Lasst mal hören, liebe Didaktiker, die ihr hier schreibt und lest.
Was meint ihr: Ist es empfehlenswert, im Chemie(anfangs)unterricht mit der irrigen Vorstellung der Kinder aufzuräumen, dass Chemie nur mit Explosionen und kochenden und rauchenden bunten Flüssigkeiten in eigentümlichen Glasgefäßen und Rohren zu tun hat?
Irgendwas hindert mich noch, ihre Vorstellung und ihre Erwartungen gänzlich zu ernüchtern. Ich sag meinen eigenen Kindern im Kindergartenalter ja auch (noch) nicht, dass es den Nikolaus (zumindest den aus ihrer Vorstellung) so gar nicht gibt.
Ich sehe mich im Moment allerdings mit allzu hohen Anforderungen meiner Schüler an den Unterhaltungswert meiner chemiepraktischen Darbietungen konfrontiert. Es vergeht nicht eine Stunde, in welcher ich nicht darum gebeten werde, Hummeln explodieren zu lassen oder Kaugummis zum Brutzeln zu bringen.
Zumal ich den unbekümmerten Forschungsdrang und die Fantasie grundsätzlich begrüße, kann ich unmöglich deren Forderungen auf Dauer nur annähernd erfüllen.
Wie soll man das handhaben?
Bin gespannt auf eure Meinung!
Tobee
04.12.2008, 15:23
Hallo!
Ich würde am Anfang eine Stunde für einen physikalsich-chemischen Experimentalvortrag opfern. Das ist Eindrucksvoll und lehrreich.
Vorschläge:
Elektrolyse von Wasser und Knallgasexplosion (maximal im Reagenzglas oder Seifenblasen).
Fluoreszierende Reaktion mit Luminol im Dunkeln.
Superabsorber (ganz wenig Pulver im Wasser, Schüler rühren lassen, Wasser wird komplett fest)
Zünd- und Flammpunkt mit Wachs demonstrieren.
Farbwechsel von Flüssigkeiten mit Indikator.
kleines Feuerwerk mit Glycerin und Kaliumpermanganat (beides muss rein sein)
Metall kann brennen. Eisenwolle anzünden. Funktioniert auch mit einer 9V Battarie.
Flammenfärbung.
Stinkbomben. Eisen + Schwefel, FeS + HCl.
Gase verhalten sich wie Flüssigkeiten, kann man mit einem Overhead sichtbar machen.
Grüße
Liliane78
05.12.2008, 00:15
Was ihr alles in einer Stunde schafft... Ich staune ;)
Jetzt gleitet das zwar in eine etwas speziellere Richtung, aber warum die Wasserelektrolyse "maximal" im Reagenzglas :confused:
Wie gehst du beim Kaliumpermanganat-Glycerin Feuerwerk genauer vor?
Und den letzten Versuch (Gase wie Flüssigkeiten auf Overhead), den kenn ich auch noch nicht.
nobody
05.12.2008, 08:26
Moin,
nach eigener Angaben ist Tobee kein Lehrer, so dass sich das sicherlich nicht auf eine bestimmte Stunde bezieht.
Ich stimme dir zu, dass es eindrucksvoll ist, aber nicht lehrreich, denn die Phänomene sind im Eingangsunterricht nicht erklärbar. Ich würde deshalb auf so eine Schau verzichten, denn sie weckt Erwartungen, die nicht erfüllbar sind. Außerdem sind wir mit unseren Schulversuchen i. d. R. nicht so eindrucksvoll wie all das, was die heute schon bei Youtube gesehen haben.
Im Anfangsunterricht gibt es eine Menge kleiner Versuche, die die Schüler selber machen kann, die durchaus nett anzusehen sind und die man auch erklären kann:
- Chromatografie
- Destillation
- Löslichkeiten
Die Motivation beim Selbermachen ist meistens deutlich höher als bei einem Schauversuch.
Ich bin nicht gänzlich gegen Schauversuche - sie sind das Salz in der Suppe der Schulchemie - aber nicht im Anfangsunterricht.
Gruß
arrhenius
Tobee
05.12.2008, 09:39
Was ihr alles in einer Stunde schafft... Ich staune ;)
Jetzt gleitet das zwar in eine etwas speziellere Richtung, aber warum die Wasserelektrolyse "maximal" im Reagenzglas :confused:
Hallo!
Ich meinte die Knallgasprobe. Es sollen schon Lehrer auf die Idee gekommen sein, einen Luftballon mit Knallgas zu füllen und zu zünden.
Wie gehst du beim Kaliumpermanganat-Glycerin Feuerwerk genauer vor?
Und den letzten Versuch (Gase wie Flüssigkeiten auf Overhead), den kenn ich auch noch nicht.
Ein schweres Gas, zB Propan vorsichtig in ein Becherglas füllen. Dieses einfach vor die Lampe des Projektors halten, so dass der Schatten des Gefässes an die Wand geworfen wird. Dann das Gas langsam "ausschütten", vielleicht in ein anderes Becherglas, man sollte das fliessende Gas an der Wand sehen.
Ich stimme dir zu, dass es eindrucksvoll ist, aber nicht lehrreich, denn die Phänomene sind im Eingangsunterricht nicht erklärbar.
:yes:
Ja, das geht eher in die Richtung "Zaubern mit Chemie". Es ist ja auch nicht jeder Schüler gleich. Bei mir wurde Interesse an Chemie durch zündeln ;) aber auch sehr durch die "Knoff-Hoff-Show" geweckt. Da hab ich auch nicht viel verstanden, aber ich war sehr beeindruckt. Dadurch wollte ich aber verstehen, und liess mich nicht durch Formeln abschrecken, wie viele meiner Mitschüler.
Ich würde deshalb auf so eine Schau verzichten, denn sie weckt Erwartungen, die nicht erfüllbar sind. Außerdem sind wir mit unseren Schulversuchen i. d. R. nicht so eindrucksvoll wie all das, was die heute schon bei Youtube gesehen haben.
Im Anfangsunterricht gibt es eine Menge kleiner Versuche, die die Schüler selber machen kann, die durchaus nett anzusehen sind und die man auch erklären kann:
- Chromatografie
- Destillation
- Löslichkeiten
Die Motivation beim Selbermachen ist meistens deutlich höher als bei einem Schauversuch.
Ich bin nicht gänzlich gegen Schauversuche - sie sind das Salz in der Suppe der Schulchemie - aber nicht im Anfangsunterricht.
Gruß
arrhenius
Selbermachen ist natürlich das allerbeste, wenn das möglich ist. Diese Versuche haben eher mit Physik zu tun. Gut, der "Chemiker" nutzt diese Verfahren häufig. Aber dann doch eher Fe+S --> Neue Verbindung, mit neuen Eigenschaften. Haben wir in der 8. Klasse gemacht. Wie alt sind Deine Schüler, Liliane78?
Ich finde es auf jeden Fall Klasse, dass Du dir so viele Gedanken um Deine Schüler machst. Mein Chemielehrer war so eine Schlaftablette, das machte nicht viel Spass. Interessant wurde es erst im Wahlpflichtfach Biochemie, die Frau war Spitze.
Grüße
nobody
05.12.2008, 09:54
...
Ja, das geht eher in die Richtung "Zaubern mit Chemie". Es ist ja auch nicht jeder Schüler gleich. Bei mir wurde Interesse an Chemie durch zündeln ;) aber auch sehr durch die "Knoff-Hoff-Show" geweckt. Da hab ich auch nicht viel verstanden, aber ich war sehr beeindruckt. Dadurch wollte ich aber verstehen, und liess mich nicht durch Formeln abschrecken, wie viele meiner Mitschüler.
...
Grüße
...mit Joachim Bublath und Ramona Reis - die tolle Serie gab es vor Jahrzehnten bei uns im TV ebenso und ich ließ keine Folge aus! :)
Tiefflieger
05.12.2008, 10:15
...Ramona Reis...
Zu viele Speisekarten geschrieben? Die Frau trägt den Namen Leis.
Da fällt mit auf, hatte sie einen chinesischen Vater? Dann würde es ja passen. ;)
Friedrich Karl Schmidt
05.12.2008, 10:42
...mit Joachim Bublath und Ramona Reis - die tolle Serie gab es vor Jahrzehnten bei uns im TV ebenso und ich ließ keine Folge aus! :) Einen negativen Nebeneffekt sehe ich aber darin , dass mit solchen Sendungen Erwartungen in Bezug auf den naturwissenschaftlichen Unterricht begründet werden, denen dieser nicht gerecht werden kann. Jedenfalls nicht dann , wenn dort in erster Linie systematisches Verständnis angestrebt und dem entsprechend aufgebaut und gelehrt wird.
Was mich schon immer gestört hat, ist der Umstand, dass der Unterricht in Physik und noch mehr der Chemieunterricht anscheinend in einer Lage gesehen werden , die Lehrpersonen offenbar veranlasst, die Existenz dieser Fächer erst einmal rechtfertigen zu müssen.
Ich erinnere mich noch sehr gut , dass nicht nur ich selbst, sondern nicht wenige von meinen Klassenkameraden vom Fremdsprachenunterricht regelrecht angeödet waren. Und dies im Wesentlichen unabhängig von der Person der Lehrkraft und mit eher geringen Unterschieden zwischen Englisch/Französich und Latein. Religion und Geschichte fand ich in der Unterstufe noch spannend , in der Oberstufe nervig. Gemeinschaftskunde war "nett" , gelernt habe ich dort so gut wie nichts. Bildende Kunst und Musik waren angenehm, solange dort überwiegend gezeichnet, gemalt und gesungen wurde. Das Übrige war stinklangweilig. Alles Empfindungen , die ich im Übrigen mit der Mehrzahl meiner Klassenkameraden geteilt habe.
Das Eigenartige aber ist, dass sich für dieses Schülerempfinden niemand interessiert hat. Und dies scheint mir bei aller Veräderung im Grunde auch heute noch so. Jedenfalls scheint mir in Bezug auf den Unterricht in Fremdsprachen, Geschichte , Religion usw. die "Spassfrage" eine wesentlich geringere Rolle zu spielen als im Zusammenhang mit dem Chemieunterricht.
Ich frage mich, warum es nicht möglich sein soll, Chemie und Physik so zu sehen wie die übrigen Unterrichtsfächer . Und dies dann auch den Schülern gegenüber von vorn herein in geeigneter Form deutlich zu machen.
Gruß FKS
Nick F.
05.12.2008, 10:48
Aber dann doch eher Fe+S --> Neue Verbindung, mit neuen Eigenschaften. Haben wir in der 8. Klasse gemacht.
da muss man aber aufpassen, dass das eisenpulver auch noch immer eisenpulver ist. mir ist das experiment im LK einmal schiefgegengen, da war noch zink im eisen. ich hatte 2 wochen schulfrei, weil ich mir die hand komplett versengt hatte. versuch wurde übrigens im mikroRG durchgeführt
Nick
nobody
05.12.2008, 12:24
da muss man aber aufpassen, dass das eisenpulver auch noch immer eisenpulver ist. mir ist das experiment im LK einmal schiefgegengen, da war noch zink im eisen. ich hatte 2 wochen schulfrei, weil ich mir die hand komplett versengt hatte. versuch wurde übrigens im mikroRG durchgeführt
Nick
Das ist natürlich blöd, wenn nicht drin ist, was drauf steht. Wenn man es aber weiß, dass es sich um Zink handelt, geht es auch in größerer Menge gut auf einer Keramikplatte. Wenn man es mal gezündet hat, reagiert es recht "eindrucksvoll". Der Abzug muss danach allerdings ordentlich gereinigt werden. Danach haben auch Schüler einen größeren Respekt vor bestimmten Versuchen.
Gruß
arrhenius
laborleiter
05.12.2008, 14:39
trotzdem ist eine stinkbombe mit schwefelwasserstoff eher körperverletzung als eine lustige untermalung des unterrichts. vor allem, wenn man solche mengen umsetzt, daß schon bei der synthese des eisensulfids der abzug gereinigt werden muss :rolleyes:
nobody
05.12.2008, 14:44
Zu viele Speisekarten geschrieben? Die Frau trägt den Namen Leis.
Da fällt mit auf, hatte sie einen chinesischen Vater? Dann würde es ja passen. ;)
Nein braucht die nicht, denn 'Reis' ist ein sehr häufiger Name selbst in Deutschland...
Du scheinst aber sehr hungrig zu sein, da Du dabei gleich ans Essen denkst. :)
Einen negativen Nebeneffekt sehe ich aber darin , dass mit solchen Sendungen Erwartungen in Bezug auf den naturwissenschaftlichen Unterricht begründet werden, denen dieser nicht gerecht werden kann. Jedenfalls nicht dann , wenn dort in erster Linie systematisches Verständnis angestrebt und dem entsprechend aufgebaut und gelehrt wird.
Zumindest eine Erklärung, aber meist mit Gegenbeweis wurde unmittelbar darauf geliefert. Das war ja der Sinn der Sendung - für den Laien nicht nur in 'reißerischer' Gier nach Aufmerksamkeit Experimente zu bieten, sondern Verständnis zu vermitteln, weshalb es eben genau so und nicht anders ablief...
@laborleiter
Man kann ja eine winzige Menge Pyrit verwenden - stinkt ohnehin kräftig das Zeug... Oder eben nur das Bleiacetatpapier im Abzug dran halten.
nobody
05.12.2008, 15:25
trotzdem ist eine stinkbombe mit schwefelwasserstoff eher körperverletzung als eine lustige untermalung des unterrichts. vor allem, wenn man solche mengen umsetzt, daß schon bei der synthese des eisensulfids der abzug gereinigt werden muss :rolleyes:
Wenn du auf meinen Beitrag abzielst, dann muss ich widersprechen. Mit Zink ist die Reaktion heftig bei entsprechender Menge, aber das Reaktionsprodukt kann man schön zusammenfegen. Schwefelwasserstoff entsteht dabei nicht.
Mit Eisen ist die Reaktion besser kontrollierbar, obwohl das Reagenzglas dabei kaputt geht.
Anhand der Reaktion von Metallen mit Schwefel kann man halt schön die Abstufung der Reaktionsheftigkeit diskutieren. Es ist ein klassischer Einstiegsversuch in die chemische Reaktion mit anschließender Diskussion von Energiediagrammen und Aktivierungsenergie.
Gruß
arrhenius
laborleiter
05.12.2008, 15:34
das weiss ich auch :rolleyes:
mein text galt eher Tobees vorschlag:
Stinkbomben. Eisen + Schwefel, FeS + HCl
Nick F.
05.12.2008, 18:40
ich kann mich nicht erinnern, dass eisensulfid so sehr gestunken hat. schlimmer war's da, als einer mal am freitag chemikalien in den falschen entsorgungsbehälter feuerte und am montag die ganze fakultät nach schwefelwaserstoff gestunken hat
Nick
nobody
05.12.2008, 20:57
Ich meinte die Knallgasprobe. Es sollen schon Lehrer auf die Idee gekommen sein, einen Luftballon mit Knallgas zu füllen und zu zünden.
Das hat mein ehemaliger Chemielehrer auch gemacht. Nur als das Teil an die Decke geschwebt ist, war es direkt an einer Lampe und er hat erstmal 5 Minuten gebraucht das von der Lampe wegzubewegen. Danach hat er halt ne Kerze drangehalten, es hat Bumm gemacht und wir haben uns gefreut ;-)
Liliane78
05.12.2008, 22:42
WOW, ich muss mich jetzt mal bedanken für die vielen Beiträge.
@Tobee: Das mit der Knallgasprobe hab ich nun kapiert, danke. Und das mit dem Propan im Becherglas - Ich wüsst jetzt auf die Schnelle nicht, woher ich das Propan nehme. Aus dem Feuerzeug? Vielleicht bau ichs mal ein, wenn ich Aggregatzustände unterrichte.
Was mich schon immer gestört hat, ist der Umstand, dass der Unterricht in Physik und noch mehr der Chemieunterricht anscheinend in einer Lage gesehen werden , die Lehrpersonen offenbar veranlasst, die Existenz dieser Fächer erst einmal rechtfertigen zu müssen.
Ich würd hier nicht rechtfertigen sagen, aber genau das, was du hier ansprichst, verursacht auch mir Kopfzerbrechen.
Wenn mans positiv formuliert, könnte man sagen, die Schüler haben eine hohe Erwartungshaltung an das Fach Chemie. Zumindest eine viel höhere als an irgendeine Fremdsprache an Philosophie oder andere "Geisteswissenschaften". Das nützt einem anfangs vielleicht sogar.
Irgendwann aber will man schon tiefer in die Materie einsteigen. Wozu sonst hätte ich all die vielen tollen Erklärungen für die Schüler parat? Ich muss halt dafür sorgen, dass sie diese Erklärungen auch hören und verstehen wollen. Um tiefer einsteigen zu können und nach Erklärungen zu suchen, sehe ich es als meine Aufgabe, diese Notwendigkeit des Vertiefens zu veranlassen und vor allem auch die Begeisterung für das Fach aufrecht zu erhalten. Einer (Tobee) hat sich ja schon dazu bekannt, dass genau diese Begeisterung es war, die den Weg zum Chemiker geebnet hat.
Zugegeben: Womit ich ganz, ganz schwer zu kämpfen habe sind die Fälle, wo das Entertainment begeistert konsumiert wird, die fachliche Aufarbeitung -sei sie noch so zurechtgemacht und wohldosiert portioniert- von den Schülern ungeprüft ignoriert wird :mad:. Ganz so als hätte man bei einem Protokoll noch nicht mal Beobachtungen beschrieben (von einem Ergebnis und dessen Diskussion noch meilenweit entfernt) und schon stürzte man sich über das nächste Experiment. Dann sehe ich aber auch nicht mehr ein, dass ich stundenlang Experimente vorbereite.
In diesem Fall muss ich leider den Fächerkanon um ein weiteres Trödelfach erweitern. Also um ein Fach, in welchem man sitzt und wartet, bis man alt genug ist um es abzuwählen.
Eine Gratwanderung wie mir scheint!
Ach ja, meine Forscher sind 13 und 14. Diejenigen, die nur noch konsumieren und sich wenig darum kümmern, warum ("Hauptsach wir hatten unsern Spass") sind 17.
timobretten
05.12.2008, 23:15
Und das mit dem Propan im Becherglas - Ich wüsst jetzt auf die Schnelle nicht, woher ich das Propan nehme. Aus dem Feuerzeug? Vielleicht bau ichs mal ein, wenn ich Aggregatzustände unterrichte.
Den Gas versuch würde ich auf jeden Fall bringen. Das ist einer der Versuche, an die ich mich mit Abstand am besten erinnere, weil unser Lehrer (ein echter Kautz) ihn so lustig rüber gebracht hat.
Er hat ein Becherglas mit CO2 gefüllt und es dann mit völlig ernster Miene ausgeschüttet. Wir haben ihn innerlich natürlich für plemplem erklärt. Als er auf diese Weise jedoch eine in einem anderen Becherglas befindliche Kerze gelöscht hat, war das doch sehr eindrucksvoll.
Das tolle an dem Versuch ist, dass er nicht zu pompös ist. Simpel, verständlich, nachhaltig begeisternd.
Er hat es eh ziemlich gut hinbekommen, den Unterricht mit Praxis zu füllen, ohne die Theorie zu vernachlässigen oder nur Entertainment zu bieten.
Dass wir in die Konsumhaltung abdriften hat wohl seine krasse Strenge verhindert. Er war einfach immer eine Autoritätsperson. Selbst in der Pubertät ;-)
Im Nachhinein betrachtet hat er Theorie und Überlegung oft mit einer ganzen, experimentellen Stunde abgerundet. Das war belohnend. Und es ist für den Schüler auch super, wenn die Versuche nicht in der gewohnten Umgebung stattfinden. Wir sind zum Beispiel mal in andere Räume gegangen, weil man die besser abdunkeln konnte. Oder haben eine Explosion auf dem Schulhof gezündet und waren uns der Augen der ganzen Schule sicher ;-)
Das macht das Experiment "zu etwas Besonderem".
Gruß
timo
nobody
06.12.2008, 09:12
Irgendwann aber will man schon tiefer in die Materie einsteigen. Wozu sonst hätte ich all die vielen tollen Erklärungen für die Schüler parat? Ich muss halt dafür sorgen, dass sie diese Erklärungen auch hören und verstehen wollen.
Nicht nur irgendwann, sondern bei möglichst vielen Versuchen. Diesen dürfen nicht nur Selbstzweck sein und als Auflockerung ohne Anbindung an den Unterricht dienen, denn genau damit fördert man die Konsumhaltung.
Dass man mal einen versuch mehr macht, um einen interessierte Klasse zu belohnen, ist dabei etwas anderes, wenn es in das Thema passt und auch aufgearbeitet wird.
Zugegeben: Womit ich ganz, ganz schwer zu kämpfen habe sind die Fälle, wo das Entertainment begeistert konsumiert wird, die fachliche Aufarbeitung -sei sie noch so zurechtgemacht und wohldosiert portioniert- von den Schülern ungeprüft ignoriert wird
Das ist aber der Normalfall: kaum ein Schüler möchte Protokolle schreiben. Deshalb sollte m. E. immer das Protokoll zum Versuch gestellt werden und i. d. R. nicht davon abgewichen werden.
In diesem Fall muss ich leider den Fächerkanon um ein weiteres Trödelfach erweitern. Also um ein Fach, in welchem man sitzt und wartet, bis man alt genug ist um es abzuwählen.
Das wäre absolut schade, denn Chemie ist ungemein spannend.
Aber wichtig ist, dass man von Anfang an auch klar stellt, dass es ein Fach ist, wo man von Beginn an aufbauend lernen muss, in dem es ein Fachwissen gibt, was immer präsent sein muss. Das größte Problem, welches ich immer erlebe, ist, dass die banalsten Dinge auch in höheren Jahrgängen nicht präsent sind ("Was ist noch mal Natronlauge?") Und deshalb würde ich nicht mit einer spektakulären Experimentalshow einsteigen, denn danach kann alles nur noch schlechter werden. Die Highlights lieber dosiert einflechten.
Eine Gratwanderung wie mir scheint!
Ja.
Gruß
arrhenius
Liliane78
11.12.2008, 15:04
Gase verhalten sich wie Flüssigkeiten, kann man mit einem Overhead sichtbar machen.
Ich habs mit CO2 probiert, auch mit Butan ausm Feuerzeug, dieverse Brenngas-Mischungen - ohne Erfolg!
Man sieht, egal welchen Abstand von der Lichtquelle ich einnehme, eigentlich gar nix.
Ach ja, und wenns denn funktionierte, bin ich noch immer nicht sicher, ob so eine Erkenntnis in den Köpfen meiner angehenden Naturwissenschafter verankern möchte. Vor allem in der kinetischen Gastheorie, wenn von idealen Gasen ausgegangen wird, wäre eine solche Vorstellung wenig hilfreich.
Könnt ihr mir auf die Sprünge helfen, was dieser Versuch demonstrieren soll und wie er funktioniert? Oder wolltet ihr mit mir einen schlechten Scherz treiben :annoy:
Tobee
11.12.2008, 15:18
Hi!
Aktuelle Beobachtung im Büro:
Sonne scheint durch das Fenster und eine Lampe wirft den Schatten an die Wand. Über dem Schatten ist deutlich die warme aufsteigende Luft zu erkennen.
Der Versuch veranschaulicht z.B. die Gefahr schwerer Gase, die in den Keller fliessen können.
Grüße
Friedrich Karl Schmidt
11.12.2008, 16:56
Wenn mans positiv formuliert, könnte man sagen, die Schüler haben eine hohe Erwartungshaltung an das Fach Chemie. In vielen Fällen ist diese Erwartungshaltung aber nicht richtig gezielt und erschwert ie Vermittlung mehr , als dass sie hilft.Zugegeben: Womit ich ganz, ganz schwer zu kämpfen habe sind die Fälle, wo das Entertainment begeistert konsumiert wird, die fachliche Aufarbeitung -sei sie noch so zurechtgemacht und wohldosiert portioniert- von den Schülern ungeprüft ignoriert wird :mad: Genau so auch meine Erfahrung .
Gruß FKS
Friedrich Karl Schmidt
11.12.2008, 17:24
Das wäre absolut schade, denn Chemie ist ungemein spannend. Aber leider erst für denjenigen, der schon relativ viel davon versteht. Und dies scheint mir ein grundsätzliches Problem aller Fächer zu sein, das um so schwieriger zu lösen ist, je höher der Anspruch an das Abstraktionsvermögen ist und je länger die "Durststrecke" bis zur Erkenntnis der Nützlichkeit eines Faches ist. Und diese "Nützlichkeit" muss durchaus nicht auf die Nützlichkeit des Fachwissens bezogen sein. Wer z.B. nur oder in erster Linie auf intrinsische Motivation setzt , macht m.E. einen schweren Fehler.
Gruß FKS
Liliane78
17.12.2008, 13:59
Hi!
Aktuelle Beobachtung im Büro:
Sonne scheint durch das Fenster und eine Lampe wirft den Schatten an die Wand. Über dem Schatten ist deutlich die warme aufsteigende Luft zu erkennen.
Der Versuch veranschaulicht z.B. die Gefahr schwerer Gase, die in den Keller fliessen können.
Grüße
Verstehe. Dann hatte ich eine zu hohe Erwartungshaltung an diesen Versuch ;) Denn was man tatsächlich sieht, wenn man nahe genug an der Projetionsfläche sitzt, ist ein leichter Strom aus dem Feuerzeug, wenn man Gas rauslässt. Das ist aber in der ersten Sitzreihe der Schüler schon nicht mehr erkennbar. Somit schließe ich diesen Versuch als Demonstrationsversuch mal aus. Mit so einem Versuch kann ich wenig anfangen :confused:
Okay, wenn man eine Kerze mit dem zuerst umgeschütteten CO2 auslöscht (timobretten :cool:) könnte das für die Schüler interessant sein. Okay, ich glaub, ich hab die Weihnachtsstunde beisammen :p Danke schön! So solls sein, ihr sollt mich inspirieren :)
nobody
17.12.2008, 17:08
Wer z.B. nur oder in erster Linie auf intrinsische Motivation setzt , macht m.E. einen schweren Fehler.
Gruß FKS
Das lässt nun aber offen, was Sie mit der extrinisischen Motivation meinen oder was Sie überhaupt damit meinen.
Gruß
arrhenius
Friedrich Karl Schmidt
17.12.2008, 20:08
Das lässt nun aber offen, was Sie mit der extrinisischen Motivation meinen oder was Sie überhaupt damit meinen.
Auf die Chemie bezogen meine ich damit all die Motivationen, die dazu führen , dass jemand " gut in Chemie " sein will, obwohl er die Chemie so richtig "spannend" eigentlich gar nicht findet.
Gru0 FKS
nobody
19.12.2008, 15:04
Also solche Dinge, wie "Ich will gut sein,
- weil ich gerne gute Noten habe.
- weil sich dann meine Eltern freuen.
- weil ich das später mal brauchen kann.
- weil ich das für ein anders Fach brauche.
- weil ich damit etwas anfangen kann."
Meinen Sie solche Interessenlagen?
Gruß
arrhenius
Importabteilung
19.12.2008, 16:04
Schüler für die Theorie hinter den Versuchen zu begeistern funktioniert v.a. in der Mittel und Oberstufe nur begrenzt. Chemie wir als Nebenfach wahrgenommen in dem erhöhter Lernaufwand als Tortur und Überbewertung des Faches durch den Lehrer verstanden wird.
Ich kann das auch keinem Schüler verübeln ;)
nobody
19.12.2008, 16:35
Chemie wir als Nebenfach wahrgenommen in dem erhöhter Lernaufwand als Tortur und Überbewertung des Faches durch den Lehrer verstanden wird.
Das dürfte aber kein Spezifikum des Faches Chemie sein, sondern gilt wohl für alle Nebenfächer (und bei vielen schließt es die Hauptfächer ein;))
Gruß
arrhenius
Importabteilung
19.12.2008, 17:46
Da in Chemie solide Grundlagen notwendig sind sowie Transferwissen erwartet wird um Aufgaben zu lösen würde ich doch sagen, dass Chemie hier eine Sonderrolle einnimmt.
Für Geschichte, Erdkunde etc überflieg ich mal kurz die letzten Seiten der Mitschrift und kann in den Tests punkten.
Wenn ich nicht verstanden habe wie man ein Salz benennt oder eine Redoxreaktion aufstellt hilft es mir wenig wenn ich ein par alte "durchgelesen" habe ;)
Friedrich Karl Schmidt
20.12.2008, 00:31
Schüler für die Theorie hinter den Versuchen zu begeistern funktioniert v.a. in der Mittel und Oberstufe nur begrenzt. Chemie wir als Nebenfach wahrgenommen in dem erhöhter Lernaufwand als Tortur und Überbewertung des Faches durch den Lehrer verstanden wird.
Ich kann das auch keinem Schüler verübeln ;) Ich im Grunde ja auch nicht. Auch ist mir das Wort "Theorie" eigentlich eine Nummer zu groß. Ich würde lieber von den grundlegenden Prinzipien oder Systematiken sprechen, um die zu erarbeiten das Experiment Anstoß geben und Hilfe sein soll.
Womit ich sagen will, dass Experimente für mich nur in diesem Kontext einen Sinn machen. Wer also das Experiment im Mittelpunkt sieht und die Systematik lediglich als notwendiges Übel, der sollte m.E. dem Chemieunterricht nach Möglichkeit aus dem Weg gehen. Eine Anregung, die ich übrigens nicht nur Schülern mit auf den Weg geben möchte.