich zu meinem oft eintönigen Job.
Lenchen
12.05.2010, 13:43
Hallo
Danke für die vielen Antworten, viele dieser Argumente schwirrten mir auch im Kopf rum: einerseits gilt es heutzutage (wie gesagt,mein Vater , Jahrgang 39 hatte Kochunterricht) als Aufgabe der Eltern ihren Kindern Kochen beizubringen, andererseits stehen da viele Probleme zwischen: Viele aus meiner Generation, die ja jetzt anfangen Kinder zu bekommen hatten eben auch keinen Unterricht im Kochen und somit "nur" das Wissen, dass sie von ihren Eltern mitgenommen haben oder sich selbst beigebracht haben. Einige können gut, andere weniger gut kochen und viele (vor allem Männer) haben es einfach nie gezeigt bekommen.
Dann gibt es jetzt viele Ganztagsschulen und in vielen Familien (bei mir z.B.) ist es üblich, Abends in der Regel kalt zu essen (Abendbrot) bleibt also den Eltern nur das Wochenende (wenn die Kinder dann keine Sportveranstaltungen haben oder schönes Wetter ist und man einen Ausflug macht, oder...) um den Kindern die Grundlagen der gesunden Ernährung zu zeigen.
Ich persönlich kann mehr schlecht als recht kochen (ich könnte gut das kochen,was meine Mutter oft kocht,aber da es eh nie wie bei ihr schmeckt versuche ich lieber "eigene" Gerichte zu finden),aber langsam wird es besser.
Trotzdem hätte ich es sehr schön gefunden, wenn ich einiges in der Schule (auch auf dem Gymnasium) gelernt hätte. Nicht,dass ein Überweisungsträger jetzt hohe Kunst ist,aber eine kleine Einführung (Was ist ein Girokonto/Guthabenkonto/Sparkonto? Worauf sollte man achten,wenn man einen Vertrag abschließt? ...) hätte ich schon sinnvoll gefunden. Ich gebe es ehrlich zu: als ich mein erstes Konto eröffnen musste,weil ich angefangen habe zu jobben war ich mit dem Vertragstext etwas überfordert und bin ihn erst mal mit meiner Mutter zusammen durchgegangen.
Alchymist
12.05.2010, 13:43
Sollte ich damit einen Fehltritt gemacht haben, so war dies nicht meine Absicht.
Aber keinesfalls. So hat man wenigstens die Gelegenheit ein paar Hintergründe zu einen Spruch nachzuschlagen, den viele auf den Lippen führen, dessen richtige Form und Kontext mir aber nicht bekannt waren. So bin zumindest ich um eine Erkenntnis reicher geworden :)
S0S
12.05.2010, 16:36
Ich mag nicht die utilitaristische Auffassung von Schule, der zufolge nur praktisch verwertbares Wissen und Können vermittelt werden soll.
Nicht nur, aber auch. Wenn ich überlege, was ich in den letzten Jahren in der Schule gelernt habe, fällt mir ehrlich gesagt kaum etwas ein (vielleicht Englisch), was mir jetzt im richtigen Leben irgendwie weiterhelfen würde. Ich behaupte deshalb nicht, dass das alles Schwachsinn war (was aber einige meiner Mitschüler tun), es hat mein Allgemeinwissen vergrößert, war oft interessant zu erfahren und vielleicht hilft mir manches davon irgendwann im Studium. Aber so im alltäglichen Leben brauche ich nichts davon und kann mir auch nicht vorstellen, dass ich es jemals brauchen werde.
Übrigens bin ich ein ganz passabler Koch (auch wenn es nicht reichen würde, um ein Restaurant zu eröffnen), ohne das Kochen auf dem Gymnasium gelernt zu haben. In meiner Jugend konnte ich auch aus zwei kaputten Fernsehern vom Schrottplatz wieder ein Gerät machen, das läuft, und so mein Taschengeld aufbessern...ohne eine Elektronikausbildung genossen zu haben. Was ich damit sagen will, ist dass man viel neben der Schule lernen kann, indem man zuhause Mutter und Vater zuschaut oder sich in Sachen einliest.
Schön, dass dir deine Eltern das beibringen konnten. Meine Mutter wird mir sicher nicht das Kochen beibringen und meine wenigen handwerklichen Erfahrungen habe ich (mit großer Begeisterung) im Keller meines Kumpels gemacht. Deshalb denke ich, man sollte Leuten die Möglichkeit geben (nicht sie dazu zwingen), auch so etwas in der Schule zu lernen, wenn sie es wollen.
zarathustra
12.05.2010, 18:59
Ich finde, sowas sollte man eher in der Grundschule als auf der weiterführenden lernen. Tatsächlich? Das scheitert doch schon daran, dass ein Grundschüler keine Ahnung davon hat, was Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette sind. Oder dass ein Drittklässler, der keine Prozentrechnung kann, mit "17% der empfohlenen Tagesmenge" nichts anfangen kann...
Zum Bildungbegriff gehören mMn aber die "antiken Dichter" von FK und die "komplexen Gleichungen" von Tiefflieger und noch viel mehr. Ich mag nicht die utilitaristische Auffassung von Schule, der zufolge nur praktisch verwertbares Wissen und Können vermittelt werden soll. Die geistige Dimension des Menschen muss angesprochen und möglichst vielfältig gefördert werden, dazu sind Gymnasien da und es ist gut, dass dort Latein, Griechisch, Philosophie und Kunstgeschichte unterrichtet werden - Dinge, die man im alltäglichen Leben vielleicht nicht braucht, die aber das Leben und Denken des Menschen ungemein bereichern.Ich werde damit vielleicht eine ganz andere Diskussion heraufbeschwören, die sicherlich an anderer Stelle auch im Bezug auf Chemie-Didaktik nochmal diskutiert werden sollte, aber eine Sache kann ich mir einfach nicht verkneifen:
Von mir selbst weiß ich, dass ich viele Sachen in der Schule vor allem für Klausuren gelernt habe. Jetzt, da ich ein bisschen Abstand dazu habe, fällt mir auf, wie wenig eigentlich noch immer "abrufbar" ist. Vieles, was ich mal in Geschichte, Politik, Religion, Philosophie, Latein, aber auch Physik und Mathe gelernt habe, ist einfach weg. Vor allem ist das irgendwelches Faktenwissen, wie Jahreszahlen, Namen, Formeln, Vokabeln etc.
Was hängen geblieben ist, sind vor allem praktische Sachen (ich denke da gerade an lebendige Fremdsprachen) und für mich interssante naturwissenschaftliche Inhalte. Ebenso habe ich viele Bekannte, bei denen z.B. Politik oder Geschichte "hängengeblieben" ist, weil sie sich eh dafür interessiert haben und es noch heute tun.
Was bleibt also noch präsent, wenn man vielleicht 10 Jahre aus der Schule raus ist? Doch am ehesten die Inhalte, die man irgendwie anwenden kann (oder Dinge, die einen sowieso interssieren). Und sowas sollte man doch auch in der Schule vermitteln? In der Chemie wäre "naturwissenschaftliches Denken" sicherlich eine der wesentlichen, zu vermittelnden Fähigkeiten. In der Biologie fände ich z.B. eine generelle Faszination für Lebewesen und Ökosystemen wichtig, womit u.a. auch einhergeht, dass diese schützenswert sind. Aber wie gesagt, sowas sollten wir vielleicht an anderer Stelle diskutieren...
Ich sehe bei der ganzen Nutzen-Betrachtung übrigens noch einen ganz anderen Aspekt. Nur wenn ich weiß, wie etwas gemacht wird, kann ich auch die zugehörige Arbeit sehen und bewerten. Darüber habe ich mal beim Schmieden mit jemandem unterhalten. Er war der Meinung, dass viele Abiturienten auf Personen in handwerklichen Berufen hinabschauen, als wären deren Arbeiten "minderwertig". Wer sich aber mal selbst die Hände schmutzig gemacht hat, kann auch bspw. die Arbeit eines Schreiners wertschätzen.
FK
12.05.2010, 19:13
Das war das richtige Stichwort - mehr anwendbares Wissen, mehr vom wirklichen Leben vermitteln.
Gruß,
Franz
FalconX
12.05.2010, 19:18
Hab mir jetzt nicht alles durchgelesen, wollte nur zum grundsätzlichem Thema was hinzufügen.
Ich fände es super wenn es an unserer Uni ne Lehrveranstaltung "Kochen für Chemiker - Laborübung" geben würd....leider wird das wohl nicht durchgesetzt werden:-(
nobody
12.05.2010, 19:49
@ Alchymist und zarathustra
Ich sehe das ganz ähnlich.
Damit sind wir bei einem weiteren Aspekt des Themas - nicht nur Kochen lernen in der Schule, sondern dort auch etwas anständiges zu Essen bekommen! Ein subventioniertes Mittagessen für alle Schulkinder ist mit Sicherheit billiger (und von größerem Nutzen) als Milliarden für Banken und Eurofonds!
Es ist ja ales noch viel schlimmer: Von der EU gibt es ein Programm, mit dem Schulobst kostenlos verteilt werden soll (i. d. R. einheimisches). Dank unseres tollen Föderalismus´ ist das ganze dann Ländersache und somit auch der deutsche Anteil von insgesamt 20 Millionen Euro. Die meisten Bundesländer haben es nicht umgesetzt, nur an einigten Tagen oder einigen Schulformen oder suchen Sponsoren!
Da kann man doch nur kotzen, wenn es hier um solche Peanuts geht, die dann nicht aufzubringen sind.
Ich habe auch einige Bedenken, dass der Staat die Erziehungsaugaben der Eltern übernimmt und kann auch die Bedenken von Tiefflieger verstehen, sehe ich es doch bei meinen eigenen Kindern genauso.
Aber ich sehe auch, dass immer größere Teile der Kinder in unserer Gesellschaft in Verhältnissen aufwachsen, in denen ihnen Bildung und damit Teilhabe an der Gesellschaft und auch ein gesundes Aufwachsen verwehrt wird, und zwar durch die eigenen, unfähigen oder unwilligen Eltern. Da kann man natürlich auf die Eltern schimpfen und fordern, dass sie sich richtig verhalten: an der realen Situation ändert das aber nichts.
Wenn die Gesellschaft sich so verhält, dann ist das in meinen Augen den Kindern gegenüber, die von ihren Eltern abhängig sind, unverantwortlich, denn die Kinder müssen für das Fehlverhalten der Eltern büßen.
Darüberhinaus halte ich dieses Nichtstun auch aus finanzieller Sicht für verantwortungslos, denn langfristig kommen uns die Kosten deutlich höher: kein Staat kann ein Interesse daran haben, dass ein nicht unerheblicher Teil der Schüler eines Jahrgangs keinen Abschluss und damit zumeist jegliche Chance auf ein vom Staat unabhängiges Leben verspielt haben.
Und deshalb sehe ich den Staat eben doch in der Pflicht, das elterliche Versagen auszugleichen.
Gruß
arrhenius
pleindespoir
12.05.2010, 19:49
Unbedingt gehört zum Schulkochen dazu, wie man es schafft, mit €3,70 für eine Person drei Mahlzeiten zuzubereiten.
Und wie man es schafft, an diese Riesensumme zu kommen, können die Kinder gleich lernen, indem ihnen jemand erklärt, wie man einen Harz IV-Antrag ausfüllt und gegen den ablehnenden Bescheid erfolgreich Widerspruch einlegt.
Dabei könnte aber die Staatskasse leiden, daher wird dies unterlassen.
Die Heranwachsenden werden sich daher zu pragmatischeren Lösungen wie z.B. Einbruch, Überfall, Hehlerei, Drogenhandel etc. hinorientieren.
Die dabei enstehenden Schäden sind privatwirtschaftlicher Natur und nutzen dem Staat gleich in vielfacher Hinsicht:
I.: Reparaturen und Neuanschaffungen sind mehrwertsteuerpflichtig.
II.: Die Versicherungen, die für solche Fälle bezahlt werden, werden mit der Versicherungssteuer bedacht.
III.: Mehrere Personen zahlen Einkommensteuer für ihre in diesem Zusammenhang stehende Tätigkeit.
Anstelle staatliche Mittel aufzuwenden, werden so sogar zusätzliche Einnahmen generiert! Wäre der Staat ja bescheuert, die Jugendlichen zu korrekten Normalbürgern zu erziehen, die von ihrem Existenzminimum-Lohn kaum Steuern zahlen würden, oder?!
Friedrich Karl Schmidt
12.05.2010, 19:57
Ich fände es super wenn es an unserer Uni ne Lehrveranstaltung "Kochen für Chemiker - Laborübung" geben würd....leider wird das wohl nicht durchgesetzt werden:-( Anscheinend sind hier einige gerade dabei, das gesamte Bildungswesen revolutionieren zu wollen.
Fragt sich nur noch, ob das Ganze darauf hinauslaufen soll,
- dass das von Schulen und Universitäten anzubietende Spektrum verdoppelt wird.
- oder das bisherige Angebot durch ein ganz anderes ersetzt wird.
So wie hier teilweise argumentiert wird, wäre Chemie wohl eine der ersten Disziplinen , die man zur Disposition stellen müsste, wenn es darum ginge , schulische Bildung um die Vermittlung von allen denkbaren "alltagserforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten" zu erweitern und all das wegzulassen, was dazu nicht gehört.
Gruß FKS
Friedrich Karl Schmidt
12.05.2010, 20:19
Darüber habe ich mal beim Schmieden mit jemandem unterhalten. Er war der Meinung, dass viele Abiturienten auf Personen in handwerklichen Berufen hinabschauen, als wären deren Arbeiten "minderwertig". Wer sich aber mal selbst die Hände schmutzig gemacht hat, kann auch bspw. die Arbeit eines Schreiners wertschätzen. Müssen wir hier wirklich jedes Vorurteil bedienen ? Zwar kann ich nicht ausschließen, dass eine solche Denke bei Akademikern vorkommt. Aber in erster Linie existiert diese in den Köpfen von Leuten , die nicht in der Lage sind , ein sozial vernünftiges Verhältnis zum eigenen Beruf zu entwickeln.
Gruß FKS
FK
12.05.2010, 20:37
So wie hier teilweise argumentiert wird, wäre Chemie wohl eine der ersten Disziplinen , die man zur Disposition stellen müsste, wenn es darum ginge , schulische Bildung um die Vermittlung von allen denkbaren "alltagserforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten" zu erweitern und all das wegzulassen, was dazu nicht gehört.
Chemie gehört auch zum täglichen Leben. Auch hier würde im Unterricht - für die breite Mehrheit, die sowieso keine chemischen Berufe ergreifen möchte - eine größere Betonung des Praxisbezugs mehr Verständnis dafür vermitteln, was Chemie für uns alle bedeutet und auch, was sie nicht ist: nämlich eine Bedrohung (wie es immer wieder gern in den Medien dargestellt wird).
Gruß,
Franz
nobody
13.05.2010, 11:25
Chemie gehört auch zum täglichen Leben. Auch hier würde im Unterricht - für die breite Mehrheit, die sowieso keine chemischen Berufe ergreifen möchte - eine größere Betonung des Praxisbezugs mehr Verständnis dafür vermitteln, was Chemie für uns alle bedeutet und auch, was sie nicht ist: nämlich eine Bedrohung (wie es immer wieder gern in den Medien dargestellt wird).
Gruß,
Franz
Genau das passiert in neuen Lehrplänen und auch mit den Bildungsstandards: es geht nicht mehr nur um häufig inhaltsoses Faktenwissen, sondern um Kompetenzen, also den handelnden Umgang mit Wissen. Oder anders ausgedrückt: dass ich
- erkenne, was überhaupt Fragen der Chemie sind und wie ich Aspekte aus Alltag und Umwelt damit erklären kann.
- in der Lage bin, chemische Aspekte zu kommunizieren (aktiv und passiv).
- chemisches Wissen nutzen kann, um mich zu bestimmten Fragestellungen zu verhalten.
Gruß
arrhenius
Friedrich Karl Schmidt
13.05.2010, 12:16
Zitat von Alchymist
Damit sind wir bei einem weiteren Aspekt des Themas - nicht nur Kochen lernen in der Schule, sondern dort auch etwas anständiges zu Essen bekommen! Ein subventioniertes Mittagessen für alle Schulkinder ist mit Sicherheit billiger (und von größerem Nutzen) als Milliarden für Banken und Eurofonds! Womit wir das Niveau der Argumente betreffend schon wieder ziemlich weit unten angelangt wären. Ich meine, dass man es nicht nötig haben sollte, sich aus dem Fundus der gebetsmühlenartigen Wiederholungen der aktuellen Jedermannspolemik bedienen zu müssen.
Gruß FKS
Friedrich Karl Schmidt
13.05.2010, 12:30
Chemie gehört auch zum täglichen Leben. Auch hier würde im Unterricht - für die breite Mehrheit, die sowieso keine chemischen Berufe ergreifen möchte - eine größere Betonung des Praxisbezugs mehr Verständnis dafür vermitteln, was Chemie für uns alle bedeutet und auch, was sie nicht ist: nämlich eine Bedrohung (wie es immer wieder gern in den Medien dargestellt wird). Zwar ist es wahr, dass auch Chemie zum täglichen Leben gehört. Aber es bedarf ja doch wohl nicht eines Chemieunterrichts im heute üblichen Umfang um im Alltagsleben zurecht zu kommen Was das Argument doch ziemlichg bemüht erscheinen lässt.
Und die Existenzberechtigung eines Unterrichtsfachs darauf stützen zu wollen, dass man diesbezüglichen Missverstand beseitigen müsse, kommt mir auch eher dünn vor, Zumal ich die Vermittlung des Faches Chemie nur äußerst ungern orientiert sehen möchte an den vermeintlichen Bdürfnissen mutwilliger Ignoranten. Ein Zustand auf den wir bereits jetzt schon zusteuern mit vielen pseudopraktisschen Elementen nicht nur im Unterricht sondern auch Prüfungsaufgaben.
Gruß FKS
FK
13.05.2010, 14:00
Genau das passiert in neuen Lehrplänen und auch mit den Bildungsstandards: es geht nicht mehr nur um häufig inhaltsoses Faktenwissen, sondern um Kompetenzen, also den handelnden Umgang mit Wissen. Oder anders ausgedrückt: dass ich
- erkenne, was überhaupt Fragen der Chemie sind und wie ich Aspekte aus Alltag und Umwelt damit erklären kann.
- in der Lage bin, chemische Aspekte zu kommunizieren (aktiv und passiv).
- chemisches Wissen nutzen kann, um mich zu bestimmten Fragestellungen zu verhalten.
:up: So soll es auch sein!
Wer sich bloß für die theoretischen Aspekte von Chemie, Physik, Biologie usw. interessiert, kann das später in Studium betreiben. Interesse an Naturwissenschaften kann man nur wecken, wenn man den Schülern zeigt, wozu sie gut sind...
Gruß,
Franz
nobody
13.05.2010, 16:06
Womit wir das Niveau der Argumente betreffend schon wieder ziemlich weit unten angelangt wären. Ich meine, dass man es nicht nötig haben sollte, sich aus dem Fundus der gebetsmühlenartigen Wiederholungen der aktuellen Jedermannspolemik bedienen zu müssen.
Gruß FKS
Wem gilt denn hier nun der Rüffel, Alchymist oder mir?
Gruß
arrhenius
Friedrich Karl Schmidt
13.05.2010, 16:26
Wem gilt denn hier nun der Rüffel, Alchymist oder mir? Natürlich nicht Ihnen. Tut mir leid, dass ich vergessen habe, Ihren Namen Zu löschen, nachdem ich das Zitat Ihrem Beitrag entnommen hatte.
Gruß FKS
Friedrich Karl Schmidt
13.05.2010, 16:57
Wer sich bloß für die theoretischen Aspekte von Chemie, Physik, Biologie usw. interessiert, kann das später in Studium betreiben. Interesse an Naturwissenschaften kann man nur wecken, wenn man den Schülern zeigt, wozu sie gut sind... Anders herum wird ein Schuh daraus : Wer nicht bereit ist, sich mit der Theorie zu beschäftigen und ständigen Alltagsbezug fordert, bevor er bereit ist , seine Aufmerksamkeit großzügigerweise auch der Chemie zu schenken, der behindert mehr die Vermittlung der Chemie an die Gutwilligen, als dass es nützen würde, wenn man um sein Interesse buhlt.
Säure - Base und Redox an z.B. der Ascorbinsäure aufhängen zu wollen , halte ich für pädagogogisch verfehlt. Von der Unzahl fachlicher Fehlleistungen, die sich bei den pseudopraktischen Gestaltungsversuchen ergeben, gar nicht erst zu reden.
Gruß FKS
Alchymist
14.05.2010, 10:18
Womit wir das Niveau der Argumente betreffend schon wieder ziemlich weit unten angelangt wären. Ich meine, dass man es nicht nötig haben sollte, sich aus dem Fundus der gebetsmühlenartigen Wiederholungen der aktuellen Jedermannspolemik bedienen zu müssen.
Gruß FKS
Hübsch formulierte Leerformel (ich verweise auf meine Sig;))
Ich finde es nicht polemisch (und bin nebenbei auch nicht der Einzige oder Erste, der diese Idee hatte) eine Schulverpflegung - und zwar eine qualitativ hochwertige - für die Schulkinder zu fordern. Die Gründe, warum das sinnvoll wäre sind vielfältig, aber darum geht es jetzt nicht.
Die FDP behauptet z.B. "gebetsmühlenartig", es müsse genug Geld für eine Steuersenkung da sein. Ich sage, es muss genug Geld für die Bildung da sein.
Die Rettungspakete für das Finanzsystem sind nicht kostenlos, sie werden uns auf viele Jahre Milliarden kosten. Da werden doch ein paar Krümelchen abfallen um unseren (OK, ich weiss natürlich nicht ob FKS über Nachwuchs verfügt...) Kindern ein Mittagessen zu spendieren?
Der Zug fährt jedoch z.Z. in die ganz andere Richtung:
Roland Koch bläst zum Angriff auf die Bildung (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32618/1.html)
Friedrich Karl Schmidt
14.05.2010, 11:07
Hübsch formulierte Leerformel (ich verweise auf meine Sig;) Wer solche Sprüche als Argumentationshilfe nötig hat, wie den in Ihrer Signatur, sollte vielleicht etwas vorsichtiger sein , wenn er Beiträge anderer als "Leerformel" bezeichnet.
Ich finde es nicht polemisch (und bin nebenbei auch nicht der Einzige oder Erste, der diese Idee hatte) eine Schulverpflegung - und zwar eine qualitativ hochwertige - für die Schulkinder zu fordern. Die Gründe, warum das sinnvoll wäre sind vielfältig, aber darum geht es jetzt nicht. In der Tat geht es nicht um Schulverpflegung. Sie haben also mit Ihrem Beitrag zum Einen mutwillig das Thema verlassen, denn eine Veranlassung dazu sehe ich nicht. Was mich aber gestört hat, war Ihre doch sehr billige Bezugnahme auf die Rettung der Banken uns die Eurokrise.
Und was diese Äußerung.. OK, ich weiss natürlich nicht ob FKS über Nachwuchs verfügt.....mit der Sache zu tun hat , erkenne ich auch nicht.
Gruß FKS
ricinus
14.05.2010, 11:16
Zwar ist es wahr, dass auch Chemie zum täglichen Leben gehört. Aber es bedarf ja doch wohl nicht eines Chemieunterrichts im heute üblichen Umfang um im Alltagsleben zurecht zu kommen Was das Argument doch ziemlichg bemüht erscheinen lässt.
Und die Existenzberechtigung eines Unterrichtsfachs darauf stützen zu wollen, dass man diesbezüglichen Missverstand beseitigen müsse, kommt mir auch eher dünn vor, Zumal ich die Vermittlung des Faches Chemie nur äußerst ungern orientiert sehen möchte an den vermeintlichen Bdürfnissen mutwilliger Ignoranten. Ein Zustand auf den wir bereits jetzt schon zusteuern mit vielen pseudopraktisschen Elementen nicht nur im Unterricht sondern auch Prüfungsaufgaben.
Meine volle Zustimmung ! (nach 13jähriger Lehrerfahrung an Gymnasien).
FK
14.05.2010, 12:09
Wer nicht bereit ist, sich mit der Theorie zu beschäftigen
Wer sich bloß für die theoretischen Aspekte von Chemie, Physik, Biologie usw. interessiert,
Sehen Sie den Unterschied?
Habe ich jemals gesagt oder auch nur angedeutet, dass sich niemand mit der Theorie befassen soll?
Gruß,
Franz
nobody
14.05.2010, 12:53
:up: ... Interesse an Naturwissenschaften kann man nur wecken, wenn man den Schülern zeigt, wozu sie gut sind...
Gruß,
Franz
Dies war schon zu meiner Schulzeit so - grau ist alle Theorie...!
Meinte schon Pfeil (http://de.wikiquote.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Leopold_Pfeil) etwas vorher. ;)
Friedrich Karl Schmidt
14.05.2010, 16:04
Verstehe ich Sie richtig, dass Sie heute den Besuch einer AHS derer gegenüber einer BHS als sinnvoller erachten? Wahrscheinlich nicht. Aber leider weiß ich mit den Abkürzungen AHS und BHS nicht viel anzufangen, kann Ihnen aber versichern, dass ich durchaus dafür bin , Bildungsabschlüsse zu schaffen, die einen berufsqualifizierenden Abschluss mit einschließen.
Nur halte ich dies für eine völlig andere Diskussion. Denn der Kochunterricht, wie er hier angedacht ist und gefordert wird, hätte ja doch wohl kaum die dafür erforderliche Qualität.
Gruß FKS
nobody
14.05.2010, 16:51
Wahrscheinlich nicht. Aber leider weiß ich mit den Abkürzungen AHS und BHS nicht viel anzufangen, kann Ihnen aber versichern, dass ich durchaus dafür bin , Bildungsabschlüsse zu schaffen, die einen berufsqualifizierenden Abschluss mit einschließen...
Verzeihen Sie mir meine Nachlässigkeit, selbstverständlich können Sie mit den Begriffen des österreichischen Schulsystems nicht viel anfangen.
Die Abkürzung AHS steht für den Besuch einer Allgemeinbildenden höhere Schule. Dieses System beinhaltet zwei Abschnitte die nach der Volksschule besucht werden können. Die Unterstufe (10-14 Jahre) und die Oberstufe (14-18 Jahre) und endet mit der mittleren Reife.
Der Besuch einer Berufsbildenden höheren Schule (BHS), dauert dagegen um 1 Jahr länger und kann ab der 8. Schulstufe, also mit 14 Jahren besucht werden. Nach 5 Jahren endet diese Ausbildung wieder mit der mittleren Reife allerdings erfahren die jungen Leute damit (je nach Ausrichtung), auch eine berufliche Ausbildung und gehen quasi mit einer 'Doppelqualifikation' von der Schule ab.
Als Beispiel habe ich weiter oben in der Diskussion einen Link zur Hotelfachschule Gleichenberg (http://www.tourismusschule.com/cms/) gesetzt.
Meines Erachtens, bringt dieser Weg, trotz des 'Zeitverlustes' mehr Chancen für den späteren 'Broterwerb' des Abgängers gegenüber eines Gymnasiasten, bzw. durch die nötigen Berufspraktika mehr Reife und Ernsthaftigkeit für ein mögliches späteres Studium.
Friedrich Karl Schmidt
14.05.2010, 17:27
Sehen Sie den Unterschied?
Habe ich jemals gesagt oder auch nur angedeutet, dass sich niemand mit der Theorie befassen soll? Den Unterschied sehe ich durchaus und auch nicht erst jetzt. Und bei meinen Beiträgen bin ich auch nicht etwa davon ausgeangen, dass Sie sich prinzipiell gegen die Befassung mit Theorie ausgesprochen hätten.
Dennoch habe ich nichts zurückzunehmen, was ich geschrieben habe. Und was Ihre Beiträge angeht, so hatte ich schon den Eindruck, dass Sie den Kochunterricht befürworten würden.Zitat:
Zitat von Tiefflieger
Die Lösung von komplexen mathematischen Gleichungen ist nicht lebensnotwendig, die Nahrungsaufnahme aber schon.
So haben Sie der vorstehenden Äußerung ja ausdrücklich beifall gezollt. und dabei ausgerechnet auch noch einen Vergleich positiv herausgehoben der , na sagen wir mal nicht gerade " wohl überlegt", war.
Wobei ich gegen den Kochunterricht grundsätzlich gar nichts einzuwenden hätte, nur würde ich erwarten, dass man die Konsequenzen bedenkt in Bezug auf das, was dann auch noch alles Unterrichtsfach werden müsste. Und was in Konsequenz dessen an Kürzungen auf die anderen Fächer zukommen würde.
Und all dies eingedenk einer Situation, wo man nicht einmal Kürzungen in dem Umfang zustande gebracht hat, wie erforderlich gewesen wären , um die Umstellung von G9 auf G8 gelingen zu lassen.
Und machen wir uns doch bitte nichts vor : Um den Alltag zu bewältigen, bedarf es doch so gut wie gar keines Chemieunterrichts.
Im Übrigen : Wie die am "Alltagsbedarf" orientierte Schulchemie ( auch im Zusammenhang mit Experimenten ) häufig aussieht, und was da an Handlungskompetenzen tatsächlich vermittelt wird und was auf der Strecke bleibt, kann doch auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein.
Gruß FKS
FabianH
14.05.2010, 17:45
Also einen "Kochunterricht" halte ich auch für eine fehlgeleitete Idee. Ich bin der Auffassung, dass die Konsequenz daraus Schule nicht leisten. Vielmehr fasse ich Schule so auf, dass jedes Fach immer mal wieder was passendes machen kann. In der Chemie habe ich jetzt schon zweimal Obstwein gemacht und einmal in einer entsprechenden Stunde hospitiert (10 oder 11te Klasse). Jedes mal gab es einen Großteil der Schüler, die kein Obst schneiden/schälen konnten. Die 45 Minuten "opfere" ich lieben gerne für sowas. Aktuell vergleichen wir Hühnersuppe mit YUMYUM (Instanthühersuppe, die in der Regel TROCKEN von den Kindern gegessen wird) und erarbeiten daran die Themen Fette, Proteine, Kohlenhydrate.