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buba
25.03.2001, 01:28
Ticken wir noch richtig?

Von Sonntag an gilt die Sommerzeit - Sie soll Energie sparen - Ein Trugschluss

Von JANA HENSCHEL


Braunschweig - Der Zeitdieb sitzt in Braunschweig und heißt CS2. Die Atomuhr wird in der Nacht zum Sonntag den Bundesbürgern wieder sechzig Minuten stehlen. Denn um 01:59:59 Uhr gibt Deutschlands genauster Zeitmesser im Labor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt das Signal: Er schaltet auf 03:00:00 Uhr um. Abgleich mit einer zweiten Uhr in Mainflingen bei Frankfurt, dann strahlt die neue Zeit über eine 200-Meter-Antenne aus Hessen als elektromagnetische Langwelle ins Land, bringt Bewegung in Funkwecker, Bahnhofs- und Armbanduhren. Es ist wieder Sommerzeit - bis zum 28. Oktober.
Seit 1980 stellt Deutschland zweimal pro Jahr zum Energiesparen seine Uhren um - eine Antwort auf die Ölkrise Ende der Siebziger. Das Ziel: Durch besseres Nutzen der Tageshelligkeit soll Strom gespart werden. Doch die Experten sind sich einig: Das Ziel wurde verfehlt. Statt Energie zu sparen, steigen an den längeren Tagen Heizkosten, Schadstoffbelastung und der Kraftstoffverbrauch.
"Insgesamt ist unser Energieverbrauch während der Sommerzeit höher", sagt Helmut Schäfer, Professor der Energiewirtschaft an der Universität München. Das belege eine Studie seines Lehrstuhls. "Wenn es morgens beim Aufstehen wieder kälter ist, drehen wir ja eine Stunde eher am Thermostat." Auf Zahlen will sich Schäfer nicht festlegen. "Aber wenn die Außentemperatur nur um ein Viertel Grad sinkt, steigt der Heizbedarf um bis zu sechs Prozent."
Auch der Stromverbrauch sinkt nicht. "Anhand der Lastverläufe können wir keine Stromverbrauchsänderungen erkennen", bestätigt Bernd Lichterbek, Sprecher des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft. Der Anteil elektrischen Lichts am Stromverbrauch läge seit Jahren bei zehn Prozent - ein Hundertstel des gesamten Energieverbrauchs. Da bliebe kaum Raum zum Sparen. "Ein paar Gewitterwolken beeinflussen den Stromverbrauch mehr als die Zeitumstellung."
Das größte Problem ist die erhöhte Ozonbildung, hat die EU ermittelt. An helleren Abenden steigen Freizeitaktivitäten, die Menschen sind mehr mit dem Auto unterwegs. Das erhöht den Kraftstoffverbrauch, ein großes Potenzial für Mehrausgaben. Denn der Anteil des Verkehrs am Energieverbrauch liegt bei 30 Prozent. Zudem gelangen mehr Schadstoffe in die Umwelt. Wenn Hauptverkehrsspitzen eine Stunde vorverlagert werden, wirkt die Sonne photochemisch länger auf Abgase. Folge: Laut EU-Studie steigen die Ozonwerte in Ballungsgebieten um bis zu zehn Prozent. Ein Ergebnis, das das deutsche Umweltministerium für falsch hält.
Gesundheitsexperten verweisen unterdessen auf andere Gefahren. "An den ersten Tagen nach dem Zeigerdreh passieren sechs Prozent mehr Unfälle als sonst", so Jürgen Zulley, Schlafforscher an der Uni Regensburg. "Die innere Uhr steht noch auf Schlaf, wenn wir morgens zur Arbeit fahren. Gerade bei älteren Menschen und Kindern spiele der Biorythmus verrückt: Morgens würden sie nicht recht wach, tagsüber seien sie unkonzentriert, abends wälzten sich die Menschen dann schlaflos im Bett. "Wir kommen erst nach zwei Tagen mit dem Mini-Jetlag klar", so Zulley. Laut Forsa-Umfrage sind 44 Prozent der Deutschen gegen die Sommerzeit.
Auch Tiere haben Probleme mit der Umstellung. Denn an gewohnten Futter- und Melkzeiten kann eine Sommerzeit nichts ändern. Österreichische und Schweizer Untersuchungen belegen, dass Kühe, die eine Stunde früher gemolken werden, zeitweise weniger Milch geben. Viele Bauern tricksen ihre Kühe bereits aus: Sie verteilen das Vorstellen der Uhr auf mehrere Tage.
Argumente gegen Sommerzeit gibt es viele, immer mehr Gegner schließen sich in Vereinen zusammen. Wie in "Zeitspanne" aus Wangen am Bodensee. Die Sonnenzeit-Mitglieder aus Berlin wollen künftig aus Protest im Sommer zwei Uhren tragen. Und knapp 200 Mitglieder des Niederkassler Verein der Sommerzeitgegner schreiben seit 1991 Protestbriefe an die Regierung. Eine Chance zur Abschaffung hat keiner der Vereine.
Denn die Bundesregierung ist vom Sinn der Sommerzeit überzeugt. "Es wäre Quatsch, im europäischen Binnenhandel unterschiedliche Zeitzonen einzurichten", sagt eine Sprecherin des Innenministeriums. "Studien über negative Auswirkungen der Sommerzeit sind uns nicht bekannt."
Deutschland ist zudem festgelegt: Nach dem Zeitgesetz von 1978 wird der bundesweite Stundentakt per EU-Regelung an den der Nachbarstaaten angepasst. Zwar läuft die Vorschrift Ende 2001 aus. Doch das Europäische Parlament hat bereits eine neue Richtlinie verabschiedet, die die Sommerzeit nach 2002 fortschreibt. Deutschlands Innenminsterium schreibt sie gerade in nationales Recht um.


Quelle: http://www.abendblatt.de/contents/ha/news/wirtschaft/html/240301/2124UHR0.HTM

laborjunge
20.06.2001, 11:25
Sommerzeit und Winterzeit was ist besser?
Ich halte die ganze Umstellerrei für schlichtweg Blödsinn. Das macht nur Streß und ändert tut sich eh nichts.
Am Abend vorher muß du noch zich Leute anrufen ihnen klarmachen, dass die Zeit umgestellt wird. Und das nur um sicher zu sein, dass auch wirklich noch alles so klappt wie es im Terminkalender steht.

Also weg damit! Mir nützt die Zeitumstellung nichts egal ob ich nun an einem Tag ne Stunde lägnger schlafe oder weniger. Am nächsten Tag bekommen ich auch nur wieder 5 Stunden Schlaf.

Und das die Umstellung Strom spart glaub ich auch nicht.

nobody
20.06.2001, 12:29
Der einzige Unterschiede den ich Bemerke ist bloß der, das ich wesentlich unausgeglichener bin wenn die Uhren eine Stunde vorgestellt werden.Ausserdem ist meine Klasse bei solchen Umstellungen in der ersten Stunde meistens um ein Drittel kleiner.
Also im Grossen und Ganzen halte ich die Sache für ziemlich bescheuert und unsinnig.Ist ja auch irgendwie ein bisschen gegen die Natur, oder?

laborjunge
21.06.2001, 17:10
Auf jeden Fall ist das wieder der Natur. Kühe zum Beispiel gewöhnen sich an neue Melkzeiten nur recht langsam. Also überlegt man ob man die Kühe nicht zur gewohnter Zeit melken soll aber da spielen die Molkereien nicht mit. Ja so is das eben....:confused:

Können wir nicht auch ein Volksbegehren dagegen starten?:D
Schade nur das im Grundgesetz kein Volksentscheid vorgesehen ist.:(

Mike140
14.11.2003, 11:26
Wer hat denn eigentlich die Sommerzeit eingeführt? Und in welchem Jahr?

Welche Macht muß jemand haben, der an der Uhr drehen kann?

Matzi
14.11.2003, 13:22
Die Idee hat Benjamin Franklin 1784 in einem Essay publiziert. Im Ersten Weltkrieg wurde sie dann in Europa und den USA eingeführt.

mantis
14.11.2003, 15:28
Ich gehöre zwar nicht zu (den)

Kühe(n) zum Beispiel gewöhnen sich an neue Melkzeiten nur recht langsam

trotzdem reagiere ich sehr empfindlich auf die Umstellung zur Sommerzeit hin. Das einzige was mir dann hilft, ist eine gestückelte Umstellung, d.h. Wochen vorher den Wecker um jeweils 5min vorstellen, diese Zeit ein paar Tage lassen. Ich find diese Umstellerei ziemlich unverschämt und außerdem völlig sinnlos, siehe die angeführten Beispeile in Bubas Beitrag.

Marvek
14.11.2003, 22:38
Also ich hatte noch nie Probleme mit der Zeitumstellung, innaerhalb weniger Tage dran gewöhnt.

BTW: Nachdem was ich weiss, wurde während der NS-Zeit in Deutschland die Umstellung immer um 2(!) Stunden vorgenommen.

upsidedown
14.11.2003, 22:50
Originalnachricht erstellt von Matzi
Im Ersten Weltkrieg wurde sie dann in Europa und den USA eingeführt.
Und gilt in UK zb seitdem ohne Unterbrechung.

Matzi
15.11.2003, 09:56
Originalnachricht erstellt von Marvek
[...]BTW: Nachdem was ich weiss, wurde während der NS-Zeit in Deutschland die Umstellung immer um 2(!) Stunden vorgenommen.
In GB im Ersten Weltkrieg auch.

sunny
15.11.2003, 10:12
Originalnachricht erstellt von upsidedown
Und gilt in UK zb seitdem ohne Unterbrechung.

die Briten brauchen doch immer eine Extra-Wurst....
wenn man sich mal die unmöglichen Längen und Gewichte anschaut...

nobody
20.09.2005, 11:34
....
Können wir nicht auch ein Volksbegehren dagegen starten?:D
Schade nur das im Grundgesetz kein Volksentscheid vorgesehen ist.:(

Ist eine Interessante Aussage, wir Schweizer hatten das "Volksrecht" über die Sommer/Winterzeit abzustimmen! Sogar 2 oder 3 mal, und nachdem das Volk jedesmal abgelehnt hatte wurden die direktdemokratischen Entscheide übergangen und wir stellen nun seit über 20 Jahren unsere Uhren brav jeden Frühling auf Sommerzeit und im Herbst wieder auf "Echtzeit" zurück!! :mad:

Zugegeben, ein alleingang der "kleinen" Schweiz wäre in dieser Frage auch nicht besonders klug, dennoch stellt sich die Frage die oben schon jemand angesprochen hat, wer hatte die Macht an unseren Uhren herumzuschrauben? :confused:

dario88
20.09.2005, 16:47
Ich glaube nicht, dass es so ein großes Problem ist, die Zeit zweimal im Jahr umzustellen. Irgendwie ist das ja schon Gewohnheit ... also ich kann gut damit leben.
Sollte sie doch abgeschafft werden, dann sollte man doch bitte bei der Echtzeit bleiben!

cu, DARIO