Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chemie gegen Physik
nobody
29.09.2000, 13:17
Liebe Mitglieder bei Chemieonline!
Ich habe da ein sehr unangenehmes Problem mit einem Physiker!
Als ich auf die Frage - was ich studieren wolle - mit "Chemie" anwortete - ging ihm eine Art <schadenfrohes> Grinsen übers Gesicht.
Er musste sich das Lachen verkneifen!
Dann begann er zu erklären.....
Chemie sei nur so eine Art Hilfswissenschaft - wie er es bezeichnete - und sie stehe vollkommen im Schatten - der Naturwissenschaft schlechthin - der Physik!!
Da begann es in mir so richtig zu brodeln.....(jedoch war die Wut noch in Zaum zu halten)
Nun ... mit einigem Abstand, möchte ich euch um Kommentare bzw.genauere Aufklärung bitten!!
Sehrwohl habe ich gelesen, dass Physik die älteste Naturwissenschaft ist....sie auch eine Art Basis der modernen Naturwissenschaften darstellt - aber man kann Chemie nicht als eine Hilfswissenschaft darstellen!
Ich hoffe ihr könnt mir da einige gute Argumente schreiben, dass ich beim nächsten Treffen, ihm auch die Mängel und Unzulänglichkeiten seiner - ach so genialen Wissenschaft - vor Augen führen kann.
Ihm also beweisen kann, dass es in der Naturwissenschaft einfach nicht ohne Chemie geht!!
Ich hoffe auf zahlreiche Antworten!
cu Grüsse Rainer
Derpel
29.09.2000, 13:33
Dieses Licht ist mir letztens auch aufgegangen, das die Chemie irgendwann nutzlos wird. Denn wenn die Physik in der Lage ist, Atome und Elektronen so umzulagern wie es ihnen passt, braucht man die Chemie wirklich nicht mehr.
Doch ich glaube bis wir so weit sind, braucht man Ewigkeiten.
Also denke ich nicht das Chemie nur eine Hilfswissenschaft ist. Versuch z.B. mal ne physikalische Bombe zu bauen. Das wird reichlic schwer fallen (So nach dem Motto: Luftdruckbombe)
nobody
29.09.2000, 21:38
Chemie ist eigentlich nichts anderes als angewandte Physik.
Es gibt aber einen Vorteil, den die Chemiker gegenüber den Physikern haben: sie dürfen Phantasie haben.
Noch bevor der Physiker jede Einzelheit berechnet hat und jede Kleinigkeit, jedes Für und Wider abgewogen hat, hat der Chemiker mit gutem Gewissen schon ein Modell erfunden, das die entsprechenden Phänomene anschaulich erklärt. Dabei macht er so viele Vereinfachungen und vernachlässigt so viele Parameter, dass dem Physiker die Haare zu Berge stehen, aber das Modell funktioniert.
Schon allein das Wort "Elektronegativität" muss doch in einem Physiker Übelkeit hervorrufen. Während er sich noch die Haare rauft, hat der Chemiker mit ihrer Hilfe schon das betrachtete Phänomen anschaulich gedeutet.
[This message has been edited by Dirk (edited 29-09-2000).]
Jens
30.09.2000, 11:42
Meiner Meinung nach, ohne Fabio zu nahe zu treten zu wollen, ist die einzige Hilfswissenschaft Mathe. Denn Mathe ist eigentlich nur dazu da, um uns die chem. und phys. Abläufe und Theorien anhand von Zahlen bzw. Rechenbeispielen zu verdeutlichen.
Ich finde Chemie kommt nicht ohne Physik aus und umgekehrt. Man kann ja zB. statt Kernphysik auch Kernchemie sagen.
Ich hoffe, daß dein Lehrer einsichtig wird
und nicht weiter versucht sein Fach als das einzig wahre darzustellen, was bei Lehrern aber häufiger vorkommt.
[This message has been edited by chemboy (edited 30-09-2000).]
nobody
06.10.2000, 08:48
Ja, die Chemie ist angewandte Physik, um genau zu sein Quantenphysik. Dennoch ist die Chemie mindestens genau so wichtig, da es absolut unnötig ist, alle Reaktionen quantenphysikalisch aufzubereiten. Da ist als wenn du Kohle abbauen willst und einen Zahnarztbohrer benutzen würdest: Genau aber uneffektiv.
Man sollte sich aber immer bewusst sein, dass man die Eigenschaften der Atome, dem Baustein der Chemiker, auf noch kleinere Bausteine zurückführen kann!
Auf jeden Fall kannst Du dem Physiker ganauso stolz entgegengrinse!
nobody
18.10.2000, 21:54
Ich stimme ueberein, dass Mathe eine Hilfswissenschaft ist. Wo genau der Unterschied zwischen Physik und Chemie liegt, ist ein Knackpunkt. An meiner Uni (Kaiserslautern) ist zum Beispiel an einem der Physik - Lehrstuehle die Haelfte der Doktoranden Chemiker. In Chemie koenne dagegen nur Chemiker promovieren ... Ich halte Chemie als eine Wissenschaft die aber groesstenteils auf Empirie beruht, fuer diese Aussage wuerden mich meine Chemie-Profs wahrscheinlich steinigen ;-)
CU Lars
Sesenion
30.10.2000, 01:59
Wenn die Chemie nur eine Hilfswissenschaft der Physik ist, was ist dann die Biologie?
Chemie ist einfach ein makroskopisches System der (Elementar-)Physik. Genauso ist die Mikrobiologie ein makroskopischeres System der Chemie. Das geht so weiter bis zur Verhaltensforschung oder gar bis zu solchen Dingen wie Politikwissenschaft. Die Systeme werden einfach immer größer und damit werden die Methoden der Wissenschaft so grundsätzlich anders, dass man eine nicht mehr völlig mit der anderen vergleichen kann. Sicher ist der Unterschied zwischen Chemie und Physik nicht so groß, aber die Methoden und Größenordnungen sind eben anders.
nobody
30.10.2000, 06:51
Ich finde schon allein die Vorstellung lachhaft, verschiedene Wissenschaften zu vergleichen und die Eine, als Unterwissenschaft der Anderen anzunehmen. Jede Wissenschaft hat meist klar definierte Grenzen.
Nun aber zur Chemie vs. Physik Hypothese:
Mit Physik lässt sich eine Neutralisation nicht erklären.
Mit Chemie lässt sich die Quantenmechanik nicht erklären, weil diese eben zu anderen Wissenschaftsgebieten gehören.
nobody
30.10.2000, 16:03
Also ich finde, zu Aristoteles' Zeiten war es vielleicht noch In, zu behaupten, eine Wissenschaft=Lehre sei vorzüglicher, die sich andere unterordne. Aber auch er hat schon gewußt, dass dies ins Endlose strebend sinnlos wäre.
Ich finde, heute leben wir in einer Zeit der interdisziplinären Arbeitsweisen - gottseidank und leider zugleich.
Gottseidank, weil es in Zukunft vielleicht weniger Erziehung zum Fachidioten geben wird und weil sich viele Wissenschaften gegenseitig befruchten. Was wäre Biologie ohne Chemie und Physik, Chemie ohne Physikalische Grundlagen oder "lebende" Anwendungen, ja Quantenphysik ohne Verknüpfung zur Chemie? Die einzelnen Gebiete wären abgeschottet, könnten sich nicht auf fremde Erfahrungen stützen und würden letztlich unproduktiver vor sich hin vegetieren.
Ich fidne allerdings, dass jede Wissenschaft ein spezielles Gebiet abdeckt, trotz der Verknüpfungspunkte zu anderen Disziplinen. Und so, wie es vielleicht Universalgelehrte geben kann, aber keine Universallehre, so wäre es http://www.chemieonline.com/forum/smilies/pukey.gif vermessen, wenn sich eine Wissenschaft eine andere unterordnete, die ja eigentlich ein anderes Gebiet behandelt - z.B. die Physik (Materieverhalten) die Chemie (Materiereaktion) oder umgekehrt.
Außer natürlich, man macht nen Joke und findet seine Disziplin natürlich am besten http://www.chemieonline.com/forum/smilies/tongue.gif - das ist ja bei uns allen so, dass uns unser Lieblingsthema einfach besser gefällt und eher liegt, oder?
[This message has been edited by Amino (edited 30-10-2000).]
nobody
30.10.2000, 17:18
Originally posted by Nightflyer:
Mit Physik lässt sich eine Neutralisation nicht erklären.
Dochdochdoch!
Mit Physik lassen sich alle Phänomene in der Chemie erklären.
Manche Phänomene sind aber nur schwer in ein logisches Konzept zu bringen, wie z.B. der etwas esoterisch anmutende Begriff der "Elektronegativität" - aber selbst das haben die Physiker geschafft.
Andere Dinge, die sich nur schwer begründen lassen, sind z.B. die Vorliebe der Elemente für gefüllte Valenzschalen. Das ist mehr oder weniger ein Dogma der Chemie, das lange verhindert hat, dass man überhaupt an Edelgasverbindungen geglaubt hat. Wer die physikalische Begründung für dieses Phänomen kennt, der wäre diesem Dogma der "Achterschale" nicht verfallen.
Chemie ist halt doch nur angewandte Physik.
Aber ihr Vorteil ist, dass sie Begriffe nicht unbedingt erst stichhaltig erklären muss, bevor sie angewendet werden.
Um es anders zu sagen: Mathematik ist die Hilfswissenschaft der Physiker, Physik ist die Hilfswissenschaft der Chemiker, Chemie ist die Hilfswissenschaft der Biologen, Biologie ist die Hilfswissenschaft der Mediziner, wobei man Medizin nicht mehr unbedingt als "Wissenschaft" bezeichnen kann, eher als anspruchsvolles "Handwerk".
Und das alles ist auch gut so. Je komplizierter das betrachtete System, desto sinnvoller ist es, von Axiomen oder Dogmen auszugehen, die man nicht bis ins kleinste hinein erklären kann. Die jeweilige Hilfswissenschaft liefert dann früher oder später die Mittel, um die Dogmen zu verfeinern oder zu modifizieren.
Dieses Verwenden von Dogmen, die die jeweils zuständige Hilfswissenschaft (noch) nicht erklären kann, führt zu den teilweise überheblichen Urteilen z.B. der Physiker gegenüber den Chemikern oder der Chemiker gegenüber den Biologen.
nobody
31.10.2000, 21:56
Du suchst ein guten Argument:
Physiker haben durchschnittlich 98 % Männeranteil (Und diese sind nicht mal hübsch (Frauenurteil)) , Chemiker haben rund 50 % Frauenanteil (Und einen guten... (Männerurteil)).
Jetzt aber mal im Ernst:
"Am Anfang war das Wort, und das Wort schuf die Chemie, und es sah das sie gut war ... und aus der Chemie entwickelte sich die Physik"
Nun aber wirklich im Ernst:
Jedes Fach hat so seine Hybris, und denunziert gerne ähnliche (eigentlich alle anderen), aber im grunde ist das Quatsch, und jede Fakultät hat ihre Berechtigung (alle mit mehr als 20 Wochenstunden )
Zwei Studenten der wirklich einzig wahren, gottgegebenen Fakultät.
hippie
01.11.2000, 14:13
Originally posted by Rainer:
Ich habe da ein sehr unangenehmes Problem mit einem Physiker!
nimms nicht so schwer, du bist nicht der einzige ;)
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Es gibt Probleme, die löst man am besten in HCl
[This message has been edited by hippie & buba (edited 01-11-2000).]