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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Luft/Benzin in Venen spritzen - was passiert?


nobody
29.11.2002, 14:03
Ich habe mal eine Frage, was im Körper geschieht, wenn man folgendes tut:

- Luft in die Venen spritzen
- Benzin in die Venen spritzen

Ich hab's nicht vor, keine Sorge, aber ich habe mal ein Gerücht gehört, dass sich der Körper durch das Benzin 'auflöst' - was geht da von sich?

Curie
29.11.2002, 14:09
Hi,

Ich denke nicht, dass sich der Körper mit Benzin auflöst, allerdings hättest du eine schwere Vergiftung.

Es kann aber sein, dass sich bestimmte Sachen "auflösen" da Benzin ein Lösungsmittel ist. Vielleicht lösen sich die Phospholipidmembranen der Zellen, wer weiss, das müsste man mal ausprobieren. (Nimm bitte kein Tier oder keinen Menschen...zB ein bischen Mundschleimhaut im Mikroskop müsste reichen)

Bei Luft weiss ich es leider nicht genau, kann mir aber denken, dass es sehr doll weh tut...

Gruss,

Curry

Langfingerli
29.11.2002, 14:13
Als ich gerade unter den Stichwörtern "Vene" und "Luft" unter google suchte, kam als erstes eine Selbsmordanleitung. Da steht jedoch, dass es fast unmöglich sei, dies durchzuführen, da einem vor Schmerz die Spritze aus der Hand falle :rolleyes: Also denke ich, dass es arg weh tut und eines ist sicher, gesund ist beides nicht ;)

Curie
29.11.2002, 14:26
Ich weiss ja nicht wieso das toedlich ist mit der Luft im Blut, aber ich habe mir folgenge Erklaerung ueberlegt:

Stellt euch mal vor, ihr habt Luftblasen im Blut...neben autsch machen wuerdet ihr langsam ersticken, denn die kleinen Blutgefässe (Kapilaren) würden verstopfen.

Versucht doch einmal ein ganz dünnes Rohr halb von oben mit etwas Dickflüssigem und von unten auch, so dass man in der Mitte eine Dicke Luftblase hat. Die kriegt man nie weg. Genauso wie dass man nie den letzten Tropfen aus den Pipetten in der Chemie rauskriegt. Da ist die Oberflächenspannung der Flüssigkeit zu gross, noch groesser bei Blut.

Tja, und um es doch wegzukriegen muesste man ziemlich viel Druck aufwenden bzw kräftig pusten. Bei den Kapilaren ist aber net so viel Druck drauf. Ich kann mir denken, dass die leicht kaputtgehen. Und wenn man überall, also in den Organanen, im Gehirn, etc verstopfungen hat..dann ist es bald aus, es tut ja auch weh.

Curry

Curie
29.11.2002, 14:34
Tatsächlich...


schrecklich

bm
29.11.2002, 15:00
ist bekannt :

http://www.google.com/search?hl=de&ie=ISO-8859-1&q=Taucherkrankheit&btnG=Google-Suche&lr=lang_de

Das mit Benzin ist eine ältere Redewendung : "Der hat Benzin im Blut", wobei auf einen flotteren Fahrstil anspielte. Wörtlich habe ich es allerdings nie genommen.

Dicty
29.11.2002, 15:13
Hallo,

ja also Luft in den Venen ist nicht gut. Es kommt dann zu einer sogenannten Luftembolie die sein tödlich kann.

Zitat (http://home.t-online.de/home/langholz.m/Scripte/EH/ehsicherung.htm)

Anfang

Luftembolie

Bei einer Luftembolie wird durch den subatmosphärischen Druck in den herznahen Gefäßen evt. Luft aus der Nadel angesaugt. Dies kann auch beim Wechsel des infusionsbesteckes der fall sein. Der feine Bläschenstrom verstopft die Lungenarteriolen (vitale Bedrohung >50 ml Luft). Es zeigt sich bei größeren Luftmengen ein Cor pulmonale mit einer typischen ausgeprägten Vasokonstriktion in der Lungenstrombahn.

Symptome einer Luftembolie sind:

fallender Blutdruck
ausgeprägte Tachykardie
sinkendes Herzzeitvolumen
gestaute Halsvenen
Arrhythmien
steigender Pulmonalarteriendruck
Häufigkeit der Embolien und Verletzung der Pleurakuppel 2-16%.

Vermeidung von Luftembolien durch

flüssigkeitsgefüllte Spritze auf Punktionskanüle oder Wechselbesteck
Oberkörpertieflage ("positiviert" ZVD)

Ende

Gruß,

Dicty

schlumpf
29.11.2002, 15:14
immerhin bekommen Individuen, die sowas ausprobieren, einen Eintrag bei www.darwinawards.com .... und die Menschheit ist ein paar Dummbatze los.

Aber mal ernsthaft: Sehr wenig Luft ist tolerabel und läßt sich beim Aufziehen von Infusionen fast nie vermeiden. Immerhin sind Sauerstoff und Stickstoff wasserlöslich, wenn auch nur in geringem Maße.

Größere Mengen haben den gleichen Effekt wie die Taucherkrankheit.

buba
29.11.2002, 16:36
Originalnachricht erstellt von meryl
Ich habe mal eine Frage, was im Körper geschieht, wenn man folgendes tut:

- Benzin in die Venen spritzen

Ich hab's nicht vor, keine Sorge, aber ich habe mal ein Gerücht gehört, dass sich der Körper durch das Benzin 'auflöst' - was geht da von sich?
http://www-vetpharm.unizh.ch/clinitox/TOXDB/WDK_061.htm

Auch die inhalatorische Resorption der flüchtigen Verbindungen ist sehr gut, so daß bei Aufnahme über die Lunge ebenfalls Vergiftungsfälle auftreten können. Bei gleicher Molekülgröße werden aromatische Verbindungen besser resorbiert als aliphatische Kohlenwasserstoffe.
Nach Übergang ins Plasma durchdringen die Substanzen leicht die Blut-Hirn-Schranke. Sie werden im Fettgewebe angereichert.
Der Abbau im Organismus geschieht hauptsächlich mittels Oxidation. Die Metaboliten werden glukoronidiert, sulfatiert oder mit Glycin konjugiert, bevor sie über die Niere ausgeschieden werden. Flüchtige Verbindungen werden auch über die Lungen ausgeschieden. Die Elimination der kurzkettigen Verbindungen ist nach 24 Stunden weitgehend abgeschlossen.

An der Kontaktstelle verursachen die Präparate eine direkte Schädigung der Haut, Schleimhaut und Augen. Es entsteht eine lokale Entzündung bis hin zu Erosionen und Ulzerationen der Oberfläche. Auf zellulärer Ebene wird die lokale Toxizität durch Auflösung der Lipidmembranen ausgelöst.

Die resorbierten Verbindungen wirken meist depressiv auf das ZNS. Die narkotische Wirkung ist besonders bei halogenierten Kohlenwasserstoffen ausgeprägt. Daneben erhöhen sie die Ansprechbarkeit des Myokards gegenüber Katecholaminen, was zu Arrhythmien und Herzstillstand führt. Paradichlorbenzol (ein Wirkstoff in Mottenkugeln) depolarisiert hingegen die Nervenzellen, und induziert so eine Übererregbarkeit (vergleichbar mit Organochlorinsektiziden),
Im Zuge der Biotransformation der Substanzen im Organismus entstehen Radikale oder Epoxide, die durch Reaktion mit Makromolekülen (Membranlipiden, Proteinen, Nukleinsäuren) zu Zellnekrosen führen. Eine Schädigung der DNA kann die Entstehung von Karzinomen induzieren.

nobody
29.11.2002, 17:56
ich danke euch allen für eure tollen erklärungen! ihr habt mir wirklich weitergeholfen! :) manchmal hat man ja so anfälle, wo einem die komischsten sachen plötzlich interessieren. also nochmals ein großes danke!