Wie sieht eigentlich der Komplex aus, der beim Nachweis mit Eisen(III)chlorid-Lösung und
Acetylsalicylsäure,
Paracetamol,
Coffein,
oder Ascorbinsäure
entsteht?
Mich interessiert vor allem wie sich das Eisen-Ion an diese Stoffe anlagert, und es zu einer Färbung kommt.
Vielleicht hat jemand von Euch eine Idee wie das abläuft, oder wo man so etwas erfahren kann.
Vielen Dank schon mal im voraus!
nobody
31.12.2002, 11:01
Die d-Orbitale des Eisen-(III)-Ions werden durch die freien Elektronenpaare der Liganden befüllt. Die Farben kommen durch Lichtabsorbtion bei Elektronenübergängen zustande.
Danke für die Links, auf den Websites habe ich vieles genauer nachlesen können.
Jedoch bleiben noch Fragen offen:
Ich benutze eine FeCl3 Lösung um Acetylsalicylsäure auf DCs nachzuweisen. Der Nachweis selber beruht allerdings auf der Bildung eines Chelatkomplexes der Salicylsäure mit dem Fe3+ Ion. Soviel konnte ich aus meinen Büchern entnehmen, es wird jedoch nicht erwähnt wie der Komplex aussieht. Ich habe mir schon mögliche Strukturen überlegt, brauche aber jetzt einen Beweis für eine davon.
Hier ist also wovon ich ausgehe:
Da das Ion eine Koordinationszahl von 6 hat, wird es also 6 Atome mit freien Elektronenpaaren oktaedisch um sich ordnen. Bei der Salicylsäure (welche ja nach der Esterhydrolyse aus ASS entsteht) stehen 3 Sauerstoffatome mit freien Elektronenpaaren zur Verfügung. Mit dem räumlichen Bau des Moleküls wäre das allerdings kaum zu vereinen, da die Carboxylgruppe und der Benzolring in einer Ebene liegen, und damit doch auch der Sauerstoff der Hydroxylgruppe. (Hier kann durchaus ein Denkfehler von mir liegen!)
Damit hätte das Eisenion also 3 Liganden, jeweils ein Salicylsäuremolekül. Offen ist damit aber immernoch welche 2 der 3 Sauerstoffatome sich mit ihren Orbitalen an das Zentralteilchen anlagern.
Das ist also wonach ich suche, die Struktur des Chelatkomplexes. Ähnlich ist es auch bei den anderen Stoffen, welche ich aufgeschrieben habe, es gäbe immer mehr als nur eine Möglichkeit für ein Komplexion.
Tut mir Leid dass meine Schilderung ein wenig länger geworden ist, ich konnte es nicht kürzer formulieren.
Danke für das nette Angebot sich weiterhin mit meinen Problemen befassen zu wollen, ich schätze das sehr!
Nochmals Danke,
Schubkarren
buba
02.01.2003, 14:14
http://www.chemie.uni-marburg.de/~butenuth/641.pdf S. 17f.
Adam
02.01.2003, 14:58
Hm.. ich mag da nicht so recht daran glauben was in obigen Ling steht.
Der Farbkomplex mit der Salicylsäure bildet sich aus drei Anionen der Salicylsäure, welche
sich um ein Eisen-(III)-Ion anlagern (Ich denke es sind der Carbonylsauerstoff und die freie depolarisierte Hydroxygruppe) Die Voraussetzung für den Nachweis mit Eisen-(III)-
chlorid-Lösung ist eine stark polarisierte OH-Bindung wie sie auch bei Phenolen oder Salicylsäure-Derivaten vorliegt.
Gruß
Adam
FK
02.01.2003, 17:28
@Adam
freie depolarisierte Hydroxygruppe
Watt is datt denn?
Die Struktur des Komplexes ist an sich ok. Finde es aber durchaus plausibel, dass zunächst Salicylationen an das Eisenion angelagert werden, so dass ein neutraler Komplex entsteht.
Der oben beschriebene Weg, bei dem die Säure angelagert wird und anschließend Protonen abgegeben werden, ist natürlich prinzipiell auch möglich.
Vielleicht hat ja mal jemand den genauen Ablauf ergründet....?
Gruß,
Franz
Adam
02.01.2003, 17:36
Watt is datt denn?
deprotoniert war gemeint sorry :D
-O-
Leider habe ich bis jetzt auch vergebens nach der Struktur gesucht.
Gruß
Adam
nobody
02.01.2003, 21:32
@ buba
Genau nach so einem Reaktionsschema suche ich, danke für die Info!
@ Adam
Dein Mechanismus erscheint allerdings wirklich wahrscheinlicher, Salicylationen anstatt der Säure selbst, eine sehr gute Idee!
Könnte man durch die Tatsache dass der Nachweis nicht für ASS funktioniert auch ableiten dass der Sauerstoff der Hydroxylgruppe beteiligt ist?
Immerhin wird der Rest des Moleküls nicht verändert, und sterisch wäre es doch für die Carboxylgruppe die gleiche Ausgangslage, da der Rest der Essigsäure nicht im Weg ist. (oder doch?)
Noch unsicherer bin ich mir bei Paracetamol, immerhin fand ich kein Buch das von einem "Chelatkomplex" sprach.
Damit könnten es doch auch 6 Paracetamol Moleküle als Liganden sein, wobei der Sauerstoff der Hydroxylgruppe aktiv ist.
Fragen über Fragen...
Ich danke jedem der sich die Zeit nimmt sich damit zu beschäftigen!
Vielleicht hat ja irgendwer sowas mal untersucht, ich geh auf jeden Fall noch ein paar Dissertationen durchstöbern, mal schaun ob doch was dabei ist...
FK
02.01.2003, 21:58
Bei Acetylsalicylsäure ist die Elektronendichte am Ringsauerstoff durch die Carbonylgruppe stark herabgesetzt. Das dürfte der Grund dafür sein, dass das Eisenion nicht daran bindet.
Paracetamol:
Eine Bindungsstelle ist schonmal die OH-Gruppe. Man könnte natürlich drüber nachdenken, ob die Pi-Elektronen des Rings als zweite Koordinationsstelle fungieren....eigentlich zieht Fe3+ aber "harte" Basen vor.
Man findet zwar die Farbreaktion mit Phenolen und Eisen(III) x-mal im Web, über die Anzahl der gebundenen Phenolmoleküle schweigt man sich aber gern aus...
Gruß,
Franz
Adam
03.01.2003, 11:09
@Schubkarren
Fragen über Fragen...
Ja leider...
Auch wenn die Nachweisreaktionen weit verbreitet sind
so ist die Konstitution der meisten Komplexe noch unbekannt.
Gruß
Adam
nobody
03.01.2003, 14:36
@ FK
Bei Paracetamol gäbe es ja neben der Hydroxylgruppe und den Pi-Elektronen des Rings auch noch die Möglichkeit dass der Stickstoff oder der andere Sauerstoff mit ihrem freien Elektronenpaar(en) das Fe-Ion binden.
Wären eigentlich der Stickstoff mit dem Kohlenstoff und den daran hängenden Sauerstoff auch alle mit den Pi-Elektronen des Benzolrings in einer Ebene, und bilden somit ein großes Molekülorbital?
Wenn ja, könnte es doch dazu führen dass die Elektronendichte zu sehr verteilt ist, und das Eisenion dort nicht angreifen kann, was wiederum bestätigen würde dass es sich um keinen Chelatkomplex handelt.
Das alles hat bei mir schon mehr mit Raten als Wissen zu, schade nur dass man die Lösung nicht nachschauen kann...
FK
03.01.2003, 15:09
Auch von der Acetamidogruppe wird etwas Elektronendichte in den Ring abgezogen (ebenso wie von der OH-Gruppe). Das funktioniert nur dann gut, wenn sie koplanar zum Ring steht.
Als Ligand zieht Fe3+ Sauerstoff vor, Stickstoff ist da nicht so beliebt.
Für ein ordentliches Chelat muss sich natürlich aus Zentralion + Ligand ein Ring bilden können; da sehe ich hier keine Möglichkeit.
Vielleicht haben wir ja Glück und finden doch mal eine Struktur eines Eisen-Phenol-Komplexes...
Gruß,
Franz
MegaJoule
21.07.2003, 08:13
Auf meine Nachfrage hin, hat mir meine Organik-Prof den Komplex mit Salicylsäure aufgezeichnet. Allerdings ein klein wenig anderst als unter Bubas Link angegeben. Bei der Carboxylgruppe bindet ebenfalls ein freies Elektronenpaar der OH-Gruppe und nicht das doppelt gebundene O.
Die Voraussetzung für den Nachweis mit Eisen-(III)-
chlorid-Lösung ist eine stark polarisierte OH-Bindung wie sie auch bei Phenolen oder Salicylsäure-Derivaten vorliegt.)-
Laut Mortimer 7.Auflage S.546 trägt das O-Atom der OH-Gruppe eines Phenols auf Grund des +M-Effektes der OH-Gruppe eine partielle positive Ladung. Aber wie kann es dann noch an Fe3+ binden?
Schöne Grüße
von MegaJoule
Zyrtec
12.01.2005, 20:44
Hallo,
ich habe mir grade den Komplex mit Salicylsäure mal angesehen. Offensichtlich ist die Carboxylgruppe da ja beteiligt.
Kann mir jemand erklären, wie dass dann bei Phenol aussieht? Das färbt sich meines Wissens doch auch bei Zugabe von Eisen(III)chloridlösung blau... :confused:
Grüße
Birgit
angulie
03.01.2008, 20:00
Ich stecke gerade vor dem selben Problem, dass ich gerne wissen möchte, wie viele Moleküle Paracetamol mit Eisen(III) einen Komplex eingehen.
zum Aussehen der Bindung hab nur das hier gefunden:
[URL="http://www.uni-saarland.de/student/fspharma/downloads/files/seminare/eab/ws_05/Nachweise%20von%20Alkoholen%20und%20Phenolen.pdf"[/URL]
Wird Cl und H, das aus der jeweiligen Bindung heraustritt zu HCL oder?