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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Guter (Chemie)Unterricht


nobody
23.11.2008, 11:20
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal den Versuch machen, über guten (Chemie-)Unterricht in der Schule zu diskutieren. Das Ganze ist natürlich subjektiv, vielleicht gelingt es aber, einige Dinge heraus zu destillieren, die von vielen geteilt werden. Vielleicht bekommt der eine oder andere aber auch zu Gedanken, die er zuvor nicht hatte.

Ich schlage vor, dass wechselseitig Thesen zum Thema formuliert werden und diese zunächst diskutiert werden, bis keine neuen Argumente mehr genannte werden oder sich die Diskussion erschöpft. Erst dann sollte die nächste These formuliert werden, damit nicht immer alle TN sich zu verschiedenen Aspekten äußern und zu wenig Bezug aufeinander genommen wird.

@ FKS
Es wäre schade, wenn Sie sich nicht beteiligten, denn eine Gegenposition scheint mir unbedingt notwendig, wenn die eigenen Gedanken geprüft werden sollen. Also eine Art Advocatus diaboli (oder diabolus?).
Bei Thesen Ihrerseits würde ich mich ggf. in dieser Rolle versuchen.

Manche Thesen mögen banal erscheinen, sie sind aber nicht so gemeint, weil sie ein bestimmtes Grundverständnis betreffen.
Es geht also um Unterricht oder Chemieunterricht im Speziellen in der Schule. Wichtig erscheint mir, dass man auf der Grundlage der realen Situation diskutiert und nicht z. B. mit Aussagen kommt „Guter Unterricht ist möglich, wenn man nur 8 Schüler in einer Klasse hat“. Der These würde ich zwar zustimmen, sie ist aber gänzlich realitätsfern.

Gruß

arrhenius

nobody
23.11.2008, 11:22
Erste These:
Guter Unterricht führt zu einem Lernzuwachs bei möglichst vielen (im Idealfall allen) Schülern.

Erläuterung:
- Unter Lernzuwachs verstehe ich, dass der Schüler nach dem Unterricht mehr kann als zuvor.
- Lernzuwachs bezieht sich in dieser Beschreibung auf Fachwissen (Kenntnis von Begriffen, Prozessen und Konzepten, ...)
- Mit dem zweiten Teil der Hypothese ziele ich darauf ab, dass es nicht nur um einen Teil der Schüler geht, sondern dass der Unterricht diesen Lernzuwachs sowohl sehr guten, mittelmäßigen und auch schwachen Schülern ermöglichen soll und dies auch explizit beabsichtigt.

Gruß

arrhenius

zweiPhotonen
23.11.2008, 11:58
Hallo,

Erste These:
Guter Unterricht führt zu einem Lernzuwachs bei möglichst vielen (im Idealfall allen) Schülern.

Das ist nicht, was ich aufgrund des Titels erwartet habe.

Natürlich ist davon auszugehen, dass ein guter Unterricht einen größeren Lernerfolg mit sich bringt als schlechter. Je besser der Unterricht, desto mehr werden davon profitieren. Streitpunkt ist doch nur, nach welchen Kriterien dies beurteilt wird.

Die eigentliche Frage dreht sich doch aber darum, wie ein guter Unterricht gewährleistet werden kann:

- Wie schaffe ich als Dozent die notwendigen Grundlagen?
- In welcher Form vertiefe ich das Wissen und leite die Schüler (z.B.) im weiteren Umgang mit dem Stoff an?
- Und wie schaffe ich es, dass mir auch die Uninteressierten zuhören?

Vermutlich habe ich nun das didaktische Konzept der ersten beiden Beiträge durcheinander gebracht?

Grüße
Wolfgang

nobody
23.11.2008, 18:40
Dass guter UNterricht mehr ist als diese Aussage ist auch mir klar. Das Problem hier im Forum ist, dass in einer Diskussion eben immer alle Aspekte gleichzeitig in die Diskussion eingebracht werden und wenig zielführend diskutiert wird, weil gerade jeder an einer anderen Baustelle arbeitet.

Im Übrigen denke ich aber, dass man sich zunächst darüber verständigen muss, was guten Unterricht ausmacht und erst im nachfolgenden Schritt daran gehen kann, wie man das, was angestrebt werden soll, erreichen kann.

Gruß

arrhenius

Bergler
24.11.2008, 16:27
Es stellt sich mir die Frage: Wie definieren Sie als Lehrer "guten Unterricht"?

Für mich sieht guter Unterricht derart aus, dass die aktive Mitarbeit aller Schüler gefördert wird; d.h. der Lehrer sollte nicht nur an der Tafel stehen und den Schüler den Stoff um die Ohren hauen. In etwa in der Form::getthepoint:

Aktive Mitarbeit heißt, dass Zusammenhänge selbstständig erarbeitet werden,... (die Liste lässt sich lange fortsetzen)

Gruß Bergler

nobody
24.11.2008, 18:10
Hallo Bergler,

ich habe schon eine Definition guten Unterrichts, aber dieser Thread war ein Versuch, diese Diskussion noch einmal neu zu beginnen.
Wenn Du in ein paar anderen Threads schaust, dann siehst Du, dass hier immer wieder eine Situation entsteht, indem letztlich über guten Untericht gefochten wird. Und die Fronten sind betonfest, wie ich eben gerade wieder feststellen musste.

Da gibt es mit FKS eine Person, die die Versäumnisse schulischer Bildung der Nutzung eben der von Dir propagierten Methoden zuschreibt. Für FKS gibt es nur das Unterrichtsgespräch, in dem der Lehrer sorgfältig erklärt.
Daneben gibt es einige andere, die anderer Meinung sind und auch andere Formen des Unterrichts für sinnvoll halten, wie mich oder FabianH.

Die Diskussionen sind schon oft festgefahren und dies war ein Versuch meinerseits noch einmal ganz neu zu beginnen, indem nur über einzelne Thesen gesprochen wird, die dann immer weiter entwickelt werden können.

Dazu wäre aber die Gegenposition in Gestalt von FKS notwendig, der sich aber bislang nicht zu Wort gemeldet hat, aber sein Standardargument an anderer Stelle gerade wiederholt hat.


Gruß

arrhenius

Bergler
26.11.2008, 13:14
... Für FKS gibt es nur das Unterrichtsgespräch, in dem der Lehrer sorgfältig erklärt...


Das ist meines Erachtens nach ein Widerspruch in sich. Für ein Gespräch werden mindestens 2 Leute benötigt. Das was in diesem Falle gemeint ist (wenn ich das richtig verstanden habe) ist ein Monolog des Lehrkörpers, und der wird irgendwann auf Dauer langweilig. Egal, wie detailiert oder anschaulich die Erklärungen sind.
Dabei wundert es mich dann nicht, dass viele Schüler im Unterricht Schlafen oder alles andere machen.

Somit ist die von Ihnen gegebene These des guten Unterrichts auch nicht mehr erfüllt.
Erste These:
Guter Unterricht führt zu einem Lernzuwachs bei möglichst vielen (im Idealfall allen) Schülern.

Erläuterung:
- Unter Lernzuwachs verstehe ich, dass der Schüler nach dem Unterricht mehr kann als zuvor.
- Lernzuwachs bezieht sich in dieser Beschreibung auf Fachwissen (Kenntnis von Begriffen, Prozessen und Konzepten, ...)

Ihren Thesen kann ich mich bisher anschließen, aber es gilt die Frage zu klären, wie dieses Ziel erreicht wird. Nur das macht guten Unterricht aus.

Gruß Bergler

laborleiter
26.11.2008, 13:48
ich lese hier im forum immer wieder von fällen, in denen eine klausur geplant ist, zu deren vorbereitung die schüler sich den stoff aus irgendwelchen quellen zusammensuchen und ihn sich selbst nahebringen müssen.
es scheint dazu weder blätter vom lehrer zu geben (sind fotokopien denn zu teuer dafür?) noch auch nur den hauch eines bestrebens seitens des lehrers, den schülern tatsächlich etwas beizubringen.

aus dieser sicht kann ich FKS nur zustimmen.

viele "das-hat-uns-der-lehrer-aber-so-erklärt"-geschichten lösen sich dann in wohlgefallen auf, da sich herausstellt, daß der lehrer die schüler lediglich dazu genötigt hat, sich den stoff bei wikipedia oder ähnlichen nicht validen angeboten zu besorgen.
das ist eine schande.

nobody
26.11.2008, 13:54
es scheint dazu weder blätter vom lehrer zu geben (sind fotokopien denn zu teuer dafür?)
Es wird in den Schulen so schon zuviel mit Fotokopien gearbeitet. Wahrscheinlich zum Teil aus Bequemlichkeit der Lehrkörper.

Ich bin mehr so für klassisches Arbeiten mit Büchern und Mitschriften (von der Tafel).

Bergler
26.11.2008, 14:55
Es wird in den Schulen so schon zuviel mit Fotokopien gearbeitet. Wahrscheinlich zum Teil aus Bequemlichkeit der Lehrkörper.


Dem kann ich nur zustimmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lehrer den wahren Fotokopiewahn haben, und sich so lange Tafelanschriebe zum Leidwesen der Schüler sparen.

Ich bin mehr so für klassisches Arbeiten mit Büchern und Mitschriften (von der Tafel)

Selbst erarbeitetes hält sich besser (glaube ich). Aber in Zeiten der modernen Kommunikation sollte man das Internet aber nicht ganz vernachlässigen. Bei Recherchen sollte man aber allerdings darauf achten, seine Ergebnisse nicht von irgenwelchen dubiosen Seiten zu hohlen, sondern eher von bekannten Sites, wo z.T. auch Quellenangaben gegeben sind.

Gruß Bergler

laborleiter
26.11.2008, 14:58
trotzdem ist es die aufgabe des lehrers, den dort gesammelten stoff zu verwursten und den schülern zu erklären.
in den oben genannten fällen kommt mir die schule eher wie ein fernstudium vor...

Bergler
26.11.2008, 15:06
trotzdem ist es die aufgabe des lehrers, den dort gesammelten stoff zu verwursten und den schülern zu erklären.
in den oben genannten fällen kommt mir die schule eher wie ein fernstudium vor...

Es kommt aber immer noch auf das "wie" an. Wenn ein Lehrer nicht ausreichend erklären kann/will/..., wundert es mich nicht, dass manche Schüler im Internet nachrecherchieren, irgendwann bei Chemieonline landen nd einen Tread eröffnen mit dem Titel "Brauche Hilfe, schreibe morgen Klausur".

Es sei aber auch an die Vernunft der Schüler appeliert, nicht kurz von knapp auf Schulaufgaben und Co. zu lernen, sondern ein Stück vorher mit dem Lernen anzufangen. Soweit ich mich zurückerinnern kann, werden Schulaufgabentermine früh genug bekannt gegeben.

Gruß Bergler

nobody
26.11.2008, 15:19
Dem kann ich nur zustimmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lehrer den wahren Fotokopiewahn haben, und sich so lange Tafelanschriebe

Das stimmt zwar, aber das


zum Leidwesen der Schüler sparen.

würde ich nicht unterschreiben, denn der Schüler an sich schreibt natürlich nicht gerne von der Tafel ab. Ich habe auch erst im Studium einen guten Tafelanschrieb zu schätzen gelernt... Das brachte 1000 mal mehr als irgendwelche Powerpointpräsentationen und ins Netz gestellte Skripte.


Selbst erarbeitetes hält sich besser (glaube ich).

Richtig..


Aber in Zeiten der modernen Kommunikation sollte man das Internet aber nicht ganz vernachlässigen. Bei Recherchen sollte man aber allerdings darauf achten,

Ich stimme FKS zu; ich halte nichts davon Schüler "auf Recherche zu schicken". Um selber zu recherchieren und die Ergebnisse der Recherche zu verstehen und einordnen zu können, muß man eben erstmal ein paar Grundlagen gelernt haben.

Bergler
26.11.2008, 15:42
Dem kann ich nur zustimmen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lehrer den wahren Fotokopiewahn haben, und sich so lange Tafelanschriebe
Das stimmt zwar, aber das

Zitat:
zum Leidwesen der Schüler sparen.
würde ich nicht unterschreiben, denn der Schüler an sich schreibt natürlich nicht gerne von der Tafel ab. Ich habe auch erst im Studium einen guten Tafelanschrieb zu schätzen gelernt... Das brachte 1000 mal mehr als irgendwelche Powerpointpräsentationen und ins Netz gestellte Skripte.

Das bezog sich eigentlich auf finanzielle Belasungen. Bei 15€ Kopiekosten für ein Fach in einem Halbjahr kann man sich das ja mal ausrechnen.

Ich stimme FKS zu; ich halte nichts davon Schüler "auf Recherche zu schicken". Um selber zu recherchieren und die Ergebnisse der Recherche zu verstehen und einordnen zu können, muß man eben erstmal ein paar Grundlagen gelernt haben.

Hierbei wieder meine Meinung zum Unterrichtsgespräch: Die Ergebnisse der Recherche sollten im Zwiegespräch zwischen Schüler (Klasse) und Lehrer besprochen werden und auf Korrektheit überprüft werden. Die Recherche sollte aber wie von dir gefordert erst nach dem Anlernen von Gewissen Grundlagen erfolgen.

Gruß Bergler

Alchymist
26.11.2008, 16:25
Hallo zusammen,

Eigentlich haben alle Vorredner auf eine oder andere Art recht.
Ich will mal versuchen, einen Aspekt reinzubringen, der bei den Grundsatzdiskussionen gerne zu kurz kommt:

Gibt es überhaupt eine "richtige" Methode des Lehrens?

Ist es nicht vielmehr so, dass jeder anders lernt? Während man dem einen den Stoff in mundgerechten Stücken vorgekaut an die Tafel schreiben muss, macht sich die andere aus eigenem Interesse in die Spur und erarbeitet Stoff, der im Unterricht gar nicht behandelt wird. Der eine lernt visuell, der andere eher durch "hands-on". Der eine lernt langsam, der andere langweilt sich bei der x-ten Wiederholung zu Tode.

Ein guter Unterricht, nach der obigen Definition, der möglichst vielen Vieles bringt, muss daher vielfältig sein. Er muss den "Schwachen" ganz langsam die Grundlagen beibringen und die "Starken" trotzdem motivieren, bei der Stange zu bleiben und nicht abzuschalten. Das ist schwer und IMHO die hohe Kunst der Pädagogik, die nur wenigen gegeben ist (ich könnte es nicht ;-)

Die zweite Grundvoraussetzung ist die fachliche Qualifikation des (Chemie-)Lehrers. Wenn der Religionslehrer gerade mal zur Aushilfe in Chemie verdonnert wird, kann gar nichts dabei herauskommen (ich übertreibe hier mal etwas). In meiner Schulkarriere hatte ich genau einen Chemielehrer, der fachlich mehr wusste, als im Oberstufen-Chemiekurs gefordert war. Das war kein Lehrer, sondern eine promovierte Chemikerin. Die hatte aber massive pädagogische Schwächen...

Also aus meiner Sicht setzt guter Chemieunterricht dreierlei voraus:
1. einen guten Chemiker
2. einen guten Pädagogen
3. ein variables und vielfältiges pädagogisches Konzept.

nobody
26.11.2008, 18:12
ich lese hier im forum immer wieder von fällen, in denen eine klausur geplant ist, zu deren vorbereitung die schüler sich den stoff aus irgendwelchen quellen zusammensuchen und ihn sich selbst nahebringen müssen.
es scheint dazu weder blätter vom lehrer zu geben (sind fotokopien denn zu teuer dafür?) noch auch nur den hauch eines bestrebens seitens des lehrers, den schülern tatsächlich etwas beizubringen.

aus dieser sicht kann ich FKS nur zustimmen.

viele "das-hat-uns-der-lehrer-aber-so-erklärt"-geschichten lösen sich dann in wohlgefallen auf, da sich herausstellt, daß der lehrer die schüler lediglich dazu genötigt hat, sich den stoff bei wikipedia oder ähnlichen nicht validen angeboten zu besorgen.
das ist eine schande.

Es gibt diese Fälle, unbestritten, aber sie sind nicht der Normalfall.

Ich finde es schade, dass FKS - eine wie ich annehme nicht mehr im Schuldienst befindliche Person - mittlerweile mit seiner ewigen "Die-Lehrer-von-heute-sind -zu-faul-und-erklären-nicht-mehr-und-deshalb-müssen-die-Schüler-recherchieren-und-bleiben-dumm"-Litanei so unkritisch übernommen wird.


Wenn die gerade die Schüler, die hier die wirklich dämlichsten Fragen stellen, die häufig mit einer "Recherche" im eigenen Schulbuch, gegen die wohl keiner etwas einwenden kann, als Kronzeugen aufgerufen werden, dann fehlen mir die Worte. Welcher Schüler wird denn schon zugeben, dass er nichts versteht, weil er im Unterricht abgehangen hat und keine Hausaufgaben gemacht hat. Da ist doch Lehrer-Bashing viel einfacher.


Gruß

arrhenius

nobody
26.11.2008, 18:19
Das ist meines Erachtens nach ein Widerspruch in sich. Für ein Gespräch werden mindestens 2 Leute benötigt. Das was in diesem Falle gemeint ist (wenn ich das richtig verstanden habe) ist ein Monolog des Lehrkörpers, und der wird irgendwann auf Dauer langweilig.


Das Problem an dieser Stele ist, dass FKS selbst sich nicht zu Wort meldet. Ich möchte seine Position aber nicht einnehmen.


Ihren Thesen kann ich mich bisher anschließen, aber es gilt die Frage zu klären, wie dieses Ziel erreicht wird. Nur das macht guten Unterricht aus.

Gruß Bergler

Bislang war es ja nur eine These, aber ich betrachte meinen Versuch schon jetzt als gescheitert. Es ist auch hier wie immer bei diesen schulischen Fragen: eigene Erfahrungen werden mit angenommenen Missständen verwurstet und heraus kommt ein Gemisch aus Übertreibungen und Beschreibungen, die in der Schulwirklichkeit so nicht gegeben sind, garniert mit einer Lehrerschelte. So kann das Ganze - zumindest in meinem Sinne - nichts werden.

Gruß

arrhenius

nobody
26.11.2008, 18:22
Das bezog sich eigentlich auf finanzielle Belasungen. Bei 15€ Kopiekosten für ein Fach in einem Halbjahr kann man sich das ja mal ausrechnen.

Dann hätte es aber zumindest in den meisten Fällen zum Leidwesen der Eltern heißen müssen. ;)

zweiPhotonen
26.11.2008, 18:40
Es wird in den Schulen so schon zuviel mit Fotokopien gearbeitet. Wahrscheinlich zum Teil aus Bequemlichkeit der Lehrkörper.


Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lehrer den wahren Fotokopiewahn haben, und sich so lange Tafelanschriebe zum Leidwesen der Schüler sparen.

Aber erst, seitdem die Fotokopien weniger als 30 Pf/Seite kosten. In den Anfangszeiten haben die Lehrer bis zu 8 Buchseiten auf ein DIN-A4-Blatt gequetscht, und dabei auch noch das Kopie-einer Kopie-einer Kopie-..-Prinzip angewandt.
Dann doch lieber die Hektographie.

Aber ich vermisse immer noch Konzepte, Beispiele oder Anregungen zu:

Die eigentliche Frage dreht sich doch aber darum, wie ein guter Unterricht gewährleistet werden kann:

- Wie schaffe ich als Dozent die notwendigen Grundlagen?
- In welcher Form vertiefe ich das Wissen und leite die Schüler (z.B.) im weiteren Umgang mit dem Stoff an?
- Und wie schaffe ich es, dass mir auch die Uninteressierten zuhören?


Stattdessen habe ich ich den Eindruck, dass arrhenius hier lediglich Bekehrungs"arbeit" leisten möchte.

Wolfgang

Daniel Horn
26.11.2008, 20:08
Alchymist, diese Vielfalt muss doch nicht nur zu Lasten des Lehrers sein. Ein wirklich guter Chemieunterricht basiert auch auf einer guten Klassengemeinschaft. Je weniger Schüler, desto besser. In meinem Chemie Leistungskurs sind wir nur zu acht. Du hast mit deiner mathetischen Heterogenität natürlich recht.

Um dabei Abhilfe zu schaffen würde ich vorschlagen dass bessere Schüler als Mentoren für schlechtere fungieren, was natürlich nicht ohne eine positive, mündliche Bewertung verbleibt. Der Lehrer ist mit seiner Pädagogik darauf fokussiert, das Interesse an der Chemie und am Lehrstoff zu erwecken bzw beizubehalten, was beispielsweise durch ausreichenden Einsatz von Medien erzielt werden kann.

timobretten
26.11.2008, 20:47
Stattdessen habe ich ich den Eindruck, dass arrhenius hier lediglich Bekehrungs"arbeit" leisten möchte.

Wolfgang

Der Thread hätte auch heißen können: "FKS, Du hast Unrecht - bitte melde dich" ;)

Guter Unterricht...


Wir hatten in meinem ChemieLK genau das Problem:
Ich war von uns 10 eigentlich der einzige, der den Stoff verstanden hat. Ich habe mich erst sehr lange gelangweilt und bin danach von der Lehrerin immer aktiver ins Geschehen eingebunden worden: Sie hat mich "zum Mentor gemacht" und mir hat das auch sehr gelegen.
Ich hatte fürmich selbst einen riesigen Lernerfolg, weil ich mich so mit dem Stoff auseinandersetzten musste, dass ich ihn auch weiter geben kann. Also viel tiefgehender.
DasProblem war nur:
Auch ich und meine Erklärungen wurden nicht so richtig gut verstanden ;)
Schüler sind halt Schüler. In wie weit sie als "Mentoren" geeignet sind, ist die Frage. Zwar kann ich den Stoff vielleicht ganz gut - aber längst nicht so gut, wie ein Studierter ... und bei den meisten Schülern haperts erst recht an der Pädagogik ...
Gruß,
timo

nobody
27.11.2008, 11:26
Der Thread hätte auch heißen können: "FKS, Du hast Unrecht - bitte melde dich" ;)



Ich nehme den Spott mal an, es ist ja sogar was dran.

Wir hatten hier mehrmals heftige Diskussionen, und daraus ist dieser Therad entstanden. Meine Absicht war, das Ganze zielgerichtet zu machen und wirklich konstruktiv zu diskutieren.
Ansonsten läuft es halt immer so, dass FKS bei vielen sich bietenden Gelegenheiten seine - so wie ich es sehe - nur schwer belegbaren Überzeugungen als Wahrheiten verkauft und die immer gleichen Vorurteile über den heutigen schlechten Unterricht wiederholt, welcher sich seiner Meinung nach an den hier offensichtlcihen Mängeln der Fragenden zeigt.

Er hat sich aber offensichtlich entscheiden, heir nichts beizutragen, sein gutes Recht wie ich meine.

Gruß

arrhenius

laborleiter
27.11.2008, 11:42
FKS äussert seine ansichten, wann er will. als wahrheiten verkauft er sie in meinen augen nicht.

im übrigen finde ich, daß er richtig handelt und sich hier nicht meldet; dient dieser thread lediglich dazu, seine ansichten zu demontieren. ich würde genauso handeln, würde mich ein unbelehrbarer als unbelehrbar einstufen. daß dies zu nichts führt, ist normal und richtig so.

liebe grüsse
jan

zweiPhotonen
27.11.2008, 12:27
Ich nehme den Spott mal an, es ist ja sogar was dran.

Das ist schwach, da hatte ich mehr Substanz erwartet.

Wenn schon nichts (mehr?) zum Thema der Diskussion kommt:

.. den heutigen schlechten Unterricht wiederholt, welcher sich seiner Meinung nach an den hier offensichtlcihen Mängeln der Fragenden zeigt.

Woran liegt es denn Deiner Meinung nach?

Es ist doch tatsächlich so, dass Fragen von Schülern oder Studienanfängern
- teilweise grundlegende Dinge vermissen lassen
- unverständlich formuliert sind, indem der Aufgabentext verfälscht wiedergegeben wird
- es durchaus auch mal zulassen, dass man am Verstand des Lehrers Zweifel hat

Muss ich hier tatsächlich eine Linie ziehen und sagen, dass hier nur die Internet-süchtigen, unverbesserlichen Chemie-nichtversteher in Erscheinung treten und die guten Schüler aus dem guten Unterricht der guten Lehrer das Forum nicht nötig haben, weil sie z.B. im Mortimer lesen und bei der Chemie-Olympiade oder Jungend-forscht teilnehmen?

Wolfgang

nobody
27.11.2008, 12:40
Jetzt ein Paar Dinge zur Sache.

Guter Chemieunterricht

- setzt fachlich gut ausgebildete Lehrkräfte voraus, die Freude an der Arbeit haben.
- setzt Lehrkräfte voraus, die neben dem Fachwissen über didaktische Kenntnisse verfügen, also ein vielfältiges Methodenrepertoire besitzen, um typische Fehlvorstellungen wissen, didaktische Reduktionen vornehmen können, ...
- benötigt eine bestimmte Mindestausstattung bezüglich Räumen und Gerätschaften.
- ist abwechslungsreich, d. h. es gibt einen Wechsel der Unterrichtsgestaltung und Arbeitsformen, die Schüler unterschiedlich ansprechen und fordern.
- ermöglicht Schülerversuche; diese können vorgegeben werden oder es ist die Aufgabe für die Schüler, ein entsprechendes Experiment zu planen und durchzuführen.
- ermöglicht einen hohen Gesprächsanteil für Schüler, d. h. die Kommunikation läuft nicht zu jeder Zeit über den Lehrer.
- erklärt auch Phänomene des Alltags oder entwickelt anhand von Alltagsphänomen wichtige Fachinhalte.
- braucht Phasen der Vermittlung durch den Lehrer, insbesondere bei neuen, komplexen Themen und Konzepten.
- sichert ein Grundwissen, welches immer eingefordert werden kann.
- schafft Bezüge zu anderen Wissenschaften.
- sorgt für eine Vernetzung der einzelnen Themen durch die Vermittlung grundlegender Prinzipien und Denkweisen (Basiskonzepte).
- fordert nicht nur Faktenwissen, sondern ein Wissen um die Bezüge zwischen den Einzelaspekten.
- hat ausreichende Übungsphasen.
- sorgt möglichst dafür, dass alle Schüler etwas lernen. Dazu ist es notwendig, zu differenzieren.
- leitet Schüler dazu an, begrenzte Fragestellungen allein oder in der Gruppe mit Hilfe zu suchender oder vorgegebener Materialien zu bearbeiten.
- fordert von Schülern die Fähigkeit, ihr Wissen adressatengerecht und situationsangemessen darstellen zu können.

Es gibt sicher noch mehr dazu, aber im Moment ist nicht mehr Zeit, deshalb war es das erst mal.

Gruß

arrhenius

nobody
27.11.2008, 12:45
Woran liegt es denn Deiner Meinung nach?

Es ist doch tatsächlich so, dass Fragen von Schülern oder Studienanfängern
- teilweise grundlegende Dinge vermissen lassen
- unverständlich formuliert sind, indem der Aufgabentext verfälscht wiedergegeben wird
- es durchaus auch mal zulassen, dass man am Verstand des Lehrers Zweifel hat


Kein Widerspruch.
Ich habe mich nur immer dagegen ausgesprochen, daraus den Schluss zu ziehen, dass das die Ergebnisse eines Unterrichts sind, der neben dem klassischen Unterrichtsgespräch auch andere Formen des Lernens ermöglicht.


Muss ich hier tatsächlich eine Linie ziehen und sagen, dass hier nur die Internet-süchtigen, unverbesserlichen Chemie-nichtversteher in Erscheinung treten und die guten Schüler aus dem guten Unterricht der guten Lehrer das Forum nicht nötig haben, weil sie z.B. im Mortimer lesen und bei der Chemie-Olympiade oder Jungend-forscht teilnehmen?

Wolfgang


Nein, ich habe das auch nicht getan. Ich habe lediglich weitere Erklärungsmöglichkeiten genannt und eine davon - als Teil eines multikausalen Prozesses - als sehr wichtig herausgehoben: den zunehmenden Fernseh- und Computergebrauch.

Gruß

arrhenius

nobody
27.11.2008, 12:49
FKS äussert seine ansichten, wann er will. als wahrheiten verkauft er sie in meinen augen nicht.


Das ist ihm auch freigestellt, ich habe es ja selbst geschrieben.

Zum Thema Wahrheiten sind wir offensichtlich anderer Meinung.


im übrigen finde ich, daß er richtig handelt und sich hier nicht meldet; dient dieser thread lediglich dazu, seine ansichten zu demontieren. ich würde genauso handeln, würde mich ein unbelehrbarer als unbelehrbar einstufen. daß dies zu nichts führt, ist normal und richtig so.

liebe grüsse
jan

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum du das behauptest: gibt es in diesem Thread irgendeine Aussage, die diesen Schluss nahelegt?´

Von mir aus war es wirklich so gemeint, die immer wieder aufflammenden Meinungsunterschiede zu versachlichen und Argumente gegeneinander abzuwägen. Wenn du mich als unbelehrbar ansiehst, kann ich das nicht ändern, weiß aber nicht, wie du dazu kommst.

Gruß

arrhenius

Daniel Horn
27.11.2008, 18:39
Könnte mir bitte jemand die "Vorgeschichte" dazu kurzfassen? Wieso wird FKS hier so kontrovers erwähnt?

- sorgt möglichst dafür, dass alle Schüler etwas lernen. Dazu ist es notwendig, zu differenzieren.

Bitte konkreter.

Allgemein sind diese Kriterien ja sehr gut getroffen :cool:

In wie weit sie als "Mentoren" geeignet sind, ist die Frage.

Genau. Ich stimme dir zu dass Schüler wohl keine oder zu geringe didaktischen Erfahrungen haben. Es ist ja meines Erachtens nach auch sehr bedauernswert dass diese nicht zum Repartoire der schulischen Ausbildung zählen ;)
Dabei wäre gegenseitige Hilfe wirklich erstrebenswert.

nobody
28.11.2008, 18:12
Bitte konkreter.



Lerngruppen sind auch im dreigliedrigen Schulsystem oder in meinem Beispiel am Gymnasium sehr heterogen. Arbeitet man mit der ganzen Klasse, stellt sich das Problem, dass man meistens ein mittleres Niveau fährt, welches für den überwiegenden Teil der Schüler passt. Einige bessere Schüler sind deutlich unterfordert, manche langweilen sich deutlich. Die schwächeren Schüler sind bei diesem Niveau meistens überfordert, ein ständiges auf Sie Eingehen ist aber nicht immer möglich, weil dann noch mehr sich langweilen.

Aus diesem Grund kann das Unterrichtsgespräch nicht die alleinige UNterrrichtsform sein.

Differenzierung bedeutet nun, dass man z. B. bei Gruppenphasen oder Übungsphasen den schwächeren Schülern weniger abverlangt, aber so viel, dass sie das Minimum, welches erreicht werden soll, erreichen können. Möglich ist auch, ihnen für die Bearbeitung gestufte Hilfen zukommen zu lassen, die sie erst abrufen, wenn sie nicht weiter kommen. Besseren Schülern kann man Zusatzaufgaben geben.
Es geht darum ein Anspruchsniveau zu finden, welches die Schüler fordert und ihnen die Chance bietet, dies auch zu erreichen. Ist es nicht erreichbar, gibt es keine Motivation, sich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen.
Da Schüler unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, folgt daraus für mich, dass man das Anspruchsniveau anpassen muss. Wie im Sporttraining: man müsste eigentlich individuelle Trainingspläne erstellen, um individuelle Verbesserungen zu erreichen. In der Schule ist das aber so nicht möglich.

Man kann aber auch gute Schüler in den Lernprozess der anderen einbinden, indem sie z. B. beim Verstehen des Stoffes helfen. Das darf aber nicht dazu führen, dass sie immer diesen Job übernehmen müssen, und es zu solch einem Negativbeispiel, wie es hier genannt wurde, kommt.

Gruß

arrhenius

hannez
16.11.2009, 23:01
Jetzt ein Paar Dinge zur Sache.

Guter Chemieunterricht

- setzt fachlich gut ausgebildete Lehrkräfte voraus, die Freude an der Arbeit haben.
- setzt Lehrkräfte voraus, die neben dem Fachwissen über didaktische Kenntnisse verfügen, also ein vielfältiges Methodenrepertoire besitzen, um typische Fehlvorstellungen wissen, didaktische Reduktionen vornehmen können, ...
- benötigt eine bestimmte Mindestausstattung bezüglich Räumen und Gerätschaften.
- ist abwechslungsreich, d. h. es gibt einen Wechsel der Unterrichtsgestaltung und Arbeitsformen, die Schüler unterschiedlich ansprechen und fordern.
- ermöglicht Schülerversuche; diese können vorgegeben werden oder es ist die Aufgabe für die Schüler, ein entsprechendes Experiment zu planen und durchzuführen.
- ermöglicht einen hohen Gesprächsanteil für Schüler, d. h. die Kommunikation läuft nicht zu jeder Zeit über den Lehrer.
- erklärt auch Phänomene des Alltags oder entwickelt anhand von Alltagsphänomen wichtige Fachinhalte.
- braucht Phasen der Vermittlung durch den Lehrer, insbesondere bei neuen, komplexen Themen und Konzepten.
- sichert ein Grundwissen, welches immer eingefordert werden kann.
- schafft Bezüge zu anderen Wissenschaften.
- sorgt für eine Vernetzung der einzelnen Themen durch die Vermittlung grundlegender Prinzipien und Denkweisen (Basiskonzepte).
- fordert nicht nur Faktenwissen, sondern ein Wissen um die Bezüge zwischen den Einzelaspekten.
- hat ausreichende Übungsphasen.
- sorgt möglichst dafür, dass alle Schüler etwas lernen. Dazu ist es notwendig, zu differenzieren.
- leitet Schüler dazu an, begrenzte Fragestellungen allein oder in der Gruppe mit Hilfe zu suchender oder vorgegebener Materialien zu bearbeiten.
- fordert von Schülern die Fähigkeit, ihr Wissen adressatengerecht und situationsangemessen darstellen zu können.


Sehr interessanter Thread. Und ich möchte als angehender Pädagoge doch auch mal meinen Senf dazu geben. Zum einen muss ich obigen Zitaten zustimmen: Das Hauptkriterium kann bei heutigen heterogenen Klassen und unterschiedlichsten Lerntypen nur sein, möglichst vielfältige (wohldurchdachte) Methoden einzusetzen. Die eine Unterrichtsmethode wird es nie geben!

Sehr zu empfehlen ist btw auch das Buch "Was ist guter Unterricht?" von H. Meyer. Steht in jeder guten Universitätsbibliothek.

Einen ketzerischen Kommentar möchte ich mir dann doch erlauben: Wenn man darüber spricht, was guter Chemieunterricht ist, so muss doch über die Ziele einvernehmen herrschen. Ich habe das Gefühl, dass hier im Thread völlig unterschiedliche Auffassungen über die Ziele von Chemieunterricht bestehen. Klar, für möglichst viel reines, kurzfristig verfügbares Faktenwissen ist Frontalunterricht geeignet und hat seine Berechtigung.

Was ist aber mit Zielen wie "Experimentieren können?", "Wissenschaftlich arbeiten", "Teamfähigkeit entwickeln", "Chemische Arbeitsweise kennen lernen", "Chemisches Weltbild als einen Zugang zur Wirklichkeit ansehen"... All diese - vielleicht viel nachhaltigeren und wichtigeren Ziele als das bloße Faktenwissen - lassen sich im Frontalunterricht nur schwer fördern...

Friedrich Karl Schmidt
16.11.2009, 23:25
Klar, für möglichst viel reines, kurzfristig verfügbares Faktenwissen ist Frontalunterricht geeignet und hat seine Berechtigung. Ich frage mich , was Sie dazu befähigt, ein solches Urteil über den "Frontalunterricht" abgeben zu können, in dem Sie ja anscheinend zu vermitteln versuchen, dass der Frontaunterricht zu nichts anderem tauge.
Was ist aber mit Zielen wie "Experimentieren können?", "Wissenschaftlich arbeiten", "Teamfähigkeit entwickeln", "Chemische Arbeitsweise kennen lernen", "Chemisches Weltbild als einen Zugang zur Wirklichkeit ansehen"... All diese - vielleicht viel nachhaltigeren und wichtigeren Ziele als das bloße Faktenwissen - lassen sich im Frontalunterricht nur schwer fördern... Mag ja sein, dass Sie persönlich sich dazu nicht in der Lage fühlen, nur sollten Sie das nicht auch in Bezug auf andere behaupten....

Gruß FKS

hannez
16.11.2009, 23:38
Mag ja sein, dass Sie persönlich sich dazu nicht in der Lage fühlen, nur sollten Sie das nicht auch in Bezug auf andere behaupten....


Dann wäre ich Ihnen sehr dankbar, mich teilhaben zu lassen. Wie kann ich als Lehrer im Frontalunterricht Schülern die Fähigkeit vermitteln, zu experimentieren, ohne dass diese tatsächlich selbst experimentieren? (Denn dann wäre es ja bereits kein Frontalunterricht mehr...) Bei den anderen von mir genannten Lernzielen stellt sich dieser grundsätzliche Konflikt weitaus stärker dar.

Zumindest mir ist keine einzige Studie bekannt, die die Wirksamkeit von Frontalunterricht auf die "soft-skills" belegen würde. Ihnen?

Friedrich Karl Schmidt
17.11.2009, 20:25
Dann wäre ich Ihnen sehr dankbar, mich teilhaben zu lassen. Wie kann ich als Lehrer im Frontalunterricht Schülern die Fähigkeit vermitteln, zu experimentieren, ohne dass diese tatsächlich selbst experimentieren? Dafür gibt es ein Praktikum, in dem ich in meiner 25- jährigen Lehrerzeit mich allerdings auch nicht gescheut habe, die Handhabung der einzelnen Geräte vom Brenner angefangen über die diversen Volumenmessgeräte bis hin zur Analysenwaage erst einmal bis ins Detail per Frontalunterricht zu erklären und auch die Schülerversuche in "Frontstellung" ausführlich vorzubesprechen.Zumindest mir ist keine einzige Studie bekannt, die die Wirksamkeit von Frontalunterricht auf die "soft-skills" belegen würde. Ihnen? Vergessen Sie diese Studien, die von interessierten Kreisen aus Erziehungswissenschaften und Fachdidaktiken mit vorbestimmten Ergebnis inzeniert werden.
Insbesondere die "Branche" der univesitären Chemiedidaktik kenne ich gut genug, um zu wissen, dass dort Blinde von der Farbe reden, alldieweil die weit überwiegende Mehrzahl dieser Leute nur über unterdurchschnittliche Fachkenntnisse zur Chemie verfügt und viele noch nicht einmal eine einzige Klasse in eigenverantwortlichem Unterricht zu einem Abschluss geführt haben.

Was ich bisher in Schriften von Ralle, Parchmann, Dehmut, H.J. Schmidt, Schmidkunz, Eilks,, Melle, Scharf, Woyke und Co gelesen und in Diskussionen mit diesen Personen erlebt habe, hat mich aller Hoffnungen beraubt, dass von dem Maistream der Chemiedidaktik deutscher Hochschulen auch nur ein einziger postiver Impuls für den Chemieunterricht ausgehen könnte.

Im Übrigen : Ich habe in meinem 25 - jährigen Lehrerdasein gut zwei Dutzend Vorträge auf Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer an Gymnasien gehalten , in 4 Lehrplankommissionen gesessen und mich anschließend 5 Jahre mit dem Establishment der Chemiedidaktik herumgeschlagen. Jetzt arbeite ich schon vier Jahre intensiv in diesem Forum. Ich weiß also , wie der Hase lief und läuft.

Gruß FKS

hannez
19.11.2009, 00:37
[...] hat mich aller Hoffnungen beraubt, dass von dem Maistream der Chemiedidaktik deutscher Hochschulen auch nur ein einziger postiver Impuls für den Chemieunterricht ausgehen könnte.


Dort muss ich Ihnen vehement widersprechen. Nur: Da Sie offenbar keinerlei Argumente aus der Erziehungswissenschaft/Didaktik gelten lassen und stattdessen mit Ihren eigenen Erfahrungen argumentieren, wird diese Diskussion nicht sehr fruchtbar und zielführend.

Womit belegen Sie Ihre These von "inszenierten" Studien? Dies scheint mir doch eher Ihre persönliche Ansicht zu sein denn eine argumentativ verwertbare Tatsache.

Ich hingegen möchte Sie mit einigen Tatsachen konfrontieren: Zum einen haben sich die Zielsetzungen von Unterricht gewandelt. Fachwissen ist nicht mehr der alleinige Prädiktor für die Planung von Unterricht. Dies ist psychologisch fundiert (nachzulesen z.B. bei Kircher, "Physikdidaktik", dessen Ergebnisse sich in weiten Teilen auf den Chemieunterricht übertragen lassen). Zum anderen wurden gerade an sogenannten Reformschulen, die explizit weniger Wert auf Fachwissen legen, durchweg deutlich bessere Ergebnisse im fachwissenschaftlichen Bereich erzielt als an solchen Schulen, in denen das reine Fachwissen in den Vordergrund gerückt wurde. Nachzulesen ist dies u.a. in der viel zitierten PISA-Studie (von der ich ansonsten allerdings nicht allzuviel halte), aber auch in diversen anderen empirisch abgesicherten Studien.

Von einer pauschalen Verurteilung der erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Forschung halte ich nichts und dies ist - bezogen auf unseren Diskussionsgegenstand - auch absolut unproduktiv.

Ich möchte hiermit nicht Ihre persönlichen Erfahrungen kritisieren und muss ehrlich zugeben, dass ich nicht über eine so lange Erfahrungszeit als Unterrichtender verfüge. Trotz allem glaube ich, dass meine in vorigen Beiträgen gemachten Ausführungen berechtigt sind und wir im Chemieunterricht viel mehr darüber nachdenken müssen, die Schüler von reinen Fachidioten (das werden sie ggf. dann sowieso im Studium) zu im weiteren Sinn kompetenteren Persönlichkeiten zu erziehen. Die von mir oben ausgeführten Ziele haben also ihre volle Berechtigung und müssen durch eigenes Tun der Schüler, durch eigene Arbeit in Gruppen und Projekten gefördert werden.

Frontalunterricht hat seinen Platz. Aber er ist eben nur eine mögliche Art neben vielen anderen, Unterricht zu gestalten. Und: Nur auf eine Art zu kommunizieren wird auf Dauer doch auch langweilig?!

Friedrich Karl Schmidt
27.11.2009, 11:54
Dort muss ich Ihnen vehement widersprechen. Nur: Da Sie offenbar keinerlei Argumente aus der Erziehungswissenschaft/Didaktik gelten lassen und stattdessen mit Ihren eigenen Erfahrungen argumentieren, wird diese Diskussion nicht sehr fruchtbar und zielführend. Sie irren. Denn das, was Sie als "Argumente aus der Erziehungswissenschaft" bezeichnen, sind für mich nichts anderes als Behauptungen , die von einer ideologiegeleiteten Gruppe von Professoren stammen, die recht besehen nichts anderes als ihre Meinung verkünden und genau so wie andere den Beweis für die Richtigkeit ihrer Darlegungen schuldig bleiben.
Wenn man sich einmal die Entwicklung der letzten Jahrzehnte anschaut, dann wird man feststellen, dass die Ergebnisse der Erziehung von Kindern und Jugendlichen ziemlich ernüchternd sind. Wobei man nun durchaus darüber streiten kann, welches Maß an Verantwortung für die Misslichkeiten der derzeitigen Situation dem Mainstream der Erziehungswissenschaft zukommt. Aber es ist doch unübersehbar, dass sich die seit Jahrzehnten dominierende Richtung der Erziehungswissenschaft heute mit Problemen herumschlägt, die wir noch gar nicht hatten, als diese Orientierung der Erziehungswissenschaft noch nicht in der Vorhand war.

Bevor ich zur Chemiedadaktik komme, muss ich erst einmal unterbrechen, denn für 12 Uhr ist eine Stromabschaltung angekündigt.

Gruß FKS

Friedrich Karl Schmidt
28.11.2009, 12:30
Dort muss ich Ihnen vehement widersprechen. Nur: Da Sie offenbar keinerlei Argumente aus der Erziehungswissenschaft/Didaktik gelten lassen und stattdessen mit Ihren eigenen Erfahrungen argumentieren, wird diese Diskussion nicht sehr fruchtbar und zielführend. Wie in Beug auf die Erziehungswissenschaft, so irren Sie auch in Bezug auf die Didaktik. Es wäre ja auch grotesk, wenn ich mich Argumenten "aus der Didaktik" grundsätzlich verschließen würde. Das tue ich natürlich nicht. Nur müssen dies dann auch konkrete Argumente sein und nicht nur allgemeine Hinweise auf Studien. an deren Seriosität zu zweifeln es in der Tat gute Gründe gibt. Dazu zwei Beispiele :

1. Noch zu meiner Lehrerzeit versendete der Professor H.J. SCHMIDT , seines Zeichens Professor für Didaktik der Chemie an der Universität Dortmund, Fragenkataloge an Lehrer , mit der Bitte, diese Fragen von Schülern bearbeiten zu lassen. Dabei wurde ausdrücklich darum gebeten, dass die Schüler auch diejenigen Fragen bearbeiten sollten, deren Thematik im Unterricht noch nicht behandelt worden war. Eine Möglichkeit , auf diesen Sachverhalt hinzuweisen, war weder für die Schüler noch für den Lehrer vorgesehen.
Ich denke, dass man dies nicht weiter kommentieren muss.

2. In MNU war eine Publikation aus der Chemiedidaktik der Universität Oldenburg zu lesen. Es ging um die Frage , welcher Stoff in den Dampfblasen des siedenden Wassers enthalten ist.
Angeblich hatte eine Untersuchung ergeben , dass mehr als die Hälfte der Chemiestudenten des ersten Semesters diese Frage nicht korrekt beantwortet könne. Bei den Oberstufenschülern soll der Prozentsatz noch höher gewesen sein. Aus diesen "Ergebnis" wurde dann der Schluss gezogen, dass " es anscheinend an überzeugenden Konzepten " für den entsprechenden Lehr-/Lernprozess fehle.
Dann kam ein ( für mich ) ermüdend langatmiger Artikel, in dem beschrieben wurde, wie man diesem Problem wirksam abhelfen könne. Dessen Höhepunkt dann der experimenntelle Nachweis des kondensierenden Wassers mit wasserfreiem Kupfersulfat war, das bekanntlich durch Wasseraufnahme in das blaue Pentahydrat übergeht.
Die dem Artikel zu Grunde liegende Arbeit, war übrigens von der GDCH gefördert . Von den Autoren des Artilkel wurde mindestens einer sehr bald danach Ptofessor an einer PH.

Dazu erst einmal nur soviel : Die Befragung halte ich für getürkt. Mag aber auch sein, dass vielen der Befragten die Frage so banal vorgekommen ist, dass sie es für geboten gehalten haben, an Stelle der korrekten Antwort "Wasser" die vermeintlich ausführlichere Antwort "Wasserstoff und Sauerstoff" zu geben.

Aber Zweifel an der Seriösität bleiben auch bei dieser "Untersuchung", zumal diese ja gar nicht anders ausgehen durfte, da man ja etwas brauchte, um die angebliche Notwendigkeit einer entsprechenden "Forschungsarbeit" zu begründen.

Denn schließlich ist ja nicht unmittelbar einzusehen, dass man überhaupt ein gestelltes Experiment benötigt, um Schüler daran zu erinnern - denn mehr ist ja gar nicht nötig - , dass bei der Kondensation von Wasserdampf flüssiges Wasser entsteht. Was übrigens viel einfacher
- auch im Unterricht - zu zeigen wäre, als dies mit der Farbänderung bei der Hydratisierung von Kupfersulfat geschieht

Die beiden Beipiele sind insofern typisch , als die meisten Fachbereiche der Chemiedidaktik deutscher Hochschulen ständig unterwegs und krampfhaft bemüht sind , vermeintliche "Lernhindernisse" aufzutun, um diese dann beforschen zu können.
Was in den Publkationen der Uni - Fachbereiche an angeblichen Problemem an den Haaren herbeigezogen und herumgespalten wird, welche Banalitäten und Binsenweisheiten da bteit getreten werden, passt weder auf die sprichwörtliche Kuhhaut, noch taugt es für den Unterricht.

Gruß FKS