wir haben in der Schule die Titration von HCl (0,1 mol/L) mit NaOH (0,1 mol/L) durchgeführt und sind nun bei der Auswertung.
Ich hab aber noch Schwierigkeiten den pH-Wert>7, also nach dem Neutralpunkt, zu erklären.
Da nach der Neutralisierung der Säure ja eigentlich nur noch Wasser (pH 7) vorhanden ist, ist der pH-Wert ab da nur noch von dem NaOH abhängig, oder?
Wenn ich jetzt allerdings den pOH-Wert berechne, stimmen die Werte nicht mit den Versuchsergebnissen überein!
Läuft da eine Reaktion NaOH + Cl- ab? Aber dann würde sich doch ein Gleichgewicht einstellen... :confused:
Tomboy
04.05.2003, 14:42
Was hast du denn für Werte? Weichen die experimentellen Ergebnisse sehr stark ab oder nur mehr oder weniger geringfügig?
Klinsebaer
04.05.2003, 14:47
Die weichen stark ab: ab pH 11,3 steigen die pH-Werte linear an. Das ist sicher falsch, eine Titrationskurve sieht wohl nicht so aus.
Ich hab die pH-Werte so berechnet:
pH=14-pOH für alle pH>7
Kann natürlich sein, dass da ein Denkfehler bei mir vorliegt und ich die Konzentration der Base falsch bestimmt habe...
Tomboy
04.05.2003, 14:53
Hast du die Volumenzunahme mit in die Rechnung einbezogen? Ich beschäftige mich nicht allzu viel mit Titrationskurven, aber das wäre im Moment die einzige Idee, die mir kommen will.
bm
04.05.2003, 20:18
das stimmt was nicht. Poste mal die Wertetabelle.
Isildur
04.05.2003, 20:26
Bei der Aufgabe sollten wir den Verlauf der Titrationskurve oberhalb des Äquivalenzpunktes bzw. Normalpunktes begründen.
Man beobachtet ja folgendes Phänomen:
Der pH-Wert steigt nach dem Neutralpunkt stark an, aber die Zunahme des Wertes verringert sich mit steigendem pH-Wert.
Liegt das daran, dass das entstandene Wasser ein Ampholyt ist und gegenüber der Base als Säure auftritt?
Wäre dann nicht ein Verlauf der Kurve wie zu beginn der Titration zu erwarten?
Eure Meinung dazu wäre echt nicht schlecht.
Gruß Chris
bm
04.05.2003, 20:32
Wenn die Konzentrationen von Analyt (0,1 N HCl) und Titrationsflüssigkeit (0,1 N NaOH) gleich sind, ist bei einem starken Säure/Basepaar die Titrtionskurve punktsymmetrisch zum Equivalenzpunkt.
Nicht vergessen : der pH ist eine log-Funktion.
GH
04.05.2003, 20:44
Wurd bei der Berechnung auch die Eigendissoziation des Wassers berücksichtigt?
Gruß GH
Tomboy
04.05.2003, 21:58
Ich denke die Autoprotolyse hat hier keinen Einfluss, wenn wir die Säure- bzw. Basekonzentrationen von 0,1mol/l im Vergleich zu 10-7mol/l vom Wasser betrachten.
Eine Frage: Inwiefern würde eine Titrationskurve verzerrt werden, wenn man die Volumenzunahme durch die zugegebene Base vernachlässigt? Denn bei den gleichen Konzentrationen von Säure und Base ist die Volumenänderung ja schon auffällig (am Äquivalenzpunkt doppeltes Volumen bezogen auf die Ausgangslösung).
GH
05.05.2003, 07:58
Die genaue Berechnung einer Tiotrationskurve ist in dem von mit schon zitierten Buch pH-Wert-Berechnungen von C.Bliefert, Verlag Chemie 1978 genau erläutert und durchgerechnet.
Dort sind auch Beispiele enthalten, die den Unterschied zwischen Berechnung mit und ohne Volumskorrektur zeigen.
Gruß
GH
Tomboy
05.05.2003, 17:58
Und wenn ich Geld hätte, würde ich mir vielleicht sogar überlegen, ob ich es mir kaufe. ;) Könntest du mal schreiben, was da drin so steht oder ist das zu viel Text? Wäre echt nett. ;)
GH
05.05.2003, 18:58
Um es kurz zu machen: Es ist die gesamte Theorie von Brönsted enthalten. Dabei sind sämtliche Gleichungen zur Berechnung des pH-Wertes von einwerigen bis zu n-Wertigen Säuren und Basen abgeleitet und explizit hingeschrieben. Anschließend werden pH-Diagramme und Gleichgewichskonzentrationen der dissoziierten Ionen exakt berechnet und ebenfalls die Gleichunen angeführt. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Protolysegrad. Danach werden Tirtationskurven theoretisch behandelt und berechnet. Das letze Kapitel widmet sich den Pufferlösungen, die ebenfalls mit den entsprechenden mathematischen Gleichungen berechnet werden. Dazu gibt es zu jedem Kapitel eine Menge Übungsbeispiele, die durchgerechnet sind. Bei diesen Übungsbeispielen werden dann kompliziertere Fälle behandelt, sodass man auch die entsprechenden mathematischen Gleichungen sieht.
Leider gibt es das Buch nicht mehr, ich kann Dir nur empfehlen es in einer Bibliothek auszuborgen bzw. irgendwo antiquarisch zu erstehen. Wenn Dich die Theorie der Säuren und Basen interessiert ist es auf jeden Fall ein lohnendes Buch.
Das genaue Zitat findest Du in einem anderen Postig von mir.
Die ISBN-Nr. lautet: 3-527-25788-8
Wie einmal schon erwähnt, weiss ich nicht ob es wieder einmal eine Neuauflage geben wird.
Ich hoffe ich habe Dir mit meinen Text etwas geholfen
Gruß
GH
Tomboy
05.05.2003, 19:22
Ich hätte lieber gewusst, was zu dem Thema Berechnung von Titrationskurven mit und ohne Volumenkorrektur drin steht, aber der Text, den du geschrieben hast, ist auch nicht schlecht. Danke für die Mühe. ;)
GH
05.05.2003, 20:42
Folgendes soll die Berücksichigung der Volumenänderung nur skizzieren:
Die Berechnung der Titrationskurven erfoglt in diesem Buch durch Vorgabe der H+ Ionenkonz. Dadurch erhält man den Titrationsgrad, der angibt wieviel umgesetzt ist. Dabei erfolgt die Korrektur bei der Säurekonz. durch den Faktor V(HA)/(V(HA)+V(B)) und die Basenkonzentration durch den Faktor B(B)/(V(HA)+V(B)). Durchgerechnet ist dies für einen Titration einer einwertigen Säure HA mit der Base B. Dabei ergibt sich dann eine Gleichung 4. Grades in der Wasserstoffionenkonz. Woraus sich dann Wertepaare pH und Titrationsgrad ergeben. Im Übungsteil sind noch kompliziertere Fälle gezeigt.