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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vergleich Kosovo-Krieg/Irak-Krieg


Craig
22.03.2003, 15:15
Warum nur ziemt sich unser Kanzler den US-Angriff auf den Irak öffentlich als "völkerrchtswidrig" einzustufen? Hat es vielleicht damit zu tun, dass er selber bereits einmal sein OK zu einem völkerrechtswidrigen Krieg gegeben hat? Denn im Prinzip gibt es zwischen dem Irak-Krieg und dem Kosovo-Krieg vor einigen Jahren keinen Unterschied: Die USA greift ohne UN-Mandat und mit der Unterstützung einer gewissen Anzahl von Staaten einen Diktator an. Juristisch IMO kein Unterschied.

nobody
22.03.2003, 15:26
Ich denke das liegt daran, dass er das Verhältnis zu den USA nicht noch mehr strapazieren möchte. Wir sind leider immernoch abhängig vom guten willen der "Supermacht" und nehmen nach wie vor eine herausstechende politische Rolle in der Welt ein, was sich bei weiteren Konflikten mit den USA schlagartig ändern könnte.

Tino
23.03.2003, 21:50
Hi Leute,

naja es gibt einige Politiker quer durch alle Fraktionen (Ich nenn mal nur Herrn Ströbele) die fordern den Irakkrieg als Völkerrechstwidrig zu bezeichnen.
Zum Thema Kosovo ist meiner Meinung nach zu sagen, dass dieser Krieg für die NATO und eigentlich auch für die UNO legitimiert wurde. Und zwar durch die Tatsache, dass Milosevic Verbrechen gegen die Mnschlichkeit begangen hat. Soweit ich weiss ist das nach Völkerrecht ein Kriegsgrund. Ich muss aber auch sagen, dass ich keinen der Kriege für gut gehalten habe.

Alles liebe.

Tino

Godwael
25.03.2003, 12:13
Ja, ob der Kosovo-Krieg legitim war, ist eine andere Frage. Aber zumindest war ein breiter internationaler Konsens vorhanden.

Und man darf nicht vergessen, wie es jetzt da aussähe, wenn der Krieg nicht stattgefunden hätte. Das ist letztendlich der Unterschied auch zu Afghanistan.

Craig
26.03.2003, 17:56
Originalnachricht erstellt von Godwael
Ja, ob der Kosovo-Krieg legitim war, ist eine andere Frage. Aber zumindest war ein breiter internationaler Konsens vorhanden.

Und man darf nicht vergessen, wie es jetzt da aussähe, wenn der Krieg nicht stattgefunden hätte. Das ist letztendlich der Unterschied auch zu Afghanistan.


Was soll der Unterschied da sein?

Lim_Dul
28.03.2003, 21:02
Ich denke mal, wir sind uns alle Saddam ein Dikator ist, und das die Welt ohne nicht wirklich schlechter dran wäre. (Wenn man jetzt mal hyptothetisch annehmen würde, es gäbe keinen Krieg und von einem Tag auf den andern wäre er weg)

Dennoch heißt es noch lange nicht, das nun der Zweck die Mittel die heiligt und das man dies nun unbedingt durchsetzen muss. Man hat in der Realität eher selten die Wahl zwischen Möglichkeit a) die definitiv schlecht ist und Opfer kostet und Möglichkeit b) die Welt wunderbar besser zu machen.

Meistens ist eher so das alle Wahlmöglichkeiten nicht wunderbar sind.
Lässt man Saddam an der Macht, so übt er dort sein Terrorregim aus => Schlecht
Greift man den Irak wie die USA im Alleingang gegen der Willen der meisten andern Länder an => "Kolletarallschäden", agressionen in der restlichen arabischen Welt gegen die USA, andere "Schurkenstaaten auf der Achse des Bösen aka USA Blacklist" könnten sich entscheiden aufzurüsten, da das Völkerrecht ihnen keinen Schutz vor den USA bietet => schlecht

Und ich halte in diesem Fall einen Angriff für die deutlich schlechtere Alternative. Gut, Saddam ist danach vermutlich nicht mehr an der Macht, aber welchen Preis müssen wir dafür zahlen? Ich halte den Preis für deutlich zu hoch.


Und die Ausführung beantwortet den auch den Unterschied Kosovo/Irak.
Im Kosovo war der Konsens da und was war nicht anzunehmen, das man damit eine komplette Region destabilisiert.
Es gab eher eine begründe Hoffnung, das nach dem eingreifen es besser würde als vor dem eingreifen.
Das muss noch lange nicht heißen, das der Krieg damals ok und 100% gerechtfertigt war, aber man muss aufpassen das man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

FK
28.03.2003, 21:34
Im Kosovo war ein Völkermord en masse im Gange (die Fortsetzung von jahrelangen Völkermorden in Jugoslavien).

Das Eingreifen dort fand (und finde ich) gerechtfertigt, ebenso wie im 1. Irakkrieg, denn der war die Folge der Invasion in Kuweit.

Und jetzt?
Sowenig ich ein Freund des irakischen Regimes bin; das geht zu weit.

Und ich frage mich, warum die USA nicht eingegriffen haben, als im Irak Tausende von Kurden mit Giftgas ermordet wurden.


Gruß,
Franz

bm
28.03.2003, 22:17
@ franz :

gut formuliert. Ich bin der gleichen Meinung.

Levikus
28.03.2003, 23:33
Hi Leute!

Tja der Krieg im Kosovo war kein Krieg den die USA geführt hat, sondern die NATO, also eine Staatengemeinschaft. Sie ist zwar nicht die UN, aber wie von vielen schon gesagt, es war ein breiter Konsens da und ein Völkermord war auch im vollen Gange, zumal die Serben eine andere Volksgruppe verfolgt hat. Allerdings wurden ja Volksgruppen seit dem Zerfall des alten Jugoslawiens schon verfolgt.
Und da klare Verbrechen sowohl gegen das Völkerrecht als auch gegen die Menschenrechte im Gange waren, halte ich den Krieg im Kosovo auch ohne UN-Mandat für gerechtfertigt.

Im Golf hält sich das alles ein bisschen anders.
Dort habe die Amis eine direkte Interessensspäher und schreiten dort auch ohne Zustimmung der Welt, also dem Sicherheitsrat ein.
In dem Golfkrieg 1991 muss man aber festhalten, dass die USA dem Irak klar gemacht haben, das er in Kuwait einmaschieren kann, und sich die Amis nicht dagegen protestieren werden. Die amerikanische Botschafterin hat Saddam erklärt, dass die USA der Meinung sind, dass die Angelegenheiten im Golf unter den Golfstaaten zuklären seien und sich die USA nicht einmischen werden. Die USA haben den Irak praktisch dazu "eingeladen" in Kuwait einzumaschieren.
Und warum das alles? Hat nicht schon Henry Kissinger gesagt (ich denke er war es), dass das Öl viel zu wichtig sei, als das man die Kontrolle darüber bei den Arabern lassen kann. Also es geht wieder mal ums Öl. Nur das die Amerikaner die UN hinter sich hatten und somit auch eine wirklich schlagkräftige Streitmacht. Also rein da und Öl sichern, natürlich auch das in Saudi Arabien. Man kann es sich ja militärisch leisten.

Nur warum haben sie Saddam nicht schon damals gestürtzt? Ich nehme mal an, weil sie Angst um die Folgen hatten. Wer hätte denn die Regierung danach bilden sollen? Die Kurden? Die Schiiten? Beide Gruppen sind sich nicht grün und man kann darauf wetten, das sie keine gemeinsame Lösung finden und das Land in einen Bürgerkrieg versinken würde. Und man kann davon ausgehen, dass dieses die gesamnte Golfregion destabilisiert hätte. So konnte man wenigestens die momentan stabile Situation halten.

Und heute?
Es geht ums Öl und nicht um Massenvernichtungswaffen.
Ich selber bin davon überzeugt, dass Saddam noch solche Waffen hat, nur das man ihm das ohne Krieg nachweisen muss. Man kann nicht einfach in ein Land auf Verdacht einmaschieren und die UNO damit aushebeln.
Und vorallem die Amerikaner, die im zweiten Weltkrieg die Bildung der UN vorangetrieben haben setzten sie jetzt aufs Abstellgleis?!

Tja unser Onkel Bush erklärt ja auch das er die Iraker befreien will, aber zu welchem Preis? Natürlich ist Saddam ein Verbrecher der Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat, nur ist das dort unten so eine instabile Region, dass man sich überlegen muss, wie man diesen man dort "absetzt" ohne die Region ins Chaos zu stürzen.

Aber einen Kriegsgrund sehe ich bis jetzt nicht und deshalb kann ich den Krieg in keinster Weise akzeptieren.

Aber wie wir es schon oft gehört haben ist ja unser "Mr. President of the United States of America" nicht gerade der taktvollste Mensch und bestimmt nicht der intelligenteste.

Warten wir mal ab wie sich das ganze entwickelt und ich bin davon überzeugt, das Bush nicht als der ruhmvollste Präsident der USA in die Geschichte eingehen wird und garantiert nicht als der intelligenteste.

Naja die Welt ist schlecht und wer sich an die Macht einer "demokratischen Regierung" schummelt ist noch für viele Überraschungen gut.

ork
29.03.2003, 00:25
Originalnachricht erstellt von FK
Und ich frage mich, warum die USA nicht eingegriffen haben, als im Irak Tausende von Kurden mit Giftgas ermordet wurden.

Weil Saddam im Ersten Golfkrieg noch der Freund der USA war und die Geheimdienste es so aussehen ließen, dass diese Waffen vom Iran verwendet wurden.