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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : EDTA-Vergiftung?


nobody
11.04.2001, 00:33
Ich möchte dieses Medizinforum nutzen um eine
fachbezogene Frage mir zu erlauben.
Bei der komplexometrischen Titration
einer Gewässerprobe zu Hause verwechselte
ich neulich meinen Zitronentee mit
Ethylendiammintetraessigsäure.Es müssen
so an die fünf bis zehn ml gewesen sein
die ich direkt hinunterschluckte.
Was passiert eigentlich im Körper?
Lohnt es Elektrolytlsg. zu trinken welche
die nun gebundenen Metalle ersetzen?

nobody
11.04.2001, 05:02
Im Körper passiert das selbe mit EDTA, wie in deiner Probe. Es werden Metallionen als Komplex gebunden. Du solltst dir keine Sorgen machen. EDTA ist ungiftig, wird sogar als Entgiftungsmittel bei Schwermetallvergiftungen eingesetzt. Die gebundenen Metallionen sollten eigentlich mit der nächsten Malzeit ausgeglichen worden sein.
Gruss
primus
(http://www.primuschemie.de.vu)

minutemen
11.04.2001, 10:22
wenn das mal keine arbeitschutzbelehrung am beispiel ist: A) essen & trinken am labortisch ist tabu & B) keine laborgefäße für nahrungsmittel bzw. geschirr etc. für chemikalien.

wie's in der realität aussieht, wissen wir ja. kaffee aus dem becherglas iss nu mal leckerer ;).

hippie
11.04.2001, 10:23
trotzdem gilt IMMER:

während eines versuches nichts essen uns nichts trinken!
in dem becher hätte genauso gut eine viel gefährlichere substanz sein können!

Derpel
11.04.2001, 10:38
Vielleicht schaffste es nächste mal nicht mehr zu posten....



------------------
Fürchte nicht den Tod, bedenke der Tod fürchtet dich!

buba
11.04.2001, 12:32
Mach dir keine Sorgen wegen der einmaligen Aufnahme von etwas EDTA-Lösung. Wie schon angedeutet, wird EDTA (Ca-/Na-EDTA) bei Schwermetallvergiftungen angewandt. So werden z.B. je nach der Konzentration des zirkulierenden Schwermetallions tgl. 10-20 mg Na-Ca-EDTA pro kg KG injiciert!

Und wie schon minutemen gesagt hat:

wenn das mal keine arbeitschutzbelehrung am beispiel ist: A) essen & trinken am labortisch ist tabu & B) keine laborgefäße für nahrungsmittel bzw. geschirr etc. für chemikalien.

FK
11.04.2001, 17:04
Hi!

Glück gehabt, dass EDTA kaum durch den Magen-Darmtrakt resorbiert wird!

Zwar wird Natrium-Calciumedetat als Antidot bei verschiedenen Schwermetallvergiftungen i.v. verabreicht, aber rate mal, warum hier der Calciumkomplex verwendet wird! EDTA oder das Natriumsalz binden im Blut sofort eine entsprechende Menge Calcium und lösen bei ausreichender Dosierung sofort Tetanie (Krämpfe) aus. Außerdem wird die Blutgerinnung gestört.

Ansonsten ist zum Thema "was sollte ich im Labor besser bleiben lassen" ausreichend viel gesagt worden.....

Gruß,
Franz

nobody
21.07.2004, 12:42
Sehr geehrter Herr FK,
Sie haben in Ihrer Antwort die schlechte Resorbierbarkeit von EDTA angeführt. Haben Sie Unterlagen dazu? Ich bin Apotheker und mich interessiert die Pharmakokinetik von EDTA.
Herzlichen Dank
Siefried Schlett

FK
21.07.2004, 20:32
Sehr geehrter Herr FK,
Sie haben in Ihrer Antwort die schlechte Resorbierbarkeit von EDTA angeführt. Haben Sie Unterlagen dazu? Ich bin Apotheker und mich interessiert die Pharmakokinetik von EDTA.
Herzlichen Dank
Siefried Schlett

Willkommen bei uns!

Ich habe mal meine Literatur durchgesehen und fand in "Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie" (Forth-Henschler-Rummel) lediglich:
Ca-Na2-EDTA wird aus dem Magen-Darmtrakt nur wenig resorbiert. Es muss i.v. zugeführt werden, am besten langsam als Infusion; die Halbwertszeit im Blut ist 1 Std. Es verteilt sich nur extrazellulär...

Gruß,
Franz

friedgrease
27.07.2004, 14:29
Allerdings verbessert der Nahrung zugesetztes EDTA die Bioverfügbarkeit von Eisen..
Ganz so pauschal würde ich also nicht antworten.

Ausserdem ist die Aussage im Forth-Henschler-Rummel auf Ca-Na2-EDTA bezogen und nicht auf die freie Säure.

FK
27.07.2004, 22:04
Allerdings verbessert der Nahrung zugesetztes EDTA die Bioverfügbarkeit von Eisen..
.
Finde ich ganz erstaunlich, da doch oft behauptet wird, dass so stabile Komplexe den Körper unzerlegt wieder verlassen...
Nichtsdestotrotz:
http://www.google.de/search?q=cache:G5Uq8rf4zT4J:e-collection.ethbib.ethz.ch/show%3Ftype%3Ddiss%26nr%3D15113%26part%3Dabstracts+eisen+edta+bioverf%C3%BCgbarkeit&hl=de
Hier wurde Natriumeisen(III)edetat verwendet, bei dem das Eisen natürlich nach Resorption nach und nach gegen andere Metallionen ausgetauscht wird.
Andererseits: werden toxische Dosen von EDTA resorbiert, hilft es nicht wirklich, wenn die Bioverfügbarkeit von Eisen dabei verbessert wird (falls das dann auch noch der Fall ist).


Ausserdem ist die Aussage im Forth-Henschler-Rummel auf Ca-Na2-EDTA bezogen und nicht auf die freie Säure
Habe leider nichts Besseres gefunden...
EDTA ist selbst nur schlecht wasserlöslich (0,5 g/l); bei Lösungen hat man es normalerweise mit dem Dinatriumsalz zu tun. Der Calciumkomplex hat eine vergleichsweise geringe Toxizität, da die akuten Vergiftungserscheinungen (bei parenteraler Applikation!) hauptsächlich durch die Bindung von Calcium verursacht werden.
Toxizitätsdaten findet man ohne weiteres nur für Ratten (> 2000 mg/kg oral), aber sowas kann man nicht auf den Mensch übertragen...

Gruß,
Franz

friedgrease
28.07.2004, 10:25
Leider wissen wir ja nicht ob der gute Herr Schulz die freie Säure oder den Calciumkomplex zu sich genommen hat. Da er damit eine Gewässerprobe titrieren wollte vermutlich die freie Säure. Leider hat er auch zur Konzentration keine Angaben gemacht, sodass schwer abzuschätzen ist wieviel er wirklich zu sich genommen hat.

Ich gehe mal davon dass schon im Magen mit dort vorhandenen Kationen stabile Komplexe gebildet werden und das Problem damit erledigt ist (schlau wäre es gewesen ein Gläschen Milch hinterherzuschütten) da der Calciumkomplex wie schon erwähnt vergleichsweise harmlos ist und ja sogar als Antidot bei Schwermetallvergiftungen Verwendung findet (parenteral).

FK
28.07.2004, 18:13
Leider wissen wir ja nicht ob der gute Herr Schulz die freie Säure oder den Calciumkomplex zu sich genommen hat.
Wahrscheinlich das Dinatriumsalz (mit dem man meist titriert).
Verdächtig übrigens, dass er sich nie wieder gemeldet hat... :D

Gruß,
Franz

bm
28.07.2004, 18:32
Verdächtig übrigens, dass er sich nie wieder gemeldet hat...

Ist vielleicht doch nicht so ungiftig? Oder war es doch was anderes?

Während eines Versuches nichts essen uns nichts trinken!

Gerne praktizierte Variante : Beim Essen und Trinken keine Versuche machen!

FK
28.07.2004, 18:55
Ist vielleicht doch nicht so ungiftig? Oder war es doch was anderes?

Wahrscheinlich hat er 10 g Bleiacetat als Antidot gegen das EDTA geschluckt... :D

Gruß,
Franz

GH
29.07.2004, 08:00
Vielleicht hat er das Bleiacetat mit seinem Zucker verwechselt... :D

friedgrease
29.07.2004, 11:32
Falls er das öfter macht vielleicht Bleikügelchen als Retard-Antidot..

FK
29.07.2004, 16:53
Falls er das öfter macht vielleicht Bleikügelchen als Retard-Antidot..
Scheint mir eine praktikable Lösung für Serien-EDTA-Schlucker zu sein... :D

Ich kenne übrigens einen, der statt Wasser einen Schluck Benzylalkohol getrunken hat. Hat nicht geschadet (kann an der gut durchtrainierten Leber des Betreffenden gelegen haben...).

Gruß,
Franz