PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Möllemann stürzt sich in den Tod


Mc Gyver
05.06.2003, 13:45
Jürgen W. Möllemann ist tot - höchstwahrscheinlich Selbstmord.

Näheres unter n24.de

Winas
05.06.2003, 13:50
ja voll übel! :( ich habs gerade bei t-online gesehen! Das ist ja nur 3 km von mir entfernt...

man wird ja nach den Hausdurchsuchungen sehen ob es einen Grund zum Selbstmord gab!

mfg
Winas

Kutti
05.06.2003, 15:03
Einen Grund zu Selbstmord gibt es meiner Meinung nach nie.

nobody
05.06.2003, 15:24
Originalnachricht erstellt von Kutti
Einen Grund zu Selbstmord gibt es meiner Meinung nach nie.
Nun, das sehe ich anders, aber das ist ja hier nicht das Thema.

Jürgen W. Möllemann fand ich zwar nie unbedingt so sympathisch (wie alle Politiker eigentlich), vor allem weil er immer so das Rampenlicht gesucht hat. Aber er hat sich auch nie unterkriegen lassen und gesagt was er dachte, auch wenns unbequem war. Wenn er wirklich den Freitod gewählt hat, dann Respekt vor seiner Entscheidung. Möge er in Frieden ruhen.

mantis
05.06.2003, 15:51
Habe gestern mittag erfahren, dass sich vor einer Woche ein guter Bekannter in Dortmund vor den Zug geworfen hat.
Es ist schwer damit zu leben, man macht sich Vorwürfe. Man kann einfach nichts mehr ändern.
Keine 30 Jahre alt geworden.
Ich kann es zwar nicht belegen, aber wenn ich so meinen Umkreis anschaue, gibt es häufiger Selbstmorde.

FK
05.06.2003, 16:53
Heute wurde Möllemanns Immunität aufgehoben und es wurden in seinen Häusern Durchsuchungen vorgenommen. Die politische Karriere war ohnehin futsch und es wäre wohl in Kürze vor Gericht weitergegangen...

Ich bin kein Möllemann-Fan, drücke aber trotzdem mein bedauern aus.

Gruß,
Franz

Matzi
05.06.2003, 16:58
Originalnachricht erstellt von FK
[...]Ich bin kein Möllemann-Fan, drücke aber trotzdem mein bedauern aus.[...]
Dem schließe ich mich an.

theplaya
05.06.2003, 17:02
^ Ich mich auch.

nobody
05.06.2003, 17:38
Das gleiche.

Lunaris
05.06.2003, 21:52
Originalnachricht erstellt von FK
Ich bin kein Möllemann-Fan, drücke aber trotzdem mein bedauern aus.

Vor allem der Familie!

man wird ja nach den Hausdurchsuchungen sehen ob es einen Grund zum Selbstmord gab!

Sarkasmus on: Eigentlich ja geschickt eingefädelt - Immunität wird aufgehoben, Hausdurchsuchungen stehen an, der Typ begeht Selbstmord und alles wird abgeblasen! Nicht schlecht - die Familie behält das Vermögen, auch wenn es mit Lug & Betrug er"wirtschaftet" wurde und es wird nicht ermittelt. Eigentlich doch das Beste was passieren konnte. Und der Möllemann ist irgendwo unerkannt im Ausland und lacht sich ins Fäustchen :rolleyes:

Sarkasmus off!

Luni :rolleyes:

Levikus
05.06.2003, 21:59
Tja, leider ist einer der letzten Politiker mit Rückgrat gestorben.
Schade das es immer solche Menschen treffen muss.

nobody
06.06.2003, 10:14
na ja, ob er tatsächlich so viel rückgrat hatte? anscheinend ja nicht...

terry
06.06.2003, 10:26
so ähnlich sehe ich das auch, sollte es wirklich Selbstmorg sein, ist es das feigste was ein Mensch machen kann. Sich einfach vom Himmel stürzen, wenn die Kacke mal ein bißchen heißer wird.
Past zwar nicht in sein bisheriges "Stehaufmännchen" Image und würde mehr für Kurzschlussreaktion sprechen, aber ohne Grund bringt sich keiner um, also der Staatsanwaltschaft viel Erfolg beim suchen.
Der Familie allerdings mein allergrößtes Beileid. Er hatte ja drei Kinder.

Terry

mantis
06.06.2003, 11:04
wenn es wirklich so ist, dass die Staatsanwaltschaft jetzt ihre Ermittlungen einstellt ist das kein guter Weg. Das würde das Leben einiger Politiker demnächst gefährlicher machen...
Um es deutlicher auszudrücken, damit die Hintergründe nicht ans Tageslicht kommen lässt man einen Selbstmord machen oder stellt ihn so dar.
Wie kommt es überhaupt dass so schnell feststeht, dass es ein Selbstmord war? Sonst dauert es auch länger um jeden Aspekt zu untersuchen.
Und was ich auch komisch finde, während Häuser von Möllemann untersucht werden, krabbelt er unbeobachtet in ein Flugzeug? Ich finde das alles sehr merkwürdig.

nobody
06.06.2003, 11:14
Originalnachricht erstellt von mantis
wenn es wirklich so ist, dass die Staatsanwaltschaft jetzt ihre Ermittlungen einstellt ist das kein guter Weg.

Davon habe ich nichts gehört.


Wie kommt es überhaupt dass so schnell feststeht, dass es ein Selbstmord war?

Ist auch nicht gesichert und möglichwerweise wird die Wahrheit nie ans Licht kommen.


sollte es wirklich Selbstmorg sein, ist es das feigste was ein Mensch machen kann.

Suizid ist mitnichten feige, sondern erfordert eine ganze Menge Mut.

terry
06.06.2003, 13:51
Was ist denn daran mutig, sich per Fallschirm in den Tod zu stürzen und somit einem Verfahren aus dem Weg zu gehen, das wahrscheinliche Ende seiner politischen Karriere zu ertragen, nebenbei noch eine Frau und drei Kinder zu hinterlassen.
Ich glaube es ist schwerer sich selbst zu erschießen, als sich beim Fallschirmspringen fallen zu lassen.

nobody
06.06.2003, 15:03
Die bewußte Durchsetzung des Willens zur Selbsttötung (Der Moment des Springens oder auch das Abdrücken) erfordert Mut. Zwar kommt eine solche Entscheidung meist aus einer Verzweiflungssituation, kostet aber trotzdem eine Menge Überwindung.
Da ich keine genauen Hintergründe kenne ist eine moralische Wertung meinerseits nicht angemessen.
Eine Diskussion über Feigheit zu diesem Thema halte ich unter anderem aus diesem Grund für ebenso unangemessen.

Auch ich drücke mein Bedauern aus.

buba
06.06.2003, 19:35
Originalnachricht erstellt von Kutti
Einen Grund zu Selbstmord gibt es meiner Meinung nach nie.
Den gibt es immer, nur dass er für viele einfach nicht nachvollziehbar ist.


so ähnlich sehe ich das auch, sollte es wirklich Selbstmorg sein, ist es das feigste was ein Mensch machen kann.
http://www.studenten-city.de/forum/images/icons/icon13.gif http://www.studenten-city.de/forum/images/icons/icon13.gif http://www.studenten-city.de/forum/images/icons/icon13.gif


Suizid ist mitnichten feige, sondern erfordert eine ganze Menge Mut.
Die bewußte Durchsetzung des Willens zur Selbsttötung (Der Moment des Springens oder auch das Abdrücken) erfordert Mut. Zwar kommt eine solche Entscheidung meist aus einer Verzweiflungssituation, kostet aber trotzdem eine Menge Überwindung.
:up:

Kutti
06.06.2003, 19:49
@ buba: Ich denke, dass sieht jeder anders und außerdem ist es ja auch ein Thema für sich ... ;)

nobody
06.06.2003, 20:03
Bis ein Mensch an einen Punkz kommt an dem er sich entscheidet sich das Leben zu nehmen, muß einiges passieren. Sich dann wirklich auch umzubringen kostet Überwindung. Das ist keine Ansichtssache, sondern Tatsache.
Man mag vielleicht das sogenannte "Davonlaufen vor Problemen" als feige bezeichnen, aber doch bitte nicht einen Selbstmord an sich.
Eine solche Entscheidung fällt man nicht einfach so, da gehört einiges an Verzweiflung dazu. In Anbetracht der Tatsachen daß die Gründe jedes mal anders sind, daß ich mir für mich eine solche Situation und Gefühlslage nicht vorstellen kann, und daß ich Herrn Möllemann weder gekannt, geschweige denn psychoanalysiert habe, halte ich seine moralische Verurteilung für unangebracht.
Das Leben besteht aus wesentlich mehr als aus eigenen Moralvorstellungen und man sollte meiner Meinung nach sehr vorsichtig mit seinen Urteilen gegenüber anderen Menschen und deren Verhalten sein. Das gilt nicht nur für diesen Fall.
mfg, kmc

Kutti
06.06.2003, 21:19
@ kmc: Auf welches Post bezieht sich deine Aussage?

nobody
06.06.2003, 21:22
Auf dein "Ich denke das sieht jeder anders".
Hab ich was mißverstanden?

Kutti
06.06.2003, 22:04
Ich habe nur gesagt (siehe mein erster Beitrag), dass ich meiner Meinung nach keine Lösung im Selbstmord sehe. Das ist aber nur meine Meinung. Werten möchte ich solch eine Tat nicht. Ich habe aber weder etwas von Mut, noch von Feigheit gesagt. Wie schon gesagt, Selbstmord ist ein sehr kontroverses Thema ...

seltsam
07.06.2003, 02:35
Seit ich vor ein paar Jahren einen meiner besten Freunde in seiner Wohnung gefunden habe eine Woche nachdem er sich selbst in den Kopf geschossen hatte, bin ich eigentlich nur noch der Meinung, daß Selbstmord super egoistisch ist. Daß einem in bestimmten Situationen mal danach ist, kann ich durchaus verstehen, aber vielleicht hätte Möllemann mal kurz daran denken sollen wie sich seine Frau und Kinder jetzt fühlen.

Matzi
07.06.2003, 11:29
Originalnachricht erstellt von seltsam
[...] Daß einem in bestimmten Situationen mal danach ist, kann ich durchaus verstehen, aber vielleicht hätte Möllemann mal kurz daran denken sollen wie sich seine Frau und Kinder jetzt fühlen.
Sehe ich genauso. Ich halte Selbstmord auch für recht egoistisch, denn meist werden dabei die Probleme nur an andere weitergegeben bzw. anderen müssen sich die Schuld für den Selbstmord (ob das immer berechtigt ist, ist einen andere Sache, geben.

terry
08.06.2003, 15:08
eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema nicht mehr äußern, aber ich finde es schon recht egoistisch, wenn sich ein gesunder Mensch einfach umbringt.
Ich kann nachvollziehen, dass die Tat an sich ganz schön viel Mut erfordert, da gilt für mich aber der alte Spruch: nix wird so heiß gegessen, wies gekocht wird!
Der Vater einer meiner besten Freundinnen hat sich umgebracht und ich hab mitbekommen, wie es einer Familie nach so etwas geht und wünsche das daher niemandem!
Ich kann das verstehen, wenn man unheilbar krank ist und glaubt sein Leben nicht mehr in einer Lebensqualität führen zu können, die einen glücklich macht oder so große Schmerzen hat, dass Unmengen an Medikamenten nehmen muss. Dann verabschiedet man sich von seiner Familie, obwohl die uch in diesem Fall damit zu kämpfen haben, und gaht. Aber nicht nur, weil man glaubt das Leben sei für einen nicht mehr Lebenswert.

hippie
09.06.2003, 00:02
Immerhin war es ein stilvoller Tod.

nobody
09.06.2003, 05:35
Um nochmal auf Mölli zurückzukommen.

Es werden ja nur die Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingestellt (Münster) und nicht die wegen des Faltblatts (Dortumund od. Düsseldorf oder so :D). Und dass gegen Verstorbene nicht mehr wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, ist halt so und das ist ja auch sinnvoll, es sei denn, man wolle die Sippenhaft wieder einführen.

Mölli und Rückgrat? (habe ich hier gelesen).
Ich konnte an ihm kein Rückgrat feststellen.
Kennt irgendjemand einen politischen Programmpunkt, für den er eintrat?
Ich nicht, lasse ihn mir aber gerne mitteilen. :p
Also kann ích auch nicht sagen, dass er Rückgrat gehabt habe.

Ach ja, seine Äußerungen von vor einem Jahr, als er versuchte, mit denselben Argumenten, die schon Heinrich von Treitschke ("Die Juden sind unser Unglück") 1879 (!) in die Preussischen Jahrbücher schrieb, am rechten Rand zu fischen, damit die FDP 18% bekäme. Aber das war ja leicht durchschaubar, besonders als er seinen Flyer 3 Tage vor der Wahl verteilte, sollte doch wohl dem letzten aufgefallen sein, dass es nur um die Wahl ging und nicht ums Argument.

Was mich aber wundert - wie konnte der, Kohl doch noch vor Augen, nur so doof sein und dieses Ding so illegal und unabgesprochen finanzieren?
Ist das, weil er eventuell einfach die Bodenhaftung verloren hat (wie Planschiplanschischaaaaaping?)oder hat er nur gedacht, er würde schon nicht erwischt werden?

endar

glimpse
09.06.2003, 09:08
Originalnachricht erstellt von endar


Ach ja, seine Äußerungen von vor einem Jahr, als er versuchte, mit denselben Argumenten, die schon Heinrich von Treitschke ("Die Juden sind unser Unglück") 1879 (!) in die Preussischen Jahrbücher schrieb, am rechten Rand zu fischen, damit die FDP 18% bekäme. Aber das war ja leicht durchschaubar, besonders als er seinen Flyer 3 Tage vor der Wahl verteilte, sollte doch wohl dem letzten aufgefallen sein, dass es nur um die Wahl ging und nicht ums Argument.



Diese Anmerkung steht ziemlich unvermittelt im Raum, mir ist nicht ganz klar was sie im Zusammenhan dieses Threads zu suchen hat. Wolltest du damit sagen es sei gerechtfertigt jemanden in den Tod zu treiben der Treitschkes Argumentation übernimmt? (Mal ganz abgesehen davon dass Möllemann weit davon entfernt war).

nobody
09.06.2003, 14:24
@glimpse: Ich suchte nach Programmpunkten, nach einer Programmatik, nach irgendeiner Art Inhalt, für die Möllemann eintrat und da fiel mir aber nichts anderes ein. Deswegen das "ach ja..."

Und ich sehe auch keine großen Unterschiede zwischen dem "Antisemitismusstreit" von 1879/1880 und dem von 2002. Treitschke schrieb: "Über die Nationalfehler der Deutschen, der Franzosen und aller anderen Völker durfte Jedermann ungescheut das Härteste sagen; wer aber sich unterstand, über irgend eine unleugbare Schwäche des jüdischen Charakters gerecht und maßvoll zu reden, ward sofort fast von der gesammten Presse als Barbar und Religionsverfolger gebrandmarkt." Dasselbe behauptete auch Möllemann oder habe ich das falsch in Erinnerung? ;)
Das Argument, dass die Juden selbst am Antisemtismus schuld seien, findet sich ebenfalls bereits bei Treitscke, der "mehr Toleranz" und Anpassung von den Juden verlangte.
Zudem sollten die Äußerungen sowohl von Treitschke als auch von Möllemann politischen Zwecken dienen und entstammten dem rechtsliberalen Lager. Beide wollten den Liberalismus nach rechts öffnen. Und als letzte Parallele kann man noch aufzeigen, dass beide damit kräftig auf die Schnauze fielen.

Und nein, ich denke nicht, dass es richtig ist, Leute in den Tod zu treiben. Wobei ich mich frage: Wer soll ihn denn bitte schön in den Tod "getrieben" haben? Cornelia Piper? Guido Westerwelle? Oder die Herren von der Staatsanwaltschaft?
Und was wäre die Schlussfolgerung? Dass man in Vorbeugung eventueller Suizide keine Gegenpositionen mehr formulieren darf oder dass die Staatsanwaltschaften geschlossen werden?

Die FDP hat sich nicht mit Ruhm bekleckert und sie hat Möllemann nach der Bundestagswahl die alleinige Schuld an dem Debakel zugeschoben, so als ob Herr Westerwelle mit dem "Guidomobil" gar nichts zu tun gehabt hätte. :silly: Andererseits hat Möllemann auch im Alleingang dieses für das Debakel entscheidende Flugblatt herausgegeben und ist so, wie man so schön sagt, der Solidarität seiner Parteifreunde verlustig gegangen. Und vielleicht kannte er auch den Spruch: "Wer die Hitze nicht verträgt, hat in der Küche nichts zu suchen." Er hat sehr hoch gepokert und er hat eben verloren (womit ich jetzt nicht seinen Tod meine).

Ich persönlich empfinde keine Genugtuung bei seinem Selbstmord. Ich bin aber auch kein Anhänger dessen, dass man über Tote nicht schlecht sprechen oder nicht diskutieren dürfe.

endar

seltsam
09.06.2003, 19:09
Originalnachricht erstellt von endar
Und ich sehe auch keine großen Unterschiede zwischen dem "Antisemitismusstreit" von 1879/1880 und dem von 2002. Treitschke schrieb: "Über die Nationalfehler der Deutschen, der Franzosen und aller anderen Völker durfte Jedermann ungescheut das Härteste sagen; wer aber sich unterstand, über irgend eine unleugbare Schwäche des jüdischen Charakters gerecht und maßvoll zu reden, ward sofort fast von der gesammten Presse als Barbar und Religionsverfolger gebrandmarkt." Dasselbe behauptete auch Möllemann oder habe ich das falsch in Erinnerung? ;)

Bis vor einiger Zeit hätte ich Dir wohl voll und ganz zugestimmt, weil man in Deutschland einfach von Geburt an eingetrichtert bekommt, daß jeder der sich auch nur irgendwie kritisch gegenüber den juden äußert ein Rassist (Antisemit) ist. Wenn man sich aber mal anguckt was die Juden da in Palästina treiben, kann ich Möllemann nur zustimmen - sie sind Rassisten. Kleines Bespiel: Die neueste Plakatwand, die die jüdische Gemeinde in den letzten Wochen überall aufgestellt hat, trägt folgenden Slogan: Besetzen, besiedeln, verteidigen! Strong, proud, todays jewish community!
Da wird einem doch wohl schlecht. Und wo stellen sie diese Plakate bevorzugt auf? Erraten: im arabischen Viertel.
Da finde ich's doch gut, wenn sich mal jemand traut auszusprechen, was sich sonst niemand zu sagen traut!

nobody
09.06.2003, 21:23
@seltsam: Darum geht es doch überhaupt nicht! Man muss den Satz logisch betrachten. Mölli hat behauptet, dass man in Deutschland Israel und Juden nicht kritisieren dürfe. Das hat erstmal gar nichts mit Israel zu tun, sondern handelt von Deutschland. Um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen, muss man sich daher mit Deutschland auseinandersetzen und nicht mit Israel. Also spielt die Realität in Israel zur Betrachtung des Satzes keine Rolle.

Es ist nun so: Die meisten Leute in Deutschland lesen weder Bücher über Israel, noch beschäftigen sie sich intensiver mit israelischer Politik oder dem Nahost-Konflikt und stimmen dann zu, obwohl ihnen aufgrund mangelnder Kenntnis der Literatur die Bewertungsgrundlage fehlt. Das muss man objektiv festhalten.
Ich jedenfalls habe keine Probleme, Bücher über den Nahost-Konflikt zu erstehen oder zu leihen. Und in diesen Büchern wird auch den jeweiligen Regierungen nicht nach dem Mund geredet.
Deutschland und Deutsche haben sowohl Israel als auch die Palästinenser stets kritisiert und wer sich mit der Region auseinandersetzt, weiß das auch. Und wer das nicht tut, weiß das nicht.
Kanzler Schmidt z.B. hat sich seinerzeit geweigert, den israelischen Staatspräsidenten zu empfangen. Ignatz Bubis wurde zeitlebens kritisiert und stand bereits in den 60ern wegen seiner Häusergeschäfte in Frankfurt unter Beschuss. Die traditionelle politische Linke war stets tendenziell antiisraelisch und propalästinenisch eingestellt. Aber das weiß natürlich niemand, weil sich niemand damit beschäftigt und deswegen stimmten die Leute Möllemann auch zu. Es trauen sich genügend Leute "die" Wahrheit zu sagen (wobei es "die" Wahrheit nicht gibt, aber das ist etwas anderes): Giordano, Wolffsohn, Ezrachi etc., nur sollten die Leute auch zuhören. ;)
Die Problematik um Israel ist extrem komplex und durch einseitge Schuldzuweisungen nicht lösbar. Zudem ist sie durch das Betrachten von tagespolitischen Ereignissen auch nicht erkennbar. Wenn ich einen politischen Prozess von über 50 Jahren Dauer habe, kann ich nicht einfach hingehen und mir ein Schild angucken und dann sagen: "Alles Rassisten!" Damit macht man es sich wirklich sehr einfach.

Und Treitschke habe ich nur zitiert, um aufzuzeigen, aus welcher Mottenkiste sich Möllemann bedient hat - um Holocaust etc. geht da gar nicht, denn als Treitschke seinen Artikel schrieb, war Hitler noch gar nicht auf der Welt.

buba
10.06.2003, 11:42
weiter zu diesem Thema: http://www.studenten-city.de/forum/showthread.php?s=&threadid=15297