Da hier immer mal wieder Leute schreiben, die anscheinend überhaupt keinen Ehrgeiz haben, auch nur halbwegs regelkonformes Deutsch zu produzieren, und weil gerade wieder so ein Paradebeispiel unterwegs ist, stellte sich mir wie öfters schon bei solchen Vorkommnissen die Frage, ob ich als z.B. Chemielehrer solche zum Teil frei erfunden anmutenden Rechtschreibregeln ahnden dürfte. Was sagen unsere Lehrer dazu?
Friedrich Karl Schmidt
01.05.2010, 13:50
Da hier immer mal wieder Leute schreiben, die anscheinend überhaupt keinen Ehrgeiz haben, auch nur halbwegs regelkonformes Deutsch zu produzieren, und weil gerade wieder so ein Paradebeispiel unterwegs ist, stellte sich mir wie öfters schon bei solchen Vorkommnissen die Frage, ob ich als z.B. Chemielehrer solche zum Teil frei erfunden anmutenden Rechtschreibregeln ahnden dürfte. Was sagen unsere Lehrer dazu? Grundsätzlich sollten Rechtschreibe - und Zeichensetzungsfehler keinen Einfluss auf die Note einer Klassenarbeit in Chemie haben, es sei denn , dass der Sinn der Darstellung dadurch so unklar ist, dass man deswegen Abzüge vornimmt.
Gruß FKS
nickeloxid
01.05.2010, 13:54
Zählt bei uns als Formfehler und kann mit bis zu 2 Notenpunkten Abzug geahndet werden.
FabianH
01.05.2010, 14:01
Meines Wissens gibt es allen Bundesländern entsprechende Regeln, dass dies sogar geschehen muss (in Berlin obliegt der tatsächliche Abzug aber der Einschätzung des Lehrers). Wobei ich das auch relativ lax handhabe, nur bei ganz schlimmen Fällen ziehe ich das was ab. Habe vor kurzem 44 Klausuren korrigiert, bei einer habe ich Abzüge vorgenommen (der Herr hat sich weder für grundlegende Groß- und Kleinschreibung noch für einfache Zeichensetzung interessiert.).
LordVader
01.05.2010, 14:15
Danke für die Antworten.
Ich denke, dass ich bei Kleinigkeiten / Einzelfällen anstreichen, aber keine Note abziehen würde. In letztgenanntem Fall allerdings würde ich das genauso handhaben. Meiner Meinung nach darf die hier offensichtlich fehlende "Mühe" durchaus entsprechend belohnt werden.
rsommer
01.05.2010, 15:02
Ich bin der Meinung, dass angehende Akademiker -die immerhin einen beachtlichen Teil der Forumsteilnehmer darstellen- auch Grammatik und Orthografie Ihrer Muttersprache wenigstens halbwegs beherrschen sollten. Schließlich führt der Weg zu einem Hochschulstudium in der Regel über den Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife, die beinhaltet auch das Beherrschen der eigenen Sprache in Wort und Schrift.
Dass in Beiträgen wie in diesem Forum Tippfehler, Buchstabendreher oder ähnliche Fehler gehäuft vorkommen, liegt wohl auch am Medium (das beobachte ich jedenfalls an mir selbst). Manche Fehler, die hier besonders oft auftauchen, kann ich aber nicht dieser Kategorie zuordnen, z.B. "ich weis", die Verwechslung des Artikels "das" mit dem Wort "dass". Erst heute wieder habe ich ein haarsträubendes Beispiel in diesem Forum gefunden, das einer Suche zufolge gar kein Einzelfall zu sein scheint:
Deshalb: Flüchtigkeitsfehler würde ich locker sehen, massive Mängel in der Rechtschreibung dürften zumindest bei Abituriente oder Studenten nicht vorkommen und sollten auch in Fächern wie den Naturwissenschaften zumindest tendenziell in der Notengebung Berücksichtigung finden.
zweiPhotonen
01.05.2010, 15:19
passt zwar nicht so ganz hierhin:
Viel aufschlussreicher ist, in Praktikumsprotokollen nach typischen OCR-Fehlern Ausschau zu halten...
Ich habe mir nie die Zeit genommen, nach Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehlern zu schauen. Dafür gab es genügend andere -für mich schwerer wiegende- Mängel.
Friedrich Karl Schmidt
01.05.2010, 15:49
Danke für die Antworten.
Ich denke, dass ich bei Kleinigkeiten / Einzelfällen anstreichen, aber keine Note abziehen würde. In letztgenanntem Fall allerdings würde ich das genauso handhaben. Meiner Meinung nach darf die hier offensichtlich fehlende "Mühe" durchaus entsprechend belohnt werden. Von der Theorie her könnte man dem zustimmen.
Aber "Mangel an Mühe" lässt sich in Bezug auf Rechtschreibung nicht hinreichend genau unterscheiden von "Mangel an Fähigkeit" . Wobei auch korrekte Rechtschreibung und Orthographie eine insgesamt saumäßige Darstellungsweise nicht ausschließen. Auch sollte man nicht vergessen, dass Klassenarbeiten mit nur 40 Minuten Bearbeitungszeit keine Seltenheit darstellen , man also billigerweise per se Abstriche in Bezug auf Rechtschreibung und Zeichensetzung machen muss.
Und selbst wenn die Schüler die Zeit hätten, Ihre Arbeit auch noch in Bezug auf Rechtschreibung u.ä. durchzusehen, würde die Übersichtlichkeit durch das nachträgliche Korrigieren eher noch schlechter.
Bevor ich die Rechtschreibung innerhalb des naturwissenschaftlichen Unterrichts zu sanktionieren bereit wäre, hätte ich erst einmal Gesprächsbedarf mit dem zuständigen Deutschlehrer.
Denn ich sehe nicht ein, dass man die in aller Regel von dort zu vertretenden schriftsprachlichen Mängel in anderen Fächern zu beheben versucht, während die Damen und Herren DeutschlehrerInnen den Schwerpunkt auf "das Mündliche" legen und selbst bei Aufsätzen die sprachliche Korrektheit der Darstellung nicht das Gewicht hat, das notwendig wäre, um den unbestreitbaren Mangeln in der Schriftsprache wirksam zu begegnen.
Gruß FKS
rsommer
01.05.2010, 16:11
Auch sollte man nicht vergessen, dass Klassenarbeiten mit nur 40 Minuten Bearbeitungszeit keine Seltenheit darstellen, man also billigerweise per se Abstriche in Bezug auf Rechtschreibung und Zeichensetzung machen muss.
Das sehe ich nicht so. Entweder man beherrscht die Rechtschreibung oder man beherrscht sie nicht. Das ist keine Frage der Zeit.
Bevor ich die Rechtschreibung innerhalb des naturwissenschaftlichen Unterrichts zu sanktionieren bereit wäre, hätte ich erst einmal Gesprächsbedarf mit dem zuständigen Deutschlehrer.
Denn ich sehe nicht ein, dass man die in aller Regel von dort zu vertretenden schriftsprachlichen Mängel in anderen Fächern zu beheben versucht, während die Damen und Herren DeutschlehrerInnen den Schwerpunkt auf "das Mündliche" legen und selbst bei Aufsätzen die sprachliche Korrektheit der Darstellung nicht das Gewicht hat, das notwendig wäre, um den unbestreitbaren Mangeln in der Schriftsprache wirksam zu begegnen.
Hierbei stimme ich Ihnen zu.
Luke
01.05.2010, 17:30
Moin,
ganz klares Ja!
Bei uns in Hessen gab es zu meiner Abiturzeit (und gibt es meines Wissen heute noch) eine dementsprechende Vorschrift, dass in allen (!) Fächern zum Schluss einer Klassenarbeit die Wörter zu zählen sind (in den Naturwissenschaften ging das recht schnell,in den Sprachen dauerte das nach einer 4-stündigen Klassenarbeit auch mal länger). Über die Formel (Fehleranzahl * 100) / Wörteranzahl wurde dann der sog. "Fehlerquotient" berechnet. Und wenn der über einem bestimmten Wert lag gab es bis zu einer Note (bzw. 3 Punkte in der Oberstufe) Abzug. In den unteren Klassen (ich meine 5. und 6.) gab es bei entsprechend gutem Fehlerquotienten sogar bis zu einer Note oben drauf. Daran haben sich auch in den Naturwissenschaften alle gehalten.
Grüße
Luke
nobody
01.05.2010, 19:07
In RP sind in der Oberstufe bis zu zwei Punkte abziehbar bei Verstößen gegen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Ich habe das schon gemacht (meistens in Biologie), einmal im Abitur: pro handgeschriebene Seite fanden sich dort zwischen 30 bis 40 Fehler.
Unerheblich davon umfasst eine Korrektur einer Klausur (auch in naturwissenschaftlichen Fächern) immer auch das Anstreichen der Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler. Ich stelle aber immer häufiger fest, dass insbesondere junge Lehrer dies nicht mehr tun: sie sehen die Fehler selber nicht.
Denn ich sehe nicht ein, dass man die in aller Regel von dort zu vertretenden schriftsprachlichen Mängel in anderen Fächern zu beheben versucht, während die Damen und Herren DeutschlehrerInnen den Schwerpunkt auf "das Mündliche" legen und selbst bei Aufsätzen die sprachliche Korrektheit der Darstellung nicht das Gewicht hat, das notwendig wäre, um den unbestreitbaren Mangeln in der Schriftsprache wirksam zu begegnen.
Das Verhalten meiner Deutschkollegen sehe ich ebenso kritisch.
Gruß
arrhenius
Friedrich Karl Schmidt
01.05.2010, 19:20
Das sehe ich nicht so. Entweder man beherrscht die Rechtschreibung oder man beherrscht sie nicht. Das ist keine Frage der Zeit.
Was die Zeit angeht, so behaupten schüler oft das Gegenteil.
Außerdem muss ich einräumen , dass ich mich selbst oft verschreibe, was dann ohne mit der Kenntnis der Rechtschreibung zu tun zu haben nur dem Versuch geschuldet ist, in kurzer viel zu Papier zu bringen. Dass heute noch Unsicherheit und Unkenntnis dazukommt, weil es eine Rechtschreibreform gegeben hat , die zu sinnentstellender Schreibe zuerst gezwungen hat, bevor man dann einen Rückzug angetreten hat , und ich mich nun durchzuwursteln versuche, weil ich auch häufig nicht weiß was nun gilt . ist eine andere Geschichte.
Gruß FKS
Friedrich Karl Schmidt
01.05.2010, 19:34
Bei uns in Hessen gab es zu meiner Abiturzeit (und gibt es meines Wissen heute noch) eine dementsprechende Vorschrift, dass in allen (!) Fächern zum Schluss einer Klassenarbeit die Wörter zu zählen sind (in den Naturwissenschaften ging das recht schnell,in den Sprachen dauerte das nach einer 4-stündigen Klassenarbeit auch mal länger). Über die Formel (Fehleranzahl * 100) / Wörteranzahl wurde dann der sog. "Fehlerquotient" berechnet. Und wenn der über einem bestimmten Wert lag gab es bis zu einer Note (bzw. 3 Punkte in der Oberstufe) Abzug. In den unteren Klassen (ich meine 5. und 6.) gab es bei entsprechend gutem Fehlerquotienten sogar bis zu einer Note oben drauf. Daran haben sich auch in den Naturwissenschaften alle gehalten. Mir kommt dieses Verfahren wie ein Stück aus dem Tollhaus vor.
Zu meiner Schulzeit gab es einen Lehrer, der seine Kinder angestellt hat, um die Wörter zählen zu lassen. Das allerdings nur bei Nacherzählungen im Each Englisch, wo das noch einen gewissen Sinn macht. Trotzdem war es eine Lachnummer.
Aber ein solches Verfahren für alle Fächer verpflichtend vorzuschreiben, kommt mir wie ein Offenbarungseid vor. Einen derart hilflos wirkenden Aktionismus am falschen Platz, einfach nicht zu fassen.
Gruß FKS
FabianH
01.05.2010, 21:11
Ich finde es gut wie es seit kurzem bei uns in Berlin in der Oberstufe ist:
Je nach Fach gibt es einen Prozentsatz an Punkten (10% bei Mathe-Nawi) den der Lehrer pro Aufgabe für Rechtschreibung (aber auch Form, sprachliche Darstellung) abziehen kann. Das Ermessen liegt da bei ihm. Der Abzug muss aber begründet werden. Worte zählen fällt weg.
Cebe
01.01.2012, 01:18
Also bei uns (Oberstufe, Hessen) können in Deutsch maximal 4 Notenpunkte abgezogen werden und in allen anderen Fächern (einschließlich sogar Chemie, Mathe und Bio) können maximal 2 Punkte abgezogen werden. Dramatisch wird dann, wenn man sich mehrfach bei einem Wort verschreibt: Folgefehler in Sachen Rechtschreibung gibt es nämlich nicht mehr in der Oberstufe. Wer also zehnmal in der Klausur "nämlich" falsch schreibt hat auch zehn Fehler.
Neulich mussten die Leute bei uns sogar in einer Mathe-Klausur (Vorabi) die Wörter zählen, ein Kumpel von mir kam auf ganze 30 Worte !
Aber ein solches Verfahren für alle Fächer verpflichtend vorzuschreiben, kommt mir wie ein Offenbarungseid vor. Einen derart hilflos wirkenden Aktionismus am falschen Platz, einfach nicht zu fassen.
Erklär das lieber dem Kultusministerium. Uns wurde das so erklärt, dass da die Industrie Einfluss auf die Bildungspolitik genommen hat, weil die wollen, dass ihre hochqualifizierten Mitarbeiter auch ein dementsprechendes Schriftdeutsch haben.
Ich finde den Ansatz aber eigentlich aus didaktischer Sicht unlogisch, weil man ab der 7. oder 8.Klasse in Deutsch ja fast garkeine Rechtschreibung und Zeichensetzung mehr übt. Ich kann mir das nur so erklären, dass man auf diese Weise die Leute mit schlechter Rechtschreibung quasi "aussieben" will, womit meiner Meinung nach aber auch fähige Naturwissenschaftler und Mathematiker benachteiligt sind - aber anscheinend glaubt man sich das leisten zu können.
Laura__
01.01.2012, 01:36
Bei uns wird ab 7 Fehlern pro Seite ein Notenpunkt abgezogen. In allen Fächern.
Es können maximal 2 Punkte abgezogen werden.
Wobei es bei Bedarf eine bestimmte Wortzahl gibt, die als "eine Seite" aufgrund der unterschiedlichen Schriftgrößen gibt.
Find ich aber auch in Ordnung so, denn eine vernünftige Rechtschreibung ist mMn schon wichtig und 2 Notenpunkte sind ja jetzt nicht so die Welt, also jemand, der sonst auf 15 Punkten steht und die Klausur nur 13 Punkte schreibt wegen 2 Punkte Abzug, hat am Ende trotzdem noch 14 Punkte, versaut sich damit also nichts.
Ab einer bestimmten Fehlerzahl wird einfach auch der Lesefluss erheblich gestört und damit meine ich jetzt nicht 5-6 Fehler, es gibt leider auch Leute, die in der Oberstufe 20 Fehler auf eine Seite hauen, weil sie wen und wenn; den und denn; seid und seit; ihn und in usw. nicht auseinander halten können. Da finde ich Punktabzug schon berechtigt.
chemiewolf
01.01.2012, 09:45
die Mitarbeiter der Personalabteilungen werden niemanden fragen, ob sie so etwas bewerten dürfen oder nicht. Sie schicken einfach die Bewerbung zurück... .
DirtyBastard86
01.01.2012, 13:02
Ich finde in einem Fach sollte ausser in Sprachen die Rechtschreibung und Schrift niemals bewertet werden, wird sie schließlich an der Uni auch nicht (es sei denn es handelt sich um Fachwörter oder sinnentstellendes).
Ich bin strikt für eine Trennung von Wissenschaft / einem Fachgebiet und allem anderen Drum herum wie Rechtschreibung oder Benehmen. Erst letzten hab cih erfahren das die uni einem sogar den Dr. Titel wieder wegnehmen darf, wenn man z. B. eine Freiheitsstrafe bekommt. Ich finde das ein absolutes Unding, ebenso wie in Chemie Rechtschreibung miteinfließen zu lassen.
Der Lehrerin würde ichg was husten und sie erstmal mit dem LEhrplan auf ihre Befugnisse zurechtstutzen und ihr ihre Arbeit erklären.
Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 13:24
Der Lehrerin würde ichg was husten und sie erstmal mit dem LEhrplan auf ihre Befugnisse zurechtstutzen und ihr ihre Arbeit erklären. Grundsätzlich teile ich Ihre Auffassung, möchte aber schon anmerken, dass hochgradig mangelhafte Rechtschreibung die Darstellung eines Lösungswegs und damit auch die Qualtät der Lösung abwerten kann. Und im Übrigen kann es durchaus sein, dass auch die Lehrpläne vorsehen, dass mangelhafte Rechtschreibung in die Benotung einfließen darf, sollte oder muss.
Gruß FKS
rsommer
01.01.2012, 13:39
Also bei uns (Oberstufe, Hessen) können in Deutsch maximal 4 Notenpunkte abgezogen werden
Es geht bei diesem Thema nicht nur um die Orthografie, sondern auch um die Ausdrucksweise, und die ist auch -und gerade- in den Naturwissenschaften extrem wichtig. Schließlich muss man in der Lage sein, Zusammenhänge klar und prägnant auszudrücken. Man braucht nicht lange zu suchen, um den Verdacht bestätigt zu bekommen, dass ein erklecklicher Teil der Beitragsschreiber in diesem und in anderen Internet-Foren ganz offensichtlich nur über dürftige Deutschkenntnisse verfügt.
Mir fällt beispielsweise immer wieder auf, dass Themensteller Sätze beginnen mit der Einleitung "Also" (siehe oben). Was soll das? Das ist nicht einmal in der Umgangssprache korrekt. "Also" ist eine Konjunktion bzw. ein Adverb, das sich sich in der Folge immer auf eine konkrete vorangegangene Feststellung bezieht, im Sinne von "deshalb", "aus diesem Grund", "daher". Wie man also "also" an den Anfang eines Satzes stellen kann, ohne auf etwas Bestimmtes Bezug zu nehmen, verstehe ich nicht, denn das ist das völlig nichtssagend und überflüssig.
Die deutsche Sprache beinhaltet sehr viel Logik, die gerade in den Naturwissenschaften zur Beschreibung von Fragestellungen und Befunden notwendig ist. Wenn ich Akademiker sehe, die nicht in der Lage sind, einen einfachen Sachverhalt mit dem Instrument der Sprache klar und verständlich auszudrücken, wundere ich mich immer wieder, wie solche Zeitgenossen ihre Abiturprüfung haben bestehen können.
Aus diesem Grund finde ich es nicht nur richtig, sondern sogar notwendig, wenn Ausdruck und Rechtschreibung zumindest teilweise in die Bewertung der Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern einfließen.
rsommer
01.01.2012, 13:46
Ich finde in einem Fach sollte ausser in Sprachen die Rechtschreibung und Schrift niemals bewertet werden, wird sie schließlich an der Uni auch nicht (es sei denn es handelt sich um Fachwörter oder sinnentstellendes).
Ich bin strikt für eine Trennung von Wissenschaft / einem Fachgebiet und allem anderen Drum herum wie Rechtschreibung oder Benehmen. Erst letzten hab cih erfahren das die uni einem sogar den Dr. Titel wieder wegnehmen darf, wenn man z. B. eine Freiheitsstrafe bekommt. Ich finde das ein absolutes Unding, ebenso wie in Chemie Rechtschreibung miteinfließen zu lassen.
Der Lehrerin würde ichg was husten und sie erstmal mit dem LEhrplan auf ihre Befugnisse zurechtstutzen und ihr ihre Arbeit erklären.
Ohne Kommentar. Ich verweise auf den Beitrag von Chemiewolf.
DirtyBastard86
01.01.2012, 14:03
Wenn ich Akademiker sehe, die nicht in der Lage sind, einen einfachen Sachverhalt mit dem Instrument der Sprache klar und verständlich auszudrücken, wundere ich mich immer wieder, wie solche Zeitgenossen ihre Abiturprüfung haben bestehen können.
Deutsch ist kein Bestandteil der Abiturprüfungen. War es zumindest in Bayern vor 10 Jahren nicht. Als ich mein Abi gemacht habe.
Was soll das? Das ist nicht einmal in der Umgangssprache korrekt.
Na und? Wen interessiert denn das? Sprache ist, wenn man sich versteht.
Und zu mehr ist sie auch nicht zu gebrauchen. Von daher ist es doch völlig wurscht ob man einen Satz mit "Also" beginnen darf, solange der Empfänger der Botschaft noch weiss was gemeint ist.
Eben darum ist m. E. nach auch die Großschreibung völlig vernachlässigbar. Oder man zeige mir einehn Satz (und keinen konstruierten Satz den so nie einer sagen würde) wo Großschreibung für das Verständnis wichtig ist.
rsommer
01.01.2012, 14:16
Na und? Wen interessiert denn das? Sprache ist, wenn man sich versteht.
Sie verstehe ich nicht. Wenn Sie unter dieser Prämisse eine wissenschaftliche Publikation einreichen würden, käme sie postwendend zurück. Aber zum Glück müssen Sie das ja wahrscheinlich nicht.
PS: Die Sprache ist nicht nur Ausdrucksmittel, sondern auch ein wichtiges Stück Kultur.
Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 14:21
Wenn ich Akademiker sehe, die nicht in der Lage sind, einen einfachen Sachverhalt mit dem Instrument der Sprache klar und verständlich auszudrücken, wundere ich mich immer wieder, wie solche Zeitgenossen ihre Abiturprüfung haben bestehen können. Dem kann ich mich anschließen. Aber einige Mal darüber nachgedacht komme ich zu dem Ergebnis, dass die diesbezüglichen Mängel daher rühren, dass die Note im Fach Deutsch zunehmend eine Mischkalkulation darstellt , in der die Sprachfähigkeit selbst an Gewicht verliert. Und so habe ich Bedenken , die Chemienote zum Gegenstand einer solchen Mischkalkulation werden zu lassen. Die ja ohnehin schon seit Jahren "auf den Weg gebracht wurde mit Facharbeiten, GFS , Referaten usw.
Und so wundere ich mich mehr über Chemiedozenten, deren Grundlagenkenntnisse in der Chemie noch genau so mangelhaft reflektiert sind, wie sie es zum Zeitpunkt der eigenen Abschlussprüfung ( damals noch verständlicher Weise ) gewesen sein dürften. Da helfen dann auch rethorische Qualitäten nur im Sinne von "darüber hinweg Täuschen", aber nicht in der Substanz. Und dies ist die Chemie betreffend mMn das schwerer wiegende Problem.
Gruß FKS
chemiewolf
01.01.2012, 14:39
mangelhaft reflektiert
ohne sprachliches Rüstzeug können aber auch Dozenten, die vernünftig reflektiert haben, die Sachen nicht auf den Punkt bringen.
DirtyBastard86
01.01.2012, 14:46
Aber zum Glück müssen Sie das ja wahrscheinlich nicht.
Wie Sie meinen....
mit Facharbeiten, GFS , Referaten usw.
Naja, ein großer, enn nicht sogar DER Teil eines heutigen Chemie oder Biologie Masterstudiums liegt nunmal im Präsentieren und aufbereiten seiner eigenen Daten und Arbeit.
Nick F.
01.01.2012, 14:58
Ich finde in einem Fach sollte ausser in Sprachen die Rechtschreibung und Schrift niemals bewertet werden, wird sie schließlich an der Uni auch nicht (es sei denn es handelt sich um Fachwörter oder sinnentstellendes).
Sprache ist, wenn man sich versteht.
Nur mal so fürs Protokoll: ich habe das Recht, Prüflinge der Prüfung zu verweisen, wenn sie respektlos sind. Sprache ist nunmal auch ein Mittel der Kommunikation und es geht nicht nur darum, verstanden zu werden. Wenn jemand zu mir in die Prüfung kommt und (überspitzt gesagt) mit "ey Alter" anfängt, kann er gleich wieder gehen und die Prüfung gilt als nicht bestanden. Das geht auch soweit, dass ich mich weigern kann, Arbeiten zu korrigieren, wenn Rechtschreibung und Grammatik hinreichend schlecht sind (was natürlich in meinem Ermessensspielraum liegt). Auch diese Arbeiten gelten als nicht bestanden. Und dann kannst du weinen oder weinen so viel du willst, das wird sich nicht ändern. Im Übrigen ist der Versuch mit einem Anwalt die Korrektur durchzusetzen, auch eine ganz dumme Idee, weil dich dann keiner mehr prüfen wird, schließlich sind deine Dozenten nicht verpflichtet, dich zu prüfen.
Nick
Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 15:00
ohne sprachliches Rüstzeug können aber auch Dozenten, die vernünftig reflektiert haben, die Sachen nicht auf den Punkt bringen. Was nützt das "sprachliche Rützeug", wenn es einem regelmäßig zuviel ist, mehr als nur einen Satz zu schreiben und meint , mit dieser Form des "auf den Punkt Bringens" sei es getan.
rsommer
01.01.2012, 15:01
Naja, ein großer, enn nicht sogar DER Teil eines heutigen Chemie oder Biologie Masterstudiums liegt nunmal im Präsentieren und aufbereiten seiner eigenen Daten und Arbeit.
Und das wollen Sie mit Ihrer Grundbildung und der hier verbreiteten Einstellung zur Sprache fertig bringen?
Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 15:04
Das geht auch soweit, dass ich mich weigern kann, Arbeiten zu korrigieren, wenn Rechtschreibung und Grammatik hinreichend schlecht sind (was natürlich in meinem Ermessensspielraum liegt). Auch diese Arbeiten gelten als nicht bestanden. Und dann kannst du weinen oder weinen so viel du willst, das wird sich nicht ändern. Im Übrigen ist der Versuch mit einem Anwalt die Korrektur durchzusetzen, auch eine ganz dumme Idee, weil dich dann keiner mehr prüfen wird, schließlich sind deine Dozenten nicht verpflichtet, dich zu prüfen. Ich hoffe mal , dass all dem nicht so ist, denn andernfalls wäre eine juristische Klärung der Pflichten eines Prüfers m. E. dringend geboten.
Gruß FKS
Nick F.
01.01.2012, 15:07
Das ist so. Prüfungen sind nicht fachgebunden. Man geht zu einem Dozenten seiner Wahl und fragt diesen, ob er eine Prüfung mit den entsprechenden Inhalten abnimmt. Da hat jeder Dozent die Freiheit abzulehnen.
Das mit der Ablehung der Korrektur beruht auf dem Recht des Dozenten, sich nicht beleidigen lassen zu müssen. Wenn jemand es nicht für nötig hält, sich anständig zu artikulieren, ist das eine Beleidigung mir gegenüber.
Nick
Friedrich Karl Schmidt
01.01.2012, 15:09
Naja, ein großer, enn nicht sogar DER Teil eines heutigen Chemie oder Biologie Masterstudiums liegt nunmal im Präsentieren und aufbereiten seiner eigenen Daten und Arbeit. Dass Sie mit dieser Aussage ihrer vorher vertretenen Position einen Bärendienst erwiesen haben, ist Ihnen hoffentlich klar...
Gruß FKS
DirtyBastard86
01.01.2012, 15:10
Und das wollen Sie mit Ihrer Grundbildung und der hier verbreiteten Einstellung zur Sprache fertig bringen?
Bereits geschehen alles bereits geschehen. Meinen Master nimmt mir keiner mehr. Ist wie beim Führerschein, nur wenns drauf ankommt muss man ordentlich fahren.
chemiewolf
01.01.2012, 15:13
Was nützt das "sprachliche Rützeug", wenn es einem regelmäßig zuviel ist, mehr als nur einen Satz zu schreiben und meint , mit dieser Form des "auf den Punkt Bringens" sei es getan.
in der Kürze liegt die Würze.
FalconX
01.01.2012, 15:47
Naja, ein großer, enn nicht sogar DER Teil eines heutigen Chemie oder Biologie Masterstudiums liegt nunmal im Präsentieren und aufbereiten seiner eigenen Daten und Arbeit.
Ich weiß nicht aber in unserem Masterstudium wird relativ wenig präsentiert, mal von der Diplomarbeit abgesehen (und 2 freie Wahlfächer). Und bei dieser ist der "Arbeitsteil" mMn noch immer um Welten mehr als eine kurze Präsentation darüber:rolleyes:
Cebe
01.01.2012, 16:08
Der Lehrerin würde ichg was husten und sie erstmal mit dem LEhrplan auf ihre Befugnisse zurechtstutzen und ihr ihre Arbeit erklären.
Ich denke, da gibts nichts zu husten, denn diese Bestimmung ist z.B. Teil der Abiturverordnung in Hessen - abgesehen davon steht zwar im Lehrplan Chemie nichts drin, dass die Rechtschreibung mit bewertet wird, aber dafür in den entsprechenden Verordnungen bzl. der Klausuren, die über dem Lehrplan stehen.
Mit anderen Worten: Es ist sogar Pflicht der Lehrer für Rechtschreibfehler Punkte abzuziehen - anderenfalls wäre z.B. die dabei entstandene Abiturnote ungültig. Leider ist das nicht die einzige Sinnlosregelung in der Hessischen Abiturverordnung: Z.B. sind Schüler, die vor der 11.Klasse kein Französisch hatten extrem benachteiligt, weil sie dann nämlich in der Wahl ihrer Prüfungsfächer eingeschränkt werden. Wer vorher schon Französisch hatte - wo die Note übrigens nur für die Versetzung, aber nicht für den Schulabschluss relevant war - darf dagegen seine Prüfungsfächer freier festlegen und so natürlich seine Stärken auch besser ausnutzen.
Dummerweise wird damit die Chancengleichheit aufgehoben.
"Also" ist eine Konjunktion bzw. ein Adverb, das sich sich in der Folge immer auf eine konkrete vorangegangene Feststellung bezieht.
Du hast Recht - Ist mir garnicht aufgefallen. Allerdings darf man - laut Duden - "also" zur Einleitung eines Satzes verwenden, wenn damit ein Gedankengang fortgesetzt wird.
Cebe
01.01.2012, 16:47
[...] stellte sich mir wie öfters schon bei solchen Vorkommnissen die Frage, ob ich als z.B. Chemielehrer solche zum Teil frei erfunden anmutenden Rechtschreibregeln ahnden dürfte. Was sagen unsere Lehrer dazu?
Um jetzt mal wegzukommen von dieser Diskussion über die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist in Chemie Punkte für Rechtschreibung abzuziehen und auch die eigentliche Frage des Themenerstellers zu beantworten: Ich würde einfach auf der Website des entsprechenden Kultusministeriums mir die entsprechende Klausurverordnung raus suchen und nachsehen, um ganz sicher zu sein.
Denn die Details bzl. der Bestimmungen können von Bundesland zu Bundesland abweichen.
Erio T
01.01.2012, 17:37
Es geht bei diesem Thema nicht nur um die Orthografie, sondern auch um die Ausdrucksweise, und die ist auch -und gerade- in den Naturwissenschaften extrem wichtig. Schließlich muss man in der Lage sein, Zusammenhänge klar und prägnant auszudrücken. Man braucht nicht lange zu suchen, um den Verdacht bestätigt zu bekommen, dass ein erklecklicher Teil der Beitragsschreiber in diesem und in anderen Internet-Foren ganz offensichtlich nur über dürftige Deutschkenntnisse verfügt.
Mir fällt beispielsweise immer wieder auf, dass Themensteller Sätze beginnen mit der Einleitung "Also" (siehe oben). Was soll das? Das ist nicht einmal in der Umgangssprache korrekt. "Also" ist eine Konjunktion bzw. ein Adverb, das sich sich in der Folge immer auf eine konkrete vorangegangene Feststellung bezieht, im Sinne von "deshalb", "aus diesem Grund", "daher". Wie man also "also" an den Anfang eines Satzes stellen kann, ohne auf etwas Bestimmtes Bezug zu nehmen, verstehe ich nicht, denn das ist das völlig nichtssagend und überflüssig.
Die deutsche Sprache beinhaltet sehr viel Logik, die gerade in den Naturwissenschaften zur Beschreibung von Fragestellungen und Befunden notwendig ist. Wenn ich Akademiker sehe, die nicht in der Lage sind, einen einfachen Sachverhalt mit dem Instrument der Sprache klar und verständlich auszudrücken, wundere ich mich immer wieder, wie solche Zeitgenossen ihre Abiturprüfung haben bestehen können.
Aus diesem Grund finde ich es nicht nur richtig, sondern sogar notwendig, wenn Ausdruck und Rechtschreibung zumindest teilweise in die Bewertung der Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern einfließen.
Richtig so!
Cebe
01.01.2012, 18:02
Ich vergas zu erwähnen: Ausdruck und Orthografie werden bei der Bewertung getrennt. Man bekommt für schlechten Ausdruck Bewertungseinheiten für den Inhalt abgezogen und nochmal direkt von der Note die entsprechende Anzahl an Notenpunkten für den Fehlerquotienten. In der Mittelstufe werden dagegen auch für Rechtschreibfehler nur Bewertungseinheiten abgezogen.
Das in der Oberstufe so verfahren wird hängt mit den Zulassungsverfahren an den Hochschulen zusammen und hat dahingehend auch schon seine Berechtigung.
Einziger Nachteil an dem System ist eben, dass auf diese Weise eventuell talentierte Naturwissenschaftler und Mathematiker verloren gehen, weil der Anteil an Geisteswissenschaften in der Oberstufe höher ist als der mathematische Teil.