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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : G8


kjetil
04.05.2010, 16:50
In einigen Bundesländern 8 wie zum Beispiel NRW ) ist die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre gesenkt worden. Was eigentlich auch nicht schlecht ist aber meiner Meinung nach total falsch umgesetzt wurde.

Ich gehöre zum ersten Jahrgang, der eine verkürzte Schulzeit hat und wir müssen in diesem Schuljahr den Stoff der Neunten und Zehnten Klasse durcharbeiten. Da es an unserer Schule nicht genügend Bücher gibt, haben wir in einigen Fächern keine oder die " normalen " Schulbücher. Zudem wird der Stoff nur oberflächlich behandelt, da die Zeit fehlt.

Meine Frage ist nun, ob das ganze ( G8 )wirklich sinnvoll ist ?

Fulvenus
04.05.2010, 16:54
Nein!

Fulvenus!

Erio T
04.05.2010, 17:15
Ja

Erio T

kjetil
04.05.2010, 17:17
Ja

Erio T

Weshalb ?

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 17:18
Nein!

Fulvenus!Kommt drauf an. Gruß FKS

tine
04.05.2010, 17:25
Also wenn man jetzt mal bedenkt, dass in einigen anderen Ländern die Schüler mit 16/17 ihren Abschluss machen und dann direkt an die Uni gehen....

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 17:29
... ja und ?

3_of_8
04.05.2010, 17:31
Sinnvoll ist es, wenn es funktioniert. Momentan tut es das nicht - sogar noch schlechter als das G9, und das ist gar nicht mal so einfach, wenn man bedenkt, wie miserabel das schon teilweise war.

Im bayerischen G8 gibt es keine Chemie mehr. Sicherlich, es gibt das Fach Chemie, aber was man da lernt, ist einfacher Auswendiglernstoff - wirkliche Konzepte der Chemie kommen kaum mehr dran, und in anderen Fächern sieht es ähnlich aus. Das bayerische G8 erinnert mich immer an die Szene aus "Herr der Ringe", in der der Balrog als er schon in die Tiefe stürzt im letzten Moment mit seinem Schwanz noch Gandalf mitreißt - Hohlmeier hat, als sie schon im Sturzflug war, noch schnell das G8 durchgebracht und damit das bayerische Schulsystem mit in den Abgrund gerissen.

(Situation in Bayern - in den anderen Ländern kann ich nichts dazu sagen)

kjetil
04.05.2010, 17:54
Sinnvoll ist es, wenn es funktioniert. Momentan tut es das nicht - sogar noch schlechter als das G9, und das ist gar nicht mal so einfach, wenn man bedenkt, wie miserabel das schon teilweise war.





Ich gebe dir vollkommen recht. erstens weiß ich nicht was ändern soll mit 18 als mit 19 sein Studium zu beginnen, außerdem finde ich es ziemlich kontraproduktiv etwas auslassen zu müssen oder ein über ein wichtiges Thema nur ein paar Stunden zu sprechen, weil die Ziet fehlt

Erio T
04.05.2010, 17:55
Hallo

Sinnvoll ist es, wenn es funktioniert. Momentan tut es das nicht - sogar noch schlechter als das G9

Also bei uns in Sachsen gibt es keine Probleme mit dem "G8" und ich weiß auch nicht, warum es in anderen Bundesländern nicht auch funktionieren soll. Problematisch ist sicherlich auch weniger das G8 an sich, sondern viel mehr die Gestaltung des Überganges vom G9 zum G8.

Im bayerischen G8 gibt es keine Chemie mehr. Sicherlich, es gibt das Fach Chemie, aber was man da lernt, ist einfacher Auswendiglernstoff - wirkliche Konzepte der Chemie kommen kaum mehr dran, und in anderen Fächern sieht es ähnlich aus.

Dies ist wohl eher ein Problem der Lehrplangestaltung, als des G8 an sich.

In Sachsen ist es seit der Oberstufenreform vor zwei Jahren sogar Pflicht, alle drei Naturwissenschaften bis zum Abitur zu belegen.

Folgendes klingt jetzt vllt ein wenig komisch, aber zu DDR-Zeiten gab es auch nur ein G8-System und die DDR ist sicherlich nicht an ihren Naturwissenschaftlern und Ingenieuren gescheitert...

Viele Grüße
Erio T

Miam
04.05.2010, 17:58
Also ich weiß auch nicht 100% wie das jetzt alles im g8 (bayern) abläuft ich weiß nur das, was ich immer wieder von den Lehrer aufgeschnappt hab über die letzten Jahre (vielleicht sind ein paar Infos dabei die mal geplant waren jetzt aber doch nicht umgesetzt wurden). Jedenfalls kommt es mir nach diesen Infos so vor als ob das G8 einfach "stressiger" (durch die Verkürzung) ist dafür aber "leichter" gemacht wurde. So dürfen die G8 Leute angeblich ein zweisprachiges Wörterbuch benutzen (wir dürfen/durften das nicht) oder haben in ihrer Physik-Formelsammlung einen extra Bereich für Chemie (wir durften nie irgendwelche formelsammlungen für chemie klausuren verwenden lediglich im Abitur dürfen wir die physikformelsammlung benutzen in der ein paar zerfallsgesetz-formeln drin stehn). Angeblich wird die Facharbeit jetzt auch irgendwie mehr in Zusammenarbeit mit dem Lehrer als eigenständig gemacht etc.

Ich glaube immernoch, dass das G9 so wie es in Bayern war garnicht so schlecht war (Bayern gehörte ja angeblich bildungsmäßig immer mit zu "den Besten")
Das mit diesen seltsamen Seminaren versteh ich immernoch nicht... eventuell kann das ja mal jemand der sich damit auskennt erklären^^

FabianH
04.05.2010, 17:58
Also ich finde die Umsetzung auch schlimm, in Chemie geht es ja noch, aber in Mathe seh ich echte Probleme.

Ich habe im Moment eine 11te Klasse in Mathe, die Grundlagen der Differantialrechnung kriege ich locker hin, kein Problem. Da ist sogar Luft für ein paar nette Extras. Aber die 10tKlässler? Ich habe meine Chemieklasse gefragt, die haben noch nichts von Änderungsraten gehört. Ich hoffe inständig, dass ich keinen Grundkurs Mathe mit ehemaligen 10tklässlern bekomme. Wüsste nicht ansatzweise wie ich den Lehrplan durchkriegen soll.

Weiterhin sehe ich die momentane 11te-Klasse immer mehr als "Pfindungsphase", die so durchaus noch einen zusätzlichen Wert hat. Sei es nur die Wahl der Leistungskurse betreffend.

Dinge die ich gut finde, ist das Inhalte der Wahrscheinlichkeit/Statistik in die Mittelstufe gekommen sind.

FabianH
04.05.2010, 18:02
Das mit diesen seltsamen Seminaren versteh ich immernoch nicht... eventuell kann das ja mal jemand der sich damit auskennt erklären^^

Durch die Verkürzung müssen die G8-Schüler mehr Stunden in der Oberstufe machen. (Nicht mehr einbringen, aber mehr machen).
Dafür werden dann Seminare angeboten (in kleineren Kreisen speziellere Themen behandelt).
Je nach Ausstattung der Schule mit Lehrern können aber auch einfach mehr Kurse angeboten werden (in Berlin zumindestens) meine Ausbildungsschule macht es zB so. So könnte eine Schüler zum Beispiel PH, CH und BIO belegen. Was oft nicht möglich ist.

Miam
04.05.2010, 18:07
Ja aber da gibt es doch noch irgendwie so verschiedene "W" und "P" Seminare. DAS habe ich nicht verstanden, also diese Unterteilungen... Anscheinend gibt es da auch irgendwelche Schwerpunkte oder ähnliches

3_of_8
04.05.2010, 18:08
Meine Nachhilfeschüler haben mir gesagt, sie dürften überhaupt keine Formelsammlung verwenden. Das ist natürlich total bescheuert, weil damit Physik auf ein einziges Auswendiglernen von Formeln und Konstanten reduziert wird.

Die Grundidee des G8 (in Bayern) war mehr Stoff in weniger Zeit und dadurch bessere Leistung als im G9 - beim "mehr Stoff" wurde inzwischen sowieso schon zurückgerudert, aber mit Freizeit sieht es im G8 immer noch schlecht aus, denn zu Schule kommt noch Intensivierung und dazu noch Hausaufgabe und der erhöhte Lernaufwand. In Informatik scheint sich die Situation verbessert zu haben, da scheint mittlerweile endlich mal ein halbwegs vernünftiger Lehrplan da zu sein, zumindest höre ich da seit einiger Zeit Positives - aber es kann auch daran liegen, dass wir an unserer Schule jetzt einen besseren Lehrer haben.

Ich bin auf jeden Fall froh, noch im G9 zu sein. Schüler zum Deutschabitur zu zwingen ist einfach nur lächerlich.

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 18:19
Im bayerischen G8 gibt es keine Chemie mehr. Sicherlich, es gibt das Fach Chemie, aber was man da lernt, ist einfacher Auswendiglernstoff - wirkliche Konzepte der Chemie kommen kaum mehr dran, und in anderen Fächern sieht es ähnlich aus.

Dies ist wohl eher ein Problem der Lehrplangestaltung, als des G8 an sich Auf jeden Fall ist es kein Problem, das auf der politischen Ebene entschieden wird. Und m.E. ist es nicht einmal ein Problem des Lehrplans. Der nämlich nicht ein bestimmtes Konzept vorgeben, sondern möglichst offen sein sollte , damit die Lehrer ihr eigenes Konzept entwickeln können.

Gruß FKS

FabianH
04.05.2010, 18:20
aber mit Freizeit sieht es im G8 immer noch schlecht aus, denn zu Schule kommt noch Intensivierung und dazu noch Hausaufgabe und der erhöhte Lernaufwand.

Mit ein Grund, warum ich kaum Hausaufgaben aufgebe.

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 19:49
Ich gebe dir vollkommen recht. erstens weiß ich nicht was ändern soll mit 18 als mit 19 sein Studium zu beginnen,.. Wenn Sie das so sehen, warum haben Sie dann dies geschrieben :In einigen Bundesländern 8 wie zum Beispiel NRW ) ist die Schulzeit von 13 auf 12 Jahre gesenkt worden. Was eigentlich auch nicht schlecht ist.. Für mich passt das jedenfalls nicht zusammen.

Gruß FKS

KaD
04.05.2010, 20:03
G8 ist ja wohl der größte Mist überhaupt! Ich gehöre zu den Versuchskaninchen des G8 in Bayern. Q11. Das bedeutet 4 mal in der Woche Nachmittagsunterricht meistens bin 4 Uhr und danach noch lernen. Der Größte Spaß ist Mathe, denn da dürfen jetzt ALLE Abi drin machen. Es gibt sehr viele schlechte die durchschnitte der Schulaufgaben an unserer Schule lagen teilweise bei 3.4 PUNKTEN. Um das wieder auszugleichen schreiben die Lehrer dann supereinfache Exen bei denen dann drei viertel der Klasse iene 1 haben. Wo ist da bitter der Sinn. In Chemie bekommen wir die ganze Zeit zu hören: Ja, das kann ich euch jetzt nicht erklären, das kommt nich im Lehrplan dran. ODER AUCH Ja also das hier kommt nicht im Lehrplan vor, KÖNNTE ABER IM ABITUR DRANKOMMEN. Also muss ich es euch doch auch noch beibringen, als ob wir nicht schon genug zu tun hätten. DAs P-Seminar ist übringends völliger Blödsinn und auch total sinnlos. WIr machen gar nix und sitzen einfach nur rum. Und verschwenden Zeit in der wir FÜR MATHE LERNEN KÖNNTEN. Tja ich könnte jtzt noch unendlich so weitermachen. ALSO G8 IST SEHR UNSINNVOLL.

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 20:16
Der Größte Spaß ist Mathe, denn da dürfen jetzt ALLE Abi drin machen. Eine ausgezeichnete Idee, wie ich finde.
Es gibt sehr viele schlechte die durchschnitte der Schulaufgaben an unserer Schule lagen teilweise bei 3.4 PUNKTEN. Um das wieder auszugleichen schreiben die Lehrer dann supereinfache Exen bei denen dann drei viertel der Klasse iene 1 haben. Sind das nicht die gleichen Lehrer, bei denen die "schulaufgaben" so schlecht ausgefallen sind ?

In Chemie bekommen wir die ganze Zeit zu hören: Ja, das kann ich euch jetzt nicht erklären, das kommt nich im Lehrplan dran. ODER AUCH Ja also das hier kommt nicht im Lehrplan vor, KÖNNTE ABER IM ABITUR DRANKOMMEN. Sie sollten nicht jeden Mist glauben, den man Ihnen erzählt. Und nicht G8 auch noch für Dinge verantwortlich machen, deren Ursachen an anderer Stelle zu suchen sind.

Gruß FKS

KaD
04.05.2010, 20:22
Und was is so toll daran, dass alle Matheabi machen müssen? Ja, bloß unsere Lehrer haben den normalen Standart gesetzt (der ja zwischen Leistungskurs und Grundkurs liegen sollte) und dem konnten eben nicht sehr viele gerecht werden. Bei fast allen ist Mathe das schlechteste Fach. Ich hatte noch nie ein Problem mit Mathe und gerade verstehe ich nicht gerade viel. Außerdem kommt der -I-Effekt nicht im Lehrplan vor, könnte aber im Abitur vorkommen, laut unserer Lehrerin. Wieso sollte sie uns denn nciht die Wahrheit erzählen?

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 20:27
Meine Nachhilfeschüler haben mir gesagt, sie dürften überhaupt keine Formelsammlung verwenden. Das ist doch "Hören - Sagen" . Und selbst wenn es wahr wäre , sehe ich hier keinen Zusammenhang mit dem Übergang von G9 nach G8. Oder soll ich ernsthaft glauben, dass als Teil dieses Übergangs eine vorher zugelassene Formelsammlung nun nicht mehr benütztweden darf. Und dass eben dies " von ganz oben " verordnet wurde ?
Die Grundidee des G8 (in Bayern) war mehr Stoff in weniger Zeit und dadurch bessere Leistung als im G9 - beim "mehr Stoff" wurde inzwischen sowieso schon zurückgerudert, Auch dies scheint mir so nicht zu stimmen. Denn von vorn herein kann es doch allenfalls um "gleich viel Stoff in kürzerer Zeit " gegangen sein. Was ich im Übrigen auch noch für eine überzogene Zielvorgabe gehalten hätte.

Gruß FKS

kjetil
04.05.2010, 20:29
Stimmt, sie haben recht, da habe ich wirklich Unfug geschrieben, natürlich finde ich G8 schlecht

kjetil
04.05.2010, 20:32
Zu mindest ist es schlecht umgesetzt

nobody
04.05.2010, 20:41
Und was is so toll daran, dass alle Matheabi machen müssen? Ja, bloß unsere Lehrer haben den normalen Standart gesetzt (der ja zwischen Leistungskurs und Grundkurs liegen sollte) und dem konnten eben nicht sehr viele gerecht werden. Bei fast allen ist Mathe das schlechteste Fach. Ich hatte noch nie ein Problem mit Mathe und gerade verstehe ich nicht gerade viel. Außerdem kommt der -I-Effekt nicht im Lehrplan vor, könnte aber im Abitur vorkommen, laut unserer Lehrerin. Wieso sollte sie uns denn nciht die Wahrheit erzählen?

Verstehe ich auch nicht ganz - wozu soll Mathematik allgemein so wichtig sein? Ein Kunst- oder Theologiestudent müht sich damit doch nur unnötig - erst recht einige Geisteswissenschaftler wie z.B. Dolmetscher und Übersetzer. Wozu so unnötiger Ballast, der nie mehr im Leben bzw. für den späteren Broterwerb gebraucht wird?

Weshalb soll z.B. ein sprachbegabter Mensch durchs Abi rasseln, nur weil der irgendwelche Gleichungen nicht hinbekommt, die der nie mehr im Leben brauchen wird?

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 20:53
Und was is so toll daran, dass alle Matheabi machen müssen? Weil es von Anfang an ein Fehler war, dass man Mathematik abwählen konnte. Denn dies schlägt anscheinend bis in die Mittelstufe durch, wo sich schon mancher darauf einzurichten scheint. Und dies obwohl man in den meisten Ausbildungsgängen Mathematik braucht. Es kann ja nicht jeder Präsidentin des Landesrechnungshofes von HRW werden, wo man anscheinend nicht einmal den "Dreisatz" beherrschen muss ...

Ich hätte aber nichts dagegen, dass man Deutsch im Abitur abwählt. Aber um nicht falsch verstanden zu werden : Mit erheblichen Mängeln bei "Deutsch in Wort und Schrift" käme mir schon gar keiner in die Oberstufe eines Gymnasiums.
Außerdem kommt der -I-Effekt nicht im Lehrplan vor, Das ist nun aber wirklich eine Lappalie. Statt über den Lehrplan zu philosophieren hätte die Lehrerin gut daran getan einfach nur zu erklären, um was es sich da handelt.

Gruß FKS

Miam
04.05.2010, 21:06
Naja so eine große Änderung ist das auch nicht, dass jetzt Jeder Mathe-abi machen muss. Wir schreiben übermorgen Grundkurs-schriftlich und da schreiben auch fast alle Mathe, weil es im G9 ja auch irgendwie tausende Ausnahmeregelungen gibt dass man dann im Endeffekt irgendwie doch Mathe machen muss... zb wenn man Kunst & Deutsch/Englisch Lk hat MUSS man auch Mathe machen und darf kein Chemie etc (also soviel zu dem Thema "Geisteswissenschaften/ Sprachen")
Ich bin auch nicht der größte Fan von Mathe aber wie gesagt... soviel hat sich da garnicht geändert.

Friedrich Karl Schmidt
04.05.2010, 21:12
Verstehe ich auch nicht ganz - wozu soll Mathematik allgemein so wichtig sein? Ein Kunst- oder Theologiestudent müht sich damit doch nur unnötig - erst recht einige Geisteswissenschaftler wie z.B. Dolmetscher und Übersetzer. Wozu so unnötiger Ballast, der nie mehr im Leben bzw. für den späteren Broterwerb gebraucht wird?

Weshalb soll z.B. ein sprachbegabter Mensch durchs Abi rasseln, nur weil der irgendwelche Gleichungen nicht hinbekommt, die der nie mehr im Leben brauchen wird? In der Theorie ist das richtig. Nur sieht die Realität meist anders aus. Bei vielen Schülern wird nämlich unabhängig von einem möglichen späteren Bedarf erst einmal das Brett an der dünnsten Stelle gebohrt, damit der Abi - Schnitt gut wird. Hinzu kommen die Fälle, wo jemand dann doch lieber nicht Theologie o.ä studieren will und dann feststellt, dass es ein Fehler war Mathe, Physik oder Chemie abzuwählen.

Im Übrigen : Mit einer " 5 " in Mathe fällt man noch nicht durchs Abitur. Und bei einer außergewöhnlichen Sprachbegabung haben sich seit eh und je Möglichkeiten gefunden, die Hochschulreife auch noch bei mehr als nur einer "5" in Mathe durch Reifezeugnis zu bestätigen.

Gruß FKS

S0S
04.05.2010, 21:27
Weil es von Anfang an ein Fehler war, dass man Mathematik abwählen konnte.

Mathematik kann man auch im G9 nicht abwählen. Auch im Mathe-Gk zählen alle 4 Halbjahre zwingend zum Abi-Schnitt. Und wie Miam schon geschrieben hat, gibt es überdurchschnittlich viele, die in Mathe freiwillig Abi machen, sodass mir das nicht das größte Problem des G8 erscheint.

Was ich dagegen schlimm finde, ist, dass schon 10-12-Jährige zum Teil 3 Nachmittage die Woche haben. In dem Alter habe ich nachmittags täglich draußen gespielt, und wenn ich mal so viele Hausaufgaben hatte, dass das nicht möglich war, habe ich abends meinen Eltern gesagt, dass ich vom Gymnasium runter will.

Außerdem sind die Lehrpläne teilweise wirklich seltsam. Zum Beispiel habe ich welchen aus der Q11 in Bio geholfen. Die nehmen da chemische Sachen durch, die machen wir genauso im Chemie-Lk. Nur mit dem Unterschied, das unser Lehrer weiß, wovon er da spricht, deren Lehrerin jedoch auf Fragen antwortet, woher solle sie das wissen, sie habe ja kein Chemie studiert.

kjetil
04.05.2010, 21:32
Das ist nun aber wirklich eine Lappalie. Statt über den Lehrplan zu philosophieren hätte die Lehrerin gut daran getan einfach nur zu erklären, um was es sich da handelt.

Gruß FKS
Besonders in solchen Fächern wie Mathematik ist es denke ich wichtig genügend Zeit zu haben, da es einige Schüler gibt, die es nach einem Mal erklären noch nicht verstanden haben

3_of_8
05.05.2010, 11:27
Auf jeden Fall ist es kein Problem, das auf der politischen Ebene entschieden wird. Und m.E. ist es nicht einmal ein Problem des Lehrplans. Der nämlich nicht ein bestimmtes Konzept vorgeben, sondern möglichst offen sein sollte , damit die Lehrer ihr eigenes Konzept entwickeln können.

Ob es ein politisches Problem ist, ist egal. Es ist ein Problem des G8, und es ist natürlich ein Problem des Lehrplans. Wenn im Lehrplan viele kleine Auswendiglernsachen drin sind aber keine vernünftige Chemie, dann ist das ein Problem, die Lehrer an meiner Schule regen sich darüber extrem auf. Und einfach die "richtige" Chemie trotzdem durchziehen geht natürlich auch nicht, erstens wegen Zeitmangels und zweitens weil man als Lehrer ja die Verpflichtung hat, den Stoff, der tatsächlich im Lehrplan steht (und damit im Abitur drankommt) den Schülern so gut und ausführlich wie möglich beizubringen.

Das ist doch "Hören - Sagen" . Und selbst wenn es wahr wäre , sehe ich hier keinen Zusammenhang mit dem Übergang von G9 nach G8. Oder soll ich ernsthaft glauben, dass als Teil dieses Übergangs eine vorher zugelassene Formelsammlung nun nicht mehr benütztweden darf. Und dass eben dies " von ganz oben " verordnet wurde ?
Auch dies scheint mir so nicht zu stimmen. Denn von vorn herein kann es doch allenfalls um "gleich viel Stoff in kürzerer Zeit " gegangen sein. Was ich im Übrigen auch noch für eine überzogene Zielvorgabe gehalten hätte.

Ich habe von drei G8-Schülern unabhängig voneinander gehört, dass sie keine Formelsammlungen in den Klausuren verwenden dürfen. Ich sehe keinen Grund, warum ich ihnen das nicht glauben sollte. Im G9 durfte man das selbstverständlich noch. Ich sehe da also schon einen Zusammenhang.

Der Stoff wurde zuerst schlagartig erhöht. Der Stoff, den ich in der 10. oder 11. Klasse hatte, wurde auf einmal in der 7., 8. oder 9. gemacht, zusätzlich zum normalen Stoff dieser Klassen, und teilweise sogar Dinge, die ich in meiner ganzen Schullaufbahn noch nicht hatte. Natürlich kann mein Eindruck da täuschen, aber was ich da so von meinen Nachhilfeschülern mitbekommen habe, was die an Stoff haben, war extrem.

Friedrich Karl Schmidt
05.05.2010, 13:04
Ob es ein politisches Problem ist, ist egal. Es ist ein Problem des G8, und es ist natürlich ein Problem des Lehrplans. Wenn im Lehrplan viele kleine Auswendiglernsachen drin sind aber keine vernünftige Chemie, dann ist das ein Problem, die Lehrer an meiner Schule regen sich darüber extrem auf. Und einfach die "richtige" Chemie trotzdem durchziehen geht natürlich auch nicht, erstens wegen Zeitmangels und zweitens weil man als Lehrer ja die Verpflichtung hat, den Stoff, der tatsächlich im Lehrplan steht (und damit im Abitur drankommt) den Schülern so gut und ausführlich wie möglich beizubringen. So wie hier über G8 diskutiert wird, könnte man auch über die fachlichen Qualitäten von Chemielehrern diskutieren.

Ich hatte den Lehrplan zwar schon einmal vor Augen, habe ihn aber nur unter dem Aspekt "chemische Energetik" durchgesehen, um zu prüfen, ob hier nicht wieder ( wie sonst allgemein üblich ) Türen zugeschlagen wurden, die eine einfachere und dennoch fachlich bessere Vermittlung des Stoffes unmöglich machen.
Zu meiner Zufriedenheit konnte ich feststellen, dass der Lehrplan in dieser Beziehung hinreichend offen war. Ich schließe allerdings nicht aus, dass viele Lehrer dies als " fehlende Konzeption" empfinden mögen. Nur würde ich über deren Fachkompetenz aus Höflichkeit lieber nichts sagen.

Und angesichts des vielen Mumpitz aus Lehrermund , mit den ich während meiner aktiven Zeit häufig konfrontiert war und mich nun hier im Forum tagtäglich auseinandersetzen muss, ist die Aufregung Ihrer Chemielehrer für mich noch lange kein hinreichender Beleg dafür, dass der Lehrplan ( im Vergleich zu früheren , versteht sich ) so schlecht ist, wie Sie es hier darstellen.

Möglicherweise lastet man aber " G8 " auch Folgen an , die weniger mit G8, sondern mehr mit den "neuen Lehrmethoden" zu tun haben. Stichwort: "Lehrer erklärt nicht, sondern lässt Schüler im Internet recherchieren und dann vortragen".

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
05.05.2010, 14:03
Ich habe von drei G8-Schülern unabhängig voneinander gehört, dass sie keine Formelsammlungen in den Klausuren verwenden dürfen. Ich sehe keinen Grund, warum ich ihnen das nicht glauben sollte. Im G9 durfte man das selbstverständlich noch. Ich sehe da also schon einen Zusammenhang. Es mag ja sein . dass ein Zusammenhang besteht. Aber die Frage ist doch, ob die Einführung von G8 tatsächlich ursächlich und aus der Struktur von G8 her zwingend begründet werden kann. Viel plausibler wäre doch, dass man nur die Gelegenheit genutzt hat , um etwas zu entsorgen, was aus völlig anderen Gründen ein Dorn im Auge war. Wobei ich auch nicht ausschließen würde, dass es gute Gründe gewesen sein könnten.
Der Stoff wurde zuerst schlagartig erhöht. Der Stoff, den ich in der 10. oder 11. Klasse hatte, wurde auf einmal in der 7., 8. oder 9. gemacht, zusätzlich zum normalen Stoff dieser Klassen, und teilweise sogar Dinge, die ich in meiner ganzen Schullaufbahn noch nicht hatte. Natürlich kann mein Eindruck da täuschen, aber was ich da so von meinen Nachhilfeschülern mitbekommen habe, was die an Stoff haben, war extrem. Auch das mag sein, aber dafür nun die Struktur von G8 verantwortlich machen zu wollen, setzte doch ein Szenario voraus, das so fernab ist von jeder Vernunft, dass ich schon einen Beweis brauchte, um das zu glauben.

Es war doch von vorn herein klar, dass die Umstellung auf G8 schwierig werden würde. Und dies allein schon wegen der Verkürzung der Ausbildungsdauer. Wenn man es also schon nichgt geschafft hat, den Stoff hinreichend zu kürzen, dann kann doch niemand so bekloppt gewesen sein, den Stoffumfang in den Lehrplänen noch zu erhöhen.

Und wenn dies dennoch tatsächlich der Fall gewesen sein sollte, dann geht das doch sicher nicht aud das Konto derjenigen, deren Streben und Trachten darauf gerichtet sein musste , G8 den Schulen , den Lehrern und der Öffentlichkeit "zu verkaufen" . Für mich ist klar, dass wenn überhaupt , diese faulen Eier von anderer Seite gelegt worden sein müssen.

Gruß FKS

kjetil
10.05.2010, 15:18
Was soll es z.B. nützten solche Bücher, wie "wilhelm Tell" in der 8.ten Klasse zu lesen, die meisten Schüler in dem Alten können mit soeinem Buch noch nichts anfangen. vor G8 hat man das noch in der Oberstufe 8 oder 10. te klasse) gelesen.

drgreenthumb
10.05.2010, 15:28
ich frag mich wann endlich mal auf qualität statt auf quantität gesetzt wird
g8 sowie bachelor/master ist ja leider mal die gegenteilige entwicklung

/edit
wilhelm tell hab ich auch schon in der 8ten gelesen, hatte aber 13 jahre schule

nobody
10.05.2010, 15:38
Was soll es z.B. nützten solche Bücher, wie "wilhelm Tell" in der 8.ten Klasse zu lesen, die meisten Schüler in dem Alten können mit soeinem Buch noch nichts anfangen. vor G8 hat man das noch in der Oberstufe 8 oder 10. te klasse) gelesen.

Zu meiner Schulzeit hatten wie 'Wilhelm Tell' in der 8. Klasse gelesen, der 'Bahnwärter Thiel' oder, 'Die Schwarze Spinne' gehörten ebenso dazu - und dazu wurden dann Arbeiten geschrieben.

Heute wird m.E. viel mehr aufgebläht und aufgebauscht, mit Dingen die wohl nicht so notwendig wären - dafür auf Kosten von wohl substanziellerer Dingen.

nobody
10.05.2010, 15:50
Was ich dagegen schlimm finde, ist, dass schon 10-12-Jährige zum Teil 3 Nachmittage die Woche haben.

Das ist für mich das entscheidende Problem, denn hier wird die Grundlage für das Versagen vieler Schüler aufgrund der Überforderung gelegt. Und das kann eigentlich keiner wollen.

Gruß

arrhenius

nobody
10.05.2010, 16:02
Das ist für mich das entscheidende Problem, denn hier wird die Grundlage für das Versagen vieler Schüler aufgrund der Überforderung gelegt. Und das kann eigentlich keiner wollen.

Gruß

arrhenius

Na ja, ab der 5. Schulstufe hatten wir, vor knapp 30 Jahren auch 3 Mal die Woche Nachmittagsunterricht. Da gab es 'Stenographie' (so ein Unsinn heute :D), aber auch die Freifächer, wie 'Maschinschreiben' und auch 'Kochen und Hauswwirtschaft' als Freifach... Habe damals alle drei unnötige Fächer belegt - geschadet hat es mir aber nicht! ;)

Friedrich Karl Schmidt
10.05.2010, 16:20
Das ist für mich das entscheidende Problem, denn hier wird die Grundlage für das Versagen vieler Schüler aufgrund der Überforderung gelegt. Und das kann eigentlich keiner wollen. ich sehe es so : Wenn man von 9 Jahre Gymnasium auf 8 Jahre verkürzt, muss man den Stoffumfang proportional kürzen. Wenn man dazu nicht die Kraft aufbringt, muss man es lassen.

Wobei die dafür notwendige Kraft m. E. in erster Linie nötig ist , um den Fächerlobbyismus der Lehrer zu überwinden.

Mein Angebot als Chemielehrer wäre : Keine Chemie vor der neunten Klasse.

Gruß FKS

nobody
10.05.2010, 16:57
ich sehe es so : Wenn man von 9 Jahre Gymnasium auf 8 Jahre verkürzt, muss man den Stoffumfang proportional kürzen. Wenn man dazu nicht die Kraft aufbringt, muss man es lassen.

Das kann man so sehen, aber die Realität ist ja leider nicht so.


Mein Angebot als Chemielehrer wäre : Keine Chemie vor der neunten Klasse.

Gruß FKS

Da könnte ich mit leben, wenn es dann in der 9. und 10. Klasse je 3 Stunden wären.

Das Problem wird sein, dass jedes Fach natürlich gute Gründe hat insbesondere in 9 und 10 vertreten zu sein.

Gruß

arrhenius

kjetil
10.05.2010, 16:59
Mal eine Frage, warum sollte es Chemie nur ab der 9ten klasse geben ?

Biohazard88
10.05.2010, 17:35
Weil vorher die meinsten Schüler nicht in der Lage sind Dinge in der Chemie zu abstrahieren. Aber ich kenne auch 9te Klassen, in denen das nicht möglich ist. Aber ich finde auch, dass Chemie ab der 7ten (und so ist es in NRW normal) total fehl am Platz ist, besser wäre hier ein Schulfach, das einen groben Überlick über natwurwissenschaftllich Dinge darstellt, später kann man dann differenzieren. Und Schüler können dann zwischen Chemie, Physik und Biologie wählen, um in dem gewählten Fach einen tieferen Einblick zu bekommen.

MfG

kjetil
10.05.2010, 17:39
In Fall von G8 würde es bedeuten, dass einige Schüler nur ein Jahr Chemie haben, ich glaube nicht, das dass reicht

S0S
10.05.2010, 20:55
An sprachlichen (und ich denke auch allen anderen außer mat-nat) Gymnasien gab es im G9 ja erst ab der 11.Klasse Chemie, was bedeutete, dass sehr viele nur ein Jahr Chemie hatten, manchmal sogar erzwungernermaßen, wenn in der K12 kein Chemiekurs zustande kam.

Wenn man Chemie im G8 in der 9. und 10. verpflichtend hat, würde das meiner Meinung nach schon ausreichen, um zu wissen, ob man es in der 11. weiterbelegen will oder nicht.

Na ja, ab der 5. Schulstufe hatten wir, vor knapp 30 Jahren auch 3 Mal die Woche Nachmittagsunterricht. Da gab es 'Stenographie' (so ein Unsinn heute :D), aber auch die Freifächer, wie 'Maschinschreiben' und auch 'Kochen und Hauswwirtschaft' als Freifach... Habe damals alle drei unnötige Fächer belegt - geschadet hat es mir aber nicht! ;)

Ok, aber es war freiwillig, oder? Wahlfächer gab es bei uns auch und viele haben auch welche gemacht, z.B. Maschinenschreiben oder Chor. Aber die, die es nicht wollten (so wie ich) konnten es lassen. Im G8 haben die Schüler am Nachmittag aber keine vergleichsweise entspannenden Wahlunterricht, sondern schwere Fächer wie Mathe oder Latein. Wer Wahlfächer belegen will, muss dies zusätzlich zu diesen Nachmittagen tun, was dann 4 Nachmittage bedeutet.

FabianH
10.05.2010, 21:08
Dazu kommen ja noch weitere Belastungen wie Vergleichsarbeiten und Abschluss nach der 10 (in Berlin MSA), jeder Lehrer meint die Hausaufgaben für sein Fach sind die wichtigsten.
Ich persönlich bin der Meinung: Ich selber hatte es einfacher zu meiner Zeit.
Und genau, dass die Stoffmenge nicht entsprechend gekürzt wurde doch das wesentliche Problem am G8, dieser Schnullifax der hier diskutiert wurde: Darf ein Tafelwerk benutzt werden, Mathe im Abi Zwang, das hat doch alles nichts mit G8 im Kern zu tun und ist auch nicht in allen Bundesländern so.
Das große Problem ist schlichtweg (in meinen Augen), dass die Schüler viel zu viel für die Schule tun müssen und teilweise keine Freizeit haben, Druck vom Elternhaus inklusive.

kjetil
10.05.2010, 21:20
An sprachlichen (und ich denke auch allen anderen außer mat-nat) Gymnasien gab es im G9 ja erst ab der 11.Klasse Chemie, was bedeutete, dass sehr viele nur ein Jahr Chemie hatten, manchmal sogar erzwungernermaßen, wenn in der K12 kein Chemiekurs zustande kam.

Wenn man Chemie im G8 in der 9. und 10. verpflichtend hat, würde das meiner Meinung nach schon ausreichen, um zu wissen, ob man es in der 11. weiterbelegen will oder nicht.



.

Wenn man Chemie erst ab der 11. Klasse hatte, würde das ja bedeuten, dass man es nur in der Oberstufe hat, oder nicht?

Drugdog
10.05.2010, 21:49
Ich finde das mit G8 ist Quatsch
bin zum Glück im letzten Jahrgang mit G9 :).
Da wir im letzten Halbjahr aufgrund eines Umbaus des Biologietrakts in unserer Schule 4 Stunden Chemie statt der üblichen 2 hatten, war es zwar manchmal auch schon hart (obwohl Chemie mein Lieblingsfach ist :p), aber die G8er bei uns müssen den ganzen Stoff auch in Wesentlich kürzerer Stundenzahl durchnehmen, was manchmal sehr hart sein kann.
Wir mussten einmal, weil ein paar es nicht verstehen konnten 3 Stunden lang (statt eigentlich einer einzigen) das mit den Ionenpaarbindungen (eigentlich easy) durchnehmen.
Wenn so was bei G8ern passiert, wirds mit dem Lehrplan echt eng.
Zum Glück haben wir einen super Chemie-Lehrer, der uns jetzt schon ein viertel des Stoffes der 10ten Klasse beigebracht hat.
Aber es gibt ja auch Lehrer, bei denen das mit Erklären ein wenig länger dauert, und da ist G9 in jedem Fall besser.

S0S
10.05.2010, 21:52
Wenn man Chemie erst ab der 11. Klasse hatte, würde das ja bedeuten, dass man es nur in der Oberstufe hat, oder nicht?

Ja, man hatte Chemie in der 11 verpflichtend und musste nach wenigen Monaten Unterricht entscheiden, ob es in der 12 abwählen oder (möglicherweise als Lk) weiterbelegen wollte. Das finde ich ungünstig, da man ja überhaupt noch keinen richtigen Eindruck von dem Fach hat. Aber nach über einem Jahr sollte das schon gehen.

kjetil
10.05.2010, 22:19
Ein weiteres problem von G8 besteht denke ich darin, dass der erste "G8 Jahrgang" und der letzte "G9 Jahrgang" zusammen Abitur macht, das es also 2013 doppelt so viele Abiturienten geben wird.

Drugdog
10.05.2010, 22:47
Ein weiteres problem von G8 besteht denke ich darin, dass der erste "G8 Jahrgang" und der letzte "G9 Jahrgang" zusammen Abitur macht, das es also 2013 doppelt so viele Abiturienten geben wird.

Da hast du recht!
Das wird ne harte Zeit im LK (wenn ich dann noch so gut bin wie jetzt :D)

Friedrich Karl Schmidt
11.05.2010, 13:19
Wir mussten einmal, weil ein paar es nicht verstehen konnten 3 Stunden lang (statt eigentlich einer einzigen) das mit den Ionenpaarbindungen (eigentlich easy) durchnehmen. Bei mir hat anscheinend mein ganzes Leben dazu nicht gereicht. Denn mit dem Begriff "Ionenpaarbindung" kann ich immer noch nichts anfangen.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
11.05.2010, 13:25
Ein weiteres problem von G8 besteht denke ich darin, dass der erste "G8 Jahrgang" und der letzte "G9 Jahrgang" zusammen Abitur macht, das es also 2013 doppelt so viele Abiturienten geben wird. Wenn "Probleme" dieser Qualität ein ( wichtiges ) Argument sind, dann kann man jeden Gedanken in Bezug auf strukturelle Änderungen im Schulwesen von vorn herein vergessen.

Gruß FKS

kjetil
11.05.2010, 13:37
Wenn "Probleme" dieser Qualität ein ( wichtiges ) Argument sind, dann kann man jeden Gedanken in Bezug auf strukturelle Änderungen im Schulwesen von vorn herein vergessen.

Gruß FKS

Natürlich, ist das kein ernstzunehmendes Argument gegen G8, aber es ist nun mal ein Problem, was auftreten wird

( Mir ist auch nur die Elektronenpaarbindung bekannt )

kjetil
11.05.2010, 15:33
Wie oben schon angesprochen, wäre ich auch dafür, dass man bei G8 die Hausaufgaben kürzt oder vielleicht auch ganz streicht

S0S
11.05.2010, 17:38
Das ist auch offiziell erwünscht und wird bei den schriftlichen Hausaufgaben auch größtenteils eingehalten (habe ich jedenfalls das Gefühl, bin ja Gott sei Dank nicht betroffen). Doch Sachen wie in Fremdsprachen Vokabeln lernen, müssen immer noch zuhause gemacht werden, weil dazu verständlicherweise im Unterricht nicht die Möglichkeit besteht. Die Lehrer lösen das Problem dann zum Großteil so, dass sie alle Wörter einer Woche gleichzeitig geben, aber dafür eine Woche Zeit lassen, sodass die Kinder das Lernen auf einen Tag verschieben können, an dem sie keinen Nachmittag haben, oder auf's Wochenende. Dann ist aber so viel zu lernen, wie es sonst eben auf 5 Tage aufgeteilt gewesen wäre.

Für mich bleibt Fakt, dass es keine Möglichkeit gibt, denselben Stoff sinnvoll in kürzerer Zeit zu vermitteln. Wenn man G8 einführt, muss man den Stoff drastisch kürzen (ist ja nicht so, als würde man in 13 Jahren Schule nichts Unnötiges lernen). Das ist jedoch nicht geschehen und da jeder eine andere Meinung von dem hat, was nötig ist und was nicht, wird es wohl auch nicht passieren. Es werden zwar einzelne Sachen rausgestrichen, aber nicht so, dass man ein neues, sinnvolles Konzept für eine neue Schulform hat.

Wenn man nun die Schulzeit unbedingt verkürzen will, sollte man, meiner Meinung nach an der Grundschule anfangen, wo die Lerngeschwindigkeit nicht so hoch ist. Das würde ich nicht so machen, dass dann alle die Grundschule in 3 Jahren schaffen müssten (das wäre sicher vielen zu schnell), sondern den Unterricht flexibel gestalten. Es gibt ja schon Schulen, an denen (meist aus Schülermangel) mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet werden und so die Schüler ja nach persönlichen Fähigkeiten den Stoff von 2 Jahren auch in einem oder drei machen können. Ich weiß nicht, ob das in der Praxis gut funktioniert, da ich keine solche Schule persönlich kenne, aber theoretisch halte ich das für eine bessere Lösung als G8.

drgreenthumb
11.05.2010, 19:15
man sollte bedenken, dass man kindern eine gewisse zeit einräumen sollte, sich frei zu entwickeln
desto früher man anfängt, den druck auf die kinder zu erhöhen, desto böser könnte dies enden...
die ganze straffung ist nur dafür da der industrie zu helfen, der mensch rückt doch in den hintergrund
das raster, durch welches die kinder ohnehin immer öfters fallen können, wird so nur noch vergrößert

ich find das bedenklich

Shock
11.05.2010, 19:44
Weil es von Anfang an ein Fehler war, dass man Mathematik abwählen konnte. Denn dies schlägt anscheinend bis in die Mittelstufe durch, wo sich schon mancher darauf einzurichten scheint. Und dies obwohl man in den meisten Ausbildungsgängen Mathematik braucht. Es kann ja nicht jeder Präsidentin des Landesrechnungshofes von HRW werden, wo man anscheinend nicht einmal den "Dreisatz" beherrschen muss ...

Ich hätte aber nichts dagegen, dass man Deutsch im Abitur abwählt. Aber um nicht falsch verstanden zu werden : Mit erheblichen Mängeln bei "Deutsch in Wort und Schrift" käme mir schon gar keiner in die Oberstufe eines Gymnasiums.
Das ist nun aber wirklich eine Lappalie. Statt über den Lehrplan zu philosophieren hätte die Lehrerin gut daran getan einfach nur zu erklären, um was es sich da handelt.

Gruß FKS

Also -I Effekt kommt bei uns in Bayern im G8 sehr wohl im Lehrplan vor ô.o

Und das G8 nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, das kann ich bestätigen.
Ich bin derzeit in der 10ten Klasse und um gut zu sein, muss man sich wirklich reinhängen (nicht, dass man das nicht schon früher musste, aber ich hab echt keine Zeit mehr für andere Dinge außer Lernen).
Wenn ich Bücher lese, dann mittlerweile meistens nurnoch Fachliteratur, denn sonst kommt mir das fast wie "Zeitvergeudung" vor...

kjetil
13.05.2010, 13:27
Und das G8 nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, das kann ich bestätigen.
Ich bin derzeit in der 10ten Klasse und um gut zu sein, muss man sich wirklich reinhängen (nicht, dass man das nicht schon früher musste, aber ich hab echt keine Zeit mehr für andere Dinge außer Lernen).
Wenn ich Bücher lese, dann mittlerweile meistens nurnoch Fachliteratur, denn sonst kommt mir das fast wie "Zeitvergeudung" vor...

So extrem ist dass bei uns nicht. Es kommt auch ein bisschen auf das fach an, einige Lehrer machen auch einfach den gleichen Stoff wie bei G9

Shock
15.05.2010, 15:41
Hier ist es öfters so, dass jeder Lehrer sein Fach als das wichtigste ansieht und einem Lernstoff aufgibt, als würde man das Fach studieren, z.B. Geschichte...

kjetil
15.05.2010, 17:25
Hier ist es öfters so, dass jeder Lehrer sein Fach als das wichtigste ansieht und einem Lernstoff aufgibt, als würde man das Fach studieren, z.B. Geschichte...

bei uns auch, nur nicht so extrem. Manchmal kommen dan auch solche Aufgaben wie: "Erarbeitet es selbst im Buch", oder "Liest es selbst im Internet nach". Ich dachte immer der Lehrer soll beibringen:mad:

Friedrich Karl Schmidt
15.05.2010, 18:19
Ich dachte immer der Lehrer soll beibringen:mad: Das war einmal. Aber die Zeiten von rückständigen Lehrern , die immer noch meinen , dass das Erklären erst einmal Sache des Lehrers sei, die neigen sich dem Ende zu.

Gruß FKS

FabianH
15.05.2010, 18:43
Hey, Sie werden ja mal richtig kreativ.

S0S
15.05.2010, 20:30
Hier ist es öfters so, dass jeder Lehrer sein Fach als das wichtigste ansieht und einem Lernstoff aufgibt, als würde man das Fach studieren, z.B. Geschichte...

Das ist kein Problem von G8, das ist bei uns genauso.

Shock
16.05.2010, 10:53
Das Problem des G8 ist es, dass der Stoff immernoch den Rahmen sprengt, um ihn wirklich erarbeiten und verstehen zu können.

Friedrich Karl Schmidt
16.05.2010, 11:35
Das Problem des G8 ist es, dass der Stoff immernoch den Rahmen sprengt, um ihn wirklich erarbeiten und verstehen zu können.

G8 hat dies lediglich verstärkt. Hauptursache für die zu knapp bemessene Zeit ist das Prinzip " Schüler erarbeiten den Stoff selbst " . Denn dass Schüler dafür erheblich mehr Zeit brauchen, als im Fall eines vom Lehrer stärker geführten Lernens, das haben die Propagatoren des "neuen Lernens" anscheinend mitzuteilen vergessen , als Sie mit ihrer Konzeption bei der Politik vorstellig geworden sind. Und da geht es um wesentlich mehr als das, was man beim Übergang von G9 nach G8 hätte reduzieren müssen.

Gruß FKS

kjetil
16.05.2010, 12:36
Welche Vorteile hat/soll G8 eigentlich haben.
Ist es nicht volkommen egal, ob man mit 18 oder 19, sein Abitur hat ?

Friedrich Karl Schmidt
16.05.2010, 12:40
Welche Vorteile hat/soll G8 eigentlich haben.
Ist es nicht volkommen egal, ob man mit 18 oder 19, sein Abitur hat ? Die Frage ist hoffentlich nicht ernst gemeint.

Gruß FKS

Lenchen
16.05.2010, 12:50
Was mich bei der ganzen Geschichte immer interessiert: Die meisten sind nach 13 Jahren Schule ja 19+, die sind nach 12 Jahren dann halt 18+, aber was ist mit denen, ich nach 13 Jahren 18 sind? Die sind jetzt ja noch nicht volljährig, brauchen die dann die Unterschrift der Eltern um sich an der Uni zu bewerben?

FabianH
16.05.2010, 12:51
@FKS

Wenn ein 14jähriger so eine Frage formuliert, gehe ich davon aus, dass er sie ernst meint und dass es in seinen Augen wirklich egal ist.

@kjetil:

Es gibt einige Leute die denken, dass jedes Jahr früher besser für die Wirtschaft ist ("schneller ist besser") vor allem weil die anderen es ja auch können. Ich denke mittlerweile immer mehr, dass das umgekehrte der Fall ist: Ein Jahr länger hilft etwas reifer zu werden, ein Schuljahr indem man sich "ausprobieren" kann ist für die Entwicklung durchaus positiv. Meinetwegen etwas mehr Zwänge als jetzt (in der 11ten sitzenbleiben schaffen wirklich nur wenige).

FabianH
16.05.2010, 12:53
Die sind jetzt ja noch nicht volljährig, brauchen die dann die Unterschrift der Eltern um sich an der Uni zu bewerben?

Ja! Das wird meines Erachtens auch öfter passieren. Da wird man früher eingeschult, überspringt eine Klasse, weil man "hochbegabt" ist und schon hat man sein Abi mit 16.

kjetil
16.05.2010, 12:59
Die Frage ist hoffentlich nicht ernst gemeint.

Gruß FKS
Natürlich ist sie ernst gemeint

Friedrich Karl Schmidt
16.05.2010, 14:05
Wenn ein 14jähriger so eine Frage formuliert, gehe ich davon aus, dass er sie ernst meint und dass es in seinen Augen wirklich egal ist. Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass

- der Fragende der TES ist , der jetzt nach langer Diskussion diese Frage stellt.

- meine Bemerkung ein Denkanstoß war, den Sie nun unterlaufen haben

- es schon merkwürdig daherkommt, wenn ausgerechnet jemand, der vehement das eigenständige Lernen propagiert, nicht einmal die Antwort eines Schülers abwartet, nachdem eine Frage an denselben zurückverwiesen wurde, die im Übrigen - nach so langer Diskussion gestellt - das Axiom der Pädagogik von der Nichtexistenz dummer Fragen - als reine Willkür erscheinen lässt.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
16.05.2010, 16:06
Natürlich ist sie ernst gemeint Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Deutschlehrer hätte als Aufsatzthema gestellt :

" MACHT ES EINEN UNTERSCHIED, OB SCHÜLER MIT 18 ODER MIT 19 JAHREN ABITUR MACHEN ? “

“In meinen Augen macht das keinen Unterschied . “

Ende des Aufsatzes.

Gruß FKS

FabianH
16.05.2010, 17:31
der Fragende der TES ist , der jetzt nach langer Diskussion diese Frage stellt.

Und?

meine Bemerkung ein Denkanstoß war, den Sie nun unterlaufen haben


Tut mir ernsthaft leid, genausowas ist der Grund warum ich keine Lust habe mich erklärender Weise hier im Forum zu beteiligen. (Da fast immer jemand kam der dies getan hat). Aber ich habe dies eben nicht als einen solchen erkannt (sondern als schlichte unnötige Verärgerung).



- es schon merkwürdig daherkommt, wenn ausgerechnet jemand, der vehement das eigenständige Lernen propagiert, nicht einmal die Antwort eines Schülers abwartet, nachdem eine Frage an denselben zurückverwiesen wurde, die im Übrigen - nach so langer Diskussion gestellt - das Axiom der Pädagogik von der Nichtexistenz dummer Fragen - als reine Willkür erscheinen lässt.

Darf ich sie darauf aufmerksam machen, dass es schon merkwürdig daherkommt, wenn ausgerechnet jemand der nur seine ach so große Erfahrung zählen lässt nichtmal ein bisschen Feingefühl besitzt und sich anguckt, dass der Fragensteller niemand ist der einfach blöd quatscht sonder einfach ein junger Mensch (14 Jahre) zu sein scheint der sich viel Gedanken macht. Denn für einen solchen (erfahrenen) Pädagogen sollte die Schlussfolgerung sein, dass er die Antwort auf die Frage vielleicht wirklich nicht sieht. Und deswegen sollte er sich überlegen ihm die Frage einfach nochmal zu erklären. (Was dann ich versucht habe.)
Wichtiger Punkt für mich: Das Alter des Fragenstellers ist offensichtlich. Wäre dies nicht der Fall hätte ich wahrscheinlich nicht reagiert.

S0S
16.05.2010, 19:50
Welche Vorteile hat/soll G8 eigentlich haben.
Ist es nicht volkommen egal, ob man mit 18 oder 19, sein Abitur hat ?

Naja, es ist natürlich von der Wirtschaft erwünscht, dass die Schulabsolventen jünger sind. Auch viele Eltern (=Wähler) wollen ihre Kinder schneller aus dem Haus haben.

Meiner Meinung nach ist das trotzdem Quatsch, auf das eine Jahr kommt es echt nicht an. Ich bin mit 7 eingeschult worden und war anfangs immer eine der Ältesten in der Klasse. Jetzt bin ich 19 mache ich Abitur und in meinem Jahrgang sind viele, die schon 20 und ich glaube sogar ein paar, die schon 21 sind, weil sie eine oder zwei Klassen wiederholt haben. Auch das finde ich in Ordnung, in Fällen, wo die Leute sich dann beim 2. Versuch wirklich mehr reinhängen und dann ordentliche Leistung bringen. Jedoch gibt es auch genug, die durchfallen, weil sie nichts tun, danach immer noch nichts tun, aber wegen Wiederholverbots irgendwie durchgebracht werden, damit sie nicht ohne Abschluss dastehen. Die machen dann Abitur und bewerben sich danach um einen Ausbildungsplatz als KfZ-Mechaniker (z.B.). Das hätten sie auch nach der 10.Klasse schon gekonnt, womit sie sich selbst und anderen einiges erspart hätten. Hier Zeit zu sparen, wäre sinnvoller als am G8.
Andere schlagen die Zeit nach dem Abi oder während des Studiums tot. Es ist sicher nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand nach dem Abi nicht gleich zu studieren anfangen will, sondern vorher noch andere Erfahrungen machen. Aber bloß, weil man noch keine Ahnung hat, was man machen will, mal ein Jahr nach Rumänien zu gehen, und noch bevor man dorthin aufbricht, zu sagen, dass man, wenn man danach immer noch nicht weiß, was man studieren will, dann halt noch ein Jahr nach Kanada geht, finde ich etwas übertrieben. Und so geht das Jahr, das mit G8 mühsam eingespart wurde, dann doch wieder verloren.

Friedrich Karl Schmidt
17.05.2010, 13:48
Meiner Meinung nach ist das trotzdem Quatsch, auf das eine Jahr kommt es echt nicht an. Also wenn hier etwas Quatsch ist, dann doch wohl eher die Denke, dass es auf das eine Jahr nicht ankomme. Was aus der Sicht eines Einzelnen zutreffend erscheinen mag, ist auf die Gesamtzahl der Betroffenen bezogen völlig unlogisch. Denn wenn es auf 1 Jahr nicht ankommt, warum sollte es dann auf ein zweites Jahr ankommen usw.

Man kann daüber streiten, wo das Optimum liegt, aber doch wohl nicht darüber , ob ein Abweichen von diesem Optimum einen Unterschied macht.

Im Übrigen : Wenn es z.B. um Wehrdienst oder Zivildienst geht, da ist man dann weniger großzügig in Bezug auf den Wert von Zeit. Oder haben Sie schon einmal jemanden , der über den durch Pflichtdienst bedingten "Zeitverlust" gejammert hat, in der Weise beschieden, dass es auf ein Jahr nicht ankomme ?

Gruß FKS

nobody
17.05.2010, 19:37
Also wenn hier etwas Quatsch ist, dann doch wohl eher die Denke, dass es auf das eine Jahr nicht ankomme. Was aus der Sicht eines Einzelnen zutreffend erscheinen mag, ist auf die Gesamtzahl der Betroffenen bezogen völlig unlogisch. Denn wenn es auf 1 Jahr nicht ankommt, warum sollte es dann auf ein zweites Jahr ankommen usw.

Man kann daüber streiten, wo das Optimum liegt, aber doch wohl nicht darüber , ob ein Abweichen von diesem Optimum einen Unterschied macht.


Ihre grundsätzlichen Bemerkungen sind für sich genommen schlüssig.

Ich gebe aber zu bedenken:
- Die Einschulung erfolgt immer früher, häufig schon mit gerade fünf oder fünfeinhalb Jahren. Das ist kein Zufall, sondern zumindest für mein Bundesland ganz gezielt so: ein Zurückstellung ist selbst bei Vorliegen von Gutachten, die besondere Fördermaßnahmen attestieren kaum möglich. Ist es sinnvoll, einerseits die Schulzeit am oberen Ende zu verkürzen und andererseits den Beginn nach vorne zu legen? Für mich definitiv nicht.

- Ich habe auf die Schnelle keine Zahlen gefunden, aber nach meiner Schätzung bleiben mindestens ein Viertel eines Jahrgangs irgendwann im Lauf ihrer Schulzeit sitzen. Wäre es, wenn man schon das Wirtschaftlichkeitsargument bemüht, nicht konsequent, hier Veränderungen zu fordern?

- Bildung braucht Zeit und eine gewisse Reife: manche Unterrichtsinhalte können nicht in jeder KLassenstufe behandelt werden, weil z. B. die persönliche Erfahrungswelt oder das Abstraktiosniveau fehlt. Wenn man immer jüngere Schüler in der Schule hat, wird das dazu führen, dass ein bestmmter Teil der allgemeinen Hochschulreife verloren gehen, der mir sehr wertvoll erscheint, weil sich eine Allgemeinbildung im Nachhinein nur noch schwer erwerben lässt (zumindest für breite Schichten).

- In Bundesländern, die neben G8 noch G9 ananderen Schulformen anbieten (z. B.an Gesamtschulen) profitieren die G9-Schulen. Der Eefket ist sogar so groß, dass Herr Wulff in Niedersachsen die Gesamtschulen zu G8 zwingen will: so nebenbei bedeutet das das Ende der integrativen Gesamtschulen. Ob das der zufällige oder gewollte Effekt ist, darüber lässt sich spekulieren. Die Frage ist, ob man den Willen der Eltern so massiv missachten sollte (dass man es kann, ist offensichtlich).

Gruß

arrhenius

S0S
17.05.2010, 20:30
Im Übrigen : Wenn es z.B. um Wehrdienst oder Zivildienst geht, da ist man dann weniger großzügig in Bezug auf den Wert von Zeit. Oder haben Sie schon einmal jemanden , der über den durch Pflichtdienst bedingten "Zeitverlust" gejammert hat, in der Weise beschieden, dass es auf ein Jahr nicht ankomme ?

Aus meinem persönlichen Bekanntenkreis kenne ich niemanden, der über Zeitverlust aus diesem Grund jammert. Diejenigen, die Zivi machen, sind mit ihren Jobs eigentlich alle recht zufrieden und erzählen stolz rum, wie wenig sie tun müssen, im Vergleich zu uns Schülern. Anders ist bei denen, die beim Bund sind, aber die beklagen sich nicht über den Zeitverlust, sondern über das allgemeine Umfeld. Ich habe also nicht das Gefühl, dass dieses Jahr den Leuten so wichtig ist. Viele wünschen sich im Gegenteil mal eine Zeit, in der sie etwas anderes machen können als Lernen.

kjetil
18.05.2010, 14:28
Ein weiteres Problem an der Umsetztung von G8 ist, dass es in den meisten Fächern keine neuen Schulbücher gibt und wir mit den 10-15 Jahre alten Büchern arbeiten müssen

FabianH
18.05.2010, 14:40
Das stimmt aber nicht, dann kauft deine Schule nur keine neuen (gut möglich, dass sie abwarten will bis es einmal durch ist). Mittlerweile sollte es für das erste Semester der Oberstufe in allen Fächern Bücher geben.

Friedrich Karl Schmidt
18.05.2010, 16:47
Ich gebe aber zu bedenken:
- Die Einschulung erfolgt immer früher, häufig schon mit gerade fünf oder fünfeinhalb Jahren. Das ist kein Zufall, sondern zumindest für mein Bundesland ganz gezielt so: ein Zurückstellung ist selbst bei Vorliegen von Gutachten, die besondere Fördermaßnahmen attestieren kaum möglich. Ist es sinnvoll, einerseits die Schulzeit am oberen Ende zu verkürzen und andererseits den Beginn nach vorne zu legen? Für mich definitiv nicht. Erst einmal sehe ich nicht, was Ihr vorstehender Vortrag mit meinem Beitrag zu tun hat, in dem ich mich ja lediglich mit der Behauptung auseinandergesetzt habe, dass ein Jahr früher oder später Abitur zu machen keinen Unterschied bedeuten würde. Was ja nun wirklich völlig absurd ist. Und ja selbst für den falsch sein müsste, der, aus welchen Gründen auch immer, eine um ein Jahr spätere Reifeprüfung für sinnvoll hält.

Was die Einschulung angeht , so verstehe ich nicht, warum man nicht wenigstens im Zweifelsfall den Eltern die Entscheidung überlässt, wenn diese Ihr Kind ein Jahr später eingeschult haben wollen.

Die Kumulation von früherer Einschulung und G8 halte ich nicht für richtig. Und was G8 angeht, so bleibe ich bei meiner Meinung, dass es nur in Frage kommen sollte, wenn der Lehrstoff entsprechend gekürzt wird.

Gruß FKS

kjetil
20.05.2010, 14:50
Das stimmt aber nicht, dann kauft deine Schule nur keine neuen (gut möglich, dass sie abwarten will bis es einmal durch ist). Mittlerweile sollte es für das erste Semester der Oberstufe in allen Fächern Bücher geben.

Wir haben nur in Deutsch und Chemie ein neues Buch. ich weiß allerdings auch nicht, wie es in den Jahrgängen darunter ist

kjetil
20.05.2010, 15:52
Und was G8 angeht, so bleibe ich bei meiner Meinung, dass es nur in Frage kommen sollte, wenn der Lehrstoff entsprechend gekürzt wird.

Gruß FKS

dadurch würden die Schüler die von G8 betroffen sind aber den anderen gegenüber noch mehr benachteiligt werden

Rosentod
20.05.2010, 17:22
Es ist fakt, dass man ein Abitur, welches gut auf Studium und Berufsleben vorbereitet, in 12 Jahren Schule erreichen kann. Ich spreche da aus eigener Erfahrung (obwohl in meinem Heimatbundesland einige Jahre nach meinem Schulabschluss unverständlicherweise das 13. Schuljahr eingeführt wurde). Keiner meiner ehemaligen Mitschüler hatte später irgendwelche Nachteile, weil er kein 13. Schuljahr hatte. Und ja, selbstverständlich hatten wir auch Nachmittagunterricht, und ja, wir hatten trotzdem ausreichend Freizeit.

Dieses ganze Gejammer folgt doch nur aus der Umstellung eines Systems, das sich über viele Jahre eingeschliffen hatte. Zu meiner Zeit gab es auch gigantische Umwälzungen im Schulsystem einiger (neuer) Bundesländer. Wir haben dabei auch über vieles geschimpft. Letztendlich sind aber alle ohne größere Schwierigkeiten durchgekommen.

Natürlich gibt es Probleme bei der Umstellung, aber das muss man jetzt durchziehen und an einigen Stellen nachjustieren.

kjetil
20.05.2010, 17:48
Wenn der Unterrichtsstoff gekürzt wird, hat man einen Nachteil denen gegenüber dessen Stoff nicht gekürzt wurde, oder vetäusche ich mich

Friedrich Karl Schmidt
20.05.2010, 18:13
Zitat von Friedrich Karl Schmidt
Und was G8 angeht, so bleibe ich bei meiner Meinung, dass es nur in Frage kommen sollte, wenn der Lehrstoff entsprechend gekürzt wird.
dadurch würden die Schüler die von G8 betroffen sind aber den anderen gegenüber noch mehr benachteiligt werden. Wenn das jemand versteht, ich verstehe es nicht...

Gruß FKS

FabianH
20.05.2010, 18:19
Auch wenn ich mich weigere es als Rumgejammere zu bezeichnen (den ich bekomme mit, dass die Schüler ganz schön Stress haben), kann ich mich Rosendtods Argument nicht verschließen. Aber da müsste man mal zB die Rahmenpläne vergleichen. Vielleicht gab es zB in Sachsen einfach nie so viel wie zB in Berlin?

Das die Umstellung an sich Probleme mit sich bringt ist nun mal so, da sehe ich auch keine Probleme, irgendeine Generation hat immer Pech.

nobody
20.05.2010, 18:27
Es ist fakt, dass man ein Abitur, welches gut auf Studium und Berufsleben vorbereitet, in 12 Jahren Schule erreichen kann.

Das bestreitet auch niemand.


Und ja, selbstverständlich hatten wir auch Nachmittagunterricht, und ja, wir hatten trotzdem ausreichend Freizeit.

Das hat wenig Aussagewert und ist doch nur bedingt übertragbar auf die heutige Situation.


Dieses ganze Gejammer folgt doch nur aus der Umstellung eines Systems, das sich über viele Jahre eingeschliffen hatte.

Auch so kann man mit berechtiger Kritik umgehen.


Natürlich gibt es Probleme bei der Umstellung, aber das muss man jetzt durchziehen und an einigen Stellen nachjustieren.

Das ist doch völliger Unsinn. Warum soll es nicht berechtigt sein, eine Sache zu ändern, wenn man zum Schluss kommt, dass sie unsinnig ist und eine Umstellung besser wäre.
Dieses "Augen zu und durch" ist doch das dämlichste Argument, das es gibt.

Gruß

arrhenius

Rosentod
20.05.2010, 20:17
Das ist doch völliger Unsinn. Warum soll es nicht berechtigt sein, eine Sache zu ändern, wenn man zum Schluss kommt, dass sie unsinnig ist und eine Umstellung besser wäre.
Dieses "Augen zu und durch" ist doch das dämlichste Argument, das es gibt.Ich verstehe die Aussage nicht. Man ist zum Schluss gekommen, dass es unsinnig ist, wenn man für etwas 13 Jahre investiert, das in 12 Jahren auch zu schaffen ist. Eine Umstellung hat man gemacht.

Was willst Du uns sagen?

nobody
21.05.2010, 07:32
Ich verstehe die Aussage nicht. Man ist zum Schluss gekommen, dass es unsinnig ist, wenn man für etwas 13 Jahre investiert, das in 12 Jahren auch zu schaffen ist. Eine Umstellung hat man gemacht.

Was willst Du uns sagen?

Dass mich die Aussage, dass man "nun durch etwas durch müsse", nicht überzeugt, und ich mir die Freiheit nicht nehmen lasse, darüber nachzudenken, wieder zu G9 zurückzukehren, wenn denn mehr Argmente dafür sprechen als dagegen.

Ich halte die Umstellung für ausgemachten Blödsinn, bin also nicht "man", der zum Schluss gekommen ist, dass man die Diskussion um G8 auf die Frage 8 oder 9 Jahre verkürzen kann.

Eine Bildungsdiskussion mit der Argumentation 8 < 9 zu führen ist für mich armselig.
Warum nicht gleich weitergehen und gleich noch ein oder zwei Jahre kürzen? Welcher zukünftige Chemiker braucht Musik, Kunst oder Sport in der Schule? Brauchen Hartzer überhaupt mehr als 8 Jahre Schule? (Achtung: Ironie!)
Das wäre mal konsequent weiter gedacht, Rosentod, denn wenn schon mit der Nützlichkeit argumentieren, dann doch bitte konsequent. Warum sollen denn dann die 12 Jahre fix sein?

Gruß

arrhenius

Rosentod
21.05.2010, 08:19
Welcher zukünftige Chemiker braucht Musik, Kunst oder Sport in der Schule?Die Beispiele sind nicht die richtigen, aber es wird wohl tatsächlich einiges gelehrt, auf das man (in der Schule) verzichten könnte. Oft zu Lasten von Fächern wie Mathematik und Deutsch.

Warum sollen denn dann die 12 Jahre fix sein?Sollten sie aus meiner Sicht nicht. Man könnte es gerne flexibel und einzelfallabhängig gestalten. Wer 13 Jahre braucht, bekommt 13 Jahre, wer über dem Durchschnitt liegt, darf dafür auf 11 Jahre verkürzen. Ein solches System ist aber wohl illusorisch.

Friedrich Karl Schmidt
21.05.2010, 10:06
Das wäre mal konsequent weiter gedacht, Rosentod, denn wenn schon mit der Nützlichkeit argumentieren, dann doch bitte konsequent. Warum sollen denn dann die 12 Jahre fix sein? Eher dumm als konsequent. Schließlich lässt sich jeder Reformansatz ad absurdum führen durch maßlose Überdehnungen entsprechend dem , Was Sie hier "konsequent weiter gedacht" nennen.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
21.05.2010, 10:19
Die Beispiele sind nicht die richtigen, aber es wird wohl tatsächlich einiges gelehrt, auf das man (in der Schule) verzichten könnte. Dem kann man im Grunde zustimmen, nur wird es schwer sein, sich darauf zu verständigen, was denn entfallen könnte. Und in dieser Beziehung hätte der Übergang von G9 nach G8 eine Chance sein können. Die aber vertan wurde.

Aber wir werden so oder so eine Diskussion darüber brauchen, welche Zweck das Reifezeunis zu erfüllen hat. An der Doppelfunktion, Nachweis der Studierfähigkeit einerseits und breit angelegte Allgemeinbildung andererseits wird sich zwar prinzipiell nichts ändern. Aber in Bezug auf die Inhalte sehe ich erheblichen Diskussionsbedarf in beiden Bereichen.

Gruß FKS

S0S
21.05.2010, 16:35
An der Doppelfunktion, Nachweis der Studierfähigkeit einerseits und breit angelegte Allgemeinbildung andererseits wird sich zwar prinzipiell nichts ändern.

Hat sich daran nicht möglicherweise schon etwas geändert, auch wenn es von offizieller Seite niemals zugegeben wird? Ich mache im Moment Abi und sehe, dass ich für sehr viele Studiengänge außer dem Abitur weitere Voraussetzungen brauche und mit dem Doppeljahrgang nächstes Jahr wird sich diese Situation noch verschärfen. Scheinbar genügt allein das Abi den Leuten, die über die Studienplätze entscheiden, nicht zum Nachweis der Studierfähigkeit. Über Allgemeinbildung kann ich nicht viel sagen, aber auch da denke ich, dass einfaches Zeitunglesen, wozu man an einem Tag mit Unterricht bis 17 Uhr nicht kommt, mehr beitragen könnte als vieles, was man in der Schule lernt.

nobody
21.05.2010, 16:51
Eher dumm als konsequent. Schließlich lässt sich jeder Reformansatz ad absurdum führen durch maßlose Überdehnungen entsprechend dem , Was Sie hier "konsequent weiter gedacht" nennen.

Gruß FKS

Ich wollte mit dieser - von Ihnen wohl nicht erkannten offensichtich ironischen - Überspitzung darauf aufmerksam machen, dass sich solche eine Diskussion über Bildung(sinhalte) nicht auf dem Niveau von Rosentod führen lässt, der allein über Zeiten und "Weiter so" argumentiert.

Es müsste doch vielmehr um die Inhalte gehen, und die haben leider bei der ganzen Frage keine Rolle gespielt. Es ging immer nur um Vergleichbarkeit mit anderen Staaten und wirtschaftliche Aspekte.
Aber ich gebe es gerne zu: dieser ganze Bildungsbegriff, der dahinter steht, geht mir gegen den Strich.

Gruß

arrhenius

Rosentod
21.05.2010, 20:06
Niveau von RosentodIch möchte Dir dringend ans Herz legen, nicht über das Niveau anderer zu philosophieren.

Friedrich Karl Schmidt
21.05.2010, 20:27
Scheinbar genügt allein das Abi den Leuten, die über die Studienplätze entscheiden, nicht zum Nachweis der Studierfähigkeit. Das würde ich so nicht sehen. Wenn für bestimmte Studienrichtungen die Kapazitäten nicht ausreichen , muss natürlich eine Auswahl getroffen werden. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man mit Abitur grundsätzlich alles studieren kann.

Über Allgemeinbildung kann ich nicht viel sagen, aber auch da denke ich, dass einfaches Zeitunglesen, wozu man an einem Tag mit Unterricht bis 17 Uhr nicht kommt, mehr beitragen könnte als vieles, was man in der Schule lernt. Auch das würde ich so nicht sehen wollen. Jedenfalls micht so schlicht , wie es in Ihrem Beitrag herüberkommt. Denn die in der Schule angebotene Allgemeinbildung stellt m.E. eine weit bessere Auswahl dar, als das, was allgemein in den Printmedien angeboten wird.

Gruß FKS

kjetil
21.05.2010, 21:01
Auch das würde ich so nicht sehen wollen. Jedenfalls micht so schlicht , wie es in Ihrem Beitrag herüberkommt. Denn die in der Schule angebotene Allgemeinbildung stellt m.E. eine weit bessere Auswahl dar, als das, was allgemein in den Printmedien angeboten wird.

Gruß FKS

In der Schule (zumindest bei) beschäfftigt man sich aber nicht mit aktuellen Dingen

nobody
21.05.2010, 21:53
Ich möchte Dir dringend ans Herz legen, nicht über das Niveau anderer zu philosophieren.

Ist das die Androhung einer möglichen Zensur, weil ich mich zum Niveau einer Argumentation (nicht einer Person, die ich gar nicht kenne) geäußert habe?

Gruß

arrhenius

Friedrich Karl Schmidt
21.05.2010, 22:29
In der Schule (zumindest bei) beschäfftigt man sich aber nicht mit aktuellen Dingen Es reicht jetzt langsam. Mir jedenfalls geht diese Art der Diskussion zuhehmend auf den Senkel.
FKS

Rosentod
21.05.2010, 23:04
Ist das die Androhung einer möglichen Zensur, weil ich mich zum Niveau einer Argumentation (nicht einer Person, die ich gar nicht kenne) geäußert habe?

Gruß

arrheniusDeine Wortwahl war eindeutig und nur als ad hominem zu verstehen. Verstehe es als Warnung und bemühe Dich lieber Deine eigenen Argumente mal überzeugender zu gestalten, statt die Argumente anderer zu verunglimpfen.

PS: Ich bin dann mal raus aus der Diskussion. Meine Meinung habe ich dargelegt und mehr habe ich eigentlich nicht zu sagen.

kjetil
21.05.2010, 23:10
Zu mindest wir haben im Unterricht nie z.B. die NRw-Wahlen die "Ölpest" im Golf von Mexiko oder die Unruhen in Thailand besprochen obwohl es gerade aktuell ist. Also bringt ein Blick in die Zeitung doch mehr um über das aktuelle wltgeschehen informiert zu werden als die Schule (Das ist jedenfalls meine Meinung)

Jimmy90
21.05.2010, 23:18
In der Schule (zumindest bei) beschäfftigt man sich aber nicht mit aktuellen Dingen

Das liegt dann ganz alleine an den Lehrern. Ich habe mein Abi in 12 Jahren gemacht und da wenn Zeit war haben zwei Lehrer auch Bezug auf Aktuelles genommen.
Und ich stimme Rosentod zu, dass 12 Jahre Schule ausreichend sind um gut auf das Studium bzw. eine Lehre vorbereitet zu werden.

Meiner Meinung nach ist dieses Chaos einer schlechten Umsetzung zu verdanken. Die Entscheidungsträger hätten bei der Umstellung einfach ein System kopieren können, was sich in der Praxis als gut bewiesen hat.

nobody
22.05.2010, 09:06
Deine Wortwahl war eindeutig und nur als ad hominem zu verstehen. Verstehe es als Warnung und bemühe Dich lieber Deine eigenen Argumente mal überzeugender zu gestalten, statt die Argumente anderer zu verunglimpfen.

Dann glaub halt, was du willst.

Die Warnung nehme ich zur Kenntnis: also kein Widerspruch mehr gegen Rosentod, der die natürliche "Autorität" des gelben Namens im Forum hat.

Gruß

arrhenius

Friedrich Karl Schmidt
22.05.2010, 10:37
Zu mindest wir haben im Unterricht nie z.B. die NRw-Wahlen die "Ölpest" im Golf von Mexiko oder die Unruhen in Thailand besprochen obwohl es gerade aktuell ist. Also bringt ein Blick in die Zeitung doch mehr um über das aktuelle wltgeschehen informiert zu werden als die Schule (Das ist jedenfalls meine Meinung) Und meine Meinung ist , dass ich großes Verständnis habe für Lehrer , die

- sich Ihren Unterricht nicht von Tagesaktualitäten diktieren lassen wollen.

- sich auch von Fragen vorgeblich interessierter Schüler nicht vom eigentlichen Thema Ihres Unterrichts ablenken lassen. Schon gar nicht von Schülern,die jeden Tag "eine andere Sau durch's Dorf zu treiben" versuchen.

- keine Unterrichtszeit verschwenden an irgend ein Gelaber über Dinge , zu denen man nicht wirklich etwas zu sagen hat

- es als inkonsequent betrachten, wenn man einerseits nach dem System "Schüler erarbeiten den Lehrstoff eigenständig" verfährt und dann meint , mit den Schülern all das nachkauen zu müssen, was jeder ( der ach so interessierten )Schüler unschwer den Medien entnehmen kann.

Gruß FKS

kjetil
22.05.2010, 13:15
Aber es ja nicht schaden, aktuelle Geschehen wenigstens zu erwähnen, damit die Schüler wissen was gerade in Welt los ist und ich unterstelle einfach mal, dass der Durchschnittsschüler selten bis garnicht Zeitung liest

nobody
22.05.2010, 13:49
Aber es ja nicht schaden, aktuelle Geschehen wenigstens zu erwähnen, damit die Schüler wissen was gerade in Welt los ist und ich unterstelle einfach mal, dass der Durchschnittsschüler selten bis garnicht Zeitung liest

Ich stimme dir je nach Thema und Fach zu: mir ist es unverständlich, wie man als Sozialkundelehrer (und Fachleiter! - ein mir persönlich bekanntes Beispiel) die Bundestagswahl ignorieren kann oder als Biologielehrer aktuelle Themen (wie z. B. Schweinegrippe) nicht zum Thema des UNterrichts macht. Welche verpasste Chance.

Gruß

arrhenius

S0S
22.05.2010, 21:03
Auch bei uns kommen aktuelle Themen dann und wann zur Sprache, wenn es gerade gut zum Stoff passt. Und ich verlange auch von keinem Lehrer mehr als das, denn er hat ja einen Lehrplan zu erfüllen, der sich nicht mit den neusten Geschehnissen täglich ändern kann. So muss man sich damit abfinden, dass nicht alles wichtige im Unterricht durchgenommen werden kann. Stattdessen sollte man Schüler dazu ermuntern, sich auch außerhalb der Schule zu interessieren und ihnen auch genügend Freizeit zur Verfügung stellen.

Beispielsweise fragte unser Geschichtslehrer anfang der 12.Klasse mal aus gegebenem Anlass nach dem Wahlsystem bei der Bundestagswahl. Obwohl einige im Kurs bereits 18 und damit wahlberechtigt waren und es der Rest wenige Monate danach wurde, wusste nicht einmal die Hälfte der Schüler darauf eine Antwort. Natürlich ist das nur ein Beispiel, aber es gäbe sicherlich noch mehr solcher Beispiele von Dingen, die eindeutig zur Allgemeinbildung gehören, aber kein Teil des Schulstoffs sind.

Friedrich Karl Schmidt
22.05.2010, 21:17
Auch bei uns kommen aktuelle Themen dann und wann zur Sprache, wenn es gerade gut zum Stoff passt. Das ist ja auch venünftig.

Aber für mich macht es keinen Sinn, bei der Besprechung von z.B. dem Atombau oder Säure - Base - Reaktionen auf die drohende Umweltkatatrophe in der Karibik einzugehen, zumal ich selbst nicht über ein diesbezüglich fundiertes Wissen verfüge. Und als Lehrer sich am allgemeinen Gelaber zu beteiligen und dafür Unterrichtszeit zu verwenden/verschwenden, wäre meine Sache nicht.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
22.05.2010, 21:23
Natürlich ist das nur ein Beispiel, aber es gäbe sicherlich noch mehr solcher Beispiele von Dingen, die eindeutig zur Allgemeinbildung gehören, aber kein Teil des Schulstoffs sind. Das sollte mich aber sehr wundern, wenn dieses Thema nicht im Lehrplan für Gemeinschaftskunde stehen würde.

Auch würde ich aus der Tatsache, dass nur die Hälfte der Schüler über das Wahlsystem Bescheid gewusst hat, nicht den Schluss ziehen, dass das Thema noch nicht behandelt wurde. Ich bin sogar ziemlich sicher , dass das Gegenteil der Fall war.

Gruß FKS

S0S
23.05.2010, 20:30
Wir hatten nur ein Jahr Sozi und ich bin mir sicher, dass das da nicht behandelt wurde (obwohl ich zu der Hälfte gehört habe, die es wusste). Kann sein, dass es im Lehrplan steht; damit hat es unser Sozi-Lehrer nicht so genau genommen.

yoyoyo
15.06.2011, 18:41
Ich habe das G8 in Bayern gerade hinter mir und muss eingestehen, dass es nicht so schlimm war, wie es von Eltern, Lehrern, Schülern und den Medien dargestellt wird. Zwar hatte ich das Glück, auch ohne allzu viel zu lernen gute Noten zu schreiben und hatte deswegen nicht allzu viel Stress. Allerdings ist auch der Rest meines Jahrgangs einigermaßen gut durchs Abitur gekommen, und das ohne am Rand des "Burn-Outs" zu stehen (wie es in einigen Zeitungen behauptet wurde), und auch ohne ihre Hobbies und Freizeitaktivitäten aufgeben zu müssen. Natürlich war es ab und an stressig, zB vor Klausuren, aber ich denke im G9 war das nicht anders. Zumindest in der Oberstufe hatte der G9-Jahrgang genauso oft Nachmittagsunterricht wie wir.
Wenn ein Schüler Tag und Nacht lernt, all seine Hobbies aufgeben muss und immer noch keine zufriedenstellenden Noten schreibt, dann ist er wohl auf dem Gymnasium einfach nicht gut aufgehoben. Das "böse G8" muss dann oft als Sündenbock hinhalten.

Trotzdem wurde das G8 in Bayern nicht optimal umgesetzt. Einen Kritikpunkt hat hier schon jemand angebracht: Physik ab der 7. Klasse bzw Chemie ab der 8. Klasse. Die Schüler besitzen in diesem Alter einfach noch nicht die Fähigkeit, die Zusammenhänge umfassend zu begreifen. Ich persönlich hatte früher zB in Chemie meist 3er, jetzt in den oberen Klassen lag ich immer im Einserbereich.
Der Nachmittagsunterricht in den 6.-8. Klassen war auch völliger Mist, auf den man gut und gerne hätte verzichten können. In der 6. Klasse hatten wir sogenannten "Intensivierungsunterricht" in kleineren Gruppen, mir persönlich hat der aber nicht viel gebracht, ich hab kaum aufgepasst und nur meine Zeit abgesessen, und so ging es den meisten anderen wohl auch. In der 7. und 8. hatten wir dann einmal pro Woche 10 Stunden (bis halb 5) Schule, was für Schüler in dem Alter unzumutbar ist. Von den Musikstunden am Nachmittag ist bei mir zB nichts hängen geblieben - meine musikalischen Grundkenntnisse sind praktisch nicht existent. Ich glaube aber, dass sie diese Zustände inzwischen verbessert haben.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sie die Lehrpläne nicht ordentlich entrümpelt und umstrukturiert haben. So wurden zB, anstatt Lehrinhalte zu streichen, Themen wie "Universitäten im Mittelalter" neu in den Lehrplan aufgenommen. Bitte WAS bringt mir dieses Wissen? Nichts. Im Rahmen eines Geschichtsstudiums wäre es vllt interessant, aber in der Schule? Hingegen haben wir bspw. über die Franco-Diktatur in Spanien rein gar nichts gelernt, ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass das mal eine Diktatur war.

Friedrich Karl Schmidt
16.06.2011, 12:30
Trotzdem wurde das G8 in Bayern nicht optimal umgesetzt. Einen Kritikpunkt hat hier schon jemand angebracht: Physik ab der 7. Klasse bzw Chemie ab der 8. Klasse. Die Schüler besitzen in diesem Alter einfach noch nicht die Fähigkeit, die Zusammenhänge umfassend zu begreifen. Jedenfalls nicht so zu begreifen, wie es in Hinblick auf die Chemie der höheren Klassen wünschenswert wäre.
Warum man nicht den mit dem Übergang nach G8 verbundenen Zwang zu Kürzen des Stoffumfangs genutzt hat , um dieses Tun zu beenden, ist mir nur aus Lobbyistensicht begreiflich. Aus Sicht derjenigen nämlich, die an Bedeutung zu gewinnen meinen, wenn die Zahl der auszubildenden Chemielehrer möglichst groß ist. Insbesondere derjenigen, wo die chemiefachliche Qualität deutlich zurücktritt hinter den allgemeinpädagogischen Anspruch.
Gruß FKS

Pali1895
16.07.2011, 12:54
G8 ist das sinnvollste was die Schulpolitik in den letzten Jahren hervorgebracht hat!
Viel zu viel Unterricht, viel zu viele Hausaufgaben, unglaubliche Lasten - wer das glaubt, der hat noch mit keinem Schüler selbst geredet und lässt sich das von den Medien schlecht reden.
Viel zu viel Unterricht - nö, wir haben zwar mehr Wochenstunden als die G9er, aber das sind nur 2 Stunden... 1,5 Stunden mehr pro Woche für ein Jahr weniger Schule - ein guter Kompromiss.
viel zu viele Hausaufgaben - meine Hausaufgabenzeit pro Tag beschränkt sich auf weniger als 30 Minuten - wenn überhaupt. Einführungsphase Oberstufe.
unglaubliche Lasten - was für Lasten? Wir haben genauso viel Freizeit und exakt den gleichen Prüfungsdruck wie andere, können aber auch ein Jahr früher in das Berufsleben gehen und ein Jahr länger in die Kassen einzahlen. Wo sind da Lasten?
Land: NRW

Ich freue mich schon auf G7, wird mit Sicherheit auch noch sinnvoll sein, auch wenn ich es als Schüler nicht mehr erleben werde.

Laura__
31.12.2011, 21:01
Ich halte G8 überhaupt nicht für sinnvoll, zumindest nicht mit der Umsetzung. Viele Lehrer hier an den Gymnasien wissen z.B. überhaupt nicht, wie sie damit umgehen sollen, teilweise gab es die ersten Jahre hier sogar Schulen, an denen einfach in der 10. Klasse dann der Stoff aus 10 und 11 durchgenommen wurde. Kann mich natürlich bei allen Punkten nur zu den Gymnasien hier äußern, da ich nur von denen etwas mitbekomme.

Auch ist es so, dass meine Bekannten und Klassenkameraden aus der Grundschule, die an Gymnasien sind, oft Diskussionen im Unterricht nicht kennen, weil es dort einfach heißt, dass dafür keine Zeit sei und der Stoff schnell durchgezogen werden muss. Da frage ich mich immer, ob das Hinterfragen und Bilden einer eigenen Meinung nicht eigentlich das sein sollte, was man als Jugendlicher lernt.
Stattdessen gibt es Klausuren, bei denen einfach steif das Wissen abgefragt wird. Das kanns doch nicht sein

Natürlich gibt es immer Schüler, die es sehr gut schaffen und mir ist z.B. im Unterricht öfters langweilig, weil ich vieles schon kann, aber das ist nunmal nicht das, was die Allgemeinheit der Schüler erlebt. Ich habe noch G9, weil ich Gesamtschülerin bin und kann aber gut damit leben. Dass ich mich öfters langweile, hängt wahrscheinlich auch nicht mit G9 zusammen. Aber da ich halt jeden Tag um spätestens 15.15 Uhr Schluss habe und nicht wie viele an den Gymnasien erst zwischen 16 - 17.30 Uhr habe ich nebenbei einfach noch genug Zeit, mich ums Studium zu kümmern.

Ich sehe in meinen Kursen immer wieder, dass das Tempo so in Ordnung ist. Einige kommen halt nicht mit, aber man kann nicht auf alle Rücksicht nehmen. Wenn ich jedoch an den Gymnasien in den letzten Jahren teilweise Wiederholungsraten von über 50% sehe, kann das ja wohl nicht Sinn der Sache sein. Hinzu kommt, dass beim Abi in Bayern dieses Jahr die Anforderungen im Nachhinein geändert wurden und in Niedersachsen waren die Klausuren um einiges einfacher als die letzten Jahre. Das ist doch letztendlich eine Abwertung des Abiturs und auch nicht der Sinn.

Zumal ich es auch auffällig finde, dass viele mit 17-18 nunmal noch nicht wissen, was sie später machen wollen, d.h. die Schüler werden noch ein Jahr früher an die Uni geschickt, es werden vermutlich noch mehr ihr Studium abbrechen. Bei uns (11. Klasse, noch 2 1/2 Jahre bis zum Abi, ALter der Schüler: 15-17) wissen bisher von 24 Schülern nur 5 in etwa, was sie mal machen wollen, ich bin die einzige, die es sicher weiß. Und das trotz Berufsvorbereitungsunterricht in Klasse 9-10.

Mal abgesehen davon, zerstört G8 das Konzept von Integrierten Gesamtschulen. Wir wurden dieses Jahr für unser Konzept als beste Schule Deutschlands ausgezeichnet, jetzt arbeiten wir im Schulvorstand an einem neuen Konzept, weil es nicht mehr möglich ist, unter G8-Bedingungen unser Konzept aufrecht zu erhalten...

Insgesamt finde ich G8 auf jeden Fall viel zu schlecht umgesetzt, sieht man ja auch daran, dass immer mehr Länder zu G9 zurückkehren. Es wird auch Ausnahmen geben, wo Lehrer G8 gut machen, aber das ist scheinbar nicht die Regel.


Noch dazu, dass es hier hieß, Schüler könnten in der 8. Klasse die chemischen Zusammenhänge noch nicht begreifen: Das sehe ich nicht so.
Ich bin zur Zeit öfters im Unterricht meines Chemie-Lehrers in seiner Klasse (6. Klasse) dabei und sehe also, was er macht. Die haben Naturwissenschaft als Fach, nicht Bio, Chemie und Physik getrennt. Jedoch macht er relativ viel Chemie mit ihnen.
Und was die verstehen können im Alter von 11-12 ist einfach unglaublich! Neulich haben wir die Löslichkeit verschiedener Stoffe im Wasser untersucht und sie wollten tatsächlich wissen, wie das zustande kommt. Daraufhin haben wir ihnen grob erklärt, wie das mit der Hydrathülle ist. Natürlich ohne chemische Bezeichnungen, Atome haben wir ihnen eifnach so erklärt, dass dass es Teilchen verschiedener Arten seien und diese haben wir dann halt verschiedenfarbig an die Tafel gemalt.
Ein großer Teil der Klasse hat es verstanden.
Seitdem kommen immer wieder Fragen, wie etwas ist und die Schüler lernen einfach jetzt schon, Dinge zu hinterfragen und werden langsam an die Chemie herangeführt.
Zur Begeisterung gabs dann neulich bei nem Eltern-Lehrer-Schüler-Nachmittag eine kleine Chemieshow, die die Schüler mit uns beiden zusammen vorbereitet hatten. Wie die kleinen Kinderaugen strahlen, wenn sie die Knallgasprobe mit großen Ballons machen :D Sie waren wirklich begeistert und ich denke, durch solche Dinge verhindert man, dass die Schüler später so eine Abneigung gegen Naturwissenschaften haben.
Sicher kann man in der 8. Klasse das Orbitalmodell nicht einführen, aber man kann Schüler langsam an die Chemie heranführen und Begeisterung wecken.
WOllte ich noch kurz dazu sagen, denn ich finde es keinesfalls schlecht, früh mit Chemie zu beginnen, solange es alterangemessen ist.

Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 00:15
Und was die verstehen können im Alter von 11-12 ist einfach unglaublich! Neulich haben wir die Löslichkeit verschiedener Stoffe im Wasser untersucht und sie wollten tatsächlich wissen, wie das zustande kommt. Daraufhin haben wir ihnen grob erklärt, wie das mit der Hydrathülle ist. Natürlich ohne chemische Bezeichnungen, Atome haben wir ihnen eifnach so erklärt, dass dass es Teilchen verschiedener Arten seien und diese haben wir dann halt verschiedenfarbig an die Tafel gemalt.
Ein großer Teil der Klasse hat es verstanden. Nichts für ungut, aber "die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube". Möglicher Weise haben die Schüler zwar die Erklärung der Lehrer verstanden, aber wieviel diese mit den diesbezüglichen , physikalischen Grundlagen der Chemie zu tun hatte, lasse ich mal unkommentiert dahingestellt.

Gruß FKS

Laura__
01.01.2012, 00:30
Nichts für ungut, aber "die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube". Möglicher Weise haben die Schüler zwar die Erklärung der Lehrer verstanden, aber wieviel diese mit den diesbezüglichen , physikalischen Grundlagen der Chemie zu tun hatte, lasse ich mal unkommentiert dahingestellt.

Gruß FKS

sicher mag es sein, dass sie dieses Wissen vielleicht nicht wirklich nachvollziehen können, aber das können die Leute in meiner Klass ehrlich gesagt teilweise auch nicht :D
Ich persönlich finde es einfach nicht schlecht, wenn sie bei solchen Sachen schon grob erklären können, woran es liegt. Es hat ihnen gereicht, sie waren glücklich und später haben sie das wenigstens schonmal gehört.
Wobei wir (oder vielmehr mein Lehrer) ihnen auch teilweise schon wichtige Grundlagen beibringen, z.B. den Begriff der Dichte, als es darum ging, dass Öl oben schwimmt, wenn man es zu Wasser gibt . Dass Energie nicht verloren gehen kann, sondern nur umgewandelt werden kann, wissen sie auch schon :)

Aber gut, das weicht jetzt vom eigentlichen Thema ab

hafnium
01.01.2012, 12:25
sicher mag es sein, dass sie dieses Wissen vielleicht nicht wirklich nachvollziehen können, aber das können die Leute in meiner Klass ehrlich gesagt teilweise auch nicht :D


Ein weiteres Problem des G8 besteht meiner Meinung darin, dass einige Lehrer zudem unfähig sind dieses Wissen auch zu vermitteln.

Es gibt hier durchaus den Typen an Lehrer, dessen Unterricht daraus besteht aus dem Schulbuch vorzulesen und der dann auf
evtl. von Schülerseiten auftretende Fragen auch nicht im Stande ist, diese verständlich zu beantworten.

Laura__
01.01.2012, 12:35
Ein weiteres Problem des G8 besteht meiner Meinung darin, dass einige Lehrer zudem unfähig sind dieses Wissen auch zu vermitteln.

Es gibt hier durchaus den Typen an Lehrer, dessen Unterricht daraus besteht aus dem Schulbuch vorzulesen und der dann auf
evtl. von Schülerseiten auftretende Fragen auch nicht im Stande ist, diese verständlich zu beantworten.

Ja, das ist auf jeden Fall ein Problem. Jedoch nicht nur bei G8, sondern auch bei G9.
Ich habe jetzt ziemlich viel Glück mit meinen Lehrern, sie sind alle ganz gut und gehen auf uns ein. War vorher in der SekI auch schon so, jedoch hat meine damlige, ziemlich unfähige Chemie-Lehrerin vieles kaputt gemacht. Sie hat zwar nicht aus dem Buch vorgelesen, sondern uns lesen lassen, Fragen konnte sie trotzdem nicht beantworten.

Ich finde auch, dass neben der Lernbereitschaft der Schüler ein guter Lehrer extrem wichtig ist, denn das ist bei allen Schule, egal ob G8 oder G9 oder sogar nur Realschule oder Hauptschule, wichtig, um eine gute Basis zu haben.

Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 14:46
ch persönlich finde es einfach nicht schlecht, wenn sie bei solchen Sachen schon grob erklären können, woran es liegt. Es hat ihnen gereicht, sie waren glücklich und später haben sie das wenigstens schonmal gehört. Als "gebranntes Kind" lege ich andere Maßstäbe an. Denn als Lehrer habe ich mir schon oft wünschen müssen, die Schüler wüssten lieber gar nichts, als das unverstandene Zeug, beigebracht von Lehrern, die es anscheinend selbst nicht richtig "gerafft" hatten.
Und erst recht fehlt mir die Einsicht dafür, dass einerseits über die Verkürzung von der Schulzeit von G9 auf G8 gejammert wird und gleichzeitig beharrlich festgehalten wird an einem Chemieunterricht , der mangels Vorkenntnissen in Physik oberflächliches Stückwerk bleiben muss.
Wobei wir (oder vielmehr mein Lehrer) ihnen auch teilweise schon wichtige Grundlagen beibringen, Solange Schüler so gut wie nichts über die Kräfte zwischen elektrischen Ladungen wissen , halte ich derartige Unterfangen für sinnlos.Ich habe jetzt ziemlich viel Glück mit meinen Lehrern, sie sind alle ganz gut und gehen auf uns ein. Ich erlaube mir Zweifel zu haben, ob Sie die Qualität Ihrer Chemielehrer richtig beurteilen .

Gruß FKS

Laura__
01.01.2012, 15:43
Als "gebranntes Kind" lege ich andere Maßstäbe an. Denn als Lehrer habe ich mir schon oft wünschen müssen, die Schüler wüssten lieber gar nichts, als das unverstandene Zeug, beigebracht von Lehrern, die es anscheinend selbst nicht richtig "gerafft" hatten.

Darf ich fragen, was SIe dann erwarten, womit beim Chemie-Unterricht begonnen werden soll? Mit dem kompletten Atommodell, mit Orbitalen und Molekülorbitaltheorie, damit die Kinder auch richtig wissen, wie genau das ganze vor sich geht?
Die Kinder wissen jetzt, dass es verschiedene Teilchen gibt und alles aus diesen Teilchen besteht. Dass diese verschiedene Eigenschaften haben und wenn sie sich verbinden, entsteht ein neuer Stoff mit neuen Eigenschaften.
Natürlich weiß man nie, ob sie das wirklich 100% verstanden haben, aber da sie es selbst erklären konnten und nicht nur nachgeplappert haben und dazu auch Fragen gestellt haben, gehe ich davon aus.
Da verstehe ich ehrlich gesagt nicht, was falsch daran sein soll. Man kann nunmal nicht immer sofort das ganze Hintergrundwissen mit vermitteln. Das ist doch selbst in der Uni noch so, dass manche Dinge einfach erstmal hingenommen werden müssen.
Und mein Lehrer hat es definitiv "gerafft", wie es funktioniert. Nur weil er nicht sofort sein ganzen Hintergrundwissen einbaut, ist das doch kein Zeichen dafür, dass er es nicht verstanden hätte.
Würde alle Lehrer ihr ganzes Wissen zu den Themen nennen, könnten die Kinder sich nach der Schule einige Semester sparen.

Und erst recht fehlt mir die Einsicht dafür, dass einerseits über die Verkürzung von der Schulzeit von G9 auf G8 gejammert wird und gleichzeitig beharrlich festgehalten wird an einem Chemieunterricht , der mangels Vorkenntnissen in Physik oberflächliches Stückwerk bleiben muss.

Bei G8 haben die Kinder aber noch weniger Zeit, es zu verstehen und es bleibt weniger Zeit, auf den Hintergrund einzugehen.
Oberflächlich bleibt der Unterricht ja auch nicht. Die Kinder haben mindestens noch 4 1/2 Jahre Chemie, die meisten sogar 7 1/2 Jahre. Da ist noch so viel Zeit, das zu vertiefen und nach und nach die Kinder langsam an die Materie ranzuführen, bis dann vielleicht in der 8. richtig losgelegt werden kann, sie dann aber schon Grundkenntnisse haben. Danach wird natürlich auch auf Aspekte wie den Aufbau einzelner Atome usw. eingegangen, aber dieses wissen braucht man nunmal noch nicht, um die Dinge jetzt zu verstehen.

Ich weiß nicht, wie Sie Ihren Unterricht gestalten, aber für gewöhnlich ist es sogar in den Lehrbüchern so, dass z.B. zuerst Reaktionsgleichungen aufgestellt werden, von wegen 4 Teilchen Wasserstoff reagieren mit 2 Teilchen Sauerstoff zu 2 Teilen Wasser und erst später der Aufbau erläutert wird und erklärt wird, wie sie sich Elektronen teilen.
Nur weil viele das in der Reihenfolge gelernt haben, heißt das doch nicht, dass sie später keine Ahnung haben. Manchmal hilft es einfach auch, erst etwas zu veranschaulichen und später auf den Hintergrund einzugehen.

Solange Schüler so gut wie nichts über die Kräfte zwischen elektrischen Ladungen wissen , halte ich derartige Unterfangen für sinnlos. Ich erlaube mir Zweifel zu haben, ob Sie die Qualität Ihrer Chemielehrer richtig beurteilen .


Sie wissen aber, dass das Wassermolekül an einer Seite positiv, an der anderen negativ geladen ist und die darin gelösten Produkte wie z.B. Salz zerlegt werden in Teilchen, die auch Ladungen haben.
Dass positiv und negativ sich anziehen, ist sowieso bekannt.
Das reicht meiner Meinung nach erstmal als Wissen aus.

Vielleicht kann ich die Qualität eines Lehrers nicht aus Ihrer Sicht beurteilen, jedoch würde ich einfach mal behaupten, dass ich mich in die Schüler, die gerade mal 5 Jahre jünger sind als ich, besser reinversetzen kann und auch noch besser weiß, wie ich angefangen habe, Chemie zu verstehen, als jemand, der einige Jahrzehnte älter ist.


Aber Bildungspolitik und auch Lehrmethoden sind ja bekanntlich etwas, zu dem jeder Mensch eine andere Meinung hat.

hafnium
01.01.2012, 16:59
Ich erlaube mir Zweifel zu haben, ob Sie die Qualität Ihrer Chemielehrer richtig beurteilen .


Werter FKS, ich antworte auf diese Frage jetzt einfach mal aus meiner Sicht. Mir wurde es dankenswerterweise ermöglich parallel zum Besuchen der 12. Klasse meines Gymnasiums an einer Universität Chemie zu studieren (5.Semester). Dadurch kann ich mitlerweile relativ gut beurteilen, auf was für einem Stand der Lehrkörper meiner Schule ist - und z.T. ist dieser desaströs.

Ich bin ganz bei Ihnen, das gerade bei den physikalischen Grundlagen fundamentale Defizite bestehen. Und da zumindest bei mir in Bayern der Lehrplan im Fach Chemie mehr oder weniger an dem der Physik orientiert ist, ist es natürlich klar, dass gerade in Hinblick auf die Atommodelle man in Chemie doch im vorletzten Jahrhundert hängen geblieben ist.

Auf der einen Seite ist es natürlich durchaus sinnvoll Schüler, deren einzige Freude an Chemie das regelmäßige zünden von H-Ballons ist, nicht mit QM zu bombadieren (gilt so meiner Meinung nach auch für Physik). Gerade desshalb finde ich das alte Konzept mit GK/LK sinnvoller - auch wenn natürlich hier dier Lehrplan auch überarbeitet werden hätten könnte.

Eines der ganz grundlegenden Probleme liegt meiner Meinung nach am G8 darin, dass die Leute, die sich tatsächlich für Chemie interessieren, misserabel auf das Studium vorbereitet werden. An der LMU werden die Studenten in der Grundvorlesung nach ein paar Wochen mit QM bombadiert - allein mit dem Wissen das an einem bayrischen Gymnasium vermittelt wird, also selbst mit Chemie und Physik in der Oberstufe, ist das nicht zu verstehen. Bekanntlich interessiert die Universitäten sowieso gänzlich wenig, was an der Schule vermittelt wird - der Stoff bleibt - egal ob G8/G9 - der selbe.
Dies haben die Universitäten mitlerweile auch erkannt wie mir scheint. Mein Lehrer hat mir von einer Fachbetreuertagung berrichtet, bei der ein Universitätsprofessor den Lehrern ihre einzige Aufgabe zu erklären versuchte: Das Interesse der Schülern mit viel Explosionen und einem möglichst unterhaltsammen Unterricht zu wecken - dich fachlichen Grundlagen sind egal. Blos an die Universität gelockt werden soll der Nachwuchs!

Wenn nicht die Lehrpläne in den Naturwissenschaften massiv überarbeitet werden, scheint mir dies auch die einzige praktikable Lösung zu sein um überhaupt noch jemanden an die Universitäten zu locken. Inwiefern das sinnvoll ist, bleibt dahingestellt.

Erio T
01.01.2012, 17:27
Hallo,

da diese Diskussion (wie üblich) in "Lehrerschelte" ausartet, möchte ich doch mal meinen Senf dazu geben.

Dadurch kann ich mitlerweile relativ gut beurteilen, auf was für einem Stand der Lehrkörper meiner Schule ist - und z.T. ist dieser desaströs.

Ich bin ganz bei Ihnen, das gerade bei den physikalischen Grundlagen fundamentale Defizite bestehen.

Da stellt sich mit ernsthaft die Frage, woher Sie die Kompetenz nehmen dies zu beurteilen. Sie scheinen zu vergessen, dass ihr "Lehrkörper" selbst einmal eine Universität besucht hat - und alle haben einen Abschluss erworben. Die haben dort sicherlich auch Chemie studiert - und nicht Germanistik. Sie sollten also nicht derartig verallgemeinern.

dass gerade in Hinblick auf die Atommodelle man in Chemie doch im vorletzten Jahrhundert hängen geblieben ist.



Es ist in der Lehre üblich vom Einfachen zum Schweren voranzuschreiten. Dabei unterliegen die verwendeten Modelle stets einer didaktischen Reduktion, welche selbstverständlich nicht mit einer Verfälschung der Sachverhalte zu verwechseln ist. Dort liegt der Hase meist im Pfeffer. Häufig wird an der Universität in Allgemeiner/Anorganischer Chemie auf Hollemann/Wiberg zurückgegriffen. Schlagen Sie mal nach, wie dort in den Atombau eingeführt wird - mit dem Schalenmodell :eek:

Auf der einen Seite ist es natürlich durchaus sinnvoll Schüler, deren einzige Freude an Chemie das regelmäßige zünden von H-Ballons ist, nicht mit QM zu bombadieren (gilt so meiner Meinung nach auch für Physik). Gerade desshalb finde ich das alte Konzept mit GK/LK sinnvoller - auch wenn natürlich hier dier Lehrplan auch überarbeitet werden hätten könnte.

Eines der ganz grundlegenden Probleme liegt meiner Meinung nach am G8 darin, dass die Leute, die sich tatsächlich für Chemie interessieren, misserabel auf das Studium vorbereitet werden. An der LMU werden die Studenten in der Grundvorlesung nach ein paar Wochen mit QM bombadiert - allein mit dem Wissen das an einem bayrischen Gymnasium vermittelt wird, also selbst mit Chemie und Physik in der Oberstufe, ist das nicht zu verstehen. Bekanntlich interessiert die Universitäten sowieso gänzlich wenig, was an der Schule vermittelt wird - der Stoff bleibt - egal ob G8/G9 - der selbe.


Da ist Ihre Argumentation etwas wirr. Sie sollten mal klarmachen, mit welchen Modellen Sie gern in der Schule arbeiten möchten, um dann an der Universität nicht zu scheitern. Bedenken Sie dabei aber bitte, dass die Quantenmechanik der Universität so niemals Schulstoff sein kann...

Viele Grüße

Erio T

Erio T
01.01.2012, 17:32
In Sachsen wird seit jeher das Abitur nach 12 Jahren abgelegt. Mittlerweile muss Chemie von allen Schülern bis zur 12. Klasse belegt werden. Biologie und Physik ebenfalls. Der Lehrplan von Sachsen hat auch noch echtes Niveau.

Zum Vergleich: Der vierstündige Leistungskurs in Niedersachsen muss weniger Inhalte bearbeiten als der zweistündige Grundkurs in Sachsen.

Die Schüler aus den G9-Ländern sollten also nicht jammern. Insbesondere vor dem Hintergrund der Bildungskonkurrenz aus aufstrebenden Nationen wie Brasilien, China oder Indien. In Niedersachsen ist es laut Kerncurriculum eine besondere prozessbezogene Kompetenz, dass die Schüler im Fach Chemie Standardelektrodenpotenziale aus der elektrochemischen Spannungsreihe ablesen(!) können. Ich wiederhole: Es gilt als besondere Kompetenz für die allgemeine Hochschulreife einen Zahlenwert aus einer Tabelle abzulesen...

Laura__
01.01.2012, 17:39
Ich sehe es so, dass man weder den begeisternden Teil noch die Theorie vernachlässigen darf.
Aber es ist halt einfacher, mit dem begeisternden Teil zu starten und dann in die Theorie immer tiefer einzusteigen, als Schüler mit trockener Theorie zu quälen, während diese sich die ganze Zeit fragen, wozu man das überhaupt braucht.
Alleine schonmal, um nicht eine Abwehrhaltung bei den Schülern hervorzurufen. Sehr abstrakte Sachen, bei denen nicht bekannt ist, wo sie Verwendung finden, rufen bei vielen Schülern nunmal eine Abneigung gegen das Thema hervor.

Zumal nach Experimenten zumindestens bei uns immer das Auswerten folgt.
Letztendlich besteht ein beachtlicher Teil des Studiums auch aus Praktika, so dass die praktische Arbeit nicht vernachlässigt werden sollte.
Wir hatten hier in Gö in den Herbstferien Schnupperpraktikum für Schüler/innen der Oberstufe. Als einigen dann überhaupt erstmal erklärt werden musste, was ein Becherglas ist, wie ein Erlenmeyerkolben aussieht, wie ein Bunsenbrenner angeht und wie man pippettiert, war ich doch schon ziemlich schockiert. Wenn Schüler, die Chemie teilweise sogar als LK haben, soetwas nicht wissen, ist da beim Unterricht doch auch ganz klar ein Fehler zu erkennen. Die hatten in den ganzen Jahren tatsächlich nur Theorie, weil der Lehrer der Meinung war, für praktisches Arbeiten sei keine Zeit.
Das darf meiner Meinung nach nicht sein, gerade wenn sich Schüler für ein Chemie-Studium entscheiden und nur die Theorie kennen, sind sie beim ersten Praktikum vielleicht ziemlich geschockt und vor allem unerfahren.

Es mag sicher schwer sein, ein perfektes Mittelding zu finden, doch ich denke, dass dies möglich ist. Gerade weil nach Experimenten die Theorie folgt und die Schüler so auch ans Schreiben von Protokollen herangeführt werden.


Dass die Lehrpläne geändert werden müssten, sehe ich aber auch so. Ich kriege jedes Mal wieder einen Schock, wenn ich sehe, wie weit zurück meine Klassenkameraden in der Chemie teilweise sind. Die hören jetzt in der 11. Klasse vom neuen Lehrer das erste Mal etwas von Energien.

Also bitte ein Lehrplan, der die wichtigen Themen behandelt, um die Schüler auf die Vorlesungen im Studium vorzubereiten, aber auch praktisches Arbeiten als Vorbereitung zulässt!


Es ist in der Lehre üblich vom Einfachen zum Schweren voranzuschreiten. Dabei unterliegen die verwendeten Modelle stets einer didaktischen Reduktion, welche selbstverständlich nicht mit einer Verfälschung der Sachverhalte zu verwechseln ist. Dort liegt der Hase meist im Pfeffer. Häufig wird an der Universität in Allgemeiner/Anorganischer Chemie auf Hollemann/Wiberg zurückgegriffen. Schlagen Sie mal nach, wie dort in den Atombau eingeführt wird - mit dem Schalenmodell

So sehe ich das auch. Es muss vom EInfachen zum Schweren gehen, denn beginnt man mit der Orbitaltheorie, würde sofort bei 95% der Schüler ein Fragezeichen im Gesicht auftauchen.
Als ich damals begonnen habe, mich für Chemie zu interessieren, waren wir gerade bei dem netten Rosinenkuchenmodell.
Das habe ich auch erstmal ziemlich dumm geschaut, als an der Uni plötzlich die Rede von Orbitalen war.
Dass in der Schule nach und nach vorgegangen wird, hat schon seinen Sinn und im Nachhinein bin ich mir sicher, dass ich das Orbitalmodell deutlich schneller verstanden hätte, wenn ich vorher das Schalenmodell und das Kugelwolkenmodell gehabt hätte.
Nur mal so als Beispiel.

Laura__
01.01.2012, 17:47
In Sachsen wird seit jeher das Abitur nach 12 Jahren abgelegt. Mittlerweile muss Chemie von allen Schülern bis zur 12. Klasse belegt werden. Biologie und Physik ebenfalls. Der Lehrplan von Sachsen hat auch noch echtes Niveau.

Zum Vergleich: Der vierstündige Leistungskurs in Niedersachsen muss weniger Inhalte bearbeiten als der zweistündige Grundkurs in Sachsen.

Die Schüler aus den G9-Ländern sollten also nicht jammern. Insbesondere vor dem Hintergrund der Bildungskonkurrenz aus aufstrebenden Nationen wie Brasilien, China oder Indien. In Niedersachsen ist es laut Kerncurriculum eine besondere prozessbezogene Kompetenz, dass die Schüler im Fach Chemie Standardelektrodenpotenziale aus der elektrochemischen Spannungsreihe ablesen(!) können. Ich wiederhole: Es gilt als besondere Kompetenz für die allgemeine Hochschulreife einen Zahlenwert aus einer Tabelle abzulesen...

NDS hat aber übrigens auch G8.

Ja, da wären wir wieder bei den Lehrplänen.
Meiner Meinung nach wäre es sowieso sinnvoll, diese bundesweit gleich zu machen, alleine schonmal, um den Übergang zur Uni zu erleichtern und damit alle Studenten das gleiche Basiswissen haben.
Bei uns sitzen einige in der Vorlesung, die hatten in der Oberstufe kein Orbitalmodell :eek: Weiß allerdings nicht, aus welchem Bundesland. Aber soetwas darf einfach nicht sein.

Belegungspflichten von allen 3 oder zumindestens 2 Naturwissenschaften halte ich auch für sinnvoll.
Wir müssen hier (NDS) nur eine NW belegen, wenn wir eine 3. Sprache haben.
Schließlich muss ich mich ja auch mit sprachlichen und künstlerischen Fächern quälen und kann nicht einfach nur eine Sprache und eine Geisteswissenschaft belegen.
Ich hätte z.B. gerne Chemie, Physik und Bio gehabt, was hier nichtmal geht.

hafnium
01.01.2012, 17:55
Da stellt sich mit ernsthaft die Frage, woher Sie die Kompetenz nehmen dies zu beurteilen. Sie scheinen zu vergessen, dass ihr "Lehrkörper" selbst einmal eine Universität besucht hat - und alle haben einen Abschluss erworben. Die haben dort sicherlich auch Chemie studiert - und nicht Germanistik. Sie sollten also nicht derartig verallgemeinern.


Ich gebe zu, ich hab etwas verallgemeinert. Sicher gibt es wirklich sehr gute Chemielehrer die ihre Aufgabe sehr gewissenhaft erfüllen und sich sehr um ihre Schüler kümmern. Aber ich habe in den letzten Jahren eben auch die erlebt, deren Unterricht darin besteht, 45 Minuten lang aus dem Schulbuch vorzulesen. An dieser Stelle ist glaube ich die Frage erlaubt, inwiefern hier eine gute Lehrqualität vorherrscht.


Häufig wird an der Universität in Allgemeiner/Anorganischer Chemie auf Hollemann/Wiberg zurückgegriffen. Schlagen Sie mal nach, wie dort in den Atombau eingeführt wird - mit dem Schalenmodell :eek:


Das ist ein durchaus sinnvolles Konzept. Aber wenn der Höhepunkt dieser Modelle darin besteht in der 11. Klasse in Bayern die Bindungsverhältnisse in Benzol durch oszillierende Doppelbindungen zu erklären, frage ich mich, inwiefern das dann noch sinnvoll ist.


Bedenken Sie dabei aber bitte, dass die Quantenmechanik der Universität so niemals Schulstoff sein kann...

Es ist aber aus meiner Sicht nicht damit getan, den Schülern nur das eine, einzige Modell, also z.B. Bohr, "vorzusetzen" und den Rest komplett zu streichen wie das an meiner Schule gemacht wird.




Bei uns sitzen einige in der Vorlesung, die hatten in der Oberstufe kein Orbitalmodell :eek: Weiß allerdings nicht, aus welchem Bundesland. Aber soetwas darf einfach nicht sein.


Schau nach Bayern...

Erio T
01.01.2012, 18:24
Dass die Lehrpläne geändert werden müssten, sehe ich aber auch so.

Mich würde ernsthaft interessieren, ob Sie überhaupt schon einmal in einen Lehrplan geschaut haben.

Dass in der Schule nach und nach vorgegangen wird, hat schon seinen Sinn und im Nachhinein bin ich mir sicher, dass ich das Orbitalmodell deutlich schneller verstanden hätte, wenn ich vorher das Schalenmodell und das Kugelwolkenmodell gehabt hätte.


Denkbar, nur sollte es auch nicht dazu kommen, dass an der Schule alle möglichen Modelle hintereinander oder gar nebeneinander unterrichtet werden. Meiner Meinung nach reichen das Teilchenmodell, das Schalenmodell und das Orbitalmodell aus. Aber da gehen die Meinungen sicher auseinander.

NDS hat aber übrigens auch G8.



Das ist ja gerade das Schlimme. Und der Gipfel ist, dass ausgerechnet dort der Ruf nach G9 erschallt. Die sollten mal ganz ruhig sein.

Meiner Meinung nach wäre es sowieso sinnvoll, diese bundesweit gleich zu machen

Dann wären Lehrpläne bald Thema von Bundestagswahlkämpfen - bitte nicht!

Bei uns sitzen einige in der Vorlesung, die hatten in der Oberstufe kein Orbitalmodell :eek:

Zum Beispiel die Kollegen aus NDS.

Es ist aber aus meiner Sicht nicht damit getan, den Schülern nur das eine, einzige Modell, also z.B. Bohr, "vorzusetzen" und den Rest komplett zu streichen wie das an meiner Schule gemacht wird.



Und ich möchte lieber nicht wissen, was für ein Modell da als BOHR'sches Atommodell bezeichnet wurde...

Laura__
01.01.2012, 20:03
Mich würde ernsthaft interessieren, ob Sie überhaupt schon einmal in einen Lehrplan geschaut haben.
Ich beschäftige mich schon seit diverser Zeit in einem bildungspolitischen Bündnis mit den kerncurricularen Vorgaben und habe schon einige dieser gelesen. Viele zwar nicht komplett, da es meistens 30-40 Seiten sind, aber den Hauptteil kenne ich von einigen Fächern. Überwiegend Jhg 9, 10 + gmyn. Oberstufe. Jedoch lediglich für NDS

Denkbar, nur sollte es auch nicht dazu kommen, dass an der Schule alle möglichen Modelle hintereinander oder gar nebeneinander unterrichtet werden. Meiner Meinung nach reichen das Teilchenmodell, das Schalenmodell und das Orbitalmodell aus. Aber da gehen die Meinungen sicher auseinander.
Ja, nebeneinander unterrichten geht nicht, außer wenn es darum geht, welches bei welcher Aufgabe am praktischten ist. Wobei ich schon finde, dass z.B. auch das Kugelwolkenmodell Sinn macht, um überhaupt zu wissen, dass eine Wolke bzw. später ein Orbital max 2 Elektronen aufnehmen kann und zuerst gleiche Energieniveaus einfach besetzt werden. Aber das ist sicher auch von Schüler zu Schüler unterschiedlich,w as am besten ist.

Das ist ja gerade das Schlimme. Und der Gipfel ist, dass ausgerechnet dort der Ruf nach G9 erschallt. Die sollten mal ganz ruhig sein.
Wie in einem früheren Beitrag erwähnt: Auch hier haben die Schüler an den Gymnasien nichts zu lachen. Was dann aber wahrscheinlich nicht am Inhalt, sondern an den Methoden liegt.

Dann wären Lehrpläne bald Thema von Bundestagswahlkämpfen - bitte nicht!
Aber es kann doch auch nicht Sinn sein, dass hier in allen 16 Bundesländern verschiedene Dinge gelehrt werden. Alleine zwischen den Schülern, die vorher in Hessen zur Schule gingen und jetzt bei uns sind, sehe ich im Vergleich zu uns riesen Unterschiede.


Zum Beispiel die Kollegen aus NDS.
Quatsch! Wir haben am Anfang der Quali-Phase das Orbitalmodell in NDS. Sowohl im GK, als auch im LK.
Edit: Muss mich verbessern. Im Kerncurriculum steht tatsächlich nichts Oo Und im Internet schreiben auch viele, sie hätten es nicht gehabt. Finde ich nen bisschen komisch, denn bei uns wirds unterrichtet und in unseren Büchern stehts auch. Aber gut, dann scheinen viele Schulen darauf wirklich zu verzichten.

Erio T
01.01.2012, 21:29
Wobei ich schon finde, dass z.B. auch das Kugelwolkenmodell Sinn macht, um überhaupt zu wissen, dass eine Wolke bzw. später ein Orbital max 2 Elektronen aufnehmen kann und zuerst gleiche Energieniveaus einfach besetzt werden. Aber das ist sicher auch von Schüler zu Schüler unterschiedlich,w as am besten ist.



Dann braucht man aber gar nicht erst das Kugelwolkenmodell einführen. Dahin kommt man dann auch vom Schalenmodell oder von Energieniveaumodell.

Was dann aber wahrscheinlich nicht am Inhalt, sondern an den Methoden liegt.



Die Methoden in NDS sollen angeblich viel innovativer als in anderen Bundesländern sein und trotzdem ist das Niveau in NDS niedriger. Also bitte nicht noch mehr "innovative Methoden". Vielen Schülern würde es glaube ich eher helfen, wenn man einfach mal etwas ordentlich erklären würde. Stattdessen wabbern die meisten in einer Suppe von halbgewalkten Begrifflichkeiten dahin.

Aber es kann doch auch nicht Sinn sein, dass hier in allen 16 Bundesländern verschiedene Dinge gelehrt werden. Alleine zwischen den Schülern, die vorher in Hessen zur Schule gingen und jetzt bei uns sind, sehe ich im Vergleich zu uns riesen Unterschiede.



Das Problem für NDS liegt in der "Idee" des Kerncurriculums begründet. Jede Schule leitet daraus für sich einen eigenen schulintern gültigen Lehrplan ab ("Schulcurriculum"). Der ist dann mehr oder weniger durchdacht, d. h. an vielen Stellen nicht schlüssig und unausgereift. Das Argument mit den 16 Bundesländern zieht an der Stelle also überhaupt nicht. Im Gegenteil - in NDS ist es den Schülern nicht mal möglich innerhalb einer Stadt die Schule zu wechseln, ohne Probleme zu bekommen. In jeder Schule wird zu jeder Zeit etwas anderes (und dann auch noch mit anderen Erkenntniswegen) unterrichtet. TOLL.

Laura__
01.01.2012, 21:47
Das Problem für NDS liegt in der "Idee" des Kerncurriculums begründet. Jede Schule leitet daraus für sich einen eigenen schulintern gültigen Lehrplan ab ("Schulcurriculum"). Der ist dann mehr oder weniger durchdacht, d. h. an vielen Stellen nicht schlüssig und unausgereift. Das Argument mit den 16 Bundesländern zieht an der Stelle also überhaupt nicht. Im Gegenteil - in NDS ist es den Schülern nicht mal möglich innerhalb einer Stadt die Schule zu wechseln, ohne Probleme zu bekommen. In jeder Schule wird zu jeder Zeit etwas anderes (und dann auch noch mit anderen Erkenntniswegen) unterrichtet. TOLL.

Dein Argument, an jeder Schule würde etwas anderes unterrichtet werden, macht die Sache aber nicht gerade besser. Denn dann hätten wir anstatt 16 verschiedene Niveaus sogar tausende, was noch schlimmer ist. Das schreit doch eigentlich sogar noch mehr nach einer Anpassung der Lehrpläne.
Es gibt aber auch Städte, in denen die Schulen sich absprechen.
Bei uns wird ab der Einführungsphase stadtweit (fast) das gleiche unterrichtet, denn wir können unseren Unterricht auch auf Stadtleiste wählen, also aussuchen, in welcher Schule wir die Kurse haben. Das wäre sonst gar nicht möglich

Erio T
01.01.2012, 23:46
Dein Argument, an jeder Schule würde etwas anderes unterrichtet werden, macht die Sache aber nicht gerade besser.

Da hab ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Dies ist kein Argument dafür, sondern gegen diesen Schwachsinn mit dem Kerncurriculum und den Schulcurricula. Letztere führen den Gedanken eines Zentralabiturs dann völlig ad absurdum.

Laura__
02.01.2012, 01:55
Da hab ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. Dies ist kein Argument dafür, sondern gegen diesen Schwachsinn mit dem Kerncurriculum und den Schulcurricula. Letztere führen den Gedanken eines Zentralabiturs dann völlig ad absurdum.

Achso.
Ja, das stimmt natürlich. Letztendlich ist auch ein Zentralabi nicht mehr wirklich sinnvoll, wenn die Schüler dieses mit vollkommen unterschiedlichem Kenntnisstand schreiben.

S0S
06.01.2012, 22:53
Naja, gäbe es ein Zentralabi und klare Vorgaben, welche Themen dafür relevant sind, müssten die Lehrer sich danach richten, sodass die Unterschiede nicht zu gravierend sein sollten. Innerhalb der einzelnen Bundesländer funktioniert das ja auch, warum nicht in ganz Deutschland?

rausrhein
09.01.2012, 16:54
Naja, gäbe es ein Zentralabi und klare Vorgaben, welche Themen dafür relevant sind, müssten die Lehrer sich danach richten, sodass die Unterschiede nicht zu gravierend sein sollten. Innerhalb der einzelnen Bundesländer funktioniert das ja auch, warum nicht in ganz Deutschland?

Auch ein Unterricht ohne Zentralabitur erfolgt ja nicht ohne Vorgaben, insofern verstehe ich den Hinweis nicht. Dass Lehrer Vorgaben ignorieren, ist ja mit dem Zentralabitur nicht abgeschafft.

Das Zentralabitur suggeriert m. E. nur eine Gerechtigkeit, die es nur bedingt einlöst, denn die hier berichteten Beispiele von aus dem Lehrbuch vorlesenden Lehrern stammen ja gerade aus Bundesländern mit Zentralabitur.

Zum Umgang mit dem Orbitalmodell: ich habe ernste Zweifel, ob z. B. das bayrische Zentralabitur in diesem Bereich das verspricht, was es angeblich leistet: wenn überhaupt, dann beschränkt sich der Umgang damit auf das Hybridisierungskonzept und die Beschreibung von Reaktionsmechanismen. In anderen Bundesländern vermute ich es ähnlich. Ob das wirklich die Studierfähigkeit erhöht?

Ich halte es im Gegensatz dazu aber auch auch nicht für notwendig, dass die Schule der Universität in diesem Bereich vorgreift, denn nur ein sehr kleiner Teil wird später dieses Wissen doch überhaupt gebrauchen können. Man wird m. E. nicht mehr Studenten "generieren" können (ein super Bildungs-Bullshit-Wort), indem man einerseits möglichst viele Studieninhalte in die Schulen verlagert oder andererseits die Studenten mit "tollen" Versuchen lockt.

Schule hat ihren eigenen Bildungsauftrag, und der besteht in einer umfassenden allgemeinen Hochschulreife. Das impliziert, dass die Vorbereitung auf spezifische Fächer nicht das Ziel schulischer Bildung sein kann.

Friedrich Karl Schmidt
09.01.2012, 17:56
Auch ein Unterricht ohne Zentralabitur erfolgt ja nicht ohne Vorgaben, insofern verstehe ich den Hinweis nicht. Dass Lehrer Vorgaben ignorieren, ist ja mit dem Zentralabitur nicht abgeschafft. Das zwar nicht, aber die Existenz des Zentralabitur sorgt schon dafür, dass sich ein Lehrer einmal mehr überlegt, ob er es sich leisten kann, die Vorgaben zu ignorieren.
Das Zentralabitur suggeriert m. E. nur eine Gerechtigkeit, die es nur bedingt einlöst, denn die hier berichteten Beispiele von aus dem Lehrbuch vorlesenden Lehrern stammen ja gerade aus Bundesländern mit Zentralabitur. Also erstens bin ich nicht so pessimistisch, den "aus dem Schulbuch vorlesenden Lehrer" als einen Fall mit relevanter Häufigkeit für möglich zu halten. Aber wie auch immer, ich sehe die Häufigkeit desselben nicht signifikant abhängig von der Frage "Zentralabitur oder nicht."
Im Übrigen haben mir als Lehrer zentrale Püfungen ganz allgemein nicht wirklich geschmeckt. Zwar erhöhen sie m.E. unstreitg schon das Maß an Notengerechtigkeit, aber dies um den Preis, dass der Unterricht zu sehr in Richtung auf "Vorbereitung auf ein bestmmtes Aufgabenspektum" gedrängt wird.
Zum Umgang mit dem Orbitalmodell: ich habe ernste Zweifel, ob z. B. das bayrische Zentralabitur in diesem Bereich das verspricht, was es angeblich leistet: Ich teile diese Zweifel , sehe aber keinen Ansatz für eine fruchtbare Diskussion, solange nicht hinreichend konkretisiert ist, wie es im Einzelnen aussehen soll. Man wird m. E. nicht mehr Studenten "generieren" können (ein super Bildungs-Bullshit-Wort), indem man einerseits möglichst viele Studieninhalte in die Schulen verlagert oder andererseits die Studenten mit "tollen" Versuchen lockt. Ich halte nichts davon, potenzielle Studierende mit irgend etwas zu locken, was in Bezug auf ein mögliches Studium eine falsche Realität vorgaukelt. Un sehe im Übrigen auch kritisch, wenn man die die Studierenquote als Maß für den Erfolg und die Qualität eines Bildungssystems hochstilisiert. Schule hat ihren eigenen Bildungsauftrag, und der besteht in einer umfassenden allgemeinen Hochschulreife. Das impliziert, dass die Vorbereitung auf spezifische Fächer nicht das Ziel schulischer Bildung sein kann. Im Grunde würde ich dem zustimmen, aber ganz so einfach sehe ich das nicht. Jedenfalls kann es mMn nicht angehen, dass jemand einen Leistungskurs in Chemie erfolgreich absolviert hat und hinterher dennoch Probleme hat mit der Grundvorlesung Chemie für z.B. Biologen, Mediziner, Umweltwissenschaften usw.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
09.01.2012, 18:23
Ich sehe es so, dass man weder den begeisternden Teil noch die Theorie vernachlässigen darf.
Aber es ist halt einfacher, mit dem begeisternden Teil zu starten und dann in die Theorie immer tiefer einzusteigen, als Schüler mit trockener Theorie zu quälen, während diese sich die ganze Zeit fragen, wozu man das überhaupt braucht. Ich sehe bereits in dem unterscheiden Wollen zwischen einem angeblich "begeisternden Teil" und "trockener Theorie" den Ansatz einer Misskonzeption. Denn ich kenne nicht wenige, die sich gerade für die Theorie begeistern und noch mehr Fälle , wo sich jemand zwar als "chemiebegeistert" bezeichnet, aber nicht wirklich etwas davon versteht. Und dies nicht nur in Bezug auf die Theorie, sondern auch die Laborarbeit betreffend. Also bitte nicht noch mehr "innovative Methoden". Vielen Schülern würde es glaube ich eher helfen, wenn man einfach mal etwas ordentlich erklären würde. Stattdessen wabbern die meisten in einer Suppe von halbgewalkten Begrifflichkeiten dahin.
Wohlgesprochen!
Gruß FKS

rausrhein
09.01.2012, 18:41
Das zwar nicht, aber die Existenz des Zentralabitur sorgt schon dafür, dass sich ein Lehrer einmal mehr überlegt, ob er es sich leisten kann, die Vorgaben zu ignorieren.

Einverstanden.

Also erstens bin ich nicht so pessimistisch, den "aus dem Schulbuch vorlesenden Lehrer" als einen Fall mit relevanter Häufigkeit für möglich zu halten. Aber wie auch immer, ich sehe die Häufigkeit desselben nicht signifikant abhängig von der Frage "Zentralabitur oder nicht."

Vermutlich nicht (es gibt ja auch die schülerzentrierte Form, wie ich hier erfahren habe, bei der die Schüler aus dem Schulbuch vorlesen;)), darum ging es mir auch nicht. Ich wollte damit nur aufzeigen, dass es mit der Gerechtigkeit nicht weit her ist, wenn ein Schüler schlechten Unterricht genießt. Dann ist er nämlich gekniffen, unabhängig, ob es ein Zentralabitur gibt oder nicht.

Im Übrigen haben mir als Lehrer zentrale Püfungen ganz allgemein nicht wirklich geschmeckt. Zwar erhöhen sie m.E. unstreitg schon das Maß an Notengerechtigkeit, aber dies um den Preis, dass der Unterricht zu sehr in Richtung auf "Vorbereitung auf ein bestmmtes Aufgabenspektum" gedrängt wird.

Das ist für mich der wesentliche Kritikpunkt.

Ich halte nichts davon, potenzielle Studierende mit irgend etwas zu locken, was in Bezug auf ein mögliches Studium eine falsche Realität vorgaukelt.

Ich auch nicht. Ich habe da nur Bezug genommen auf die Formulierung einer der vorherigen Diskutanten. Für mich ist das sogar unredlich von Lehrerseite.

Un sehe im Übrigen auch kritisch, wenn man die die Studierenquote als Maß für den Erfolg und die Qualität eines Bildungssystems hochstilisiert.

So ist es.

Im Grunde würde ich dem zustimmen, aber ganz so einfach sehe ich das nicht. Jedenfalls kann es mMn nicht angehen, dass jemand einen Leistungskurs in Chemie erfolgreich absolviert hat und hinterher dennoch Probleme hat mit der Grundvorlesung Chemie für z.B. Biologen, Mediziner, Umweltwissenschaften usw.

Gruß FKS

Das kann ich teilen. Und es ist m. E. unabhängig von der Frage, ob es mit oder ohne Zentralabitur läuft, denn bei den hier fragenden Forenteilnehmern ist doch davon auszugehen, dass die meisten das Zentralabitur abgelegt haben, aber eben mit zum Teil sehr schlechten Wissenständen.

Man schaue z. B. hier:
http://www.chemieonline.de/forum/showthread.php?p=2684899021#post2684899021

Wie kann es sein, dass ein Student - nach eigenen Angaben nach Besachäftigung mit Fachbüchern und Internet - an Aufgaben scheitert, die ich im GK stelle?

Ein Aspekt dabei ist schlechter Unterricht von fachlich schwachen Lehrern, den es unbestritten gibt.

Ein weiterer, für mich der wesentliche Punkt ist aber, dass der überwiegende Teil der Schüler ein so geringes Interesse und eine so geringe Anstrenungsbereitschaft zeigt, dass sie nur einen geringen Teil ihres tatsächlichen Leistungsvermögens abrufen und entsprechend wenig lernen. Das aber ist eine Aussage, die natürlich im Kontext Bildungspolitik unkorrekt ist und der heftig widersprochen wird.

Nur um dann den nächsten Rückschritt zu tun und das Niveau weiter abzusenken, narürlich bei gleichbleibenden Noten.
Dabei erinnere ich nur an das unmögliche Gebaren in Bayern im letzten Sommer, als die Mathearbeiten noch mal wohlwollend nachzukorrigieren waren, weil die Notenschnitte nicht mehr stimmten. Das ist so irre, dass es anscheinend niemandem mehr auffällt: die Durchschnittsnote wird festgeschrieben und dann ist so zu korrigieren, dass sie immer erreicht wird, unabhängig davon, welche Leistungen die Schüler tatsächlich gebracht haben.