Grundfrage ist eigentlich: Soll man seinem Kind schon sehr früh (ab 3 oder 4) Schreiben, Lesen und Rechnen beibringen? Bringt das was? Schadet es gar?
An meinem eigenen Beispiel: Ich selbst wurde von meinem Vater schon sehr früh "getrimmt". Mit 3 konnte ich das Alphabet, mit 8 hab ich die Kinderabteilung(bis 12) meiner örtl. Bibliothek praktisch ausgelesen. Mit 10 gab ich meinem Volsschullehrer eine geometrische Zeichnung in Tusche einer 7-Zahnigen gewunden Stange...etcetc...
Vorteil: Die Schule war für mich null Anstrengung, ich weiß bis heute "viel", ich habe ein sehr gutes Gedächtnis
Nachteil: Die Schule hat mich ungeheuer gelangweilt und das führte schließlich zu grossen disiplinären Problemen, die dann auch mit 17 zum Ausschluß aus der Schule geführt haben. (Das Abi hab ich dann extern ohne Probleme nachgemacht). Soziale Problem hatte ich natürlich auch, weil ich mich lieber in Bücher vergraben habe als Fussball zu spielen.
Ich war und bin sicher kein Genie - ich wurde einfach nur schon sehr früh "trainiert"
Mittlerweile bin ich 40 und habe selbst Kinder. Nun stellt sich mir die Frage ob ich meinen Kindern auch schon Lesen und Rechnen beibringen soll, bevor sie überhaupt in die Schule kommen. Mein Umfeld ist strikt dagegen. Ich weiß nicht so recht....
Ich führe schon jetzt meine Kinder in Museen etc. und stöbere mit ihnen gemeinsam im Internet und bin draufgekommen, dass es für ein Kleinkind keinen Unterschied macht sich 50 Pokemon-Namen zu merken oder Dinosaurierarten oder Sternbilder.
Vielleicht können mir ja die Pädagogen oder Eltern unter Euch helfen eine Entscheidung zu treffen, ob ich jetzt mit HardcoreLehren (Lesen und Schreiben) beginnen soll oder das der Schule uberlassen sollte.(schadet das womöglich?)
Mike140
23.06.2003, 10:00
Hallo tapas,
ich bin zwar kein Pädogoge oder so etwas in der Richtung, aber erlaube mir hier trotzdem meine Meinung zu sagen. Ich entnehme Deinem Text, daß Du generell gute Erfahrungen mit dem frühen Lernen gemacht hast. Leider haben es Deine Eltern versäumt, Dir frühzeitig den richtigen sozialen Umgang mit anderen beizubringen (ist nicht böse gemeint), deshalb hattest Du wohl in diesem Bereich Schwierigkeiten in der Schule, die Dich zu einem externen Abschluß veranlaßt haben. In meinem Studium treffe ich viele Leute, die genau so sind, wie Du es bei Dir beschreibst. Fachlich absolute oberklasse und im sozialen Bereich leider nur unteres Drittel.
Doch sowohl der fachliche Teil als auch die soziale Bildung werden in der Schule vermittelt, das eine bedingt das andere. Reaktionen der Mitschüler (wie Neid) und eine gewisse Arroganz (nach dem Motto ist doch einfach) bilden eine Schlucht, die es zu überbrücken gilt.
Zusammenfassend rate ich Dir Deinem Kind schon frühzeitig und altersgemäß die grundlegenden Dinge der fachlichen Bildung beizubringen (Alphabet, Grundrechenarten, etc.). Du nutzt damit das schnelle kindliche Lernen aus und verhinderst spätere eventuelle Lernschwierigkeiten. Es gilt aber auch das soziale Umfeld deines Kindes zu fördern (Freundeskreis), vielleicht hilft hier ein Verein (Sport?), an dem Dein Kind Spaß hat. Dein Kind sollte sehr frühzeitig den richtigen Umgang mit anderen lernen, ohne aufgrund seiner fachlichen Überlegenheit arrogant zu wirken. Als Erwachsener tut man sich mit dem Lernen der "sozialen Kompetenz" oft schwer. Diese Erfahrung mache ich oft selbst. Aber einem Kind dürfte es erheblich leichter fallen.
Schreibe mir, was Du zu meiner Meinung denkst.
Viel Erfolg,
Mike140
Freier Ausbilder für Chemielaboranten
tapas
23.06.2003, 10:30
Die sozialen Probleme hatte ich eher in Bezug auf Umgang mit Autorität, also mit Lehrern z.B. Im Klassenverband gings mir eigentlich recht gut, da ich mich durch mein Wissen(und nicht-aufpassen-brauchen) auf Streiche spielen und Klassenclown zu sein konzentrieren konnte. Und Probleme hatte ich natürlich auch mit der Fähigkeit zu büffeln (wenns denn mal sein mußte) auf Gebieten, die mir nicht vom Papa vermittelt wurden (z.B. Latein)
-"Zusammenfassend rate ich Dir Deinem Kind schon frühzeitig und altersgemäß die grundlegenden Dinge der fachlichen Bildung beizubringen (Alphabet, Grundrechenarten, etc.)."
Da liegt die Crux - was ist altersgemäß? Meiner Erfahrung nach hat ein Kind keine Problem mit 5 zu lernen, was im Lehrplan erst ab 9 vermittelt wird etc...
...und klar - Sportverein oder Pfadfindergruppe werden sicher auch ein Teil der Erziehung werden (bei mir war das leider nicht so)
Die Frage ist: kann es einem Kind wirklich schaden schon mit 4 Lesen und Rechnen zu lernen? Mein Umfeld sagt durch die Bank ja "dann nimmst Du dem Buben die Kindheit", "das ist zu anstrengend" etc...
Die sind schon jetzt fast entsetzt, dass meine Kleinen schon wissen, was ein Okapi ist oder sich zu Weihnachten einen Doppelspat und einen Amethyst wünschen. Und sowas haben sie einfach dadurch mitbekommen, dass sie eben oft ins Museum oder in den Zoo gehen UND ihnen das auch Spaß macht.
ufgb
23.06.2003, 13:47
Hallo tapas,
zum "Schaden" durch zu frühes Lernen möchte ich auch noch einen kleinen Kommentar loswerden:
Ich denke nicht, dass es einem Kind irgendwelchen seelischen Schaden zufügt, wenn man ihm seine Fragen beantwortet. Ich selbst war ein Kind, das immer sehr viel wissen wollte und ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn mir meine Eltern gewisse Antworten dann vorenthalten hätten.
Ich glaube, dass das auch ein Kernproblem dabei ist, dass man nämlich dabei nicht alle Kinder über einen Kamm scheren darf. Du scheinst ja Kinder zu haben, die sehr gerne lernen, sich auch mal hinsetzen können und sich einfach interessieren. In diesem Fall wäre es "Verschwendung", Ihnen nicht auch, in Maßen" "nützliches" Wissen beizubringen. Ich würde mich dabei allerdings nicht so sehr auf schulische Dinge stürzen, weil dann gegebenenfalls die von Dir angesprochenen Probleme auftreten können. Ich denke, dass man nicht zu sehr der Schule vorgreifen sollte, weil man dann immer Probleme bekommen wird, was ich aus eigener Erfahrung auch so bestätigen kann.
Also kurz und gut:
Wenn Deine Kinder Lust auf Lernen haben, biete Ihnen etwas an (Dinosaurier hört sich doch gar nicht schlecht an), aber sorge auch dafür, dass sie "Kindersachen" machen, wenn sie das nicht so wollen, eben wie man es mit einem wilden Kind umgekehrt mit dem Lernen machen würde. Ich denke, dass man so ganz gut hinkommt.
Gruß
ufgb
pink
15.10.2004, 23:31
Hei Tapas,
zielich altes Topic, aber ich will auch noch meinen Senf dazugeben: mir ging es wie Dir und ich fand Schule ganz ganz grässlich, habe sie nur als langweiliges Zwangssystem empfunden und erst zum Ende meines ersten Studiums den Dreh gekriegt - dabei war ich ausserhalb von Bildungsinstitutionen immer sehr wissendurstig...
Meine grössere Tochter (5) ist auch so ein wissensdurstiges Kind, aber ich vermeide wo ich es kann, ihr Schulstoff beizubringen...Wenn sie mit lesen etc kam, dann hab ich ihr erklärt was sie wollte, habe aber ihre "ausserschulischen " Interessen (Technik, Öologie) stärker gefördert..
lg Antje
nobody
21.10.2004, 22:36
Hi
Ich denke mal das es nicht schaden kann wenn man den Kindern schon frühzeitig etwas beibringt es muss nur auf freiwilliger basis sein und nicht zuviel aufeinmal. Am besten sind doch sprachen sag ich mal um nicht den Schulischen Stoff vorzugreifen oder irgend sowas.
Gruß
Christian :rolleyes:
AlfredHitzkopf
21.10.2004, 23:00
hi
ich kann dir nur eins raten
die pädagogen und psychologen haben nicht ohne grund ein einschulungsalter gewählt
wenn du deinem kind oder kindern etwas beibringst entspricht das deiner auffassung
und du bist kein pädagoge
diese leute zwingt man zum studium um den werdegang des menschen zu formen
da solltest du allenfalls hilfestellung geben
sollte jedoch dein kind interesse an irgend etwas finden dann unterstütz es dahingehend und nicht das abc mit 3 zu können(das konnt ich mit 6 noch nicht)
Rosentod
22.10.2004, 08:21
die pädagogen und psychologen haben nicht ohne grund ein einschulungsalter gewählt
Nun ja, mittlerweise gibt es ja Überlegungen, den Kindern schon früher Wissen zu vermitteln (insbesondere Fremdsprachen). Die meisten Kinder sind im Vorschulalter wohl interlektuell nicht ausgelastet.
Ich selber wurde mit 7 eingeschult und war dann meine gesamte Schulzeit unterfordert. Ich habe dabei Alphabet und rechnen erst in der Schule gelernt. Zum Glück war ich ein wohlerzogenes, liebes Kind, das den Lehrern keine Probleme gemacht hat, obwohl es mir oft zu langsam voran ging. ;) So habe ich dann auch ein sehr gutes Abi gemacht.
schlumpf
22.10.2004, 08:42
ich habe das Lesen "nebenbei" vor der Schule gelernt, und habe ähnliches auch von anderen Kindern gehört (Kinder von Eltern, die viel Lesen, wo Texte sozusagen zum Alltagsbild gehören). Vermutlich hab ich es einfach durch ständiges Fragen meiner Eltern gelernt. Hab mir noch nie Gedanken gemacht, ob mir das geschadet hat .....
Man soll Kinder ja nicht drillen, aber ihnen auf ernst gemeinte Fragen "dumm" oder gar nicht zu anworten wäre ja auch schlimm .... manche Kinder saugen halt Wissen auf wie ein Schwamm, da braucht es eigentlich gar keine Pädagogik.
MegaJoule
22.09.2005, 22:42
Ich würde ihnen auf keinen Fall Schulstoff beibringen -den lernen sie ja eh - vergeudete Zeit, die sie sich dann später in der Schule langweilen.
Stattdessen würde ich einen Schwerpunkt auf Dinge legen, die in der Schule zu kurz kommen.
Ich fände eine Fremdsprache nicht schlecht - da deine Kinder ja aber nicht lesen und schreiben können, also nach Gehör lernen - nur bei einem Muttersprachler.
Außerdem ist "akademische" Lernleistung nicht alles. Ich finde es viel wichtiger, das Selbstbewußtsein zu stärken, soziale Kompetenz zu vermitteln.
Außerdem solltest du die Leistungen deiner Kinder nicht als selbstverständlich annehmen und ihnen die Möglichkeit geben, rauszufinden, was ihnen Spaß macht und selbst Schwerpunkte zu setzen.
Mein Opa wollte mir noch zu Vorschulzeiten Polnisch beibringen. Ich habe nie verstanden, was er von mir wollte, warum ich das lernen sollte. Demzufolge war das ganze auch erfolglos und er hat bald aufgegeben. Wahrscheinlich wäre das ganz anderst gewesen, wenn ich eine polnische Person am besten in meinem Alter gekannt hätte.
Hingegen, habe ich mit Vergnügen im Frankreichurlaub, meinem Vater Französisch nachgeplappert und war stolz wenn ich in der Bäckerei einkaufen konnte.
Ich habe mir mein erstes Instrument nicht selbst ausgesucht, sondern habe halt Flöte und Klavier gespielt, weils im Haus war. Erst später kamen dann meine Wunschinstrumente bzw. Gesangsunterricht dran. Das macht in Punkto Motivation und Spaß viel aus!
Marvek
23.09.2005, 22:18
Natürlich ist es schön, wenn Kinder schon ein klein wenig können, wenn sie in die Schule kommen. Aus dem Vorsprung kann dann gleich zu Beginn Interesse und Motivation wachsen.
Aber man sollte es nicht übertreiben und nichts erzwingen, sonst läuft die Sache vor den Baum, nach folgendem Schema:
Als Kleinkind viel gelernt, viel Vorsprung in der Schule, Klassen übersprungen, weiter gefordert möglichst schnell was zu machen-junges Alter ist ja so toll im Berufsleben, schnell für was entschieden wo die besten Berufsaussichten und dann: "Ja eigentlich macht mir das keinen Spass."
Das Kind braucht Zeit und Raum um sich und seine Interessen zu entwickeln. Man sollte die Grenzen kennen und es nicht übertreiben bzw. in der Schule nicht noch mehr als mehr fordern, sonst weiss das Kind nicht was es wirklich will und wird langfristig um die Chance gebracht einen Beruf zu wählen, der ihm gefällt.
Makri
23.09.2005, 22:33
Man sollte die Grenzen kennen und es nicht übertreiben
Man bedenke aber, dass in den meisten Fällen die Grenzen jedoch wohl weit jenseits der Forderungen in einer Volksschule liegen...
Marvek
27.09.2005, 20:12
Man bedenke aber, dass in den meisten Fällen die Grenzen jedoch wohl weit jenseits der Forderungen in einer Volksschule liegen...
Wie meinen ? Drüber oder drunter ?
Kirse
29.09.2005, 19:55
Ich bin auch der Meinung, dass man den Kindern schon auf die Fragen antworten sollte, und auf ihre natürliche Neugierde eingehen sollte.
Es wird ja schließlich nicht umsonst gesagt, das Kindern die schon frühzeitig ein Instrument spielen, das Lernen später leichter fällt.
Das mit den Sprachen finde ich auch recht wichtig. Ich kann da aus eigender Erfahrung sprechen: wir hatte im Kindergarten die Möglichkeit englisch zu lernen. das ging dann meistens auf irgendwelche Lieder hinaus, oder spieleriche Lernmöglichkeiten. Aber man hat gemerkt, dass ich schon vorher was davon wusste. braucht die Zahlen bis 20 oder einige andere Sachen wie Tiere nicht erst in der 5.Klasse lernen, sondern wusste sie immer noch. Ich fand es eigentlich schade, dass wir die Fremdsprachen nicht schon in den ersten Schuljahren hatten.
Ich hab meine Brüder auch immer mit Mathe ausgefragt, ich hab denen im Kindergarten schon immer was vorgerechnet und dadurch war ich auch später im Kopfrechnen immer total gut und hab alle in staunen versetzt.
also war doch nun wirklich kein Nachteil.
was ich allerdings nicht so gut finde, ist dass die alle schon mit 5 Jahren einschulen wollen. Ich meine, wenn sie die Möglichkeit bieten find ich das echt super, aber es sind halt nicht alle Kinder mit 5 Jahren schon so weit, dass sie in die Schule gehen können und sich da auch dann ausreichend konzentrieren können.
Und außerdem find ich, sollte man mit den Kindern auch im Kindergarten mehr machen. Zum Beispiel basteln und malen, damit ihre Fanatasie angereget wird und sie lernen mit Schere und Stift umzugehen. Es ist schon erschreckend, dass etlich in der ersten Klasse noch nichtmal richtig mit der Schere schneiden können.
Marvek
29.09.2005, 20:30
Ich bin auch der Meinung, dass man den Kindern schon auf die Fragen antworten sollte, und auf ihre natürliche Neugierde eingehen sollte.
Ja da stimme ich 100%ig zu, das bedeutet aber nicht, dass sie mit 3/4 schreiben usw. lernen müssen. Auf das Interesse, was die Kinder zeigen stets geduldig einzugehen (Das können/schaffen die wenigsten Eltern) ist der Schlüssel für die Zukunft - Zwang dagegen bringt aber nur Frust.
Makri
29.09.2005, 20:36
Wie meinen ? Drüber oder drunter ?
Na, die Grenzen liegen wohl um ein Erhebliches darüber... Nach meiner persönlichen Erfahrung zumindest, die sich natürlich nicht nur auf meine persönlichen Grenzen bezieht.
Marvek
29.09.2005, 20:39
Na, die Grenzen liegen wohl um ein Erhebliches darüber... Nach meiner persönlichen Erfahrung zumindest, die sich natürlich nicht nur auf meine persönlichen Grenzen bezieht.
Ja nun gut, so oder so: Was ich andeuten wollte ist, dass die Eltern die ihr Kind früh fordern, dies zur Gewohnheit machen und stets Überdruck aufbauen - über die ganze Kindheit/Jugend durch - was dann zu den von mir beschriebenen Folgen führen kann. Also Grenze meinte ich damit hauptsächlich: Sobald das Kind in der Schule ist, sollte man alles beim relativ Normalen belassen, um eine solide Entwicklung zu gewährleisten.