Hallo!
Im Zuge meiner qual. anorg. Analyse bin ich jetzt soweit, dass die Möglichkeit besteht, Cyanidionen in meiner Substanz zu haben. Die treten beim Ansäuern ja bekanntlich als Blausäure aus. Wie gefährlich ist die Blausäure beim Einatmen? Unsere Assistenten haben uns am ersten Tag eingetrichtert, dass bereits minimalste Mengen tödlich sein können. Haben die da übertrieben, um uns einfach zum vorsichtigen Arbeiten zu erziehen, oder stimmt das? Zerfällt Blausäure in der Luft? Wenn ja, wie schnell geht das im Allgemeinen? Und was ist das übliche Antidot bei einer Blausäurevergiftung?
buba
09.12.2000, 15:29
Eure Assistenten haben nicht übertrieben - bereits 50 mg Blausäure können tödlich sein, ob inhalativ, peroral oder dermal aufgenommen.
Wenn bereits eine tödliche Menge HCN resorbiert worden ist, sind die Überlebenschancen ohne sofortige Rettungsmaßnahmen praktisch null.
Das Mittel der Wahl bei akuten schweren Vergiftungen mit Blausäure und Blausäuresalzen, Nitrilen und Aziden ist Dimethylaminophenol (4-DMAP).
<u>Wirkmechanismus:</u>
Schneller Methämoglobin-(Ferrihämoglobin-, Hämiglobin-)Bildner als Cyanidantidot. Durch die Methämoglobin-CN Komplexbildung kommt es zu einer Entblockung der Cytochromoxidase, die durch das Cyanidion in ihrer Aktivität blockiert war und zu einem Stop der biolgischen (inneren) Atmung geführt hat.
<u>Besonderheiten:</u>
Im Anschluß an die Gabe von 4-DMAP ist zur Förderung der Cyanidelimination Natriumthiosulfat einzusetzen. Nicht geben bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel, bei Überdosierung kommt es zu Hämolyse, bei falscher Indikationsstellung kann Toluidinblau bzw. Methylenblau zur Reduktionstherapie der Methämoglobinämie eingesetzt werden.
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buba
Moderator
minutemen
23.01.2001, 13:04
um die giftigkeit nochmal besser zu verdeutlichen: man stirbt binnen der ersten Minuten, Bewußtlosigkeit nach ~10s. kommt keine äußerst schnelle hilfe - mund-zu-mund-beatmung verbietet sich aus selbstschutzgründen, wäre auch sinnlos - hat man einen flinken tot ohne qual (wg. bewußtlosigkeit) - ausreichende dosis HCN vorausgesetzt. reicht die dosis HCN nicht, ist man, keine hirnschädigung vorausgesetzt, recht schnell wieder auf den beinen, denn die körpereigene cyanid-entgiftung ist ordentlich zu fuss. die quälerei vieler, die sich mit kaliumcyanid vergiften, liegt in der oralen aufnahme der cyanidionen und ihrer langesamen (im vergleich zur atmung) resorption und der eventuellen ätzenden wirkung der base kaliumcyanid.
btw.: alles reitet auf HCN herum. wenn ich durch unsere praktikumsräume schleiche - chemiker 1. studienjahr, mediziner und pharmazeuten beim ionenlotto, trennungsgang kationen - wird dort mit H2S herumgeschweint, dass man wegrennen möchte. schwefelwasserstoff ist etwas giftiger als HCN und heimtückischer. aber gottseidank - ich bin selten dabei, soll'n se machen.
No Regrets
23.01.2001, 19:03
Original erstellt von minutemen:
btw.: alles reitet auf HCN herum. wenn ich durch unsere praktikumsräume schleiche - chemiker 1. studienjahr, mediziner und pharmazeuten beim ionenlotto, trennungsgang kationen - wird dort mit H2S herumgeschweint, dass man wegrennen möchte. schwefelwasserstoff ist etwas giftiger als HCN und heimtückischer. aber gottseidank - ich bin selten dabei, soll'n se machen.
Nicht nur eure Praktiumsräume :D :D :D
Das ist an JEDER Uni dasselbe, deswegen mach ich um diese Räume auch lieber einen großen Bogen
ach ja: solange man H2S noch riecht :kotz: isses noch nicht ganz so gefährlich. Bei einer höheren Konzentration riecht man H2S nicht mehr. Dann dauert es aber auch nicht mehr lange http://www.studenten-city.de/forum/smilies/dead.gif
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IN SO FAR AS QUANTUM MECHANICS IS CORRECT, CHEMICAL
QUESTIONS ARE PROBLEMS IN APPLIED MATHEMATICS.
nobody
24.01.2001, 17:05
Schwefelwasserstoff ist giftiger als HCN? Ich wußte schon, dass für beide dieselbe MAK gilt, habe dem bislang aber nicht soviel Wert beigemessen, da ich gedacht habe, dass Schwefelwasserstoff eher schleichend toxisch wirkt, und nicht so auf Anhieb wie HCN. Am Ende des Tages, wenn man das Labor verlässt, hats mit Sicherheit noch nicht seine Wirkung entfalltet, und bis zum nächsten Tag hat sich der Körper sicherlich wieder erholt, so dachte ich bislang. Naja, wenns nach faulen Eiern riecht, hält sich niemand gern in der Nähe auf, hab bislang auch immer versucht, auf den Balkon auszuweichen. Auf der anderen Seite hätte ich jetzt eine Erklärung für die Kopfschmerzen von neulich...
Bei uns im Praktikum wird zur Fällung im Trennungsgang übrigens nicht gasförmiger Schwefelwasserstoff eingesetzt, sondern Thioacetamid. Wie die alteingesessenen Assis berichten, sei das gar kein Vergleich zu früher, wo man habe Angst haben müssen, überhaupt einzuatmen.
Das Praktikum geht jetzt jedenfalls dem Ende entgegen, und bislang habe ich nicht mitbekommen, dass auch nur in einer Analyse Cyanid gewesen wäre. Vielleicht ist es dem Analysenmischer einfach zu gefährlich.