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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kernseifenlösung und Entzündungen


nobody
12.12.2002, 20:45
Hallo!

Meine Anfrage hat einen aktuellen Hintergrund.
Vor einigen Wochen hatte ich unbemerkt einen Holzspan am Ellenbogen „verinnerlicht“. Es kam zu einer Entzündung, welche durch Eintauchen in heiße Kernseifenlösung zurückging.

Worauf beruht diese heilende Wirkung der Kernseife (oder waren andere Faktoren ausschlaggebend)?

Meine bisherigen Recherchen ergaben z.B. Empfehlungen für die Hausapotheke – so u.a.: Kernseife (für Tierbisse). Die Bisswunde sollte sofort nach dem Biss mit Seifen- oder besser noch Kernseifenlösung ausgewaschen werden, da die Tollwut-Erreger empfindlich auf alkalische Seife reagieren.

Doch genügt diese Erklärung für den oben geschilderten Effekt? Ich kann nicht beurteilen, ob folgende chemische Informationen meine Frage beantworten können:
„Kernseifen (Natronseifen): Veraltete Bez. Für harte Seifen, die beim Kochen aus Talg, Schweine- u. Knochenfetten sowie beim Kochen mit Natronlauge erhalten werden; ...“
(Römpp, 9.Aufl., Band 3, S.2216)

„... Bei den Leimseifen bleibt das beim Verseifungsprozeß gebildete Glycerol u. Wasser, die sonst zur Herst. v. Kernseifen durch Aussalzen abgetrennt werden, in der Seifenmasse, die dadurch beim Erkalten nur halb fest wird. ...“
© 1998 Walter de Gruyter GmbH & Co / Hunnius & Pschyrembel / CD-Ausgabe / Artikel: Sapo

Godwael
12.12.2002, 21:43
Kernseifen sind recht alkalisch, und das mögen Lebewesen, die sich üblicherweise in den Körperflüssigkeiten von Warmblütern rumtreiben, überhaupt nicht. "Moderne" Seifen sind meist pH-neutral und Membranfreundlich.

nobody
12.12.2002, 22:07
Hallo, Godwael -

Danke für Deine Erklärung!
Der entscheidende Punkt ist dann also der pH-Wert (im alkalischen Bereich). :light:

Godwael
12.12.2002, 22:10
Zumindest nach allem, was ich weiß. Is ja auch nicht grad Hautfreundlich...

nobody
12.12.2002, 22:35
Hallo, Goldwael!

... nicht grad Hautfreundlich

Aber es ist vielleicht im Fall einer erforderlichen Hautaufweichung erwünscht ("Herausziehen" des Fremdkörpers bei einer u.U. schon bestehenden Hornschicht und evtl. Vorbereiten der besseren Aufnahme möglicher Heilmittel). (?)

Ich habe gelesen, daß Keratin seinen isoelektrischen Punkt bei einem pH von 4,1 hat und hier am widerstandsfähigsten ist. Es kann umso stärker zum Quellen gebracht bzw. angegriffen werden, je weiter der pH-Wert vom isoelektrischen Punkt abweicht.
(vgl. Vollmer, G. / Franz, M.: Chemische Produkte im Alltag; Stuttgart New York 1985; S. 174).

FK
13.12.2002, 06:59
Die Quellung der Haut spielt sicher eine Rolle bei der Wirkung der Seife.

- Leimseifen werden heute wohl nicht mehr hergestellt. Im Römpp-Lexikon, 8. Auflage von 1987, steht: "Die früher verwendeten Leimseifen wurden (soundso...) hergestellt".

Früher gab's sogenannten Seifenspiritus, eine Lösung von Kaliseife in Ethanol; wurde u. a. auch zur Desinfektion verwendet.


Gruß,
Franz

nobody
13.12.2002, 13:37
Hallo,Franz -

Danke für Deine Erläuterungen!

(Ich kann mich dunkel erinnern, wie wir als Kinder irgendeine klebrige Seifenmasse "als Medizin" zusammengebrutzelt haben. Allerdings war der angerichtete Schaden größer als der mögliche Nutzen ... :D :rolleyes: )